Samstag, 31. Dezember 2016

Rückblick 2016

Neue deutsche Bücher von und über Philip K. Dick, darum geht es ja in diesem Blog hauptsächlich, sind selten. Daher sind die drei Ausgaben der 3. Staffel bei Fischer, das vorläufige Ende der Serie, ein wichtiger  Neuzugang in der Sammlung. Das Highlight des Jahres ist aber sicher der Appendix Dick von Tommi Brem. Ich bin immer noch sehr begeistert ein solches Buch aus Deutschland zu sehen.
Zwar nicht neu, aber doch erst in diesem Jahr entdeckt sind die beiden Auszüge im Handbuch der literarischen Hochkomik bei Haffmans. Ein Hinweis darauf, dass noch anderes auf Entdeckung wartet.
Ein Höhepunkt des Jahres war aber auch der Erwerb von Mutant 9 (1966), eines der seltenen Fanzines, das einen Text von Dick enthält, hier ein Brief zu einer Kontroverse um Das Orakel vom Berge. Vorher war Mutant 9 ein weisser Wal, von dem es nur undeutliche Sichtungen gab und wenig Hoffnung ein Exemplar in die Sammlung aufzunehmen.
Verlässt man den deutschen Sprachraum, so ist die erste Veröffentlichung auf Ukrainisch erwähnenswert, die Übersetzung in die 35. Sprache. Zwar nicht neu, aber auch erst in diesem Jahr entdeckt, ist die erste Veröffentlichung von Dick im Russischen in Ogonek 16 (1958), die weihnachtliche Kurzgeschichte Der Bunker.
In meiner Sammlung gab es ein paar kleinere Fortschritte bei Ace, bei dem Verlag bin ich aber noch weit davon entfernt, vollständig zu sein. Viel ist bei Gollancz dazugekommen und auch bei Penguin, das ich mit seinen schönen Covern dieses Jahr eigentlich erst entdeckt habe. Die britischen Ausgaben machen viel Freude.
Erwähnenswert sind auch ein paar sehr schöne Einzelstücke, herausgreifen möchte ich Valis von Kerosina (wirklich ein Schnäppchen) und Do Androids Dream of Electric Sheep? von Fabbri (das ich auch seitdem nicht wieder gesehen habe).
Es war also ein gutes Jahr für die Sammlung. In der Hoffnung, dass es im nächsten Jahr genauso wird, wünsche ich allen Lesern & Sammlern viel Erfolg mit ihrer Sammlung und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Samstag, 24. Dezember 2016

Ukrainisch

Wie im vorigen Jahr, so ist auch in diesem Jahr ist das Werk von Philip K. Dick in eine weitere Sprache übersetzt worden, nach meiner Zählung ist das die 35. Sprache. Im vorigen Jahr ist Baskisch dazugekommen, jetzt ist es Ukrainisch.
Затьмарення, die erste ukrainische Ausgabe von Philip K. Dick auf
Ukrainisch von komubook (2016), im Original A Scanner Darkly
Die erste ukrainische Ausgabe ist Затьмарення, eine Übersetzung von einem der besten Romane von Dick, A Scanner Darkly, im deutschen Der dunkle Schirm. Im Original ist das Buch 1977 bei Doubleday erschienen, auf Deutsch 1980 bei Bastei Lübbe. Der ukrainische Herausgeber ist komubook, die nach eigenen Angaben erste ukrainische crowd-publishing Plattform. Man hat sich zum Ziel gesetzt "Autoren wie William Burroughs und Henry Miller, Charles Bukowski und Douglas Coupland, den Marquis de Sade, John Fowles und Ken Kesey" - und eben auch Philip K. Dick - erstmalig auf Ukrainisch zugänglich zu machen. Man kann dieser Absicht nicht widersprechen und Dick sollte sich bei diesen Kollegen wohlfühlen.
Auch dieses Jahr hat der Weihnachtsmann
etwas von Philip K. Dick gebracht -
eine ukrainische Ausgabe!
Der literarische Anspruch des Herausgebers spiegelt sich auch durchaus in der Auswahl von Dicks Werken wieder, die in anderen Sprachen ja oft verwundern lässt. Hier aber hat man klug gewählt: Der dunkle Schirm gehört sicher zu den anspruchsvollsten Werken von Dick, genau wie Чи мріють андроїди про електричних овець?, auf Deutsch Träumen Roboter von elektrischen Schafen?, das ebenfalls 2016 erschienen ist. Dazu kommt die für März/April 2017 geplante Ausgabe von Das Orakel vom Berge (Людина у високому замку) - hier kann man sich noch beteiligen!
Finden lassen sich diese Ausgaben derzeit in der Bucht, am einfachsten wenn man mit der ISBN 978-966-97490-1-7 für Den dunklen Schirm und 978-966-97490-6-2 für die Roboter sucht. Die Preise für die Hardcover-Ausgaben liegen dort zwar deutlich über dem (ukrainischen) Ladenpreis, sind aber inklusive Versandkosten vergleichbar denen von handelsüblichen deutschen Hardcovern.
Einen Überblick über die verschiedenen Sprachen und die jeweiligen Erstausgaben findet sich hier im Blog.
Frohe Weihnachten!

Samstag, 17. Dezember 2016

Fantastisch

Ein etwas älterer Fund im Bestand ist Die fantastischen 6, herausgegeben von Charlotte Kerner bei Beltz & Gelberg von 2010. Das Buch verspricht im Untertitel Die Lebensgeschichten von Mary Shelley, Bram Stoke, J. R. R. Tolkien, Stanislaw Lem, Stephen King und (eben auch von) Philip K. Dick. Die Herausgeberin selbst schreibt auf nicht mal 50 Seiten unter dem Titel Blade Runner - Philip K. Dick (1928-1982) wurde zum Kafka Amerikas selbst über den Autoren. Sie gliedert ihren Text in zwanzig kurze Kapitel, die - und das ist eine schöne Idee - mit passenden Titeln von Kurzgeschichten von Dick überschrieben sind.
Die fantastischen 6 von Charlotte Kerner bei Beltz & Gelberg
von 2010 mit einer lesensweten Biographie von Philip K. Dick
Und sie schafft es auf diesem für den Anspruch Lebensgeschichte beschränkten Platz auch wirklich ein interessantes Bild von Dick zu zeichnen. Vieles über das sie schreibt, konnte man auf Deutsch so noch nicht lesen - wenn es auch den Leser englischer Quellen weniger überraschen dürfte. Insbesondere die relativ lange Betrachtung der Kindheit ist beachtenswert. Ausserdem wird uns das Bild von Dick als zwar genialem, aber drogenabhängigem Verrückten erspart und Dicks 2-3-74 Erlebnis differenziert diskutiert.
Auch für den mit Dick vertrauten Leser wird dieser Text so absolut ein Gewinn. Die Biographie von Sutin, Philip K. Dick: Göttliche Überfälle macht dieser Text nicht überflüssig, das ist schon wegen des Umfangs kaum möglich, aber er ergänzt ihn durchaus.
Die Beiträge zu den anderen fünf Fantastischen sind von jeweils anderen Autoren und lesen sich - zumindest für den hier weniger Kundigen - durchaus gut; der Text über Lem erwähnt auch die kritische Interaktion mit Dick.
Auch wenn dieses Buch - zumindest nach persönlichem Empfinden - nur relativ leise erschienen ist, gehört es doch zweifelsfrei als Standardwerk in jede Dick-Sammlung - und ist nicht nur für den Sammler interessant, sondern hat jedem an Dick Interessierten etwas zu bieten.
Bei der Suche nach diesem leicht zu findendem Band sollte man auf beste Erhaltung bestehen - oder einfach gleich neu kaufen, das Buch ist derzeit noch zum Originalpreis von 18 Euro erhältlich. Man wird trotzdem einen in jedem Fall lohnenden Fang machen.

