Samstag, 23. Februar 2019

Was für ein Theater

Es gibt zahlreiche Bearbeitungen der Literatur von Philip K. Dick in der darstellenden Kunst, hauptsächlich sind das Verfilmungen seiner Werke. Dazu kommen noch mehr Filme, die offensichtlich nachhaltig von Dick beeinflusst sind (auch wenn sie das nicht immer zugeben wollen). Im Bereich des Theaters aber gibt es nur wenige Bearbeitungen. Im Deutschen findet sich nur ein Tanztheater, das auf Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit basiert, in der Dick als Figur auftritt. Im Englischen gibt es Brian Aldiss' Kindred Blood in Kensington Gore von 1991, über das in diesem Blog noch zu berichten sein wird, ebenfalls ein Stoff in dem Dick als Person auftritt.
Flow My Tears, the Policeman Said in der Bearbeitung für das Theater von Linda Hartinian
Als einzige Bearbeitung eines Stoffes von Dick gibt es Flow my Tears, the Policeman Said von Linda Hartinian, die auch eine enge Freundin von Dick und seiner Frau Tessa war.
Laut Einführung im Script wurde es ursprünglich am 18. Juni 1985 aufgeführt, dann noch einmal 1988 in New York, laut Interview (siehe unten) mehrere Aufführungen im Mai 1999 in Kalifornien und – laut anderer Quelle – am 7. September 2000 an der Universität von Pittsburgh. Das Textheft trägt das Copyright 1990 und keinerlei Angaben zur Auflage.
Die ersten Worte des Stücks, ein Voiceover, sind The love in this book is for Tessa. Das reflektiert natürlich Dicks Widmung im Roman: The love in this novel is for Tessa, and the love in me is for her, too. She is my little song und vielleicht auch Hartinians Freundschaft zu Tessa.
Im Interview mit Linda Hartinian sagt sie, dass sie nur bestehende Sätze aus dem Roman genommen oder neu zusammengefügt hat, allerdings hat sie – bedingt durch das Medium – den Inhalt um mindestens acht von zehn gekürzt und dabei noch den wichtigsten Teil übrig gelassen. Das ist sicher eine literarische Leistung, die man aber nach der Lektüre selbst bewerten sollte. Spannend ist das Ergebnis in jedem Fall und es hat einen eigenen Charakter – eben den eines Theaterstücks. Hartinian hat wohl auch zeitweise mit Tod Machover an der Oper Valis gearbeitet.
Der englische Titel zitiert das Lautenlied Flow my Tears des auch heute noch populären englischen Renaissancekomponisten John Dowland. Man kann vermuten, dass dieser lyrische Bezug Walter Brumm, den ersten deutschen Übersetzer, davon abgehalten hat, den Titel wörtlich zu übersetzen.
Dick hat Dowland sehr geschätzt. In seiner Kurzgeschichte Orpheus mit Pferdefuß [Orpheus with Clay Feet] tauch er als Jack Dowland auf, erschienen ist die Geschichte unter diesem Pseudonym aber ziemlich sicher nicht, (wirklich nicht, Leute, auch wenn es überall steht – selbst Wikipedia hat nicht immer recht). Auch in Die göttliche Invasion nimmt Dick Bezug auf Dowland.
Anhören kann man es sich die Komposition von Dowland in verschiedenen Versionen bei diversen Anbietern, z. B. auch bei Vimeo, es gibt sogar einen eigenen deutschen Wikipedia-Eintrag für Dowlands Flow My Tears.
Drei deutsche Ausgaben von Flow My Tears, the Policeman Said,
von links: Heyne (1977) und Heyne (1984) mit der Umschlagzeichnung
von C. A. M. Thole und ganz rechts Fischer (2015)
Auf Deutsch ist Flow My Tears, the Policeman Said in vier Ausgaben unter dem Titel Eine andere Welt erschienen. Nach der Erstausgabe bei Heyne (1977) und der Neuausgabe in der Bibliothek der Science Fiction Literatur (1984) folgte 2004 eine Neuübersetzung von Michael Nagula für die Philip K. Dick Edition, die dann auch für die Ausgabe bei Fischer von 2015 übernommen wurde.
