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Samstag, 19. August 2023

Nuclear Family

Schon im Februar 2021 ist der Comic Nuclear Family erschienen – und diesem Blog komplett entgangen. Die Ursache dafür liegt zum einen beim Verlag, der (zu) wenig Werbung damit gemacht hat, dass sein Comic auf einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick basiert. Zum anderen sind all die anderen Verlage ein Problem, die viel zu viel Werbung mit Philip K. Dick machen, um Aufmerksamkeit für ihre Bücher zu erhalten, obwohl ihre Bücher mit Dick nichts zu tun hat: „in the tradition of classic science fiction from […] Philip K. Dick“ und ähnliches liest man da oft. Und dann sind da noch all die Gewinner eines Philip K. Dick Awards, die beim Stichwort Philip K. Dick auftauchen. Bei der regelmässigen Suche lernt man also einiges auszublenden. Diesem Filter ist auch Nuclear Family lange zum Opfer gefallen.
Kernfamilie mit ABC-Schutzmaske, notwendig für Zeitreisen in eine atomkriegsgeplagte Zukunft

Samstag, 13. August 2022

Leider nicht … oder vielleicht doch?

Michael Nagula hat Lawrence Sutins Biographie über Philip K. Dick übersetzt. Nagula ist ein bekannter Kenner der Materie, er hat zahlreiche Beiträge zu Dick geschrieben und übersetzt. Den Göttlichen Überfällen (die letzte Woche vorgestellt wurden) hat er eine sehr ausführliche Bibliographie beigefügt, die in Umfang und Inhalt weit über das sonst Übliche hinausgeht – vergleichbar ist wohl nur die Bibliographie in Uwe Antons Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung. Der Wert einer solchen Bibliographie ist auch heute noch gross, aber in der Zeit vor dem Internet war der Nutzen noch ungleich höher (und vermutlich auch die Arbeit, sie zu erstellen).
American Flagg! Special von Howard Chaykin, mit (sprechender) Katze

Samstag, 6. August 2022

Die amtliche Biographie

Die unbestrittene Standardbiographie zu Philip K. Dick ist Lawrence Sutins Divine Invasions: A Life of Philip K. Dick. Dieses Buch ist 1989 in den USA beim Verlag Harmony Books herausgekommen und dann in fünf weiteren englischsprachigen Ausgaben, u. a. auch in Grossbritannien bei Gollancz erschienen.
Die Biographie ist das erste von Sutin veröffentlichte Buch. Es folgen 1991 In Pursuit of Valis: Selections from the Exegesis mit Auszügen aus Dicks Aufzeichnungen, der Exegesis, die erstmalig einen Teil dieses faszinierende, aber doch schwierigen Material zugänglich machen. 1996 gibt Suntin The Shifting Realities of Philip K. Dick: Selected Literary and Philosophical Writings heraus, in dem kürzere Texte und Essays verschiedener Art gesammelt sind. Sutin schafft mit diesen drei Büchern eine Basis für Interessierte, Fans und Wissenschaftler von enormen Wert. Ausserhalb dieser Werke gibt es von ihm noch einige kürzere Texte zu Dick.
Lawren Sutins Divine Invasions in Deutsch und im zerlesenen Original

Samstag, 23. Februar 2019

Was für ein Theater

Es gibt zahlreiche Bearbeitungen der Literatur von Philip K. Dick in der darstellenden Kunst, hauptsächlich sind das Verfilmungen seiner Werke. Dazu kommen noch mehr Filme, die offensichtlich nachhaltig von Dick beeinflusst sind (auch wenn sie das nicht immer zugeben wollen). Im Bereich des Theaters aber gibt es nur wenige Bearbeitungen. Im Deutschen findet sich nur ein Tanztheater, das auf Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit basiert, in der Dick als Figur auftritt. Im Englischen gibt es Brian Aldiss' Kindred Blood in Kensington Gore von 1991, über das in diesem Blog noch zu berichten sein wird, ebenfalls ein Stoff in dem Dick als Person auftritt.
Flow My Tears, the Policeman Said in der Bearbeitung für das Theater von Linda Hartinian

