Samstag, 25. Februar 2017

Noch mehr Fischer ... 2017

The Man in the High Castle - Das Orakel vom Berge,
die neueste Ausgabe von Philip K. Dick bei Fischer (2017)
Ein wenig unerwartet gibt der Fischer Verlag auch im Jahre 2017 zwei Ausgaben von Werken von Philip K. Dick heraus. Nachdem der Verlag neuere Exemplare von Das Orakel vom Berge mit einem grossflächigen Aufkleber auf den Markt gebracht, der auf die Amazon Serie The Man in the High Castle hinwies, die auf dem Roman basiert, ist jetzt eine neue Taschenbuchausgabe mit eben diesem Titel erschienen: The Man in the High Castle. Der ursprüngliche deutsche Titel Das Orakel vom Berge erscheint noch als Untertitel. Nicht nur im Titel, auch bei der Umschlaggestaltung knüpft das Buch an die Serie an. Leider erfahren wir über den Gestalter des (im Unterschied zur Klassik-Reihe wirklich ansprechenden) Umschlags nur www.buerosued.de; wahrscheinlich ist auch Design jetzt Teamarbeit, was auch immer das bedeutet.
Natürlich versucht Fischer mit dieser Ausgabe an der Popularität der Amazon Serie teilzuhaben, deren erste Staffel Amazons most-watched Eigenproduktion ist. Die zweite Staffel ist bei Amazon in deutscher Version seit Januar 2017 verfügbar. Eine dritte Staffel ist geplant.
Mit zehn Ausgaben lässt Das Orakel vom Berge damit auch endgültig den Blade Runner hinter sich, von dem es nur sieben Ausgaben Ausgaben gibt.
Dieses Buch ist natürlich nicht das Buch zur Serie. Es handelt sich auch bei dieser Ausgabe um einen Nachdruck der ursprünglich 2000 bei Heyne erschienen Neuübersetzung von Norbert Stöbe, "innen" absolut identisch mit der Ausgabe von 2014.
Das Original des Romans erschien 1962, die deutsche Erstausgabe ist erst 1973 beim Kleinverlag König erschienen, übersetzt von Heinz Nagel. Leider ist bei der Neuübersetzung von 2000 die Widmung verloren gegangen. Offenbar hatte Dick die deutsche Ausgabe des Romans An Ernst Jünger für "Auf den Marmorklippen" gewidmet (leider lässt sich dazu nicht mehr finden). Die Neuübersetzung trägt die Widmung der englischen Ausgabe, Für meine Frau Tessa und meinen Sohn Christopher, in tiefer Liebe. Pikanterweise tragen einige englischsprachige Ausgaben aber auch die Widmung To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written. Ich konnte leider nicht nachprüfen, welche Widmung die ersten englischen Ausgaben hatten, vermutlich aber die an Anne, da Dick, als er das Buch 1961 schreibt (und 1962 veröffentlicht), mit Anne verheiratet ist. Anne fertigt beruflich Schmuck an, auch Dick versucht sich darin und das findet seinen direkten Niederschlag im Roman, wo Frank Frink es ebenso versucht. Anne Dick hat auch eine spannende Biographie über ihr Leben mit Dick geschrieben, vintage Schmuck von ihr wird gelegentlich auf etsy angeboten.
Die Übersetzung von 1965 ins Italienische war wohl die erste, inzwischen gibt es 17 italienische Ausgaben (gerade in den letzten Jahren gibt es da viele Varianten des selben Covers), so viele gibt es wohl auch sonst in keiner der 24 anderen Sprachen, in dies es noch übersetzt ist.
Ausser diesem Taschenbuch mit einem neuen Cover gibt es auch eine Hardcover Ausgabe von Fischer, dazu mehr in einem separaten Blogeintrag - es gibt selten genug neue deutsche Ausgaben und einiges zu diesem Hardcover zu sagen.
In diesem Blog findet sich auch sonst noch einiges zu diesem Roman (wohl mehr als zu jedem anderen Buch von Dick), der Eintrag mit dem Titel Folio befasst sich auch mit den verschiedenen deutschen Ausgaben.
Ein Überblick über Philip K. Dick bei Fischer findet sich auf der Verlagsseite hier im Blog.
Erhältlich sind beide Bücher überall im Buchhandel, nicht nur bei Amazon - und dort, beim Buchhandel, sollte man seine Bücher auch kaufen. Anschauen kann man sich das dann bei Amazon.