Das Textheft lässt sich antiquarisch relativ bezahlbar finden, für eine Sammlung – und nur dafür lohnt es sich wohl – bitte unbedingt die häufigen ex-lib vermeiden, die als Leseexemplar natürlich durchaus geeignet sind. Aber hier im Blog geht es ja ums Sammeln, nicht ums Lesen. Tatsächlich kann man das Heft auch noch (etwas umständlich) beim Herausgeber bestellen. Über die steile Portomauer muss man in jedem Fall.
Die Erstausgabe des Romans von 1974 ist – für ein Doubleday Hardcover – fast noch bezahlbar, es gibt jedoch verschiedene Auflagen, die teilweise als Remainder, also quasi Mängelexemplare, gekennzeichnet sind – Levack meint aber in seiner Bibliography, dass das den Wert teilweise sogar erhöhen kann.
Die deutschen Ausgaben stellen, wie alle Ausgaben von Heyne, kein Problem bei der Beschaffung dar, man sollte daher sehr wählerisch mit der Qualität sein und – man kann es nicht oft genug sagen – bitte die bei diesen Ausgaben notorischen Remittenden vermeiden. Die Ausgabe von Fischer ist natürlich überall im Buchhandel noch verlagsneu erhältlich.

Samstag, 16. Februar 2019

Willkommen im Club

Buchclub Ausgaben sind für Sammler etwas Besonderes, aber nicht unbedingt etwas besonders Gutes. Allgemein sind sie eher ungeliebt. Es gibt nur zwei deutsche Buchclub-Ausgaben von Philip K. Dick, beide natürlich vom populären Blade Runner, erschienen 1991 und 2003 bei Bertelsmann - und natürlich sind sie, egal wie ungeliebt und langweilig, Teil der Sammlung.
Oben R und M Medien (2003) und unten Bertelsmann Buchclub (1991): Blade Runner
Blade Runner von Philip K. Dick,
von R und M Medien (2003) und
beim Bertelsmann Club et al. (1993)
Beiden Bände sind als Lizenzausgaben des Heyne Verlags erschienen, d. h. auch mit der zur jeweiligen Zeit von Heyne genutzten Übersetzung. Bei der neueren Ausgabe von 2003 handelt es sich um die von Jacqueline Dougoud überarbeitete Übersetzung von 2002. Wie bei Buchclub-Ausgaben üblich handelt es sich um - wie ich finde: lieblose und langweilige - Hardcover-Ausgaben ohne jede Extras. Die fehlende Widmung der ersten Ausgabe geht aber auf das Konto von Heyne, die die Widmung auch erst 2002 wieder hinzugefügt haben.
Erwähnenswert ist lediglich das Cover der Utopia-Ausgabe von 2003, das tatsächlich auf den sonst unverzichtbaren Bezug auf den Film verzichtet. Verzichten tut Bertelsmann auch auf ISBNs, die für den Handel nicht benötigt werden, da die Bücher ja über den allgemeinen Buchhandel nicht zu beziehen waren, sondern nur über den Club. Ebenso fehlt das Erscheinungsdatum. Für den Sammler wird das Leben so nicht leichter. Opulent ist das Impressum der 1991er Ausgabe trotzdem, dort findet man
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Wilhelm Heyne Verlages, München für die Bertelsmann-Club GmbH, Gütersloh, die EBG Verlags GmbH, Kornwestheim, die Deutsche Buch-Gemeinschaft C. A. Koch's Verlag Nachf. GmbH, Gütersloh, die Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau, Wien, die Deutsche Buch-Gemeinschaft C. A. Koch Verlag Nachf., Wien und die Buch- und Schallplattenfreunde GmbH, Zug/Schweiz
Die Ausgabe von 2003 nennt dann ganz kompakt RM-Buch-und-Medien-Vertrieb im Impressum, Bertelsmann taucht nicht auf, der genannte Erscheinungsort Gütersloh weisst aber sofort die Richtung.
