Freitag, 17. Mai 2019

Konvolutisch - Magnum Methuen

Es ist mal wieder ein Konvolut ins Netz gegangen, dieses mal in der britischen Bucht. Ich konnte es nicht ganz so billig, wie ursprünglich erhofft, an Bord ziehen, habe aber immerhin beim Porto gespart. Konvolute oder auf Englisch Lots können für einen Sammler attraktiv sein, weil sich das Porto verringert und weil meist wenig Interesse an einer zusammengewürfelten Menge von Büchern besteht. Wer an einem Autoren - wie Philip K. Dick - interessiert ist, hat meist schon einiges im Schrank und niemand möchte etwas kaufen (und bezahlen!), was man schon hat. Ausserdem erscheinen Konvolute häufig nicht in spezifischen Suchen und sind daher weniger beachtet.
Sechs auf einen Streich (von rechts): The Simulacra und The Man Who Japed von
Methuen, A Maze of Death von Panther und mit Chris Moore Cover von Grafton,
The Variable Man von Sphere und A Handful of Darkness bei Panther 
Wenn man also als Sammler auf ein Konvolut stösst, das wenige Doubletten enthält - und selbst die können noch die Qualität der Sammlung verbessern - sollte man den Wert abschätzen, die Portokosten einbeziehen (gerade bei ausländischen Angeboten) und dann ggf. energisch zugreifen.
So ganz ist mir das bei diesem Lot nicht gelungen, es wurde mehr an Bord gespült als gezogen - und teurer als gedacht wurde es auch; dafür ist der Zustand der einzelnen Exemplare wirklich gut, „Regalbücher“ eben.
Herausragen tut dabei A Maze of Death von Panther Books (1984), einem Imprint von Granada. Das Cover von Tim Gill ist bemerkenswert in der Ausführung der Illustration, so geben die verschneiten Berge dem Bild viel Atmosphäre. Aus Sicht der Sammlung ist erwähnenswert, dass dieser Band eher schwer zu finden ist. Das liegt mal wieder daran, dass die ISBN dieser 1984er Panther Ausgabe - von der es mehrere Auflagen gibt - auch von der 1992er Grafton Ausgabe (Grafton ist ebenfalls ein Imprint von Granada) benutzt wird, die auch Teil des Konvoluts ist. Ohne - meist unzuverlässige - Angabe des Erscheinungsjahres, Verlags oder ein Originalbild lassen sich die Ausgaben auf den üblichen Portalen nicht unterscheiden ... egal, jetzt sind ja beide Bände in der Sammlung angekommen.
The Simulacra mit einem Chris Moore Cover
bei Magnum (1977), leider nur das Paperback;
das Hardcover sieht fast identisch aus, dort fehlt
nur  unten rechts das gelbe Magnum Verlagslogo
Die Zusammensetzung dieser Auktion hat meine Aufmerksamkeit auch auf einen kleineren britischen Herausgeber gelenkt. Der britische Methuen Verlag hat in den 70er und 80er Jahren 15 Ausgaben von Philip K. Dick publiziert. Unter dem Verlagsnamen Eyre Methuen, so hiess der Verlag zeitweise, sind als britische Erstausgaben die zwei heute nur teuer erhältlichen Romane The Simulacra und The Man Who Japed erschienen. Die Paperbacks sind unter dem Imprint Magnum überwiegend mit Umschlagbildern vom unvermeidlichen Chris Moore erschienen, u. a. Dr. Futurity von 1979, immerhin vor vierzig Jahren die letzte britische Ausgabe des Romans (nein, gibt's nicht bei Gollancz). 1983 sind dann noch mal drei Ausgaben mit Richard Sparks Covern erschienen, die man auch am gestreiften Rand erkennen kann. Sparks hat zu der Zeit einige weitere Cover bei Methuen gemacht, sonst im Bereich Science Fiction aber kaum anderes.
Methuen/Magnum bietet ein nettes, geschlossenes und übersichtliches Sammelgebiet, wenn man sich denn auf einzelne Verlage konzentrieren möchte. Ich tue das im Rahmen der Sammlung, relativ erfolglos mit Vintage und etwas erfolgreicher mit Penguin. Allerdings dürften die Hardcover ein schwer zu stemmender Brocken sein. Der Verlag ist übrigens - im Gegensatz zu Panther und vielen anderen - immer noch ein unabhängiger Verlag, nicht nur eines von vielen Imprint von einem der Branchenriesen.
Die beiden Hardcover-Ausgaben sind unter dem Verlagsnamen Eyre Methuen erschienen und nicht selten, aber teuer. Die Magnum Paperbacks sind bezahlbar und in Grossbritannien gut erhältlich.
Mehr zu Methuen und MagnumPanther und Grafton bei Wikipedia. Es gibt eine Seite im Blog zu Methuen mit dem Imprint Magnum.

