Samstag, 20. April 2019

Big Box

Wenn man über 30 Bücher angeboten findet, also nicht 34, so viele sind es nämlich tatsächlich, dann geht es mal wieder um ein Konvolut, ein wahres Konvolut. Und für das Kaufen en gros habe ich mich begeistert, also musste ich es versuchen ...
Neu in der Sammlung: 32 Bände Philip K. Dick bei Mariner, fast in der
Regenbogen-Reihenfolge, hier fehlen nur drei Bände bis zur Vollständigkeit
32 Bände Mariner (30 SF-Romane und zwei der Mainstream-Ausgaben) und zwei uninteressante  (weil bereits in der Sammlung) andere, nicht aus der Serie - das ist fast die komplette 35-bändige Gesamtausgabe von Mariner. Von der Reihe fehlen hier nur Time Out of Joint und The Man in the High Castle - und Ubik: The Screenplay, das ist genau der eine Band von Mariner, der schon im Regal steht.
Dieser Schwarm musste in der deutschen Bucht also mit dem Netz gefangen werden, am Schluss wäre er (undank eines besseren Gebots) fast noch entkommen, aber mit einem energischer Zug konnte dann das Netz geschlossen und der Fang eingeholt werden. Ein grosser Kauf, aber, wie alle Konvolute, ein lohnender, wenn man den Betrag durch die Menge teilt, alleine die Ersparnis beim Porto. Es hat sich gelohnt! Und so habe ich in diesem Jahr schon mehr Zugänge als im letzten.
In den USA ist die Reihe bei Mariner, erschienen von 2011 bis 2013, die (einzige) aktuell verfügbare Gesamtausgabe, vergleichbar nur mit der Reihe von Vintage aus den 90er Jahren. Die einzelnen Exemplare sind eher langweilig - es gibt keine Vor- oder Nachwörter oder andere Extras und die Umschlagbilder begeistern mich nicht (sind aber besser als bei Fischer!). Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass praktisch alle Bände von einem Verlag gleichzeitig verlagsneu verfügbar sind. Selbst Vintage hat das wohl seinerzeit kaum geschafft, da die Reihe über einen Zeitraum von 14 Jahre erschienen ist (dazu wird in diesem Blog auch noch einmal zu schreiben sein). Wie Vintage hat es auch Mariner nicht ganz geschafft wirklich alles herauszubringen, es fehlen vier SF-Romane: Nick and the Glimmung, ein Kinderbuch das nicht ganz in die Reihe passen würde sowie Radio Free Albemuth, auch eher randständig.
Und es fehlt, wie bei Vintage, The Ganymede Takeover, das Dick gemeinsam mit Ray Nelson geschrieben hat. Vermutlich gibt es in den USA Probleme mit den Rechten - die letzte Ausgabe ist dort 1977 erschienen (in Grossbritannien ging das besser). Fehlen tut auch Do Androids Dream of the Electric Sheep? - man findet es gelegentlich im Netz unter dem Titel Blade Runner als Film Tie-in von Mariner, vermutlich handelt es sich aber um einen Geisterband, der nie erschienen ist. Dafür sind in der Reihe - immerhin - zwei der neun Mainstream Romane erschienen.
Es gibt noch zwei weiter Ausgaben von The Man in the High Castle bei Mariner, die limited edition wie berichtet und ein Buch zur Serie von 2017.
Mariner ist das Paperback Imprint des in Boston ansässigen Verlags Houghton Mifflin Harcourt, dem Verlag, der 2011 die erstaunliche Exegesis herausgebracht hat.
Mariner Paperbacks lassen sich verlagsneu überall kaufen, wo es englische Bücher gibt. Gebraucht findet man sie fast nur hinter der Portomauer in den USA.
Bibliographischen Daten zu Mariner und Houghton Mifflin Harcourt finden sich hier.