Es gab in den 80er Jahren bei Bertelsmann 25 Bände im nach dem Umschlag weisse Reihe genannten Science Fiction & Fantasy Club. Ausserhalb dieser Reihe erschienen weitere Bände Science Fiction und Fantasy, auch viel Perry Rhodan. Im Netz findet sich speziell zu Bertelsmann allerdings nichts - Buchclub-Ausgaben sind beim Sammlern eben ungeliebt.
Ihren Ursprung haben Buchclubs nicht nur in Deutschland im Vereinswesen des 19. Jahrhunderts. Der Bertelsmann-Lesering, aus dem Der Club Bertelsmann hervorging wurde 1950 gegründet. Beginnend in den 80er Jahren, expandierte Bertelsmann in den angelsächsischen Raum und war zwischenzeitlich auch an diversen Buchclubs beteiligt, die - allerdings vorher - diverse Ausgaben von Dick veröffentlicht hatten. In Deutschland hat Bertelsmann das Buchclub-Geschäft 2015 abgewickelt, vorher bereits das internationale Geschäft verkauft. Es wird also keine weiteren Buchclub-Ausgaben geben.
Im englischen Sprachraum gibt es rund 40 Buchclub-Ausgaben und das Sammeln ist deutlich komplizierter. Oft sind die Club-Ausgaben kaum von den nur kurz vorher erschienen Erstausgaben zu unterscheiden. Aber natürlich sind sie viel weniger wert, das ändert sich aber, wenn sie die erste (Hardcover-)Ausgabe sind. Das gilt für die Club-Ausgabe von Galactic Pot-Healer. In den USA sind Ausgaben von Dick überwiegend beim Doubleday Book Club und beim Book of the Month Club erschienen, in Grossbritannien bei Readers Union.
In mancher Hinsicht sind bzw. waren wohl auch Easton Press und The Folio Society Buchclubs, ich schliesse sie hier jedoch explizit aus. Die Ausgaben dieser Verlage sind hochwertige Sammlerstücke und teilen keine Eigenschaften mit den genannten Buchclub-Ausgaben.
Die erste deutsche Buchclub-Ausgabe von 1993 ist leicht und sehr bezahlbar zu finden und das normalerweise in sehr guter Erhaltung - gebundene Bücher werden in Deutschland gut behandelt. Die Utopia-Ausgabe ist zwar nicht teuer, aber eher schwer zu finden: Sie wird recht selten angeboten und wenn, dann sind die Verlagsangaben uneinheitlich und das Buch ist schwer aufzuspüren - und ein ISBN fehlt ja. Der Sammler muss hier also ausführlich und länger suchen.
Zum Schluss noch der Hinweis auf einen umfassenden Eintrag zum Blade Runnerdie Blade Runner Bibliographie hier im Blog und die kurze Bibliographie der Buchclub-Ausgaben.

Samstag, 9. Februar 2019

Spass mit ISBNs

Eines der wahrhaft spannendsten Themen in der Literatur sind bestimmt die International Standard Book Numbers, die ISBNs - zumindest für Buchhalter ... und Sammler. Als Sammler muss man diese schönen Zahlenreihen lieben, sie versprechen Ordnung und Übersichtlichkeit in der sonst doch unübersichtlichen Welt der Literatur. Dieses Versprechen halten die ISBNs dann aber nur teilweise.
So wichtig und hilfreich sie für den Sammler sind (und sonst, das gebe ich hier zu, wohl eher langweilig), so gibt es doch ein paar Probleme mit Ihnen - und ein paar Geschichten und Ungereimtheiten dazu.
