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Samstag, 4. Juli 2026

Wir liegen vor Madagaskar ...

Flagge von Madagaskar
Es gibt nur eine Briefmarke mit Philip K. Dick, aber zwei mit einem Blade Runner-Motiv. Und auch wenn Blade Runner in diesem Blog nur ein Randthema ist, eine Kuriosität wie diese Briefmarke ist diesem Blog, der sich immer gerne etwas abseitigen Themen annimmt, einen Beitrag wert.
Ich denke bei Madagaskar zuerst an eine Schiffsbesatzung in einer prekärer Situation. Und vier putzige Zootiere, die mit dem Schiff anreisen. Und an Vanille, eines der Hauptexportprodukte, dessen Preisentwicklung einen eigenen Eintrag wert wäre, wäre dies ein Küchenblog.
Madagaskar hat 32 Millionen Einwohner und eine bunte Postgeschichte, die ersten Briefmarken sind aus der britischen Kolonialzeit.
Mehr als 100 Jahre später finden wir dann dies:
L'etoffe des heros de Philip Kaufman aus einer Reihe Centenaire du cinema

Samstag, 27. Juni 2026

Die Post ist da

Spricht man vom Sammeln, kommt vielen zunächst das Briefmarkensammeln in den Sinn. Und so beschäftigen auch wir uns in diesem Blog mit: Briefmarken! Aber natürlich mit Philip K. Dick Briefmarken.
Briefmarke 800 Lire mit Philip K. Dick
Philip K. Dick: Il cacciatore di androidi in San Marino (1994)

Samstag, 28. März 2026

Kleine Androiden, grosse Androiden

Gollancz schon wieder!
Eigentlich hatte ich die Ausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? von Gollancz schon, aber dieses Exemplar lockte mit einer abweichende ISBN. Natürlich kein Grund, das in die Sammlung aufzunehmen, eigentlich – Gollancz bringt gelegentlich identische Ausgaben mit neuer ISBN heraus. Aber Gelegenheit, gute Erhaltung und wohl auch die Langeweile führten dann doch zum Kauf.
Gross und klein, was darf es sein?

Samstag, 14. März 2026

Jerry Cotton braucht Hilfe

Harrison Ford als Blade Runner
Nur kurz: Neulich habe ich hier im Blog den Hinweis auf ein Buch von Jerry Cotton bekommen: Drei Stunden bis zum Super-GAU. Auf dem Umschlagbild sehen wir: den Blade Runner! Hilft Rick Deckard beim FBI aus? Gibt es eine Verwechselung mit Phil Decker, Cottons Sidekick?
Obwohl das natürlich alles gar nichts mehr mit Philip K. Dick zu tun hat, musste ich den Super-GAU ganz schnell haben, wenn auch nicht innerhalb von drei Stunden, dafür aber sehr billig. Und dann ist es wie so oft: hat man das Objekt erst einmal in den Händen, entdeckt man noch das eine oder andere: ein Buch ist eben mehr als nur ein Cover. Im Impressum finden wir:
Die auf unseren Titelbildern dargestellten Personen stehen in keinem Zusammenhang mit den Inhalten der Romane.
Genau. Nur weil ein Blade Runner drauf ist, ist keiner drin. Aber klar, das wussten wir vorher, da hat Quadro Grafik aus Bensberg, die den Umschlag gestaltet haben, nachhaltig gearbeitet und vorhandenes Material von irgendwoher wiederverwendet.

Samstag, 27. Dezember 2025

Was sich bewegt - und was nicht (mehr)

Zwischen den Jahren widmen wir uns einer Kategorie, die hier im Blog nicht so häufig berücksichtigt ist: dem Film und Fernsehen. Im letzten und vorletzten Jahr gab es wieder eine grosse Anzahl von Ankündigungen von Verfilmungen der Werke von Philip K. Dick, sei es für das Kino oder (überwiegend) fürs Streaming. Diese Kategorie ordnet sich auch gut zwischen den Jahresrückblick und den Ausblick ein.
Was war also und was soll oder hoffentlich – wenn man denn hofft und nicht fürchtet – wird sein?

