Samstag, 20. Juni 2015

Vor dem Anfang in der Heftzeit

Die ersten Veröffentlichungen von Philip K. Dick (auf jeden Fall von Romanen) und damit die erste Spur, die sich von Dick überhaupt in Deutschland finden lässt, sind die Übersetzungen seiner ersten beiden veröffentlichten Romane. Es handelt sich um Griff nach der Sonne, im Original Solar Lottery (1955 bei Ace erschienen) und Geheimprojekt Venus, im Englischen The World Jones Made (1956 ebenfalls bei Ace).
Griff nach der Sonne und Geheimprojekt Venus von Philip K. Dick in der 
Reihe Abenteuer im Weltenraum als Heftromane im Semrau Verlag, im 
Jahre 1958 die ersten Veröffentlichungen von Philip K. Dick auf Deutsch
Diese sind 1958 beim Alfons Semrau Verlag in Hamburg in der Heftromanreihe Abenteuer im Weltenraum (nicht etwa Weltraum!) als Band 7 und 8 erschienen. Semrau hatte eher Comics und die auch in den Heftromanen putzig beworbenen Rätselhefte herausgebracht. Die Hefte erschienen monatlich am Kiosk, so dass für Band 7 etwa von September ausgegangen werden kann, da Band 11 der erste 1959 erschienene Band ist.
Diese Hefte haben die typischen Umschlagbilder, die unterschiedlich beurteilt werden, mir gefallen sie recht gut; die Hefte haben in ihrem DIN A5 Format auch eine schöne Grösse und damit einen Vorteil gegenüber dem üblichen, kleineren Taschenbuchformat. Ansonsten sind die Hefte immer identisch gestaltet: Umschlagbild, auf der Innenseite Werbung für die Reihe, Vorblatt und auf Seite 3 beginnt zweispaltig der Text, der nicht von Bildern oder Werbung unterbrochen wird, bis Seite 96. Die Innenseite des Umschlags wirbt dann für einen älteren Titel der Reihe, die Rückseite einheitlich für zwei Rätselzeitschriften: Auf Weltraumfahrt sind die Helden unserer Romane monate- und jahrelang von ihrer irdischen Heimat entfernt. Kein Wunder, daß [...] oft Langeweile an Bord herrscht. [...] Wie gut, dass es dann das WOCHEN-RÄTSEL von Semrau gibt! - Weitere Artikel, ein Vorwort oder ähnliches gibt es bei Semrau nicht.
Rückseiten der Hefte mit Werbung für Rätselhefte
Laut Eigenwerbung im Heft bringen [Abenteuer im Weltenraum] nur sorgfältig ausgewählte Werke der besten deutschen, englischen und amerikanischen Autoren - Aktuell! Erregend! Dramatisch!
Tatsächlich sind die für die Zeit mit 1 DM (für die jüngeren: "Deutsche Mark") eher teuren Hefte durch den grossen Umfang von 96 Seiten und einen kleinen Satz tatsächlich recht umfänglich und relativ wenig gekürzt. In der Neuausgabe bei Terra in den Jahren 1964 und 1965, die ich in einem vorigen Blogeintrag schon vorweggenommen habe, muss der Übersetzer mit 66 Seiten auskommen. Dort ist ebenfalls H.G. Zimmerhäckel als Übersetzer genannt; man kann davon ausgehen, dass die deutschen Semrau-Ausgaben einfach gekürzt wurden. Zum Übersetzer: Ich konnte leider den vollen Namen des Übersetzer nicht ermitteln, dabei haben doch auch die Übersetzer einen grossen Anteil an der deutschen Ausgaben ausländischer Autoren; das wurde früher wohl nicht ganz so gesehen, speziell bei der "Trivialliteratur", vielleicht handelt es sich auch um ein Pseudonym.
Am Kreuzweg der Zeit von Andre
Norton, nicht von Philip K. Dick,
auch wenn es so angegeben ist
Bei Semrau ist es in der Reihe, die mit Band 19 eingestellt wurde, zu zwei erheblichen Fehler gekommen. Band 13 war ein Fehldruck (wohl bzgl. der Druckqualität), der tatsächlich auch nicht ausgeliefert wurde. Band 9 erschien als Am Kreuzweg der Zeit unter dem Autorennamen Philip K. Dick. In der Terra-Reihe von Moewig, die auch diesen Roman nachdruckte, hat man auch, wie beschrieben, die Angabe zum Autoren übernommen - fälschlicherweise, wie dort bereits beschrieben. Crossroads of Time, so der Originaltitel, ist von Andre Norton. Heute würde man nach Band 7 und 8 von Philip K. Dick bei Band 9 einen elektronischen Copy & Paste Fehler vermuten, 1958 kann man das als Fehlerursache ausschliessen; der Fehler ist auch im Heft mehrfach wiederholt, es ist also nicht etwas nur ein Fehler des Umschlaggestalters.
1970 wird der Alfons Semrau Verlag gemeinsam mit dem Arthur Moewig Verlag und dem Erich Pabel Verlag von Bauer übernommen und ist heute wohl so ziemlich vergessen; er hat nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Beim Erich Pabel Verlag ist übrigens 1958 wohl im August Die Frau seiner Träume erschienen, eine Sammlung, die bereits eine Kurzgeschichte von Dick enthält; mehr dazu im nächten Blogeintrag, beim dem es um Pabel geht.
Details zu den Ausgaben gibt es auf der Seite zum Alfons Semrau Verlag.
Als Web-Tipp gibt es einen Übersichtsartikel zu Science Fiction Heften, der sich vielleicht sonst nicht so leicht findet.

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