Samstag, 4. November 2017

Ullstein

Ein Verlag, der in diesem Blog noch nicht gewürdigt wurde, ist der Ullstein Verlag. Der Hauptgrund dafür ist, dass Ullstein nicht viel von Philip K. Dick veröffentlicht hat, allerdings doch mehr als nur eine Einzelausgabe daher folgt hier jetzt doch noch ein Beitrag. Insgesamt sind zwei Romane und fünf Kurzgeschichten erschienen.
Ullsteins Science Fiction Stories 27, 28, 64 und 88 mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick,
hier in der typischen schlechten Erhaltung, die man in seiner Sammlung nicht haben sollte
Vier der fünf Kurzgeschichten sind in Ullsteins langlebiger Reihe Science Fiction Stories herausgekommen. Diese Reihe wurde erstmals 1973 publiziert und hat 1982 mit der Nr. 92 ihr Ende gefunden. An den letzten drei Ausgaben hat noch Michael Nagula mitgearbeitet, der sich später u.a. bei Heyne um Dick bemüht hat.
In Ullsteins Anthologie Brennpunkt Zukunft ist dann 1984 noch Eine Kleinigkeit für uns Temponauten herausgekommen, übersetzt offenbar vom nicht ganz unbekannten Denis Scheck, der später noch für Haffmans Augen auf! [The Eyes Have It] in Erinnerungen en gros (1991) übersetzt hat.
Die Clans des Alpha-Mondes und Die Zeit: Auf Gegenkurs
Die zwei bei Ullstein erschienenen Romane von Philip K. Dick: Die Clans
des Alpha-Mondes
und Die Zeit: Auf Gegenkurs, beide von 1988
Der Roman Die Clans des Alpha-Mondes [Clans of the Alphane Moon] erschien 1988 als Neuübersetzung von Ronald M. Hahn, der vorher bereits Rezensionen von Romanen von Dick veröffentlicht hatte. Ullstein brachte auch Die Zeit: Auf Gegenkurs [Counter-Clock World] im gleichen Jahr als Neuübersetzung durch Thomas Ziegler heraus, der damit eine weitere der gekürzten Goldmann-Ausgaben kassierte. Ziegler hatte von Dick vorher bereits einige Romane übersetzt, u.a. die Valis-Trilogie. Beide haben dann noch eine eigene recursive Kurzgeschichte in Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit beigetragen. Man trifft eben die gleichen Dickköpfe immer wieder. Beide Romane sind danach nicht noch einmal erschienen. Heyne hatte die Clans unter dem Titel Auf dem Alphamond im Programm angekündigt, diesen aber - wie ein paar andere - nie herausgebracht.
Erwähnenswert sind zwei weitere Bücher von Ullstein: Kreuzweg der Zeit von Andre Norton ist 1976 die erste deutsche Ausgabe dieses Buches mit der korrekten Angabe des Autoren, nachdem es vorher zweimal als Werk von Philip K. Dick ausgegeben worden war. Ausserdem ist 1984 der Philip K. Dick gewidmete Roman Rubikon von Michael Iwoleit herausgekommen, der Thema und Stil von Dick aufnimmt.
Bei Ullstein ist keinerlei Sekundärliteratur erschienen.
Beim Erwerb von Ullstein-Taschenbüchern des entsprechenden Alters sollte man unbedingt auf die Qualität achten. Es gibt sehr viele Mängelexemplare, ausserdem sind die Klebebindungen oft brüchig, nach persönlichem Empfinden scheinen diese Bücher insgesamt schlecht gealtert zu sein. Exemplare überstehen ein Lesen dieser Tage oft nicht mehr gut! Finden lassen sich die Anthologien sonst leicht und sehr günstig, die Romane sind für Taschenbücher dieser Art etwas teurer, vermutlich weil es keine neueren Ausgaben gibt.
Die vollständige Bibliographie der Bücher des Ullstein Verlags mit Beiträgen von Philip K. Dick findet sich auch hier in diesem Blog.

Montag, 30. Oktober 2017

Italienisch

Folia per sette clan, die italienische Ausgabe von Die Clans
des Alpha-Mondes
[Clans of the Alphane Moon], in einer
Ausgabe des italienischen "Dick-Verlages" Fanucci von 1998
Italien - das Land, das Philip K. Dick und sein Werk am meisten liebt! Nicht Frankreich, ein Land, das Dick besucht und das ihm bekanntlich viel Liebe gezeigt hat oder unser Deutschland, das sich auf Dichter und Denker versteht - Italien hat die meisten (übersetzen) Ausgaben von Dicks Werken herausgegeben. Und es gibt auch alle neun Mainstream-Romane auf Italienisch - in Deutschland ist das leider (noch?) nicht so.
Kurz zum Anfang: 1958 erschien als erste Dick-Ausgabe eine Übersetzung von Dicks erstem Roman Solar Lottery: Il disco di fiamma bei Mondadori. Unter dem Titel Griff nach der Sonne war das übrigens im gleichen Jahr auch in Deutschland der erste Roman von Dick - und wohl die ersten Übersetzungen von Dick überhaupt. Mondadori blieb auch bis 2002 der grösste Dick-Verlag. Ab 2003 hat dann der Fanucci Verlag Dick exklusiv übernommen. Ganz allgemein gibt es in Italien offenbar die Tendenz Romane in Serien bzw. Reihen herauszugeben. Fanucci hat nun sehr viele dieser Reihen herausgegeben und jede umfasst die gängigsten rund 25 Romane ... so kommt man schnell auf über 170 Ausgaben allein seit 2003 - zusätzlich zu knapp 50 weiteren in den Jahren vorher: Fanucci hat mehr als 220 Ausgaben herausgebracht und ist damit in meinem - allerdings unvollständigen - Katalog mit Abstand der fleissigste Verlag, so weit es Ausgaben von Philip K. Dick betrifft. Und jede Ausgabe hat hier ihre eigene ISBN, das macht die Orientierung etwas leichter.
Sehr schön, das ist wirklich auffällig, sind bei vielen der italienischen Ausgaben die vielen Extras, es gibt Biographien, Bibliographien, Interviews und Essays, kaum eine hat nicht wenigstens ein (vermutlich) kluges Vorwort.
Erwähnt werden muss hier auch noch eine Maurizio Nati, Übersetzer von nicht nur über einem Dutzend Romanen, sondern auch von der Exegese, von der es eine ledergebundene (!) italienische Ausgabe gibt, natürlich bei Fanucci (2015). Nati war auch in der leider untergegangenen, legendären Philip K. Dick Discussion Group aktiv und hat dort in faszinierenden Diskussionen Übersetzungsfragen debattiert.
Die beste bibliographische Seite, die ich im Internet finden konnte - und die für die Recherche unerlässlich war - ist der Catalogo Vegetti della letteratura fantastica; leider ist nur die Zeit bis etwa 2009 erfasst - über 100 der neuesten Fanucci-Ausgaben fehlen dort also. Dafür sind dort auch alle Veröffentlichungen von Kurzgeschichten von Dick gelistet, es steckt sehr viel Arbeit darin.
Kurz zurück zur Liebe der Italiener zu Philip K. Dick: Der Vergleich zwischen Ländern auf Basis der Anzahl der Ausgaben ist natürlich nicht fair. Wir kennen die Auflagenhöhen der einzelnen Ausgaben nicht und in anderen Ländern werden vielleicht lieber Originalausgaben gelesen. Wir können also nicht beweisen, dass die Italiener die grössten Dick-Fans sind - sehr grosse Fans sind sie aber ohne Zweifel!
Aktuelle italienische Bücher kann man in Deutschland relativ einfach kaufen, antiquarisch muss man halt über die Portomauer. Die grosse Zahl der Ausgaben macht das Sammelgebiet sicher nicht leichter, aber interessant. Stichproben zeigen, dass auch ältere Ausgaben zu finden sind, es wird aber sicher auch hier Juwelen geben, nach denen man länger schürfen muss.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich bekanntlich hier im Blog.

