Samstag, 24. Februar 2018

Zehn elektrische Träume

Die erste Veröffentlichung von Philip K. Dick ist in diesem Jahr am 22. Februar die Anthologie Electric Dreams beim Fischer Verlag. Diese Ausgabe verdanken wir natürlich der gleichnamigen britischen Fernsehserie, die seit Anfang des Jahres auch bei Amazon in Deutschland verfügbar ist.
Electric Dreams mit zehn Kurzgeschichten von Philip K. Dick beim Fischer Verlag (2018)
Fischer hat für das Buch praktisch die englische Ausgabe von Gollancz von 2017 übernommen, inklusive dem psychedelischen Umschlagbild. Für die Übersetzungen wurde auf die Sämtlichen Erzählungen zurückgegriffen. Die kurzen Einführungen der Regisseure der jeweiligen Folge, die im englischen Original jeder Geschichte vorangehen, sind verloren gegangen. Ich halte das für einen mässigen Verlust, da diese Einführungen doch aus der Sicht von Filmschaffenden geschrieben sind, die m. E. wenig Neues über Dicks Werks sagen. Ein Cineast - ich benutze dieses Wort hier auch einmal für das moderne Fernsehen - wird das wohl anders sehen und die Leser dieser Anthologie kommen ja wohl meist von der Serie, daher muss man Fischer wohl Punkte abziehen. Allerdings wird der Fernsehzuschauer sowieso Schwierigkeiten haben, die Serie in den Geschichten wiederzufinden, gelegentlich ist doch nur eine Idee von Dick aufgenommen und arg transformiert, am ärgsten vielleicht in der Folge Real Life. Diese Transformation ist gar nicht schlecht und tut der Verfilmung auch eher gut, ist aber vielleicht unerwartet.
Amazon hat offenbar mit der Reihenfolge der Episoden gespielt und die amerikanischen Folgen nach vorne geschoben. Da es fast keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Folgen gibt, spielt das keine grosse Rolle. Dafür gibt es ein paar Anspielungen auf Dick, in der Folge Fosters neue Welt gibt es etwa eine Glen Runciter High School.
Was ist nun drin in der Sammlung von Fischer? Es sind diese zehn Kurzgeschichten:
  1. Ausstellungsstück [Exhibit Piece], Folge Real Life
  2. Der Pendler [The Commuter], Folge Der Pendler
  3. Der unmögliche Planet [The Impossible Planet], Folge Der unmögliche Planet
  4. Der Gehenkte [The Hanging Stranger], Folge Tötet Alle Anderen!
  5. Eine todsichere Masche [Sales Pitch], Folge Crazy Diamon
  6. Das Vater-Ding [The Father Thing], Folge Das Vater-Ding
  7. Der Haubenmacher [The Hood Maker], Folge Der Haubenmacher
  8. Foster, du bist tot [Foster, You're Dead], Folge Fosters neue Welt
  9. Menschlich ist [Human Is], Folge Menschlich ist...
  10. Autofab [Autofac], Folge Autofac
Die Kurzgeschichte Der Pendler ist damit zum ersten mal ausserhalb der Sämtlichen Erzählungen erschienen, Foster, du bist tot ist zum elften Mal veröffentlicht, die anderen eher öfter als weniger - es handelt sich also überwiegend um die populäreren Geschichten von Dick. Damit bleibt Erinnerungen en gros, auch wenn es hier nicht berücksichtigt ist, mit 16 deutschen Veröffentlichungen unbedrängt die am meisten veröffentlichte Kurzgeschichte. 
A Maze of Death
A halál útvesztője bei
Agave (2014) in Ungarn
Im Original hat Gollancz dem Titel noch ein Volume 1 beigefügt und die Bände 2 und 3 sind für Ende 2018 und 2019 bereits angekündigt. Ob sie erscheinen, ist natürlich abhängig vom Erfolg der Serie (wenn nicht, werden diese Bände bis zum Ende aller Zeiten in allen mögliche Katalogen und Liste auftauchen und Sammler für immer verwirren). Eine weitere Staffel der Serie ist noch nicht angekündigt, Material genug wäre ja da. Volume 1 ist jetzt auch als Hardcover bei Houghton Mifflin Harcourt erhältlich - natürlich auf Englisch.
Das Motiv des Umschlagbildes hat sich übrigens schon bei der ungarischen Version von Dicks A Maze of Death bewährt, A halál útvesztője, herausgekommen 2014 bei Agave, wo Dicks Romane in Ungarn seit 2003 fast komplett erschienen sind.
Im Web findet man Electric Dreams auf Wikipedia und es gibt eine Leseprobe bei Fischer.
Zum ersten Erscheinen von Foster, Du bist tot in der Sowjetunion gibt es auch schon einen spannende Beitrag in diesem Blog. Und natürlich findet sich in diesem Blog auch ein bibliographischer Überblick der Ausgaben von Fischer und - ganz neu - ein Überblick über Philip K. Dick in Film und Funk in Deutschland.

