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Samstag, 13. Juni 2026

Precious Artifacts 5 ist da!

Es ist schon etwas her: Beim Philip K. Dick Festival 2024 in Fort Morgan konnte ich David Hyde und Henri Wintz treffen. David war der Organisator der (drei+) Festivals in Colorado und ist zusammen mit Henri Verleger von Wide Books, einem Verlag, der sich auf Bücher über Philip K. Dick spezialisiert hat. Fast alle davon befinden sich auch in der Sammlung. Insbesondere die Reihe der internationalen Bibliographien Precious Artifacts hat viel Beachtung in der Szene gefunden, auf dem Festival wurde der vierte Band zu Italien vorgestellt. Ich habe begeistert angeboten (und mich vielleicht etwas aufgedrängt), an einem Band über Deutschland mitzuarbeiten: meine Sammlung ist (ziemlich) komplett und auch sonst weiss ich das eine oder das andere zum Thema.
Ende des Jahres (2024) habe ich dann das erste Manuskript bekommen – viel Richtiges und Gutes war schon gesammelt, aber es gab noch einiges zu tun. Bis zum nächsten Festival in Fullerton, 2026, sollte es fertig werden, viel Zeit eigentlich.
Die Zeit ist schnell vergangen, jetzt kann man erst mal sagen – es ist fertig: Precious Artifact 5 - Unbezahlbare Artefakte - Eine Bibliographie zu Philip K. Dick.
Das Cover von Precious Artifacts 5 mit dem Gesicht von Philip K. Dick
Unbezahlbare Artefakte - eine Bibliographie zu Philip K. Dick

Samstag, 19. April 2025

Ein ausgesprochen guter Griff

Zu den frühesten Spuren, die Philip K. Dick jenseits seiner Publikationen – die erste  in Deutschland 1958 – hinterlassen hat, gehören Rezensionen in Fanzines. In meinem - bestimmt unvollständigem – Katalog ist die früheste Rezension von 1962. Erschienen ist sie im weiss-waligen Fanzine Anabis 3, geschrieben von Manfred Alex zum englischen Original The Man Who Japed.
Dokumentiert findet sich das in der Bibliographie deutschsprachiger SF-Stories, einer wichtigen Quelle für dererlei Recherche. Rezensiert wurde der Roman offenbar in der Erstausgabe von Ace von 1956 – ein Ace Double mit E. C. Tubbs The Space-Born. Nun ja: einer von Dicks schwächeren Romanen (aber immer noch besser als Schachfigur im Zeitspiel!) wird als mutmasslich erster in Deutschland untersucht. Immerhin hat Dick bei Ace ein hübsches Umschlagbild von Ed Emshwiller bekommen. Die deutsche Übersetzung ist erst 1981 bei Moewig erschienen und ein Single geblieben: weitere deutsche Ausgaben gab es nicht.
Da diese frühe Ausgabe von Anabis in der Sammlung fehlt, wissen wir nicht, was Alex zu sagen hatte; interessant wäre es (und wir liefern es hier nach, wenn die Rezension die Sammlung doch noch, in welcher Form auch immer, erreicht: Hinweise der Leser sind ausdrücklich erbeten!).
Ein schönes Fanzine
Munich Round Up Nr. 73 vom November 1964
(das Bild wurde leicht digital retouchiert)

Samstag, 4. November 2023

Helmut Wenske

Zwei Ausgaben von Insel und eine von Heyne
Drogen, Rock'n Roll, psychedelische Bilder … es geht hier nicht um Philip K. Dick, sondern um Helmut Wenske – und natürlich doch um Philip K. Dick. Wenskes Verbindung zu Dick ist offensichtlich, er hat für einige seiner Bücher das Umschlagbild geliefert. Wenske hat seinerzeit viel für die Science Fiction gestaltet, der Lektor Werner Berthel hat ihn für Franz Rottensteiners Reihe Phantastische Wirklichkeit bei Insel entdeckt: Alle 15 Umschlagbilder der Reihe sind von ihm, so auch für die beiden Bände von Dick. Bethel hat Wenske wohl auch den ersten Roman von Dick gegeben, den „Drogenroman“ LSD-Astronauten.
Interessiert hat sich Wenske für Science Fiction allerdings nicht besonders, ihm waren andere Arten, die Realitäten zu erkunden, lieber. Eine Ausnahme war Philip K. Dick: In Rock'n Roll Junkie schreibt er:

Samstag, 11. Februar 2023

Welches Motto?