Preise

2,20€ pro gut erhaltenem Band, inklusive Porto.
Neu ab ca. 11€.
Disclaimer

Samstag, 13. April 2019

Sekundär seltsame Welten

Edition Futurum, Nummer 7 über Philip K. Dick
Die seltsamen Welten des Philip K. Dick bei Corian (1984)
Ich habe versprochen - oder zumindest angekündigt - in diesem Blog verstärkt auch deutsche Sekundärliteratur zu Philip K. Dick zu betrachten. Das ist nicht ganz so einfach, gibt es doch im Vergleich zum angelsächsischen Sprachraum kaum eigenständige Beiträge zum Thema.
Eine Beteiligung in diesem Bereich stammt (natürlich) von Uwe Anton. Schon 1984 hat der Corian-Verlag Die seltsamen Welten des Philip K. Dick herausgegeben, als Band 7 der Reihe Edition Futurum. Diese Reihe beschäftigt sich in wohl zehn Bänden mit Themen und Schriftstellern der Science Fiction und Phantastik. Auf Dick folgt in der Edition Futurum mit Band 8 übrigens Stanislaw Lem - auch hier begegnen sich die beiden.
In der Science Fiction Times 7 (Juli) von 1985 findet sich eine Rezension der seltsamen Welten von Klaus W. Pietrek, die alleine schon diesen Blogeintrag wert ist (in der Rechtschreibung von 1985):
Dick, der Pirandello der SF, war ein unsteter und komplexer Geist, zu komplex, um ihm im Rahmen der vorliegenden Texte ganz gerecht zu werden. Dennoch ist ein Umriß seiner Persönlichkeit und seiner Arbeit gelungen, und angesichts der Frage, ob die seit seinem Tod aus amerikanischen Verlagsböden sprießenden Sekundärwerke je einen deutschen Lizenznehmer finden werden, steht unzweifelhaft fest, daß DIE SELTSAMEN WELTEN DES PHILIP K. DICK eine der wichtigsten Abhandlungen ist, die in den letzten Jahrzehnten auf dem Gebiet der SF in der BRD herausgegeben wurde.
Der Bezug auf Luigi Pirandello, immerhin Nobelpreisträger für Literatur, erschliesst sich mir nicht, war dieser doch Dramatiker, psychisch gänzlich gesund und nur einmal (allerdings mit einer psychisch kranken Frau) verheiratet. Es gibt von ihm allerdings - wie von Dick  - ein umfassendes Kurzgeschichtenwerk.
Die Frage zu den deutschen Lizenznehmern ist wohl mittlerweile, wie von Pietrek erwartet, negativ beantwortet - fast kein Werk der Sekundärliteratur wurde auf Deutsch herausgegeben. Vielleicht ist das heute, da amerikanische Literatur im Gegensatz zu 1985 auch in Deutschland gut erreichbar ist, nicht mehr so schlimm. Und wer Dick liest, liest auch Englisch; vielleicht.
Was ist dieses Buch nun? Keine Monographie, eher eine Sammlung von Essays, fast schon ein Reader, da auch einige Essays und Kurzgeschichten von Dick selbst hier veröffentlicht sind (und als Reader ist es in diesem Blog hier schon mal erschienen). Anton selbst steuert Eine Einführung in Leben und Werk bei und Ist Gott ein negantropisches Wirbelfeld?, ein Essay zu Valis, bei. Von Dick finden sich zwei Kurzgeschichten, Ruug und, in deutscher Erstveröffentlichung, Ihre eigene Welt [The World She Wanted] sowie Essays, u. a. Der Mensch, der Androide und die Maschine [Man, Android and Machine]. Auch erscheint hier ein Brief von Dick an einen ungenannten Adressaten, vielleicht Anton selbst. Abgerundet wird das Buch vom Michael Bischops Vorwort von Ubik.
Anton schliesst das Buch mit einer ausführlichen Bibliographie der amerikanischen Erstausgaben sowie aller deutscher Veröffentlichungen, seinerzeit sicher eine wertvolle Hilfe.
Fast alle Artikel des Buches finden sich auch an anderer Stelle, allerdings häufig schwer zu finden in Zeitschriften oder gar nicht auf Deutsch. Dieses Buch ist so auch heute noch eine wertvolle Hilfe für jeden an Dick Interessierten und verpflichtend für jede Sammlung.
Der Corian-Verlag, eigentlich der Corian-Verlag Heinrich Wimmer, hat zum Schluss auch die Science Fiction Times herausgebracht, in der wiederum zahlreiche Beiträge zu Dick erschienen waren, viele davon von Uwe Anton, der auch zeitweise Herausgeber der SFT war. Derzeit ist der Status des Verlags etwas unklar, es gibt eine erreichbare (aber sichtlich angeschlagene) Seite im Netz, die häufig irrende Wikipedia behauptet gegensätzliches. Corian wäre sicher ein Verlust.
Verschiedene Auflagen oder Varianten der seltsamen Welten sind (mir) nicht bekannt. Finden lässt sich das Buch an den üblichen Orten ohne ganz grosse Probleme, für ein Schnäppchen muss - und sollte - man eine Weile fischen, die Preise schwanken stark.
Viele Ausgaben der Science Fiction Times lassen sich übrigens bei der langsam aber stetig wachsenden Seite der Science Fiction Times auch online nachlesen, auch die oben zitierte 7/85.
Die bibliographischen Details zum Buch finden sich auf der Seite der Einzelausgaben, da sich von Corian nur dieses eine Buch in der Sammlung findet.