Samstag, 3. Februar 2018

Dedication

Der vorige Blogeintrag zu den Widmungen in den deutschen Werken von Philip K. Dick hat bei mir zu weiteren Nachforschungen geführt, deren Ergebnisse ich hier auch festhalten möchte, auch wenn es sich nicht um deutsche Widmungen, sondern um die englischen Originale handelt.
Nicht alle Widmungen haben es aus dem Englischen ins Deutsche geschafft und diese verlorenen Widmungen sollen hier betrachtet werden - vorbehaltlich der Tatsache, dass meine Sammlung hier möglicherweise nicht ganz vollständig ist.
Da ist zunächst To Eph Konigsberg who talked fast and talked very well in The World Jones Made. Die frühen Ausgaben bei Goldmann, wo Die seltsame Welt des Mr. Jones zuerst erschien,  waren insgesamt etwas lieblos und haben auch die Widmung nicht übernommen. Konigsberg war im Fandom sehr aktiv, man kann annehmen, dass er mit Dick in Kontakt stand; sein Nachruf findet sich auch im Netz.
Widmung an Stanley G. Weinbaum im Roman Deus Irae
This novel, in loving memory, is dedicated to Stanley G. Weinbaum, for his having given the world his story 'A Martinan Odyssee' ist die Widmung in Deus Irae (1976), in der deutschen Ausgabe Der Gott des Zorns fehlt diese Widmung allerdings. Weinbaums Kurzgeschichte A Martinan Odyssee heisst in der deutschen Übersetzung Mars-Odyssee und ist nach der deutschen Erstausgabe von 1970 im gleichnamige Band bei Heyne in der Serie Science Fiction Classics erschienen - und dann noch ein halbes Dutzend mal. Sie ist auch recht früh in der DDR, in der Anthologie Der Diamantenmacher bei Neues Leben (1972) erschienen. Die Geschichte gilt als eine der besten Science Fiction Kurzgeschichten. Möglicherweise stammt diese Widmung allerdings auch von Roger Zelazny, mit dem Dick diesen Roman gemeinsam geschrieben hat - immerhin hat Dick die Lust daran schon verloren und Zelazny hat den Roman zu Ende geschrieben.
In einigen der späteren Ausgaben von DADoES gibt es im englischen Original auch eine Widmung an seinen langjährigen Freund Tim Powers und dessen Frau Serena , mindestens seit 1982 bei Ballantine, Gollancz verwendet allerdings weiterhin die ursprüngliche Widmung an seine (4.) Schwiegermutter Maren Bergrud.
In der DAW-Ausgabe von 1972 von We Can Build You gibt es die Widmung For Kathy Demuelle, my best friend, "Mea voluptas, mea deliciae, mea vita, mea amoenitas" (auf Deutsch: "Gern geschehen, mein Liebling, mein Leben, meine Freundlichkeit"). Kathy ist ein (sehr junger) Schwarm aus Dicks dunklen Zeiten (1970/1971), mehr dazu findet sich auch in Anthony Peakes Buch A Life of Philip K. Dick (Seite 95ff.) - spätestens mit der Vintage-Ausgabe von 1994 ist das auf eine Widmung an Ginny und Robert Heinlein geändert, die man dann auch in den deutschen Ausgaben finden kann.
Die schon im vorigen Blogeintrag genannte, etwas eigentümliche Widmung an seine vierte Frau, To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written in The Man in the High Castle hat Dick zwar 1973 ändern lassen, die britischen Ausgaben haben diese Änderung aber nicht mitgemacht und auch aktuelle Ausgaben, so die von Folio (2015), sind noch Anne gewidmet.
Am Schluss sollte man noch eine Widmung an Tessa erwähnen, die es im Deutschen nicht gibt: To Tessa and Christopher, my sun and son, who together light up my life and make, to me, the world: A visible thing ist vermutlich die ursprüngliche Widmung in Martian Time-Slip, die dann nach der Trennung von Tessa auf die an Hurst im Jahr 1976 geändert wurde.
Eine Übersicht über die deutschen Widmungen findet sich hier im Blog.