Preise

Bei fast 25€ ist der Hammer gefallen. Das Gesamtporto waren dann noch mal 10€.
Die Hardcover Ausgaben von Methuen liegen bei 200€. 
Disclaimer

Samstag, 11. Mai 2019

Wild Cards

Wild Cards mit Howard Waldrops Dreissig Minuten über
dem Broadway
, der Untertitel ist Jetboys letztes Abenteuer!
Wirklich ganz am Rande der Sammlung erscheint Wild Cards 1: Vier Asse, herausgegeben von George R. R. Martin vor dem gewaltigen Erfolg seiner als Game of Thrones verfilmten Fantasy-Sage Das Lied von Eis und Feuer.
Laut dem Gründungsmythos dieser shared universe Serie oder auf Deutsch Mosaikromane, in dem ausser Martin mehr als vierzig weitere Autoren schreiben, entstand die Serie aus einem gemeinsamen Rollenspiel. Martin und einige Mitspieler beschlossen die im Spiel erlebten Abenteuer literarisch aufgearbeitet aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
Gleich die erste Geschichte erklärt die Entstehung der Superkräfte, die einige Menschen, die sogenannten Asse, fortan haben. In Howard Waldrops Dreissig Minuten über dem Broadway [Thirty Minutes Over Broadway!] tauchen zwei Nebenfiguren mit den Namen Silverberg und A. E. auf und damit wird natürlich auf die bekannten amerikanischen Science Fiction Autoren Robert Silverberg und A. E. van Vogt angespielt, beide übrigens aus dem engeren Bekanntenkreis von Dick - van Vogt war ein explizites Vorbild. Das Verwenden von Namen echter Personen, meist Freunden oder Bekannten, in literarischen Werken - überwiegend ist dies in der Science Fiction üblich - nennt sich im Englischen tuckerization. Dieser Tuckerismus gehört im weiteren Sinne zur Meta-SF und recursive Science Fiction. Dick selbst wird in Waldrops Kurzgeschichte - indirekt - auch noch mit einem solchem Tuckerismus geehrt, auf Seite 59 findet sich, als der Protagonist verschiedene Bücher im Schaufenster eines Buchladens sieht:
Eines hieß Der Grashüpfer lastet schwer von jemanden namens Abendsen (Hawthorne Abendsen, offenbar ein Pseudonym).
Natürlich bezieht sich das auf Dicks Roman Das Orakel vom Berge, der Autor eines fiktiven Buches heisst dort Hawthorne Abendsen. Das Buch heisst im englischen Original The Grasshopper Lies Heavy, in der Erstausgabe von 1973  bei König wurde das von Heinz Nagel mit Schwer liegt die Heuschrecke übersetzt, von Norbert Stöbe dann für Heyne (2000) mit Die Plage der Heuschrecke. Beziehen tut sich die Zeile auf einen Vers der Bibel, so steht es ja auch schon im Roman. Genauer gesagt ist es Ecclesiastes, 12:5 (aus der King James Übersetzung, die Dick mutmasslich verwendet hat):
when [...] the almond tree shall flourish, and the grasshopper shall be a burden
Martin Luther nennt das Kapitel Der Prediger Salomon und übersetzt das letzter Hand mit:
Wenn der Mandelbawm blühet / vnd die Hewschrecken beladen wird
Und in der Lutherbibel 2017 heisst es dann:
wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt
Man sieht aber, dass grasshopper lies heavy kein direktes Zitat aus der Bibel zu sein scheint (es findet sich wohl in keiner englischen Bibelübersetzung so), man kann daher auch nicht den Anspruch auf einen Lutherübersetzung erheben. Christian Jentzsch, der Übersetzer der Vier Asse hat also nichts wirklich falsch gemacht.
Braucht man diese Kurzgeschichte in der Sammlung? Eher nicht, aber recursive macht mir Spass und bei der Suche nach dieser Textstelle war mir nicht klar, wie klein der Bezug zu Dick in den Dreissig Minuten letztlich war. Das Buch geht also in die Sammlung.
Finden kann man Martins Asse problemlos und kostengünstig, es gibt auch eine neue Ausgabe bei Penhaligon (2016) unter dem Titel Vier Asse. In den USA ist in diesem Jahr Band 27 der Wild Cards erschienen, es gibt also viel zu lesen ... und weil Martin nicht selber schreiben muss, gibt es wohl auch regelmässig Neues.
Nicht zum ersten mal, aber immer wieder richtig, hier ein Verweise auf die New England Science Fiction Association, die sich intensiv mit recursive Science Fiction beschäftigt hat. Und in diesem Blog findet man alles von Heyne hier und alles zu Dick in Meta-SF/recursive hier.