Preise

Die seltsamen Welten des Philip K. Dick liegen bei 40€-100€. Disclaimer

Samstag, 6. April 2019

Was kostet ein Elefant?

In diesem Blog habe ich bisher den Elefanten, der im Zimmer direkt neben unserer Sammlung steht, weitestgehend vermieden: Die Preise und das Geld. In den Zeiten des Internets ist das Sammeln viel mehr als vorher eine Sache des Geldes, da man fast alles sofort kaufen kann.
Früher musste man über alles froh sein, das man bei der mühsamen Suche in Antiquariaten und gedruckten Katalogen finden konnte. Man hat die Werbung in Zeitschriften und Büchern auswerten müssen und Postkarten verschickt, teilweise quasi blanko bestellt und dann mal geguckt, was man bekommen hat. Heute findet man bei den gängigen Plattformen eben (fast) alles. Einerseits ist das gut, weil bequem. Andererseits wird das Sammeln dadurch auch viel weniger spannend. Für den grössten Teil der Sammlung heisst es also nicht mehr, ob man etwas bekommt, sondern nur noch eben günstige Preise zu bekommen.
Für die Preisbildung ist die Transparenz im Internet sicher hilfreich, aber auch nicht gänzlich zuverlässig. Antiquariate bieten ihre Bücher meist einmal an und ändern den Preis nicht mehr, andere orientieren sich an solchen Preisen und dadurch bleiben manche Bücher teuer, obwohl sie häufig angeboten werden. Bei ganz teuren Büchern dreht sich das auch um: Obwohl in kleinen Auflagen veröffentlicht, werden sie von hohen Preisen ans Licht gelockt - und so sind viele der teuren Ausgaben meist problemlos erhältlich (das gilt allerdings eher für die englischen Ausgaben, da es deutsche Ausgaben dieser Kategorie praktisch nicht gibt). Und natürlich schwanken die Preise auch mal stark - mal gibt ein günstiges Angebot, mal führt eine Neuausgabe einer seltenen Ausgabe dazu, dass das Interesse an den alten Ausgaben nachlässt. Bei den deutschen Ausgaben war das gut bei den Sämtlichen Erzählungen zu beobachten. Die zehn Ausgaben von Haffmans waren meist im hohen zweistelligen Bereich, bis die fünfbändige Ausgabe bei Zweitausendeins erschienen ist. Und diese wieder wurde nach ihrem Ausverkauf für bis 300 Euro gehandelt - bis die zweite (und dann dritte) Auflage erschienen ist. Preise sind also nicht konstant.
Das Mädchen mit den dunklen Haaren von 1994, eine der wenigen selteneren und teuren deutschen
Ausgaben von Philip K. Dick, die man nicht sofort kaufen kann - hier einfach, weil es so schön ist
Und teilweise werden Exemplare zu absurden Preisen angeboten - warum einige Anbieter drei- und vierstellige Beträge für simple Taschenbücher wollen, die es in grosser Zahl für sehr wenig Geld gibt, ist unklar. Vielleicht geht es um Dinge am Rande der Legalität (Steuer, Geldwäsche), vielleicht ist es einfach nur Dummheit oder ein technischer Defekt.
Explizit hinweise möchte ich kurz auf die meist billigste Art Bücher zu kaufen. Es gibt in Deutschland einige sogenannte Re-Commerce-Anbieter, die für sehr wenig Geld Bücher und anderes über das Internet ankaufen - für Paperbacks sind das meist Beträge von wenigen Cent. Eigentlich eine schöne Idee. Problematisch ist das, weil das die Preise kaputt macht und ich denke, dass echte Antiquariate darunter leiden. Und wir brauchen die professionellen Anbieter, weil die Qualität der Re-Commerce-Anbieter so schlecht ist, dass die