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Samstag, 27. Dezember 2025

Was sich bewegt - und was nicht (mehr)

Zwischen den Jahren widmen wir uns einer Kategorie, die hier im Blog nicht so häufig berücksichtigt ist: dem Film und Fernsehen. Im letzten und vorletzten Jahr gab es wieder eine grosse Anzahl von Ankündigungen von Verfilmungen der Werke von Philip K. Dick, sei es für das Kino oder (überwiegend) fürs Streaming. Diese Kategorie ordnet sich auch gut zwischen den Jahresrückblick und den Ausblick ein.
Was war also und was soll oder hoffentlich – wenn man denn hofft und nicht fürchtet – wird sein?

Eine DVD mit Arnold Schwarzenegger auf dem Cover
Total Recall 2070 – die Serie, wieder/neu in Deutschland auf DVD erhältlich 

Samstag, 10. Mai 2025

Eine Postkarte aus Ojai

Im September 1942 muss der 13-Jährige Philip K. Dick Berkeley verlassen. Seine Mutter Dorothy hat ihn in ein Internat geschickt, in die California Preparatory School in Ojai (ausgesprochen: O-hei). Dort wird er sein achtes Schuljahr verbringen, zunächst überwiegend unglücklich.
Ojai Valley liegt 350 Meilen südlich von Berkeley, in den Bergen, nördlich von Los Angeles. 1847 hatten die Bewohner beschlossen, die dort neu geplante Stadt Nordhoff zu nennen, nach dem Reisejournalisten Charles Nordhoff, der – angeblich – Ojai Valley in einem seiner Artikel positiv erwähnt hatte. In dieser Realität konnte jener namensgebende Artikel nie gefunden werden und Nordhoff hat die Gegend wohl erst besucht, nachdem die Stadt mit seinem Namen gegründet war.
1903 wird das Foothills Hotel gebaut, eines der renommierten Hotels der Gegend für Reisende, die auch durch Nordhoffs schwärmende Berichte über das südliche Kalifornien in grosser Zahl angezogen werden. Aber schon früh, ab etwa 1894, wächst der Wunsch, die Stadt umzubenennen und 1917 passiert dies auch – möglicherweise angefeuert durch die Ressentiments einem deutschen Namen gegenüber: man war 1917 im Krieg mit dem deutschen Kaiser. Ähnliche Namensänderungen passierten aus diesem Grund andernorts in den USA. Vielleicht waren aber auch nur die Zweifel an Nordhoffs Wirken genug gewachsen.
Ein grosses, weisses Gebäude mit viel Grün drumherum
Das Hauptgebäude der California Preparatory School. Dick hat aber mutmasslich nicht in diesem  Hauptgebäude gewohnt, sondern eher in einem der zugehörigen Häuser bzw. cottages

