Samstag, 27. Januar 2018

Die Widmungen

Viele der Bücher von Philip K. Dick sind Personen gewidmet, die Dick nahe gestanden haben. Von den deutschen Ausgaben trägt nur etwa ein Viertel eine Widmung - in einigen Fällen ist diese literarische Zueignung bei der Übersetzung einfach verloren gegangen, häufig hat auch das Original keine Widmung.
Man kann die Widmungen - etwas willkürlich - in drei Gruppen teilen - Kollegen, Freunde und Familie. Zu den Kollegen gehören:
  • Anthony "Tony" Boucher - Gründer und bis 1958 Herausgeber von The Magazine of Fantasy and Science Fiction, über seine Verbindung zu Dick habe ich schon geschrieben
  • Donald "Don" A. Wollheim - Schriftsteller und für Dick wohl hauptsächlich als Herausgeber bei Ace relevant
  • S.M., das ist Scott Meredith - der Chef von Dicks Agentur, der Scott Meredith Literary Agency (SMLA)
  • Russell "Russ" Galen - Dicks Fan und dann Agent bei SMLA von 1978 und bis zu Merediths Tod 1993
Die Grenze zwischen diesen Kollegen und den Freunden ist schwer zu ziehen - allemal für den Autoren dieses Blogs - und soll hier auch nur helfen, eine Einteilung zu finden.
  • Mark und Jodie bzw. Mark und Diana - Mark Hurst war Dicks Herausgeber bei Bantam und hat mit Dick seit 1974 korrespondiert und dann Martian Time-Slip bei Bantam neu herausgebracht - mit der Widmung an ihn seine damalige Freundin Jodie; in The Golden Man, das Hurst vier Jahre später bei Berkley herausgebracht hat, ist dann seine Frau Diana genannt
  • Kirsten Nelson - die Frau vom befreundeten Schriftsteller Ray Nelson, mit dem Dick auch ein Buch gemeinsam geschrieben hat: Die Invasoren von Ganymed [The Ganymede Takeover]
  • Cynthia Goldstone - eine langjährige Freundin von Dick, die als Künstlerin auch viele Illustrationen in frühen Fanzines gestaltet hat. Als sie 2012 mit 90 Jahren gestorben ist, erschien ein Nachruf im Locus Magazin (#619, August 2012)
  • Robert und Ginny Heinlein - der seinerzeit bekanntere und erfolgreichere Schriftsteller war über einen längeren Zeitpunkt mit Dick befreundet
Viele seiner Widmungen gelten seiner Familie, genauer seinen Frauen und drei Kindern:
  • Laura - die gemeinsame Tochter mit seiner dritten Frau Anne R. Dick
  • Nancy Hackett - seine vierte Frau, die er am 6. Juli 1966 geheiratet hat und der er das im gleichen Jahr erschienene Buch Warte auf das letzte Jahr [Now Wait for Last Year] gewidmet hat; deshalb ist die Widmung auch noch unter ihrem Mädchennamen; die in einer separaten Widmung genannte Isa ist die gemeinsame Tochter 
  • Maren Augusta Bergrud - seine vierte Schwiegermutter, d.h. die Mutter von Nancy Hackett, die kurz vor der Veröffentlichung von DADoES im Jahr 1967 gestorben ist; mehr dazu findet sich im Netz, ebenso ein Bild ihres Grabsteines mit einem Zitat von Lukretz (und nicht Yeats)
  • Tessa - sie erscheint mehrmals in verschiedenen Widmungen und ist seine fünfte Frau und die Mutter seines Sohnes Christopher, der auch genannt wird
Ein unklarer Fall ist die Widmung für Vincent F. Evans, den ich nicht aufspüren konnte. Die Widmung ist übrigens tatsächlich im Deutschen wie auch im englischen klein geschrieben: for Vincent F. Evans.
Ernst Jüngers Roman Auf den
Marmorklippen
von 1939 in der
aktuellen Neuausgabe (2017) bei
Klett-Cotta mit vielen Extras
Eine gesonderte Betrachtung verdienen die Widmungen zu Das Orakel vom Berge. Für die erste deutsche Ausgabe bei König (1973) hat sich Dick eine eigene Widmung gewünscht: An Ernst Jünger für "Auf den Marmorklippen". Diese ist dann in den folgenden Ausgaben bei Bastei-Lübbe übernommen worden - bis zur Neuübersetzung bei Heyne (2000). Sei es, dass dem Verlag die Widmung an den umstrittenen Autoren Ernst Jünger politisch nicht opportun war, sei es, dass man einfach nur schlampig gearbeitet hat und die Besonderheit einer speziell deutschen Widmung übersehen hat. Ob Dick das Buch im Original gelesen hat - er konnte genug Deutsch, um sich schriftlich zu äussern und wohl auch zu lesen - ist unklar; eine englische Übersetzung von Jüngers Roman ist schon 1947 erschienen.
Heyne hat dann die aktuelle englische Widmung übernommen: Für meine Frau Tessa und meinen Sohn Christopher, in tiefer Liebe. Das war die aktuelle Widmung, weil Dick die ursprüngliche Widmung der englischen Ausgabe im Jahre 1973 hat ändern lassen - nachlesen kann man das in seinem Brief vom 25. Oktober 1973 an Scott Meredith in den Selected Letters. Während der Grund der Änderung leicht zu verstehen ist - neue Frau, neue Widmung in Dicks zum Zeitpunkt erfolgreichstem Buch - erscheint die ursprüngliche Widmung in ihrem Text recht eigentümlich: To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written. Das ist ein Satz, der zum Nachdenken anregen muss.
Eine Sammlung aller Widmungen findet sich auf einer separaten Seite hier im Blog und es gibt in diesem Blog noch einen Eintrag über die englischen Widmungen.
Zur weiteren Lektüre sei hier ein Nachruf auf Scott Meredith empfohlen, der den Eindruck erweckt, dass Meredith kein einfacher Mensch war und weiterhin ein kurzer Text von Russell Galen über die Vintage-Ausgaben.