Erfunden wurden die ISBNs 1965 in Grossbritannien, dort wurden sie initiiert und als nationales System mit neun Stellen 1967 als Standard Book Numbers (SBN) implementiert. 1970 wurden sie dann zehnstellig als internationalisierter Standard ISO 2108 verabschiedet. Sie dienen zur eindeutigen Identifzierung von nichtperiodischen Veröffentlichungen. Zeitschriften u. ä. verwenden daher stattdessen International Standard Serial Numbers, ISSN, die wir hier erst einmal nicht weiter betrachten, auch weil sie für den Sammler meist keine Hilfe sind.
Das grösste Problem mit ISBNs ist natürlich, dass insbesondere ältere Bücher sie nicht haben. Der früheste deutsche Band in der Sammlung mit einer ISBN ist von 1971, nämlich die Nebula Award Stories von Lichtenberg. Es gibt aber auch noch Bände von 1971 ohne ISBN bei Goldmann und Insel. In meinem Katalog sind neuere Ausgaben ohne ISBN in Deutschland nur die Buchclub-Ausgaben. Ganz allgemein gibt es auch keine rechtliche Verpflichtung für die Verwendung von ISBNs, Händler werden sie aber wohl meist verlangen.
Als die ISBNs dann eingeführt waren, hatten die Verlage ihre Probleme damit. Eine Auswahl von Büchern von Philip K. Dick mit falschen ISBNs:
  • Das Orakel vom Berge, Bastei (1980 und 2. Auflage von 1982) hat die ISBN 3-404-22021-7, aber die Prüfziffer ist offensichtlich falsch, sie sollte 8 sein
  • Titan 2, Heyne (1976) hat ebenfalls eine falsche Prüfziffer, im Buch steht 3-453-30397-2, richtig ist die Prüfziffer 0.
Titan-2, Heyne (1976) mit  falscher ISBN im Impressum
Das Problem mit falschen ISBNs ist, dass man nicht sicher sein kann, nach welcher ISBN man suchen muss - bzw. man kann sich letztlich sicher sein, dass man nach beiden ISBNs suchen muss, weil einige Anbieter die Prüfziffer korrigiert haben ... und andere nicht, vermutlich auch weil die jeweilige Software solche falschen Nummern nicht zugelassen hat. 
Es gibt aber auch andere Merkwürdigkeiten. Suhrkamp verwendet für die 1. und 2. Auflage von Ubik unterschiedliche ISBNs, allerdings sind die Ausgaben, wie hier bereits beschrieben, auch leicht abweichend: Das Cover ist minimal geändert und der Preis ist erhöht. Für den Sammler macht die zusätzliche ISBN das Leben hier einmal einfacher.
Wirklich übel - und wirklich verboten - ist aber die Wiederverwendung eines ISBN für ein gänzlich anderes Buch. Und ausgerechnet der Irrgarten des Todes ist bei Heyne zweimal davon betroffen. Zuerst hat Heyne für die in der Reihe Bibliothek der Science Fiction Literatur 1987 erschienene Ausgabe die ISBN 3-453-00432-9 verwendet. Heyne hatte unter dieser ISBN 1974 bereits Das Beste aus meiner Witze- und Anekdotensammlung von der Waterkant herausgegeben, als Autor nennt der Verlag hier Hans-Joachim Kulenkampff. Auch für die nächste Ausgabe, 2005 in der Philip K. Dick Edition, wählt der Verlag mit der ISBN 3-453-53021-7 eine bereits 1973 verwendete Nummer, dieses mal ursprünglich vergeben für Moderne Arbeitsmethodik von Tom Werneck und Frank Ullmann. Hier liegen aber mehr als zehn Jahre zwischen den Ausgaben. Die ISBN 3-453-30394-6 aber wurde zunächst 1976 für Alan Burt Akers' Der Prinz von Scorpio verwendet, dann nur ein Jahr später, 1977, für Dicks Eine andere Welt.