dort verkaufte Ware nach meiner Erfahrung meist nicht sammelbar ist. Anfänglich habe ich beim hässlichen Hund gekauft, nach schlechten Erfahrungen dann trotzdem einige weitere Male nicht widerstehen wollen ... die Qualität ist halt (fast?) immer schlecht. Schutzumschläge fehlen sehr oft, viele Exemplare haben offenbar als Malbuch gedient, Namenseinträge muss man gar nicht erst erwähnen ... der Sammler wird nicht froh. Selbst die günstigsten Angebote überzeugen nur mit dem niedrigen Preis, wirklich freuen kann man sich beim Erhalt dann doch nicht. Den deutschen Re-Commerce-Anbietern habe ich gänzlich abgeschworen.
Zum Schluss, weil offensichtlich, sei erwähnt, dass die Erhaltung eben einen erheblichen Einfluss auf den Preis hat. Das gilt für die teuren (englisch) Ausgaben mehr als für einfache Taschenbücher. Speziell Ex-Lib Ausgaben (in Deutschland eher selten), also solche, die ihr Leben in einer Bibliothek beginnen mussten, haben einen erheblich geringeren Wert. Auch Details wie Auflage und Sonderausgaben ("Book Club Edition") spielen bei höherpreisigen  Ausgaben eine grosse Rolle. Bei den meisten deutschen Taschenbuchausgaben muss man nur Remittenden vermeiden, die meist gestempelt, manchmal nur mit einem Stift markiert sind. Und den einen Euro mehr ausgeben, um arg zerlesen Exemplare zu vermeiden.
Der deutschen Sammler ausländischer Ausgaben muss dann noch die Portomauer überwinden. Aus dem Vereinigten Königreich ist das Porto in der Regel erträglich, aus den USA ist es das nur manchmal. Viele Anbieter optimieren ihre Versandkosten nach Deutschland nicht und so soll man Phantasiepreise (USD 64,53) zahlen, die viele Angebote einfach ausschliessen. Man versuche also die Kombination aus gutem Preis und bezahlbarem Porto finden, gerade bei selten auftauchenden Angeboten wie Fanzines ist das häufig nicht machbar. Schade.
Wenn ich - in Zukunft vielleicht öfter - auf Preise eingehe, so ist das immer im Kontext dieses Blogeintrags: Preise schwanken, daher lohnt es sich oft zu warten. Preise schwanken bei seltenen Exemplaren noch stärker, da sollte man aber nicht lange warten. Der Zustand ist wichtig, daher schliesse ich Angebote von Re-Commerce-Anbietern bei der Preisfindung aus und schliesslich: jeder muss selbst wissen, wie viel er bezahlt - caveat emptor sagt der Lateiner. Und natürlich ändern sich die Preise auch, falls hier Preise genannt werden, so beziehen sie sich - das sei bedacht - auf den Preis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Blogs. (Und in wirklich keinem Fall sind die Preise ein Verkaufsangebot meinerseits ... meine Exemplare verlassen meine Sammlung nicht.)
Den andere Faktor des Sammelns, das eben doch nicht alles immer erhältlich ist, thematisiere ich ja des öfteren in diesem Blog, daher sei es hier nur am Rand erwähnt - es gibt einige seltene Exemplare, wie Das Mädchen mit den dunklen Haaren und bei solchen sollte man sofort zugreifen und nicht warten. Und es gibt auch kaum bekannte Ausgaben und obskure Varianten, wie die unterschiedlich gebundenen Ausgaben von Insel. Und schliesslich gibt es noch die Einhörner, deren Existenz unbewiesen ist. Und darüber wird es auch in Zukunft weiter viel in diesem Blog geben.

Preise

Das Mädchen mit den dunklen Haaren liegt bei 200€-400€, wenn man es denn findet.