Samstag, 20. Januar 2018

Was sonst noch in Wetzlar war ...

Galactic Pot-Healer, Gollancz (1971) mit einem Stempel von SMLA, der
Scottt Meredith Literary Agency in New York, Dicks Agenten
Bei meinem Besuch in der Phantastische Bibliothek in Wetzlar (der zugegebenermassen schon wieder etwas zurückliegt) war mein Fokus auf den Fanzines. Ich habe von der Primärliteratur dort wenig erwartet - meine Sammlung ist da relativ vollständig. Am Schluss habe ich im Untergeschoss doch einmal einen kurzen Blick riskiert, dort ein ganzes Regal mit Büchern von Philip K. Dick gefunden und in der (zu) kurzen verbleibenden Zeit auch ein paar interessante Funde gemacht.
Vorhanden war u. a. eine Ausgabe vom 1971 von Galactic Pot-Healer in der gebundenen Ausgabe aus der gelben Reihe von Gollancz. Kein wirklich ganz seltenes Buch und eigentlich keiner weiteren Erwähnung wert, wenn es nicht von der Scott Meredith Literary Agency gestempelt wäre. SMLA war Dicks erste und langjährige Agenten, dieser spezielle Stempel ist also - anders als die üblichen Bibliotheksstempel etc. - ein wahrlich interessanter Fund. Man kann annehmen, dass es von Dicks Agenten als Rezensionsexemplar oder ähnliches verschickt worden ist - der Stempel zeugt von einer spannenderen Geschichte als sie die meisten Exemplare hatten. Als Sammler sollte man das wertschätzen können.
Dieses Exemplar ist natürlich auch von der Phantastischen Bibliothek gestempelt und hat daher seinen Wert für den Sammler fast gänzlich eingebüsst - aber es dient hier höheren Zwecken, das sollte man auch als Sammler anerkennen.
Die gelben Gollancz-Ausgaben sind - ungestempelt - nicht ganz billig. Ich erinnere mich auch bei antiquarisch angebotenen Büchern schon den Hinweis "gestempelt von seinem Agenten" gesehen zu haben - einmalig ist dieser Fund also nicht, aber so etwas einmal selbst zu sehen, ist schon schön. Auch wenn man es nicht mitnehmen kann.

Samstag, 13. Januar 2018

Ein Blick nach 2018

Für den Sammler von Philip K. Dick muss das Jahr 2018 ein Jahr der Überraschungen werden. Denn es ist für das nächste Jahr praktisch nichts angekündigt. Man mag hoffen, dass es bei Amazon mit The Man in the High Castle weitergeht - auch wenn das für den Sammler keine Auswirkungen hat.
Ausserdem werden vielleicht die Electric Dreams fortgesetzt, ein zweiter Band der Anthologie ist als Buch angekündigt, das hängt aber sicher davon ab, ob die Serie weiter läuft. Und in Deutschland? Fischer hat, da die Electric Dreams ja jetzt gerade auch in Deutschland verfügbar geworden sind, für Februar eine deutsche Ausgabe des ersten Bandes der Anthologie angekündigt - offenbar keine Neuübersetzung, Amazon nennt bereits die Übersetzer, die wir von Haffmans kennen (die Webseite von Fischer selbst hält sich da noch etwas zurück). Mal gucken, ob wir auch die Einleitungen der englischen Ausgabe bekommen. Und sonst? Nichts. Aber Fischer hat uns auch im letzten Jahr noch ein unerwartetes Geschenkt gemacht ... und es gibt ja noch ein paar unübersetzte Mainstream-Romane von Dick. Man darf hier die Hoffnung nicht aufgeben.
Für die eigene Sammlung habe ich, ehrlich gesagt, noch keine Pläne. Es gibt immer noch ein paar hässliche Lücken in der Sekundärliteratur, die eigentlich leicht zu schliessen wären. Für die englischen Bände bleibt ein Schwerpunkt auf ein paar Verlagen. Ob ich das durchhalte oder doch wieder einfach planlos ein paar nette Dinge oder vermeintliche Schnäppchen kaufe ... man wird sehen. Am nettesten ist es dann doch meist ein spezielles Thema zu finden oder einzelne Stücke zu suchen, um eine Frage zu beantworten - und das lässt sich nicht planen.
In jedem Fall möchte ich noch ein paar Lücken in den internationalen Ausgaben schliessen, da gibt es noch ein paar Sprachen, die leicht zu kriegen sein sollten - vielleicht sogar Erstausgaben.
Etwas mehr Arbeit plane ich in diesem Jahr für den Katalog ein, ich habe damit bereits begonnen und das hat ja bereits etwas Niederschlag hier im Blog gefunden - insbesondere in der umfangreichen Liste der Veröffentlichung von Sekundärliteratur. Es gibt da allerdings noch viele Lücken, insbesondere ist mein Bestand noch nicht völlig ausgewertet, d. h. es gibt zahlreiche Essays, Vor- und Nachworte usw. in Büchern, die nicht einzeln aufgeführt sind. Aus Sicht des Sammlers mögen also alle Einheiten genannt sein, der Inhalt ist jedoch eben nur unzureichend ausgewertet.
Mit Einträgen wird es im Blog wohl weitergehen wie im vergangenen Jahr - nicht wöchentlich, aber (deutlich) mehr als monatlich sollten sich mindestens ein paar Zeilen finden.
Und vielleicht findet sich ja noch einmal Zeit für einen Ausflug zur Phantastischen Bibliothek in Wetzlar.