Samstag, 29. August 2015

Folio

The Man in the High Castle
im Schuber
Illustration aus The Man
in the High Castle
Vor einigen Tagen traf ein - neuerlicher - Impulskauf ein. Ich suche gelegentlich nach Neuigkeiten und fand einen Artikel über eine Neuausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle bei The Folio Society. Interessanterweise findet sich diese Ausgabe (noch) nicht bei Amazon - oder sonst irgendwo. The Folio Society verkauft offenbar exklusiv über den eigenen Laden in London und übers Netz. Auch wenn das Wort auf den Seiten vermieden wird, so ist The Folio Society letztlich ein Buchclub. Und wie andere Buchclub-Ausgaben in den USA, Grossbritannien und auch Deutschland, so werden auch diese Ausgaben exklusiv vertrieben - und tragen daher auch keine ISBN.
The Folio Society bemüht sich um sehr aufwendige Sammlerausgaben und ist deshalb kein gewöhnlicher Buchclub. Bemerkenswert sind an dieser Ausgabe die Illustrationen von Shan Jiang, die wirklich sehr ästhetisch sind. Weiterhin gibt es ein Vorwort von Ursula K. Le Guin, die Dick kannte (sie gingen auch zur selben Zeit in dieselbe Schule, haben sich dort aber offenbar nie getroffen). Das Vorwort ist offenbar für diese Ausgabe geschrieben (es gibt auch ein Vorwort zu einer anderen Folio-Ausgabe von ihr) und es ist auf scheinbar sonst nirgends erschienen.
Die aktuelle (2015) Folio-Ausgabe von The Man in the High Castle von
Philip K. Dick
Wie es sich für eine Sammlerausgabe gehört, ist das Buch aufwändig verarbeitet: Im Schuber und mit blauem Leineneinband, buntem Kapitalband, auf dickem Papier und im schönen Layout ist es sein Geld sicher wert, auch wenn (mir) das Lesebändchen fehlt. Allerdings will man auch als Sammler nicht zu viele neue Sammlerausgaben, zumindest nicht, wenn die eigenen Ressourcen beschränkt sind.
Die englische Originalausgabe von The Man in the High Castle ist erstmals 1962 erschienen und hat 1963 den Hugo Award gewonnen. Das war ein grosser Durchbruch für Dick. Nach Blade Runner gehört es - auch international - mit rund 30 englischen Ausgaben zu den meist verlegten Werken Dicks.
Die deutsche Erstausgabe
von Das Orakel vom Berge
vom König Verlag (1973)
Auf Deutsch gibt es acht Ausgaben von Das Orakels vom Berge. Nach der ersten Ausgabe 1973 im König Verlag, folgen, wie berichtet, zwei unveränderte Ausgaben mit jeweils zwei veränderten Titelbildern bei Bastei-Lübbe in den Jahren 1980, 1982 und für die zweite Ausgabe 1989, 1992.
Das Orakel vom Berge von Heyne
2000 folgte dann eine Neuübersetzung in der Allgemeinen Reihe bei Heyne, die um einige begleitende Texte grosszügig erweitert ist. Zunächst ist das ein Vorwort von Kim Stanley Robinson, der auch Die Romane des Philip K. Dick (Shayol, 2005), ein absolutes Standardwerk, geschrieben hat und daher ein guter Kenner der Materie ist. Am Ende des Buches findet sich ein Anhang mit einer Einführung von Wolfgang Jeschke. Es folgt eine Seite Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen und dann das Fragment einer Fortsetzung des Romans, zwei Kapitel von insgesamt 2 Seiten. Dieses Fragment ist mit 1974 datiert und im Original erstmals in The Shifting Realities of Philip K. Dick (Pantheon, 1995) erschienen; offenbar sonst nicht wieder. Die Texte stammen offenbar aus der bereits vorher hier erwähnten Special Collections in Fullerton, einem - leider nicht mehr vorhandenem - Nachlass von Dick.
