Samstag, 22. Dezember 2018

Katzengold

Science Fiction Special 7 von 1973,
vom Licht start verfärbt in hellem lila
statt in dunklem blau-violett
Da musste ich zugreifen: Science Fiction Special 7, Sidgwick & Jackson von 1973 für 5 Euro!
Eigentlich lege ich bei neuen Exemplaren in der Sammlung zunehmend Wert auf Qualität, insbesondere vermeide ich Exemplare, die arg angegriffen sind. Das gilt für alle Opfer all zu grosser Misshandlungen durch die Vorbesitzer. Dem oben genannten Special 7 konnte ich dann aber doch nicht widerstehen, obwohl es die letzten 45 Jahre nicht gut überstanden hat - vermutlich, weil es sich um eine etwas grenzwertige Ausgabe handelt, die man selten sieht. Eine gute Ausgabe kann man bei isfdb sehen.
Man muss dem Anbieter zugute halten, dass er alle Mängel in seinem Angebot sauber dokumentiert hat - das ist nicht immer so und auch die Erklärung dafür, warum ich mehr Ex-Lib Exemplare besitze als ich eigentlich wollte. Die hohen Versandkosten erklären sich aber nur zum Teil durch das Format des Buches: Es ist dick, aber nicht grösser als ein normales Taschenbuch und kommt damit auf 810g.
Denn dieses Science Fiction Special 7 ist im Grunde die gemeinsame Ausgabe von zwei Sammelbänden, dem A Murray Leinster Omnibus (1968) und dem A Philip K. Dick Omnibus (1970). Der Band enthält insgesamt sechs Romane, drei von Murray Leinster:
  • Operation Terror, deutsche Ausgabe: Terrorstrahlen. Moewig (1964), Terra Band 366
  • Checkpoint Lambda, wohl ohne deutsche Ausgabe
  • Invaders of SpaceFreibeuter des Alls. Pabel (1965), Utopia-Zukunftsromane Nr. 465
und drei von Dick
  • The Crack in Space [Das Jahr der Krisen]
  • The Unteleported Man [Der unteleportierte Mann]
  • Dr. Futurity [Schachfigur im Zeitspiel]
Nicht der A Philip K. Dick Omnibus,
sondern der zweite Teil des
Science Fiction Special 7
Der Verlag hat einfach die beiden Bücher in einem gemeinsamen Band noch einmal herausgebracht und so steht es ja auch auf dem Schutzumschlag - auch wenn man Dick dort um seine Initiale gebracht hat. Jeder Roman hat seine eigene Seitenzählung, jeder der beiden Omnibusse eine eigene Titelei mit Schmutztitel und Titelblatt. Bei Sidgwick & Jackson sind noch zwei weitere Hardcover von Dick erschienen. The World Jones Made im Jahre 1968 und 1970 noch einmal im Science Fiction Special 1. Gemeinsam haben diese Ausgaben (und viele andere Ausgaben des Verlages aus der Zeit), dass sie heute recht teuer sind, im mittleren dreistelligen Bereich, am seltensten scheint das Special 1 zu sein.
Es gibt übrigens keinen deutschen Sammelband, der Romane von Dick und die eines anderes Autoren beinhaltet; Sammelbände dieser Art sind aber z. B. in Russland recht populär, es gibt einige mit Beiträgen von Dick.
Leinster war ein sehr produktiver Autor mit sicher mehr als 700 Kurzgeschichten und über 100 Romanen, andernorts werden gar 1500 Veröffentlichungen genannt, von dem auch auf Deutsch einiges (aber längst nicht alles) erschienen ist - und wie man oben sieht, oft an den gleichen Stellen, an der wir auch Dick finden.
Nicht mal die schlechtesten Seiten aus dem Exemplar
Dick und Leinster kannten sich, sie sind sich zumindest begegnet, Dick erwähnt „MURRAY LEINSTER“ in seiner Kurzgeschichte Wasserspinne [Waterspider], die auf der Science Fiction Worldcon von 1954 in San Francisco spielt. Ausser Leinster erscheint auch Dick dort selbst, diese Kurzgeschichte ist also recursive oder Meta-SF. Die Encyclopedia Dickiana weiss noch mehr über diese Kurzgeschichte (und dazu: nein, The Fisher of Men von Poul Anderson gibt es nicht und auch keine Kurzgeschichte von ihm in If vom Mai 1971). Briefe von Dick an Leinster konnte ich keine finden, der Kontakt war wohl begrenzt.
Ich bin bei der Recherche für diesen Blogeintrag auch über einen Eintrag im Poul Anderson Appreciation Blog gestolpert. Hier beklagt sich der Autor und Sammler, dass es so viel Kurzgeschichten und Artikel von Anderson gibt, die uncollected sind, d. h. nur in den Pulp Magazinen der 50er Jahre erschienen sind und dann nie wieder - und wie schwierig es jetzt ist, diese  einzeln zu sammeln. Bei Philip K. Dick haben wir das Glück, dass zu Paul Williams Zeiten die Collected Stories entstanden sind. Die Magazine kann man sammeln - man muss es aber nicht, um Dick komplett zu lesen.
Es bleibt die Frage: Wann sollte man (so) schlechte Qualität kaufen - und wann nicht, auch wenn sie sehr günstig ist? Die Antwort ist einfach: Kommt drauf an. Hauptsächlich auf die eigene Einstellung. Ich finde dieses Buch spannend, weil es eher ungewöhnlich ist. Aber viel Geld würde ich dann lieber für etwas Repräsentativeres ausgeben, z. B. eine hübsche gebundene Ausgabe von einem Roman. Daher war das Angebot meine Chance den Band überhaupt irgendwie in die Sammlung zu kriegen und ich habe meinen Spass damit, auch wenn der Zustand wirklich schlecht ist.
Und zum Schluss: Es gibt eine umfassende Murray Leinster Home Page, leider nichts entsprechendes für oder auf Deutsch - hier bietet sich dem engagierten Sammler noch ein Betätigungsfeld. Viel zu Sammeln gibt es ja.

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