Samstag, 14. Oktober 2017

Es passiert jetzt

Eine sehr aktuelle Kurzgeschichte von Philip K. Dick ist Psi-Mensch, heil mein Kind. Es geht um eine postapokalyptische Welt, ein Motiv, das wir bei Dick häufiger finden. Es gibt einige Kurzgeschichten, die dieses Motiv verwenden, aber natürlich auch den hervorragenden Roman Nach der Bombe (Dr. Bloodmoney, or How We Got Along After the Bomb). Ein weiteres Motiv dieser Erzählung sind die Mutanten mit Psi-Fähigkeiten, das oft mit dem Motiv der Postapokalypse verbunden ist. Bei Dick sind die Mutanten aber oft keine Folge eines apokalyptischen Krieges, sondern eine davon unabhängige, meist positive Fortentwicklung des Menschen. Die Mutanten werden dabei aber meist angefeindet und mit Misstrauen betrachtet. Aktuell ist Psi-Mensch aber nicht wegen dieser eher düsteren Motive, sondern weil sie wohl als einzige Geschichte von Dick in diesem Jahr spielt, also 2017.
Imaginative Tales, November 1954 mit der Kurzgeschichte Psi-Man, Heal My
Child! von Philip K. Dick. Das Titelbild von Lloyd Rognan illustriert The Metal
Emperoreine andere im Heft abgedruckte Kurzgeschichte
Erstmalig erschienen ist Psi-Man Heal My Child! in Imaginative Tales vom November 1955. Es ist die einzige Kurzgeschichte von Dick in diesem Magazin, eines der vielen mehr oder weniger kurzlebigen Pulps der damaligen Zeit  (*September 1954, † Ende 1958). Obwohl es schlechtere Kurzgeschichten von Dick gibt, ist diese Geschichte in keiner Anthologie und nur in zwei Sammlungen erschienen, sowie natürlich den diversen Ausgaben der Collected Stories. Die gelegentlich umfangreichen Nach- und Hinweise, die den Collected Stories angefügt sind, wissen zum Psi-Man nur noch, dass Dicks Originaltitel Outside Consultant war und dass das Manuskript bei seinem Agenten, der Scott Meredith Literary Agency, am 8. Juni 1954 eingegangen ist.
Auf Deutsch gibt es die Kurzgeschichte nur in den beiden Ausgaben der Sämtlichen Erzählungen, also in Fosterdu bist tot, Haffmans (2001) und in Das Vater-Ding, Zweitausendeins (2008). In den beiden Bänden sind Klaus Timmermann und Ulrike Wasel als Übersetzer angegeben, leider ist das nicht getrennt nach den einzelnen Geschichten gelistet.
Imaginative Tales ist gut erhältlich, aber im Durchschnitt etwas teurer als manch anderes Magazin der Zeit. Entscheidend beim Kauf sollte aber auch die kritische Betrachtung des Zustandes sein. Man muss bei Pulps aus den 50er Jahren entweder Zugeständnisse bezüglich der Qualität machen oder (sehr) lange suchen und bereit sein ggf. deutlich mehr zu bezahlen. Häufig sind aber die Zustandsbeschreibungen unvollständig und Fotos fehlen oder sind wenig aussagekräftig, ausserdem scheinen die Bewertungskriterien bei Pulps auch weniger streng zu sein als für vergleichbare Taschenbücher, Very Good kann da schon gestempelt und mit einem leichten Wasserschaden sein. Es gilt also - falls das möglich ist - noch mehr als sonst caveat emptor!
Ein bisschen mehr Informationen zur Kurzgeschichte gibt es natürlich bei den PhilipKDickFans, einen Überblick über alle von Dick erschienen deutschen Übersetzungen seiner Sämtlichen Kurzgeschichten in diesem Blog.

Samstag, 7. Oktober 2017

Blade Runner 2049

Ein Kino in Deutschland: Früher wurden die aktuellen Filme draussen noch
annonciert, heute muss man wohl froh sein, dass es noch Kinos gibt
Blade Runner 2049 ist - nach meinem Empfinden - in Deutschland relativ lautlos angelaufen. Hauptdarsteller Harrison Ford und Ryan Gosling waren offenbar in Berlin und es gab ein paar der üblichen Zeitungsartikel, aber sonst doch eher wenig. Im Feuilleton ist der neue Blade Runner aber definitiv nicht angekommen. Eigentlich merkwürdig: Philip K. Dick ist dort ja schon länger, der originale Blade Runner von 1982 doch eigentlich auch und diesem Film werden durchaus Ambitionen auf einen Oscar nachgesagt - wo bleibt die ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem Film? Nun ja.
Blade Runner 2049 will auf jeden Fall mehr als eine billige Sequel sein, die das Franchise ausbeutet. Und die Themen - Androiden, künstliche Intelligenz und Dicks was ist menschlich? - liegen doch auch sehr im Trend. Aber auch das Original ist ja seinerzeit relativ langsam gestartet und hat einige Jahre gebraucht, um der Kultfilm zu werden, der er heute ist.
Wer die letzten achtzehn Monate seit Ankündigung des Films nicht mitbekommen hat, kann das wichtigste davon in der Zukunft nachlesen, dort sind nicht nur die diversen Trailer gesammelt, sondern auch die absolut sehenswerten Prequels, die allerdings nur auf Englisch vorliegen: 2036: Nexus Dawn2048: Nowhere to Run und der Animationsfilm Black Out 2022, die im Film durchaus eine Rolle spielen.
Es ist sicher jede Menge von Ridley Scotts Blade Runner von 1982 in diesem Blade Runner 2049, aber wieviel Philip K. Dick ist darin? Obwohl die ursprünglichen Drehbuchautoren Hampton Fancher und David Peoples nach eigenen Angaben nichts von Dick gelesen hatten und Peoples wohl nicht einmal Do Androids Dream of Electric Sheep?, sondern nur auf Basis von Fanchers Script gearbeitet hat, ist doch sehr viel Dick im Blade Runner - wenn auch an anderer Stelle und auf andere Weise als in der Vorlage. Man hat sich offenbar bemüht, einiges aus dem Roman hinüberzuretten, Dick war ja letztlich auch sehr glücklich mit dem, was er von der Verfilmung noch sehen konnte - er hat allerdings vorwiegend die visuellen Effekte gelobt, die eigentliche Story hat er in der sehr kurzen Rohfassung wohl kaum erkennen können.
Früher war mehr Lametta: Selbst für die Premiere ist sparsam geschmückt,
ein Selfie mit dem Pappaufsteller war nicht möglich: Zwei müde Plakate in der
Ecke waren alles, was das Kino aufbieten wollte
Wieviel Dick ist nun noch in Blade Runner 2049? Richtig viel Dick lässt sich schon in den drei Prequels nicht mehr finden. Der Film selbst hat natürlich einige Bezüge auf das Original und zitiert ihn des Öfteren - die Fans erwarten das. Philip K. Dick ist aber nicht mehr drin. Um so bemerkenswerter sind zwei winzige Details, die vielleicht direkt auf DADoES zeigen. Vermutlich um die Fans mitzunehmen und die Glaubwürdigkeit des neuen Blade Runner zu steigern, hat man für diesen Film auch Edward James Olmos gewinnen können, den Schauspieler, der Gaff spielt, den mysteriösen Polizisten. In diesem Film wird er kurz im Altersheim gezeigt, eine für die Handlung so gänzlich überflüssige Szene, dass sie negativ auffällt, so nett es ist, Gaff noch einmal zu sehen - die Szene scheint nur für diesen Zweck ins Drehbuch montiert zu sein. Spannend ist aber, dass Gaff auch hier ein Origami Tier faltet: Ein Schaf. Das muss ein Bezug auf den Originaltitel von Dicks Roman sein! Oder Gaff will K sagen, dass er ihn für ein Schaf hält, dass alles erduldet und mitmacht.
Ein meines Erachtens eindeutiger Bezug auf den Roman ist aber der Besuch beim freundlichen Holzanalytiker, natürlich ein Zitat auf eine analoge Szene im ersten Film, in dem Deckard die Schlangenschuppe untersuchen lässt. Hier bietet der freundliche Herr für das offenbar ausserordentlich wertvolle Holz mehrfach ein lebendes Pferd - und schliesslich, einmalig und quasi als Steigerung: Eine Ziege. Ist das die Ziege, die sich Deckard im Roman kauft und die leider nur ein kurzes Leben hat, bevor die verärgerte Rachel sie vom Dach wirft? Ansonsten ist das Auftauchen einer Ziege an dieser Stelle des Films unerklärlich. Eigentlich sind Ziegen nicht attraktiv. Warum würde man als Steigerung von Pferd eine doch eher unattraktive, ggf. stinkende Ziege anbieten? Warum nicht etwas Nettes, eine Eule oder einen Hund etwa? Vielleicht hat sich Fancher, der auch am neuen Script mitgeschrieben hat, hier noch einmal an das Original erinnnert ...
Auch wenn dies ist keine Filmkritik ist, sei gesagt, dass mir der Film sehr gut gefallen hat. Nicht nur visuell grossartig, auch Handlung und Schauspieler haben gepasst. Und wieviel Philip K. Dick in diesem Film ist, ist kein Bewertungsmassstab - nicht einmal in diesem Blog.
Ein Buch zum Film gibt es für diesen Blade Runner nicht, nur Neuauflagen des Blade Runner in diversen Sprachen, auch auf Deutsch, bei Fischer, das habe ich hier im Blog schon vorgestellt.
Ob die DVD, die folgen wird, in meine Sammlung kommt, muss ich mir noch überlegen. Mal sehen ... aber eher nicht. Das ist mir alles ein bisschen zu weit weg von Dick.
Warten wir ab, ob es für einen Oscar reicht.
Und als zusätzlichen Web-Tipp hier das Script von Ridley Scotts Blade Runner