In der grossen Philip K. Dick-Edition von Heyne erscheint die nächste Ausgabe in rotem Einband 2008 auf 349 Seiten, das ist eine Seite mehr als die vorige Ausgabe. Trotzdem enthält sie nur das Vorwort von Robinson, nicht die Fortsetzung. Das ist gerade für eine Dick-Edition natürlich schade.
Das Orakel vom Berge
bei Fischer (2014)
Die letzte, aktuelle Ausgabe von Fischer in der Klassik-Reihe (2014) hat dann wieder nur den blanken Text, ohne Vorwort und Anhang auf 271 Seiten.
Interessant ist noch die Widmung; König und Bastei-Lübbe setzen dem Buch An Ernst Jünger für "Auf den Marmorklippen" voran, Heyne und dann Fischer jedoch Für meine Frau Tessa und meinen Sohn Christopher, in tiefer Liebe. Die zweite Widmung hat auch die Folio-Ausgabe: To my wife, Tessa, and my son, Christopher, with great and awful love. Es gibt auch Ausgaben mit der eigentümlichen Widmung To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written; immerhin war Dick mit Anne zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verheiratet, Tessa hat er erst zehn Jahr später kennengelernt. Warum man die Widmung hier geändert hat, darüber kann man nur spekulieren. Offenbar folgen die deutschen Ausgaben aber den amerikanischen, einen tiefen politischen Sinn sollte man also nicht vermuten - und Änderungen der Widmungen passieren öfter; dazu aber später einmal mehr. Trotzdem muss man sagen, dass die Widmung an Ernst Jünger dem Buch fehlt, da sie wohl auch einen inhaltlichen Bezug aufzeigt.
Aktuell ist dieser Roman (natürlich) - und man darf annehmen, dass auch The Folio Society davon motiviert wurde - weil Amazon das Buch als Miniserie verfilmt. Die Pilotfolge ist ja bereits verfügbar, ebenso ein Trailer für die erste Staffel, die im Herbst erscheint; man wird sehen, wann es die entsprechenden DVDs geben wird - falls man diese für seine Sammlung möchte oder man kein Amazon Prime Kunde ist und man trotzdem in den Genuss der Serie kommen möchte.
Weniger bekannt ist sicher die Hörspielversion, die der bayerische Rundfunk 1982 unter dem Titel Schmetterling mit Hakenkreuzen produziert hat, die aber nicht erhältlich ist - man muss warten, dass sie mal wieder im Radio läuft (letztmalig wohl 2013), philipkdick.de weiss mehr dazu.
Zum Weiterlesen - und gewissermassen als Kreuzungspunkt von Dick und Jünger - kann man
Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht betrachten: Ein Roman über einen alternativen Verlauf des 1. Weltkrieges. Dabei hat Dick den Alternativwelt-Roman nicht erfunden, schon 1953 gab es Ward Moores Der grosse Süden