Samstag, 10. Dezember 2016

Deutsches Science Fiction Magazin

Deutsches Science Fiction Magazin, Ausgabe 5 mit einem Artikel über die
Verfilmung von Do Androids Dream of Electric Sheep? als Blade Runner
Gerade in letzter Zeit erscheint Philip K. Dick und eine Auseinandersetzung mit seinem Werk nur im Zusammenhang mit Verfilmungen, die auf seinen Geschichten basieren, so zuletzt auch bei The Man in the High Castle. Das war aber auch schon bei der ersten Verfilmung so, beim 1982 ins Kino gekommenen Film Blade Runner. Ein Beispiel dafür findet sich in einer Ausgabe vom Deutschem Science Fiction Magazin, Ausgabe 5 von 1982. Hier ist ein reich bebilderter Artikel zum Blade Runner zu finden, in der auch Dick mit den Worten Das ist nicht mein Roman zitiert wird, allerdings auch mit der Aussage, dass eine spätere Drehbuchfassung dann dem Streit ein Ende machte. Ganz gerecht wird das den letztlich bekanntermassen enthusiastischen Aussagen von Dick über den Film nicht. Nun ja.
Enthalten ist in dieser Ausgabe des Magazins eine recht negative Kritik über das Heyne SF Magazin 4 (1982), das auch Auszüge des Interviews von James van Hise mit Dick aus dem August 1981 enthält - in denen er natürlich auch über den Blade Runner redet. Und offenbar ist dieses Interview auch die - leider ungenannte - Quelle der Aussagen Dicks über den Film. Enthalten sind im Heyne SF Magazin 4 auch ein Nachruf auf Dick und eine Rezension zu Warte auf das letzte Jahr.
Heyne Science Fiction Magazin 4
Das Deutschem Science Fiction Magazin enthält übrigens auch eine nette Geschichte über einen Besuch bei Wernher von Braun (der natürlich nichts mit Dick zu tun hat). Und überhaupt ist das Lesen in diesen alten Magazinen sehr unterhaltsam. Überraschend vieles daraus ist doch noch aktuell, auf die eine oder andere Art in jedem Fall.
Natürlich stellt sich auch hier die Frage: Braucht man so etwas in der Sammlung? Der Bezug ist zunächst nur auf den Film Blade Runner da, aber dann ist da doch auch ein bisschen (mehr) Dick drin. Und der Rest ist halt auch nett. Letztlich weiss man beim Kauf oft nicht, was man bekommt und wenn man so ein Stück erst mal halt ... behält man es halt, auch wenn nur wenig Dick drin ist. Aber ist das für die Sammlung nicht egal?
Die meisten Magazine dieser Art werden glücklicherweise relativ rege gehandelt und können mit etwas Geduld zu sehr moderaten Preisen erworben werden - das gilt für professionelle Magazine, die in einer gewissen Auflage herausgekommen sind - das unterscheidet sie von den meist schwer zu findenden Fanzines mit oft minimaler Auflage.



Samstag, 3. Dezember 2016

Polnisch

Die erste polnische Ausgabe eines Romans von Philip K. Dick ist Ubik, erschienen bereits 1975. Dem Leser von Dicks Briefen oder biographischen Auszeichnungen ist das wohlbekannt, da Dick sich zur Vor- und Nachgeschichte dieser Veröffentlichung ausführlich geäussert hat. Und natürlich hat diese Geschichte eine gewisse Bekanntheit, weil sich Lem zunächst sehr für Ausgabe eingesetzt hat und man wohl davon ausgehen kann, dass es in Polen 1975 ohne Lems Einsatz kam möglich gewesen wäre den Roman eines US-amerikanischen Autoren herauszubringen. Dick verstrickt sich dann aber in Verschwörungstheorien gegenüber Lem, deren Ursache aber letztlich wohl Dicks Enttäuschung über die unbefriedigenden Tantiemen ist.
Die polnische Ausgabe ist aber wohl der erste im Ostblock veröffentlichte Roman von Dick. Tatsächlich folgen in Polen auch noch einige weitere Romane vor den Umwälzungen von 1989; selbst in Russland ist bis zu diesem Zeitpunkt kein Roman von Dick erschienen - obwohl dort bereits 1958 eine Kurzgeschichte erschienen war.
Letztlich haben diese frühen Ausgaben die Popularität von Dick und damit die grosse Zahl von Übersetzungen und Ausgaben der Werke von Philip K. Dick in Polen wohl massgeblich befördert. Fast jeder Roman liegt in Polnisch vor, viele auch in mehreren Ausgaben und es gibt eine Werk-Edition von Rebis.
Człowiek z Wysokiego Zamku, eine von sechs polnischen Ausgaben von Das Orakel
vom Berge
, herausgegeben im Verlag Zysk i S-ka (1999), im Original The Man
in the High Castle
von Philip K. Dick
Polnische Ausgaben sind in Deutschland leicht und bezahlbar zu erwerben, sowohl neue als auch antiquarische. Viele der üblichen Online Händler führen aktuelle polnische Werke, in der Bucht lässt sich danach fischen - spätestens in deren polnischer Ausgabe findet sich etwas - und bei den üblichen Antiquariatsmarktplätzen tauchen immer wieder polnische Ausgaben auf. Die Anzahl der polnischen Ausgaben ist aber recht gross, man sollte sich einen Einstieg hier also genau überlegen.
Mir ist es leider noch nicht gelungen die oben genannte erste Ausgabe von Ubik zu erwerben, obwohl sie nicht wirklich selten oder teuer zu sein scheint, jedoch häufig schlecht erhalten. Aber eine befriedigende Ausgabe, die zu einem akzeptablen Preis nach Deutschland geschickt wird, ist sicher noch ein lohnendes Ziel - ich werde wohl in diesem Blog darüber berichten, wenn ich sie der Sammlung zuführen konnte. 
Eine ausführliche polnische Bibliographie von Dicks Werk findet sich in der Encyklopedii Fantastyki. Ein allgemeiner Überblick über die Übersetzungen von Dicks Werken findet sich in diesem Blog.

Samstag, 26. November 2016

Litauisch

Auf der Suche nach interessanten Ausgaben, bin ich in meinem Katalog mal wieder über die Übersetzungen gestolpert. Und so unrealistisch der Versuch ist, das Werk von Philip K. Dick in allen Sprachen zu sammeln, so interessant kann es sein, in allen Sprachen wenigstens ein Werk von Dick zu finden.
Žmogus aukštoje pilyje von Philip K. Dick in einer litauischen Ausgabe von 2014, auf Deutsch
Das Orakel vom Berge
Eine Lücke in meiner Sammlung war dabei Litauen. Es gibt nur drei litauische Ausgaben, die alle beim Verlag Eridanas herausgekommen sind, aber diese sind gut ausgewählt:
  • Ubikas (1994) [Ubik]. ISBN 978-9986-486-02-2 
  • Ar androidai sapnuoja elektrines avis? (2002) [Do Androids Dream of Electric Sheep?]. ISBN 978-9955-10-013-3
  • Žmogus aukštoje pilyje (2014) [The Man in the High Castle]. Übersetzt von Danutė Šimkienė. ISBN 978-9955-10-167-3. 254 Seiten
Es fällt auf, dass Litauen - wie Estland - bei der ISBN zwei unterschiedliche Gruppennummern benutzt, die 9986 und die 9955. Das kann bei der Suche erst mal verwirrend sein, vor allem, wenn man des Litauischen nicht mächtig ist - bzw. man es kaum von anderen Sprachen unterscheiden kann (Litauisch ist eine baltische Sprache und keinesfalls eine slawische Sprache, die relative Nähe zum Germanischen nutzt dem Deutschsprachigen allerdings nichts). In jedem Fall fällt die Orientierung an der ISBN so erst mal schwer.
In der Hoffnung, dass die relativ aktuelle Ausgabe des Orakels vom Berge noch erhältlich ist und geduldiger Suche bei Google auf Basis der ISBN - in allen möglichen Schreibweisen, Google erkennt ISBNs nicht, zumindest kann es die unterschiedlichen Schreibweisen nicht automatisch übersetzen - fanden sich dann diverse Anbieter. Letztlich bot aber nur einer die Lieferung nach Deutschland an - und das sogar relativ günstig - und das Buch sogar zum Sonderpreis; selbst mit Porto kostet das dann so viel wie ein normales deutsches Taschenbuch. Die litauische Ausgabe hat, wie auch die estnische, keine Widmung.
Ubikas, den erste litauischen Dick, konnte ich leider nicht finden.
Und da wir uns mit diesem Blogeintrag im Baltikum befinden, sei hier noch erwähnt, dass es zwar sechs Ausgaben estnischer Sprache gibt, aber offenbar keine lettische Ausgabe.
Es gibt in diesem Blog auch einen Überblick über die Sprachen, in die das Werk von Philip K. Dick übersetzt wurde.

Samstag, 19. November 2016

Verschworen

Fortean Times 258 vom Februar 2010: The World's 
Weirdest News Stories
Die britische Zeitschrift Fortean Times enthält in ihrer Ausgabe 258 vom Februar 2010 den Artikel The Strange Tale of Solarcon-6. Es geht um Briefe von Philip K. Dick an das FBI bezüglich einer (oder auch mehrerer) Neo-Nazi-Verschwörungen, in die auch sein Kollege Thomas Disch verwickelt sein solle. Tatsächlich ist der Artikel wohl ein Auszug aus einem Buch, nämlich From Government Files and the Paranormal, geschrieben von Nick Redfern. Die Geschichte an sich ist nicht neu und vielfach debattiert worden, ungewöhnlich ist, dass Dicks Aussagen hier ernst genommen werden. Das darf bei diesem Medium, der Zeitschrift Fortean Times, allerdings nicht wundern - heisst fortean doch unerklärlich und fortean phenomena sind die unerklärlichen Phänomene der Parawissenschaften.
Sonst wird eher Dicks Fehlverhalten gegenüber Thomas M. Disch diskutiert, auch wenn die Briefe wohl keine Auswirkungen hatten. In Dischs letztem Roman, veröffentlicht kurz nach seinem tragischen Tod, taucht auch sehr prominent Philip K. Dick als Figur der Erzählung auf - er befindet sich in der Hölle. Und so ist der Roman The Word of God auch ein Stück recursive literatureThe Word of God, ist 2008 beim Kleinverlag Tachyon erschienen - dort hat auch Anne Dicks The Search for Philip K. Dick einen Platz gefunden.
Nachlesen lassen sich die Briefe bzw. die veröffentlichten FBI-Akten im Internet an vielen Stellen, der Artikel aus der Fortean Times selbst ebenfalls.
In der Fortean Times gab es bereits in der Ausgabe vom August 2002 (# 161) einen allgemeinen Artikel über Philip K. Dick.
In einem älteren Blogeintrag wird auf einen Artikel in der Steamhovel Press hingewiesen - auch hier geht es um Verschwörungstheorien aller Art, aber in dem Artikel geht es um die Pink Beam Erlebnisse. Und auch Tessa Dick taucht in einigen Büchern von Autoren des Genres auf, speziell bei Andrew Colvin.
Wenn man das Interview mit Maer Wilson im aktuellen PKD Otaku (#34) liest, kann man vielleicht Dicks Äusserungen - auch gegenüber dem FBI - besser verstehen. Wilson beschreibt sehr schön Dicks Spiel mit der Realität, sein Ausprobieren von verschiedenen möglichen Wahrheiten; das FBI ist aber sicher der falsche Addressat für diese Art von Denkspielen.

