Samstag, 30. Mai 2015

Auswechselspieler

Die Bücher, die am längsten in meiner Sammlung sind, sind meist im schlechtesten Zustand. Das liegt weniger daran, dass sie es bei mir nicht gut hatten, sie waren schon bei der Ankunft in schlechtem Zustand. Anfänglich habe ich mir um den Zustand der Bücher wenig Gedanken gemacht, ich wollte sie einfach lesen und Dick vielleicht "vollständig" bekommen. Ausserdem musste man häufig froh sein, die Bücher überhaupt auf einem Flohmarkt oder in einem SF-Antiquaritat zu finden, egal in welchem Zustand.
Die Ansprüche, die Möglichkeiten und das Angebot sind über die Jahre erheblich gestiegen und da sich - zumindest im deutschen Teil der Sammlung - sonst wenig tut, nutze ich hin- und wieder die Möglichkeit einige Bücher auszutauschen. Dazu sollte man in seinem Katalog den Zustand jedes Buches kritisch erfassen.
Ich finde schöne, neue Bücher in perfektem Zustand schön, muss aber nicht jedes einzelne Buch in solchem Zustand haben. Es geht schliesslich um Dick, den Autoren, dessen Erstausgaben (meist) als Taschenbücher herausgekommen sind! Stören tun mich aber "schlimme" Schäden, wie grössere Flecken und beschädigte Seiten. Und ich mag keine Remittenden. Den Stempel "Mängelexemplar", oder die schwarzen, grünen oder roten Striche... versuche ich aus meiner Sammlung loszuwerden. Das ist aber schwerer, als man denkt. Abgesehen davon, dass bei Amateur-Anbietern die Zustandsbeschreibung häufig unzuverlässig ist - "gut" heisst vielleicht nur, dass noch alle Seiten da sind - wird ein Remittenden-Stempel auch häufig unterschlagen. Für ein Leseexemplar spielt das ja auch keine Rolle... für den Sammler entwertet es das Buch vollständig. Wenn die Angabe "kein Remittend" fehlt, sollte daher ruhig nachfragen - oder beim Profi kaufen, wobei auch das keine Garantie ist. So meide ich den hässlichen Hund jetzt vollständig; es scheint dort wohl u.a. zur Praxis zu gehören, die Schutzumschläge zu entfernen - mir ist das dort zweimal (von zweimal) passiert und auch die Taschenbücher waren in schlechtem Zustand, obwohl als "gut" angegeben. Nun ja - man lernt dazu. Bei teureren Käufen sollte man vielleicht auch mal nachfragen.
Links alt, rechts neu und ungestempelt in der Sammlung.
Ganz aktuell habe ich jetzt die Möglichkeit genutzt und ein Konvolut von acht Büchern gekauft, mit denen ich sechs der häufig als Remittenden auftauchenden blauen Moewig-Bände austauschen konnte. Konvolute sind unattraktiv, weil man oft viel mitkaufen muss, das man nicht will. Wenn man aber viel davon brauchen kann, sind sie oft eine gute Möglichkeit, da sie häufig (in der Summe) verhältnismässig preisgünstig sind und die Versandkosten pro Buch günstig sind. Und der auch bei mir ausgeprägte Widerwillen Bücher mitzukaufen, die man nicht will, führt dazu, dass Konvolute "liegen bleiben" - ich habe so schon öfter spannende Exemplare erworben.
Natürlich ergibt sich daraus ein anderes Problem: Die Doubletten. Man möchte ja für seine Dicks einen schönen Platz finden und sie nicht einfach entsorgen. Ich verkaufe oder vertausche einige, wenn ich dazu komme, sie irgendwo einzustellen, was auch erhebliche Arbeit sein kann. Oder ich verschenkte sie, wenn mich jemand fragt, was man denn von Dick so lesen könne.
Als abschliessender Web-Tipp - unter Vorbehalt - eine weitere Metasuchmaschine: JustBooks.de. Insgesamt bevorzuge ich Eurobooks, allerdings findet JustBooks gelegentlich wohl auch mal etwas anderes. Ausserdem sortiert es sehr nett, das kann hilfreich sein. 