Eine DVD mit Arnold Schwarzenegger auf dem Cover
Total Recall 2070 – die Serie, wieder/neu in Deutschland auf DVD erhältlich 

Samstag, 22. Februar 2025

Blade Runner in Wien

Das Schubert Theater
Zu berichten ist hier im Blog von einer weiteren Dick-Reise, dieses Mal nach Wien. Gestolpert, zufällig, bin ich erst kürzlich über eine Aufführung des Schubert Theaters mit dem Titel Blade Runner – Das Märchen Mensch. Dieses Stück wurde dort schon 2022 erstmalig aufgeführt und in dieser Saison jedoch in einigen Aufführungen wieder aufgenommen – diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen: also auf nach Wien! (Dieser Blog hat ja auch schon die Replikantenoper in Bremen und Die Zeit aus den Fugen in Hannover besucht!)Oder lieber doch nicht? Es geht „nur“ um Blade Runner, „inspiriert von der Verfilmung“ und das Schubert Theater ist ein – Puppentheater! Und dieser Blog ist ein Dick-Blog und kein Blade-Runner-Blog (und die Schnittmenge von Philip K. Dick und Blade Runner ist doch begrenzt). Ein zweiter Blick zeigt aber: auch vom Roman sei das Stück inspiriert, das Theater ist recht renommiert, die Puppen (keine Marionetten!) spielen mit Mensch und es ist Erwachsenen-Puppentheater, kein Zweifel, das alles ist für Kinder wenig geeignet … und besondere Neugier erweckt dieser Absatz des „Klappentexts“:

Samstag, 14. Dezember 2024

Das Philip K. Dick Film Festival 2024 in Köln

Wieder! Nach einigen Jahren Pause war es so weit: das Philip K. Dick Film Festival in Köln, wohl das fünfte am Ort. Angefangen hatte die Veranstaltung in New York und ist dann nach Europa gekommen – natürlich nach Frankreich, nach Lille. Von dort ging es (u. a.) nach Köln, zuerst 2016, dann 2017 und wie hier im Blog berichtet 2018 und 2019. Das Jahr 2020 hat dann viele – besonders kleinere – kulturelle Veranstaltungen schwer getroffen, aber jetzt war es wieder soweit. Geholfen hat wohl, dass Lille schon seit 2021 weitergemacht hat. Dort fand das Festival in diesem Jahr über die üblichen zwei Tage statt, Köln hatte nur ein kürzeres Programm von einem Tag.
Wie üblich und gewollt, hatten die Filme ganz überwiegend keinen direkten, offenen Bezug zu Philip K. Dick. Der Zusammenhang zu Dick ergibt sich durch die dargestellten Themen: die Frage nach Realität und Menschlichkeit, aktuell ganz häufig im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz.
Aussenseite
Das Philip K. Dick Film Festival 2024 in Köln

Samstag, 14. September 2024

Bernd Richard Deutsch komponiert Dr. Futurity

Musik ist eine wichtige, zentrale Form der Kultur, aber leider keine Kernkompetenz dieses Blogs: Man muss seine Grenzen erkennen. Trotzdem muss hier über den Komponisten Bernd Richard Deutsch und sein Werk Dr. Futurity für Ensemble berichtet werden.
Österreichische Musikzeitschrift 05 2013 mit einem Interview mit Bernd Richard Deutsch über Dr. Futurity

Samstag, 20. April 2024

Filips K. Diks

Eine recht aktuelle Erstübersetzung erreicht diesen Blog aus Riga. Auch Lettland hat nun einen Roman von Philip K. Dick in seiner Amtssprache. Es handelt sich um Vai androīdi sapņo par elektriskajām aitām? und man erkennt auch ohne Sprachkenntnisse, um welchen Roman es sich handelt: Den Roman mit den vielen deutschen Titeln, im Original Do Androids Dream of Electric Sheep? oder auch Blade Runner. Lettisch wird mit einem (erweiterten) lateinischen Alphabet geschrieben, das hilft. Lettisch ist auch keine slawische Sprache, sondern gehört zur kleinen Gruppe der baltischen Sprachen.
Träumen Roboter vom Leben im Baltikum?
Die erste und derzeit einzige lettische Ausgabe von Philip K. Dick: Träumen Roboter von elektrischen Schafen?, kein schlechter Anfang: populär und trotzdem sehr gut - und die Umschlagillustration ist toll!