Samstag, 12. November 2016

Komisch

Ich gebe gerne zu, dass ich es nicht gedacht hätte, dass in meinem Katalog noch deutsche Textstellen von Philip K. Dick fehlen - zumindest nicht Texte in regulären Buchausgaben. Und die Bekenntnisse eines Reifennachrillers bei Haffmans stehen zwar schon lange in meinem Katalog, ich konnte aber niemals herausfinden, in welchem Buch dieser Text stehen sollte - und ich war fest davon ausgegangen, dass es sich um eines der zahlreichen letztlich nicht veröffentlichen Bücher bei Haffmans gehörte. Aber es passieren manchmal komische Sachen und so konnte ich tatsächlich das Buch finden, in dem sich der Reifennachriller findet. Der Reifennachriller ist natürlich Jack Isidore, der Erzähler in Philip K. Dicks Roman Eine Bande der Verrückten. Am Anfang des Romans ist das Nachrillen von Reifenprofilen Jacks ungewöhnlicher, merkwürdiger, oder eben komischer Beruf:
»Ich bin ein Reifennachriller. Das heißt, wir nehmen die Glatzen, also Reifen, die so abgefahren sind, daß sie nur noch wenig oder gar kein Profil mehr haben, und dann nehmen die anderen Nachriller und ich eine heiße Ahle und rillen bis auf den Mantel runter, immer nach dem Muster des alten Profils, so daß es aussieht, als wäre noch Gummi an dem Reifen...Und dann malen wir den nachgerillten Reifen mit schwarzer Gummifarbe an, so daß er wie ein echt verdammt guter Reifen aussieht. [...]«
Humoore vom Haffmans Verlag (1991) mit Auszügen
aus Eine Bande von Verrückten und Der dunkle Schild
von Philip K. Dick
Tatsächlich ist diese Art von Komik gelegentlich in Dicks Werk versteckt, es muss einem sofort Joe Chips Diskussion - und letztlich Zusammenstoss - mit seiner Tür einfallen: Ich bin noch nie von einer Tür verklagt worden.
Veröffentlicht ist der Auszug daher auch in Das Hausbuch der literarischen Hochkomik (1987), dem offenbar ersten Band einer kleinen Reihe: Haffmans' handliche Hausbücher. Die Bücher selbst sind allerdings alles andere als klein, 1578 Seiten hat dieser Band - und seinerzeit den stattlichen Preis von 50 DM. Das Buch, aus dem der Text kommt, Eine Bande von Verrückten ist in deutscher Erstausgabe im selben Jahr erschienen, 1987, allerdings nicht bei Haffmans sondern in Hamburg beim Kleinverlag Reidar. Die Übersetzung des Romans ist von Gero Reimann, der Auszug ist jedoch von Michel Bodmer übersetzt, da der komplette Roman deutsch erst danach erschien.
Erst etwas später habe ich entdeckt, dass der Band noch einen weiteren Auszug von Dick enthält, nämlich zwei Seiten des Romans Der dunkle Schirm in der Übersetzung von Karl-Ulrich Burgdorf.
1991 sind die beiden Texte noch einmal in Humoore. Hochkomik 1, einem Teilnachdruck des Hausbuchs erschienen. Von diesem Teilnachdruck gibt es wohl eine zweite Auflage aus dem Jahr 1993, dann allerdings nicht mehr bei Haffmans, sondern bei Heyne - aber mit unveränderter ISBN.
Später ist ebenfalls bei Haffmans, in Die allerneueste klassische Sau (1999), ein weiterer Auszug aus Dicks Werk erschienen, nämlich aus dem Band Die kaputte Kugel (1993). Auch dieser Band ist später, 2001, noch einmal im Umfeld von Heyne erschienen, im Diana Verlag. Und kürzlich ist auch ein Auszug aus der Exegese erschienen.
Und zum Thema Dick und Komik: Einige seiner frühen Kurzgeschichten haben natürlich auch eine durchaus komische Pointe, allen voran natürlich Dicks erste (veröffentlichte) Kurzgeschichte Und jenseits - das Wobb.
Das Handbuch und sein Teilnachdruck sind leicht und günstig zu finden, offenbar auch in vernünftiger Erhaltung. Das schwierigste wird wohl sein, die entsprechenden Auflagen zu kriegen, da man sich hier auf die Angaben der Verkäufer wieder wird kaum verlassen können - und die beiden Auflagen wohl gleich aussehen.
Mehr zu Haffmans findet man in einem älteren Blogeintrag. Eine Bibliographie von Philip K. Dick im Haffmans Verlag findet sich auf der entsprechenden Seite in diesem Blog.

Samstag, 5. November 2016

Walfang

Sicher am Rand einer Philip K. Dick Sammlung, zumindest meiner Sammlung, stehen Werke anderer Schriftsteller, die sich auf Dick beziehen. Nicht berücksichtigen will ich Romane die in Tradition von Dick stehen oder an Dick erinnern. Oft genug passieren solche Bezüge dieser Tage zur Förderung des Verkaufs. Gelegentlich gibt es aber einen direkteren Bezug, wie bei der hier schon gelegentlich vorgestellten recursive literature.
In aktuellen Fall bin ich auf die Kurzgeschichte Im Auge des Betrachters von Karl-Ulrich Burgdorf gestossen, die Philip K. Dick gewidmet ist. Erschienen ist sie im Band 5 Nanowelten (2013) in der Reihe Phantastische Miniaturen, die von Thomas Le Blanc bei der Phantastische Bibliothek Wetzlar herausgegeben wird. Mit der Widmung In memoriam Philip K. Dick beginnt die nur zwei Seiten lange Kurzgeschichte - aber die Kürze ist Programm in diesem Band: Nanowelten bezieht sich auf Inhalt und Form, d.h. Länge der Geschichten in diesem Band, von denen (fast) keine länger als zwei Seiten ist. Auch im Text bezieht sich Burgdorf auf Dick, der Satz Willkommen in der Wirklichkeit taucht auf, aber das gesamte Thema der Geschichte greift Dicks Frage nach der Struktur der Realität auf.
Nanowelten, herausgegeben von Thomas Le Blanc, enthält die Kurzgeschichte Im Auge des
Betrachters
von Karl-Ulrich Burgdorf, die Philip K. Dick gewidmet ist
Dazu kommt, dass Burgdorf in den 80er Jahren mehrere Romane von Dick übersetzt hat und ein eigenes Fanzine herausgegeben hat: The Prince of Whales. Auf seiner Internetseite schreibt er dazu:
Mehrere Beiträge widmeten sich etwa Philip K. Dick, seinem von mir übersetzten Roman Der unteleportierte Mann und der höchst komplizierten Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte dieses Werkes – inklusive verlorengegangener und von anderen Autoren ergänzter, dann aber zum Teil doch wiedergefundener Seiten!
Der unteleportierte Mann ist bei Bastei erschienen (1984) - einer der SF-Romane von Dick, der in nur einer deutschen Ausgabe vorliegt. Ausserdem hat Burgdorf Der heimliche Rebell übersetzt und Der dunkle Schirm übersetzt, der auch in der Fischer-Ausgabe von 2014 noch in der (allerdings überarbeiteten) Übersetzung von Burgdorf vorliegt.
Der Prince of Whales ist - ja fast buchstäblich - ein weisser Wal, für den der Sammler lange Jahre seine Netze auswerfen und die Bucht befahren kann, ohne ihn jemals zu sehen. Burgdorfs Beitrag wäre sicher spannend zu lesen, als Übersetzer war er ja näher dran als die meisten anderen. Und auch wenn ein Scan für den Sammler nur ein schwacher Ersatz für das Original ist, würde man sich auch hier wieder wünschen, dass sich jemand um den Erhalt der deutschen Fanzines aus der fruchtbaren Zeit der 60er bis in die 90er Jahre kümmern würde, denen das komplette Vergessen droht. Und tatsächlich hat die Phantastische Bibliothek in Wetzlar wohl einige Bände des Prince of Whales im Bestand, möglicherweise durch die Zustiftung von Burgdorf.
Man kann die Nanowelten problemlos direkt bei der Phantastischen Bibliothek Wetzlar bestellen. Eine Ausgabe des Prince of Whales ist mir nur einmal begegnet, leider nicht mit einem Artikel zu Dick.