Samstag, 30. September 2017

Blade Runner übersetzt, überbersetzt, übersetzt

Nachdem Fischer die kürzlich erschienene Neuübersetzung des Blade Runner mit dem Adjektiv kongenial bewirbt, lohnt sich vielleicht ein eingehender Blick auf die verschiedenen deutschen Übersetzungen dieses Werkes, davon gibt es nämlich auf den zweiten Blick einige Varianten mehr, als man vermutet.
Schon 1969, das ist nur ein Jahr nach dem Erscheinen in den USA, gibt es die Erstübersetzung von Norbert Wölfl für den Marion von Schröder Verlag. Die folgende Ausgabe des Romans erscheint 1971 bei Heyne - mit einer gekürzten Version der Übersetzung; es fehlen nicht nur die diversen dem Haupttext vorgestellten Zitate und die Widmung auch der Haupttext selbst ist erheblich gekürzt. Heyne hat diese Kürzungen auch bei allen folgenden Ausgaben der Wölfl-Übersetzung beibehalten.
Für Haffmans erfolgt 1993 die Überarbeitung der ungekürzten Übersetzung durch Jacqueline Dougoud, die für alle folgenden deutschen Ausgaben des Blade Runner verwendet wurde - bis auf die von Heyne 1998, die noch einmal auf die gekürzte Wölfl-Version zurückgreift. Die "zweite Auflage" erschien bei Haffmans 1997 mit neuem Cover und Titel - für die Sammlung sind das also ganz sicher zwei separate Einträge. Erwähnenswert ist auch, dass die zweite Auflage neu durchgesehen ist, Unterschiede konnte ich aber - ausser natürlich dem Titel - nicht finden.
Blade Runner von Philip K. Dick, erschienen 1993 bei Haffmans, links,
und rechts die zweite Auflage von 1997 unter dem neuen Titel Träumen
Androiden von elektrischen Schafen?
Eigentümlich ist weiterhin, dass zwei Ausgaben der Dougoud-Übersetzung, nämlich Heyne von 2009 und Fischer von 2014, zumindest eine Änderung gegenüber den vorigen Übersetzungen haben - Buster Freundlich heisst hier Buster Friendly. Andere Änderungen kann ich an diesen Ausgaben bei einem oberflächlichen Vergleich nicht finden. Es erscheint aber eigentümlich, dass Heyne 2009 für den Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz die Übersetzung minimal - oder gar nur bei einem Ausdruck - überarbeitet (die Übernahme von Fischer ist dann natürlich konsequent).
Nicht wirklich einfacher wird die Lage dadurch, dass Verlage im Allgemeinen und hier Heyne und Fischer im Speziellen nicht sehr sorgfältig bei der Angabe der Übersetzers sind. Heyne gibt die Kürzungen der frühen Ausgaben nicht an, für die Ausgabe von 2009 ist nur Norbert Wölfl angegeben, obwohl es sich um die von Jacqueline Dougoud überarbeitete Version handelt. Und Fischer gibt 2014 im Buch fälschlich Michael Nagula an, korrigiert das halbwegs auf seiner Webseite und gibt dort Wölfl an - natürlich handelt es sich hier auch um die Wölfl/Dougoud-Version.
Ganz separat muss man den jeweils gewählten Titel der verschiedenen Ausgaben betrachten. Die erste Übersetzung von Do Androids Dream of Electric Sheep? - wohl von Wölfl - ist Träumen Roboter von elektrischen Schafen? Mit der dritten Ausgabe des Romans im Jahre 1982 - Das Buch zum Film mit zahlreichen Fotos - wird der Titel aus naheliegenden Gründen auf Blade Runner geändert. Nur die zweite Auflage von Haffmans von 1997 versucht wieder zurück zum Originaltitel zu kommen, ersetzt allerdings Roboter durch Androiden: Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Auch wenn Androiden in der Übersetzung dem Original wohl besser entspricht, gefällt mir persönlich
Alle folgenden Ausgaben sind aber wieder bei Blade Runner. Die aktuelle Ausgabe von Fischer (2017) trägt die Androiden immerhin wieder im Untertitel, aber versteckt auf dem Titel, nicht auf dem Cover.
Ein Punkt, der bei allen deutschen Übersetzungen übereinstimmt, ist der Tag, an dem der Roman beginnt, nämlich am 3. Januar 1992. So hat es Dick 1968 auch geschrieben. In den englischen Ausgaben war der Text ab 1982 oft auf den 3. Januar 2021 geändert, weil 1992 zu diesem Zeitpunkt bereits zu nah war - und zu diesem Zeitpunkt Androiden der von Dick beschriebenen Art nicht mehr plausibel waren. Spätere englische Ausgaben sind dann auch wieder zum Originaltext zurückgekehrt.
Für eine Übersicht über alle deutschen Ausgaben des Blade Runner mit vollständigen bibliographischen Daten hat dieser Blog eine separate Seite.

Samstag, 23. September 2017

Phantastische Bibliothek Wetzlar

Nach vielen Anläufen habe ich es nun endlich geschafft, die Phantastische Bibliothek in Wetzlar zu besuchen. Die Phantastische Bibliothek kann in diesem Jahr bereits ihren 30. Gründungsgeburtstag feiern: Der Sammlungsaufbau wurde 1987 begonnen und im September 1989 eröffnete die Bibliothek, die sich mittlerweile auf vier Stockwerken eines grosszügigen Gebäude am Rande der Innenstadt von Wetzlar befindet - und die selbst auch immer einen Besuch wert ist. Erwähnt werden soll hier noch der gewaltige Bestand von 270.000 Titeln, alles weitere lässt sich auf der ausführlichen Webseite nachlesen. Und das alles ist frei zugänglich, ich habe mich sehr willkommen gefühlt und konnte einen langen Nachmittag intensiv im Bestand recherchieren.
Die Phantastische Bibliothek in Wetzlar 
Natürlich hat der Besuch in Wetzlar auch mit Philip K. Dick zu tun. Viele Einträge im Katalog meiner Sammlung resultieren aus Verweisen in Artikeln, Büchern oder aus den verschiedensten Quellen im Internet. Die Qualität dieser Quellen ist recht unterschiedlich und eben teilweise unzuverlässig. Wirklich verlassen kann man sich meist nur auf das, was man selbst in der Hand hat - am besten in der Sammlung: Und das ist ja auch der Grund für die Sammlung, nämlich eine umfassende Grundlage für die weitere Beschäftigung mit Philip K. Dick zu schaffen. Wenn es nicht möglich ist, der Sammlung ein entsprechendes Exemplar zuzuführen, ist es die zweitbeste Lösung ein fehlendes Stück wenigstens in die Hand zu bekommen (auch wenn man es später wieder loslassen muss).
Ich konnte schon vor längerem Zugang zu einer (temporären) Bestandsliste der Fanzines und Zeitschriften der Phantastischen Bibliothek erhalten. Der Abgleich mit den Lücken in der Sammlung hat gezeigt, das dort einiges im Bestand ist, das absolut relevant ist - möglicherweise liessen sich dort auch einige der hier bereits beschriebenen weissen Wale sichten. Auf Fanzines und Zeitschriften hat sich mein Besuch dann auch konzentriert, das Thema Bücher hat fast keine Rolle gespielt - meine Sammlung ist hier aber auch ziemlich komplett, offene Fragen gibt es eigentlich keine mehr.
Insgesamt sollte der Besuch also mehr Informationen über die Einträge fehlender Fanzines im Katalog bringen, möglicherweise den Zugriff auf die verschiedenen Inhalte.
Über die konkreten Ergebnisse dieses Besuchs werde ich in folgenden Blogeinträgen berichten, ich kann jetzt aber schon sagen, dass es sich durchaus gelohnt hat.
Am Schluss dieses Eintrages seien noch die Publikationen der Phantastischen Bibliothek erwähnt. Immerhin ein Bezug zu Philip K. Dick lässt sich dort finden, Phantastische Miniaturen, Band 5 mit dem Titel Nanowelten enthält die von Dick inspirierte Kurzgeschichte Im Auge des Betrachters von Karl-Ulrich Burgdorf. Diese kann man auch noch bestellen. Herausgegeben ist das von Thomas LeBlanc, dem Gründer und Vorstand der Bibliothek, Burgdorf - kein ganz Unbekannter im Dick-Umfeld - ist als Zustifter wohl ein besonderer Freund des Hauses.

Samstag, 16. September 2017

Niederländisch

De Pottengenezer van de Melkweg, im Original The
Galactic Pot-Healer von Philip K. Dick, in sehr mässiger
Erhaltung bei Uitgeverij Scala (1977)
Auch im Königreich der Niederlande hat Philip K. Dick seine Spuren hinterlassen. Die erste Kurzgeschichte erscheint schon 1962 unter dem Titel Foster, je bent dood in Science Fiction Verhalen. Die erste Anthologie erscheint 1968, Een handvol duisternis. Das britischen Original A Handful or Darkness, war 1955 bei Rich & Cowan in London erschienen. Die Sammlung erscheint erst 1978 in den USA, der niederländische Verlag Het Spectrum hat sich also nicht in den USA, sondern im näher liegenden England versorgt. Die niederländische Zusammenstellung enthält aber wohl Second Variety, das im britischen Original fehlt, dafür fehlen einige andere Geschichten der britischen Ausgabe. Die Rich & Cowan-Ausgaben dieser Anthologie gibt es in verschiedenen Varianten und sie sind in sammelbarer Erhaltung nicht ganz billig.
Der erste Roman von Dick erscheint im gleichen Jahr. Larzen in de nacht, im Original The Man in the High Castle bei Born, allerdings in gekürzter Fassung; gekürzt wurden die frühen Ausgaben von Dick auch in Deutschland.
Insgesamt gibt es etwa 30 Ausgaben von 25 verschiedenen SF-Romanen, einen Sammelband, der einen weiteren SF-Roman enthält und fünf Anthologien. Etwas über 20 Geschichten sind in Sammlungen erschienen. Es gibt aber keine Mainstream Romane, und auch keine Ausgabe der Collected Stories. Auch in der letzten Zeit ist wenig erschienen. Seit 1985 ist nur eine Anthologie und ein Science Fiction Roman, nämlich Minority Report (2002) und De man in het hoge kasteel (2016) erschienen, beide wohl durch Film und Fernsehen motiviert. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass das steigende Interesse an Philip K. Dick die Niederlande nicht erreicht hat - oder dass Übersetzungen weniger geschätzt werden und man lieber das Original liest.
In meiner Sammlung ist, mehr oder weniger zufällig, schon vor längerer Zeit der Roman
De Pottengenezer van de Melkweg, im Original Galactic Pot-Healer, von 1976 gelandet. Es ist die einzige niederländische Ausgabe dieses Romans. Niederländische Bücher lassen sich von Deutschland aus wohl recht einfach beschaffen, selten - so wie mein Exemplar - werden sie auch in Deutschland angeboten. Die niederländischen Ausgaben würden daher ein gutes Sammelgebiet bieten, auch ältere Bände lassen sich offenbar relativ problemlos finden.
Eine schöne und (fast) vollständige niederländische Bibliographie findet sich bei De Boekenplank.
Und dieser Blog enthält auch an anderer Stelle eine Übersicht über alle Sprachen, in die Werke von Philip K. Dick übersetzt sind.