Samstag, 30. März 2024

Letters of Note

Mal wieder eine Überraschung, eine kleine Überraschung, aber jede Überraschung ist hier doch eine grosse Überraschung: Ein Stück von Philip K. Dick in einer deutschen Publikation! Fast zehn Jahre hat sich das diesem Blog entzogen, aber irgendwann … kriegen wir sie alle.
Ein Buch mit Briefen - das ist Hardcore
Letters of Note - Briefe, die die Welt bedeuten:
manchmal auch für den Fan von Philip K. Dick
Schon 2009 hat Shaun Usher die brillante Idee für einen Blog mit dem Thema Letters of Note – Briefe, die irgendwie erwähnenswert sind. Die Website war sehr erfolgreich, 2013 folgte das erste Buch mit den ersten 125 Briefen bei Canongate Books mit dem (später geänderten) Untertitel Correspondence Deserving of a Wider Audience.
Heyne folgte schon 2014 mit einer deutschen Übersetzung. Und einer dieser ersten 125 Briefe ist von Philip K. Dick: er berichtet Jeff Walker von seiner Begeisterung über den Ausschnitt von Blade Runner, den er in einer Sendung im Fernsehen gesehen hat.
Jeff Walker arbeitete als Marketing Experte für die Produktionsfirma und betreute Dick, der sich vorher sehr negativ über das Filmprojekt geäussert hatte: er sollte den schwierigen Autoren „einfangen“.
Den Brief hat Dick am 11. Oktober 1981 geschrieben. Im November wurde er dann zu einer exklusiven 20-minütigen Vorführung eingeladen, wo er auch Ridley Scott traf. Die Bilder, die Dick dort gesehen hat, haben ihn sehr begeistert und er hat sich überschwänglich darüber geäussert. Dick war dort mit Maer Wilson, die sich in ihrem Buch über Dick auch auch darüber geäussert hat, man kann das im Netz nachlesen – und hier im Blog mehr über Maer Wilson und ihr Buch. 

Samstag, 14. Januar 2023

Angestecktes

Vor längerer Zeit habe ich hier im Blog schon einmal einen Pin mit dem Bildnis von Philip K. Dick gezeigt. Ich mag Anstecker (immer noch) und ein Anstecker mit Dick … ist sogar praktisch, sollte sich mal die Gelegenheit ergeben, in einem Dick-Kontext Menschen zu treffen. Tatsächlich haben sich schon ein paar Gelegenheiten ergeben, so beim Philip K. Dick Filmfestival in Köln.
Ein Philip K. Dick Anstecker, originalverpackt: Books to Wear heisst diese Reihe sinnigerweise, hier ein Exemplar mit Do Androids Dream of Electric Sheep?

Samstag, 7. Januar 2023

MMXXIII?

Für das kommende Jahr ist, wie für das vorige, wenig zum Thema Philip K. Dick zu erwarten – man kann sich nur sicher sein, dass aus Frankreich weniger kommen wird: Eine französische Gesamtausgabe mit Neuübersetzungen kann man nicht (so schnell) wiederholen.
Aus dem angelsächsischen Raum erwarten wir eine (nur) vierbändige Ausgabe von The Collected Stories of Philip K. Dick mit zwei Ausgaben im August und zwei im Oktober. Ansonsten ist nichts am Horizont. Es gibt recht glaubwürdige Gerüchte über eine weitere dreibändige (Korrektur: vierbändige) Luxusausgabe (von Centipede Press), die Frage ist nicht so sehr ob, sondern eher wann … und da kann es auch nächstes Jahr werden (Korrektur: ist es auch).
Sicher zu erwarten sind sonst nur Überraschungen, die wird es dafür um so sicherer geben. Hier ist die Frage, wie gross die Überraschungen sind. Jede selbstständige Veröffentlichung in Deutschland oder eine neue Sprache wären eine grosse Überraschung, eine Anthologie mit einer Kurzgeschichte eher klein.

Samstag, 10. September 2022

Bücher aus Bagdad

Es hört nie auf. Natürlich nicht. Und so soll es sein! Zumindest der Sammler von offenen Sammelgebieten muss damit leben, dass (definitionsgemäss) immer mal etwas Neues erscheint.
Und so sind plötzlich einige arabische Ausgaben von Romanen von Philip K. Dick bzw. فيليب ديك aufgetaucht: irgend eine Suche zeigte ein unbekanntes, merkwürdiges Umschlagbild und recht schnell fanden sich zunächst zwei Ausgaben. Eines der Bücher, die Androidenträume, ist schon im letzten Jahr erschienen, das andere, Das Orakel vom Berge, ist in diesem Jahr beim irakischen Verlag Dar Al Mada gefolgt. Der Verlag scheint, dem Namen nach, zu einer in Bagdad erscheinenden Zeitung zu gehören und hat ein durchaus westlich orientiertes, breites Programm.
Zwei arabische Ausgaben von Philip K. Dick
Philip K. Dick auf Arabisch, die Androidenträume (2021) und Das Orakel vom Berge (2022)