Samstag, 30. März 2019

A Comics Biography

Nicht so ganz neu in meiner Sammlung ist Philip K. Dick - A Comics Biography. Dieser Comic ist schon Anfang Januar auf Englisch erschienen, die französische Originalausgabe Phil: Une vie de Philip K. Dick hat schon ein Jahr vorher meine Neugier geweckt. Aber meine beschränkten Französischkenntnisse haben mich gezwungen, auf die englische Übersetzung zu warten - auf eine deutsche Ausgabe muss man wohl nicht hoffen - und meine Erwartungen waren deshalb wohl ein bisschen zu hoch.
Philip K. Dick - A Comics Biography von Laurent Queyssi und
Mauro Manchesi bei nbm (2019)
Das Buch ist toll, der französische Autor des Szenarios, Laurent Queyssi, und der Illustrator Mauro Marchesi haben einige sehr treffende Schlüsselereignisse von Dicks Leben ausgewählt und sehr anspruchsvoll illustriert. Bis zum T-Shirt, das Dick in den ersten Szenen trägt - es findet sich auf Fotos von Dick, die im Netz auch zu finden sind - wird hier sein Leben bebildert. Und es ist sicher die Stärke des Buches viele Szenen sehr genau nachzustellen, die aus verschiedenen Quellen bekannt sind. Dem Dick-Kenner wird es sicher Spass machen, Bekanntes zu finden und bei Unbekanntem nachzuforschen - und fündig zu werden (so ging es mir).
Einige wenige Ungenauigkeiten konnte ich finden, vielleicht auch nur Darstellungen, mit denen ich nicht ganz einverstanden war - das spielt aber sicher keine Rolle. Ein wenig unzufrieden war ich damit, so wenig Neues oder Überraschendes zu finden. Vielleicht hätte man sich mehr trauen können oder sollen, Bereiche ausleuchten, über die es weniger Fakten gibt und mehr Freiraum ... aber das ist natürlich nicht einfach, zumal man sich an ein bestimmtes Publikum richtet, das man nicht enttäuschen will: Kennt man Dicks Leben nicht schon aus drei oder fünf Biographien, wird man sich dieses Buch vermutlich nicht kaufen, obwohl das schade ist. Denn insgesamt kriegt man eine sehr passende und angemessene Einführung in Dicks Leben und dieses Buch sollte auch neugierig machen auf mehr - mehr über aber vor allem von Dick. Es ist also ein Buch, das sich an Fans richtet, die dort ihre Kenntnisse wiederfinden wollen. Dieses Buch könnte aber auch vielen anderen Lesern viel Spass machen.
Dieser Comic steht auch ganz einzigartig da, er ist ja nicht nach Motiven von Dick, da gibt es ja einiges - von Blade Runner und Total Recall bis zu Electric Ant und Do Androids Dream of Electric Sheep? - sondern über die Person Philip K. Dick. Vergleichbar ist nur der kurze Beitrag The Religious Experience of Philip K. Dick von Robert Crumb, der auch die Fisch-Szene umsetzt, sich dabei aber eben viel mehr traut; dazu gab's auch schon was in diesem Blog.
Insgesamt aber ein schönes Buch, es gehört in jede Philip K. Dick Sammlung, schon weil es so einzigartig ist. Und es macht Spass, auch noch beim zweiten Lesen. Kaufen!
Und hier kann man sich das Buch noch mal beim Verlag ansehen (man muss das aber nicht in Übersee bestellen). Eine Seite mit dem bibliographischen Daten zu allen Comics nach und über Dick, inklusive der Comics Biography, gibt es hier im Blog.

