Samstag, 31. Dezember 2016

Rückblick 2016

Neue deutsche Bücher von und über Philip K. Dick, darum geht es ja in diesem Blog hauptsächlich, sind selten. Daher sind die drei Ausgaben der 3. Staffel bei Fischer, das vorläufige Ende der Serie, ein wichtiger  Neuzugang in der Sammlung. Das Highlight des Jahres ist aber sicher der Appendix Dick von Tommi Brem. Ich bin immer noch sehr begeistert ein solches Buch aus Deutschland zu sehen.
Zwar nicht neu, aber doch erst in diesem Jahr entdeckt sind die beiden Auszüge im Handbuch der literarischen Hochkomik bei Haffmans. Ein Hinweis darauf, dass noch anderes auf Entdeckung wartet.
Ein Höhepunkt des Jahres war aber auch der Erwerb von Mutant 9 (1966), eines der seltenen Fanzines, das einen Text von Dick enthält, hier ein Brief zu einer Kontroverse um Das Orakel vom Berge. Vorher war Mutant 9 ein weisser Wal, von dem es nur undeutliche Sichtungen gab und wenig Hoffnung ein Exemplar in die Sammlung aufzunehmen.
Verlässt man den deutschen Sprachraum, so ist die erste Veröffentlichung auf Ukrainisch erwähnenswert, die Übersetzung in die 35. Sprache. Zwar nicht neu, aber auch erst in diesem Jahr entdeckt, ist die erste Veröffentlichung von Dick im Russischen in Ogonek 16 (1958), die weihnachtliche Kurzgeschichte Der Bunker.
In meiner Sammlung gab es ein paar kleinere Fortschritte bei Ace, bei dem Verlag bin ich aber noch weit davon entfernt, vollständig zu sein. Viel ist bei Gollancz dazugekommen und auch bei Penguin, das ich mit seinen schönen Covern dieses Jahr eigentlich erst entdeckt habe. Die britischen Ausgaben machen viel Freude.
Erwähnenswert sind auch ein paar sehr schöne Einzelstücke, herausgreifen möchte ich Valis von Kerosina (wirklich ein Schnäppchen) und Do Androids Dream of Electric Sheep? von Fabbri (das ich auch seitdem nicht wieder gesehen habe).
Es war also ein gutes Jahr für die Sammlung. In der Hoffnung, dass es im nächsten Jahr genauso wird, wünsche ich allen Lesern & Sammlern viel Erfolg mit ihrer Sammlung und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Samstag, 24. Dezember 2016

Ukrainisch

Wie im vorigen Jahr, so ist auch in diesem Jahr ist das Werk von Philip K. Dick in eine weitere Sprache übersetzt worden, nach meiner Zählung ist das die 35. Sprache. Im vorigen Jahr ist Baskisch dazugekommen, jetzt ist es Ukrainisch.
Затьмарення, die erste ukrainische Ausgabe von Philip K. Dick auf
Ukrainisch von komubook (2016), im Original A Scanner Darkly
Die erste ukrainische Ausgabe ist Затьмарення, eine Übersetzung von einem der besten Romane von Dick, A Scanner Darkly, im deutschen Der dunkle Schirm. Im Original ist das Buch 1977 bei Doubleday erschienen, auf Deutsch 1980 bei Bastei Lübbe. Der ukrainische Herausgeber ist komubook, die nach eigenen Angaben erste ukrainische crowd-publishing Plattform. Man hat sich zum Ziel gesetzt "Autoren wie William Burroughs und Henry Miller, Charles Bukowski und Douglas Coupland, den Marquis de Sade, John Fowles und Ken Kesey" - und eben auch Philip K. Dick - erstmalig auf Ukrainisch zugänglich zu machen. Man kann dieser Absicht nicht widersprechen und Dick sollte sich bei diesen Kollegen wohlfühlen.
Auch dieses Jahr hat der Weihnachtsmann
etwas von Philip K. Dick gebracht -
eine ukrainische Ausgabe!
Der literarische Anspruch des Herausgebers spiegelt sich auch durchaus in der Auswahl von Dicks Werken wieder, die in anderen Sprachen ja oft verwundern lässt. Hier aber hat man klug gewählt: Der dunkle Schirm gehört sicher zu den anspruchsvollsten Werken von Dick, genau wie Чи мріють андроїди про електричних овець?, auf Deutsch Träumen Roboter von elektrischen Schafen?, das ebenfalls 2016 erschienen ist. Dazu kommt die für März/April 2017 geplante Ausgabe von Das Orakel vom Berge (Людина у високому замку) - hier kann man sich noch beteiligen!
Finden lassen sich diese Ausgaben derzeit in der Bucht, am einfachsten wenn man mit der ISBN 978-966-97490-1-7 für Den dunklen Schirm und 978-966-97490-6-2 für die Roboter sucht. Die Preise für die Hardcover-Ausgaben liegen dort zwar deutlich über dem (ukrainischen) Ladenpreis, sind aber inklusive Versandkosten vergleichbar denen von handelsüblichen deutschen Hardcovern.
Einen Überblick über die verschiedenen Sprachen und die jeweiligen Erstausgaben findet sich hier im Blog.
Frohe Weihnachten!