Samstag, 2. September 2017

Wirklich ganz Neues von Fischer

Und wieder überrascht mich der Fischer-Verlag. Die Tatsache, dass Fischer es schafft pünktlich zum Film Blade Runner 2049 eine Neuauflage von Philip K. Dicks Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? herauszubringen, ist zwar bemerkenswert - beim Roman Das Orakel vom Berge hat Fischer eine Weile gebraucht, um das Buch verkaufsfördernd unter dem Titel der Amazon-Serie The Man in the High Castle herauszubringen. DADoES kommt nun bei Fischer unter dem Titel Blade Runner - und etwas verschämt innen ergänzt um Träumen Androiden von elektrischen Schafen? - heraus. Wirklich bemerkenswert ist, dass sich Fischer eine veritable Neuübersetzung geleistet hat, obwohl der Verlag erst kürzlich, 2014, eine Ausgabe des Romans herausgegeben hat. Bei dieser Ausgabe gab es schon ein bisschen Verwirrung um die Übersetzung, mehr dazu findet sich im Blogeintrag zur vorigen Blade Runner Ausgabe von 2014.
Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Blade Runner von Philip K. Dick in der Neuübersetzung von Fischer TOR (2017). Das
Lesezeichen war wohl vom Verlag beigelegt und bleibt bei diesem Buch.
Die Übersetzung der deutschen Erstausgabe von 1969 erledigte Norbert Wölfl, für die Ausgabe bei Haffmans 1993 wurde diese von Jacqueline Dougoud überarbeitet und so von Heyne übernommen. Für Fischer übersetzt nun Manfred Allié seinen ersten Text von Dick, die der Klappentext gleich als kongenial bezeichnet. Ich kann erst mal nur mitteilen dass Buster Friendly aus dem englischen Original bei Allié wieder Buster Freundlich heisst.
Diese Übersetzung ist die erste Eigenleistung von Fischer seit Joachim Pente im Jahr 1974 die Erstausgabe von Joe von der Milchstrasse übersetzt hat. Die seit 2014 bei Fischer erschienen Bände der Klassik-Serie waren durchgängig Übernahmen von Heyne.
Die letzte Neuübersetzung eines Science Fiction-Romans von Dick überhaupt ist einige Zeit her, 2007 hat Frank Böhmert für Heyne We Can Build You neu mit dem Titel Die Lincoln-Maschine übersetzt. Die erste Übersetzung war 1972 von Tony Westermayr unter dem Titel Die rebellischen Roboter - wohl gekürzt - bei Goldmann erschienen. Andere Ausgaben dieses Romans gibt es nicht. Erwähnen sollte man hier noch drei deutschen Erstausgaben - und damit Erstübersetzungen - von denen zwei 2009 und 2010 bei Liebeskind erschienen sind, Stimmen der Strasse und Unterwegs in einem kleinen Land, sowie Mary und der Riese bei der Edition Phantasia im Jahre 2010.
Erschienen ist Fischers neuer Blade Runner im neuen Programmbereich Fischer TOR, der seit August 2016 existiert. TOR bezieht sich dabei auf den bekannten US-amerikanischen Verlag Tor, der überwiegend Science Fiction und Fantasy veröffentlicht. Bei Tor ist übrigens auch Humpty Dumpty in Oakland erschienen, ein Roman, der, das sei Fischer TOR hier mitgeteilt, wirklich eine deutsche Übersetzung verdient hat.
Auch wenn dies schon die neunte Ausgabe von DADoES ist, bleibt Das Orakel vom Berge dank der Amazon-Serie mit zehn Ausgaben der meist publizierte Roman von Dick.
Für die Umschlaggestaltung wird Nele Schütz Design, München ausgewiesen; es ist schade, dass wir hier immer seltener den Namen des Künstlers erfahren können. Der grüne Hinweis Der Klassiker neu übersetzt und TOR sind auf einem Aufkleber, den ich zügig, aber umsichtig entfernen werde. Zusammenfassend also: Seit dem 24. August 2017 im Buchhandel lokal erhältlich (und bitte auch dort kaufen):
  • Blade Runner - Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Neuübersetzung von Manfred Allié. 268 Seiten. ISBN 978-3-596-29770-2. Originalpreis EUR 14,99. In Österreich EUR 15,50.

Samstag, 19. August 2017

Einhörner und weisse Wale

Ein Einhorn ohne Bezug zum Sammeln
Ein Einhorn, dass nichts mit Philip K. Dick zu tun hat; dieses Exemplar ist
weder selten noch teuer
In jeder Sammlung und zu jedem Sammelgebiet gibt es seltene, seltenere und praktisch unfindbare Ausgaben, die Einhörner oder - vielleicht besser noch - die weissen Wale, die den Sammler zu immer neuen Fahrten in die Weiten des Internets rufen und deren Ruf er nicht widerstehen kann.
Bei den englischen Originalausgaben findet man viele dieser seltenen und/oder teuren Exemplare - tatsächlich sind übrigens die meisten der wirklich teuren Exemplare eben nicht selten, sondern leicht zu finden, so wie viele der Hardcover Erstausgaben oder die zahlreichen Sammlerausgaben.
Bei den deutschen Ausgaben ist das überwiegend anders. Teuer sind einige der Edition Phantasia-Ausgaben, aber diese sind auch mehr oder weniger schwer zu finden: Das Mädchen mit den dunklen Haaren etwa, zeigte sich nur kurz alle paar Jahre.
Die grössten Lücken in jeder Sammlung dürften wohl einige Veröffentlichungen von Kurzgeschichten von Dick sein, die in den seltenen Ausgaben von Fanzines erschienen sind:
  • Munich Round Up 90 von 1966 enthält Projekt Wasserspinne [Waterspider]; einige andere Ausgaben des Fanzines enthalten sehr frühe Rezensionen
  • Science Fiction Story Center 2 von 1977 enthält Roog
  • Der weiße Tod (Wissenschaftliche Phantastik aus vier Ländern) von 1977, eine seltene Ausgabe aus der DDR, enthält Der Wub [Beyond Lies the Wub]mehr dazu hier im Blog
  • Baden-Württemberg Aktuell 190 von 1999 enthält Fremde denken anders [The Alien Mind]
Ebenfalls unfindbar und kaum dokumentiert sind weiterhin einige Exemplare von Sekundärliteratur, die in frühen Fanzines erschienen sind. Dazu gehörte Mutant 9, das seinen Status als Einhorn verloren hat, nachdem ich es neulich fangen konnte. Nur in verschiedenen Literaturnachweisen gesichtet wurden bisher:
  • Ganymed Magazin 7 (1975) mit Ausführungen von Uwe Anton und Franz Rottensteiner zu Philip K. Dick; Dick selbst bedankt sich bei Uwe Anton für die Zusendung eines Exemplars [The Selected Letters of Philip K. Dick, 1975-1976, Brief(e) vom 28.2.1975, Seite 116, 117]
  • Verschiedene Ausgaben von The Prince of Whales, einem Fanzine von Karl-Ulrich Burgdorf aus den frühen 90er Jahren, von denen es auf Burgdorfs Internetseite immerhin Scans der Titelseiten gibt
  • Dark Star 3 von 1982 mit einem Nachruf (aber dieses Magazin mag tatsächlich in der Ausgabe 3 Dunkelwelten heissen)
Weniger mysteriös, weil sicher belegt, aber trotzdem sehr selten, sind die sehr frühen Exemplare des immer noch erscheinenden Quarber Merkur aus den 60er Jahren, in denen sich Franz Rottensteiner recht regelmässig mit Dick beschäftigt hat und die auch fast nie gesichtet werden - obwohl der Quarber Merkur noch am ehesten gesammelt, oder doch zumindest angeboten werden.
Leider muss man sagen, dass im Bereich der deutschen Fanzines wohl (zumindest auf dem allgemein zugänglichen Markt) wenig gesammelt wird und sich daher die Angebote von Heften dieser Art sehr im Rahmen halten. Man würde sich wünschen, das es hier mehr Anstrengungen gibt, bestehende Sammlungen im Internet verfügbar zu machen. Am weitesten gehen die in diesem Blog schon öfter genannten Seiten Phantastische Bücher und Hefte in der Abteilung Magazine, Fandom u.a. von Jürgen Kerckhoff und die Bibliographie deutschsprachiger Science Fiction-Stories und Bücher.
Die Preise für die oben beschriebenen Fanzines sind sehr unterschiedlich - im Grunde kann man zum Preis keine Aussagen machen. Diese Hefte sind so selten, dass man unabhängig vom Preis zugreifen muss, wenn sich die Chance bietet - aber natürlich spielt die individuelle Relevanz der Exemplare für die eigene Sammlung eine Rolle.