Samstag, 23. Mai 2015

Phantastisches in der Sammlung

Philip K. Dick bei der Edition Phantasia: Drei Romane, zwei Bände mit Essays
und Briefen, ein Kinderbuch und ein Interview-Band - und K. W. Jeters Dr. Adder
mit einem Nachwort von Dick
Einen wichtigen Block aller Dick-Ausgaben machen die sieben Bücher der Edition Phantasia aus. Es gibt umfangreichere Reihen und auch Reihen mit inhaltlich bedeuteren Werken von Dick, aber diese Reihe von sieben Büchern sticht doch hervor. Aus Sicht des Sammlers ist da zunächst die Seltenheit (einiger) dieser Bände zu nennen - und damit verbunden ist natürlich auch der Preis.
Die vier vergriffenen Ausgaben sind teilweise fast unmöglich zu finden, insbesondere das nicht nur inhaltlich mächtige Auf der Suche nach Valis (2002) mit 495 Seiten und das schmale Das Mädchen mit den dunklen Haaren (1994). Auch Dicks einziges Kinderbuch, Nick und der Glimmung (2000) und In Milton Lumky Land (1995) sind vergriffen, aber obwohl sie in gleicher Auflage von 250 erschienen sind, durchaus häufiger, in jedem Fall aber günstiger zu finden.
Und natürlich werden diese Ausgaben der Edition Phantasia von Sammlern nachgefragt, die nicht unbedingt primär an Dick interessiert sind, sondern einfach an den feinen Ausgaben dieses Verlages.
Einige Ausgaben sind zur Zeit noch beim Verlag erhältlich, nämlich Der Mann, dessen Zähne alle exakt gleich waren (1985), der erste Band von Dick in der Edition Phantasia - im Jahr nach der Verlagsgründung 1984 erschienen - in der offenbar zu optimistischen Auflage von 1000 Exemplaren; ausserdem ... wenn unsere Welt ihr Himmel ist? (2006), ein langes Interview mit Dick, das in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienen ist und zuletzt Mary und der Riese (2010) mit einer Auflage von 400.
Nach meinem Eindruck sind sie diese Bände wieder erhältlich, ich bin mir recht sicher, das sie eine ganze Weile als vergriffen geführt wurden. Ausserdem findet man diese Bände seit kurzem in diversen Kanälen als Neubuch. Möglicherweise hat der Verlag hier noch ein paar Kisten mit Büchern gefunden, die jetzt auf den Markt gebracht werden; für die vergriffenen Ausgaben wird das nicht passieren. Es lohnt sich hier auch auf der Verlagsseite direkt zu suchen. (Ähnliches konnte man vor Jahren mit Die kaputte Kugel von Haffmans erleben, ein Buch, das eher selten zu finden war, gab es auf einmal überall - oft "original" in Folie eingeschweisst).
Die Qualität der Bände ist hoch, nicht nur im Vergleich zu den üblichen Taschenbuchausgaben. Ein schöner Leineneinband mit hochwertigem Schutzumschlag, jeder Band nummeriert, dem Hinweis dass weitere dreissig Ausgaben nicht im Handel verfügbar waren. Und Nick ist dann noch sehr hübsch mit Illustrationen und Signatur der Künstlerin versehen. Alle Bände haben das gleiche Format, oktav, Lesebändchen und sind auf dickem Papier gedruckt. Die Übersetzung hat in allen Fällen der "Chef" selbst erledigt, wie auch schon vorher in der Anthologie Der goldene Mann, Moewig (1981). Joachim Körber hat übrigens draüber hinaus schon früh einige Artikel und Rezensionen von und zu Dick veröffentlicht.