Samstag, 11. Februar 2017

Dickheads Metamorphosen

Metamorphosen 15 (2016) mit einem Interview mit
Tommi Brem über Dickheads und seinen Appendix Dick
Als Nachhall auf den im letzten Jahr erschienenen sensationellen Appendix Dick, ist jetzt noch ein Gespräch mit dem Autoren Tommi Brem erschienen. In der Nummer 15 (Oktober - Dezember 2016) der Zeitschrift metamorphosen, einem Magazin für Literatur und Kultur, ist Tommi Brem im Gespräch unter der Überschrift Vampire? Autohändler und Schallplattenverkäufer!
Man möchte Brem und seinem Gesprächspartner Michael Watzka gerne länger zuhören - bzw. mehr als die drei Seiten lesen. Es geht - ausser natürlich um Appendix Dick - mehr um das Fandom, die Dickheads, und die Rezeption von Dick als um Dick selbst; das erspart dem wissenden Leser vermutlich die üblichen Floskeln über Dick. Und Bremms Bemerkungen zu einer geplanten Enzyklopädie oder einem Tarot sind dem Autoren dieses Blogs zumindest neu.
Angesprochen wird auch die fehlenden Fan-Fiction zu Dicks Werk (vielleicht steht die Frage unter dem Eindruck eines Interviews am Anfang des Magazins, in dem auch das Perry-Rhodan-Universum durchquert wird, in dem Fan-Fiction eine wichtige Rolle spielt). Fehlen tut m.E. hier die Anmerkung, dass es wohl keine (oder wenig?) klassische Fan-Fiction von Amateuren zu Dicks Werk geben mag, aber eben viel Literatur von Profis, die hier im Blog Recursive genannt und des öfteren besprochen wird - und die Zahl der Autoren und Bücher, die als von Philip K. Dick beeinflusst oder an Philip K. Dick erinnern ist gross. Dick war sicher ein Writers' Writer, ein Autor, der von anderen Autoren des Genres sehr geschätzt wurde und bei diesen grossen Eindruck hinterlassen hat - und das durchaus auch schon zu seinen Lebzeiten. Diese Anmerkung sei in diesem Blog erlaubt, auch wenn es ja sonst mehr um's Sammeln geht.
Noch einmal zurück zu Appendix Dick: Das grosse Interesse an diesem Buch zeigt sich auch darin, dass der Eintrag dazu in diesem Blog mittlerweile der meistgelesene ist - oder zumindest der meist geklickte (denn in diesen schnelllebigen Zeiten wird nicht alles gelesen, was geklickt wird - schon gar nicht so viel Text).
Wenigstens erwähnt werden sollte, das auch die anderen Artikel, hauptsächlich Interviews und Kurzgeschichten, absolut lesenswert sind (und natürlich fällt dabei - diese Ausgabe der Metamorphosen hat schliesslich den Untertitel Science Fiction - auch hier und dort der Name Dick).
Metamorphosen 15 kann man noch beim Verlag bestellen - auch wenn sich der Shop gelegentlich ein klein wenig widerspenstig zeigen mag. Der Preis von vier Euro (zuzüglich einem Euro Versandgebühr) für ein Magazin dieser Qualität sollten die Frage, ob man seine Sammlung um dieses Stück erweitern soll, beantworten.

Samstag, 4. Februar 2017

Die Zeit

Jede neue Entdeckung macht Spass und gerade beim Sammeln ist der Fund eines vorher gänzlich unbekannten Stücks oft eine grössere Freude als das Füllen einer bereits bekannten Lücke. Ich dachte wirklich, dass ich alle erschienenen Kurzgeschichten im Katalog hätte.
Programmheft zur Aufführung von Botho Strauss
Die Zeit und das Zimmer an der Schaubühne am
Lehniner Platz in Berlin (1989)
Auf einem meiner Fischzüge fand ich jedoch ein Angebot für das Programmheft zu Botho Strauss Die Zeit und das Zimmer. Das Angebot kam mit einem vollständiges Inhaltsverzeichnis des Programmhefts und es sollte eine Reihe von Kurzgeschichten zum Thema Zeit enthalten. Und eine dieser Geschichten war Eine Kleinigkeit für uns Temponauten von Philip K. Dick. Tatsächlich hatte ich dieses Angebot schon einmal gesehen, konnte das aber nicht verifizieren und hielt das daher einfach für einen Fehler, es war einfach nicht zu glauben. Dieses mal habe ich dann einfach zugegriffen, das Risiko war überschaubar - es wäre ja auch nicht der erste Fehlkauf.
Das Buch traf dann schnell ein und es enthält tatsächlich die Kurzgeschichte von Dick. Es handelt sich um das Programmheft des Stücks Die Zeit und das Zimmer, uraufgeführt am 8. Februar 1989 (Keine Pause!) an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin unter der Regie des 2015 verstorbenen Luc Bondy. Das Programmheft enthält auf der ersten Seite eine Liste der Schauspieler und ihrer Rollen sowie weitere Mitwirkende und dann auf rund 140 Seiten Geschichten und Gedanken zum Thema Zeit: Fast zwei Dutzend Texte, zusätzlich zu dem von Dick auch von J. G. Ballard, Jorge Luis Borges, Lewis Carroll und weiteren.
Die hier gewählte Kurzgeschichte zählt zu den populärsten Geschichten von Dick und wurde bisher zwölf mal auf Deutsch veröffentlich, erstmalig in Spinnenmusik bei Heyne (1979) in der Übersetzung von Sylvia Pukallus. Zuletzt ist die Geschichte in 2016 namensgebend bei Fischer in der Anthologie Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten erschienen, so ist der Titel der späteren Übersetzung von Clara Drechsler. Die Übersetzung der Geschichte in Ullsteins Anthologie Brennpunkt Zukunft (1984) erledigte offenbar der nicht ganz unbekannte Denis Scheck.
Das Programmheft lässt sich häufig, bezahlbar und in guten Zustand finden - wohl weil es sich weniger um ein normales Programmheft, sondern um ein Büchlein handelt, das nicht den übliche Weg solcher Programmhefte genommen hatte. Das Heft war wohl ein Angebot zu Hause zu lesen, dem offenbar genug Theaterbesucher gefolgt sind - zumindest haben sie es nicht weggeworfen.
Der Überlick über Sämtliche Kurzgeschichten und der Überblick nach Quelle sind entsprechend ergänzt.