Samstag, 4. Juni 2022

Grosses aus England

Ulverscroft ist ein Verlag aus Leicester, einer der ältesten, von Städte Englands aus römischer Zeit. Und dieser Verlag bietet drei Bücher von Philip K. Dick.
Aufgetaucht sind die drei Bände schon vor einigen Jahren an den üblichen Orten, auch bei Amazon. Leider waren sie dort nicht (nie!) lieferbar und diverse, auch energische Beschaffungsversuche bei verschiedenen Anbietern schlugen fehl. Auch deutsche Fachhändler, sogar solche, die auf Bibliotheksbedarfe spezialisiert sind, waren nicht in der Lage, die Bücher zu besorgen, denn es handelt sich hier um Bücher, die (eher) für Bibliotheken produziert werden als für Privatkunden.
Philip K. Dick bei Ulverscroft
Electric Dreams, Do Androids Dream of Electric Sheep? und Ubik von Ulverscroft

Samstag, 23. April 2022

Irgendwie umsonst ...

Sammeln kann teuer sein … aber manchmal gibt es auch einfach etwas umsonst. Wobei „umsonst“ nicht bedeutet, dass es für den Sammler billig wird – von „einfach“ ganz zu schweigen.
Der populärste Roman von Philip K. Dick ist zweifelsohne Do Androids Dream of Electric Sheep?. Das liegt es in der Sache, dass dieser mehrfach „verschenkt“ worden ist: Die Verleger wollen mit einem bekannten Buch ihr Produkt fördern. So hat man das  bei der kurzlebigen britischen Magazinreihe Science Fiction Classics versucht, offenbar weniger erfolgreicher.
"Not for Resale" sagt CGW
Die Ausgabe gab es nur umsonst
"Not for Resale"
Im gleichen Jahr, 1997, war der Roman der britischen Ausgabe der Computerspielezeitschrift Computer Games World (CGW) beigelegt, hier mit dem Untertitel BThe Book Which Inspired Blade Runner.
Auf dem Umschlag sehen wir Harrison Ford, der Bezug zum Film ist deutlich und für die Leserschaft auch schlüssig. Warum genau das Buch der Mai-Ausgabe der CGW aber genau beigelegt war, erschliesst sich mir nicht. Man wollte letztlich auch hier die Zeitschrift attraktiver machen und besser verkaufen. Aber vielleicht war es auch eine (schlecht abgestimmte) Werbung für das gleichnamige Computerspiel, hier im Blog, das dann erst am Ende des Jahres erschienen ist. Möglicherweise wird in der Zeitschrift ein Grund genannt, ich konnte aber leider die britische Ausgabe der CGW nicht finden. Die US-Version findet sich vollständig gescannt und suchbar beim Internet Archive. Es ist zunächst eine Annahme, dass das Buch nur der britischen Ausgabe beilag, aber im Impressum wird der britische Verlag Voyager genannt. Tatsächlich ist das Buch bis auf Umschlag, Grösse und Impressum identisch zur Ausgabe des britischen Verlags Voyager aus der Reihe „mit dem grossen K“. Erstaunlicher- und unnötigerweise findet sich im Impressum auch eine ISBN. 
Harry und ... Sally?
Blade Runner von Voyager (1997) und Do Androids Dream of Electric Sheep? von Paperview (2004)

Samstag, 20. November 2021

Der König ist tot, es lebe die Königin!

Philip K. Dicks Roman Blade Runner, ursprünglich erschienen unter dem Titel Do Androids Dream of Electric Sheep?, sind eine Widmung, drei Verszeilen eines Gedichts von William Butler Yeats sowie eine Zeitungsmeldung vorangestellt. Diese drei kurzen Textteile sind leicht überlesen, hinter jedem verbirgt sich aber eine umfassendere Geschichte. Die Widmung an seine Schwiegermutter wurde in diesem Blogeintrag schon kurz behandelt und etwas umfassender im vorigen Eintrag die Verbindung zu Yeats betrachtet.
Auch die Meldung von Reuters aber hat ihre Geschichten.
Auckland

A TURTLE WHICH EXPLORER CAPTAIN COOK GAVE TO THE KING OF TONGA IN 1777 DIED YESTERDAY. IT WAS NEARLY 200 YEARS OLD.

