Samstag, 25. Juni 2016

Doppel-Ass

Ich habe mich meiner Prioritäten für dieses Jahr besonnen als ich auf zwei günstige englische Bände von Ace gestossen bin. Aber nicht nur, weil ich mir die Erweiterung meiner Sammlung von Ausgaben von Ace vorgenommen habe, ich mag die Bücher mit ihren farbigen Titelbildern - und da bin ich nicht der einzige. Ace wird viel gesammelt und man kann auch einige gute Quellen dazu finden. Von Philip K. Dick gibt es - wie immer abhängig davon, wie man zählt - rund 40 Bände bei Ace Books, mehr als die Hälfte davon Erstveröffentlichungen. Sein erster Roman Solar Lottery ist dort 1955 veröffentlicht und die letzte Ausgabe bei Ace ist The Man in the High Castle im Jahre 1988. Alle Bände, auch der erste, lasse sich in gutem Zustand einigermassen bezahlbar finden, leider zumeist hinter der Portomauer.
Vulcan's Hammer von Philip K. Dick in der Erstausgabe von 1960 mit der Verlagsnummer D-457
und in der Neuauflage von 1972 mit der Verlagsnummer 86608 bei Ace Books
Gelegentlich findet sich aber etwas in der Nähe und so war es auch mit diesen beiden Bänden. Zufälligerweise handelt es sich um die beiden Ausgaben von Vulcan's Hammer. Die Erstausgabe ist 1960 bei Ace als Wendebuch erschienen,1972 folgte eine herkömmliche Ausgabe. Diese von Ace so genannten Doubles sind zwei Rücken an Rücken gegeneinander gebundene Bücher, im Englischen wird diese Bindung allgemein tête-bêche genannt. Der Verlag hat das aus Gründen des Marketing gemacht, man hoffte mit einem etablierten Autoren auf der einen Seite, einen zweiten Autoren bekannt zu machen - oder wenigsten mitzuverkaufen. Der zweite Roman The Skynappers ist hier von John Brunner, der damals sicher der unbekanntere (britische) Autor war - immerhin veröffentlichte Dick hier schon seinen siebten Roman. The Skynappers ist übrigens nie wieder erschienen, Brunner erreichte seine besten Zeiten erste einige Zeit später. Tatsächlich war bereits vorher ein Ace Double von dem - wohl eher unfreiwilligem - Team Dick/Brunner erschienen: D-421 mit Dr. Futurity und Slavers of Space von Brunner, auch dieser Roman ist wohl nie wieder erschienen. Es sind fünf weitere Ace Doubles mit Romanen von Dick erschienen.
Vulkans Hammer von Philip K. Dick
in der Reihe Terra Utopische Romane
Ursprünglich war Vulcan's Hammer in Future Science Fiction #29 (1956) veröffentlich, wurde dann aber von Dick für Ace erheblich erweiter.
Die deutsche Erstausgabe von Vulcan's Hammer ist 1965 bei Moewig als Heftroman unter dem Titel Vulkans Hammer in der Reihe Terra SF erschienen. Danach ist es 1973 noch als Vulkan 3 bei Goldmann und 1986 wieder als Vulkans Hammer bei Baste-Lübbe erschienen. Auffällig ist, dass sich der Illustrator des Titelbildes deutlich vom Original hat inspirieren lassen. Das Original ist von Ed "Emsh" Emshwiller, einem namhaften Illustratoren, der viele Titelblätter für bekannte SF-Zeitschriften und auch für Ace gemacht hat. Dabei sind auch zwei weitere Titel von Dick bei Ace, The Variable Man (1957) und The Simulacra (1964).