Samstag, 22. August 2015

1, 2, 3, 4, 5

Philip K. Dick war fünf mal verheiratet. Interessant wäre es sicher (gewesen?), seine erste Frau zu finden, Jeanette Marlin, mit der er 1949 nur ein halbes Jahr zusammengelebt hat. Sie ist für seine Biographen nicht aufzufinden gewesen; die beste Behandlung des Themas findet sich wohl in PKD Otaku #26.
Bücher über Philip K. Dick von Tessa Dick
Die anderen Ehefrauen von Dick sind noch aufzufinden, zwei von ihnen haben auch über ihren Ex-Mann veröffentlicht.
Zum einen ist das Tessa Dick, seine letzte Ehefrau, die verschiedene Bücher bei CreateSpace, d.h. im Selbstverlag bei amazon, herausgebracht hat. In der Regel zähle ich Print-on-Demand nicht zu den sammelbaren Büchern, bei Tessa Dick mache ich eine Ausnahme. Eine sehr frühe Biographie, The Dim Reflection of Philip K. Dick von 2008, ist nicht mehr erhältlich. Offenbar gab es Probleme mit den Rechteinhabern von Dick, dem formidablen Trust, die so weit gehen, dass auch in ihrem Blog alle Erwähnungen des Buches gestrichen sind, wenn mich meine Erinnerung an sie nicht trügt; und auch das Internet Archive hat eine Erinnerungslücke, wahrlich phildickian. Leider fehlt mir ausgerechnet dieses Buch, antiquarisch ist es teuer erhältlich... Zum Glück konnte ich The Owl in Daylight günstig kriegen (amazon.de bietet die CreateSpace Bücher an, das spart viel Porto), auch dieses Buch ist nicht mehr erhältlich. Auf jeden Fall interessant und noch erhältlich sind Remembering Firebright (2009) und Firebright and the Edge of Reality (2011), von denen es scheinbar verschiedene Versionen gibt. Aber selbst amazon kann das nicht wirklich gut erklären. Verschiedene Briefe von ihr sind auch in der Philip K. Dick Society (PKDS) Newsletter veröffentlicht.
Die Ankunft von Search for Philip K. Dick, 1928-1982  direkt von der Autorin im Jahr 2009
Dort finde man auch zwei Brief von Dicks dritter Ehefrau, Anne R. Dick. Auch sie hat eine Biographie, eine Memoir, herausgebracht, in der ersten, gebundenen Ausgabe bereits 1995 bei Edwin Mellen: Search for Philip K. Dick, 1928-1982: A Memoir and Biography of the Science Fiction Writer. Diese Buch war lange vergriffen, 2009 hat es Anne Dick offenbar im Selbstverlag neu und erweitert als Taschenbuchausgabe wieder aufgelegt. Für einige Monate war es über eine Webseite bei ihr direkt zu bestellen, man konnte es sogar signiert bekommen. Ich habe mir das geleistet, das war auch noch vor der Grossen Portokostenerhöhung. Und wann hat man sonst schon mal die Gelegenheit, Post von Dicks (Ex-)Ehefrau zu erhalten? In jedem Fall ein schönes Stück für die Sammlung.
Signiert von Anne R. Dick
Im folgenden Jahr, 2010, hat dann Tachyon Publications das Buch buchstäblich übernommen. Mit neuer ISBN, neuem Titelbild und verändertem Titel, ein The steht jetzt davor, ist das Buch jetzt, ebenfalls als Taschenbuch, von Tachyon erhältlich. Ausserdem gibt es eine Einführung von David Gill von TotalDickHead und ein bisschen ASCII-Art. Tachyon hat aber wohl auch die Reste der ursprünglichen Auflage weiter vertrieben, das Impressum und die Verlagsangaben auf der Rückseite aber mit entsprechenden Aufklebern überklebt; zumindest werden derartige Exemplare gelegentlich antiquarisch angeboten.
Ein lesenswertes Interview mit Anne Dick über ihr Buch und ihren Mann findet sich bei io9.
Am Schluss sei noch kurz Anne Minis Memoir erwähnt, A Family Darkly: Love, Loss, and the Final Passions of Philip K. Dick. Auch dieses Buch ist offenbar durch Einwirkung des Trusts nie erschienen; Annes vorsichtige Schilderung dieser Auseinandersetzung findet sich hier.  Anne Mini ist die Tocher von Kleo Mini, Dicks zweiter Frau, jedoch aus deren folgender Ehe. Dick und Mini hatten aber offenbar weiterhin Kontakt, so dass Anne Dick wohl getroffen hat und öfter telefonisch Kontakt hatte. In welcher Intensität das stattfand, ist wohl unklar. Bei amazon.com wird das Buch gebraucht für einen sehr üppigen Preis angeboten; der Preis wäre wohl angemessen, wenn man hoffen könnte, ein praktisch einmaliges Rezensionsexemplar, Prüfdruck o. ä. zu erhalten... das ist aber wohl eher unwahrscheinlich.
Keines der Bücher hat es (bisher?) in's Deutsche geschafft. Für jeden, der sich für Dicks Biographie interessiert, ist aber zumindest Anne Dicks Buch eine wertvolle Bereicherung.
Als Web-Tipp dieses mal eine nette Seite über Philip K. Dick, sich sich mit dem Abschnitt in dem er in Orange County gelebt habt beschäftigt; hier sind auch einige bibliographische Verweise und einige "private" Photos und eine weitere Anekdote über den Trust im Zusammenhang mit der Special Collection, das waren hauptsächlich Manuskripte und Briefe, die lange Zeit in Fullerton waren.