In der kleinen Serie über Philip K. Dicks Äusserungen zu seinen deutschen Ausgaben kommen wir hier zu den drei Stigmata des Palmer Eldritch bzw. den LSD-Astronauten. Schon dieser (erste) deutsche Titel des Buches gefielt dem Autoren nicht. Im Interview sagt er:
Anton & Fuchs: In Germany the book was titled LSD-ASTRONAUTEN.
Dick:                  I know, Franz Rottensteiner did that.
Anton & Fuchs: He knows nothing about your acid. Franz Rottensteiner is a real nice guy.
Dick spricht hier mit Uwe Anton und Werner Fuchs in Metz, wo sie ihn 1977 im Laufe von drei Tage befragen. Natürlich beklagt er sich (ein bisschen) über seinen deutschen Verleger. Und er bestreitet hier auch, psychedelische Drogen genommen zu haben.
Rottensteiner mag den Titel gewählt haben, weil das Thema – Drogen und speziell LSD – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in der (deutschen) Öffentlichkeit wohl „akut“ gewesen ist (und ein Verleger muss auch ans Verkaufen denken) und weniger, weil zu dem Zeitpunkt Dicks Ruf entsprechend war. Und schliesslich mag Rottensteiner von Helmut Wenskes (wie ich finde: grandiosen) Umschlagbild überwältigt worden sein, das besser zu einem Titel LSD-Astronauten passt als zum werktreuen, aber doch etwas sperrigen Die drei Stigmata des Palmer Eldritch.
Diverse Ausgabe von "The Three Stigmata of Palmer Eldritch" in Deutsch und Englisch
The Three Stigmata of Palmer Eldritch auf Deutsch, jeweil als Erstauflage: Insel (1971), Suhrkamp (1980), Heyne (2002) und Fischer (2014)

Samstag, 8. Dezember 2018

Nackt und ausgezogen

Der Titel dieses Blogeintrags ist natürlich der verzweifelte Versuch, Leser anzulocken oder wenigstens einen Click zu kriegen, denn sex sells bekanntlich. Obwohl ich schon länger mit dem Gedanken für einen Blogeintrag über pikante Umschlagbilder liebäugele, geht es dieses mal um weniger Frivoles. Es geht darum, was die beiden Bücher des Insel Verlags von Philip K. Dick unter ihren Schutzumschlägen tragen.
Zwei unterschiedliche Einbände von Dicks Mozart für Marsianer bei Insel
Mozart für Marsianer in der Reihe Phantastische Wirklichkeit im Insel
Verlag (1973) im schwarzem und im lila Pappband; der Schutzumschlag,
gestaltet von Helmut Wenske, und der Buchblock sind gleich
Ausgelöst hat diesen Beitrag ein Kommentar zum Blogeintrag Insel und Suhrkamp. Dort wurde ich von einem Leser dieses Blogs darauf aufmerksam gemacht, dass es bei den Insel-Ausgaben der Reihe Phantastische Wirklichkeit offenbar unterschiedliche Einbände gibt. Häufiger sind wohl die lila Pappbände, die der eigentümlich lilanen Typographie der Reihe folgen. Die beiden Ausgaben von Dick zumindest gibt es auch mit schwarzem Pappband, wie sie für die von Insel gleichzeitig herausgegebene Reihe Bibliothek des Hauses Usher verwendet werden, hier mehr zu dieser Reihe bei Wikipedia. Die Schrift auf dem Buchrücken nennt Titel und Autor, sie ist bei der schwarzen Ausgabe in weiss, bei der lila Ausgabe in Silber. Die beiden Ausgaben unterscheiden sich sonst in nichts. Zumindest bei einigen weiteren Bänden der Reihe Phantastische Wirklichkeit werden Ausgaben sowohl im lila als auch im schwarzen Pappband angeboten, in Pallas oder die Heimsuchung von Edward de Capoulet-Junac etwa oder Herren im All vom Cordwainer Smith.

