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Samstag, 4. Mai 2024

Infiltration

»Was macht man so als Sammler?« – eine Frage, die sich praktisch niemand stellt, die dieser Blog aber immer wieder zu beantworten versucht. Sammeln ist ja erst am Schluss der Erwerb – und dieser letzte Schritt ist oft der langweiligste, auch wenn das Eintreffen lange gesuchter Exemplare grosse Freude bringt. Aber im Zeitalter digitaler Antiquariate kriegt man fast immer fast alles, begrenzt nur durch das eigene Budget, spannend ist da nur die Suche nach dem guten Angebot. Viel interessanter aber ist oft die Jagd nach bisher Unbekanntem.
Schwermetall #71, Alpha Comics (1985)
In dem sozialen Medium für alte Mensch, auf dem dieser Tage der meiste Austausch zu Philip K. Dick stattzufinden scheint, wurde in einem abgelegenen Winkel neulich ein Heftchen von 16 Seiten im DIN A5 Format vorgestellt, mit dem Titel Le Retour des explorateurs. Es handelt sich um Philip K. Dicks Kurzgeschichte Explorers we von 1959 in der französischen Übersetzung von Pierre Billon. Ein ungewöhnliches Format und die Behauptung, dass das Heft für das 2eme Festival International de la SF de Metz im September (19.–25.) 1977 gefertigt sei, erregt Neugier: Dick war ja selbst in Metz! Ist diese Ausgabe wirklich wegen seinem Besuch erschienen?

Samstag, 15. Mai 2021

Blade Runner 2019 oder Was hat das mit Beuys zu tun?

Wenn man jemanden erklären muss, wer Philip K. Dick ist, dann sagt man, wenn man es sich selbst und seinem Gesprächspartner nicht schwer machen will, „das ist der Autor von Blade Runner“. Das stimmt natürlich nur halb, aber es erfüllt seinen Zweck.
Der Status von Blade Runner hat Ridley Scotts Film, der 1982 in die Kinos kam, lange davor bewahrt, fortgesetzt zu werden. Erst 2017 ging es mit Blade Runner 2049 von Regisseur Denis Villeneuve weiter – und das war durchaus gelungen, wie ich fand, wenn auch wieder wenig erfolgreich. Dieses Mal wollte man aber das Franchise entwickeln und zumindest die Comics dazu (wenn auch nicht die angedachten weiteren Fortsetzungen, Serien usw.) haben es in die Realität geschafft.
Panini Comics - Blade Runner 2019
Die ersten beiden deutschen Ausgaben von Blade Runner 2019
Die ersten zwei deutschen Ausgaben heissen Los Angeles und Off-World  Jenseits der Erde, der dritte Band mit dem Titel Wieder zu Hause ist bei Panini Comics noch nicht angekündigt (Update: angekündigt für den 28.09.2021). Eine französische und italienische Übersetzung im gleichen Format sind ebenfalls herausgekommen.

Samstag, 1. August 2020

Die Clans des Alpha-Mondes

Philip K. Dick: "Die Clans des Alpha-Mondes", Fischer (2020)
Die neue Ausgabe von Die Clans des Alpha-Mondes
Fischer hat es tatsächlich getan! Nach der deutschen Erstausgabe von Joe von der Milchstrasse im Jahre 1974 und der Neuübersetzung des Blade Runner von 2017, ist der Verlag wieder ein bisschen kreativ geworden und hat mehr getan, als einen Band der Werkedition von Heyne (beschnitten) herauszubringen.
Die Clans des Alpha-Mondes [Clans of the Alphane Moon] war zwar in der Werkedition unter dem Titel Auf dem Alphamond geplant und sie findet sich auch immer noch in den Katalogen der einschlägigen Anbieter, aber mittlerweile als nicht lieferbar, denn ist dort nie erschienen. Nun kommen die Clans doch noch in einer dritten deutschen Ausgabe heraus.
Hierzulande ist die Erstausgabe des Romans als Kleiner Mond für Psychopathen bei Bastei (1979) erschienen, übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bei Fischer ist das Buch jetzt in der Ausgabe und unter dem Titel von Ullstein in der Übersetzung von Ronald M. Hahn von 1988 erschienen. Das ist schon lange her, es wurde also Zeit für eine Neuausgabe!
Erscheinungsdatum bei Fischer war laut Katalog offiziell der 29.07.2020, im Impressum steht also August 2020. Ich konnte das Buch aber bei einer grossen Kette schon am 25. im Regal finden, mein lokaler Buchladen hat es pünktlich am 29. gehabt.

Samstag, 17. November 2018

Noch mehr Festival ...