Das grosse Verdienst dieser Reihe - über die Seltenheit und Qualität der Ausgabe hinaus - ist es, dass sie ausschliesslich aus deutschen Erstausgaben besteht, die auch nicht wieder erschienen sind. Die Edition Phantasia gibt sonst auch viele Luxusausgaben heraus, die es dann in anderer Form einfacher und billiger gibt (und das Thema Stephen King mag man in den entsprechenden Foren nachlesen), nicht so bei Dick. In den USA ist Edition Phantasia vielleicht mit Subterranean Press vergleichbar, die auch verschiedene Sammlerausgaben von Dick herausgibt und auch die erste amerikanische Ausgabe von Nick herausgebracht hat - jedoch erst 2008.
Der Phantasia Almanach Nr. 3 von 2014
Für Dick-Interessierte gibt es noch zwei weitere Erzeugnisse des Verlags. Zum einen ist das der PHANTASIA ALMANACH 3 (2004), 30 Seiten mit einem zweiseiten Text von Dick (Seite 13-14): Das Wirken des Paulus. Kurze Synopse eines Alternativwelt-Romans. Übersetzt (natürlich) von Joachim Körber. Das Original wurde als Beilage für eine limitierte Ausgabe der Collected Stories von Under-Miller 1987 veröffentlicht. Nachgedruckt ist es im Original (wohl nur) in PKD Otaku #10. Es wäre interesssant zu wissen, wann Dick dieses stark religiös inspirierte Stück geschrieben haben; man darf vermuten nach 2-3-1974.
Der PHANTASIA ALMANACH erscheint jährlich und wird nicht verkauft, sondern - wohl gegen Ende des Jahres - an direkte Kunden des Verlags versendet - und so direkt habe ich auch meinen erhalten. Auch diese Hefte werden offenbar gesammelt und erzielen, wenn sie selten auftauchen, höhere Preise.
Weiterhin ist hier in der Phantasia Paperback Reihe von K. W. Jeter das seinerzeit etwas umstrittene Dr. Adder in der deutschen Erstausgabe erschienen. Der Band enthält ein vierseitiges Nachwort von Dick (1979), was nicht verwundern sollte, weil Jeter und Dick enge Freunde waren. Auch zum Buch seines Freundes Goularts Als alles auseinanderfiel hatte sich Dick ja unterstützend geäussert.
Die biliographischen Informationen zu den Büchern des Verlags sind hier noch mal zusammengefasst.
Der Web-Tipp ist die wohl gut bekannte Seite eurobuch.com. Hier zu suchen ist praktisch unverzichbar, wenn man so seltene Ausgaben wie die oben genannten finden will. Eurobuch ist eine Metasuchmaschine, die die üblichen Quellen, ZVAB, booklooker, amazon, abebooks, ebay, absucht, aber noch einige weitere. Ausserdem kann man dort nach Anmeldung Suchen hinterlegen, eine Möglichkeit, die man nicht auslassen sollte, wenn man wirklich ernsthaft Sammeln will.

