Dieser Beitrag ist spoilerreduziert!
Es hat lange gedauert, bis die „drei“ Bände Benjamin eingeholt waren (wir berichteten). Den
letzten, dritten Band habe ich mit grosser Spannung gelesen: Wer oder was
oder wo oder wann ist Benjamin?
Man liest
Dicks Romane nicht wegen ihrem Ende, sondern – ganz nach Konfuzius – wegen
dem Weg dorthin. Dick sprüht vor Ideen, es passiert viel, es gibt viel
zu sehen.
Auch bei Benjamin gibt es viel zu sehen – das liegt in der Natur des Mediums. Mir gefällt der zeichnerische Stil, mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen; dafür fehlt mir der Blick des Comic-Kenners. Benjamin K. J. Philip Carp-Dick sieht unserem Phil verblüffend ähnlich, benimmt sich aber nicht immer so, wie ich es erwarten würde. Vielleicht ist das auch mein Problem: Wer zu viel über Philip K. Dick gelesen hat, trägt irgendwann einen ziemlich festen Dick im Kopf.
Aber Benjamin soll auch gar nicht genau der historische Philip K. Dick sein,
zu viele Details passen – absichtlich! davon gehe ich aus – nicht (er
raucht, erwähnt keine Kinder, er wohnt im eigenen Haus, nicht im fast sprichwörtlichen ConApp, ...). Man könnte viele mehr oder weniger versteckte Dick-Referenzen erwarten, die gibt es
nur gelegentlich: Aber ist es Zufall, dass er
seine Zähne lobt (my teeth look tremendous) und dann von seinem grossen
Erlebnis der Auferstehung redet? Das erinnert an Dicks Zahnprobleme und die
fischtragende Apothekenbotin mit denen seine 2-3-74 Erlebnisse begannen. Und
dann gibt es noch den dämlichen Titel von Carps letzten unvollendeten
Romans
47 Decades of Fruitful Oblivion, ganz sicher eine Anspielung auf Dicks bekannt unkonventionell-ungeschickte Titelwahl, die dann von seinem Agenten oder den
Herausgebern korrigiert werden musste. Unverzeilich aber: Wir sehen einen Hund, aber
keine Katzen - gar keine Katze, nirgendwo: das geht in diesem Medium gar nicht, für ein Kätzen wäre überall Platz gewesen!
Die Köpfe im Keller, Asimov, Gibon und einige weitere, die ich nicht auf den
ersten Blick identifizieren konnte, spielen wohl auf Duffys
Losing the Head of Philip K. Dick
an oder die (sozusagen) Fortsetzung, den Comic Philip K. Dick's Head is Missing, den wir hier im Blog schon beprochen haben. Vielleicht verstecken sich im detailreichen Keller von Dr. Midlamb noch
weitere Anspielungen. Zu erklären, wen die auftretenden Frauen darstellen – Joan? Tessa? aber eher eine Mischung davon – wäre einen eigenen Blogeintrag wert. Aber Benjamin ist kein Philip K. Dick Wimmelbuch.
![]() |
| Benjamin Omnibus – das Hardcover, vermutlich die einfachste Option die drei Bände zusammenzubekommen |
Beim Lesen entwickelt sich die Geschichte zügig, 100 Seiten Comic erlauben auch
nur so viel Story. Die Wendungen nach der Enthüllung der existenzgründenden Anarcho Terroristen ist Dick-typisch, die Story von Autor Ben Winters passt. Es wird viel Aufwand getrieben mit Benjamin Dick und der Aufwand lohnt sich. Dick ist nicht nur ein verkaufsfördernder Aufkleber, es geht Winters zumindest auch um Dick.
Am Schluss (der schnell kommt, es ist
eben ein page turner) hätte man noch gerne mehr über dieses und
jenes nur angedeutete Detail gelesen, wie beim Meister selbst. Das Ende ist didaktisch perfekt, jedoch (deswegen?) etwas langweilig. So fühlte es sich an, das sei gesagt: ein Gefühl, also eine persönliche Bewertung.
In Philip K. Dick's Head is Missing konnten wir beobachten, wie unser Held buchstäblich Gott wurde, ein starkes Finale. Bei Benjamin hätte es so viele Möglichkeiten gegeben, ein neu erstandener Dick/Carp hätte alles machen können, die Realität seiner Comicwelt buchstäblich in ihren Grundfesten erschüttern. Nun ja. Und selbst Dick hat es nicht immer geschafft, die Fäden, die er in seinen Romanen gesponnen hat, am Ende aufzunehmen und zu einem perfekten Ende zusammen zu spinnen.
Wie berichtet gibt es den Benjamin Omnibus, die drei Bände in
einem Buch, allerorten wo es englische Bücher gibt. Man muss die Einzelbände
also nicht zusammensuchen, wer das tun möchte, dem sei die Lektüre des vorigen Blogeintrags zu Benjamin angeraten. Wer Comics nicht ganz abgeneigt ist, der
sollte hier also unbedingt zugreifen, aller tiefste Kenntnisse von Dicks Leben sind nicht notwendig. Mit dem Omnibus gibt es keinen Grund, hier nicht zuzugreifen.
Sehr kurzes Glossar für den Leser von Benjamin
Jacob Marley ist eine fiktive Figur in Charles Dickens' bekannter
Novelle Eine Weihnachtsgeschichte. Marley ist der ehemalige
Geschäftspartner von Ebenezer Scrooge, dem Protagonisten der Novelle; zu
Beginn der Geschichte ist er sieben Jahre tot.





