Samstag, 8. August 2026

Benjamin – A Man of Consequence

Dieser Beitrag ist spoilerreduziert!

Es hat lange gedauert, bis die „drei“ Bände Benjamin eingeholt waren (wir berichteten). Den letzten, dritten Band habe ich mit grosser Spannung gelesen: Wer oder was oder wo oder wann ist Benjamin
Man liest Dicks Romane nicht wegen ihrem Ende, sondern – ganz nach Konfuzius – wegen dem Weg dorthin. Dick sprüht vor Ideen, es passiert viel, es gibt viel zu sehen.
Auch bei Benjamin gibt es viel zu sehen – das liegt in der Natur des Mediums. Mir gefällt der zeichnerische Stil, mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen; dafür fehlt mir der Blick des Comic-Kenners. Benjamin K. J. Philip Carp-Dick sieht unserem Phil verblüffend ähnlich, benimmt sich aber nicht immer so, wie ich es erwarten würde. Vielleicht ist das auch mein Problem: Wer zu viel über Philip K. Dick gelesen hat, trägt irgendwann einen ziemlich festen Dick im Kopf.
Aber Benjamin soll auch gar nicht genau der historische Philip K. Dick sein, zu viele Details passen – absichtlich! davon gehe ich aus – nicht (er raucht, erwähnt keine Kinder, er wohnt im eigenen Haus, nicht im fast sprichwörtlichen ConApp, ...). Man könnte viele mehr oder weniger versteckte Dick-Referenzen erwarten, die gibt es nur gelegentlich: Aber ist es Zufall, dass er seine Zähne lobt (my teeth look tremendous) und dann von seinem grossen Erlebnis der Auferstehung redet? Das erinnert an Dicks Zahnprobleme und die fischtragende Apothekenbotin mit denen seine 2-3-74 Erlebnisse begannen. Und dann gibt es noch den dämlichen Titel von Carps letzten unvollendeten Romans 47 Decades of Fruitful Oblivion, ganz sicher eine Anspielung auf Dicks bekannt unkonventionell-ungeschickte Titelwahl, die dann von seinem Agenten oder den Herausgebern korrigiert werden musste. Unverzeilich aber: Wir sehen einen Hund, aber keine Katzen - gar keine Katze, nirgendwo: das geht in diesem Medium gar nicht, für ein Kätzen wäre überall Platz gewesen!
Die Köpfe im Keller, Asimov, Gibon und einige weitere, die ich nicht auf den ersten Blick identifizieren konnte, spielen wohl auf Duffys Losing the Head of Philip K. Dick an oder die (sozusagen) Fortsetzung, den Comic Philip K. Dick's Head is Missingden wir hier im Blog schon beprochen haben. Vielleicht verstecken sich im detailreichen Keller von Dr. Midlamb noch weitere Anspielungen. Zu erklären, wen die auftretenden Frauen darstellen – Joan? Tessa? aber eher eine Mischung davon – wäre einen eigenen Blogeintrag wert. Aber Benjamin ist kein Philip K. Dick Wimmelbuch.
Benjamin Omnibus das Hardcover, vermutlich die einfachste Option die drei Bände zusammenzubekommen
Beim Lesen entwickelt sich die Geschichte zügig, 100 Seiten Comic erlauben auch nur so viel Story. Die Wendungen nach der Enthüllung der existenzgründenden Anarcho Terroristen ist Dick-typisch, die Story von Autor Ben Winters passt. Es wird viel Aufwand getrieben mit Benjamin Dick und der Aufwand lohnt sich. Dick ist nicht nur ein verkaufsfördernder Aufkleber, es geht Winters zumindest auch um Dick.
Am Schluss (der schnell kommt, es ist eben ein page turner) hätte man noch gerne mehr über dieses und jenes nur angedeutete Detail gelesen, wie beim Meister selbst. Das Ende ist didaktisch perfekt, jedoch (deswegen?) etwas langweilig. So fühlte es sich an, das sei gesagt: ein Gefühl, also eine persönliche Bewertung.
In Philip K. Dick's Head is Missing konnten wir beobachten, wie unser Held buchstäblich Gott wurde, ein starkes Finale. Bei Benjamin hätte es so viele Möglichkeiten gegeben, ein neu erstandener Dick/Carp hätte alles machen können, die Realität seiner Comicwelt buchstäblich in ihren Grundfesten erschüttern. Nun ja. Und selbst Dick hat es nicht immer geschafft, die Fäden, die er in seinen Romanen gesponnen hat, am Ende aufzunehmen und zu einem perfekten Ende zusammen zu spinnen. 
Wie berichtet gibt es den Benjamin Omnibus, die drei Bände in einem Buch, allerorten wo es englische Bücher gibt. Man muss die Einzelbände also nicht zusammensuchen, wer das tun möchte, dem sei die Lektüre des vorigen Blogeintrags zu Benjamin angeraten. Wer Comics nicht ganz abgeneigt ist, der sollte hier also unbedingt zugreifen, aller tiefste Kenntnisse von Dicks Leben sind nicht notwendig. Mit dem Omnibus gibt es keinen Grund, hier nicht zuzugreifen.