Samstag, 16. Mai 2015

Suhrkamp und Insel

Nach dem Goldmann Verlag war der Insel Verlag der nächste grössere Verlag, der Dick in Deutschland herausgebracht hat. Dies war sicher das Verdienst von Franz Rottensteiner, der von 1971 bis 1975 in der Insel-Reihe Science Fiction der Welt ausser Dick noch viele andere grosse Autoren herausgebracht hat, so auch Stanislaw Lem. Franz Rottensteiner hat dann für Insel auch gleich zwei der grossen Romane von Dick ausgewählt: Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch und Marsianischer Zeitsturz. Bei Insel hiessen diese aber, in der deutschen Erstausgabe, LSD-Astronauten und Mozart für Marsianer. Wenn man Mozart auch akzeptieren kann, schliesslich spielt eine Aufnahme von Mozart im Buch eine Rolle, so ist LSD-Astronauten schwer zu verschmerzen. Heyne hat daher auch später die eng am englischen Original angelehnten Titel gewählt und damit sicher besser gelegen.
Mozart für Marsianer von 1973 und LSD-Astronauten von 1971 als
Hardcover-Ausgaben im Insel-Verlag
Die Ausgaben im Insel Verlag sind lila Pappbände mit einem wirklichen schönen, 70er-Jahre bunten Schutzumschlag. Dieser Schutzumschlag bereitet bei diesen Ausgaben, zumindest bei den LSD-Astronauten, leider häufig Sorgen, weil sich die Beschichtung des Umschlages - sei es die Cellophanierung oder die Kaschierung - löst; die Umschläge sehen oft schlimm aus. Ansonsten sind die angebotenen Exemplare, die man problemlos finden kann, aber in der Regel sauber und allgemein in gutem Zustand; sie standen wohl öfter gut verwahrt im Bücherschrank von Literaturinteressierten als im Kinderzimmer den Übeln der Zeit ausgesetzt zu sein.
Diese Reihe ist übrigens selbst für sich sammelwürdig: Schöne Bücher in schönen Ausgaben von namhaften Autoren; vielleicht sind wirklich gute Exemplare daher auch etwas teurer. Der Originalpreis waren immerhin auch stolze 14,50 DM.
Der Insel Verlag gehört seit 1963 zu Suhrkamp und so sind die beiden Insel Ausgaben später bei Suhrkamp in der ebenfalls lange von Franz Rottensteiner betreuten Reihe Phantastische Bibliothek erschienen, die sich auch mit ihrer lila Grundfarbe farblich der Reihe bei Insel annähern.
Ubik bei Suhrkamp: Links die erste Auflage von 1977, rechts
die dritte Auflage von 1981 mit abweichendem Umschlagbild
Als erster Roman von Dick war 1977 bereits Ubik in der Reihe erschienen, erneut ein - bzw. wohl das -  Hauptwerk von Dick; Rottensteiner hält die drei Romane für die besten von Dick [Polaris 7, Vorwort]. Ubik ist in der Folge bis 1993 in mindestens sechs Auflagen bei Suhrkamp erschienen -  und danach bei Heyne. In den Büchern wird auch noch die Auflagenhöhe angegeben, eine schöne Angewohnheit, die mittlerweile völlig verschwunden ist: Auflagenhöhen sind heutzutage natürlich geheim, zumindest aber öffentlich nicht mehr zugänglich. Zur dritten Auflage ändert sich übrigens das Umschlagbild: Der weisse Rahmen um den Kopf der Figur (vielleicht ist das Glen Runciter) verschwindet. Das Nachwort der Ausgabe von Suhrkamp ist von Stanislaw Lem: Ubik als Science Fiction. Der Text erschien zuerst in Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift Quarber Merkur 29 (1972) und wurde dann mehrfach, auch englisch, andernorts publiziert. Der Quarber Merkur erscheint übrigens seit 1963 im Jahr 2015 mit der Nummer 114 noch immer, seit neuerem bei einem anderen Verlag; man kann über die Jahre viele Artikel über Dick finden (aber das ist ein separater Blogeintrag).
Einen weiteren Blogeintrag ist auch der Kontakt von Dick und Lem, der auch Rottensteiner miteinbezog, wert. Letztlich führte das zur frühen Veröffentlichung von Ubik in Polen, wo der Roman dann in der Reihe Stanislaw Lem empfiehlt bereits 1975 erschienen ist, also eher als in Deutschland. Rottensteiner hat Lem wohl auch erst auf Dick aufmerksam gemacht [u.a. SF Commentary #88]. Die Zusammenarbeit von Rottensteiner und Lem nahm dann später kein gutes Ende.
Der Überblick über die Ausgaben findet sich in der Verlagsübersicht. Zur etwas mysteriösen broschierten Ausgabe der LSD-Astronauten gibt es einen separaten Blogeintrag.
Der WorldCat ist der Web-Tipp der Woche. WorldCat ist ein Netzwerk von Bibliotheken und daher sind die Inhalte recht hochwertig. Bibliotheken beschäftigen eben ausgebildete Profis, die ein Ersterscheinungsdatum eines Buches vom Datum der Ausgabe und dem Datum des Copyright unterscheiden können. Laut WorldCat ist die genannte polnische Ausgabe von Ubik offenbar die erste Ausgabe von Dick im Ostblock. Es gab bis zum Ende der Sowjetunion offenbar noch Ausgaben von Romanen in Jugoslawien (1982 und folgende), in Ungarn (1986), aber keine in der Sowjetunion selbst - und auch nicht in der DDR.