Samstag, 29. Oktober 2016

Ex

Büchern, die gelesen werden wollen, kann sicher nichts besseres passieren, als in einer Bibliothek zu landen. Büchern, die gesammelt werden wollen, jedoch nichts schlimmeres. Deutsche Ausgaben aus Bibliotheken werden relativ selten angeboten, regelmässig passiert das für Bücher von Philip K. Dick eigentlich nur für Dicks erstes "richtiges" Buch: Zeit ohne Grenzen, das 1962 als Leihbuch erschienen ist und dessen Dasein für den harten Dienst in einer Leihbibliothek vorgesehen war. Ausgaben, die nicht gelaufen sind, sind daher entsprechend selten und teuer zu finden. Es mag auch einzelne Ausgaben der Edition Phantasia geben, die aus ausgemustertem Bibliotheksbestand angeboten werden.
The Little Black Box, Band 5 der Collected Stories of  Philip K. Dick bei Gollancz (1990)
Für Bücher aus den USA und dem Vereinigten Königreich ist die Kategorie Ex-Lib jedoch weit verbreitet - und bei Sammlern gefürchtet. Das beste, was man darüber sagen kann, ist es, dass solche Ex-Lib-Exemplare deutlich günstiger sind als reguläre, trotzdem verzichte ich lieber darauf.
Besonders unschöne Reste
eingeklebter Blätter in
einem Ex-Lib-Exemplar
Trotzdem sind schon einige solche Bücher in meiner Sammlung aufgetaucht, meist jedoch ungewollt. Es gibt Anbieter, die sehr viel Ex-Lib anbieten und man sollte misstrauisch sein, wenn man hier ein ungewöhnliches Angebot findet, zumal diese Anbieter auch notorisch unzuverlässige Beschreibungen der von ihnen angebotenen Bücher liefern. Aber wenn der Preis zu günstig ist ... riskiere ich es halt immer wieder. Und manchmal verliert man eben ...
So ist es mir auch mit The Little Black Box, dem fünften Band der Collected Stories von Gollancz (1990) gegangen. Diese Hardcover-Serie ist die erste Ausgabe der Collected Stories in Grossbritannien und die Bände werden praktisch immer einzeln angeboten.
Ein eigentlich erträglicher
Stempel mitten im Text
 in einem Ex-Lib- Exemplar
Wenn man sich das Exemplar ansieht, hat es alles, was ein Bibliotheks-Exemplar auszeichnet: Einen zusätzlichen durchsichtigen Schutzumschlag, jede Menge Stempel und die besonders lästigen Klebespuren, von entfernten Ein- und Aufklebern - und natürlich ist das Buch nicht sehr sauber: Es ist halt viel gelesen.
Aber auch dieses Buch findet bei mir Aufnahme - und übt natürlich einen gewissen Druck aus, seine fehlenden älteren Geschwister zu finden - wenn auch nicht unbedingt die aus der Bibliothek.
Die Erfahrung zeigt, dass sich das Risiko bei den einschlägigen Anbietern nicht lohnt, wenn man mit einer Ex-Lib-Ausgabe gar nicht leben kann, für mich sind die Lücken in der Sammlung noch so gross, dass einige billige Ex-Libs mich nicht allzu sehr stören. Aber wie immer, das muss jeder Sammler selbst entscheiden!

Samstag, 22. Oktober 2016

Estnisch

Estland ist ein kleines Land mit nur 1,3 Millionen Einwohnern am östlichen Rand der Europäischen Union. Man kann daher verstehen, dass es nur wenige estnische Ausgaben von Philip K. Dick gibt. Dafür kann man dort mit dem Euro bezahlen - und es gibt dort Buchangebote online in englischer Sprache. Wenn man also weiss, was man will, ist es relativ einfach dort auch von Deutschland aus ein gewünschtes Buch zu bestellen.
Mees kõrges lossis [The Man in the High Castle] von Philip K. Dick in der
estnischen Ausgabe von 1993 (links) und 2016 (rechts)
Es überrascht nicht, dass in diesem Jahr auch eine estnische Ausgabe von Das Orakel vom Berge erschienen ist - es scheint, dass fast in jeder Sprache in den letzten zwei Jahren eine Ausgabe erschienen ist (der Trust muss viel Geld verdient haben ... aber vielleicht auch nicht). Und weil auch eine antiquarische Ausgabe der ersten Ausgabe von 1993 wirklich sehr günstig angeboten wurde (und die Versandkosten sich dadurch nicht wesentlich geändert haben), habe ich die gleich dazu genommen.
Die aktuelle Ausgabe, ein Hardcover, ist sicher ansehnlicher und bezieht sich in der Gestaltung des Umschlages direkt auf die aktuelle Verfilmung von Amazon. Der estnische Anbieter, Krisostomus, hat auf jeden Fall schnell, problemlos und zuverlässig geliefert, auch wenn die gebrauchte Ausgabe nur in mässigem Zustand war - dem Preis angemessen. Und bei einer estnischen Ausgabe aus dem Jahr 1993 kann man als Sammler nicht wählerisch sein.
Auffällig - und wohl auch meinen mangelnd Kenntnissen des Estnischen geschuldet - ist, dass die Übersetzung der neuen Ausgabe zwar (C)opyright 1993 ist, aber im Detail Unterschiede zu erkennen sind, es hat wohl eine Überarbeitung stattgefunden (zumindest auf der ersten Seite). Enthalten ist aber in beiden Bänden die Einführung von Jan Wallenius; eine Widmung fehlt in beiden Bänden.
Die anderen beiden Romane, die von Dick im Estnischen erschienen sind, sind Blade Runner und Ubik, keine schlechte Wahl; ausserdem sind zwei Bände mit Kurzgeschichten erschienen. Hier eine Bibliografie der estnischen Ausgaben:
  • Mees kõrges lossis [The Man in the High Castle], Tartu: Aniara (1993). Übersetzt von Karin Suursalu, 198 Seiten. Ohne ISBN
  • Blade Runner - kas androidid unistavad elektrilammastest? [Do Androids Dream of Electric Sheep?], Tallinn: Tänapäev (2001). 173 Seiten, ISBN 9985-93276-5 
  • Ubik, Tallinn: Tänapäev (2002). 167 Seiten. ISBN 9985-62043-7 
  • Vilistaja metsas, Tallinn: Triquetra Kirjastus (2015). 205 Seiten, ISBN 978-9949-38424-2. Enthält:
    • Piper in the Woods
    • Mr. Spaceship
    • Second Variety
    • und eine weitere
  • Mees kõrges lossis [The Man in the High Castle], Tallinn: Tänapäev (2016). Übersetzt von Karin Suursalu, 266 Seiten, ISBN 978-9949-27985-2
  • Poodud võõras, Saue: Skarabeus (2016). Übersetzt von Arvi Nikkarev, 281 Seiten, ISBN 978-9949-91475-3. Enthält acht Kurzgeschichten, unter anderem:
    • War Veteran
    • Minority Report
    • The Pre-Persons
Diese Liste ist wohl vollständig, da sie aus verschiedenen Quellen, unter anderem von estnischen Bibliotheken (u.a. hier), extrahiert ist. Wie bei jeder Internet-Recherche, zumal in einer gänzlich fremden Sprache, gibt es natürlich einen Rest von Unsicherheit. Aber als Basis für einen Katalog, der ja eh nie gänzlich vollständig sein kann, ist sie wohl geeignet. Die Liste zeigt auch, dass Estland zwei ISBN Gruppennummern hat, 9985 und wohl später dazu noch 9949. 
Einen Überblick über die Liste der Sprachen, in die Werke von Philip K. Dick übersetzt sind, findet sich an anderer Stelle in diesem Blog.

Samstag, 15. Oktober 2016

The Magazin of Fantasy and Science Fiction

Wie wichtig The Magazine of Fantasy and Science Fiction und sein Herausgeber Anthony Boucher für Dicks Anfänge in der Science Fiction war, ist in diesem Blog schon zur Sprache gekommen. In Deutschland hat Heyne zwischen 1963 und 2000 in wechselnder Frequenz 101+1 recht aktuelle Auswahlbände des Magazines herausgegeben - und dabei auch vier Kurzgeschichten von Philip K. Dick in deutscher Erstausgabe.