Und wie geht man andernorts mit ISBNs um? Auch andere Ländern haben ihre falschen Nummern:
  • Kizökkent idő [Time Out of Joint] aus Ungarn hat - dreizehnstellig - die ISBN 978-963-86361-9-5, im Buch steht aber - zehnstellig - die falsche ISBN 963-86361-9-5, die Prüfziffer sollte X sein. Ausserdem tragen zwei Ausgaben mit abweichendem Cover diese ISBN
  • The Internet Speculative Fiction Database weist uns darauf hin, dass The Golden Man von Methuen (1983) im Impressum die ungültige ISBN "0 417 06200 4" angibt, auf der Rückseite steht allerdings die gültige ISBN
  • Ebenfalls bei ISFDB erfahren wir, dass die Erstausgabe von Flow My Tears, the Policeman Said bei Doubleday (1974) die ISBN 0-385-00887-1 verwendet, aber auch hier ist die Prüfziffer falsch, sie sollte 2 sein.
The Selected Letters of Philip K.
Dick, 1980-1982
, der letzte Band
  • Und weil der Schutzumschlag von The Selected Letters of Philip K. Dick, 1980-1982 wohl etwas voreilig schon zehn Jahre vor Erscheinen des Buches gedruckt wurde, passt die dort angegebene ISBN nicht mehr zum Buch; aber der Herausgeber Tim Underwood entschuldigt sich sehr nett dafür. Tatsächlich ist die ISBN - zumindest auf meiner Ausgabe - korrekt, möglicherweise habe ich also einen neuen Schutzumschlag? Vielleicht gibt es bei diesem Buch also eine interessante Variante.
Grösseres Probleme machen dem Sammler aber diverse britische uns US-amerikanische Verlage, die ISBNs doppelt vergeben, allerdings für das gleiche Buch - das ist erlaubt - aber für gänzlich unterschiedliche Ausgaben. Das passiert sogar über Verlage bzw. Imprints hinweg. Hier erhalten Bücher, die für den Sammler deutlich unterschiedliche Objekte sind, dieselbe ISBN. Formal erfordert nämlich nur eine neue Edition eines Werks eine neue ISBN, darum handelt es sich dabei - trotz neu gestaltetem Umschlag - aber eben nicht. Beispiele dafür sind typischerweise immer wieder neu aufgelegte Klassiker von Dick:
  • Do Androids Dream of Electric Sheep? erscheint mit der ISBN 978-0-345-40447-3 beim US-amerikanische Verlag Ballantine unter dem Imprint Del Rey zwischen 1996 bis heute (2016 mit der letzten Ausgabe) in zwei (oder vielleicht sogar drei) verschiedenen Ausgaben
  • Ubik mit der ISBN 0-586-03716-0 erscheint von 1973 bis 1992 bei Panther, Granada und Grafton mit drei verschiedenen Covern
  • A Scanner Darkly mit der ISBN 978-0-586-04553-4 erscheint bei Granada (1978) und Grafton (1985) mit verschieden Covern
  • The Three Stigmata of Palmer Eldritch erscheint bei Gollancz unter der ISBN 978-0-575-07480-4 mit ähnlichen, aber doch deutlich unterscheidbaren Covern, zuerst 2003 noch unter der Nummer 52 der Masterworks Serie, danach nur noch als Masterworks, ohne diese Nummer - und ohne Angabe der Auflage
Sehr ärgerlich ist die Praxis dieser mehrfachen Vergabe, weil hier meist günstigere Taschenbücher betroffen sind, für die die Antiquariate keine eigenen Bilder einstellen. Und das angegebene Erscheinungsjahr, das die Ausgaben sonst unterscheiden würde, ist unzuverlässig, weil es entweder falsch im Impressum gelesen wird - oder dort von den Verlagen erst gar nicht angegeben ist. So ist es für den Sammler meist unmöglich die verschiedenen Varianten in den Angeboten zu unterscheiden. Hier ist man dann mehr auf die Bucht und ähnliche Plattformen angeboten, wo Amateure sorgfältig Fotos hinterlegen (die anderen bibliographischen Daten aber meiste falsch sind).