Samstag, 4. Januar 2025

Ausblick 2025

Wie jedes Jahr will dieser Blog auch ins kommende Jahr schaun: Das grösste Projekt betrifft die Konsolidierung der deutschen Bibliographie, einige Lücken sind dort zu schliessen. Das klingt langweilig, wird aber vermutlich doch einigen Niederschlag hier im Blog haben. Es sind ein paar Expeditionen geplant: bei den Objekten, die nicht in die Sammlung wollen, muss der Sammler wohl zu den Objekten: Wetzlar wird vielleicht noch einmal angesteuert, auch Frankfurt und Darmstadt liegen an.
Die Reisen des vergangenen Jahres zum Dick-Fest, vor allem aber in die kalifornische Heimat von Dick, müssen noch ausgewertet werden. Es gibt Fotos und Fakten und einiges drumherum: das fast tödliche Sommercamp in Cazadero, Annes Haus in Point Reyes Station, viele Orte in Berkeley und die letzte Adresse in Santa Ana.
Angesammelt haben sich auch einige neue Stücke, über die zu berichten in vergangenen Jahr keine Zeit war.
Weiter verfolgt werden soll auch das Thema Zeitungsartikel: es gibt einiges zu entdecken, vielleicht auch in deutschen Zeitungen. Das ist überraschend aufwändig, man wird sehen, wieviel davon umgesetzt werden kann.
Und wie immer werden einige besondere Neuerwerbungen vorgestellt.
Eine Neuerscheinung in 2025
Umschlagbild von Matthes und Seitz Berlin
Bei den angekündigten Neuerscheinungen sticht die deutsche Übersetzung von Emmanuel Carrère Roman Je suis vivant et vous êtes morts hervor. Das Buch ist 1993 auf Französisch herausgekommen und 2004 in einer englischen Übersetzung, I Am Alive and You Are Dead: A Journey Into the Mind of Philip K. Dick, bei Metropolitan. Weitere elf Jahre später nun bei bei Matthes und Seitz Berlin als Ich lebe und ihr seid tot – Die Parallelwelten des Philip K. Dick übersetzt von Claudia Hamm.
Zu beachten ist, dass es sich nicht um eine Biographie handelt. Wikipedia schreibt:
Emmanuel Carrère beschreibt das Buch als seine Darstellung „des Lebens von Philip K. Dick von innen heraus, mit anderen Worten, mit derselben Freiheit und Empathie – ja mit derselben Wahrheit –, mit der er seine eigenen Charaktere darstellte“.

Freitag, 13. Dezember 2019

Brennpunkt Zukunft

Die deutsche Übersetzung von "Final Stage" (1974)
Brennpunkt Zukunft 3, Ullstein (1984)
Nur eine Kleinigkeit ist mir neulich beim Bearbeiten einer Anthologie aufgefallen.
Brennpunkt Zukunft 3, erschienen bei Ullstein (1984) enthält die Kurzgeschichte Eine Kleinigkeit für uns Temponauten von Philip K. Dick und ist deshalb Teil der Sammlung. Diese Kurzgeschichte ist im Original als A Little Something for Us Tempunauts erstmalig in der von Edward L. Ferman und Barry N. Malzberg herausgegebenen legendären Anthologie Final Stage erschienen. Das amerikanische Original hatte eine bewegte Erscheinungsgeschichte: der Verlag Charterhouse hat bei der Veröffentlichung 1974 ohne Wissen der Herausgebern oder Autoren in die Texte eingegriffen, erst die Ausgabe bei Penguin im folgenden Jahr hat die Originaltexte wieder hergestellt (Dicks Text war von den Änderungen nicht betroffen).
Auf Deutsch ist Final Stage bei Ullstein in zwei Bänden erschienen: Brennpunkt Zukunft 1 (1982) und eben Brennpunkt Zukunft 3. Brennpunkt Zukunft 2 hat mit Final Stage nichts zu tun, einen vierten Brennpunkt gibt es nicht.

Samstag, 4. November 2017

Ullstein

Ein Verlag, der in diesem Blog noch nicht gewürdigt wurde, ist der Ullstein Verlag. Der Hauptgrund dafür ist, dass Ullstein nicht viel von Philip K. Dick veröffentlicht hat, allerdings doch mehr als nur eine Einzelausgabe, daher folgt hier jetzt doch noch ein Beitrag. Insgesamt sind zwei Romane und fünf Kurzgeschichten erschienen.
Ullsteins Science Fiction Stories 27, 28, 64 und 88 mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick, hier in der typischen schlechten Erhaltung, die man in der Sammlung so eigentlich nicht haben will