Samstag, 9. März 2019

Aus der Asche

Ubik in der Ausgabe von Phoenix (2012)
Erst kürzlich ist mir an einer britischen Ausgabe von Philip K. Dicks Ubik ein Detail aufgefallen, das nur einen Sammler interessieren kann. Der Leser, den das interessiert, muss befürchten, dass - mehr oder weniger tief - ein Sammler in ihm steckt.
Es geht um eine Ausgabe von Phoenix von 2012, ISBN 978-1-78022-037-6. Phoenix ist ein Imprint, also eine Marke, die wie ein eigenständiger Verlag behandelt wird, tatsächlich aber zur Orion Verlagsgruppe gehört. Erwähnenswert, aber noch nicht besonders auffällig an dieser Ausgabe ist, dass sie - für ein relativ neues Taschenbuch - meist nur relativ teuer angeboten wird. Gelegentlich findet sich aber auch ein günstiges Angebot, vermutlich weil der Anbieter dem Buch seinen (vermeintlichen?) Wert nicht ansieht. Vielleicht ist diese Ausgabe ein Beispiel für ein "heimlich" wertvolles Exemplar.
Orion hat sich dann 2017 entschlossen, unter dem Imprint Weidenfeld & Nicolson eine fast? identische Ausgabe mit neuer ISBN (9781474607438) herauszugeben, die derzeit auch überall verlagsneu erhältlich ist.
Ausschnitt aus dem Cover von Ubik, Phoenix (2012) mit Terry Gilliam in
rot, der helle Streifen am unteren Rand ist ein Artefakt des (schlechten) Scans
Auf dem Cover meiner Phoenix Ausgabe ist das Zitat nach dem Wort got getrennt und hinter dem Zitat steht der Name Terry Gilliam in rot.
Cover von Ubik mit Terry Gilliam in schwarz, diese Bild sieht man oft,
sowohl für die Ausgabe von Phoenix (2012) als auch für Orion (2017)
Man findet im Netz aber für beide Ausgaben (fast) nur ein Cover abgebildet, in dem Terry Gilliam in schwarz geschrieben ist, ausserdem steht got als letztes Wort der ersten Zeile.
Ich vermute, dass beide Ausgaben das gleiche Cover haben, so wie es der Scan meiner Ausgabe zeigt, also mit einem roten Terry Gilliam. Das übliche Cover ist vermutlich eine frühe Version, die fürs Marketing benutzt wurde - und wird! - die es aber nicht wirklich gibt.
Do Androids Dream of Electric Sheep? in der
Ausgabe von Gollancz (2010) in der Variante mit which
im kurzen Untertitel für GBP 7,99, das Umschlagbild ist
übrigens vom schaffensfreudigen Chris Moore
Für das erste Cover spricht auch, dass es schöner ist: Der Text ist besser gegliedert und den Namen rot abzusetzen, ist eine schöne Idee.
Das Problem der abweichenden Cover begegnet dem interessierten Sammler noch an weiteren Stellen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgabe von Gollancz (2010) von Do Androids Dream of Electric Sheep? - eine grosse Zahl der Abbildungen im Internet zeigt das Cover mit drei Zeilen unter dem Titel.
Meine Ausgabe - und alle Fotos von Ausgaben, die ich daraufhin untersucht habe - zeigt aber nur einen einzeiligen Untertitel. Allerdings gibt es auch bei diesem Untertitel drei Varianten: Zunächst steht da The novel which became BLADE RUNNER. Dabei ist dieser Untertitel entweder länger als das darüber stehende Electric Sheep? (Variante 1) oder kürzer (Variante 2). Und es gibt den Untertitel The Novel that became BLADE RUNNER (Variante 3). Der Preis für diese Ausgaben ist GBP 7,99, Variante 2 ist auch für GBP 8,99 nachgewiesen, man könnte also annehmen, dass dies die aktuellste ist.
Ich denke, dass mit den drei Zeilen mal wieder eine Version des Covers verbreitet wird, die es gar nicht gibt, Verlagsmaterial eben; Fotos davon waren nicht zu finden.
Schön übrigens, das der Roman bei Gollancz unter seinem Originaltitel veröffentlicht ist, in Deutschland gibt es nur noch den Blade Runner. Nun ja.
Ein deutsches Beispiel für dieses Problem ist Nick und der Glimmung von Edition Phantasia (2000). Das Bild auf der Verlagsseite weicht z. B. bei der Positionierung des Titels deutlich von zumindest meiner Ausgabe ab, die man hier sehen kann; und ich gehe fest davon aus, dass es keine abweichende Ausgabe gibt. Der Verlag zeigt also vermutlich einen früheren Entwurf des Umschlagbildes.
Do Androids Dream of Electric Sheep?, Gollancz (2010),
mit einem Cover, das es wohl so nicht gibt, mit dreizeiligem Zitat:

'Dick's best work, and the most memorable
alternative world tale ever written'

