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Samstag, 2. August 2025

Kein bestialisches Massaker

Die frühen deutschen Ausgaben von Philip K. Dick stehen unter dem dringenden Verdacht, gekürzt zu sein. Ausser bei den Romanheften, die sowieso gekürzt sind, lassen sich Kürzungen nachweisen bei Vulkans Hammer und schockierenderweise auch bei Simulacra in der Heyne Edition von 2005.
Ein weiterer Verdachtsfall ist nun Kleiner Mond für Psychopathen von Bastei Lübbe von 1979. Die Erstausgabe von Clans of the Alphane Moon ist schon 16 Jahre vorher bei Ace Books erschienen. Dick war jetzt interessant genug, um auch seine (oft eher schwächere) Backlog nach Deutschland zu holen.
Der Roman basiert, wie so häufig bei Dick, der mit seinem Material nachhaltig umging, auf dem Plot einer Kurzgeschichte, hier Shell Game, die 1954 in der Septemberausgabe des Magazins Galaxy Science Fiction erschienen war.
Drei Taschenbücher nebeneinander
Clans of the Alphane Moon in deutscher Übersetzung: 1979, 1988 und 2020
Ausgestattet mit der Vorgabe vom Verlag Bastei Lübbe, mit 6 Druckbögen à 32 Seiten auszukommen – solche Vorgaben waren die Regel und man kann auch hier davon ausgehen – hat Rosemarie Hundertmarck übersetzt. Ihr Text hat dann auch 183 Textseiten und zuzüglich vier Seiten Titelei kommen wir auf 187 Seiten, da bleibt also noch Platz für vier Seiten Verlagswerbung und sogar eine leere Seite.

Samstag, 25. November 2023

Auf Besuch in Celle (und Sex!)

Celle zu Weihnachten
Schloss (ganz hinten links), Bomann-Museum,
Weihnachtsmarkt und Stadtkirche an der
Stechbahn in Celle

Auf der Suche nach einem jahreszeitlich passenden Beitrag für diesen Blog bin ich in der Sammlung über einige Ausgaben des Magazins Comet gestolpert. Und der Name ist Programm, im Untertitel heisst es Magazin für Science Fiction und Raumfahrt. Die Science Fiction Times 143 (September 1977) schreibt in ihrem Marktreport (Seite 25) dazu:

Mit COMET erschien nach vielen Jahren wieder ein deutsches SF-Magazin auf dem Markt. Aufwendig gemacht (Großformat, Kunstdruckpapier, viele Farbbilder), aber mit DM 8,- auch ziemlich teuer, wurden bisher 3 Ausgaben (seit Mai) auf den Markt gebracht. Auflage 50.000. Das Magazin bringt eine Mischung aus Fiction (SF-Storys, SF-Fortsetzungsroman und Fantasy-Serie) und populärwissenschaftlichen Artikeln. In den ersten Ausgaben gab es u. a. Geschichten von George R. R. Martin, Thomas F. Monteleone, Jack Dann, Dennis Etchison, Thomas Ziegler, Steven Utley und Bob v. Laerhoven, Bildberichte über den Maler Helmut Wenske, versunkene Tempel und SF in der Rockmusik, ferner jeweils einen Artikel pro Heft von H. W. Franke (Höhlen, Vulkane, Kirlian-Fotografie), ein SF-Autoren-Lexikon etc. Allerdings ist der Tandem-Verlag, Celle, der das Objekt herausbringt, in finanziellen Schwierigkeiten, und es ist fraglich, ob weitere Ausgaben von COMET erscheinen. Zumindest die August-Nummer wird nicht erscheinen.

Samstag, 21. Oktober 2023

Jubiläums-Bibliothek

Man wird betriebsblind … wie schon neulich beim Umschlagbild vom Orakel vom Berge ist mir erst jetzt der Schriftzug „Jubiläums-Bibliothek“ auf der ersten Auflage von Die Welten des Philip K. Dick aufgefallen.
Dieses Buch ist ein Sammelband, der vier – laut Umschlag „berühmten“ – Romane von Dick enthält: Die seltsame Welt des Mr. Jones, Und die Erde steht still, Die rebellischen Roboter und Die Invasoren von Ganymed. Wirklich „berühmt“ sind die vier eher nicht, es gibt Besseres (und Bekannteres) von Dick, aber auch Schlechteres (aber natürlich: nichts Schlechtes!).
In diesem stattlichen Band sind ausserdem noch fast 40 wertvolle Seiten von Uwe Anton und Ronald M. Hahn zu Leben und Werk enthalten, insgesamt 794 Seiten dick/Dick. 
Die Rückseite erklärt das Jubiläum: Sonderausgabe zum SF-Jubiläum: 500 Bände Science Fiction und Fantasy bei Bastei-Lübbe.
Zwei Sammelbände von Bastei Lübbe, einer mit Philip K. Dick auf dem Umschlag
Philip K. Dick und A. E. van Vogt in der Jubiläums-Bibliothek von Bastei Lübbe