Samstag, 15. August 2015

Sammelbände

Eine seltene Gattung unter den Ausgaben von Philip K. Dick sind die Sammelbände. Im Gegensatz zu den Sammlungen von Geschichten von Dick oder den themenbezogenen Anthologien, die vielleicht nur eine Geschichte von Dick enthalten, sind die Sammelbände eben Sammlungen von Romanen.
Über die Jahre sind aber doch ein paar Sammelbände zusammengekommen.
Die Welten des Philip K. Dick von Bastei-Lübbe von 1985 und 1996
Der erste dieser Bände ist bei Bastei 1985 erschienen: Die Welten des Philip K. Dick. 1996 erscheint dann eine zweite Auflage mit neuem Umschlagbild: Während die erste Auflage ein Bild vom lesenden Dick trägt, ist auf der zweiten Auflage eine Roboter abgebildet. Die beiden Auflagen sind daher leicht zu unterscheiden - und auch leicht erhältlich, so wie eigentlich alle dieser Sammelbände.
Ein Jahr später kommt bei Moewig als erster Band der SF Highlights Reihe Die Valis-Trilogie heraus. Dieser Band ist die recht lieblose Sammlung der drei Einzelbände Valis, Die göttliche Invasion und Die Wiedergeburt des Timothy Archer. Die drei Bände haben ihre eigene Seitenzählung, Widmung und Vorsatz des ersten Bandes sind verloren gegangen. Wenn man dann noch die deutlich sichtbaren drei Lagen unterschiedlichen Papieres bemerkt - und vielleicht ist das durch das uneinheitliche Vergilben bei meiner Ausgabe erst über die Jahre  sichtbar geworden - könnte man fast meinen, dass hier alte Bände einfach zusammengeleimt sind; tatsächlich gibt es aber gewisse Unterschiede in der Reihenfolge der Seiten, die das unwahrscheinlich machen. Elegant ist das Ergebnis trotzdem nicht. Eine der hässlichsten Ausgaben in der Sammlung.
Der erste Sammelband von Heyne als blauer Band in der Philip K. Dick-Edition ist ebenfalls Die Valis-Trilogie (2002), in neuer Übersetzung von Thomas Ziegler, ergänzt von Alexander Martin und mit einem Nachwort von Sascha Mamczak, eine in jedem Belang schönere Ausgabe.
Heyne 2009: Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz
2009 kommt Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz im Überformat heraus, ebenfalls mit einem Nachwort von Sascha Mamczak. Sicher sind diese drei Romane keine schlechte Auswahl und für 14 Euro Originalpreis auch nicht teuer. Der Band ist in der dritten Auflage derzeit noch erhältlich.
Der letzte, in diesem Jahr (2015) erschienene Band ist ein drittes mal die Valis-Trilogie in der Reihe Klassik bei Fischer, eine Übernahme von Heyne, allerdings ohne Mamczaks Nachwort.
So gibt es also sechs Sammelbände, die zweite Auflage von Bastei sollte man unbedingt mitzählen. Drei der Bände sind Die Valis-Trilogie, ein Buch das wohl wegen seiner esoterischen Anklänge viele Künstler ausserhalb der Science Fiction angesprochen hat. Es gibt eine Oper Valis: an opera in two parts von Tod Machover, ein Werk, dass ich in meinem Katalog, aber nicht in meiner Sammlung habe. Vielleicht später einmal... Auch in der Subkultur wird Dicks letztes Werk oft referiert, auch die US-Serie Lost bezieht sich einige Male auf Valis; sie wird sicher nicht in meinen Katalog aufgenommen. Valis mag Dicks grösstes Werk sein, es ist sicher auch sein schwierigstes, wenn man die Exegesis ausnimmt.
Das bekannteste Zitat aus Valis ist:
It is sometimes an appropriate response to reality to go insane.
Die bibliographischen Angaben finden sich auf den Seiten zu Bastei, Heyne und Fischer.
Der Webtipp ist goodreads, für englische Bücher eine nette Quelle von Meinungen - und Zitaten und Trivia; Dicks Romane sind dort sehr umfassend behandelt.

Samstag, 8. August 2015

Comics

Von den verschiedenen Comic-Adaptionen von Texten von oder aber auch über Philip K. Dick sind nur einige, wenige im Deutschen angekommen. Unvermeidlich und nicht zu übersehen ist da natürlich das Buch-zum-Film A Scanner Darkly: Alles wird nicht gut, 2007 nach dem Film von Richard Linklater bei Schirmer/Mosel erschienen. Der Titel der deutschen Übersetzung des Romans ist sonst Der dunkle Schirm, der Film lief aber auch in Deutschland unter dem Titel A Scanner Darkly. Dieser Film hat sicher gewisse literarische Ambitionen, sicher mehr als die anderen Film-Adaptionen, die es gar nicht erst in's Deutsche geschafft haben: Blade Runner von Archie Goodwin (Text) bei Marvel (1982) und Total Recall von Maggin und Lyle bei DC Comics (1990). Total Recall von Moore und Razek bei Dynamite (2012) ist übrigens eine Fortsetzung des Films vom 1990, keine Film-Adaption - und ebenfalls nicht auf Deutsch erhältlich.