Samstag, 17. Dezember 2016

Fantastisch

Ein etwas älterer Fund im Bestand ist Die fantastischen 6, herausgegeben von Charlotte Kerner bei Beltz & Gelberg von 2010. Das Buch verspricht im Untertitel Die Lebensgeschichten von Mary Shelley, Bram Stoke, J. R. R. Tolkien, Stanislaw Lem, Stephen King und (eben auch von) Philip K. Dick. Die Herausgeberin selbst schreibt auf nicht mal 50 Seiten unter dem Titel Blade Runner - Philip K. Dick (1928-1982) wurde zum Kafka Amerikas selbst über den Autoren. Sie gliedert ihren Text in zwanzig kurze Kapitel, die - und das ist eine schöne Idee - mit passenden Titeln von Kurzgeschichten von Dick überschrieben sind.
Die fantastischen 6 von Charlotte Kerner bei Beltz & Gelberg
von 2010 mit einer lesensweten Biographie von Philip K. Dick
Und sie schafft es auf diesem für den Anspruch Lebensgeschichte beschränkten Platz auch wirklich ein interessantes Bild von Dick zu zeichnen. Vieles über das sie schreibt, konnte man auf Deutsch so noch nicht lesen - wenn es auch den Leser englischer Quellen weniger überraschen dürfte. Insbesondere die relativ lange Betrachtung der Kindheit ist beachtenswert. Ausserdem wird uns das Bild von Dick als zwar genialem, aber drogenabhängigem Verrückten erspart und Dicks 2-3-74 Erlebnis differenziert diskutiert.
Auch für den mit Dick vertrauten Leser wird dieser Text so absolut ein Gewinn. Die Biographie von Sutin, Philip K. Dick: Göttliche Überfälle macht dieser Text nicht überflüssig, das ist schon wegen des Umfangs kaum möglich, aber er ergänzt ihn durchaus.
Die Beiträge zu den anderen fünf Fantastischen sind von jeweils anderen Autoren und lesen sich - zumindest für den hier weniger Kundigen - durchaus gut; der Text über Lem erwähnt auch die kritische Interaktion mit Dick.
Auch wenn dieses Buch - zumindest nach persönlichem Empfinden - nur relativ leise erschienen ist, gehört es doch zweifelsfrei als Standardwerk in jede Dick-Sammlung - und ist nicht nur für den Sammler interessant, sondern hat jedem an Dick Interessierten etwas zu bieten.
Bei der Suche nach diesem leicht zu findendem Band sollte man auf beste Erhaltung bestehen - oder einfach gleich neu kaufen, das Buch ist derzeit noch zum Originalpreis von 18 Euro erhältlich. Man wird trotzdem einen in jedem Fall lohnenden Fang machen.

