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Samstag, 6. August 2022

Die amtliche Biographie

Die unbestrittene Standardbiographie zu Philip K. Dick ist Lawrence Sutins Divine Invasions: A Life of Philip K. Dick. Dieses Buch ist 1989 in den USA beim Verlag Harmony Books herausgekommen und dann in fünf weiteren englischsprachigen Ausgaben, u. a. auch in Grossbritannien bei Gollancz erschienen.
Die Biographie ist das erste von Sutin veröffentlichte Buch. Es folgen 1991 In Pursuit of Valis: Selections from the Exegesis mit Auszügen aus Dicks Aufzeichnungen, der Exegesis, die erstmalig einen Teil dieses faszinierende, aber doch schwierigen Material zugänglich machen. 1996 gibt Suntin The Shifting Realities of Philip K. Dick: Selected Literary and Philosophical Writings heraus, in dem kürzere Texte und Essays verschiedener Art gesammelt sind. Sutin schafft mit diesen drei Büchern eine Basis für Interessierte, Fans und Wissenschaftler von enormen Wert. Ausserhalb dieser Werke gibt es von ihm noch einige kürzere Texte zu Dick.
Lawren Sutins Divine Invasions in Deutsch und im zerlesenen Original

Samstag, 6. April 2019

Was kostet ein Elefant?

In diesem Blog habe ich bisher den Elefanten, der im Zimmer direkt neben unserer Sammlung steht, weitestgehend vermieden: Die Preise und das Geld. In den Zeiten des Internets ist das Sammeln viel mehr als vorher eine Sache des Geldes, da man fast alles sofort kaufen kann.
Früher musste man über alles froh sein, dass man bei der mühsamen Suche in Antiquariaten und gedruckten Katalogen finden konnte. Man hat die Werbung in Zeitschriften und Büchern auswerten müssen und Postkarten verschickt, teilweise quasi blanko bestellt und dann mal geguckt, was man bekommen hat. Heute findet man bei den gängigen Plattformen eben fast alles. Einerseits ist das gut, weil bequem. Andererseits wird das Sammeln dadurch auch viel weniger spannend. Für den grössten Teil der Sammlung heisst es also nicht mehr, ob man etwas bekommt, sondern nur noch günstige Preise zu bekommen.
Das Mädchen mit den dunklen Haaren von 1994, eine der wenigen seltenen und teuren deutschen
Ausgaben von Philip K. Dick, die man nicht sofort kaufen kann  hier im Bild, weil es so schön ist

Samstag, 9. März 2019

Aus der Asche

Ubik in der Ausgabe von Phoenix (2012)
Erst kürzlich ist mir an einer britischen Ausgabe von Philip K. Dicks Ubik ein Detail aufgefallen, das nur einen Sammler interessieren kann. Der Leser, den das interessiert, muss befürchten, dass in ihm – mehr oder weniger tief – ein Sammler steckt.
Es geht um eine Ausgabe von Phoenix von 2012, ISBN 978-1-78022-037-6. Phoenix ist ein Imprint, also eine Marke, die wie ein eigenständiger Verlag behandelt wird, tatsächlich aber (wie auch Gollancz) zur Orion Verlagsgruppe gehört.
Erwähnenswert, aber noch nicht besonders auffällig an dieser Ausgabe ist, dass sie – für ein relativ neues Taschenbuch – meist nur relativ teuer angeboten wird. Gelegentlich findet sich aber auch ein günstiges Angebot, vermutlich weil der Anbieter dem Buch seinen (vermeintlichen?) Wert nicht ansieht. Vielleicht ist diese Ausgabe ein Beispiel für ein heimlich wertvolles Exemplar.

Samstag, 18. August 2018

Easton

Manchmal führt der längere Weg schneller zum Ziel. Bei der Suche nach skandinavischen Ausgaben, Norwegen ist noch eine markante Lücke in der Sammlung, bin ich über eine sehr – wirklich sehr! – günstige Easton-Ausgabe gestolpert, der ich dann, wie sollte es anders sein, nicht widerstehen konnte.
Das Kaufen im Ausland ist unterschiedlich schwierig. Für Skandinavien ist Antikvariat.net eine seriöse Adresse mit einem grossen Angebot, der man seine Kreditkarten anvertrauen mag. Dort habe ich, bei einem norwegischen Antiquariat, die erste Auflage Easton-Ausgabe von The Man in the High Castle zu einem wirklich guten Preis gefunden, eher zufällig – ich war eigentlich auf der Suche nach einer norwegischen Ausgabe des Buchs. Man muss wissen, dass die Easton-Ausgaben nicht billig sind. Easton Press bietet Luxusausgaben von populären Büchern an, typisch ist der Ledereinband und der 22-karätig vergoldete Schnitt.
"The Man in the High Castle" mit Collector's Notes
Philip K. Dick: The Man in the High Castle, Easton Press (1988) in braun mit Collector's Notes