Samstag, 4. November 2017

Ullstein

Ein Verlag, der in diesem Blog noch nicht gewürdigt wurde, ist der Ullstein Verlag. Der Hauptgrund dafür ist, dass Ullstein nicht viel von Philip K. Dick veröffentlicht hat, allerdings doch mehr als nur eine Einzelausgabe, daher folgt hier jetzt doch noch ein Beitrag. Insgesamt sind zwei Romane und fünf Kurzgeschichten erschienen.
Ullsteins Science Fiction Stories 27, 28, 64 und 88 mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick, hier in der typischen schlechten Erhaltung, die man in der Sammlung so eigentlich nicht haben will

Samstag, 30. September 2017

Blade Runner übersetzt, übersetzt, übersetzt

Nachdem Fischer die kürzlich erschienene Neuübersetzung des Blade Runner mit dem Adjektiv kongenial bewirbt, lohnt sich vielleicht ein eingehender Blick auf die verschiedenen deutschen Übersetzungen dieses Werkes, davon gibt es nämlich auf den zweiten Blick einige Varianten mehr, als man vermutet.
Schon 1969, das ist nur ein Jahr nach dem Erscheinen in den USA, gibt es die Erstübersetzung von Norbert Wölfl für den Marion von Schröder Verlag. Die folgende Ausgabe des Romans erscheint 1971 bei Heyne, mit einer gekürzten Version der Übersetzung; es fehlen nicht nur die diversen dem Haupttext vorgestellten Zitate und die Widmung, auch der Haupttext selbst ist erheblich gekürzt. Heyne hat diese Kürzungen auch bei den beiden folgenden Ausgaben beibehalten.
Für Haffmans erfolgt 1993 die Überarbeitung der ungekürzten Übersetzung durch Jacqueline Dougoud, die für alle folgenden deutschen Ausgaben des Blade Runner verwendet wurde, bis auf die von Heyne 1998, die noch einmal auf die gekürzte Wölfl-Version zurückgreift. Eine „zweite Auflage“ erschien bei Haffmans 1997 mit neuem Cover und Titel – für die Sammlung sind das also ganz sicher zwei separate Einträge. Erwähnenswert ist auch, dass diese zweite Auflage neu durchgesehen ist, Unterschiede konnte ich aber – ausser natürlich dem Titel – nicht finden.
Links Blade Runner von Philip K. Dick, erschienen 1993 bei Haffmans
und rechts die zweite Auflage von 1997 unter dem neuen fast alten Titel
Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Eigentümlich ist weiterhin, dass zwei Ausgaben der Dougoud-Übersetzung, nämlich Heyne von 2009 und Fischer von 2014, zumindest eine Änderung gegenüber den vorigen Übersetzungen haben – Buster Freundlich heisst hier Buster Friendly. Andere Änderungen kann ich an diesen Ausgaben bei einem oberflächlichen Vergleich nicht finden. Es erscheint aber eigentümlich, dass Heyne 2009 für den Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz die Übersetzung minimal – oder gar nur bei einem Ausdruck – überarbeitet (die Übernahme von Fischer ist dann natürlich konsequent).

Samstag, 30. April 2016

Abgefischert

Wie am Anfang des Jahres angekündigt, gibt es jetzt seit einigen Tagen die vierte Staffel mit drei neuen Ausgaben von Philip K. Dick im Fischer Verlag. Natürlich sind das keine wirklich neuen Bücher, sondern Neuerscheinungen, die vorher schon bei Heyne herausgekommen sind. Aber wenn es in die Sammlung passt, muss es eben gekauft werden.
Die drei jetzt erhältlichen Bände sind wie die vorigen in der Reihe Fischer Klassik erschienen:
  1. Nach der Bombe. Roman
  2. Irrgarten des Todes. Roman 
  3. Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten. Anthologie
Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten (2016)
von Fischer in der Klassik-Reihe enthält 15
Kurzgeschichten von Philip K. Dick
Ich habe mir erst mal (nur) die Anthologie geleistet, da sie ein wenig Spannung bietet: Welche Kurzgeschichten mögen enthalten sein? Die Erwartung war allerdings ganz klar, das genau die Geschichten aus Heynes Der unmögliche Planet enthalten sind, die es nicht in Fischers Total Recall Revisited geschafft haben, das 12 der 30 Kurzgeschichten enthielt. Aber ob alle 18 fehlenden oder nur eine Teilmenge dabei sein würden … ?
Nun, es sind 15 Kurzgeschichten und nur acht von ihnen stammen aus Heynes Der unmögliche Planet. Neu aufgenommen wurde unter anderem Umstellungsteam, im Original Adjustment Team, das als Der Plan verfilmt wurde, aber bisher nur in den Gesamtausgaben von Haffmans bzw. Zweitausendeins erschienen ist. Die Zusammenstellung erklärt sich dann durch eine Fussnote im Nachwort von Jonathan Lethem. Dieses kurze Nachwort von sieben Seiten ist im Original die Einleitung der Selected Stories of Philip K. Dick (2002), bei Houghton Mifflin Harcourt erschienen, und die 21 Geschichten sind in den beiden Bänden von Fischer enthalten, noch sechs sind hinzugekommen. Die vollständige Liste der Kurzgeschichten findet sich in meiner Liste der Ausgaben bei Fischer.
Bei Fischer gibt es alle bisher erschienenen dreizehn Bücher von Dick natürlich auch als E-Book. Ich sammele das nicht (wie?), daher ist es für mich uninteressant, aber erwähnt sei es hier trotzdem.