Eine sehr frühe, aber kaum bekannte Comic-Adaption eines Stoffes von Dick hat schon 1974 Moebius (Jean Giraud) geschaffen: Dans 'Les Clans de la Lune Alphane' de Philip K. Dick im Magazin Pilote #743. Das ist eine einseitige "Zusammenfassung" des Romans Clans of the Alphane Moon, der im Deutschen unter verschiedenen Titel herausgekommen ist, u. a. Die Clans des Alpha-Mondes bei Ullstein. Im Netz findet sich die Comic-Seite zeitweise auch.
Dank Moebius' Namen ist diese "Zusammenfassung" auch mehrfach im Deutschen erschienen, unter dem Titel In "Die Clans des Alpha-Mond" passiert folgendes. Zuerst 1980 in Schwermetall #7, das dann noch mal in Schwermetall Sammelband #2 (1983) gesammelt wurde. 1981 kam  die Geschichte in der Sammlung Fantasie Comics, Band 2: Moebius heraus. Möglicherweise findet sie sich noch in anderen Sammelbänden. Ich konnte für diese Geschichte von Moebius keine englischsprachige Ausgabe finden, möglicherweise findet sie deshalb auch kaum Resonanz. Fantasie Comics, Band 2 enthält übrigens auch The Long Tomorrow, einen wichtige Einfluss für Blade Runner.
Schliesslich hat sich Robert Crumb dann Dicks religiöser Erleuchtung, d. h. den 2-3-74 Ereignissen angenommen. The Religious Experience of PKD, erstmalig 1986 im Magazin Weirdo #17 erschienen, basiert auf Dialogen aus Rickmans Philip K. Dick, the Last Testament (1985) und ist sicher das Werk mit dem höchsten literarischen Anspruch, so wie man das insgesamt über Crumbs Werk sagen kann (aber man kann da sicher auch ganz anderer Meinung sein). Die acht Seiten finden sich in der englischen Version bei philipkdickfans. Die deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt erschien 1992 bei zweitausendeins im Crumb-Sammelband Ein Heldenleben - Geifersucht und Leidenschaft. Die erste Ausgabe war offenbar kartoniert mit Schutzumschlag, die zweite von 1993 (und folgende) broschiert (diese Ausgabe habe ich schon von Crumb signiert gesehen, sicher ein schönes Exemplar für jede Sammlung). Im Jahr 2000 war dieser Comic auch im Phantastischen RABEn (59), dort leidet er unter dem kleinen Format. 2012 kann man ihn dann wieder in voller Grösse in Nausea bei Reprodukt bewundern.
Ein Comic, der nur noch am Rande mit Dick zu tun hat, ist Hard Boiled vom renommierten Comic-Autoren Frank Miller. Die Inspiration durch Dick - so spielt ein Roboter mit falschen Erinnerungen die Hauptrolle - ist unübersehbar, offen, unversteckt und wird viel zitiert. Ob man "so etwas" in seiner Sammlung braucht, ist sicher wieder eine persönliche Entscheidung. Zum Dick-Kanon gehört dieses Werk nicht. Im Original ist der Comic in drei Bänden erschienen, in Deutschland 1991 und 1993 in zwei Teilen bei Alpha Comics, 2008 in einem Band bei Cross Cult.
Der eigentlich Auslöser für diesen Blogeintrag ist aber eine aktuelle Neuerwerbung, wieder mal etwas Englisches: Wastland #10 von DC Comics (1988). Enthalten ist die Geschichte Life's Illusion von den Autoren Del Close und John Ostrander und Zeichnungen von David Lloyd, in der Dick Phillips an einem Dienstagabend auf dem Weg nach Hause von einem mit einem lauten Kkrak! aufreissendem Himmel erschreckt wird. Noch mal, wie bei Crumb, ein eine recursive Geschichte: Dick, bzw. sein Stellvertreter, in einer seiner eigenen Geschichten.
Es gibt in diesem Blog auch eine Seite mit den (irgendwann einmal) vollständigen Informationen zu Philip K. Dick im Comic.
Der Web-Tipp ist ein Blick in die Welt von Heavy Metal, einem wichtigen Comic Magazin. Die Seite ist wieder ein schönes Beispiel für die (harte) Arbeit eines Fans mit viel Sinn für Detail. Das deutsche Schwermetall lehnt sich wohl im Namen an Heavy Metal an, der oben genannte Moebius findet sich im englischen Heft aber nicht.