Samstag, 18. Juni 2016

Fast ein Urlaubsgruss

Mein Steckenpferd sind Übersetzungen der Werke von Philip K. Dick in alle Sprachen. Als Sammelgebiet ist das etwas zu breit, daher begnüge ich mich mit einer Ausgabe pro Sprache - manchmal werden es auch zwei ... oder drei.
Minority Report - A Nova Lei von Record (2002), eine brasilianische Ausgabe der
Anthologie The Minority Report von Philip K. Dick
Ich hatte noch keine portugiesische Ausgabe und als sich dann eine günstige Gelegenheit auftat, habe ich sofort zugegriffen. Man kann recht einfach Ausgaben aus Portugal bestellen, allerdings ist das Porto unfreundlich und so habe ich gewartet und bin scheinbar belohnt worden. Die günstige Gelegenheit war nämlich beim hässlichen Hund zu finden, einem grossen und omnipräsenten Händler von Gebrauchtramsch. Und bisher war jede Lieferung von dort fehlerhaft, angefangen mit einigen Ausgaben mit fehlenden Schutzumschlägen - u. a. Das Mädchen mit den dunklen Haaren - bis hin zu Aufklebern, Rissen und sehr häufig Eintragungen. Trotzdem konnte ich dem niedrigen Preis nicht widerstehen und habe es riskiert - und bin wieder enttäuscht worden. Natürlich. Und wieder verspreche ich: Nie wieder!
Eigentlich ist diese Taschenbuchausgabe in gutem Zustand, leider gibt es eine Namenseintragung, die noch dadurch verschlimmert wurde, dass sie überklebt wurde. Schade. Natürlich ist das nicht wirklich Pech, es ist eben so, dass sich bei diesem Händler besonders viel Schrott findet - und das sollte man auch wissen, zumindest als Sammlers. Als Leseausgaben - der schlimmste Grad von (fehlender) Qualität für einen Sammler - mögen die Bücher noch taugen. Dieses Buch geht trotzdem in die Sammlung, aber vielleicht sollte ich einmal einen Urlaub in Portugal - wenn schon nicht Brasilien - in's Auge fassen. Das würde das Porto sparen.
Zum Buch: Es handelt sich um die Übersetzung der Ausgabe The Minority Report von Gollancz (2002), die neun Kurzgeschichten enhält, hier gibt es jedoch eine zehnte zusätzlich.

Samstag, 11. Juni 2016

Noch ein Fisch

Es ist mir nun doch noch gelungen den zweiten Band der aktuellen Staffel von Philip K. Dick bei Fischer zu fangen bzw. in einem Laden zu kaufen: Der Irrgarten des Todes. Es handelt sich scheinbar wieder um ein Buch ohne Überraschungen. Ein langweiliges Cover und inhaltlich identisch zur Ausgabe der Philip K. Dick-Edition von Heyne (2005).
Irrgarten des Todes von Philip K. Dick bei Fischer (2016)
Tatsächlich gibt es eine kleine Auffälligkeit. Die Übersetzung ist von Yoma Cap, durchgesehen und vollständig überarbeitet von Alexander Martin, so wie die Heyne-Ausgabe von 2005. Die erste deutsche Ausgabe war 1974 bei Heyne in der Science Fiction Reihe erschienen, 1987 dann mit einem Nachwort von Uwe Anton in der Bibliothek der Science Fiction Literatur. Die durchaus umfassende Überarbeitung kam dann mit der Editions-Ausgabe: Das im Original vorhandene Inhaltsverzeichnis wird ergänzt, ebenso wie die Vorbemerkung des Autors, die Widmung Für meine beiden Töchter, Laura und Isa und der gesamte Text wird überarbeitet; das Nachwort von Anton fällt leider weg. Es zeigt sich aber, dass zumindest die letzte Seite der ersten Übersetzung wieder Platz in der Fischer-Ausgabe gefunden hat. Ansonsten konnte ich keine Unterschiede mit der Ausgabe von 2005 finden - aber die letzte Seite ist definitiv aus der Ausgabe von 1974 bzw. 1987, die hier auch näher am Originaltext zu sein scheint.
Eine solche minimale Abweichung macht sicher keinen grossen Unterschied - zumal man Dick, falls möglich, im Original lesen sollte - man muss sich aber fragen, wie es zu solchen Änderungen kommt.
Hörbuch Irrgarten des Todes gelesen
von Sunga Weineck, Delta (2005)
Ich möchte hier auch noch das Hörbuch erwähnen, 2005 bei Delta Musik auf vier CDs erschienen. Es gibt von diesem Hörbuch einige Varianten. Zunächst im blauen Digipak Gelesen von Sunga Weineck, folgte eine Version Gelesen von Christina Vayhinger offenbar mit gleicher ISBN, 2008 dann mit einem neuen brauen Cover und ohne ISBN, aber mit neuer EAN, die auch jetzt noch verlagsneu erhältlich ist. Von der blauen Vayhinger gibt es wohl Versionen bei denen Titel und Interpret nicht aufgedruckt, sondern aufgeklebt sind. Für den Sammler von Hörbüchern,  also vier schöne Varianten. Eine Liste alles Hörspiele und Hörbücher kann man sich schon ansehen, einen ausführlichen Blogeintrag verspreche ich für später.
Die Originalausgabe von A Maze of Death ist 1970 bei Doubleday als Hardcover erschienen und wie alle älteren Doubleday Hardcover zwar nicht wirklich selten angeboten, aber ausserordentlich teuer. In der Folge erschienen noch rund ein Dutzend weitere englische Ausgaben, die letzte 2013 in der Gesamtausgabe von Mariner.
Und nachdem ich im letzten Blogeintrag zur Fischer Klassik-Reihe bereits darauf hingewiesen habe, dass die zweite Auflage des Blade Runner im Handel ist, kann ich nun auch die "4. Auflage Januar 2016" von Das Orakel vom Berge vermelden. Die amazon-Serie hat offenbar auch in Deutschland das Interesse nach dem "Buch zur Serie" geweckt. Schaun wir mal, ob die neun Auflagen von Heynes Blade Runner übertroffen werden.