Samstag, 5. August 2017

Slowakisch

A Scanner Darkly in slowakischer Sprache
Der dunkle Schirm von Philip K. Dick in der slowakischen
Ausgabe als Temný obraz von 1986
Nachdem hier bereits vor kurzem über die tschechischen Ausgaben der Romane von Philip K. Dick berichtet wurde, folgt hier jetzt die einzige Ausgabe in slowakischer Sprache. Temný obraz (A Scanner Darkly) ist im Jahr 1986 als Hardcover in Bratislava im Verlag Smena erschienen. Der Roman ist in der Serie Labyrint mit der Nummer 122 in der recht hohen Auflage von 50.000 Exemplaren herausgekommen. In dieser Serie sind hauptsächlich Kriminalromane, aber auch einige Bände Science Fiction herausgekommen.
Bemerkenswert ist, dass diese slowakische Ausgabe die erste von Dick ist, die in der Tschechoslowakei erschienen ist - vor jeder tschechisch-sprachigen Ausgabe. Obwohl Tschechisch und Slowakisch klar getrennte Sprachen sind, war es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches wohl so, dass sich die beiden Sprachgruppen der CSSR verstanden haben. Bis zur Trennung wurden die Einwohner regelmässig mit beiden Sprachen konfrontiert und waren daher in der Lage sich zu verstehen. Heute ist das weniger selbstverständlich, gerade die jungen Tschechen haben Probleme mit dem Slowakischen. Die tschechischen Übersetzung des Romans von 1998 - und des gleichnamigen Films von 2006 - hat den gleichen Titel.
Dank der hohen Auflage lässt sich Temný obraz günstig in vielen tschechischen und slowakischen Antiquariaten finden. Da die Slowakei aber Teil des Euro-Raumes ist, ist eine Überweisung einfach, schnell und günstig - nämlich wie eine Inlandsüberweisung - und relativ günstig ist dann auch der Versand. In den slowakischen Antiquariaten lassen sich auch viele tschechischen Ausgaben finden.
Ausführliche Listen der tschechischen und der slowakischen Ausgabe von Dick finden sich im Netz auf Fanseiten (mit einer Bibliographie der Kurzgeschichten) und im Katalog der tschechischen Nationalbibliothek.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 22. Juli 2017

Wie war er?

Jede Sammlung hat ihre eigenen Grenzen. Erstausgaben, alle Ausgaben, alle Auflagen, Romane, Kurzgeschichten, Briefe und Essays ... und natürlich die Sekundärliteratur können dazugehören. Ich finde die "historischen" Rezensionen von Philip K. Dicks Romanen aus vielen Gründen höchst spannend, nicht zuletzt das Umfeld, in dem sie meist veröffentlicht sind. Die überwiegende Anzahl von Rezensionen sind in Science Fiction Zeitschriften und Fanzines erschienen - und die Lektüre dieser Magazine bringt oft persönliche Erinnerungen zurück.
Vampir 21 (03/1980) und das Beiheft Necronomicon 7
Im Katalog steht schon sehr lange eine Buchbesprechung des 1980 erstmalig bei Bastei erschienen Romans Der dunkle Schirm. Lange konnte ich die genannte Quelle für diese Kritik nicht finden: Necronomicon 7. Meine Annahme war, dass es sich um ein mehr oder weniger spurlos verschwundenes Fanzine handelte. Kürzlich ist mir aber in der Bucht das Angebot für die Zeitschrift Vampir 21 - im Untertitel Der phantastische Film - in der Ausgabe 03/1980 aufgefallen. Die lobenswert ausführliche Beschreibung des Angebots enthielt einen Hinweis auf das beigelegte Heft Necronomicon 7 - im Untertitel Die Welt des phantastischen Buches. Treffer!
Solche Beihefte machen es dem Sammler schwer; wenn sie erhalten sind, werden sie nicht genannt - und erhalten sind sie selten. Allerdings handelt es sich hier um eine professionelle Produktion, bei den Mitarbeitern tauchen bekannte Namen wie Alfred Vejchar auf, von dem einige Kritiken zu Dick in Andromeda erschienen sind.
Helmut Magnana taucht gleichfalls andernorts im Science Fiction Milieu auf. Seine in dieser  Necronomicon erschienene Kritik erstreckt sich über eine dreiviertel Seite - und lässt kein gutes Haar am Buch. Der Autor zehrt vom Ruf seiner glänzenden Vergangenheit und die nicht enden wollende Langeweile macht das Buch nur bedingt lesbar. Interessant ist auch die Herleitung von Dick als Autor der unter dem gängigen Markenbegriff "Science Fiction" seine persönlichen Probleme reflektiert - und der nicht, wie die offenbar "richtige" Gruppe von Autoren "normale" Science Fiction schreibt - und sich dazu bekennt. Tatsächlich berührt das natürlich genau Dicks Situation, der ja - zumindest am Anfang seiner Karriere - durchaus Mainstream schreiben wollte, aber nicht durfte (bzw. verkaufen konnte). Später hat er sich dann - fast trotzig - zur Science Fiction bekannt und diesen Roman geschrieben.
Festzustellen bleibt, dass A Scanner Darkly, so der Originaltitel des erstmalig 1977 bei Doubleday erschienenen Buches, zu einem der besten Romane von Dick gezählt wird; die Zuschreibung zur Science Fiction aber wird in der Tat immer wieder angezweifelt. Dick hätte das wohl nichts ausgemacht.
Zu finden ist die Filmzeitschrift Vampir problemlos, auf die richtige Ausgabe muss man ggf. etwas warten. Man sollte vor dem Kauf jedoch sicherstellen, dass das Necronomicon Beiheft noch beiliegt.

Samstag, 1. Juli 2017

Meta, oder: Über das Sammeln

Philip K. Dick im Book and Magazine Collector May 1990
Book and Magazine Collector, May 1990 (#74)
mit einem Artikel über das Sammeln von
Erstausgaben von Philip K. Dick
Bei der Suche nach Sekundärliteratur zu Philip K. Dick in englischer Literatur finden sich auch einige Stücke, die sich mit dem Sammeln von Büchern von Philip K. Dick beschäftigen.
Ein Beispiel dafür ist die Mai-Ausgabe 1990 von Book and Magazine Collector. Der kundige Artikel Cult Sci-Fi Novelist Philip K. Dick von Mike Ashley erzählt auch einige Geschichten von Dicks Leben bzw. Tod, die auch dem Kenner neu sei dürften, etwas dass es nach Dicks Tod keine formale Identifikation gab. Ein kleiner Fehler unterläuft Ashley als er die erste gebundene Ausgabe von Martian Time-Slip, die deutsche Insel-Ausgabe, in das Jahr 1973 verlegt - eigentlich ist sie schon 1971 erschienen. Viele Details zu Ausgaben und speziellen Varianten, die der Autor nennt, sind aber selbst in Zeiten des Internets schwer zu finden. Für den interessierten Sammler lohnt sich allein dafür die Lektüre dieses bald 30 Jahr alten Artikels.
Richtig spannend ist aber der zweite ergänzende Artikel, die Complete US & UK Bibliography [... of first editions]- mit Preisen (Complete ist sie natürlich nur, wenn man die im Artikel angegebene Definition von first editions akzeptiert). Man kann dort in der Liste die heute legendäre Erstausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? von Doubleday (1968) finden, der Wert ist mit 150 Pfund angegeben. Rechnet man überschlagsmässig auf Basis von 1990 mit dem Umrechnungskurs von etwa 1,40 zum Euro und einer Preissteigerung von 60% (in Deutschland), so kommt man auf einen Wert von 350 Euro für das Jahr 2017. Zahlen tut man heute aber leicht das zehnfache. Bei anderen Ausgaben haben sich die Preise ähnlich entwickelt, Dick wäre also ein gutes Investment gewesen. Für die nächsten Jahrzehnte sollte man eine solche Preisentwicklung aber wohl nicht abermals erwarten. Ausserdem haben sich nur die schon damals teuren Exemplar entsprechend gesteigert, die günstigen Taschenbuchausgaben haben sich dagegen kaum besser als die allgemeine Preissteigerung entwickelt. Sonst wäre von Dick heute für den in seinen Ressourcen beschränkten Sammler fast gar nichts mehr zu bezahlen.
Die komplette Bibliographie der Erstausgaben der Romane von Philip K. Dick
 mit den historischen Preisen aus dem Jahr 1990, erschienen in Book and
Magazine Collector in der Ausgabe May 1990
Zusammengestellt wurde die Preisliste von Andy Richards of Cold Tonnage Books, einer guten Adresse, bei der man auch heute noch einiges zu Dick finden kann. Bedenken sollte man beim Blick auf die Preisliste, dass es 1990 eben noch kein Internet gab, in dem man jederzeit fast jedes Buch finden und kaufen konnte.
Andere Veröffentlichungen dieser Art sind der Artikel Collecting Philip K. Dick: So It Would Be Funny von James Blaylock (der Dick auch noch persönlich kannte) in Firsts vom Oktober 1994, einer Zeitschrift die sich The Book Collectors Magazine nennt. Weiterhin gibt es in der Zeitschrift Paperback Quarterly (Fall 1982, Volume 5 Number 3) zwei Artikel zum Sammeln von Dick. Dieses Magazin ist zwar im Original fast unfindbar, wird aber offenbar (mit neuer ISBN) nachgedruckt ("reprint"). Das macht zwar die Suche nach dem Original noch schwieriger, den vollen Zugriff auf dieses Material aber überhaupt möglich. Man würde sich das auch für andere, seltene Zeitschriften und Fanzines wünschen (z. B. die PKDS Newsletter), aber das ist wohl ökonomisch und juristisch kaum möglich.
Ausserdem findet sich gelegentlich ein undatierter Ken Lopez Book Sales Catalog zum Thema Philip K. Dick den man im Volltext auch bei Ken Lopez noch nachlesen kann. Von den 217 angebotenen Einzelstücken, vor allem den Manuskripten und Briefen, kann man als (finanziell beschränkter) Sammler heute nur träumen.
Im deutschsprachigen Raum finden sich übrigens keine Artikel dieser Art über Philip K. Dick.
Das Magazin Book and Magazine Collector vom Mai 1990 (# 74) lässt sich leicht und günstig finden, man kann durch intensive Recherche hauptsächlich beim Porto sparen. Ich konnte die gezeigte Ausgabe in der britischen Bucht fangen, musste den Versand nach Deutschland aber erst aushandeln.
Eine Übersicht über alle Artikel zum Sammeln findet sich hier im Blog.