Samstag, 1. August 2020

Die Clans des Alpha-Mondes

Philip K. Dick: "Die Clans des Alpha-Mondes", Fischer (2020)
Die neue Ausgabe von Die Clans des Alpha-Mondes
Fischer hat es tatsächlich getan! Nach der deutschen Erstausgabe von Joe von der Milchstrasse im Jahre 1974 und der Neuübersetzung des Blade Runner von 2017, ist der Verlag wieder ein bisschen kreativ geworden und hat mehr getan, als einen Band der Werkedition von Heyne (beschnitten) herauszubringen.
Die Clans des Alpha-Mondes [Clans of the Alphane Moon] war zwar in der Werkedition unter dem Titel Auf dem Alphamond geplant und sie findet sich auch immer noch in den Katalogen der einschlägigen Anbieter, aber mittlerweile als nicht lieferbar, denn ist dort nie erschienen. Nun kommen die Clans doch noch in einer dritten deutschen Ausgabe heraus.
Hierzulande ist die Erstausgabe des Romans als Kleiner Mond für Psychopathen bei Bastei (1979) erschienen, übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Bei Fischer ist das Buch jetzt in der Ausgabe und unter dem Titel von Ullstein in der Übersetzung von Ronald M. Hahn von 1988 erschienen. Das ist schon lange her, es wurde also Zeit für eine Neuausgabe!
Erscheinungsdatum bei Fischer war laut Katalog offiziell der 29.07.2020, im Impressum steht also August 2020. Ich konnte das Buch aber bei einer grossen Kette schon am 25. im Regal finden, mein lokaler Buchladen hat es pünktlich am 29. gehabt.

Samstag, 4. August 2018

Heyne, unvergessen, unvermeidlich

Erst kürzlich, bei der Durchsicht älterer Blogeinträge, ist mir aufgefallen, dass ich den für Philip K. Dick, wohl für die Science Fiction insgesamt wichtigsten deutschen Verlag überhaupt, bisher ausgelassen habe: den Heyne Verlag.
Der Heyne Verlag wurde knapp 70 Jahre nach seiner Gründung und Selbstständigkeit 2001 zuerst von Axel Springer übernommen und ist nach einer weiteren Übernahme heute Teil der Random House Verlagsgruppe. Random House hat 2001 auch den Luchterhand Literaturverlag übernommen hat, der auch einen (kleinen) Beitrag (2 Bücher) zur Sammlung beigetragen hat.
Die erste Ausgabe eines Romans von Dick bei Heyne ist Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von 1971, noch in Lizenz vom Marion von Schröder Verlag, die leider letzte Ausgabe von Dick ist der Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz von 2009, letzteres ist eines von zwei Büchern, die derzeit auch noch beim Verlag erhältlich ist.
Dazwischen sind über 80 Einträge im Katalog, so viele wie von keinem anderen deutschen Verlag. Allerdings ist da nicht nur die Primärliteratur, Romane, Sammlungen und Reader und Anthologien, die einzelne Kurzgeschichten enthalten, sondern auch Sekundärliteratur und anderes bis hin zu Kuriosa. Darunter sind einige Erstveröffentlichungen und ein paar Singles, die nur einmal herausgekommen sind.
Herauszuheben ist das 1990 von Uwe Anton herausgegebene Willkommen in der Wirklichkeit: Die Alpträume des Philip K. Dick.  Es ist das einzige Buch in meinem Katalog, dessen deutsche Ausgabe es ins Englische geschafft hat, unter dem Titel Welcome to Reality: The Nightmares of Philip K. Dick. Das beinhaltet Kurzgeschichten mit eher sperrigen Titeln wie Philip K. Dick Is Dead and Living Happily in Wuppertal von Ronald M. Hahn, im Original natürlich Philip K. Dick ist tot und lebt glücklich und zufrieden in Wuppertal-Vohwinkel.
Dieses Buch ist für eine Sammlung absolut relevant, obwohl es nur eine Kurzgeschichte von Dick enthält, weil es eine einmalige Sammlung von recursive bzw. Meta-SF zu Philip K. Dick ist. Und deshalb ist es wohl auch zur Übersetzung gekommen. Man darf vermuten, dass der Herausgeber beim Entstehen dieser Sammlung eine herausragende Rolle gespielt hat.
Philip K. Dick herausgegeben von Uwe Anton
Die zwei bemerkenswertesten Ausgaben von Dick beim Heyne Verlag,
beide herausgegeben von Uwe Anton: Willkommen in der Wirklichkeit
und der Reader Kosmische Puppen und andere Lebensformen
Erwähnen kann man auch noch die Anthologie Kosmische Puppen und andere Lebensformen von 1986, die bisher einzige deutsche Ausgabe von Cosmic Puppets. Dicks Novelle ist ergänzt um eine Auswahl von Kurzgeschichten und – wichtiger – einigen Essays von und über Dick, die wir sonst wohl nicht auf Deutsch gesehen haben. Dabei ist auch Dicks If You Find This World Bad, You Should See Some of the Others, auf Deutsch Wenn Sie glauben, diese Welt sei schlecht, sollten Sie einmal ein paar andere sehen. Auf Englisch ist dies erst 1991 in der PKDS Newsletter und 1995 in den Selected Writings erschienen.