Samstag, 4. Juni 2016

Punktschrift

Bei der Suche nach Büchern von Philip K. Dick stolpert man unwillkürlich über den einen oder den anderen Roman in Blindenschrift. Bei mir haben die beiden Romane zunächst Eintritt in meinen Katalog gefunden:
Warte auf das letzte
Jahr
in drei Bänden
in Braille-Schrift
  • Blade Runner (1994). Marburg. Reformierte Kurzschrift, 2 Bände. Zürich: Haffmans (1993)
  • Warte auf das letzte Jahr (2008). Leipzig. Reformierte Kurzschrift, 3 Bände. München: Heyne (2006)
Die bibliographischen Angaben umfassen die Vorlagen für die Blindenschriftausgaben. Überlicherweise wird ein Schwarzschriftbuch, also eine "normale" gedruckte Ausgabe für sehende Leser, digitalisiert und dann in einem aufwändigen Prozess vorbereitet und schliesslich auf einem Braille-Drucker gedruckt. Die Braille-Schrift ist die übliche Blindenschrift, die es in verschiedenen Varianten gibt. Die Kurzschrift kürzt die Texte dabei ab, ähnlich der Stenographie, um eine höhere Leseleistung zu ermöglichen und ist das übliche Format bei Druckerzeugnissen.
Auch in Kurzschrift sind Braille-Bücher deutlich umfangreicher als Schwarzschriftausgaben, Blade Runner bringt es auf zwei Bände, Warte auf das letzte Jahr gar auf drei.
Die Verlagsstandorte sind Marburg, dort ist die Deutsche Blindenstudienanstalt mit einer Braille-Druckerei, und Leipzig mit der Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB).
Die Blade Runner Ausgabe ist bei der Deutschen Nationalbibliothek nachgewiesen, Warte auf das letzte Jahr leider nicht. Warum ausgerechnet Warte auf das letzte Jahr für die Übertragung ausgewählt wurde, muss rätselhaft bleiben. Nach literarischen Maßstäben oder nach allgemeiner Popularität kann die Entscheidung nicht gefallen sein, der Roman steht auf keiner Liste von Dick-Titeln unter den ersten zehn. Eine ähnliches schwer nachvollziehbare Auswahl lässt sich oft bei den Übersetzungen beoachten.
Eine Seite aus Warte auf das letzte Jahr von Philip K. Dick in Braille-Schrift.
Erwähnt sei noch, dass es als weiteres populäres Medium für den Literaturzugang die DAISY-Hörbücher gibt, das sind interaktive Hörbücher auf CD, die einen speziellen Player benötigen. Auch hier gibt es rund ein Dutzend Inhalte; ich betrachte aber zunächst die papiergebundenen Inhalte - zu Hörbüchern und anderen Medien in diesen Blog später mehr.
Viel über das Angebot, aber auch den Entstehungsprozess von Druckerzeugnissen für Blinde findet sich auf den Seiten der Deutschen Zentralbücherei für Blinde und der Deutschen Blindenstudienanstalt.
Übrigens: Am 6. Juni 2016 ist der Tag der Sehbehinderten.