Samstag, 17. Juni 2017

Noch mal Hebräisch

הצלם, die hebräische Ausgabe von Philip K. Dicks Roman
Simulacra, erschienen bei Massada (1980)
Wie beim Weintrinken, so bildet sich auch beim Sammeln (und Lesen) von Literatur der Geschmack erst mit der Zeit heraus (und man muss hinzufügen, dass, wie beim Wein, meist das Budget der Leidenschaft seine Grenzen setzt).
Obwohl schon das Sammeln von einer Übersetzung eines Buchs von Philip K. Dick in jeder verfügbaren Sprache bereits eine nicht ganz leichte Aufgabe ist, so hat die erste erschienene Übersetzung einen besonderen Reiz entwickelt. Ein Exemplar aus Israel findet sich ja schon in der Sammlung. Aber dem besonderen Reiz der Erstübersetzung konnte ich nicht widerstehen. Und so ist jetzt die hebräische Übersetzung von The Simulacra Teil der Sammlung. Die amerikanische Erstausgabe ist 1964 bei Ace herausgekommen. Die hebräische Ausgabe, הצלם, ist beim Verlag Massada in Ramat Gan als erste hebräische Übersetzung im Jahr 1980 erschienen.
Es gibt zwei deutsche Ausgaben des Romans, eine von 1978 bei Droemer-Knaur und eine in der Philip K. Dick Edition bei Heyne von 2005.
Israelische Ausgaben sind in Deutschland nur schwer zu bekommen. Es gibt gelegentlich Anbieter in der .com-Bucht, die aus Israel versenden und die günstige Versandbedingungen anbieten. Qualität und Preis des Buches sollte man aber genau prüfen.
Zum Roman The Simulacra kann man mehr auf auf der Philip K. Dick Fan Site nachlesen.
Eine List aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich in diesem Blog.

Samstag, 3. Juni 2017

Dick, Lem und Rottensteiner: Ubik

Wer sich im deutschen Sprachraum mit Philip K. Dick beschäftigt - oder irgendwie mit Science Fiction - der begegnet auch Franz Rottensteiner. Für mich verbindet sich der Name Rottensteiner mit dem Suhrkamp Verlag, wo er von 1980 bis 1998 die typisch lila Taschenbuchreihe Die Phantastischen Romane betreute, in der 1977 auch erstmals Dicks Meisterstück Ubik auf Deutsch erschienen ist. LSD-Astronauten (1971) und Mozart für Marsianer (1973) waren vorher von Rottensteiner bereits in der Reihe Science Fiction der Welt bei Insel herausgebracht worden.
Der Widerstand der Materie. Ausgewählte Briefe, erschienen bei Parthas (2008), enthält einige Briefe von Stanislaw Lem an Philip K. Dick
Über die Korrespondenz zwischen Dick und Rottensteiner entsteht der Kontakt zwischen Dick und Stanislaw Lem. Am 29. Oktober 1971, im letzten Brief in The Selected Letters of Philip K. Dick, 1938-1971, schreibt er, dass Bruce Gillespie in Australien ihm mitgeteilt habe, dass Lem Interesse daran habe, Dicks Romane in Polen zu veröffentlichen. Er bittet Rottensteiner, der Lems Agent ist, den Kontakt herzustellen. Ausserdem fragt er nach dem deutschen Artikel Science Fiction - A Hopeless Case, with Exceptions über den Gillespie berichtet. Interessant dabei ist, dass der Artikel erst 1972 im Quarber Merkur 29 unter dem Titel Science-Fiction: ein hoffnungsloser Fall - mit Ausnahmen erscheint, Gillespie hat offenbar bereits ein Manuskript, das er später auch veröffentlicht. Dick fragt noch einmal am 31. Oktober 1972 bei Rottensteiner nach dem Artikel und schreibt erst am 4. September 1973 an Lem, dass er den Artikel nun endlich erhalten (und gelesen) hat - zwei Jahre nach der ersten Anfrage. Lem kritisiert hier die Qualität der US-amerikanisch dominierte Science Fiction und nennt explizit Dick als Ausnahme; dabei zählt er aber Do Androids Dream of Electric Sheep? zu Dicks schwächsten Werken - eine Beurteilung, die sich nicht durchgesetzt hat.
In den anderen Briefen im Austausch zwischen Dick und Lem - und teilweise Dicks Agenten in den USA und Rottensteiner - geht es hauptsächlich um die Zahlungsmodalitäten für die Rechte an Ubik. Da es scheinbar nicht möglich ist, Tantiemen in US-Dollar auszuzahlen, sondern nur in polnischen Zloty, schlägt Lem sehr detailliert vor, wie Dick mit den Zloty ein Flugticket nach Polen kaufen, dort verschiedene Auftritte absolvieren (die weitere Zloty bringen würden) und überhaupt das Geld umsetzen soll. Alle diese Pläne gehen aber nicht auf und Dick erhält am Ende wohl kein Geld oder eine andere Gegenleistung für die Veröffentlichung von Ubik in Polen.
Letztlich zerstreiten sich die beiden auch über die Tantiemen - und man muss wohl annehmen, dass Dick seinen Ärger über die Tantiemenregelung recht ungerecht auf Lem projiziert. In einem letzten Brief vom 9.7.74 beendet Lem die Korrespondenz mit Dick. Der schreibt am 2.9.74 dann einen Brief an das FBI über eine marxistische Verschwörung bei der Lem im Zentrum steht, aber auch Rottensteiner neben anderen mitwirkt. Lem äussert sich dazu auch in einem Statement in den Selected Letters.
Später wird sich auch Rottensteiner mit dem wohl nicht immer einfachen Lem zerstreiten.
Aufmerksam gemacht werden soll hier noch mal auf die Ausgewählten Briefe von Lem, die im Band Der Widerstand der Materie bei Parthas (2008) gesammelt sind. Enthalten sind immerhin vier Briefe an Dick (das aber Rottensteiner, aus welchem Grund auch immer, auffällig ausklammern). Mit den Selected Letters ergibt sich ein interessantes Bild der Beziehung zwischen diesen beiden bekannten Autoren.
Die bibliographischen Details finden sich auf der Seite Dick und Lem (und Rottensteiner) in diesem Blog. Die deutschen Quellen lassen sich mehr oder (viel) weniger leicht finden. Die verschiedenen Essay-Bände von Suhrkamp bzw. Insel finden sich natürlich leicht, gut erhalten und sehr bezahlbar - wie immer bei Suhrkamp-Bänden dieser Jahre muss man darauf achten, Remittenden zu vermeiden. Sehr schwer bis nahezu unfindbar dagegen ist der Quarber Merkur 29 mit den deutschen Erstausgaben der beiden Essays von Dick zu finden, diesen sollte man ggf. in jeder Erhaltung erwerben: Man wird keine weitere Chance bekommen.

Samstag, 6. Mai 2017

Tschechisch

Blade Runner: Sní androidi o elektrických ovečkách?, die
tschechische Ausgabe von Träumen Roboter von elektrischen
Schafen? bzw. Blade Runner von Philip K. Dick, beim
"Hauptverlag" von Dick in Tschien, Argo (2013)
Ich konnte meinen Tschechischen Dick vor einigen Jahren in Prag erwerben. Es gab eine recht grosse Auswahl und so griff ich zu meinem Standardwerk bei Übersetzungen, dem Blade Runner bzw. natürlich Träumen Roboter von elektrischen Schafen? Dieses Buch gibt es in fast allen Sprachen, es gehört fast immer zu den übersetzen Werken von Philip K. Dick - natürlich wegen der Verfilmung, aber es ist auch ein guter Roman.
Das erste Buch von Philip K. Dick in tschechischer Sprache ist offenbar Povídky, eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten und Sekundärliteratur  - "in seiner Zeit war es eine einzigartige Informationsquelle für die tschechischen Leser" heisst es auf einer Fan-Seite. Dieses Buch (oder Heft?) ist eigentümlich, weil es als Fanbuch bezeichnet wird, es hat wohl keine ISBN und reguläre Bibliotheken weisen es heute nicht nach. Es wird auch als Samisdat bezeichnet, also im Selbstverlag. Als Verlag wird SFK Laser genannt, ebenso wie beim zweiten Buch, Muž z Vysokého zámku, auf Deutsch Das Orakel vom Berge. Man kann vermuten, dass diese Bücher in den Wirren der Samtenen Revolution herausgekommen sind - über die Rechtesituation wird man nicht viel nachgedacht haben - oder war vielleicht Paul Williams, der damals wohl die Rechte verwaltet hat, in dieser Situation grosszügig?
Das Orakel vom Berge war 1992 bei Laser auch das erstes reguläres Buch.
Erwähnt werden sollte noch, dass die erste Veröffentlichung von Dick überhaupt offenbar zwei Kurzgeschichten in Světová literatura 1984, Ausgabe 2 waren, Die Kriecher (The Crawlers) und
Erinnerungen en gros (We Can Remember It For You Wholesale).
Im Katalog sind derzeit 43 tschechische Ausgaben von Dick, das sind 24 seiner SF-Romane in unterschiedlichen Ausgaben, sieben Anthologien und ein Mainstream-Roman.
Einen separaten Blogeintrag verdient, denke ich, die einzige slowakische Ausgabe von Dick - mehr dazu also später an dieser Stelle.
Wenn man Prag nicht selbst besuchen möchte, findet sich auf tschechischen Seiten ein grosses Angebot, auch die oben genannten Povídky sind erstaunlich leicht und günstig zu finden, anderes aber auch weniger leicht. Ein Versand nach Deutschland scheint problemlos möglich zu sein, für den Sammler stellen sich hier keine ganz grossen Probleme. Man sollte aber überlegen, ob man nicht in slowakischen Antiquariaten (.sk) sucht, die natürlich auch reichhaltig tschechische Literatur bereithalten - und mit denen dank Euro der Zahlungsverkehr einfacher (bzw. deutlich billiger) sein sollte.
Zusätzlich zur oben genannten Fan-Seite ist auch noch ein weiterer Katalog mit einem ausführlichen Dick-Katalog, der auch über 2005 hinausgeht, erwähnenswert.