Samstag, 4. Februar 2017

Die Zeit

Jede neue Entdeckung macht Spass und gerade beim Sammeln ist der Fund eines vorher gänzlich unbekannten Stücks oft eine grössere Freude als das Füllen einer bereits bekannten Lücke. Ich dachte wirklich, dass ich alle erschienenen Kurzgeschichten im Katalog hätte.
Programmheft zur Aufführung von Botho Strauss'
Die Zeit und das Zimmer an der Schaubühne am
Lehniner Platz in Berlin (1989)
Auf einem meiner Fischzüge fand ich jedoch ein Angebot für das Programmheft zum Stück Die Zeit und das Zimmer von Botho Strauss. Das Angebot kam mit einem vollständiges Inhaltsverzeichnis des Programmhefts und es sollte eine Reihe von Kurzgeschichten zum Thema Zeit enthalten. Und eine dieser Geschichten war Eine Kleinigkeit für uns Temponauten von Philip K. Dick. Tatsächlich hatte ich dieses Angebot schon einmal gesehen, konnte das aber nicht verifizieren und hielt das daher einfach für einen Fehler, es war einfach nicht zu glauben. Dieses mal habe ich dann einfach zugegriffen, das Risiko war überschaubar, es wäre ja auch nicht der erste Fehlkauf.
Das Buch traf dann schnell ein und es enthält tatsächlich die Kurzgeschichte von Dick. Es handelt sich um das Programmheft des Stücks Die Zeit und das Zimmer, uraufgeführt am 8. Februar 1989 („Keine Pause!“) an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin unter der Regie des 2015 verstorbenen Luc Bondy.
Das Programmheft enthält auf der ersten Seite eine Liste der Schauspieler und ihrer Rollen sowie weitere Mitwirkende und dann auf rund 140 Seiten Geschichten und Gedanken zum Thema Zeit: Fast zwei Dutzend Texte, zusätzlich zu dem von Dick auch von J. G. Ballard, Jorge Luis Borges, Lewis Carroll und weiteren.

Samstag, 30. April 2016

Abgefischert

Wie am Anfang des Jahres angekündigt, gibt es jetzt seit einigen Tagen die vierte Staffel mit drei neuen Ausgaben von Philip K. Dick im Fischer Verlag. Natürlich sind das keine wirklich neuen Bücher, sondern Neuerscheinungen, die vorher schon bei Heyne herausgekommen sind. Aber wenn es in die Sammlung passt, muss es eben gekauft werden.
Die drei jetzt erhältlichen Bände sind wie die vorigen in der Reihe Fischer Klassik erschienen:
  1. Nach der Bombe. Roman
  2. Irrgarten des Todes. Roman 
  3. Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten. Anthologie
Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten (2016)
von Fischer in der Klassik-Reihe enthält 15
Kurzgeschichten von Philip K. Dick
Ich habe mir erst mal (nur) die Anthologie geleistet, da sie ein wenig Spannung bietet: Welche Kurzgeschichten mögen enthalten sein? Die Erwartung war allerdings ganz klar, das genau die Geschichten aus Heynes Der unmögliche Planet enthalten sind, die es nicht in Fischers Total Recall Revisited geschafft haben, das 12 der 30 Kurzgeschichten enthielt. Aber ob alle 18 fehlenden oder nur eine Teilmenge dabei sein würden … ?
Nun, es sind 15 Kurzgeschichten und nur acht von ihnen stammen aus Heynes Der unmögliche Planet. Neu aufgenommen wurde unter anderem Umstellungsteam, im Original Adjustment Team, das als Der Plan verfilmt wurde, aber bisher nur in den Gesamtausgaben von Haffmans bzw. Zweitausendeins erschienen ist. Die Zusammenstellung erklärt sich dann durch eine Fussnote im Nachwort von Jonathan Lethem. Dieses kurze Nachwort von sieben Seiten ist im Original die Einleitung der Selected Stories of Philip K. Dick (2002), bei Houghton Mifflin Harcourt erschienen, und die 21 Geschichten sind in den beiden Bänden von Fischer enthalten, noch sechs sind hinzugekommen. Die vollständige Liste der Kurzgeschichten findet sich in meiner Liste der Ausgaben bei Fischer.
Bei Fischer gibt es alle bisher erschienenen dreizehn Bücher von Dick natürlich auch als E-Book. Ich sammele das nicht (wie?), daher ist es für mich uninteressant, aber erwähnt sei es hier trotzdem.