Samstag, 10. Dezember 2016

Deutsches Science Fiction Magazin

Deutsches Science Fiction Magazin, Ausgabe 5 mit einem Artikel über die
Verfilmung von Do Androids Dream of Electric Sheep? als Blade Runner
Gerade in letzter Zeit erscheint Philip K. Dick und eine Auseinandersetzung mit seinem Werk nur im Zusammenhang mit Verfilmungen, die auf seinen Geschichten basieren, so zuletzt auch bei The Man in the High Castle. Das war aber auch schon bei der ersten Verfilmung so, beim 1982 ins Kino gekommenen Film Blade Runner. Ein Beispiel dafür findet sich in einer Ausgabe vom Deutschem Science Fiction Magazin, Ausgabe 5 von 1982. Hier ist ein reich bebilderter Artikel zum Blade Runner zu finden, in der auch Dick mit den Worten Das ist nicht mein Roman zitiert wird, allerdings auch mit der Aussage, dass eine spätere Drehbuchfassung dann dem Streit ein Ende machte. Ganz gerecht wird das den letztlich bekanntermassen enthusiastischen Aussagen von Dick über den Film nicht. Nun ja.
Enthalten ist in dieser Ausgabe des Magazins eine recht negative Kritik über das Heyne SF Magazin 4 (1982), das auch Auszüge des Interviews von James van Hise mit Dick aus dem August 1981 enthält - in denen er natürlich auch über den Blade Runner redet. Und offenbar ist dieses Interview auch die - leider ungenannte - Quelle der Aussagen Dicks über den Film. Enthalten sind im Heyne SF Magazin 4 auch ein Nachruf auf Dick und eine Rezension zu Warte auf das letzte Jahr.
Heyne Science Fiction Magazin 4
Das Deutschem Science Fiction Magazin enthält übrigens auch eine nette Geschichte über einen Besuch bei Wernher von Braun (der natürlich nichts mit Dick zu tun hat). Und überhaupt ist das Lesen in diesen alten Magazinen sehr unterhaltsam. Überraschend vieles daraus ist doch noch aktuell, auf die eine oder andere Art in jedem Fall.
Natürlich stellt sich auch hier die Frage: Braucht man so etwas in der Sammlung? Der Bezug ist zunächst nur auf den Film Blade Runner da, aber dann ist da doch auch ein bisschen (mehr) Dick drin. Und der Rest ist halt auch nett. Letztlich weiss man beim Kauf oft nicht, was man bekommt und wenn man so ein Stück erst mal halt ... behält man es halt, auch wenn nur wenig Dick drin ist. Aber ist das für die Sammlung nicht egal?
Die meisten Magazine dieser Art werden glücklicherweise relativ rege gehandelt und können mit etwas Geduld zu sehr moderaten Preisen erworben werden - das gilt für professionelle Magazine, die in einer gewissen Auflage herausgekommen sind - das unterscheidet sie von den meist schwer zu findenden Fanzines mit oft minimaler Auflage.



Samstag, 3. Dezember 2016

Polnisch

Die erste polnische Ausgabe eines Romans von Philip K. Dick ist Ubik, erschienen bereits 1975. Dem Leser von Dicks Briefen oder biographischen Auszeichnungen ist das wohlbekannt, da Dick sich zur Vor- und Nachgeschichte dieser Veröffentlichung ausführlich geäussert hat. Und natürlich hat diese Geschichte eine gewisse Bekanntheit, weil sich Lem zunächst sehr für Ausgabe eingesetzt hat und man wohl davon ausgehen kann, dass es in Polen 1975 ohne Lems Einsatz kam möglich gewesen wäre den Roman eines US-amerikanischen Autoren herauszubringen. Dick verstrickt sich dann aber in Verschwörungstheorien gegenüber Lem, deren Ursache aber letztlich wohl Dicks Enttäuschung über die unbefriedigenden Tantiemen ist.
Die polnische Ausgabe ist aber wohl der erste im Ostblock veröffentlichte Roman von Dick. Tatsächlich folgen in Polen auch noch einige weitere Romane vor den Umwälzungen von 1989; selbst in Russland ist bis zu diesem Zeitpunkt kein Roman von Dick erschienen - obwohl dort bereits 1958 eine Kurzgeschichte erschienen war.
Letztlich haben diese frühen Ausgaben die Popularität von Dick und damit die grosse Zahl von Übersetzungen und Ausgaben der Werke von Philip K. Dick in Polen wohl massgeblich befördert. Fast jeder Roman liegt in Polnisch vor, viele auch in mehreren Ausgaben und es gibt eine Werk-Edition von Rebis.
Człowiek z Wysokiego Zamku, eine von sechs polnischen Ausgaben von Das Orakel
vom Berge
, herausgegeben im Verlag Zysk i S-ka (1999), im Original The Man
in the High Castle
von Philip K. Dick
Polnische Ausgaben sind in Deutschland leicht und bezahlbar zu erwerben, sowohl neue als auch antiquarische. Viele der üblichen Online Händler führen aktuelle polnische Werke, in der Bucht lässt sich danach fischen - spätestens in deren polnischer Ausgabe findet sich etwas - und bei den üblichen Antiquariatsmarktplätzen tauchen immer wieder polnische Ausgaben auf. Die Anzahl der polnischen Ausgaben ist aber recht gross, man sollte sich einen Einstieg hier also genau überlegen.
Mir ist es leider noch nicht gelungen die oben genannte erste Ausgabe von Ubik zu erwerben, obwohl sie nicht wirklich selten oder teuer zu sein scheint, jedoch häufig schlecht erhalten. Aber eine befriedigende Ausgabe, die zu einem akzeptablen Preis nach Deutschland geschickt wird, ist sicher noch ein lohnendes Ziel - ich werde wohl in diesem Blog darüber berichten, wenn ich sie der Sammlung zuführen konnte. 
Eine ausführliche polnische Bibliographie von Dicks Werk findet sich in der Encyklopedii Fantastyki. Ein allgemeiner Überblick über die Übersetzungen von Dicks Werken findet sich in diesem Blog.