Samstag, 4. November 2017

Ullstein

Ein Verlag, der in diesem Blog noch nicht gewürdigt wurde, ist der Ullstein Verlag. Der Hauptgrund dafür ist, dass Ullstein nicht viel von Philip K. Dick veröffentlicht hat, allerdings doch mehr als nur eine Einzelausgabe, daher folgt hier jetzt doch noch ein Beitrag. Insgesamt sind zwei Romane und fünf Kurzgeschichten erschienen.
Ullsteins Science Fiction Stories 27, 28, 64 und 88 mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick, hier in der typischen schlechten Erhaltung, die man in der Sammlung so eigentlich nicht haben will

Samstag, 21. Mai 2016

Auspacken oder nicht auspacken ...

Venus ist tot von Uwe Anton bei Fabylon (2008),
mit einem wunderbaren Cover von Helmut
Wenske, auf dem Bild noch originalverpackt
Es passiert dieser Tage nicht mehr so oft, dass man ein Taschenbuch noch eingeschweisst erwerben kann. Aus ökologischen Gründen ist das wohl unerwünscht. Der neueste Zugang, Venus ist tot von Uwe Anton kam aber derartig verpackt, obwohl er nicht so annonciert war. Vor längerer Zeit hat mich auch Die kaputte Kugel von Haffmans (1993) so erreicht – und auch heute werden relativ häufig Exemplare dieses Buches eingeschweisst angeboten. In beiden Fällen ist zu vermuten, dass hier verlagsfrische Bücher den Markt erreichen. Im Gegensatz zu Haffmans geht es dem Fabylon Verlag aber noch gut (weiter so!).
Die Frage, die sich dem Sammler natürlich stellt, ist: Öffnen oder nicht öffnen? Für mich heisst es dann letztlich doch: Öffnen!
Bei Venus ist tot, einer Sammlung von Kurzgeschichten von Uwe Anton, lohnt sich das in jeder Beziehung. Den Weg in den Katalog hat dieses Buch gefunden, weil sie Willkommen in der Wirklichkeit enthält, eine recursive Kurzgeschichte, die auch titelgebend für die von Anton herausgegebene Anthologie von ähnlich rekursiven Geschichten mit und über Philip K. Dick ist, erschienen bei Heyne. Die Einführung von Anton verrät einiges über ihre Veröffentlichungsgeschichte. So hat Ronald M. Hahn bei Antons erster Veröffentlichung assistiert – und diese ist dann in Erber's Grusel Krimi Doppel-Band 25 im Jahr 1975 (oder 1974, die Datierung ist unsicher) unter Pseudonym erschienen. 1981 erschien die Kurzgeschichte ohne die Überarbeitung von Hahn, dafür von Anton überarbeitet im Heft Vor dem Ende der Welt der Reihe Terra Astra Nr. 537 bei Moewig. Beide Hefte sind mit etwas Geduld und Suchen gut zu finden.

Samstag, 28. November 2015

Eigentlich Nichts

Was fehlt da?
Nachdem ich nicht richtig dazu gekommen bin, ein Thema vorzubereiten, passen dazu ein paar Worte zu Ausgaben von Philip K. Dick, die es nicht gibt.
Besonderer Erwähnung bedürfen diese Bände, weil sie oft noch vielerorts herumschwirren. Offenbar melden die Verlage diese Bücher für die üblichen Vertriebswege an und so erscheinen sie dann allerüblicherorten. Und nachdem sie bei Amazon und bei anderen Online-Anbietern jahrelang angekündigt waren, sind sie jetzt (fast) real – allerdings nicht greifbar. Ich nenne diese Bücher in diesem Blog Phantombände. Hier ganz explizit die Aussage: Diese Bücher gibt es nicht!