Samstag, 25. März 2017

Hartes von Fischer

Eine Premiere für Fischer ist die vor kurzem erschienene Ausgabe von Das Orakel vom Berge: Es ist die erste Hardcover-Ausgabe eines Romans von Philip K. Dick bei Fischer und die erste dieses Romans. Und natürlich hat das etwas mit dem Erfolg der Amazon Serie The Man in the High Castle zu tun, die auf dem Roman basiert.
Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick bei Fischer: Die Fischer Klassik
Taschenbuchausgabe (links) und die neue gebundene Ausgabe im deutlich
kleineren Format der Reihe Fischer TaschenBibliothek
Diese Ausgabe erscheint in der Reihe Fischer TaschenBibliothek. In der Reihe dieser kleinformatigen Bände erscheinen ganz unterschiedliche Bücher, vom Ratgeber bis zum Roman. Das kleine Format bedingt auch die im Vergleich zur Taschenbuchausgabe grössere Seitenzahl von 414 Seiten. Ein Lesebändchen und die auffälligen Ecken runden dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes ab. Das Cover ist von der Klassik Ausgabe übernommen, auf die Serie wird nur auf dem Klappentext auf der Rückseite
verwiesen.
Das erste deutsche Hardcover von Dick war natürlich Zeit ohne Grenzen (1962), einmal in der Standard Leihbuch-Ausgabe, einmal sehr selten in Leinen mit Schutzumschlag, die in diesem Blog auch schon vorgestellt wurden.
Danach kamen die beiden sehr schönen Hardcover-Ausgaben von Insel, LSD-Astronauten und Mozart für Marsianer. Unter die Sämtlichen Erzählungen und die fünf Romanausgaben von Haffmans haben sich noch die Erstausgabe von Eine Bande von Verrückten bei Reidar  (1987) und eine Bertelsmann Buchclub Ausgabe des Blade Runners (1991) gemischt. Auch die Neuausgabe der Erzählungen bei Zweitausendeins in fünf Bänden war gebunden.
Eine besondere Stellung in der Sammlung nehmen die sieben liebevoll gestalteten, gebundenen und vor allem wenigstens teilweise sehr seltenen sieben Ausgaben der Edition Phantasia ein.
Zuletzt kamen 2009 und 2010 zwei Ausgaben mit Schutzumschlag im Pappband bei Liebeskind heraus: Stimmen von der Strasse und Unterwegs in einem kleinen Land.
Der Vollständigkeit halber seien noch die beiden Ausgaben in Brailleschrift erwähnt, die natürlich auch fest gebunden sind.
Erwähnen kann man auch noch, dass die frühen englischen Hardcover zum Teuersten gehören, was man in seiner Sammlung haben kann.
Das neue Buch von Fischer gibt es natürlich überall im Buchhandel - und das interessante Format macht es zu einem interessanten Stück in jeder Sammlung.

Samstag, 4. März 2017

Ungarisch

Die Spuren der ersten Veröffentlichung von Philip K. Dick in Ungarn führen - wie wohl vieles in der Zeit - zurück in die Sowjetunion. Dort erscheint im April 1958 in der populären Wochenzeitschrift Ogonek die Kurzgeschichte Der Bunker (Foster, You're Dead) als erste russische Übersetzung von Dick, mehr dazu gab es schon hier im Blog.
Übersetzung von Der Bunker (Foster, You're Dead) in
der Nummer 82 der rumänischen Zeitschrift Colecția de 
Povestiri Stiințifico-Fantastice (1958), mit dem Hinweis
aus der Zeitschrift Ogonek; Autor: "Philip C. Dick" (sic!)
Im gleichen Jahr wurde diese Geschichte zusammen mit Robert A. Heinleins The Long Watch in der Nummer 82 der rumänischen Reihe Colecția de Povestiri Stiințifico-Fantastice (CPSF) veröffentlicht. Diese Reihe wurde ab unter dem Titel Tudományos-Fantasztikus Elbeszélések (TFE; "Science-Fiction Geschichten")  in Ungarn herausgegeben. So erschien Der Bunker dort auch 1958 wohl im Juli in der Ausgabe 73 mit dem Titel Két amerikai elbeszélés ("zwei amerikanische Erzählungen"). In Ungarn wurde die Reihe offenbar nach der Nummer 80 im selben Jahr verboten. Die rumänische CPSF lief bis 1974 und wurde 1990 neu gegründet.
Die Übernahme aus der sowjetischen Zeitschrift Ogonek vermied wohl Probleme, die in einem Ostblockstaat sonst möglicherweise durch den Abdruck eines amerikanischen Schriftstellers in einer Hochphase des kalten Krieges entstehen konnten.
Schon bei der Übernahme ins Rumänische, die offensichtlich aus der russischen Ausgabe erfolgte, haben sich zwei Fehler eingeschlichen. Als Autoren der beiden Kurzgeschichten sind Philip C. Dick (die Transliteration vom kyrillischen К ist aber definitiv nicht das lateinische C) und Robert Heinlyne genannt. Nun ja, andernorts hat man schon die ganz falschen Autoren angegeben.
"Irrgarten des Todes" von Philip K. Dick in ungarischer Übersetzung
Álmodnak-e az androidok elektronikus bárányokkal?,
die ungarische Ausgabe von Träumen Roboter von 
elektrischen Schafen?, 2015 erschienen im Verlag 
Agave Könyvek, dem Verlag für Philip K. Dick
in Ungarn
In Ungarn erscheinen in den 70er Jahren einzelne Kurzgeschichten, dann 1983 eine Anthologie in der Nummer 52 der Zeitschrift Galaktika.
Galaktika gibt es heute noch, mittlerweile sehr professionell und mit einer laufenden Nummer von über 300. Auf der Seite des Verlags findet man auch - mit etwas Suchen - eine Bibliographie der Kurzgeschichten.
Der erste Roman auf Ungarisch erschien 1986 bei Kozmosz. Es ist Irrgarten des Todes, unter dem ungarischen Titel A halál útvesztője, wie so oft bei den Übersetzung eine eher weniger überzeugende Wahl, in Ungarn mag das den politischen Verhältnissen geschuldet sein. In Deutschland ist dieser Roman zuerst 1974 bei Heyne erschienen und zuletzt 2016 bei Fischer. Das Original A Maze of Death erschien 1970 als heute teuer zu bezahlendes Doubleday Hardcover.
Ungarische Ausgaben tauchen in Deutschland nicht auf - polnische und russische Büchern dagegen lassen sich gelegentlich auf den üblichen Portalen finden. Es gibt aber ungarische Versender, die problemlos und erfahrungsgemäss sehr schnell versenden, dieser hat sogar antiquarische Angebote, man findet auch die Galaktika-Ausgabe problemlos, aber leider nicht die erste Übersetzung aus der TFE-Reihe.