Preise

Wild Cards 1: Vier Asse, Heyne (1996), ab 1 € zuzüglich Porto.

Samstag, 4. Mai 2019

Kross

The Three Stigmata of Palmer Eldritch von Voyager
Neue Zugänge in der Sammlung bringen mich meist dazu, den Katalog im Umfeld des Neuzugangs aufzuräumen, dabei findet sich auch immer Unerwartetes.
So war es jetzt auch bei The Three Stigmata of Palmer Eldritch von Philip K. Dick. Diese Ausgabe ist 1996 bei Voyager erschienen, dem Science Fiction Imprint des US-amerikanischen Verlags HarperCollins. Panther und Granada, die in den 70er und 80er Jahren in Grossbritannien sehr viel von Dick veröffentlicht haben, sind in den 90ern im Voyager Imprint aufgegangen: isfdb weisst die ersten Bücher von Voyager 1995 nach. Dieser Tage firmiert Voyager übrigens als HarperVoyager, Dick ist nicht mehr im Programm.
Es zeigt sich, dass diese Ausgabe der Stigmata zu einer Reihe von 16 Bänden gehört, die Voyager zwischen 1996 und 1999 herausgebracht hat. Ausgezeichnet sind sie durch das auf dem Cover gross gestaltete K der mittleren Initiale des Autorennamens.
Zumindest dieser Band von Stigmata war exklusiv für den britischen Filial-Buchhändler Waterstone's aufgelegt, so kann man es bei den verlässlichen PhilipKDickFans und im PKD Otaku #6 nachlesen. Im Impressum des Buches findet sich allerdings kein Hinweis auf eine Sonderausgabe. PKD Otaku #6 druckt auch die für diese Ausgabe geschriebenen kurzen einführenden Worte der britischen Autorin Fay Weldon ab.
Ausser den Romanen gibt es noch zwei Bände der Collected Stories mit dem grossen K. Herausgekommen sind wohl nur Band 2, Second Variety und Band 3, The Father-Thing. Das Erscheinungsdatum dieser Bände wird mal mit 1990/91 und mal (z. B. bei isfdb) mit 1996/97 angegeben - letzteres erscheint mir plausibler, vermutlich hat der Verlag mal wieder das Impressum nicht aktualisiert und das Erscheinungsdatum der Grafton Ausgaben von 1991 beibehalten, obwohl es sich um Voyager Ausgaben von 1997 handelt, zumal die Ausgaben jeweils auch die ISBN teilen. Leider habe ich die Exemplare nicht in der Sammlung, um das zu prüfen.
Philip K. Dick bei Voyager - mit dem grossen K
Drei weitere Bände der Reihe bedürfen besonderer Erwähnung. Zu A Maze of Death gibt es zwar ein Cover und eine Erwähnung in Precious Artifacts (aber nicht bei isfdb), sonst finden sich aber kaum Spuren und auch kaum (seriöse) Angebote im Netz. Dann gibt es noch zwei Geisterbände, The Transmigration of Timothy Archer und Galactic Pot-Healer. Es gibt im Netz zwar einige wenige Funde dazu, isfdb meint zum Topfheiler aber may not have been published.
Gänzlich fehlen tut in der Reihe Valis. Während die Invasion erschienen und Timothy Archer wenigstens geplant war, fehlt eigentümlicherweise der erste Band der Serie.
The Divine Invasion - Ubik - The Cosmic Puppets - Our Frieds from Frolix 8
Bände dieser Reihe sind - abgesehen von A Maze of Death und den Geisterbänden - im Prinzip gut zu beschaffen. Ausserdem gibt es wohl einige Doppelungen von ISBNs, die wir bei den britischen Verlagen öfter finden - kein Wunder, hat Voyager doch die dafür notorischen Panther und Grafton übernommen; man sollte also aufpassen, was man kauft und nicht jedem Beispielbild trauen. Dafür müssen die Bücher nicht so weit reisen, was die Portokosten deutlich senken kann. Alles in allem ist das also ein schönes Sammelgebiet, wenn man nicht alle englischen Ausgaben sammeln will - oder ein übersichtliches Teilgebiet, auf das man sich zunächst konzentrieren kann. Und die Umschlagbilder von Chris Moore sind ja auch ganz hübsch.
Eine rustikale, aber gehaltvolle Liste der englischsprachigen Veröffentlichungen findet sich im Locus Index to Science Fiction: 1984-1998. Hier gibt es auch einen Verweis auf die exklusive Ausgabe von Stigmata für Waterstone's - und noch weitere Details, die man nicht überall findet.
Bibliographische Details zu dieser Reihe von Voyager finden sich auf einer separaten Seite in diesem Blog.