Vier Bände von Die besten Stories aus The Magazine of Fantasy and Science
Fiction
mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick
Diese Kurzgeschichten sind wenig versteckt, die Serie ist recht populär und die Ausgaben von Heyne sind durchgängig recht gut dokumentiert:
  • Im Dschungel der Urzeit (1965), Nummer 14, enthält Rückkehr vom Mars (in der Gesamtausgabe Entdecker sind wir)
  • Die Menschenfarm (1966), Nummer 16, enthält Mr. Quails Erinnerung (in der Gesamtausgabe Erinnerungen en gros)
  • Planet der Selbstmörder (1970), Nummer 25, enthält Die elektrische Ameise
  • Das fröhliche Volk von Methan (1983), Nummer 64, enthält Fremde denken anders (in der Gesamtausgabe unter dem Titel Eine außerirdische Intelligenz veröffentlicht)
Betrachtet man diese Kurzgeschichten, sind alle relativ häufig veröffentlicht, das spricht sicher für die hohe Qualität zunächst der Originalausgaben, aber auch der deutschen Auswahl. Erwähnen sollte man die schönen Illustrationen auf den Einbänden der Bücher.
Jubiläums-Ausgabe der Heyne Auswahlbände
des Magazine of Fantasy and Science Fiction
Zusätzlich zu den 101 Auswahlbänden der Nummern 1 bis 101 - 102 wurde offenbar angekündigt, ist jedoch nie erschienen - ist die Übersetzung eines Jubiläumsbandes zum 30-Jährigen Jubiläum des Magazines erschienen, allerdings leicht verspätet. Im Original ist dieser 1979, also tatsächlich 30 Jahre nach Gründung erschienen, die deutsche Übersetzung ist erst 1981 erschienen unter dem Titel 30 Jahre Magazin of Fantasy and Science Fiction (1981) und enthält noch einmal das später unter dem Titel Die totale Erinnerung verfilmte Mr. Quails Erinnerung.
Insgesamt sind diese Bände alle leicht zu finden und obwohl die Serie viel gesammelt wird, auch meist sehr bezahlbar. Es kommt jedoch darauf an, gut erhaltene Ausgaben zu finden, das ist gerade bei den frühen Ausgaben nicht einfach.
Ein Überblick über alle Ausgaben der Kurzgeschichten von Philip K. Dick findet sich hier im Blog, ebenso wie ein Überblick über die Ausgaben von Dick bei Heyne.
Mehr Details zu den deutschen Auswahlbände von The Magazine of Fantasy and Science Fiction bei Heyne findet sich im Netz.

Samstag, 8. Oktober 2016

Türkçe

Auch in der Türkei erscheint von Philip K. Dick als erster Roman Solar Lottery, dort unter dem Titel Uzayda suikast im Jahr 1971. In Deutschland ist Solar Lottery bereits 1958 erschienen, noch als Heftroman beim Semrau unter dem Titel Griff nach der Sonne. Als der Roman in der Türkei im Jahre 1999 unter dem geänderten Titel Suikastci noch einmal erscheint, steht auf dem Titel als Autor Arthur C. Clarke. Damit teilt er das Schicksal von Andre Nortons Am Kreuzweg der Zeit, der 1958  auch als Heftroman bei Semrau (und später noch einmal 1964 bei Moewig) erscheint - aber eben unter dem Autorennamen Philip K. Dick. Das ist jetzt eine Kuriosität in der Dick-Sammlung, Suikastci dann wohl eine in der entsprechenden Clarke-Sammlung.
"Aksin Gözyaslarim" Dedi Polis beim Verlag Altikirkbes
Yayin (2012), die türkische Übersetzung des Romans Flow
My Tears, the Policeman Said von Philip K. Dick; im
Buch fehlt leider jeder Hinweis auf den Originaltitel
Nach einer weiteren Ausgabe im Jahr 1971 sind erst Ende der 80er Jahre weitere Übersetzungen in der Türkei erschienen. Insgesamt sind jetzt auf Türkisch über 40 Ausgaben von Dick erschienen, natürlich die Hauptwerke und - auch das überrascht nicht - mehrere Ausgaben von Do Androids Dream of Electric Sheep?, aber auch Auszüge aus der Exegesis und andere Essays.
In Deutschland findet man türkische Romane von Dick aus der aktuellen Reihe des Verlags Altikirkbes Yayin problemlos online, die meisten online-Buchhändler führen  Ausgaben. Und selbst Uzayda suikast von 1971 ist (derzeit) günstig antiquarisch zu finden - und als erste türkische Ausgabe sicher eine Bereicherung der Sammlung. Insgesamt präsentieren sich die türkischen Ausgaben als attraktives Sammelgebiet, das über das Internet auch hinreichend zugänglich ist.
Ein Überblick über die Übersetzungen vom Werk von Dick findet sich auch hier im Blog.
Und zum Schluss: Es lohnt sich immer ein Blick auf das Philip K. Dick Bookshelf, in diesem Fall die türkischen Ausgaben, zu werfen, auch wenn die Galerien dort gelegentlich nicht ganz vollständig sind. Die Breite der dort vorgestellten internationalen Ausgaben ist atemberaubend und in jedem Fall ein ausgezeichneter Startpunkt für tiefere Suchen.

Samstag, 1. Oktober 2016

42

King of Elves (2010)
Auch beim Sammeln kann man Abenteuer erleben ... oder zumindest - für Sammler - interessante Geschichten.
Vor einiger Zeit ist in einem der Netze, das ich in der grossen Bucht gespannte habe, ein ungewöhnlicher Fang in's Netz gegangen: Die ersten beiden Ausgaben der Collected Stories von Subterranean, die in Deutschland als Sämtliche Erzählungen bei Haffmans und Zweitausendeins erschienen sind. Im Jahr 2010 hat Subterranean begonnen jährlich einen Band einer fünfbändigen Hardcover-Ausgabe der Collected Stories herauszugeben. Die Reihe wurde in zwei Ausgaben angeboten: Zusätzlich zum Trade Hardcover gab es noch eine  Limited Edition mit einer Auflage von 250 Exemplaren bound in leather, die man über eine Vorbestelung bzw. Subskription beziehen konnte, eine prototypische Sammlerausgabe.
Die Ausgabe hatte allerdings schlechte Kritiken - dazu mehr unten - und für den europäischen Sammler miserable Versandbedingungen. Ich hatte mich ursprünglich also dazu durchringen können, diese Ausgaben zu ignorieren. Bei Ebay habe ich dann doch geboten - jedoch zögerlich, etwa ein Drittel des Preises von einem Band - und war überrascht, dafür die beiden Bände zu gewinnen. Und das um so mehr, weil es sich um zwei Bände der Limited Edition handelte.
Adjustment Team (2011)
Bevor ich über den regulären Bezug des dritten Bandes nachdenken konnte, hatte ich auch diesen im Haus: Der Verkäufer hatte ihn über seine Subskription erhalten und mir geschenkt. Hin- und wieder ein Extra oder auch ein Taschenbuch geschenkt zu bekommen, passiert gelegentlich, aber ein so wertiges Exemplar ... das war schon etwas besonderes. Natürlich war damit die Entscheidung gefallen - ich brauchte auch die beiden anderen Bände. Den nächsten habe ich dem Verkäufer im folgenden Jahr dann regulär - also teuer - abgekauft, für den letzten Band habe ich dann den Verlag gebeten, die Subskription des Verkäufers zu übernehmen: Das war wichtig, weil die Bände nummeriert sind - und ich nun natürlich auch mit dem fünften Band die Nummer weiterführen wollte: Die 42! Und nach langem Warten und einem Besuch beim Zoll hat das auch geklappt.
Nummer 42 von 250
Durch den relativ hohen Preis beim Verlag und den teuren Versand war das dann insgesamt keine günstige Ausgabe, aber dank der drei billigen ersten drei Bände immerhin bezahlbar. Und die fünf einheitlich nummerierten Bände der Limited Edition sind letztlich doch ein Höhepunkt in der Sammlung.
Upon the Dull Earth (2012)
Eine von mehreren negativen Rezensionen ist die des Science Fiction Schrifstellers Richard A. Lupoff. Einige der Probleme, die er anspricht, findet man in der tatsächlich veröffentlichten Ausgabe nicht mehr, einiges basieren auf Missverständnissen (die Jahreszahlen auf den Titelseiten beziehen sich auf den Zeitraum, in dem die Geschichten geschrieben wurden, nicht auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung) und einiges muss man gelten lassen (wo ist die Einführung?).
Lupoff kritisiert auch die Notes; ich kann hier keine Unterschiede zu den Notes aus der Grafton-Ausgabe (1990) sehen, insbesondere sind die Daten der Erstveröffentlichung der Geschichten korrekt. Das ist besonders erwähnenswert, weil der Text ja laut Lupoff direkt vom Trust stammt, der im Jahr 2012 im Streit um Copyright-Angaben abweichende Erstveröffentlichungsdaten genannt hat (die Realität so verbiegen zu wollen ist eigentlich für die Erben von Philip K. Dick durchaus konsequent).
The Minority Report (2013)
Darüber hinaus ist mir unklar, welche Geschichte in Band 1 King of Elves previously uncollected ist? Eigentlich keine, wahrscheinlich ist Stability gemeint, die erstmalig in den Collected Stories auftaucht - aber bereits in der ersten Ausgabe von Underwood-Miller (1987) und allen folgenden.
Aber guckt man sich die Ausgabe genauer an, so findet man immerhin die Erstveröffentlichung eines in diesem Blog bereits erwähnten kurzen Fragments, Menace React. Die ansprechend modernen Schutzumschläge sind von Bill Sienkiewicz gestaltet, einem Gewinner des renomierten Eisner Awards, einem wichtigen Preis in der Comic-Branche. Und es handelt sich um die erste gebundene Ausgabe seit der von Gollancz (1988-1990). Alles in allem also genug Gründe für diese neue Ausgabe.
Die Titel der einzelnen Bände sind abweichend von den vorigen Ausgaben der Collected Stories benannt - Subterranean wählt hier jeweils Titel von verfilmten Geschichten aus, der Titel von Band 1 ist King of Elves, dessen Verfilmung schon 2009 von Disney geplant war. Das setzt sich fort mit Band 2 Adjustment Team, Band 4 The Minority Report und Band 5 We Can Remember it for You Wholesale. Band 3 Upon the Dull Earth fällt aus der Reihe, warum hat man nicht The Golden Man gewählt, das immerhin die Vorlage für den Film Next war.
We Can Remember it for
You Wholesale
(2014)
Natürlich kann man diese Bücher jetzt noch antiquarisch kaufen. Die Trade Hardcover werden häufiger angeboten, die Limited Edition gelegentlich - allerdings jeweils doch meist zu deutlich höheren Preisen als ursprünglich beim Verlag - und natürlich auch zu Fantasiepreisen, aber das ist man als Sammler gewöhnt. Bei den Limited Edition Ausgaben ist auffällig, dass relativ häufig vermerkt ist, dass die Nummerierung nicht eingetragen ist - letztlich kann man sich hier also seine durchgängige Nummerierung selbst erschaffen - denn einzeln zusammenkaufen lassen sich die Ausgaben einer Nummer wohl nicht. Wenn man darauf Wert legt, muss man wohl auf das gemeinsame Angebot aller Bände warten - und das werden nicht meine sein.
Als Web-Tipp ist noch mal auf die Rezensionen von Lupoff verwiesen, dort findet man auch weiteres zu Dick, insbesondere Rezensionen, Informationen und ein paar nette Links, auch wenn das alles nicht mehr ganz aktuell ist.