Neben solchen Misshelligkeiten gibt es auch harmlose Merkwürdigkeiten:
  • Die englische Ausgabe Do Androids Dram of Electric Sheep? von Paperview (2004) hat die ISBN 2-87427-097-0, die Ländernummer ist also "2" - für Frankreich! Das ist für ein in Grossbritannien erschienenes englischsprachiges Buch ungewöhnlich
  • We Can Remember It For You Wholesale erscheint, wie berichtet, in Spanien auf Englisch mit zyprischer ISBN: 9963-61731-X.
Im Ausland ist die Verwendung von ISBNs sonst sehr unterschiedlich. Einige Länder beginnen erst spät sie zu verwenden oder geben sie zumindest lange nicht an, in Russland dagegen ist die Verwendung sehr durchgängig, hier hat jedes Buch seine ISBN und es gibt keine Mehrfachverwendungen.
Seit 1. Januar 2007 ist die Angabe der neuen ISBN-13 Pflicht. Diese neuen ISBNs können als Prüfziffer kein X mehr haben, da die Prüfziffer anders berechnet wird.
Für einige Länder, u. a. Italien und Frankreich, wird schon der Präfix 979 benutzt, da die 978er Nummern ausgegangen sind. Im Umfeld von Dick ist davon (so weit ich weiss) nur ein Buch betroffen, nämlich der neue französische Comic Phil: Une vie de Philip K. Dick mit der ISBN 979-10-93111-19-3. Während die 13-stelligen 978er ISBN noch in die alten 10er ISBN umgerechnet werden konnten, ist das nun für 979er nicht mehr möglich. Wer also noch am alten Format festgehalten hat, ist jetzt gezwungen auch 13-stellige ISBNs zu verwalten.
Und was bedeutet das für den Sammler? Auspassen! ISBNs werden von Anbietern häufig ignoriert und falsch erfasst. Wenn man das weiss, sind sie natürlich eine nützliche Suchhilfe. Und wer schliesslich eine eigene ISBN kaufen möchte, die gibt es bei der ISBN-Agentur en detail schon für 70 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, aber en gros bedeutend billiger: 1000 Stück kosten nur 260 Euro.
Und wer keine ISBN möchte, kann sich auch darüber ein Buch kaufen: NO-ISBN: on self-publishing, es hat die ISBN 386335818X und ist 2015 erschienen:
Ein Buch über Bücher, die aus der Reihe fallen und sich dem internationalen System des Warenaustauschs entziehen. Ein Register, das 1.800 Veröffentlichungen auflistet, sie alle kursieren ohne ISBN-Index, sind auf Papier gedruckt und jüngeren Datums. Ein Verzeichnis von Mikro- und Fanzinemessen aus vier Kontinenten, ein Abriss der Mediengeschichte, Manifeste der zeitgenössischen Avantgarden.
Mehr zu Lesen über ISBNs gibt es im Netz, eine kurze Geschichte der ISBNs, zum ISBN-Standard und bei Wikipedia.

Samstag, 2. Februar 2019

Ein Neuer Stern für PKD

Ein NEUER STERN für Philip K. Dick
Ein NEUER STERN für Philip K. Dick - ein Rundbrief
an die Freunde des ASFC Halle
Kurz vor Weihnachten, fast noch pünktlich zum 90. Geburtstag von Philip K. Dick, erreichte mich von einem Leser dieses Blogs der Hinweis auf ein Fanzine, dessen aktuelle Ausgabe Dick zu seinem Ehrentag würdigt. Der NEUE STERN scheint schon in der 45. Nummer, der Titel ist also nicht ursächlich passend zur Weihnachtszeit gewählt, sondern ein etwa monatlicher, informeller Rundbrief des ANDROMEDA Science Fiction Clubs Halle (ASFC), komponiert von Thomas Hofmann. Er hat auch das mehr als semi-professionelle Cover beigesteuert (und vermutlich die graphischen Innengestaltung). Formal erinnert auch bei diesem Heft nichts mehr an die hektographierten Fanzines früherer Tage. Hofmann hat auch in anderen Magazinen der Szene seine Zeichnungen beigesteuert, die in der Sammlung zu finden sind, Alien Contact, Exodus und anderen.