Samstag, 27. April 2019

Lange Träume

Der Milliarden Jahre Traum, Bastei Lübbe (1990)
Sieht man sich die deutschsprachige Sekundärliteratur zu Philip K. Dick an, landet man bei den wenigen Monographien und einer nur wenig grösseren Anzahl von Artikeln in verschiedenen Magazinen und Zeitungen. Übersehen kann man dabei einige umfassendere Werke, in denen über Dick umfassender geschrieben wird, als in vielen Artikeln. Ein Beispiel dafür ist Der Milliarden Jahre Traum. Die Geschichte der Science Fiction von Brian W. Aldiss und David Wingrove. Man kann Aldiss durchaus einen Fan von Dick nennen, er sagt selbst, dass er alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen habe. Es kann also nicht verwundern, wenn Dick nicht nur häufig, sondern auch sehr erwähnt wird. Aldiss hat sein Buch ursprünglich schon 1973 als Billion Year Spree - The History of Science Fiction veröffentlicht. Das wurde zu einem Klassiker, wenn auch einige der aufgezeichneten Thesen umstritten sind. 1980 erschien das Buch als Der Millionen-Jahre-Traum bei Bastei Lübbe auf Deutsch. Die problematische Übersetzung vom englischen Billion ins Deutsch Millionen führte dann bei der nächsten Ausgabe zur völligen Verwirrung.1986 kommt eine mit David Wingrove erweiterte Ausgabe unter dem Titel Trillion Year Spree heraus, zu Deutsch dann Der Milliarden Jahre Traum, wieder bei Bastei Lübbe (1987). Damit ist es nun hoch verwirrend, dass Der Milliarden Jahre Traum eben nicht die Übersetzung des Billion Year Spree ist. Darüber hinaus hat der Moewig Verlag in der ersten Ausgabe von 1987 Aldiss' Koautoren Wingrove vergessen - daher gibt es 1990 eine echte Neuausgabe mit leicht verändertem Umschlagbild und der Nennung von Wingrove als Koautoren.
Die Behandlung von Dick findet überwiegend in den letzten Kapiteln des Buches statt, die erst in der Ausgabe von 1986 hinzugekommen sind. Aldiss nennt dort Philip K. Dick und Kurt Vonnegut Autoren, die den Klischees der Science Fiction ihren eigenen Stempel aufdrücken. Ein Zitat von Vonnegut eröffnet auch das Buch, auch Vonnegut ist wohl ein Autor, den Aldiss sehr schätzt.
Dieses sehr umfänglich Buch kommt auf 940 Seiten, davon 23 Seiten Index und über 100 Seiten Endnoten. Eine umfänglichere Besprechung des Buches findet sich z. B. Kirkus.
Auf Deutsch gibt es von Aldiss zu Dick sonst nur eine Übersetzung von Dick's Maledictory Web: About and Around Martian Time-Slip in Uwe Antons schwer zu findenden Materialien (1976).
Nur auf Englisch erschienen ist eine kurze dramatische Arbeit, ein Dialog, in dem Aldiss den Geist von Dick mit einer Frau reden lässt: Kindred Blood in Kensington Gore, Avernus (1992). Mehr zu dem Stück hat Andrew May in Philip K Dick in the Afterlife: An imaginary conversation dazu geschrieben, auf Aldiss' Webseite findet man eine Aussage von Aldis selbst zu dem Stück.
Aldiss' lange Träume sind in diversen Ausgaben auf Deutsch leicht erhältlich, über Dick findet sich umfassendes nur im Milliarden Jahre Traum. Auch sein Theaterstück ist nicht schwer zu finden - leider ist meine Ausgabe verschollen, die nächste Inventur wird sie hoffentlich wieder zu Tage bringen.
Natürlich gibt es zahlreiche Kurzgeschichten und Romane von Aldiss auf Deutsch, den Helliconia-Zyklus kann man den Klassikern der Science Fiction zurechnen.
Brian W. Aldiss ist im Jahr 2017 im Alter von 92 Jahren in Oxford gestorben.
Eine Liste der deutschen Sekundärliteratur zu Philip K. Dick findet sich hier im Blog, zu Brian W. Aldiss natürlich bei isfdb.