Samstag, 19. August 2017

Einhörner und weisse Wale

Ein Einhorn ohne Bezug zum Sammeln
Dieses Einhorn ist weder selten noch teuer und hat nichts mit Philip K. Dick zu tun
In jeder Sammlung und zu jedem Sammelgebiet gibt es seltene, seltenere und praktisch unfindbare Ausgaben, die weissen Wale, die den Sammler zu immer neuen Fahrten in die Weiten des Internets rufen und deren Ruf er nicht widerstehen kann. Ähnlich wirken die Einhörner, solche Objekte, deren Existenz nicht einmal gesichert ist, auf die es nur unklare und unzuverlässige Hinweise gibt. Manches Einhorn erweist sich im Laufe der Zeit als Phantom, etwas, dass es sicher gar nicht gibt. Oder es kann seine Existenz belegen und wird dann zum weissen Wal.
Bei den englischen Originalausgaben findet man viele dieser seltenen und/oder teuren Exemplare – tatsächlich sind übrigens die meisten der wirklich teuren Exemplare eben nicht selten, sondern leicht zu finden, so bei Philip K. Dick die meisten Hardcover Erstausgaben oder die zahlreichen Sammlerausgaben.

Samstag, 1. April 2017

Singles

Nachdem Fischer in diesem Jahr die neunte und zehnte Ausgabe von Das Orakel vom Berge herausgebracht hat – und dieser Blog das auch ausführlich gewürdigt hat: auch zweimal – soll nun ein Blick in die entgegengesetzte Richtung folgen.
Von Dicks 36 Science Fiction-Romanen sind zehn in nur einer deutschen Ausgabe erschienen:
  • Der Gott des Zorns, Bastei Lübbe (1977)
  • Das Globus-Spiel, Goldmann (1978)
  • Das Labyrinth der Ratten, Goldmann (1979)
  • Der heimliche Rebell, Moewig (1981)
  • Das Jahr der Krisen, Moewig (1982)
  • Schachfigur im Zeitspiel, Moewig (1983)
  • Der unteleportierte Mann, Moewig (1984)
  • Kosmische Puppen und andere Lebensformen, Heyne (1986)
  • Radio freies Albemuth, Moewig (1987)
  • Nick und der Glimmung, Edition Phantasia (2000)
Ausserdem ist Die Invasoren von Ganymed nur einmal in einer Ausgabe erschienen, aber auch im Sammelband Die Welten des Philip K. Dick enthalten. Weiterhin sind die drei Bände der VALIS-Trilogie ebenfalls nur einmal einzeln bei Moewig herausgekommen (mit sehr schönen Umschlagbildern), jedoch in drei Sammelbänden in drei unterschiedlichen Verlagen (Moewig, Heyne, Fischer).
Ein Roman von Philip K. Dick
Radio freies Albemuth, 1987 bei Moewig und dann leider nie wieder erschienen, eine der deutschen Einzelausgaben von Philip K. Dick, die unbedingt eine Neuauflage verdient hätten

Samstag, 25. März 2017

Hartes von Fischer

Eine Premiere für Fischer ist die vor kurzem erschienene Ausgabe von Das Orakel vom Berge: Es ist die erste Hardcover-Ausgabe eines Romans von Philip K. Dick bei Fischer und die erste dieses Romans überhaupt. Und natürlich hat das etwas mit dem Erfolg der Amazon Serie The Man in the High Castle zu tun, die auf dem Roman basiert.
Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick bei Fischer: Die Fischer Klassik
Taschenbuchausgabe von 2014 (links) und die neue gebundene Ausgabe
von 2017 im deutlich kleineren Format der Reihe Fischer TaschenBibliothek
Diese Ausgabe erscheint in der Reihe Fischer TaschenBibliothek. In der Reihe dieser kleinformatigen Bände erscheinen ganz unterschiedliche Bücher, vom Ratgeber bis zum Roman. Das kleine Format bedingt auch die im Vergleich zur Taschenbuchausgabe grössere Seitenzahl von 414 statt 270 Seiten. Ein Lesebändchen und die auffälligen Ecken runden dieses Buch im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Samstag, 14. Mai 2016