THE ANIMAL, CALLED TUʻIMALILA, DIED AT THE ROYAL PALACE GROUND IN THE TONGAN CAPITAL OF NUKUʻALOFA.

THE PEOPLE OF TONGA REGARDED THE ANIMAL AS A CHIEF AND SPECIAL KEEPERS WERE APPOINTED TO LOOK AFTER IT. IT WAS BLINDED IN A BUSH FIRE A FEW YEARS AGO.

TONGA RADIO SAID TU’IMALILA’S CARCASS WOULD BE SENT TO THE AUCKLAND MUSEUM IN NEW ZEALAND.

Reuters, 1966
Tatsächlich ist im Mai 1966 Tu'i Malila, eine sehr alte, blinde Schildkröte, die lange am Hof des Königs von Tonga gehalten wurde, verstorben. Die Tradition überliefert, das es sich bei dem männlichen Tier um ein Geschenk des berühmten britischen Seefahrers und Entdeckers James Cook handelt, das dieser dem damaligen Herrscher 1777 während seiner dritten Südseereise geschenkt hat. Nach ihrem Tod ist die Schildkröte nach Neuseeland zum Auckland Institute and Museum geschickt und dort untersucht und konserviert worden.
Eine Schildkröte und "Blade Runner"
Nicht Tu'i Malila, sondern ein kleinerer Verwandter
Man darf annehmen, dass die Meldung real ist und nicht vom Autor erfunden. Der Inhalt der Meldung ist plausibel und entspricht dem damaligen Kenntnisstand, dazu mehr unten. Das Buch wurde 1968 veröffentlich, geschrieben hat Dick das Buch 1966: Man kann sich gut vorstellen, wie er die Meldung bei der Lektüre aus der Zeitung ausgerissen und auf den Stapel der fertigen Manuskriptseiten gelegt hat. Und wie sonst hätte Dick von diesem Ereignis – oder überhaupt der Existenz dieses Tieres – und den genannten Details erfahren sollen, um es dann als (fiktive) Zeitungsmeldung zu verarbeiten? Nicht gänzlich auszuschliessen ist aber, dass Dick die Meldung literarisch bearbeitet hat. Es bleibt also eine Übung die Originalmeldung im Archiv von Reuters zu recherchieren.

Samstag, 13. November 2021

Der Gesang des glücklichen Schäfers

Die neueste Ausgabe des Blade Runners aus dem vorigen Blogeintrag hat mich noch einmal den Blick auf das Epigraph von Philip K. Dicks Roman werfen lassen. Das Epigraph ist hier ein literarisches Zitat als vorangestellte atmosphäre Einführung für den Roman. 
Die Verse stammen aus dem im Buch ungenannten Gedicht The Song of the Happy Shepherd von William Butler Yeats. Es steht zwischen Widmung und der Meldung von Reuters und qualifiziert als ein solches Epigraph:
And still I dream he treads the lawn,
Walking ghostly in the dew,
Pierced by my glad singing through
So steht es nach der Widmung in Do Androids Dream of Electric Sheep? und so steht es zunächst auch in deutschen Übersetzungen. Erst in der aktuellen Neuübersetzung von Manfred Allié sind auch diese Verse übersetzt:
Und immer noch seh ich im Traum
Ihn geisterhaft durchs Taugras springen,
Erfüllt von meinem heitren Singen.
Die Gedichte von W. B. Yeats
Es bleibt etwas unklar, wer diese Übersetzung verfertigt hat. Denn ein Blick in Die Gedichte, die aktuelle Neuübersetzung von Yeats Lyrik bei Luchterhand (2005), zeigt, dass Mirko Bonné, Übersetzer des ersten Buches, Scheidewege, in dem dieses Gedicht enthalten ist, die Worte so gewählt hat. Bei Bonné heisst das Gedicht Der Gesang des glücklichen Schäfers. Man muss annehmen, dass Allié für sein Buch diese Übersetzung übernommen hat; ein Hinweis dazu fehlt in allen drei Ausgaben der Allié-Übersetzung.
In den Worten und Werken von Philip K. Dick gibt es zahlreiche Bezüge zu Yeats, dabei mehrfach zu diesem Gedicht. Im kurz nach Blade Runner geschriebenen Der galaktische Topfheiler [Galactic Pot-Healer, 1969] zitiert ein taxifahrender Roboter es. Im wiederum kurz danach geschriebenen Die Mehrbegabten [Our Friend from Frolix 8, 1970] wird es ohne Nennung des Titels erwähnt; und da das Gedicht „vor [Bob] Dylan“ ist, interessiert es die junge Freundin des Protagonisten im Roman nicht – man mag vermuten, dass Dick hier eigene Erfahrungen verarbeitet, seine Frau Nancy war zu dieser Zeit Anfang zwanzig (und letztlich war Dylan mit seiner Lyrik ja wohl auch nicht schlechter, seinen Nobelpreis hat er 2017 erhalten).
Zu einem Höhepunkt kommen die Bezüge zu Yeats in Dicks letzten Werken, der (sogenannten) Valis-Trilogie: Der zweite Band, Die Göttliche Invasion, zitiert den glücklichen Schäfer und Die Wiedergeburt des Timothy Archer zitiert dann genau die drei Verse aus dem Blade Runner