Preise

Der Milliarden-Jahre-Traum antiquarisch ab 4€ überall

Kindred Blood in Kensington Gore findet man für knapp 10€ bei unterschiedlichen Anbietern, zuzüglich sehr unterschiedlichem Porto.

Samstag, 20. April 2019

Big Box

Wenn man über 30 Bücher angeboten findet, also nicht 34, so viele sind es nämlich tatsächlich, dann geht es mal wieder um ein Konvolut, ein wahres Konvolut. Und für das Kaufen en gros habe ich mich begeistert, also musste ich es versuchen ...
Neu in der Sammlung: 32 Bände Philip K. Dick bei Mariner, fast in der
Regenbogen-Reihenfolge, hier fehlen nur drei Bände bis zur Vollständigkeit
32 Bände Mariner (30 SF-Romane und zwei der Mainstream-Ausgaben) und zwei uninteressante  (weil bereits in der Sammlung) andere, nicht aus der Serie - das ist fast die komplette 35-bändige Gesamtausgabe von Mariner. Von der Reihe fehlen hier nur Time Out of Joint und The Man in the High Castle - und Ubik: The Screenplay, das ist genau der eine Band von Mariner, der schon im Regal steht.
Dieser Schwarm musste in der deutschen Bucht also mit dem Netz gefangen werden, am Schluss wäre er (undank eines besseren Gebots) fast noch entkommen, aber mit einem energischer Zug konnte dann das Netz geschlossen und der Fang eingeholt werden. Ein grosser Kauf, aber, wie alle Konvolute, ein lohnender, wenn man den Betrag durch die Menge teilt, alleine die Ersparnis beim Porto. Es hat sich gelohnt! Und so habe ich in diesem Jahr schon mehr Zugänge als im letzten.
In den USA ist die Reihe bei Mariner, erschienen von 2011 bis 2013, die (einzige) aktuell verfügbare Gesamtausgabe, vergleichbar nur mit der Reihe von Vintage aus den 90er Jahren. Die einzelnen Exemplare sind eher langweilig - es gibt keine Vor- oder Nachwörter oder andere Extras und die Umschlagbilder begeistern mich nicht (sind aber besser als bei Fischer!). Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass praktisch alle Bände von einem Verlag gleichzeitig verlagsneu verfügbar sind. Selbst Vintage hat das wohl seinerzeit kaum geschafft, da die Reihe über einen Zeitraum von 14 Jahre erschienen ist (dazu wird in diesem Blog auch noch einmal zu schreiben sein). Wie Vintage hat es auch Mariner nicht ganz geschafft wirklich alles herauszubringen, es fehlen vier SF-Romane: Nick and the Glimmung, ein Kinderbuch das nicht ganz in die Reihe passen würde sowie Radio Free Albemuth, auch eher randständig.
Und es fehlt, wie bei Vintage, The Ganymede Takeover, das Dick gemeinsam mit Ray Nelson geschrieben hat. Vermutlich gibt es in den USA Probleme mit den Rechten - die letzte Ausgabe ist dort 1977 erschienen (in Grossbritannien ging das besser). Fehlen tut auch Do Androids Dream of the Electric Sheep? - man findet es gelegentlich im Netz unter dem Titel Blade Runner als Film Tie-in von Mariner, vermutlich handelt es sich aber um einen Geisterband, der nie erschienen ist. Dafür sind in der Reihe - immerhin - zwei der neun Mainstream Romane erschienen.
Es gibt noch zwei weiter Ausgaben von The Man in the High Castle bei Mariner, die limited edition wie berichtet und ein Buch zur Serie von 2017.
Mariner ist das Paperback Imprint des in Boston ansässigen Verlags Houghton Mifflin Harcourt, dem Verlag, der 2011 die erstaunliche Exegesis herausgebracht hat.
Mariner Paperbacks lassen sich verlagsneu überall kaufen, wo es englische Bücher gibt. Gebraucht findet man sie fast nur hinter der Portomauer in den USA.
Bibliographischen Daten zu Mariner und Houghton Mifflin Harcourt finden sich hier.