In der Abyssus Intellectualis

Es gibt im Deutschen eine kleine Zahl von Veröffentlichungen von Texten von Philip K. Dick ausserhalb der Genre-typischen Publikationen. Und nur wenige der Texte sind keine Science Fiction. Die Zeitschrift Abyssus Intellectualis (2013) enthält nun so einen Text, eigentlich einen kleinen übersetzen Auszug aus The Exegesis of Philip K. Dick (2011), einem dicken Buch mit 1056 Seiten. Der Auszug hat nur drei Seiten Text, die sind allerdings gehaltvoll genug - und eher kein Einstieg in Dicks Werk. 
Es handelt sich auch nicht um den ersten Text aus der Exegesis, der veröffentlicht wird. Kleinere Teile sind im Englischen über die Jahre hier und dort erschienen, ein grösserer Teil natürlich im vom Lawrence Sutin herausgegebenen In Pursuit of Valis: Selections from the Exegesis (1991). Das ist 2002 in kleiner Auflage der Edition Phantasia unter dem Titel Auf der Suche nach Valis herausgekommen, eine der wohl am schwersten zu findenden (und lesenden) deutschen Übersetzungen (vor kurzem hat sich ein sehr günstiges Exemplar bei Booklooker gezeigt, allerdings fehlte wohl der Schutzumschlag). 
Abyssus Intellectualis (2013) von Merve enthält Philip K. Dick: Auszüge aus der 'Großen Exegese' 

Samstag, 5. März 2016

In einem anderen Land. Oder: Risiko

In Milton Lumky Territory,
Gollancz (1985)
Beim Aufbau einer Sammlung hat man am Anfang verschiedene Möglichkeiten vorzugehen. Wenn die finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind, ist es eine Möglichkeit sich zunächst einen Überblick über Preise zu verschaffen und dann über die Zeit gute Angebote zu kaufen. Man kauft also, was günstig ist, nicht unbedingt spezielle Ausgaben. Am Schluss bleiben dann immer noch Lücken, die man entweder teuer füllen muss – oder man wartet halt, bis sich doch noch ein Schnäppchen zeigt. Bei Philip K. Dick bleiben die Lücken sicher bis zum Schluss bei den gesuchten Ausgaben der Edition Phantasia, wo Schnäppchen selten sind. Das Mädchen mit den dunklen Haaren und Auf der Suche nach Valis muss man kaufen, wenn sie angeboten werden – und man bereit ist, das Geld zu bezahlen. Auf ein günstiges Angebot sollte man nicht warten.
Bei den englischen Ausgaben stehe ich sicher am Anfang der Sammlung. Ein Schwerpunkt sollten dieses Jahr Ausgaben von Gollancz sein und bei einer Suche ist mir eine günstige Erstausgabe von 1985 von In Milton Lumky Territory in die Suche gelaufen – praktisch zu weniger als dem halben üblichen Marktpreis und geringen Versandkosten. Diese Ausgabe ist das erste einer kleinen Reihe von drei Bänden, in denen Gollancz die Mainstream Romane von Dick herausbringt. Das auf Deutsch noch nicht erschienene Humpty Dumpty in Oakland kommt 1986 als Erstausgabe heraus und Mary and the Giant 1988 nur ein Jahr nach der amerikanischen Erstausgabe.

Samstag, 30. Januar 2016

Das Science Fiction Jahr

Ausgabe 1996
Das Science Fiction Jahr ist eine Serie, die seit 1986 jährlich bei Heyne erschienen ist. Ich hatte gerade das Glück einige Ausgaben einer Sammlungsauflösung günstig zu erwerben - unabhängig vom Kaufpreis spart das auch Porto. Und es passt zum Thema des Jahres, einige weniger geliebte Ecken der Sammlung auszuleuchten.
Die durchgängig sehr dicken Ausgaben dieser Reihe beleuchten die Science Fiction Szene des jeweiligen Vorjahres in vielen Facetten. Schwerpunkt sind wohl die Interviews mit SF-Schaffenden sowie Essays zu aktuellen Themen der Science Fiction und ausführliche Betrachtungen zur Marktentwicklung. Betrachtet werden nicht nur Bücher, sondern auch sehr umfassend andere Medien wie TV, Kino und Hörspiele. Es ist also kein Wunder, dass die Ausgaben bei über 600 Seiten liegen, die späteren Ausgaben liegen bei einem etwas grösserem Format sogar bei über 1.000 Seiten. Dafür musste man dann auch von anfänglich 20 DM bis zur letzten Heyne-Ausgabe (2014) sogar 38 Euro bezahlen.
In der Reihe werden keine Kurzgeschichten veröffentlicht, daher sind auch keine Arbeiten von Dick enthalten. Über die Jahre sind jedoch zahlreiche Essays und Rezensionen erschienen. In elf Jahrbüchern sind zwölf Artikel zu Person, Werk und Verfilmungen von Dick enthalten, die Details befinden sich auf der Seite zum Heyne Verlag. Herausgreifen kann man den letzten Beitrag der 2012 in der Reihe erschienen ist, Dietmar Daths (manchmal vielleicht zu) kluges Essays zur Exegesis, einer der wenigen (beiden?) Beiträge, die zur Exegesis auf Deutsch erschienen sind: Verrückte Vernunft.
Die erste und derzeit letzte Ausgabe mit einem Beitrag zu Philip K. Dick in der Heyne-Reihe Das Science Fiction Jahr

Samstag, 23. Mai 2015