Freitag, 23. September 2016

Versteckte Planeten

Der Merkur, der sich als Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken bezeichnet, erscheint ununterbrochen seit 1947. Und man kann ihm sicher zugestehen, eine der wichtigsten und angesehensten Kulturzeitschriften im deutschsprachigen Raum zu sein. Veröffentlichungen im Merkur haben daher sicher einen anderen intellektuellen Stellenwert und eine andere Sichtbarkeit als solche in Fan-Magazinen - nicht nur wegen der unterschiedlichen Auflagenhöhe.
Das Thema Philip K. Dick hat es einmal in den Merkur geschafft, nämlich in Gerd Schäfers Artikel Paranoides Genie. Zum Werk von Philip K. Dick in Heft 5 des 61. Jahrgangs im Mai 2007 in das Heft mit der laufenden Nummer 697. Der Artikel ist mit fünf Seiten sicher eher kurz für das Thema, aber, wie ich finde und wie man ja auch erwarten durfte, von hoher Qualität; auch wenn ich persönlich Dicks Werk primär weniger als vorweggenommene Bestandsaufnahme auf den Einzug von Medien in die Alltagswelt sehe. Dafür stempelt er Dick nicht als drogenabhängigen Verrückten ab, das Paranoide Genie ist wohl weniger eine klinische Diagnose als eine literarische, die man nicht abstreiten kann.
Merkur 697, 61. Jahrgang Mai von 2007 mit einem Artikel von Gerd Schäfer,
Paranoides Genie. Zum Werk von Philip K. Dick
Die Anzahl von Artikeln zu Leben und Werk von Dick in deutscher Sprache ist klein genug, um ihn ohne weitere Überlegung in die Sammlung aufzunehmen, hier verhält sich wie mit dem hier bereits vorgestellten Werk von Laurence A. Rickels.
Nachlesen lässt sich der Anfang des Artikel online im Archiv des Merkur, dort kann man ihn auch kaufen. Für einen Sammler ist ein PDF sicher keine Option.
Der Artikel im Merkur erscheint auch als einziger deutschsprachiger in der Liste der akademischen Sekundärliteratur bei den PhilipKDickFans, die von Umberto Rossi stammt, von dem an dieser Stelle in einem zukünftigen Eintrag auch noch gesprochen werden soll.
Finden lässt sich der Merkur 697 recht einfach, wenn man einmal weiss, das man nach ihm suchen will. Aufpassen sollte man als Sammler nur, dass man keines der Mängelexemplare erhält, die im Umlauf sind. Mein Exemplar enthält noch ein beigefügtes Faltblatt, das Werbung für einen Kongress in Karlsruhe macht, wie sehr so etwas zu einem Magazin dazugehört, muss natürlich - wie immer - jeder Sammler selbst bestimmen. Mir fällt es schwer diese Beilage zu entfernen, wenn sie auch droht, das Heft dauerhaft zu verformen. Solche Objekte zeigen auf jeden Fall, dass das Exemplar nicht wirklich intensiv gelesen wurde.

Samstag, 17. September 2016

Nur ein halbes Leben?

Die Anzahl von deutschsprachigen wissenschaftlichen Artikeln über Philip K. Dick ist sehr begrenzt. Dazu kommt, dass sie sich oft schwer finden lassen, zumindest wenn der Zugang aus dem Bereich der Science Fiction ist.
Einer dieser wenigen Artikel ist Half-Life des US-amerikanischen Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker und Psychologe Laurence A. Rickels. Mehr Details zu ihm finden sich in seinem Wikipedia-Eintrag.
Geprüfte Seelen von Laurence R. Rickels im Passagen Verlag (2012) enthält das Essay
Half-Life 

Half-Life ist im Deutschen zweimal erschienen. Zuletzt und prominenter als eines von drei Essays in Rickels Buch Geprüfte Seelen im Passagen Verlag (2012) unter dem Titel Half-Life.
In einer kürzeren Version und deutlich versteckter erschien Half-Life bereits 2011 im Sammelband zur gleichnamige 2008 in Basel veranstalteten Tagung, herausgegeben von Till A. Heilmann, Anne von der Heiden und Anna Tuschling: medias in res. Medienkulturwissenschaftliche Positionen. Bielefeld: transcript (2011), 300 Seiten, ISBN 978-3-8376-1181-6. Hier heisst er Halbes Leben. Rickels Vortrag dort kann man sich dort auch - auf Englisch - anhören (50 Minuten). Im Original erschien er 2009 in Discourse: Journal for Theoretical Studies in Media and Culture 31, No 1-2.
Im PKD-Universum ist Rickels aber wohl erst bekannt geworden mit seinem Buch I Think I Am: Philip K. Dick, University of Minnesota Press (2010), erschienen als Hardcover und - deutlich billiger - Softcover. Das Buch hat in der sonst sehr wohlwollenden Gemeinde sehr gemischte Kritiken bekommen, so beurteilt es Tessa Dick eher negativ. Das liegt vielleicht auch daran, dass Rickels wissenschaftlicher Anspruch in den Texten sehr deutlich wird, einfach ist die Lektüre nicht.
Ein Interview mit Rickels zu diesem Buch findet sich bei Total Dick-Head, bibliographisches bei Essential English.
Und wieder stellt sich die Frage: Will man solche Texte in seiner Sammlung haben? Und wenn, braucht man dann beide Texte? Natürlich hängt das von den Zielen der eigenen Sammlung ab, Geprüfte Seelen sollte aber in der Sammlung vorhanden sein, wenn man sich überhaupt mit der Sekundärliteratur beschäftigt.
Geprüfte Seelen ist leicht zu finden und eher günstig, medias in res ist ebenso leicht zu finden, aber eher teurer.

Samstag, 10. September 2016

Penguin

Penguin hat nur vier Romane von Philip K. Dick herausgegeben, diese vier allerdings in 15 Ausgaben. Davon sind acht, also mehr als die Hälfte, verschiedene Ausgaben von The Man in the High Castle, in der deutschen Übersetzung Das Orakel vom Berge. Die erste britische Ausgabe von 1965 bis zur letzten Ausgaben von 2015 sind von Penguin - und mit diesen acht Ausgaben dürfte Penguin der Verlag mit den meisten Ausgaben des selben Romans sein.
The Man in the High Castle von Philip K. Dick bei Penguin in der Ausgabe von 2001
Für die gezeigte Ausgabe von 2001 gibt es eine neue Einführung des britischen Autoren Eric Brown, den Penguin auch gerne zitiert: Dick's finest book, and one of the very best science fiction novels ever published. Man muss Brown hier nicht widersprechen.
The Man in the High Castle in der
Ausgabe von 1976 bei Penguin in
üblicher Erhaltung - also vergilbt und 
mit Knicken
Penguin greift für den Umschlag das im Angelsächsischen für dieses Buch beliebte Hakenkreuzmotiv auf, das sich naturgemäss bei den deutschen Ausgaben nicht findet. Insgesamt sind die Cover von Penguin sehr gelungen und jeweils sehr zeitgemäss.
Von Time Out of Joint gibt es vier Ausgaben bei Penguin, die letzte Ausgabe ist allerdings von 1988, die britischen Rechte liegen jetzt wohl bei Gollancz. Von The Penultimate Truth und The Three Stigmata of Palmer Eldritch gibt es jeweils eine Ausgabe von Penguin.
Die Ausgaben von Penguin lassen sich gut sammeln, im Prinzip sind sie bezahlbar und leicht erhältlich, auch aus Grossbritannien, also auch mit bezahlbarem Versandkosten. Allerdings liegen die Penguin Taschenbücher häufig in schlechter Qualität vor - und die Beschreibungen der Anbieter sind bezüglich der Qualität bei so billig angebotenen Bücher eben nicht sehr ausführlich. Genauso unzuverlässig ist häufig die Angabe der Erscheinungsjahres. Man kauft also günstig, aber wenn es kein Originalbild gibt eben doch auch die Katze im Sack. Selbst das enzyklopädische Philip K, Dick Bookshelf ist sich nicht sicher, ob es eine abweichende Ausgabe von 1978 von The Man in the High Castle gibt - oder nur eine neue Preisangabe. Eine solche Ausgabe zu finden kann dann aus den genannten Gründen sehr schwierig werden. Eine schöne Herausforderung für einen Sammler.
Der passende Web-Tipp ist The Art of Penguin Science Fiction, eine schöne Cover-Sammlung, die über das Bild hinaus auch viele zusätzliche (bibliographische) Informationen bietet.