Preise

2,20€ pro gut erhaltenem Band, inklusive Porto.
Neu ab ca. 11€.
Disclaimer

Samstag, 13. April 2019

Sekundär seltsame Welten

Edition Futurum, Nummer 7 über Philip K. Dick
Die seltsamen Welten des Philip K. Dick bei Corian (1984)
Ich habe versprochen - oder zumindest angekündigt - in diesem Blog verstärkt auch deutsche Sekundärliteratur zu Philip K. Dick zu betrachten. Das ist nicht ganz so einfach, gibt es doch im Vergleich zum angelsächsischen Sprachraum kaum eigenständige Beiträge zum Thema.
Eine Beteiligung in diesem Bereich stammt (natürlich) von Uwe Anton. Schon 1984 hat der Corian-Verlag Die seltsamen Welten des Philip K. Dick herausgegeben, als Band 7 der Reihe Edition Futurum. Diese Reihe beschäftigt sich in wohl zehn Bänden mit Themen und Schriftstellern der Science Fiction und Phantastik. Auf Dick folgt in der Edition Futurum mit Band 8 übrigens Stanislaw Lem - auch hier begegnen sich die beiden.
In der Science Fiction Times 7 (Juli) von 1985 findet sich eine Rezension der seltsamen Welten von Klaus W. Pietrek, die alleine schon diesen Blogeintrag wert ist (in der Rechtschreibung von 1985):
Dick, der Pirandello der SF, war ein unsteter und komplexer Geist, zu komplex, um ihm im Rahmen der vorliegenden Texte ganz gerecht zu werden. Dennoch ist ein Umriß seiner Persönlichkeit und seiner Arbeit gelungen, und angesichts der Frage, ob die seit seinem Tod aus amerikanischen Verlagsböden sprießenden Sekundärwerke je einen deutschen Lizenznehmer finden werden, steht unzweifelhaft fest, daß DIE SELTSAMEN WELTEN DES PHILIP K. DICK eine der wichtigsten Abhandlungen ist, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiet der SF in der BRD herausgegeben wurde.
Der Bezug auf Luigi Pirandello, immerhin Nobelpreisträger für Literatur, erschliesst sich mir nicht, war dieser doch Dramatiker, psychisch gänzlich gesund und nur einmal (allerdings mit einer psychisch kranken Frau) verheiratet. Es gibt von ihm allerdings - wie von Dick  - ein umfassendes Kurzgeschichtenwerk.
Die Frage zu den deutschen Lizenznehmern ist wohl mittlerweile, wie von Pietrek erwartet, negativ beantwortet - fast kein Werk der Sekundärliteratur wurde auf Deutsch herausgegeben. Vielleicht ist das heute, da amerikanische Literatur im Gegensatz zu 1985 auch in Deutschland gut erreichbar ist, nicht mehr so schlimm. Und wer Dick liest, liest auch Englisch; vielleicht.
Was ist dieses Buch nun? Keine Monographie, eher eine Sammlung von Essays, fast schon ein Reader, da auch einige Essays und Kurzgeschichten von Dick selbst hier veröffentlicht sind (und als Reader ist es in diesem Blog hier schon mal erschienen). Anton selbst steuert Eine Einführung in Leben und Werk bei und Ist Gott ein negantropisches Wirbelfeld?, ein Essay zu Valis, bei. Von Dick finden sich zwei Kurzgeschichten, Ruug und, in deutscher Erstveröffentlichung, Ihre eigene Welt [The World She Wanted] sowie Essays, u. a. Der Mensch, der Androide und die Maschine [Man, Android and Machine]. Auch erscheint hier ein Brief von Dick an einen ungenannten Adressaten, vielleicht Anton selbst. Abgerundet wird das Buch vom Michael Bischops Vorwort von Ubik.
Anton schliesst das Buch mit einer ausführlichen Bibliographie der amerikanischen Erstausgaben sowie aller deutscher Veröffentlichungen, seinerzeit sicher eine wertvolle Hilfe.
Fast alle Artikel des Buches finden sich auch an anderer Stelle, allerdings häufig schwer zu finden in Zeitschriften oder gar nicht auf Deutsch. Dieses Buch ist so auch heute noch eine wertvolle Hilfe für jeden an Dick Interessierten und verpflichtend für jede Sammlung.
Der Corian-Verlag, eigentlich der Corian-Verlag Heinrich Wimmer, hat zum Schluss auch die Science Fiction Times herausgebracht, in der wiederum zahlreiche Beiträge zu Dick erschienen waren, viele davon von Uwe Anton, der auch zeitweise Herausgeber der SFT war. Derzeit ist der Status des Verlags etwas unklar, es gibt eine erreichbare (aber sichtlich angeschlagene) Seite im Netz, die häufig irrende Wikipedia behauptet gegensätzliches. Corian wäre sicher ein Verlust.
Verschiedene Auflagen oder Varianten der seltsamen Welten sind (mir) nicht bekannt. Finden lässt sich das Buch an den üblichen Orten ohne ganz grosse Probleme, für ein Schnäppchen muss - und sollte - man eine Weile fischen, die Preise schwanken stark.
Viele Ausgaben der Science Fiction Times lassen sich übrigens bei der langsam aber stetig wachsenden Seite der Science Fiction Times auch online nachlesen, auch die oben zitierte 7/85.
Die bibliographischen Details zum Buch finden sich auf der Seite der Einzelausgaben, da sich von Corian nur dieses eine Buch in der Sammlung findet.