Samstag, 29. April 2017

Transformationen

Philip K. Dick hat bei seiner Arbeit als Autor in grossem Masse eigene Ideen immer wieder aufgegriffen und in verschiedener Form neu verwendet. Das ist natürlich auf der Ebene der grundsätzlichen Themen, der Frage nach Realität, dem dunkelhaarigen Mädchen und einigen weiteren Themen passiert, aber auch konkreter bei Kurzgeschichten, die er häufig aufgegriffen hat und zu Romanen erweitert hat. So ist die Kurzgeschichte Zur Zeit der Perky Pat eine Grundlage für den Roman Die drei Stigmata des Palmer Eldritch.
A. Lincoln, Simulacrum, Teil 1 von 2 in Amazing, November 1969 (links) und Cantata 140 in The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Juli 1964 (rechts), beide sind später als Roman in Buchform veröffentlicht; die Hefte sind zwar gestempelt, aber sonst in sehr gutem Zustand - erstklassig erhaltene Pulps sind (besonders in Deutschland) selten und teuer
Über diese eher kreativen Transformationen hinaus, gab es auch ökonomisch bedingte Verwandlungen: Einige von Dicks Romanen sind zunächst - teilweise auch als Fortsetzungen - in Groschenheften erschienen und erst später - mehr oder weniger (sorgfältig) überarbeitet - in Buchform.

Sieben von Dicks Romanen wurden zuerst in Magazinen veröffentlicht und dabei teilweise in mehreren Teilen serialisiert:
  1. The Cosmic Puppets, zunächst als A Glass of Darkness in der Ausgabe 12/1956 des SF-Magazins Satellite erschienen, dann bei Ace 1957; in Deutschland einmalig in Uwe Antons Kosmische Puppen und andere Lebensformen bei Heyne (1986)
  2. The Crack in Space, erst als Cantata 140 in The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Juli 1964, Erstveröffentlichung als Roman bei Ace 1966, neuerdings bei Gollancz auch wieder unter dem Titel Cantata-140 (aber jetzt mit Bindestrich), aber mit dem Textkörper des Romans, nicht der Novelle; in Deutschland bisher einmalig als Das Jahr der Krisen bei Moewig (1982)
  3. Der unteleportierte Mann
  4. The Unteleported Man, mit der wohl buntestens Veröffentlichungsgeschichte, zunächst in der Dezember-Ausgabe des Magazins Fantastic von 1964 erschienen, dann 1966 bei Ace und erst 1983 bei Berkley in einer erweiterten (aber unvollständigen) Fassung herausgekommen und seit 1984 in vollständiger Form unter dem Titel Lies, Inc.; in Deutschland hat es Karl Ulrich Burgdorf (sic.) für Moewig (1984) mit dem Titel Der unteleportierte Mann übersetzt. Burgdorf hat auch das Vorwort mitverfasst und er hat später wohl über dieses Buch in seinem Fanzine geschrieben,  wie in diesem Blog bereits berichtet wurde
  5. Martian Time-Slip, serialisiert erschienen in Worlds of Tomorrow, in den Ausgaben August, Oktober und Dezember des Jahres 1963 als All We Marsmen, in Buchform bei Ballantine (1964); 1973 bei Insel unter dem Titel Mozart für Marsianer, später dann bei Heyne mit einem Titel der näher am Original ist, Marsianischer Zeitsturz
  6. A. Lincoln, Simulacrum wurde erst ab 1969 in zwei Teilen in Amazing veröffentlicht - in den Ausgaben November und Januar 1970, und als Buch 1972 bei DAW unter dem Titel We Can Build You; in Deutschland mit dem Titel Die rebellischen Roboter bei Goldmann (1972) herausgekommen und später noch einmal in der Edition bei Heyne (2007)
  7. Vulcan's Hammer ist zunächst in Kurzform 1956 in Future Science Fiction #29 erschienen, dann als Roman 1960 als Ace Double und in Deutschland in gekürzter Form in der Terra SF Reihe (1965), dazu findest sich schon dies und das in diesem Blog. Der Originaltext der Novelle findet sich auch noch einmal in der Anthologie 6 and the Silent Scream bei Belmont (1963)
  8. The Zap Gun wurde in zwei Teilen als Project Plowshare in Worlds of Tomorrow (11/1965 und 1/1966) erstveröffentlicht, auf Deutsch in nur einer Ausgabe als Das Labyrinth der Ratten bei Goldmann (1979).
In Deutschland ist keiner der genannten Romane in seiner ursprünglichen Form erschienen, vielleicht mit Ausnahme des unteleportierten Mannes. Auch in den USA sind die ursprünglichen Texte - mit nur einer Ausnahme - nie wieder publiziert worden. Dem literarisch interessierten Sammler und Leser bietet sich hier ein Betätigungsfeld, denn ausser ausführlichen Vergleichen der verschiedenen Versionen des Romans Der unteleportierte Mann ist über die verschiedenen Versionen der anderen Romane wohl noch nichts publiziert, zumindest nicht auf Deutsch.
Für den Sammler von (englischen) Erstausgaben sind diese Magazine unbedingt Teil der Sammlung; ist man eher auf die Erstausgaben der Kurzgeschichten spezialisiert, muss man sich entscheiden, ob diese Novellen, die ja auch keinen Einzug in die Collected Stories gefunden haben, dazugehören. Für die deutschen Ausgaben ist auffällig, wie viele Einzelausgaben sich unter den genannten Romanen befinden. Man mag vermuten, dass es letztlich doch eine Korrelation von Magazinausgabe und Qualität gibt, wobei Marsianischer Zeitsturz einer von Dicks besten Romanen ist.

Samstag, 22. April 2017

Sieben auf einen Streich

Die erste professionelle Veröffentlichung von Philip K. Dick war Beyond Lies the Wub (Und jenseits - das Wobb) in der Juli-Ausgabe von Planet Stories im Jahre 1952. Allein in den nächsten fünf Jahren folgten mehr als 70 weitere Kurzgeschichten in Planet Stories und ähnlichen Groschenmagazinen wie Galaxy, Imagination, The Magazine of Fantasy and Science Fiction und The Worlds of Tomorrow. Insgesamt sind dann, mit abnehmender Frequenz, über 100 Kurzgeschichten in Heften dieser Art erschienen. Dick schrieb dann zunehmend Romane, sicher auch aus finanziellen Gründen. (Es gibt einige frühere Veröffentlichungen im Young Authors' Club der Lokalzeitung über die in diesem Blog auch schon berichtet wurde.)
Sieben Hefte aus einer Sammelbestellung: Amazing, Galaxy, Imagination und Worlds of Tomorrow, in denen Dick zahlreiche Kurzgeschichten veröffenlich hat und das kurzlebige Science Fiction Adventures mit nur einer Geschichte; über die Jahre sind in diesen Magazinen auch Reviews von Werken Dicks erschienen; Imagination February 1953, hier ganz links, enthält zusätzlich Introducing the Author - Philip K. Dick, eine kurzes biographisches Statement von Dick selbst
Für den interessierten Leser sind diese Kurzgeschichten in dieser grossen Zahl von Heften kaum zu finden, daher ist es ein grosses Glück, dass 1987 bei Underwood-Miller The Collected Stories of Philip K. Dick erschienen sind. Diese sind als Sammlerstück leicht zu finden, aber teuer zu bezahlen, werden aber auch regelmässig von verschiedenen Verlagen nachgedruckt und sind daher leicht und günstig erhältlich.
Planet Stories July 1952 enthält Beyond Lies the
Wub
, die erste Veröffentlichung von Philip K. Dick,
ein meist nur etwas teurer zu findendes Exemplar
Dem Sammler bieten diese über mehr als 100 Hefte verstreuten Kurzgeschichten natürlich ein attraktives Sammelgebiet. Da diese sogenannten Pulps intensiv gesammelt werden - wohl nicht zuletzt auch wegen der bunten Umschlagbilder - ist das Angebot durchaus vorhanden. Tatsächlich sind diese Hefte auch durchaus zu finden und absolut erschwinglich. Die Angebotspreise schwanken aber erheblich, so dass man durchaus auf lohnende Angebote warten sollte - oder sich zumindest einen Überblick über den Markt verschaffen sollte. Genauso wichtig und genauso schwanken ist auch die Qualität der Angebote - häufig wurden diese von ihren oft jugendlichen Besitzern zwar sorgsam verwahrt, aber nicht immer auch sorgsam behandelt. Das namensgebende billige Papier, Pulp eben, hat auch nicht geholfen. Ein leicht beschädigter Rücken, Stempel und kleinere Flecken oder dezente Wasserschäden gehören also auch bei den besseren Exemplaren durchaus dazu.
Da diese US-amerikanischen Hefte in Deutschland nur sehr selten angeboten werden, kommt für den deutschen Sammler noch die Portomauer hinzu. Die üblichen Strategien diese zu überwinden funktionieren auch hier: Sammelbestellungen und Grossbritannien. Mir ist jetzt eine Sammelbestellung in Grossbritannien gelungen, so etwas wird aber zunehmend schwerer mit jedem neuen Heft in der Sammlung: Die meisten Anbieter haben nur wenige interessante Hefte zu akzeptablen Preisen. Bei Heften aus Grossbritannien muss man zudem aufpassen, ob man nicht eine britische Ausgabe erwischt - einige der Hefte sind dort auch in abweichenden Ausgaben erschienen (was aber deren Sammelbarkeit keinen Abbruch tut).
Einzelne Hefte stellen sich mit der Zeit als selten und/oder teuer heraus. Gerade das oben genannte Heft Planet Stories July 1952 ist praktisch nur für einen deutlich höheren Preis zu bekommen als andere Ausgaben der Reihe - ich vermute eben genau weil es die erste Veröffentlichung von Dick enthält. Daher habe auch ich für dieses eine Heft mehr bezahlen müssen als für die sieben oben gezeigten Exemplare, aber es ist in jeder Dick-Sammlung unvermeidlich.