Samstag, 3. September 2016

Nichts zum Jubiläum

Science Fiction Jubiläums Band - Das Lesebuch von
Heyne (1985), herausgegeben von Wolfgang Jeschke
Sammeln ist eben nicht das Gegenteil von Jagen - als Sammler ist man immer auch Jäger.  Meistens ist man auf der Suche nach günstigen Angeboten - oder eben überhaupt Angeboten. Manchmal möchte man auch etwas Neues aufstöbern, etwas Ungewöhnliches für die Sammlung, das vielleicht noch nicht im allgemeinen Sammlungskanon definiert ist.
So geht es mir mit diesem Stück, dem Science Fiction Jubiläums Band von Heyne (1985), der keinerlei Beitrag von Philip K. Dick enthält. Allerdings annonciert der Klappentext eine der besten Erzählungen von ... Philip K. Dick ...
Herausgeber dieses Bandes mit der runden Verlagsnummer 06/4000 zum Jubiläum 25 Jahre Heyne Science Fiction & Fantasy 1960-1985 ist der im letzten Jahr (2015) verstorbene Wolfgang Jeschke, der sicher jedem ein Begriff ist, der in Deutschland Science Fiction liest oder gelesen hat. Im Umfeld von Philip K. Dick gibt es nur wenige direkte Beiträge von Jeschke: Eine kurze Vorbemerkung zum Anhang in Das Orakel vom Berge von Heyne aus dem Jahre 2000 ist alles - der Anhang fehlt leider in der 2008er Ausgabe. Man mag das kaum glauben, aber sicher hatte auch Jeschke seine Lieblingsthemen und hat Dick anderen - speziell Uwe Anton - überlassen. Als Herausgeber hat Jeschke zahlreiche Bände mit Kurzgeschichten, mehr noch aber mit Sekundärliteratur herausgeben, hauptsächlich in Das Science Fiction Jahr, in dem in zahlreichen Bänden Artikel über Leben und Werk von Dick erschienen sind. So mögen wir ihm verzeihen, dass es - anders als wohl geplant (wie sonst wäre Dicks Name in den Klappentext gekommen?) - Dick nicht in diesem Jubiläums Band geschafft hat - und betrachten die nicht erfüllte Ankündigung als lobende Erwähnung und nicht als falsches Versprechen des Herausgebers. Zumal im Jahre 1960, mit dem der Band beginnt, Dicks produktivste Zeit, soweit es Kurzgeschichten angeht, auch vorbei war.
Klappentext von Science Fiction Jubiläums Band mit
grossen Versprechungen, die leider für den Beitrag von
Philip K. Dick und Brian W. Aldiss nicht eingelöst werden
Erwähnen sollte man noch, dass auch Brian W. Aldiss als Autor genannt wird, aber auch von ihm erscheint kein Beitrag im Buch.
Der erste Beitrag im Jubiläums Band ist übrigens ein Auszug aus John Wyndhams Die Triffids, das seinerzeit mit der Nummer 39 der erste Science Fiction Beitrag von Heyne war und in Neuauflage als erster Band der Science Fiction Reihe mit der Nummer 3000 geplant war. Dick und Wyndham haben sich in diesem Blog vor Kurzem bereits getroffen.
Ob man nun solch ein Kuriosum oder ähnliche in seiner Sammlung braucht, ist jedem selbst überlassen. Nach der Jagd und dem Feststellen der Tatsache, dass sich in diesem Buch keine Kurzgeschichte von Dick versteckt, ist das Buch auf jeden Fall in meiner Sammlung geblieben. Jeder Leser dieses Blogeintrags kann sich diese Jagd nun sparen.
Eine vollständige Liste der Kuriosa mit bibliographischen Informationen und Verweisen auf Blogeinträge ist auf einer separaten Seite gesammelt.

Samstag, 27. August 2016

Pioniere

Nachdem ich vor einiger Zeit einen wunder-baren Fund gemacht habe, konnte ich aus der selben Quelle ein weiteres seltenes Exemplar ergattern. Wieder nicht ganz billig und nicht ganz so spektakulär, ist es trotzdem ein schönes Exemplar: Pioneer 17/18 aus dem Jahr 1964.
Pioneer war ein recht professionell gemachtes Fanzine des SFCD Österreich, das in den 1960er Jahren erschien. Der Fokus war wohl eher auf der Publikation von Kurzgeschichten deutscher Autoren, aber natürlich gab es auch die üblichen Artikel über Science Fiction.
Rezension von Krieg der Automaten in Pioneer 17/18 (1964)
Pioneer 17/18 von 1964

In der Doppelnummer 17/18 bestreitet Eduard Lukschandl die Rubrik Zu empfehlen. Diese enthält auch über knapp zwei Seiten Rezensionen zu der Moewig Ausgaben Eine Handvoll Dunkelheit und der beiden Bände Krieg der Automaten (1 und 2) aus der Terra-Reihe, über die sich auch hier ein Blogeintrag findet. Alle drei Hefte enthalten Kurzgeschichten von Philip K. Dick, die jeweils einzeln kurz vorgestellt und überwiegend wohlwollen bewertet werden.
Den besonderen Reiz dieser Rezension macht das frühe Erscheinungsdatum aus. In meinem Katalog habe ich nur eine frühere Rezension, nämlich wohl in Anabis 3 - und da ist (mir) unklar, ob dort nicht einen englische Originalausgabe von Dick besprochen wird. Bis zum Ende der 1960er Jahre finden sich nur ein knappes Dutzend Rezensionen von Dick - die Fans haben Dick hierzulande also wohl eher spät entdeckt, zumal das Echo in den Vereinigten Staaten durchaus grösser war. Dick war ja durch den Gewinn des Hugo für Das Orakel vom Berge im Jahre 1963 durchaus kein Geheimtipp mehr.
Von Eduard Lukschandl finden wir keine weiteren Artikel zum Werk von Philip k. Dick, aber er ist offenbar bis heute auch als Autor und Übersetzer von Science Fiction tätig.
Hier sei noch einmal auf Webseite Bibliographie deutschsprachiger Science Fiction-Stories und Bücher des Sammlers Christian Pree hingewiesen. Diese ist unverzichtbar, um Artikel wie die genannten in seltenen Fanzines zu finden. Auch wenn die Seiten eher schlicht gestaltet sind, ist der Inhalt gewaltig - und wächst weiter. Diese Seiten leben - und es werden offenbar nicht nur Neuerscheinungen hinzugefügt, sondern auch ältere Ausgaben ergänzt. Und es finden sich eben auch sehr seltene Ausgaben, die sonst nirgends zu finden sind. 

Samstag, 20. August 2016

Muss das sein?

Wie man in diesem Blog schon öfter lesen konnte, ist das zentrale Werkzeug für den Sammler sein Katalog. Zum einen geht es um die Qualität der Einträge. Für die Objekte, die fehlen, braucht man gute Angaben, die beim Suchen helfen. Und für die Objekte, die vorhanden sind, sollte man umfängliche Eintragungen vornehmen - am besten, wenn ein neues Stück ankommt, später wird das erfahrungsgemäss schwierig. Daher sollte man sich schon früh überlegen, was man erfassen möchte - aber immer, unbedingt immer, sollte man den Zustand seiner Objekte kritisch erfassen.
Noch wichtiger ist aber die Quantität der Einträge - was will man denn sammeln? Hier kann man zunächst restriktiv sein und später das Gebiet seiner Sammlung erweitern. Wenn man mit einem zu grossen Gebiet beginnt, kann das demotivierend sein, aber man kann auch Prioritäten setzen und zunächst nur die "wichtigen" Einträge im Katalog verfolgen. Trotzdem - alles, was im Katalog steht, will auch gefangen werden.
Der Spiegel 51/2015 mit einem Artikel über die Amazon
Serie The Man in the High Castle nach dem Roman von
Philip K. Dick
In meinem Katalog haben sich auch zahlreiche Einträge zu den Verfilmungen von Werken von Philip K. Dick gedrängt. Überwiegend ist das natürlich alles zum Thema Blade Runner. Und vieles davon hat nichts mit Dick zu tun. Häufig werden der Autor und sein Werk aber doch gestreift und weil es schwierig ist, das zu wissen, bevor man den Artikel oder das Buch in der Hand hat, ist eben vieles in der Sammlung, das eigentlich nichts mit Dick zu tun hat.
In letzter Zeit ist auch in der deutschen Presse einiges zu der Amazon-Verfilmung The Man in the High Castle erschienen. Der Spiegel hat kürzlich bereits ein Interview mit Tessa Dick gebracht, wie berichtet. Und er hatte vorher eine Kritik gebracht: Die Asche am Hemd von Daniel Sander in Spiegel 51 von 2015. Die Kritik ist sehr positiv und vergleicht Buch und Verfilmung, lässt den Autoren aber eher ausser acht. Man konnte sie zeitweise online lesen.
Braucht man diesen Spiegel nun in der Sammlung? Das kommt eben darauf an, was man sammelt. Aber aus praktischen Gründen wird dieser Spiegel eben Eingang in die Sammlung finden: Ich habe ihn jetzt. Und ich habe ihn, weil er wirklich einfach und sehr günstig zu kriegen war. Und es gibt sehr direkte Bezüge zu Dicks Werk. Jetzt muss sich nur noch irgendwo Platz finden.