Preise

Die seltsamen Welten des Philip K. Dick liegen bei 40€-100€. Disclaimer

Samstag, 6. April 2019

Was kostet ein Elefant?

In diesem Blog habe ich bisher den Elefanten, der im Zimmer direkt neben unserer Sammlung steht, weitestgehend vermieden: Die Preise und das Geld. In den Zeiten des Internets ist das Sammeln viel mehr als vorher eine Sache des Geldes, da man fast alles sofort kaufen kann.
Früher musste man über alles froh sein, das man bei der mühsamen Suche in Antiquariaten und gedruckten Katalogen finden konnte. Man hat die Werbung in Zeitschriften und Büchern auswerten müssen und Postkarten verschickt, teilweise quasi blanko bestellt und dann mal geguckt, was man bekommen hat. Heute findet man bei den gängigen Plattformen eben (fast) alles. Einerseits ist das gut, weil bequem. Andererseits wird das Sammeln dadurch auch viel weniger spannend. Für den grössten Teil der Sammlung heisst es also nicht mehr, ob man etwas bekommt, sondern nur noch eben günstige Preise zu bekommen.
Für die Preisbildung ist die Transparenz im Internet sicher hilfreich, aber auch nicht gänzlich zuverlässig. Antiquariate bieten ihre Bücher meist einmal an und ändern den Preis nicht mehr, andere orientieren sich an solchen Preisen und dadurch bleiben manche Bücher teuer, obwohl sie häufig angeboten werden. Bei ganz teuren Büchern dreht sich das auch um: Obwohl in kleinen Auflagen veröffentlicht, werden sie von hohen Preisen ans Licht gelockt - und so sind viele der teuren Ausgaben meist problemlos erhältlich (das gilt allerdings eher für die englischen Ausgaben, da es deutsche Ausgaben dieser Kategorie praktisch nicht gibt). Und natürlich schwanken die Preise auch mal stark - mal gibt ein günstiges Angebot, mal führt eine Neuausgabe einer seltenen Ausgabe dazu, dass das Interesse an den alten Ausgaben nachlässt. Bei den deutschen Ausgaben war das gut bei den Sämtlichen Erzählungen zu beobachten. Die zehn Ausgaben von Haffmans waren meist im hohen zweistelligen Bereich, bis die fünfbändige Ausgabe bei Zweitausendeins erschienen ist. Und diese wieder wurde nach ihrem Ausverkauf für bis 300 Euro gehandelt - bis die zweite (und dann dritte) Auflage erschienen ist. Preise sind also nicht konstant.
Das Mädchen mit den dunklen Haaren von 1994, eine der wenigen selteneren und teuren deutschen
Ausgaben von Philip K. Dick, die man nicht sofort kaufen kann - hier einfach, weil es so schön ist
Und teilweise werden Exemplare zu absurden Preisen angeboten - warum einige Anbieter drei- und vierstellige Beträge für simple Taschenbücher wollen, die es in grosser Zahl für sehr wenig Geld gibt, ist unklar. Vielleicht geht es um Dinge am Rande der Legalität (Steuer, Geldwäsche), vielleicht ist es einfach nur Dummheit oder ein technischer Defekt.
Explizit hinweise möchte ich kurz auf die meist billigste Art Bücher zu kaufen. Es gibt in Deutschland einige sogenannte Re-Commerce-Anbieter, die für sehr wenig Geld Bücher und anderes über das Internet ankaufen - für Paperbacks sind das meist Beträge von wenigen Cent. Eigentlich eine schöne Idee. Problematisch ist das, weil das die Preise kaputt macht und ich denke, dass echte Antiquariate darunter leiden. Und wir brauchen die professionellen Anbieter, weil die Qualität der Re-Commerce-Anbieter so schlecht ist, dass die dort