Samstag, 1. August 2015

Androidenträume

Die Verfilmung von Do Androids Dream of Electric Sheep, im Englischen oft mit dem Akronym DADOES abgekürzt, war sicher in vieler Hinsicht ein Durchbruch für Philip K. Dick, immerhin konnte er den Anfang davon noch erleben. 1981 sieht er die Rohfassung des Blade Runner als Privatvorführung und ist begeistert: Verschiedene Äusserungen zeugen davon (u. a. ein Brief an Jeff Walker, einen Verantwortlichen der Produktionsfirma, der sich vielerorts im Netz findet, u.a. hier). Dick schreibt auch, dass er seinem Verlag sein Exemplar von DADOES schicken muss, weil sie es neu auflegen wollen und kein Exemplar mehr haben (offenbar die Doubleday-Ausgabe, s.u.).
Neu schreiben (lassen), quasi als "Buch zum Film", wollte er DADOES übrigens nicht, Dick hat damit viel Geld ausgeschlagen. Er hat aber das Erscheinen unter dem Kino-Titel, Blade Runner, erlaubt. Und es wurde in den folgenden englischen Ausgaben das Jahr der Handlung geändert, von 1992 auf 2021; in den deutschen Übersetzungen fand diese Änderung keinen Eingang.
Die deutsche Erstausgabe von Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von
Philip K. Dick aus dem Jahr 1969, erschienen beim Marion von Schröder Verlag,
heutzutage mit meist zerbröselnder Umschlagfolierung
Für den Sammler ist DADOES ein reiches Feld. Blade Runner ist sicher einer der am meisten gesammelten Filme, zumindest, wenn man solche Merchandising Industrien wie Star Wars und Star Trek absieht. Ich bin persönlich überwiegend an Papier interessiert, die scheinbar unzähligen VHS, DVD, Video Disc oder Titelmusik-CDs usw. haben (fast) keinen Eingang in meine Sammlung gefunden, ebenso wenig wie das Merchandising drumherum, also Figuren, Bausätze usw.
Es bleibt aber genug interessantes Papier. Zuerst einmal ist DADOES derzeit das Buch von Dick mit den meisten Ausgaben im Englischen wie auch im Deutschen.
Bereits 1969, also kurz nach dem Erscheinen des Originals 1968, kam Träumen Roboter von elektrischen Schafen? beim Marion von Schröder Verlag heraus. Leider sind diese Ausgaben oft schlecht erhalten, da sich die Folierung löst und die Bindung bricht. Als Strategie hier empfohlen, ein gutes Exemplar zu erwerben und es dann so wenig wie möglich anfassen.
1971 erschien dann eine gekürzte Übersetzung mit unverändertem Titel bei Heyne; hier ist auch das Yeats-Zitat und das Zitat der Zeitungsmeldung verloren gegangen - sowie die Widmung: To Maren Augusta Bergrud, August 10, 1923 - June 14, 1967. Maren Bergrud war Dicks (vierte) Schwiegermutter, mehr dazu kann man bei AvenitaNet lese; auch ihr Grabstein findet sich im Netz.
Die vier Ausgaben von Blade Runner bei
Heyne, 1971 noch unter dem Titel Träumen 
Roboter von elektrischen Schafen?
1982 erscheint eine Ausgabe Ausgabe bei Heyne unter dem Titel Blade Runner mit neuem Titelbild (u. a. mit Harrison Ford) und dem - auf acht Fotoseiten eingehaltenem - Versprechen Das Buch zum Film mit zahlreichen Fotos. Dieses Buch kommt bis 1993 auf neun (mir bekannte) Auflagen und hat damit mehr als die sechs Auflagen von Ubik bei Suhrkamp. Ob man alle neun - bis auf das Impressum, Preis und die Angabe der Auflage - identischen Auflagen in seiner Sammlung haben muss oder nur die erste oder nur irgendeine ist sicher eine persönliche Entscheidung bzw. hängt von der Philosophie der Sammlung ab. Mit der Zeit wird der Anspruch aber meist wachsen und man sollte neuere Auflagen lieber nicht vorzeitig aussondern, sondern erst mal behalten.