Samstag, 15. April 2017

Spielen

Sammeln. Bücher. Bücher von Philip K. Dick.Vielleicht noch Hefte, Zeitschriften, Magazine. Gedruckt, in Farbe oder schwarz-weiss oder hektographiert. Sammeln ist ein Obsession. Aber, soweit es Bücher betrifft, doch wohl eine anerkannte ... wir sammeln ja keine Ü-Ei Figuren oder Kaugummibildchen. Bücher implizieren immerhin ein intellektuelles Niveau ... Stephen Fry lässt in seinem Roman Der Lügner (Erstauflage bei Haffmans, 1994) seinen Protagonisten dieses über Bücher sagen:
Wenn die Leute sie anhäufen und hohe Preise für dieses oder jenes zahlen wollen, schön und gut. Aber sie sollen sich nicht vormachen, das wäre eine höhere oder intelligentere Beschäftigung als das Sammeln von Schnupftabakdosen oder Kaugummibildchen.
Ubik vom französischen Computerspiele Hersteller Cryo
Entertainment Interactive von 1998
Ob wir Fry das glauben wollen ... oder nicht? Nun, als Sammler von allem von, zu und über Philip K. Dick können wir einen kleinen Bereich nicht ignorieren, der deutlich jenseits des Papiers ist. In meinem Katalog finden sich schon länger auch einige Videospiele, die nicht nur durch einen Film inspiriert sind, sondern sich direkt auf Dicks Werk beziehen.
Ein kürzlich erschienener Artikel hat nun diesen Blogeintrag ins Rollen gebracht. Hier eine Liste der sechs (mir) bekannten Spiele mit dem schwachen und sicher vergeblichen Versuch was die Vollständigkeit der Versionen anbetrifft:
  1. Blade Runner von CRL Group, UK (1985), verfügbar auf dem Commodore 64. Es handelt sich um eine Interpretation of the Score (Music) by Vangelis, nicht etwa des Films; damit wollte man Copyright Probleme umgehen, da CRL keine Rechte erworben hatte. Ein Spiel aus der 8-Bit-Ära, heute nennt so was wohl Graphic Adventure
  2. Total Recall von Acclaim (1990), nach der gleichnamigen Verfilmung der Kurzgeschichte von Dick ist ein eher einfaches Spiel mit Anklängen an Donkey Kong mit sehr vielen Leveln. Es ist verfügbar für
    • Nintendo NES (8 bit) in Box mit Modul und Anleitung im Pappschuber,
    • Amiga (PAL) - mit Anleitung, in Box mit Anleitung und zwei Disketten
    • Atari ST - mit Anleitung. in Box auf zwei Disketten
    • Commodore 64 und 128 auf einer eine Kassette
    • Sinclair Spectrum auf einer Diskette
  3. Blade Runner von Westwood (1997) ist ein point and click adventure verfügbar für
  4. Das Videospiel Blade Runner von
    Westwood (1997)
    • PC in einer CD-Version im Boxed Set, auf 4 CDs im Pappschuber mit einer kleinen Werbebroschüre von Virgin Interactive, zumindest auf Deutsch und Englisch
      • als Big Box, eine (offenbar) seltene DVD-Version: This single DVD version was only available as a promotional item bundled with certain Packard Bell computers. The DVD comes in a clear case. No manual or paperwork of any kind is included.
    1. Ubik von Cryo Entertainment Interactive (1998). Dieses Spiel basiert nicht auf einem Film, sondern direkt auf einem Buch. Es ist verfügbar für
      • Windows 95 (PC) in Box mit 3CDs, CD-Box, Anleitung, in Deutsch auch in Italienisch, Spanisch, Französisch und in diversen Verpackungen ("Big Box")
      • PlayStation 1 (PAL) und später 2 (1999)
    2. Minority Report: Everybody Runs von Activision (2002). Ein third-person action game auf der PlayStation 2, Nintendo GameCube und Gameboy Advance sowie der Microsoft Xbox
    3. Zuletzt ist Californium erschienen (2016), ebenfalls basierend auf dem (Gesamt-)Werk, Details finden sich hier im Blog.
    Verschiedene andere Videospiele sind implizit oder explizit von Philip K. Dick inspiriert - oder sie basieren auf einer Idee, die derartig inspiriert ist, wie etwas das Spiel Paradise Cracked.
    Ansehen kann man sich die Spiele auch auf YouTube, auch Ubik (sogar auf Deutsch, aber in schlechter Qualität).
    Videospiele werden sehr ernsthaft gesammelt. Sie erreichen Preise, die durchaus mit denen von Büchern zu vergleichen sind, dreistellige Beträge sind keine Seltenheit, höhere Preise (auch viel höhere Preise) werden gelegentlich gezahlt. Dafür ist das Angebot an den üblichen Orten (insbesondere auf Ebay) auch vorhanden. Das Sammeln dieser Spiele hat aber sicher seine eigenen Tücken, Vollständigkeit z. B. ist sicher ein grösseres Thema als bei einem Buch und auch bei den verschiedenen Systemen gibt es Details zu beachten. Eine besondere Schwierigkeit macht es auch, wenn man die Spiele auch tatsächlich spielen will.
    Die hier genannten Spiele lassen sich relativ einfach finden und sind auch bezahlbar, einige wenige haben den Weg in meine Sammlung gefunden, jedoch eher als Beifang. Ausbauen werde ich dieses Sammelgebiet nicht.

    Samstag, 8. April 2017

    Qualität - Quantität

    Was sammelt man als Sammler? In jedem Fall doch Qualität. Das in vieler Hinsicht sinnlose Zusammenraffen von Quantität entlarft das Sammeln doch als Handlung des niederen Instinkts, nein, das eigene Sammeln sei kultiviert und gebildet und daher filigran: Nur schöne, qualitativ hochwertige Stücke enthalte die Sammlung.
    In diesem Fall habe ich das nicht geschafft und konnte angesichts des ausserordentlich günstigen Angebots nicht wiederstehen: Drei Bücher, die wie angekündigt qualitativ kaum den Standards der Sammlung genügen für den Preis einer grossen Tasse Kaffee (durch den gemeinsamen lokalen Versand aus Deutschland). Und die drei Bücher passen genau auf die aktuelle Schwerpunkte meiner Bemühungen: Counter-Clock World von Berkley, die zweite Ausgabe von 1974, aber tatsächlich die erste englische Ausgabe dieses Buchs in meiner Sammlung und damit lange überfällig; leider mit einem hässlichen Namenseintrag auf dem Vorblatt. Die englische Erstausgabe von Our Friends from Frolix-8 - bei Ace, meinem US-amerikanischen Lieblingsverlag, von 1970; leider ist eine Ecke vorderen Umschlagseite beschädigt. Und zuletzt eine Ausgabe von Vintage, ebenfalls einem Verlag, den ich intensiver suche: Martian Time-Slip (1995) in der dritten Auflage, auch hier ist eine Ecke beschädigt.
    Drei englische Ausgaben von Philip K. Dick: Counter-Clock World (Die Zeit auf Gegenkurs) bei Berkley (1974), Die Erstausgabe von Our Friends from Frolix 8 (Die Mehrbegabten) bei Ace (1970) und Martian Time-Slip (Marsianischer Zeitsturz) bei Vintage (1995)
    Die deutschen Ausgaben der beiden erstgenannten Bücher gibt es im Deutschen in jeweils zwei älteren Ausgaben: Counter-Clock World als Die Zeit läuft zurück von Goldmann von 1977 und als Die Zeit: Auf Gegenkurs von Ullstein von 1988. Our Friends from Frolix-8 ist unter dem Titel Die Mehrbegabten bei Goldmann im Jahre 1978 und bei Bastei-Lübbe 1987 erschienen. Beide Bücher sind damit zwar keine der in der vorigen Woche besprochenen Singles, aber sie gehören eben auch nicht in den Kreis der öfter aufgelegten Bücher der Heyne Werk-Edition. Für den Sammler sind aber diese deutschen Ausgaben so leicht und so günstig zu finden, dass man hier auf jeden Fall auf Qualität achten sollte - und auch die häufigen Remittenden vermeiden.
    Betrachtet man Preis und Leistung, so ist es doch ein für mich sehr positiver Kauf, auch wenn die Qualität der drei Bücher nur mässig ist. Ich prüfe nicht regelmässig die billigsten Angebote, aber wenn es sich anbietet so anbietet wie hier, schlage ich doch zu. Es fehlen noch genug Bücher in der Sammlung, bei denen ich auf Qualität achten kann, ein paar Lücken sind so doch geschlossen.