Samstag, 13. August 2016

Wunder-bar

Manchmal gibt es es noch Wunder. Kleine Wunder vielleicht, aber für den Sammler, der viele Jahre danach gesucht hat, sehr schöne Wunder.
Es gibt einen sehr frühen Aufsatz von Philip K. Dick, der im Original Nazism and the High Castle heisst und ursprünglich im Jahre 1964 in der Ausgabe 9 des amerikanischen Fanzines Niekas erschienen ist. Dick setzt sich hier mit dem Thema Nazismus auseinander, ausgelöst offenbar durch eine Diskussion um seinen Roman Das Orakel vom Berge, der im Original 1962 erschienen war. Niekas hat auch noch einige andere Texte von Dick veröffentlicht, ist aber nur sehr schwer zu finden - und zu bezahlen.
Mutant 9, ein Fanzine von 1966 mit dem Essay Nazismus von Philip K. Dick
Tatsächlich ist dieser Text auch sehr früh in einer deutschen Übersetzung erschienen, nämlich auf vier Seiten in der Nummer 9 des deutsch-österreichischen Fanzines Mutant. Der deutsche Titel ist offenbar Nazismus. Man darf vermuten, dass Franz Rottensteiner, einer der Mit-Arbeiter bei Mutant, den Artikel beigesteuert hat, da er sich bereits in den Jahren vorher in seiner Zeitschrift Quarber Merkur mit Dick auseinandergesetzt hat; später hat er seine Bücher bei Suhrkamp herausgebracht. Rottensteiner hat den Artikel wohl auch übersetzt; sicher nicht sein grösstes Verdienst.
Später ist der Artikel in The Shifting Realities of Philip K. Dick veröffentlicht und damit kanonisiert worden. Diese Artikel wird auch sehr oft zitiert, diese einzige deutsche Übersetzung ist allerdings weitgehend unbekannt. Es gibt eigentlich nur einen - mir bekannten - Verweis auf diesen Text, nämlich in Uwe Antons (schwer zu findendem) Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung - Texte und Materialien zur phantastischen Literatur (bibliographische Angaben finden sich hier).
Die wohl verunglückte Überschrift von
Nazismus in Mutant 9 - Handarbeit
Ich habe eigentlich nicht geglaubt dieses 50 Jahre alte Fanzine mit einer Auflage von 200 Exemplaren noch zu finden. Ich war mir ob der schwierigen Quellenlage auch nicht ganz sicher, ob es diesen Artikel überhaupt gab - und in welcher Sprache er veröffentlicht war. Nun hat er sich aber in einer der Fallen, die ich gelegt habe, verfangen: Viele Portale für Antiquariate und private Verkäufer von Büchern, auch Booklooker, bieten die Möglichkeit Suchanfragen zu hinterlegen und gelegentlich schlagen diese an. Meistens sind es dann Falschmeldungen, gerade wenn man sehr allgemeine Anfragen hinterlegt, aber oft lohnt es sich bei spannenden Angeboten auch einmal die anderen Angeboten des Anbieters zu prüfen. Und so gelang es mir hier diesen mehr als raren Fund, wenn auch nicht ganz billig, aber eigentlich unbezahlbar, in die Sammlung zu bringen.
Der Herausgeber dieser Ausgabe ist Conrad C. Schaef, über den sich anderweitig im Internet einiges finden lässt. Das Heft hat stolze 120 Seiten und beschäftigt sich, wie seinerzeit üblich, viel mit dem Fandom und anderen Magazinen ähnlicher Art. Alleine dafür lohnt sich die Lektüre schon. Jedes Magazin dieser Art, das ich in der Hand halte, macht mich - nicht nur als Sammler - besorgt, dass diese ganze Klasse von Veröffentlichungen verschwinden könnte. Die geringe Auflage und das scheinbar geringe Interesse - man findet relativ wenig dazu im Internet  -  muss einen befürchten lassen, dass viele Exemplare im Altpapier landen und letztlich komplett verschwinden. Und auch der Markt gibt - meistens; dieses Exemplar ist eher eine Ausnahme - nicht viel her. Es wäre schön, wenn man diese doch recht fruchtbare Phase des deutschen Fandom bewahren könnte.
Zum Abschluss noch ein Blick auf den Artikel: Die Überschrift liest sich wie 'Nazi, - da ist wohl beim Satz etwas verunglückt, aber so ist das eben, als Cut & Paste eben noch Schere und Kleber bedeutet haben. Der Einsatz von Computern für Desktop Publishing war 1966 noch - Science Fiction.

Samstag, 6. August 2016

Appendix Dick

Eine kleine - oder eigentlich eine grosse - Sensation im Philip K. Dick Universum des Jahres 2016 ist bereits im April beim Verlag Topalian & Milani in Ulm erschienen: Appendix Dick des Ulmer Künstlers Tommi Brem.
Die Liste aller Namen im Werk von Philip K. Dick in Appendix Dick
Appendix Dick von Tommi Brem, erschienen bei Topalian & Milani (2016) enthält die Liste
aller Namen, die in den Kurzgeschichten und Romanen von Philip K. Dick genannt sind
Appendix Dick ist ein besonderes Buch. Die Idee erscheint - zumindest auch auf den zweiten Blick - verrückt: Eine Liste aller Namen, die in den Kurzgeschichten und Romanen von Philip K. Dick genannt sind, von Aaron bis Zoroaster! Wenn man sich den Umfang von Dicks Werk ansieht, das praktisch vollständig Eingang fand - 47 Romane und mehr als 130 Kurzgeschichten - erkennt man die Dimension dieser Arbeit. Brem hat auch - mit Papier und Bleistift - über einen Zeitraum von sechs Jahren an diesem Projekt gearbeitet. Auf Nachfrage schreibt er mir dazu: Ja, das ist eine lange Zeit und es war sehr viel Arbeit, aber sind wir ehrlich: Lesen wollte ich ohnehin alles von Philip K. Dick. Allein dafür hat es sich gelohnt! - Natürlich. Aber 179 Seiten Namen - so viel sind es in alphabetischer Reihenfolge - wollen dann auch gebändigt werden.
Appendix Dick enthält eine kurze Einführung und dann die Liste aller Namen, die in Dicks Werken auftauchen - nicht nur die der Figuren, sondern auch von Personen, die erwähnt werden. Die komplette Liste erscheint im Buch dreimal, zunächst in alphabetischer Reihenfolge der Personen, ggf. tauchen diese in verschiedenen Titeln auf, dann nach Titel und zuletzt nach Jahr. Damit kommt das Buch auf stolze 563 Seiten bei einem Gewicht von über einem Kilo. Der Preis von 25 Euro ist also mehr als angemessen - zumal der Künstler Brem auch einige Zeichnungen im Buch hat, die auch einzeln erhältlich sind. Die ersten 50 der auf hundert Exemplare limitierten Ausgabe sind teilcoloriert, eines der letzten verkauften kann man hier sehen. Für den Künstler Brem ist das wohl auch keine Zugabe, sondern integraler Bestandteil des Buches. Und er verweist damit auch auf weitere grosse Ziele: Ziel ist auch eine große Gesamtzeichnung, eine Art Namensfahrplan für das Gesamtwerk. Aber das dauert wohl noch ein paar Jahre. 
Mit Topalian & Milani ist wohl auch der richtige Verlag dabei. Es handelt sich um einen Ulmer Kleinverlag für schöne Bücher, die inhaltlich und optisch ein Fest sind, also definitiv ein Verlag für (uns) Sammler. Und das sehen wir auch mit Appendix Dick.
Zum Inhalt des Buches - nun, es ist eine Liste von Namen. Und so trocken das klingt, lädt schon die erste Seite zum Blättern in der Sammlung ein: Warum und wo taucht Konrad Adenauer in Simulacra auf? Lässt man sich darauf ein, kann man vieles neu oder auch wieder entdecken.
Man kann Appendix Dick und die Zeichnungen direkt beim Autoren bestellen - noch. Man findet es aber auch über die üblichen Kanäle, daher sei hier die ISBN 978-3-946423-02-7 genannt. 25 Euro - zuzüglich Versand - sind dabei sicher ein günstiger Preis.