Samstag, 31. Oktober 2015

Nichts Neues im Osten … oder doch?

Ein schwer zugänglicher Ort für den Sammler von Literatur von und über Philip K. Dick ist der Osten. Vor dem Zerfall des Ostblocks ist nicht wirklich viel von Dick hinter dem eisernen Vorhang erschienen.
Eine Ausnahme ist Polen, wo – früher als in der Bundesrepublik – bereits 1975 Ubik erschienen ist. Dies ist Stanislaw Lem zu verdanken, der dafür allerdings nicht allzu viel Gegenliebe von Dick erhalten hat. Auch in Ungarn und der damaligen CSSR sind vor 1990 einzelne Bücher publiziert worden, allen voran natürlich auch hier Ubik.
Berichte aus der Parallelwelt (1998),
eine Publikation des EDFC
Ein Roman ist von Dick in der DDR nicht herausgegeben worden. Die erste Veröffentlichung einer Kurzgeschichte von Dick erfolgte wohl 1977 im Fanzine der AG Phantopia des FDJ-Jugendclubs an der Technischen Hochschule Ilmenau. Heft 3: Der weiße Tod mit dem Untertitel Wissenschaftliche Phantastik aus vier Ländern, herausgegeben von Wolfgang Both enthält Der Wub, Dicks Erstveröffentlichung als Science Fiction Autor von 1952. Der Titel dieses Fanzines ergibt sich aus einer Kurzgeschichte von Lem, die ebenfalls enthalten ist. Die Übersetzung erfolgte wohl durch Mitglieder dieses SF-Clubs (laut Chpr.at Burkhardt Kolbmüller).
Die erste bundesdeutsche Publikation der Geschichte erfolgte erst 1981 in Die besten Stories von Philip K. Dick bei Moewig. Informationen dazu, auch das Umschlagbild von Der weiße Tod, finden sich in Berichte aus der Parallelwelt (1998), der vom (höchstvermutlich) selben Wolfgang Both (et al.) geschriebenen Publikation des EDFC. Von den gleichen Autoren gibt es ein wohl inhaltlich erweitertes Buch Science Fiction in der DDR – Fanzines, das 2010 bei Shayol herausgekommen und noch erhältlich ist. Formal handelt es sich bei diesem Buch um den Supplementband 2 von Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR. Von Both gibt es weitere Publikationen von und über Science Fiction mit einem Bezug auf den Osten.