Heyne legte dann 1998 mit einer unveränderten Ausgabe mit neuem Titelbild, aber weiterhin mit dem verkaufsträchtigerem Titel Blade Runner in der Allgemeinen Reihe nach. Die im Rahmen der Gesamtausgabe im orangen Einband und auf dickem Papier erschienene Ausgabe von 2002 beruht schon auf der Überarbeitung von Haffmans.
1993 kam auch der Haffmans Verlag mit einem - gebundenen - Blade Runner heraus, dessen Titelbild auf den Film anspielte. Die Übersetzung war hier erstmals überarbeitet und enthielt wieder Widmung, Yeats-Zitat und Zeitungsmeldung. 1997 ist dann eine zweite Auflage unter dem Titel Träumen Androiden von elektrischen Schafen? mit einem Szenenfoto aus dem Film erschienen.
Blade Runner bei Bertelsmann
von 2003 (oben) und 1991
(unten)
1993 und 2003 kamen zwei recht unterschiedliche, gebundene Ausgaben bei Bertelsmann heraus. Diese typischen Buchclub-Ausgaben sind gebunden und haben keine ISBN. Der Band von 1993 erscheint beim Bertelsmann-Club, die 2003er Ausgabe bei RM Buch und Medien, der Handelsregistereintragung des Clubs. Diese verwendet auch die überarbeitete Übersetzung.
Die letzte Ausgabe des Blade Runner ist dann 2014 bei Fischer in der Klassik Reihe erschienen, wie alle Fischer-Klassik-Ausgaben ein Nachdruck der entsprechenden Heyne-Ausgabe.
Insgesamt sind somit elf für eine umfassende Sammlung relevante Bücher erschienen, wenn man die unveränderten Auflagen ignoriert; mehr gibt es für kein Buch von Dick. Die grösste Schwierigkeit bei diesen elf Bücher dürfte es wohl sein eine gut erhaltene Ausgabe der Erstausgabe zu finden, erhältlich sind sonst alle Bände. Eine Erstausgabe des 1982er Heyne Blade Runner ist ebenfalls schwer zu finden, allerdings weil die meisten Angebote dieses Buches keine Aussagen über die Auflage machen; hier muss man, wenn man darauf Wert legt, jeweils nachfragen.
Die englische Erstausgabe, die 1968 bei Doubleday als Hardcover erschienen ist, ist wohl eine der wertvollsten Ausgaben von Dick Büchern überhaupt, hier werden derzeit mittlere vierstellige Beträge fällig. Auch die britische Ausgabe ist recht teuer. Ein weiterer Grund, die deutschen Ausgaben zu sammeln und nicht die englischen.
Eine wichtiger Einfluss für die Verfilmung war auch der Comic The Long Tomorrow von Moebius, der sich später auch einmal direkt Dick gewidmet hat, dazu später an anderer Stelle mehr.
Ganz am Schluss noch ein Wort zu den drei Blade Runner Fortsetzungen, die ich hier nur erwähne, weil K. W. Jeter, der Autor, ein Freund von Dick war; letztlich habe ich die Bände auch nur deshalb in meiner Sammlung. Wie erwähnt hat sich Dick persönlich sehr positiv über Jeters frühen Roman Dr. Adder geäussert. Blade Runner II, die erste der Fortsetzungen, ist dann 1997 auch - in Übergrösse - bei Haffmans erschienen, 1999 bei Heyne, wo dann auch Blade Runner: Die Rückkehr (2004) als Sammelband der ersten und der zweiten Fortsetzung erschienen ist. Die dritte Fortsetzungen Blade Runner: Eye and Talon (auch Blade Runner: Beyond Orion) gibt es seit 2000 - bisher nur in UK bei Gollancz. Natürlich musste auch der, nun ja, bekannte Philip K. Dick Trust zustimmen, daher vielleicht auch die Widmung Für Laura, Isa und Christopher, Dicks Kinder und Eigentümer des Trusts.
Bibliographisches gibt es auf der separaten DADOES Seite.
Die Menge der Seiten zum Thema Blade Runner ist natürlich fast unendlich. Mein Web-Tipp ist die spanische Seite My Blade Runner, die zwar nicht mehr ganz aktuell ist, aber eine schöne, wenn auch nicht ganz vollständige Liste von Blade Runner Ausgaben verschiedener Länder hat. Es werden auch noch weitere Collectibles gezeigt, insgesamt eine beeindruckende Sammlung.