verkaufte Ware nach meiner Erfahrung meist nicht sammelbar ist. Anfänglich habe ich beim hässlichen Hund gekauft, nach schlechten Erfahrungen dann trotzdem einige weitere Male nicht widerstehen wollen ... die Qualität ist halt (fast?) immer schlecht. Schutzumschläge fehlen sehr oft, viele Exemplare haben offenbar als Malbuch gedient, Namenseinträge muss man gar nicht erst erwähnen ... der Sammler wird nicht froh. Selbst die günstigsten Angebote überzeugen nur mit dem niedrigen Preis, wirklich freuen kann man sich beim Erhalt dann doch nicht. Den deutschen Re-Commerce-Anbietern habe ich gänzlich abgeschworen.
Zum Schluss, weil offensichtlich, sei erwähnt, dass die Erhaltung eben einen erheblichen Einfluss auf den Preis hat. Das gilt für die teuren (englisch) Ausgaben mehr als für einfache Taschenbücher. Speziell Ex-Lib Ausgaben (in Deutschland eher selten), also solche, die ihr Leben in einer Bibliothek beginnen mussten, haben einen erheblich geringeren Wert. Auch Details wie Auflage und Sonderausgaben ("Book Club Edition") spielen bei höherpreisigen  Ausgaben eine grosse Rolle. Bei den meisten deutschen Taschenbuchausgaben muss man nur Remittenden vermeiden, die meist gestempelt, manchmal nur mit einem Stift markiert sind. Und den einen Euro mehr ausgeben, um arg zerlesen Exemplare zu vermeiden.
Der deutschen Sammler ausländischer Ausgaben muss dann noch die Portomauer überwinden. Aus dem Vereinigten Königreich ist das Porto in der Regel erträglich, aus den USA ist es das nur manchmal. Viele Anbieter optimieren ihre Versandkosten nach Deutschland nicht und so soll man Phantasiepreise (USD 64,53) zahlen, die viele Angebote einfach ausschliessen. Man versuche also die Kombination aus gutem Preis und bezahlbarem Porto finden, gerade bei selten auftauchenden Angeboten wie Fanzines ist das häufig nicht machbar. Schade.
Wenn ich - in Zukunft vielleicht öfter - auf Preise eingehe, so ist das immer im Kontext dieses Blogeintrags: Preise schwanken, daher lohnt es sich oft zu warten. Preise schwanken bei seltenen Exemplaren noch stärker, da sollte man aber nicht lange warten. Der Zustand ist wichtig, daher schliesse ich Angebote von Re-Commerce-Anbietern bei der Preisfindung aus und schliesslich: jeder muss selbst wissen, wie viel er bezahlt - caveat emptor sagt der Lateiner. Und natürlich ändern sich die Preise auch, falls hier Preise genannt werden, so beziehen sie sich - das sei bedacht - auf den Preis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Blogs. (Und in wirklich keinem Fall sind die Preise ein Verkaufsangebot meinerseits ... meine Exemplare verlassen meine Sammlung nicht.)
Die weitere Schwierigkeit des Sammelns, das nämlich eben doch nicht immer alles erhältlich ist, thematisiere ich ja des öfteren in diesem Blog, daher sei es hier nur am Rand erwähnt - es gibt einige seltene Exemplare, wie Das Mädchen mit den dunklen Haaren und bei solchen sollte man sofort zugreifen und nicht warten. Und es gibt auch kaum bekannte Ausgaben und obskure Varianten, wie die unterschiedlich gebundenen Ausgaben von Insel. Und schliesslich gibt es noch die Einhörner, deren Existenz unbewiesen ist. Und darüber wird es auch in Zukunft weiter viel in diesem Blog geben.

Preise

Das Mädchen mit den dunklen Haaren liegt bei 200€-400€, wenn man es denn findet.