Samstag, 3. Oktober 2015

Kurzgeschichten in Science Fiction Magazinen

Erstaunlich wenig Kurzgeschichten von Philip K. Dick sind in Deutschland in typischen Science Fiction Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht worden. Das mag an der Art und Weise liegen, wie die Rechte für solche Kurzgeschichten vergeben werden, bei anderen namhaften Autoren sieht es wohl auch nicht anders aus.
Perry Rhodan Magazin 4/1981 mit der
Kurzgeschichte Pech gehabt von Philip K. Dick
Die erste Kurzgeschichte ist im Perry Rhodan Magazin 4/1981 erschienen. Der deutsche Titel der Geschichte ist Pech gehabt, der englische Titel Sales Pitch. Die recht kurze Geschichte von nur sechs Seiten ist im selben Jahr in gleicher Übersetzung von Joachim Körber in Moewigs Sammlung Der Goldene Mann erschienen - allerdings dort unter dem Titel Tod eines Handelsroboters. In den Sämtlichen Erzählungen ist der Name dann schliesslich Eine totsichere Masche.
In derselben Ausgabe des Perry Rhodan Magazins und ebenfalls von Joachim Körber übersetzt, ist noch ein zweiseitiges Autorenportrait von Dick erschienen sowie eine  - sehr positive - Rezension zu Warte auf das letzte Jahr von Uwe Anton. Damit ist diese Ausgabe quasi eine Dick-Ausgabe, aber auch in einigen anderen Ausgaben des Perry Rhodan Magazin der Jahre 1980/81 finden sich Rezensionen und Artikel zu Dick und seinem Werk. Bei den handelnden Personen, auch Michael Nagula ist als Mitarbeiter in dieser Ausgabe des Perry Rhodan Magazins genannt, verwundert dies nicht. Zumal das Magazin auch - zumindest in dieser Zeit - eher breit als allgemeines Science Fiction Magazin angelegt war und Perry Rhodan ausser im Titel nur am Rand erscheint.

Samstag, 12. September 2015

Lesebücher

Eine kleine Kategorie in der Sammlung sind die Reader, was sich etwas unelegant mit Lesebuch übersetzt. In der Science Fiction taucht diese Kategorie öfter auf; meist handelt es sich um Anthologien, also Sammlungen von Geschichten zu einem Thema. Ein Reader enthält darüber hinaus aber meist noch Sekundärtexte und orientiert strenger an einem Thema und so sei die Definition auch hier – recht willkürlich – gewählt. Ein Philip K. Dick Reader wird sich also am Thema Philip K. Dick orientieren, aber nicht nur Geschichten von Dick enthalten, sondern auch weitere Texte, die sich mit ihm befassen.
In dieser Kategorie gibt es, nach der gewählten Kategorisierung, vier Bücher. Drei davon sind massgeblich das Werk von Uwe Anton, wohl dem wichtigsten Protagonisten von Dick in Deutschland. Bereits 1983 ist er auf den Spuren von Dick in Kalifornien gereist, hat seine Wohnsitze aufgesucht, mit Anne Dick, der dritten Ehefrau, gesprochen – und hat das eine oder andere Dick-Erlebnis gehabt [Anton90a, Seite 11–12].
Uwe Anton (Autogrammkarte) inmitten einiger seiner Werke, hier die
drei Philip K. Dick Lesebücher oder Reader.

Samstag, 1. August 2015

Androidenträume

Die Verfilmung von Do Androids Dream of Electric Sheep?, im Englischen oft mit dem Akronym DADoES abgekürzt, war sicher in vieler Hinsicht ein Durchbruch für Philip K. Dick: und wenigstens den Anfang davon konnte er noch erleben.
1981 sieht er die Rohfassung des Blade Runner als Privatvorführung und ist begeistert: Verschiedene Äusserungen zeugen davon (u. a. ein Brief an Jeff Walker, einen Verantwortlichen der Produktionsfirma, der sich vielerorts im Netz findet, u. a. bei den Philip K. Dick-Fans). Dick schreibt an anderer Stelle, dass er seinem Verlag sein eigenes Exemplar der Erstausgabe von DADoES schicken musste, damit es neu aufgelegt werden kann und der Verlag wohl anders nicht mehr an den Text gekommen ist (offenbar ist die Doubleday Erstausgabe gemeint).
Neu schreiben (lassen), quasi als Buch zum Film, wollte er DADoES übrigens nicht, Dick hat damit wohl viel Geld ausgeschlagen (verschiedene Summen werden genannt). Er hat aber das Erscheinen unter dem Kino-Titel, Blade Runner, erlaubt. Und im Buch wurde in den folgenden englischen Ausgaben das Jahr der Handlung aktualisiert, von 1992 (da erschien 1982 zu nah) auf (das weit entfernte) 2021; in die deutschen Übersetzungen fand diese Änderung keinen Eingang.
Deutsche Erstausgabe von Blade Runner unter dem Originaltitel
Die deutsche Erstausgabe von Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick aus dem Jahr 1969, erschienen beim Marion von Schröder Verlag, mit englischer Broschur, heutzutage mit meist zerbröselnder Umschlagfolierung