Philip K. Dick war fünfmal verheiratet. Das hinterlässt Spuren: in der
Oakland Tribune vom 15. Juni 1950 findet sich das Aufgebot von Dicks
zweiter Ehe, er heiratet die 19-Jährige Kleo Apostolides.
Geheiratet haben
Apostolides und Dick tatsächlich schon am 14. Juni, offenbar haben sie das
Aufgebot (license) unmittelbar vor der Hochzeit bestellt, das ist in
den USA nicht unüblich. Die beiden sind neun Jahre verheiratet, das ist
länger als Dicks andere Ehen halten. Und Dick beginnt seine
schriftstellerische Karriere in dieser Zeit.
Der sechste Eintrag in der Spalte Licenses Issued:
DICK–APOSTOLIDES
Scan ist Courtesy of the California Digital Newspaper
Collection, Center for Bibliographic Studies and Research,
University of California, Riverside,
http://cdnc.ucr.edu
|
Über Kleo ist leidlich viel bekannt. Im Gegensatz zu Anne und Tessa hat
sie selbst nicht publiziert, Sutin hat aber ein Kapitel zu ihr. Ihrer
Tochter aus zweiter Ehe, Anne Mini, erzählt hat sich über den ersten Mann ihrer Mutter und deren Beziehung
geäussert. (Anne Mini sagt in dem Interview mit Bezug auf 2-3-74 auch: “… Kleo [has] … written about this event, …”; mir zumindest ist aber
keine derartige Publikation bekannt.) In jedem Fall hat Kleo ihren Mann am
Anfang seiner Karriere unterstützt – und mit ihm gelitten: In seiner
Einführung zur Kurzgeschichtensammlung Der goldene Mann
schreibt Dick:
[…] Das hat mit einem Aspekt zu tun, der […] im Leben vieler freiberuflicher Schriftsteller eine Rolle spielt. Dieser Aspekt heißt Armut.Heute lache ich darüber, und ich fühle gleichzeitig so etwas wie Nostalgie, denn in vieler Hinsicht waren diese Tage die schönsten für mich, besonders in den frühen fünfziger Jahren, als meine Karriere als Schriftsteller begann. Wir waren arm, oder richtiger, wir – meine Frau Kleo und ich – waren bettelarm. Und uns gefiel das kein bißchen. Armut festigt nicht den Charakter. Das ist ein Mythos. Aber sie macht einen guten Buchhalter aus einem; man zählt genau. Besonders das Geld, wenig Geld, zählt man immer wieder und dreht jeden Pfennig zweimal um, ehe man ihn ausgibt.
Später beschreibt er, wie er (in einer oft zitierten Szene) im
Tierbedarfsgeschäft Lucky Dog Pet Shop versucht, Hundefutter
zu kaufen – um es selbst zu essen. Es waren harte Zeiten für Kleo und ihn,
aber offenbar – zumindest in der Rückschau – auch schöne Zeiten, das
spricht für Kleo.
Wie eng der Kontakt von Kleos Tochter Mini mit Dick war, wird
unterschiedlich bewertet. Mini ist selbst als Schriftstellerin tätig und
beschreibt in ihren Memoiren
A Family Darkly: Love, Loss, and the Final Passions of Philip K.
Dick regelmässige Telefongespräche mit ihm. Er gibt ihr dabei Hinweise
für ihre eigenen literarischen Arbeiten. Dick hat tatsächlich viel und
lange telefoniert, das ist belegt. Man könnte aber wohl auch einen Stapel
Briefe vom notorischen Briefschreiber Dick bei ihr erwarten, die sie nicht
erwähnt. Dick ist gestorben als Mini 15 Jahre alt war.
Der berüchtigte Trust hat dem Memoir zwischenzeitlich ein
Ende gesetzt: es durfte nicht publiziert werden. Das erscheint ein harsches
Vorgehen zu sein.
Der
oben gezeigte Scan findet sich beim Center for Bibliographical Studies and Research (CBSR) der University of California Riverside als Teil
der California Digital Newspaper Collection, das ist auch der Web-Tipp der Woche. Hier finden sich weitere spannende
Artikel, über die hier im Blog noch zu berichten ist.
In Deutschland wurde das Aufgebot übrigens 1998 abgeschafft.
Biographisches
Die fünf Ehen des Philip K. Dick:
- Jeannette Marlin (* 1. Januar 1927) ⚭ 14. Mai bis November 1948
- mehr über Jeanette Marlin findet sich in zwei Artikeln von Frank Hollander: First of Five: The Mystery of Jeannette Marlin in PKD Otaku 26 und An Update on Jeanette Marlin in PKD Otaku 34
- Kleo Apostolides (* 1930/31) ⚭ 14. Juni 1950 bis 1959
- Anne Williams Rubinstein (* 16. Januar 1927) ⚭ 1. April 1959 bis Oktober 1965
- Nancy Hackett (* ca. 1943) ⚭ 6. Juli 1966 bis 1972 (?)
- Leslie „Tessa“ Busby (* 20. Juni 1954) ⚭ 18. April 1973 bis 1977
Anzumerken ist das konstant niedrige Alter der Braut (mit Ausnahme von Anne).
Bibliographisches
Die sehr lesenswerte (und wichtige) Einführung zu
Der Goldene Mann findet sich in allen drei deutschen Ausgaben der
Sammlung bei Moewig, übersetzt von Joachim Körber.
Dick hatte die Einführung für die amerikanische Ausgabe der Sammlung
The Golden Man
geschrieben, zuerst erschienen ist sie aber unter dem Titel
The Lucky Dog Pet Shop in
der Zeitschrift Foundation #17, September 1979.
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