Samstag, 19. August 2017

Einhörner und weisse Wale

Ein Einhorn ohne Bezug zum Sammeln
Dieses Einhorn ist weder selten noch teuer und hat nichts mit Philip K. Dick zu tun
In jeder Sammlung und zu jedem Sammelgebiet gibt es seltene, seltenere und praktisch unfindbare Ausgaben, die weissen Wale, die den Sammler zu immer neuen Fahrten in die Weiten des Internets rufen und deren Ruf er nicht widerstehen kann. Ähnlich wirken die Einhörner, solche Objekte, deren Existenz nicht einmal gesichert ist, auf die es nur unklare und unzuverlässige Hinweise gibt. Manches Einhorn erweist sich im Laufe der Zeit als Phantom, etwas, dass es sicher gar nicht gibt. Oder es kann seine Existenz belegen und wird dann zum weissen Wal.
Bei den englischen Originalausgaben findet man viele dieser seltenen und/oder teuren Exemplare – tatsächlich sind übrigens die meisten der wirklich teuren Exemplare eben nicht selten, sondern leicht zu finden, so bei Philip K. Dick die meisten Hardcover Erstausgaben oder die zahlreichen Sammlerausgaben.

Samstag, 3. Juni 2017

Dick, Lem und Rottensteiner: Ubik

Wer sich im deutschen Sprachraum mit Philip K. Dick beschäftigt – oder überhaupt irgendwie mit Science Fiction – dem wird auch Franz Rottensteiner begegnen. Für mich verbindet sich der Name Rottensteiner mit dem Suhrkamp Verlag, wo er von 1980 bis 1998 die bekannte lila Taschenbuchreihe Die Phantastische Bibliothek betreute, in der 1977 auch erstmals Dicks Meisterstück Ubik auf Deutsch erschienen ist. LSD-Astronauten (1971) und Mozart für Marsianer (1973) waren vorher von Rottensteiner bereits in der Reihe Science Fiction der Welt bei Insel publiziert worden.
Der Widerstand der Materie. Ausgewählte Briefe, erschienen bei Parthas (2008), enthält
neben anderen auch einige Briefe von Stanislaw Lem an Philip K. Dick

Samstag, 13. August 2016

Wunder-bar

Manchmal gibt es es noch Wunder. Kleine Wunder vielleicht, aber für den Sammler, der viele Jahre danach gesucht hat, sehr schöne Wunder.
Es gibt einen sehr frühen Aufsatz von Philip K. Dick, der im Original Nazism and the High Castle heisst und erstmalig im Jahre 1964 in der Ausgabe 9 des amerikanischen Fanzines Niekas erschienen ist. Dick setzt sich hier mit dem Thema Nazismus auseinander, ausgelöst offenbar durch eine Diskussion um seinen Roman Das Orakel vom Berge, der im Original 1962 erschienen war. Niekas hat auch noch einige andere Texte von Dick veröffentlicht, ist aber nur sehr schwer zu finden – und zu bezahlen.
Mutant 9, ein Fanzine von 1966 mit dem Essay Nazismus von Philip K. Dick

Samstag, 16. Mai 2015

Suhrkamp und Insel

Nach dem Goldmann Verlag war der Insel Verlag der nächste grössere Verlag, der Dick in Deutschland herausgebracht hat. Dies war sicher das Verdienst von Franz Rottensteiner, der von 1971 bis 1975 in der Insel-Reihe Phantastische Wirklichkeit  Science Fiction der Welt ausser Dick noch viele andere grosse Autoren herausgebracht hat, so auch Stanislaw Lem. Franz Rottensteiner hat dann für Insel auch gleich zwei der grossen Romane von Dick ausgewählt: Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch und Marsianischer Zeitsturz. Bei Insel hiessen diese aber, in der deutschen Erstausgabe, LSD-Astronauten und Mozart für Marsianer. Wenn man Mozart auch akzeptieren kann, schliesslich spielt eine Aufnahme von Mozart im Buch eine Rolle, so ist LSD-Astronauten schwer zu verschmerzen. Heyne hat daher auch später den eng am englischen Original angelehnten Titel Die drei Stigmata des Palmer Eldritch gewählt und damit sicher besser gelegen.
Mozart für Marsianer (1973) und LSD-Astronauten (1971)
Mozart für Marsianer von 1973 und LSD-Astronauten von 1971 als Hardcover Ausgaben im Insel Verlag