Philip K. Dicks Beiträge zum Thema
Weihnachten sind durchaus begrenzt. Aber Dicks Protagonist ist oft genug der sprichwörtliche
sales man, der den viel gescholtene Kommerz der Weihnachtszeit herbeisehnt. Etwas ausführlicher passiert das so in
Mary und der Riese, Edition Phantasia (2010) und ebenso ganz typisch in
Kriegsspiel, immerhin sechs mal im Deutschen erschienen.
Kriegsspiel ist 1959 im Original als
War Game passenderweise in der Dezember-Ausgabe von
Galaxy erschienen. Es geht um
ganymedisches Spielzeug, das Weihnachten verkauft wird und einen verborgenen gefährlichen didaktischen Ansatz mitbringt.
Einen deutlich kommerz-kritischen Blick finden wir in
Der Bunker, eine der im Deutschen am meisten publizierten Kurzgeschichten, im Original
Foster, You're Dead (1955). Der Vater sieht sich dort dem existenzbedrohenden Druck seines Sohnes ausgesetzt, der Familie zu Weihnachten den neuesten Bunker zu kaufen. Diese Geschichte schafft es dann sogar in der Mitte des Kalten Krieges in eine sowjetische Zeitschrift, mehr dazu
später in diesem Blog.
Alles in allem kein besonders positiver Blick auf das Fest.
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Ausnahmsweise einige verlagsneue Bücher:
Die beiden fehlenden Bände der Library of America, herausgegeben von Jonathan
Lethem: VALIS and Later Novels und
Five Novels of the 1960s & 70s und Science Fiction Stories von MacMillan (unten) |
Persönlich hat sich Dick zumindest einmal direkt über Weihnachten und den Einfluss auf sein Werk geäussert. Es geht um die Geschichte
Zur Zeit der Perky Pat über die Dick in den Anmerkungen schreibt, dass sie von seinen (eigentlich wohl denen seiner damaligen Frau Anne) Töchtern, die mit ihren Barbie-Puppen, den Weihnachtsgeschenken des Jahres 1963, spielen, inspiriert ist; man kann das in den Nach- und Hinweisen in
Zur Zeit der Perky Pat von Haffmans (1994) und Zweitausendeins (2008) nachlesen. Und natürlich basiert
Die drei Stigmata des Palmer Eldritch auf
Perky Pat. Eine populärkulturelle Erwähnung findet Perky Pat dann übrigens auch in der insgesamt sehr Dick-lastigen Lego-Simpsons-Folge
Auf dänische Steine können sie bauen (Staffel 25, Folge 20), wo es
Perky-Patty-Spielzeug gibt. Im Comicshop liegen da auch verschiedene Bücher von Philip K.
Brick und
es gibt verschiedene andere Referenzen. Und da auch dieses Weihnachten wieder Barbie-Puppen unter dem Baum gelegen haben, sollte man vielleicht noch die bisher nur in den USA erhältliche
Hello Barbie erwähnen, die im Kinderzimmer die Kleinen unterhalten soll und dabei alles was sie hört an den Hersteller überträgt. Das hätte sich auch Dick ausdenken können.
Wenn man sehr tief gräbt, wirklich sehr tief, dann findet man aber doch noch eine echte Weihnachtsgeschichte von Dick. Die
Berkeley Gazette veröffentlichte im
Young Authors' Club Gedichte und Geschichten von (sehr)
jungen Autoren und Dick schaffte dort 16 Veröffentlichungen in der Zeit von 1942 bis 1944. Sein Beitrag zum
Christmas Contest 1943 wurde am 4. Januar 1944 unter dem Titel
Santa's Return mit
five credits belohnt, ein Punktesystem mit dem die Redakteurin
Aunt Flo ihre jungen Autoren motivierte. Dicks düstere Weihnachtsgeschichte endet damit, dass der Weihnachtsmann die vom Krieg zerstörte Welt, die ihn vergessen hat, für immer verlässt. Abgedruckt ist sie noch einmal im Anhang von Gregg Rickmans Biographie
To the High Castle: Philip K. Dick: A Life 1928-1962, Fragments West/The Valentine Press (1989).