Sehr kurzes Glossar für den Leser von Benjamin

Jacob Marley ist eine fiktive Figur in Charles Dickens' bekannter Novelle Eine Weihnachtsgeschichte. Marley ist der ehemalige Geschäftspartner von Ebenezer Scrooge, dem Protagonisten der Novelle; zu Beginn der Geschichte ist er sieben Jahre tot. 

Kaufen

- Ben Winters: "Benjamin Omnibus", Oni Press (2026), 96 Seiten, ISBN 979-889488020-4 um 25 Euro

Samstag, 1. August 2026

Endlich: Science Fiction Story Center 2

Science Fiction Story Center 2

Manchmal geht es schnell! Gerade habe ich noch meinen Sammlerfrust über die fehlende Nummer 2 des Science Fiction Story Center geäussert, da ist sie auch schon da. In erstklassigem Zustand ist sie, bemerkenswert nach (genau) 50 Jahren und Arme und Beine hat sie auch nicht gekostet, nicht dieses Mal, nicht für diesen weissen Wal.
Es war Zufall, es war Glück: in den letzten sehr vielen Jahren ist mir dieses Heft nur einmal zuvor untergekommen (und tragisch durch die Maschen gerutscht) und die Hoffnung sie noch einmal zu finden, war niedrig. Und dann ist dieser Wal einfach so in der Bucht aufgetaucht, eine ganze Schule eigentlich: mit der Nummer eins und drei Exemplaren der Weird Fiction Times, ebenso selten und ebenso von Uwe Anton herausgegeben, ein weiteres der vielen Projekte von Uwe Antons frühen Schaffen in den 70ern. Der automatische Alarm hat angeschlagen, Minuten nachdem die Beute aufgetaucht ist, konnte sie harpuniert bzw. beboten werden – dann musste ich zehn Tage warten, um den Fang nach kurzem, finalen Kampf am Ende der Zeit, an Land zu bringen. Das war einfach, also: billig.

Samstag, 25. Juli 2026

Hinter den Mauern der Zeit

Philip K. Dick hat zahlreiche andere Autoren überall auf der Welt inspiriert. Uwe Anton hat aus solchen Inspirationen ein ganzes Buch gemacht, Willkommen in der Wirklichkeit, eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen Philip K. Dick eine Rolle spielt, meist als handelnde Person.
Horst Pukallus hat mit Michael Iwoleit so einen ganzen Roman gemacht: Hinter den Mauern der Zeit
Erschienen ist dieses Buch bei Heyne 1989, wer es jetzt immer noch nicht gelesen hat, der mag es jetzt tun oder er muss mit den umfassenden Spoilern leben.
Helmut Wenske drauf und drin: Hinter den Mauern der Zeit

Samstag, 18. Juli 2026

Ein Indizienprozess

Bisher führten die Ermittlungen der Urheber von Umschlagbildern hier im Blog immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Dieses Mal wird es schwieriger …
Von wem ist dieser goldene Mann auf dem Cover von Ullsteins Science Fiction Stories 28?

Samstag, 11. Juli 2026

Doppelgänger in aller Welt

Als n–te Fortsetzung unserer Doppelgängerserie folgen jetzt die englischen Ausgaben, deren Titelbilder andernbuchs wiederverwendet wurden.
Ausgenommen sind bei dieser kleinen Sammlung Titelbilder, die (nur) von einer englischen Originalausgabe in eine des entsprechenden Übersetzung des Buches übernommen sind. Das passiert nicht oft, aber gelegentlich eben doch, z. B. ist das Cover der Erstausgabe von The World Jones Made, Ace (1956) für die türkische Erstausgabe unter dem Titel Yaratılan Dünya von 1971 verwendet. Das ist kein echter Doppelgänger, sondern ein Folgegänger in der Terminologie dieses Blogs.
Einen eigenen Blogeintrag haben sich bereits die Steinewerfer in diesem Blog verdient: Das vielfach kopierte Cover von Dicks erstem Roman, Solar Lottery mit zahlreichen Doppel- und Folgegängern.

The Three Stigmata of Palmer Eldritch

Eine durchgehende Umschlagillustration, wie beim Gott des Zorn, hat auch dieser Doppelgänger. Und hier ist das (legendäre) Original so reichhaltig, dass man aus einem Ausschnitt der Rückseite ein eigenes Cover machen kann. Das Dune-Cover:

Illustration von Bruce Pennington
Manor Books (1975) Frank Herbert:
Dune,
Manor (1968)

Es gibt diverse Ausgaben von Dune
mit diesem Umschlagbild.
Don Pfeil:
Look Back to Earth,
Manor Books (1977)     
Ausschnitt
Frank Dorn:
Sunwatch,
Manor Books (1979)   
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Thomas Hubschman:
Alpha II,
Manor Books (1980)
Ausschnitt