Samstag, 9. Mai 2015

Ein ungelöstes Rätsel

Eine broschierte Ausgabe von Philip K. Dicks LSD-
Astronauten
bei Insel
Im Rahmen eines Konvoluts von Bücher von Philip K. Dick ist neulich eine durchaus rätselhafte Ausgabe bei mir gelandet. Ich gebe zu, dass mich das Konvolut auch wegen dieser Ausgabe angesprochen hat, allerdings war die Motivation - zumindest auch - diejenige, einige Bände auszutauschen. Als das Buch dann vor mir lag, war es nicht weniger rätselhaft als es auf dem Bild gewesen war: Eine broschierte Ausgabe des Insel-Bandes LSD-Astronauten von 1971. Vom Format minimal kleiner als die bekannte gebundene Ausgabe im Pappeinband mit Schutzumschlag, weil der Einband dieser broschierten Ausgabe eben so gross wie der Buchblock ist, wie das bei Taschenbüchern eben so ist. Bei den gebundenen Ausgaben sind der Pappeinband und der Schutzumschlag in üblicher Weise grösser als der Block. Und der Block dieser broschierten Ausgabe ist identisch mit dem Block der gebundenen Ausgabe. Es gibt keinerlei Hinweise im Text auf eine gesonderte Ausgabe, der Block ist identisch. Auch der Umschlag, obwohl am Rücken fest mit dem Block verklebt, ist vom Material ein Schutzumschlag - und leidet daher, wie die meisten Exemplare dieser Insel-Reihe, unter Auflösungserscheinungen: Eine durchsichtige Schutzfolie löst sich vom Schutzumschlag. Dieses Exemplar ist jedoch diesbezüglich in gutem Zustand; es ist wohl auch gelesen. Ein Bleistifteintrag "€ 30" zeigt, dass das Buch schon eine längere Reise hinter sich hat.
Die Bindung der broschierten Ausgabe
von LSD-Astronauten im Vergleich mit
den gebundenen Ausgaben
Die Bindung sieht absolut professionell aus und nicht repariert oder bearbeitet; auf dem Bild sieht man oben die broschierte Ausgabe, darunter die gebundene, ganz unten die andere Dick-Ausgabe in der Insel-Reihe Science Fiction, Mozart für Marsianer von 1973. Es sieht nicht so aus, als ob jemand seine gebundene Ausgabe neu gebunden hätte, es scheint auch nicht möglich zu sein, den Block so sauber aus einer gebundenen Ausgabe zu lösen. Die Ausgabe muss wohl so vom Verlag kommen.
Worum handelt es sich hier also? Die offensichtlichste Erklärung ist wohl, dass es sich um ein Rezensionsexemplar handelt; ich weiss nicht, ob Insel Rezensionsexemplare dieser Art herausgegeben hat. Es scheint allerdings (auch) bei Insel üblich gewesen zu sein, Rezensionsexemplare als solche zu kennzeichnen, d.h. mit einem Aufkleber zu versehen und zu stempeln. Das ist hier nicht passiert.
Wenn man nach US-Ausgaben von Dick sucht, findet man viele Rezensionsexemplare, d.h. mit dem Vermerk review copy. Man findet auch viele proof copies. Das sind Probedrucke, die wohl allerdings auch in der Art von Rezensionsexemplaren verteilt werden. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Ausgabe also auch um eine Art Probedruck, allerdings habe ich solche Probedrucke bei deutschen Ausgaben vorher noch nicht gesehen.
In meiner Sammlung wird dieses Exemplar erst mal einen festen Platz einnehmen, sein Stellenwert ist mir allerdings nicht ganz klar. Entweder ist dies ein kurioses Einzelstück - oder ein seltenes Rezensionsexemplar (oder was auch immer). In jedem Fall ist so eine Ausgabe eine Bereicherung - und jede Überraschung ist doch willkommen.
Zu den Insel-Ausgaben kann man wohl noch anmerken, dass sie in lila gedruckt sind. Inhaltlich kann man anmerken, dass die Titel kritisiert werden, die sich von den englischen Originaltiteln unterscheiden und auch irgendwie nicht zu passen scheinen. Die Suhrkamp-Ausgaben haben die Titel übernommen, spätere Ausgaben von Heyne bzw. Haffmans haben neue Titel gewählt: Marsianischer Zeitsturz bzw. Die drei Stigmata des Palmer Eldritch.
Der Web-Tipp ist eine ungewöhnliche Seite mit einer Bibliographie zu Werken und - interessanter - vielen interessanten Büchern und Artikeln über Dick: Eine Philip-K.-Dick-Bibliographie / A Bibliography of Philip K. Dick.

