Freitag, 23. September 2016

Versteckte Planeten

Der Merkur, der sich als Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken bezeichnet, erscheint ununterbrochen seit 1947. Und man kann ihm sicher zugestehen, eine der wichtigsten und angesehensten Kulturzeitschriften im deutschsprachigen Raum zu sein. Veröffentlichungen im Merkur haben daher sicher einen anderen intellektuellen Stellenwert und eine andere Sichtbarkeit als solche in Fan-Magazinen - nicht nur wegen der unterschiedlichen Auflagenhöhe.
Das Thema Philip K. Dick hat es einmal in den Merkur geschafft, nämlich in Gerd Schäfers Artikel Paranoides Genie. Zum Werk von Philip K. Dick in Heft 5 des 61. Jahrgangs im Mai 2007 in das Heft mit der laufenden Nummer 697. Der Artikel ist mit fünf Seiten sicher eher kurz für das Thema, aber, wie ich finde und wie man ja auch erwarten durfte, von hoher Qualität; auch wenn ich persönlich Dicks Werk primär weniger als vorweggenommene Bestandsaufnahme auf den Einzug von Medien in die Alltagswelt sehe. Dafür stempelt er Dick nicht als drogenabhängigen Verrückten ab, das Paranoide Genie ist wohl weniger eine klinische Diagnose als eine literarische, die man nicht abstreiten kann.
Merkur 697, 61. Jahrgang Mai von 2007 mit einem Artikel von Gerd Schäfer,
Paranoides Genie. Zum Werk von Philip K. Dick
Die Anzahl von Artikeln zu Leben und Werk von Dick in deutscher Sprache ist klein genug, um ihn ohne weitere Überlegung in die Sammlung aufzunehmen, hier verhält sich wie mit dem hier bereits vorgestellten Werk von Laurence A. Rickels.
Nachlesen lässt sich der Anfang des Artikel online im Archiv des Merkur, dort kann man ihn auch kaufen. Für einen Sammler ist ein PDF sicher keine Option.
Der Artikel im Merkur erscheint auch als einziger deutschsprachiger in der Liste der akademischen Sekundärliteratur bei den PhilipKDickFans, die von Umberto Rossi stammt, von dem an dieser Stelle in einem zukünftigen Eintrag auch noch gesprochen werden soll.
Finden lässt sich der Merkur 697 recht einfach, wenn man einmal weiss, das man nach ihm suchen will. Aufpassen sollte man als Sammler nur, dass man keines der Mängelexemplare erhält, die im Umlauf sind. Mein Exemplar enthält noch ein beigefügtes Faltblatt, das Werbung für einen Kongress in Karlsruhe macht, wie sehr so etwas zu einem Magazin dazugehört, muss natürlich - wie immer - jeder Sammler selbst bestimmen. Mir fällt es schwer diese Beilage zu entfernen, wenn sie auch droht, das Heft dauerhaft zu verformen. Solche Objekte zeigen auf jeden Fall, dass das Exemplar nicht wirklich intensiv gelesen wurde.

Samstag, 17. September 2016

Nur ein halbes Leben?

Die Anzahl von deutschsprachigen wissenschaftlichen Artikeln über Philip K. Dick ist sehr begrenzt. Dazu kommt, dass sie sich oft schwer finden lassen, zumindest wenn der Zugang aus dem Bereich der Science Fiction ist.
Einer dieser wenigen Artikel ist Half-Life des US-amerikanischen Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker und Psychologe Laurence A. Rickels. Mehr Details zu ihm finden sich in seinem Wikipedia-Eintrag.
Geprüfte Seelen von Laurence R. Rickels im Passagen Verlag (2012) enthält das Essay
Half-Life 