Und auch inhaltlich finden wir einige Perlen. Dieser Mann ist leider tot ist - in ihrer Kürze - eine gute Einführung zu Dick und seinem Werk - und wie praktisch jeder Text über Dick lässt sich Person und Werk nicht trennen, seine Lebensumstände - fünf Frauen, wenig Geld - müssen genannt werden, um sein Werk in den richtigen Rahmen zu stellen. Die Suche nach Philip K. Dick und andere Annäherungen ist eine der wenigen Betrachtungen der (hier überwiegend englischsprachigen) Sekundärliteratur und die üblichen, weil wichtigen, Verdächtigen werden genannt: Apel und Butler, aber auch - Filmen wird hier ein grosser Raum eingeräumt - Vest und Sammon und die Biographie von Anne R. Dick, die hier im Blog auch schon aufgetaucht ist. Hier hat jemand wirklich umfassend gelesen. Und der bibliographische Hinweis erfreut den Sammler. Der spezielle Stil dieses Essays (wenn es denn das ist) macht Spass.
Den Anspruch steigern tut Die Tragödie der elektrischen Ameisen - Künstliche Menschen bei Mary Shelley und Philip K. Dick. Shelleys Frankenstein wird häufig als der bahnbrechende erste Science Fiction Roman genannt und ihr Werk wird daher oft in der Sekundärliteratur diskutiert, Frankenstein und Dicks Androiden nebeneinanderzustellen mir aber neu und sehr gelungen.
Aus der Nebelwelt betrachtet die fragmentarische Fortsetzung des Orakels vom Berge, ein Roman der derzeit viel diskutiert wird, zu dem es aber noch viel mehr zu sagen gebe - auch zur Fortsetzung. Auf Philip K. Dick: Zeit ohne Grenzen, eine Betrachtung des Romans folgt schliesslich eine Betrachtung von Comic über Dicks und sein Werk, Bilder zu Dick.
Anne R. Dicks Search for Philip K. Dick - 1928-1982 in der Erstausgabe und
Philip K. Dick von D. Scott Apel in einem aktuellen Nachdruck - zwei der
besprochenen Werke im Artikel zur Sekundärliteratur von Christian Hoffmann
Diesen 31 Seiten exklusiv zu Dick folgt eher Club-internes, es ist aber immer schön die Menschen hinter den Heften, Webseiten, Cons und den vielen Aktivitäten der Clubs zu sehen.
Es ist schon viel zu Dick gesagt, das macht es schwierig einen neuen Aspekt zu finden, dem NEUEN STERN gelingt das gut. Es gibt noch viel Neues über Dick zu schreiben (oder Vergessenes zurückzuholen), Fanzines waren in der Vergangenheit immer mit dabei.
Für den Sammler ist es schön, dass dieses Fanzine gedruckt erscheint. Für die Sammlung sind die Beiträge eine grosse Bereicherung. Für den Empfänger dieses Rundbriefes ist die Freude gross darüber eine neue Ausgabe im Briefkasten zu haben und das haptische Erlebnis. Der Fan sorgt sich ein wenig darum, dass diese Papierausgaben erhalten bleiben oder letztlich doch auch elektronisch verfügbar gemacht werden - die Chance auf ein ewiges Leben würde sich so vergrössern. Das Problem des Erhalts von Fanzines, gerade der frühen Jahre, ist aber natürlich viel grösser. Aber das wäre wohl ein eigener Blog.
Zum Schluss ein Web-Tipp in eigener Sache: Dieser Blog ist nun, mit dem Dahinscheiden von Google+, auch mit einer eigenen Seite bei Facebook vertreten.