Nach dem etwas allgemeineren Eintrag in der vergangenen Woche, möchte ich nun eine Auswahl der in diesem Jahr auf dem Annual Philp K. Dick Film Festival in Köln gezeigten Filme etwas genauer vorstellen und einige persönliche Eindrücke schildern.
Imagination, Februar 1953
Die einzige Verfilmung einer Kurzgeschichte von Dick selbst ist The Pipers des Regisseur Ammar Quteineh aus dem Jahr 2013. Qutheineh hat das Drehbuch nach einer der frühen Kurzgeschichten aus den Jahr 1953 geschrieben, Piper in the Woodsdie (zumindest in den USA) zu den rund 30 Kurzgeschichten zählt, die wohl gemeinfrei sind und die man daher hier legal nachlesen darf. Man darf annehmen, dass diese Kurzgeschichte auch deshalb gewählt wurde, weil sie nicht vom Trust lizensiert werden musste (und man darf weiter spekulieren, dass das für eine Produktion, die man wohl nicht uneingeschränkt als grosses Hollywoodkino bezeichnen würde, schwierig geworden wäre). Die Erstveröffentlichung der Geschichte war in der Februar-Ausgabe von Imagination, auf Deutsch Pfeifer im Wald, das in Deutschland nur im Rahmen der Sämtlichen Erzählungen bei Haffmans bzw. Zweitausendeins in Und jenseits  das Wobb veröffentlicht ist.
Bemerkenswert ist, dass der Film sich recht nah an die Kurzgeschichte von Dick hält. Naturgemäss ist diese Verfilmung von anderer Art als die Spielfilme Blade Runner und Minority Report, der nicht vorhandene Hochglanz passt aber, wie ich finde, unmittelbar zu Dick. Sehr sehenswert.

Samstag, 27. Februar 2016

Californium

Frankreich liebt Philip K. Dick. In Frankreich sind etwa doppelt so viele Ausgaben von Dick erschienen wie in Deutschland, mehr sind nur in Italien erschienen – und natürlich den USA. Die erste Übersetzung eines Romans von Dick erschien jedoch 1958 in Deutschland, Frankreich folgte erst 1959. Bekannt ist auch Dicks Auftritt in Metz, den man sich teilweise bei YouTube ansehen kann, sein einziger Besuch in Europa. Auf jeden Fall kann es nicht wundern, wenn sich im März der deutsch-(aber mehr) französische Fernsehsender arte Dick in einem bimedialen Projekt annimmt.
Der Arbeitsplatz von Elving Green, dem Protagonisten von Californium. Hier beginnt das Spiel...

Samstag, 8. August 2015

Comics

Das Buch zum Film "A Scanner Darkly"
A Scanner Darkly: Alles wird nicht gut – das Buch zum Film
Von den verschiedenen Comic-Adaptionen von Texten von und über Philip K. Dick sind nur wenige im Deutschen angekommen.
Unvermeidlich und nicht zu übersehen ist da natürlich das Buch-zum-Film von Richard Linklater A Scanner Darkly: Alles wird nicht gut, 2007 bei Schirmer/Mosel erschienen. Der Romans heisst auf Deutsch Der dunkle Schirm, der Film lief aber auch in Deutschland unter dem englischen Titel A Scanner Darkly. Diese Romanverfilmung war kein grosser Erfolg, der Vermarktung wird das also wohl wenig geholfen haben.
Bemerkenswert, weil verwirrend: Das Umschlagbild zeigt die blonde Donna, die amerikanische Ausgabe aber einen grösseren Bildausschnitt mit vier Protagonisten - und dieses Umschlagbild findet sich auch in einer deutschen Variante bei verschiedenen Anbietern. Es gibt aber keine deutschen Exemplare mit diesem Cover, es gibt nur die hier gezeigte Ausgabe mit Donna. Ein solches Geistercover gibt es ja gelegentlich, vom englischen Verlag Gollancz sind wir das gewöhnt; im Deutschen ist das ungewöhnlich und daher besonders irreführend.
Es gibt anderen Film-Adaptionen, die es nicht ins Deutsche geschafft haben: Blade Runner von Archie Goodwin (Text) bei Marvel (1982) und Total Recall von Maggin und Lyle bei DC Comics (1990). Total Recall von Moore und Razek bei Dynamite (2012) ist übrigens eine Fortsetzung des Films vom 1990, keine Film-Adaption – und ebenfalls nicht auf Deutsch erhältlich.

Samstag, 1. August 2015

Androidenträume

Die Verfilmung von Do Androids Dream of Electric Sheep?, im Englischen oft mit dem Akronym DADoES abgekürzt, war sicher in vieler Hinsicht ein Durchbruch für Philip K. Dick: und wenigstens den Anfang davon konnte er noch erleben.
1981 sieht er die Rohfassung des Blade Runner als Privatvorführung und ist begeistert: Verschiedene Äusserungen zeugen davon (u. a. ein Brief an Jeff Walker, einen Verantwortlichen der Produktionsfirma, der sich vielerorts im Netz findet, u. a. bei den Philip K. Dick-Fans). Dick schreibt an anderer Stelle, dass er seinem Verlag sein eigenes Exemplar der Erstausgabe von DADoES schicken musste, damit es neu aufgelegt werden kann und der Verlag wohl anders nicht mehr an den Text gekommen ist (offenbar ist die Doubleday Erstausgabe gemeint).
Neu schreiben (lassen), quasi als Buch zum Film, wollte er DADoES übrigens nicht, Dick hat damit wohl viel Geld ausgeschlagen (verschiedene Summen werden genannt). Er hat aber das Erscheinen unter dem Kino-Titel, Blade Runner, erlaubt. Und im Buch wurde in den folgenden englischen Ausgaben das Jahr der Handlung aktualisiert, von 1992 (da erschien 1982 zu nah) auf (das weit entfernte) 2021; in die deutschen Übersetzungen fand diese Änderung keinen Eingang.
Deutsche Erstausgabe von Blade Runner unter dem Originaltitel
Die deutsche Erstausgabe von Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick aus dem Jahr 1969, erschienen beim Marion von Schröder Verlag, mit englischer Broschur, heutzutage mit meist zerbröselnder Umschlagfolierung