Half-Life ist im Deutschen zweimal erschienen. Zuletzt und prominenter als eines von drei Essays in Rickels Buch Geprüfte Seelen im Passagen Verlag (2012) unter dem Titel Half-Life.
In einer kürzeren Version und deutlich versteckter erschien Half-Life bereits 2011 im Sammelband zur gleichnamige 2008 in Basel veranstalteten Tagung, herausgegeben von Till A. Heilmann, Anne von der Heiden und Anna Tuschling: medias in res. Medienkulturwissenschaftliche Positionen. Bielefeld: transcript (2011), 300 Seiten, ISBN 978-3-8376-1181-6. Hier heisst er Halbes Leben. Rickels Vortrag dort kann man sich dort auch - auf Englisch - anhören (50 Minuten). Im Original erschien er 2009 in Discourse: Journal for Theoretical Studies in Media and Culture 31, No 1-2.
Im PKD-Universum ist Rickels aber wohl erst bekannt geworden mit seinem Buch I Think I Am: Philip K. Dick, University of Minnesota Press (2010), erschienen als Hardcover und - deutlich billiger - Softcover. Das Buch hat in der sonst sehr wohlwollenden Gemeinde sehr gemischte Kritiken bekommen, so beurteilt es Tessa Dick eher negativ. Das liegt vielleicht auch daran, dass Rickels wissenschaftlicher Anspruch in den Texten sehr deutlich wird, einfach ist die Lektüre nicht.
Ein Interview mit Rickels zu diesem Buch findet sich bei Total Dick-Head, bibliographisches bei Essential English.
Und wieder stellt sich die Frage: Will man solche Texte in seiner Sammlung haben? Und wenn, braucht man dann beide Texte? Natürlich hängt das von den Zielen der eigenen Sammlung ab, Geprüfte Seelen sollte aber in der Sammlung vorhanden sein, wenn man sich überhaupt mit der Sekundärliteratur beschäftigt.
Geprüfte Seelen ist leicht zu finden und eher günstig, medias in res ist ebenso leicht zu finden, aber eher teurer.

Samstag, 10. September 2016

Penguin

Penguin hat nur vier Romane von Philip K. Dick herausgegeben, diese vier allerdings in 15 Ausgaben. Davon sind acht, also mehr als die Hälfte, verschiedene Ausgaben von The Man in the High Castle, in der deutschen Übersetzung Das Orakel vom Berge. Die erste britische Ausgabe von 1965 bis zur letzten Ausgaben von 2015 sind von Penguin - und mit diesen acht Ausgaben dürfte Penguin der Verlag mit den meisten Ausgaben des selben Romans sein.
The Man in the High Castle von Philip K. Dick bei Penguin in der Ausgabe von 2001
Für die gezeigte Ausgabe von 2001 gibt es eine neue Einführung des britischen Autoren Eric Brown, den Penguin auch gerne zitiert: Dick's finest book, and one of the very best science fiction novels ever published. Man muss Brown hier nicht widersprechen.
The Man in the High Castle in der
Ausgabe von 1976 bei Penguin in
üblicher Erhaltung - also vergilbt und 
mit Knicken
Penguin greift für den Umschlag das im Angelsächsischen für dieses Buch beliebte Hakenkreuzmotiv auf, das sich naturgemäss bei den deutschen Ausgaben nicht findet. Insgesamt sind die Cover von Penguin sehr gelungen und jeweils sehr zeitgemäss.
Von Time Out of Joint gibt es vier Ausgaben bei Penguin, die letzte Ausgabe ist allerdings von 1988, die britischen Rechte liegen jetzt wohl bei Gollancz. Von The Penultimate Truth und The Three Stigmata of Palmer Eldritch gibt es jeweils eine Ausgabe von Penguin.
Die Ausgaben von Penguin lassen sich gut sammeln, im Prinzip sind sie bezahlbar und leicht erhältlich, auch aus Grossbritannien, also auch mit bezahlbarem Versandkosten. Allerdings liegen die Penguin Taschenbücher häufig in schlechter Qualität vor - und die Beschreibungen der Anbieter sind bezüglich der Qualität bei so billig angebotenen Bücher eben nicht sehr ausführlich. Genauso unzuverlässig ist häufig die Angabe der Erscheinungsjahres. Man kauft also günstig, aber wenn es kein Originalbild gibt eben doch auch die Katze im Sack. Selbst das enzyklopädische Philip K, Dick Bookshelf ist sich nicht sicher, ob es eine abweichende Ausgabe von 1978 von The Man in the High Castle gibt - oder nur eine neue Preisangabe. Eine solche Ausgabe zu finden kann dann aus den genannten Gründen sehr schwierig werden. Eine schöne Herausforderung für einen Sammler.
Der passende Web-Tipp ist The Art of Penguin Science Fiction, eine schöne Cover-Sammlung, die über das Bild hinaus auch viele zusätzliche (bibliographische) Informationen bietet.

