Samstag, 28. April 2018

Limited Edition

Ein Ted Naifeh Cover für The Man in the High Castle
The Man in the High Castle von Philip K. Dick
in der limited edition Comic-Con Ausgabe
Beim Sammeln geht es meist um alte Dinge, Dinge, die es, weil sie alt sind, nur selten gibt. Aktuelle Ausgaben von Büchern spielen da oft eine untergeordnete Rolle (dieser Blog beobachtet und bespricht aber auch die deutschen Neuerscheinungen von Philip K. Dicks Büchern genau, zumal sie auch selten genug sind).
Aktuelle Ausgaben, die das Interesse des Sammlers wecken, sind in der Regel die teuren Sammlerausgaben, in der letzten Zeit sind das die beiden Folio-Ausgaben und vorher vielleicht die Collected Stories von Subterranean. Eine relativ aktuelle Ausgabe, die bisher aber relativ unbeachtet geblieben ist, ist die limited edition 2015 von The Man in the High Castle. Diese Ausgabe war nicht frei verkäuflich, sondern wurde auf der San Diego Comic-Con 2015 (9. bis 12. Juli) bei der Premiere der gleichnamigen Amazon-Serie an die Besucher verteilt, vermutlich auch auf der folgenden New Yorker Comic-Con im Oktober. Solche Promotionartikel erreichen natürlich dann doch den Markt - und dort auch wegen ihrer Exklusivität meist hohe Preise. Das kann man auch von dieser Ausgabe erwarten, oft gezeigt hat sie sich tatsächlich noch nicht, daher lässt sich das Preisniveau auch nicht einschätzen. Die Ausgabe ist recht aufwändig gestaltet - Amazon hat ein eigenes Cover spendiert. Der renommierte Comiczeichner Edward Ted Naifeh hat das Cover gestaltet. Auf dem Cover hält die Hand Hawthorne Abendsens Buch im Buch The Grashopper Lies Heavy, auf anderen Darstellungen Naifehs ist das eine Filmrolle - entsprechend der Amazon-Serie. Diese anderen Motive wurden auf der Comic-Con als Poster und Drucke verteilt.
Das Orakel vom Berge, Rückseite einer englischen Ausgabe von 2015
Rückseite von The Man in the High Castle
Darüber hinaus gibt es eine Lawine von Merchandising aus dem TMitHC-Umfeld der Serie, das diesen Blog nicht weiter beschäftigen wird.
Suchen muss man auch die Informationen über dieses Buch, an den üblichen Orten ist es nicht verzeichnet - weder in der Internet Speculative Fiction DataBase, die 59 englische Ausgaben verzeichnet (dabei sind aber verschiedene Auflagen sonst unveränderter Ausgaben - insbesondere die vielen Berkley-Ausgaben machen das ziemlich unübersichtlich), noch auf dem etwas übersichtlicheren Philip K. Dick Bookshelf mit 34 Ausgaben.
Daher kurz zu den bibliographischen Angaben des Buches: The Man in the High Castle, Boston, New York: Mariner Books (2015), 274 Seiten, Paperback. Weiterhin steht da First Mariner Books 2011, auch wenn die entsprechende Ausgabe von Mariner erst 2012 herausgekommen ist. ISBNs sind zwei angegeben: 978-0-547-57248-2, das ist auch die von Mariner 2012 und die Special Markets ISBN 978-0-544-75048-7. Man kann also annehmen, dass es sich bei dem Buch um die Mariner-Ausgabe von 2012 mit einem neuen Cover und einer minimalen Ergänzung im Impressum um die Special Markets ISBN handelt. Es gibt keinen Bezug auf Amazon oder die Serie. Die Widmung ist auch die in den USA übliche, die spätere nämlich an seine Frau Tessa, die auch in Deutschland entsprechend übernommen ist: To my wife, Tessa, and my son, Christopher, with great and awful love. Die britischen Ausgaben folgen der ursprünglichen Widmung an Anne.
Diese Ausgabe zu erwerben ist sicher nicht leicht - und damit um so attraktiver für einen Sammler. Die beste Chance hat man wohl in der amerikanischen Bucht. Wie viel man bezahlen will oder muss, hängt davon ab, wie sehr man dieses Buch in seiner Sammlung braucht, für den Komplettisten ist das Buch aber unbedingt ein Muss.
Die zehn deutschen Ausgaben von Das Orakel vom Berge finden sich hier im Blog.

Samstag, 7. April 2018

¡Nicht nur Spanisch!

Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Spanisch
Blade Runner von Philip K. Dick in einer spanischen
Ausgabe von Minotauro (2012)
Sommer - Urlaub - Spanien: Ein schöner Dreiklang für den deutschen Urlauber. Dieser Blog widmet sich zu diesem Akkord den spanischen Ausgaben der Werke von Philip K. Dick - und auch den Ausgaben in Spanien (und das ist nicht dasselbe).
Dicks erste Roman ist in Spanien im September 1960 erschienen, El tiempo doblado [The World Jones Made]. Der war in Deutschland bereits 1958 unter dem Titel Geheimprojekt Venus erschienen - dort aber schon als zweiter Roman. Im Monat zuvor war in Deutschland schon der Griff nach der Sonne erschienen, der in Spanien wiederum einen Monat nach El tiempo doblado erschien, im Oktober 1960 unter dem Titel Lotería solar. Diese Solar Lottery war 1955 Dicks erster (veröffentlichter) Roman und dann in den meisten Ländern einer der ersten übersetzen Romane.
In den folgenden Jahren erscheinen dann in Spanien regelmässig verschiedene Romane von Dick, allerdings deutlich verstärkt seit der Jahrtausendwende, bisher insgesamt rund 140. Allerdings sind offenbar noch immer nicht alle Bücher von Dick auf Spanisch erschienen, es fehlen immerhin noch sechs seiner (allerdings meist eher schwächeren) SF-Romane, u. a. Das Jahr der Krisen [The Crack in Space] und Der galaktische Topfheiler, der hierzulande nach längerer Zeit gerade wieder bei Fischer erschienen ist. Wirklich missen muss man in Spanien aber auch einen von Dicks besseren Romanen, Die Lincoln-Maschine [We Can Build You].
Zu den SF-Romanen kommen noch mehr als 20 Anthologien, dabei sind natürlich auch die wahlweise drei- oder fünfbändigen Cuentos completo, die Sämtlichen Erzählungen. Wenig übersetzt sind dagegen die Mainstream-Romane, hier gibt es nur vier Ausgaben von drei Romanen, nämlich Ir tirando [Puttering About in a Small Land], Mary y el gigante und die Confesiones de un artista de mierda - und diese Ausgaben sind auch schon aus den Jahren 1988 bis 1992. 
Bei der Betrachtung der Ausgaben sind hier auch Bücher inbegriffen, die in Argentinien und Mexiko erschienen sind. Das sind 18 argentinische und sechs mexikanische Ausgaben, dabei auch die einzige Ausgabe von Mary. In Argentinien war 1953 wohl auch die erste übersetzte Kurzgeschichte erschienen, Los defensores [The Defenders] in der ersten Ausgabe von Más Allá, einer Zeitschrift die hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich Geschichten aus Galaxy übernahm - so ist wohl auch Dick hier hereingeraten.
We Can Remember It for You Wholesale von
Burlington Books auf Zypern
Wenn man wieder nach Spanien sieht, findet man allerdings auch Publikationen in anderen Sprachen, über die hier im Blog schon ausführlicher berichtet wurde und die daher nur kurz benannt werden sollen: Es sind zum einen die fünf katalanischen Ausgaben des Blade Runner und eine Anthologie in baskischer Sprache. Baskisch und Katalan nutzen übrigens die ISBN Gruppennummer 84 von Spanien.
Schliesslich sei hier noch eine etwas obskure Kurzgeschichtensammlung erwähnt, We Can Remember It For You Wholesale, erschienen beim Schulbuchverlag Burlington Books. Sheila Thompson hat hier drei Geschichten von Dick vereinfacht nacherzählt. Mit einem Vokabelteil soll dies Eleven des Englischen in Spanien helfen, die Texte zu verstehen - obwohl Dick meist schon eine einfache Sprache verwendet (und vielleicht taucht Dick deshalb öfter in Schulbüchern auf). Einführung und Vokabelteil sind viersprachig in Spanisch, Kastellan, Baskisch und Galizisch. Burlington Books residiert in Limassol auf Zypern, daher hat dieses Buch - als einziges in meinem Katalog - eine zyprische ISBN: 9963-617-31-X. Und daher bleibt es auch im Katalog, wenn auch als Kuriosität.
Die Rückseite von We Can Remember It
For You Wholesale mit der zyprischen ISBN
In PKD Otaku 2 und 5 von 2002 findet sich die zwei Teile der sehr lesenswerten und sehr ausführlichen Geschichte der frühen spanischen Übersetzungen von Gerardo Acosta; vieles darin ist wohl typisch für diese Zeit in vielen Ländern. Dieses Essay im speziellen und PKD Otaku im Allgemeinen sind höchst empfehlenswert, die Seite philipkdickfans.com (wo PKD Otaku derzeit zu finden ist) sowieso.
Man hört gelegentlich, dass Wide Books an einer Bibliographie der spanischen Ausgaben arbeitet, analog den Precious Artifacts, die bei Wide 2012 erschienen sind und die die englischen Ausgaben von Dick listet (gefolgt von einem zweiten Band, der sich mit den Kurzgeschichten beschäftigt). Von Wide kann man einen schönen und vollständigen Überblick über alle spanischen Ausgaben erwarten.
Aktuelle spanische Bücher lassen sich in Deutschland verlagsneu auf die übliche Art und Weise bestellen. Aber man kann ja auch im Urlaub einfach mal in einen Buchladen gehen und einfach mal den spanischen Dick mitnehmen - und hat dann nicht nur ein neues Stück für die Sammlung, sondern auch ein schönes Andenken.
Der beste Katalog, den ich für meine Recherche nach spanischen Ausgaben im Netz finden konnte, ist tercerafundacion.net, eine sehr lebendige Seite zum Thema Science Fiction und Fantasy.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.