Samstag, 2. Mai 2015

Illuminaten, Strahlen, Chemie und anderes

In den letzten Wochen gab es zwei Zugänge in meiner Sammlung, die etwas anders sind; obwohl nicht wirklich im Zentrum der Sammlung, gibt es doch eine Abteilung von englischen Büchern und Zeitschriften. Schwierig ist das Sammeln in diesem Bereich, weil das Angebot in Deutschland recht klein ist - und von den USA, wo das Angebot (zumindest zunächst) gewaltig ist, trennen uns die ("neuen") Portokosten. Daher ist es um so schöner, wenn man etwas in Deutschland finden kann. Diese beiden Funstücke sind mir in der Bucht in die Netze bzw. die feeds gegangen. Man darf dann nicht zögern, weil sich so etwas in diesem Teil der Welt so schnell nicht wieder zeigen wird...
Steamhovel Press, Nummer 8 (1993)
Der erste Fang war also Ausgabe Number Eight 1993 eines US-Magazins zu offenbar jeder Art von Verschwörungstheorie, Steamshovel Press. Das Magazin ist auf Zeitungspapier gedruckt und geheftet (Achtung, Rost!), die Vorder- und Rückseite sind zweifarbig bedruckt. Enthalten ist der vierseitige Artikel Phillip K. Dick and the Illuminati (sic; auf der Titelseite stimmt die Rechtschreibung des Titels aber) von Jay Katz. Es geht um Dicks Pink Beam Erlebnisse und nachfolgend Valis als Beleg für geheime Informationsübertragungen und erscheint mir - doch erwartungsgemäss - etwas verworren. Nun ja. Es handelt sich um einen Vorabdruck aus Katz' Buch Saucers of the Illuminati von 1999. Es ist unklar, ob sich in dem Buch mehr zu bzw. eher von Dick findet; inhaltlich ist es vielleicht weniger relevant. Ein nettes Stück für die Sammlung ist es aber, finde ich, auch wenn der Zustand nur mässig ist (ich hatte das Preisschild nicht gesehen, hätte es aber wohl trotzdem gekauft) und man auch diese Ausgabe offenbar noch verlagsneu erhalten kann, aber eben in den USA hinter der Porto-Hürde.
CHEMICAL IMBALANCE, Vol. 2 #2
Danach kam das deutlich spannendere CHEMICAL IMBALANCE, Vol. 2 #2 der US-amerikanischen alternative/Sub-Kultur-Zeitschrift, die ihr Hoch wohl eher in den 80ern hatte. Nur der Umschlag ist farbig bedruckt, das Titelbild ist ansprechend, die Seiten aber sind ebenfalls Zeitungspapier, also eher eine billig Produktion. In dieser Ausgabe sind auf fünf Seiten vier Briefe abgedruckt, die Dick 1973 an den Comic-Zeichner Art Spiegelman und seine damalige Partnerin Michele Gross geschickt hat, sowie eine Portraitzeichnung von Dick von Gary Panter. Die Briefe hat offenbar Spiegelman selbst zur Verfügung gestellt; drei der vier finden sich auch in den Selected Letters of Philip K. Dick 1972-1973. Es fehlt dort der kurze Brief vom 19. April (der wohl nur hier veröffentlich sein dürfte), dafür finden sich in den Letters weitere Briefe von Dick an die Spiegelmans (und einer von seiner Frau Tessa), auch noch spätere von 1975. Einen Bezug zu Deutschland findet man in dem im Magazin undatierten Brief (er ist laut Letters vom 18. Dezember): Dick schreibt er habe die deutsche Ausgabe vom The Man in the High Castle erhalten. Dabei muss es sich um die deutsche Erstausgabe von Das Orakel vom Berge vom König Verlag handeln, die 1973 erschienen ist. Ansonsten geht es viel um eine mögliche kreative Zusammenarbeit der beiden. Das wäre sicher spannend geworden, aber leider ist es dazu ja nicht gekommen.
Zum Schluss sei gesagt, dass es zwischen Deutschland und den USA noch das Vereinigte Königreich, vulgo England, gibt. Das Porto von dort ist deutlich niedriger als von den USA, das Angebot englischsprachiger Magazine, auch US-amerikanischer, deutlich grösser als hier zu Lande. Man sollte manchmal ein bisschen aufpassen, ob man eine US-amerikanische oder eine britische Ausgabe kauft; gerade bei den Magazinen der 50er Jahre gab es gelegentlich britische Ausgaben der US-Originale.
Der Web-Tipp ist natürlich eine englisch-sprachige Webseite, nämlich die Philip K. Dick-Fan-Seite. Die Seite lebt noch, es gibt hin- und wieder Neues, unter anderem beherbergt sie auch das alte PKDweb, das ausführliche bibliographische Informationen zu den englischen Veröffentlichungen (bis etwa 1999) enthält.