Samstag, 3. September 2016

Nichts zum Jubiläum

Science Fiction Jubiläums Band - Das Lesebuch von
Heyne (1985), herausgegeben von Wolfgang Jeschke
Sammeln ist eben nicht das Gegenteil von Jagen - als Sammler ist man immer auch Jäger.  Meistens ist man auf der Suche nach günstigen Angeboten - oder eben überhaupt Angeboten. Manchmal möchte man auch etwas Neues aufstöbern, etwas Ungewöhnliches für die Sammlung, das vielleicht noch nicht im allgemeinen Sammlungskanon definiert ist.
So geht es mir mit diesem Stück, dem Science Fiction Jubiläums Band von Heyne (1985), der keinerlei Beitrag von Dick enthält. Allerdings annonciert der Klappentext eine der besten Erzählungen von ... Philip K. Dick ...
Herausgeber dieses Bandes mit der runden Verlagsnummer 06/4000 zum Jubiläum 25 Jahre Heyne Science Fiction & Fantasy 1960-1985 ist der im letzten Jahr (2015) verstorbene Wolfgang Jeschke, der sicher jedem ein Begriff ist, der in Deutschland Science Fiction liest oder gelesen hat. Im Umfeld von Philip K. Dick gibt es nur wenige direkte Beiträge von Jeschke: Eine kurze Vorbemerkung zum Anhang in Das Orakel vom Berge von Heyne aus dem Jahre 2000 ist alles - der Anhang fehlt leider in der 2008er Ausgabe. Man mag das kaum glauben, aber sicher hatte auch Jeschke seine Lieblingsthemen und hat Dick anderen - speziell Uwe Anton - überlassen. Als Herausgeber hat Jeschke zahlreiche Bände mit Kurzgeschichten, mehr noch aber mit Sekundärliteratur herausgeben, hauptsächlich in Das Science Fiction Jahr, in dem in zahlreichen Bänden Artikel über Leben und Werk von Dick erschienen sind. So mögen wir ihm verzeihen, dass es - anders als wohl geplant (wie sonst wäre Dicks Name in den Klappentext gekommen?) - Dick nicht in diesem Jubiläums Band geschafft hat - und betrachten die nicht erfüllte Ankündigung als lobende Erwähnung und nicht als falsches Versprechen des Herausgebers. Zumal im Jahre 1960, mit dem der Band beginnt, Dicks produktivste Zeit, soweit es Kurzgeschichten angeht, auch vorbei war.
Klappentext von Science Fiction Jubiläums Band mit
grossen Versprechungen, die leider für den Beitrag von
Philip K. Dick und Brian W. Aldiss nicht eingelöst werden
Erwähnen sollte man noch, dass auch Brian W. Aldiss als Autor genannt wird, aber auch von ihm erscheint kein Beitrag im Buch.
Der erste Beitrag im Jubiläums Band ist übrigens ein Auszug aus John Wyndhams Die Triffids, das seinerzeit mit der Nummer 39 der erste Science Fiction Beitrag von Heyne war und in Neuauflage als erster Band der Science Fiction Reihe mit der Nummer 3000 geplant war. Dick und Wyndham haben sich in diesem Blog vor Kurzem bereits getroffen.
Ob man nun solch ein Kuriosum oder ähnliche in seiner Sammlung braucht, ist jedem selbst überlassen. Nach der Jagd und dem Feststellen der Tatsache, dass sich in diesem Buch keine Kurzgeschichte von Dick versteckt, ist das Buch auf jeden Fall in meiner Sammlung geblieben. Jeder Leser dieses Blogeintrags kann sich diese Jagd nun sparen.
Eine vollständige Liste der Kuriosa mit bibliographischen Informationen und Verweisen auf Blogeinträge ist auf einer separaten Seite gesammelt.