Samstag, 6. November 2021

Blade Runner (Teil 14)

Schon 2019 sind die Soulmates erschienen. Zehn Bände Männerliteratur aus den Männerwelten: Es geht um Androiden, Milliardäre, Boxer, Senatorensöhne, Bergmänner, Armenärzte, Polarforscher; Helden. Männer eben. Aber halt, es ist natürlich „Männerliteratur“, denn Männer gibt es nicht mehr, nur noch „Männer“. Und so war der Aufschrei auch gross – zehn Bücher und keines von einer Frau dabei!
Band 1 der Soulmates: Blade Runner von Philip K. Dick

Samstag, 11. September 2021

Mazedonisch

Nachdem ich die (vorerst) vorletzte „echte“ Lücke in der Unterabteilung „Sprachen“ in der Sammlung unerwartet schliessen konnte, über jene georgische Ausgabe habe ich kürzlich berichtet, habe ich einen erneuten Versuch unternommen, die unauffindbare mazedonische Ausgabe doch noch zu erbeuten.
Wie nicht anders zu erwarten, liess sich das gesuchte Buch nicht finden. The Minority Report, das Buch zum Film, 2005 auf Mazedonisch unter dem Titel МАЛЦИНСКИ ИЗВЕШТАЈ erschienen, bleibt unauffindbar. Der interessierte Leser mag (noch einmal?) den vorigen Blogeintrag zum Minderheitenbericht lesen.
Zwei Romane von Philip K. Dick auf Mazedonisch
Träumen Roboter von elektrischen Schafen? und Das Orakel vom Berge (rechts)
Die Suche förderte aber zwei weitere – mir vorher unbekannte – mazedonische, ebenfalls filmbegleitende Bücher hervor: Die Übersetzungen von The Man in the High Castle und Do Androids Dream of Electric Sheep?, beide erschienen 2017 beim Verlag Polica in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje.

Samstag, 15. Mai 2021

Blade Runner 2019 oder Was hat das mit Beuys zu tun?

Wenn man jemanden erklären muss, wer Philip K. Dick ist, dann sagt man, wenn man es sich selbst und seinem Gesprächspartner nicht schwer machen will, „das ist der Autor von Blade Runner“. Das stimmt natürlich nur halb, aber es erfüllt seinen Zweck.
Der Status von Blade Runner hat Ridley Scotts Film, der 1982 in die Kinos kam, lange davor bewahrt, fortgesetzt zu werden. Erst 2017 ging es mit Blade Runner 2049 von Regisseur Denis Villeneuve weiter – und das war durchaus gelungen, wie ich fand, wenn auch wieder wenig erfolgreich. Dieses Mal wollte man aber das Franchise entwickeln und zumindest die Comics dazu (wenn auch nicht die angedachten weiteren Fortsetzungen, Serien usw.) haben es in die Realität geschafft.
Panini Comics - Blade Runner 2019
Die ersten beiden deutschen Ausgaben von Blade Runner 2019
Die ersten zwei deutschen Ausgaben heissen Los Angeles und Off-World  Jenseits der Erde, der dritte Band mit dem Titel Wieder zu Hause ist bei Panini Comics noch nicht angekündigt (Update: angekündigt für den 28.09.2021). Eine französische und italienische Übersetzung im gleichen Format sind ebenfalls herausgekommen.