SCIENCE FICTION: THE 100 BEST NOVELS.
Verwirrender wird alles, weil das Bild des Verlags häufig andernorts verwendet wird - es wird eben bequemerweise kopiert.
Letztlich ist auf das Internet eben kein Verlass, wir sehen, dass selbst die Informationen der Webseiten der Verlage fehlerhaft sind. Wirklich glauben kann man nur den Exemplaren, die man selbst in der Hand hatte (darum sammeln wir ja) - und vielleicht auch noch Fotos. Die üblichen Beispielbilder sind zumindest unzuverlässig, genauso wie Fotos des Anbieters, wenn es sich offensichtlich nicht um Fotos handelt, sondern um Verlagsmaterial.
Langer Untertitel: The novel which became BLADE RUNNER - ich besitze
diese Ausgabe nicht, es handelt sich aber zweifelsfrei um ein Foto, diese
Ausgabe gibt es also (fast) ganz sicher, für GBP 7,99
Untertitel: The novel that became BLADE RUNNER für GBP 8,99
Ob man solche Varianten in seiner Sammlung braucht - wenn sie denn wirklich existieren - oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Die Beschaffung ist aber schwierig, die kommerziellen Anbieter mit den genannten Beispielbildern lassen die Unterscheidungen kaum zu - hier fischt man besser in der Bucht oder bei Privatanbietern, die meist mit Fotos anbieten.
Bei der Recherche zum erstgenannten Ubik ist mir im Den of Geek! ein netter Artikel zur Mode in diesem Roman über den Weg gelaufen, auf den ich hier hinweisen möchte - es geht um ein bizarres Detail und war mir bei der Lektüre gänzlich entgangen. Es gibt aber sogar einen Comic, von Ned Sonntag, der das Thema Men's Fashion of the Future! aufnimmt: Er ist zu finden im Heavy Metal Magazin von September 1983, aber auch zu sehen im Internet Archive (links unten) ...

Samstag, 2. März 2019

!Time Machine

Kürzlich - oder eigentlich nicht mehr so kürzlich, dieser Beitrag ist ein wenig liegengeblieben -  bin ich auf ein neues Science Fiction Magazin aufmerksam geworden: !Time Machine. Die erste Ausgabe sollte einen Beitrag zu Tommi Brems dick'schen Appendix Dick enthalten. Mehr war nicht zu erfahren und so ermittelte ich den Wurdack Verlag, bei dem man das Heft auch direkt bestellen kann.
Der Appendix Dick ist meinem Herzen sehr nah und ich war daher sehr neugierig auf diesen Artikel und umso enttäuschter, als ich den Beitrag in meiner Ausgabe nicht finden konnte. Es gab anderes zu Dick, aber nichts zum Appendix Dick! Tatsächlich hatte ich die falsche Ausgabe erhalten, nämlich die zweite - ein Glücksfall, wäre ich doch sonst auf diese anderen Artikel gar nicht aufmerksam geworden. Das Problem liess sich nach kurzer Rücksprache mit dem Verlag schnell klären und jetzt besitze ich beide Ausgaben: 1. und 2. (Der Verlag nennt die Ausgabe 1 auf seiner Seite Dezember 2017, im Heft steht jedoch - auf jeder Seite - Januar 2018; für Ausgabe 2 nennen beide einmütig Dezember 2018.)
Die Ausgaben 1 und 2 des Fan-Zines !Time Machine
Der Artikel zum Appendix Dick in Ausgabe 1 ist eine SF Perle, eine der kurzen, bis einseitigen Rezensionen neuer, neuerer und auch klassischer Beiträge zur Science Fiction Literatur, die zahlreich in der !Time Machine zu finden sind. Geschrieben von Udo Klotz ist diese halben Seite ein natürlich zu kurzer, aber trotzdem wissender Artikel - der Autor versteht, warum wir 561 Seiten mit allen Namen aus Romanen von Philip K. Dick brauchen. Nicht betrachtet wird aber leider der künstlerische Anspruch von Tommi Brem bzw. seinem Buch, der Appendix ist eben auch ein Kunst-Werk und allein das beantwortet die Frage, wer das braucht. Es ist trotzdem ein guter Artikel und es ist schön, dass Brems Appendix hier gewürdigt wird.
Unbedingt lesenswert ist auch der lange Artikel zu Fanzines, auch !Time Machine zählt sich dazu. Die 18 Seiten dicht bebilderten Seiten sind kein vollständiger Überblick, wie Udo Klotz, der auch diesen Artikel geschrieben hat, selbst meint. Aber es ist trotzdem schön zu lesen, lehrreich und gut. Es fehlt nur mein Lieblingsthema, das Bewahren der seltener werdenden alten Ausgaben. Passend zum Thema Fanzines ist die Ausgabe dem 2017 verstorbenen Waldemar Kumming gewidmet, der u. a. mit Munich Round Up (MRU) das langlebigste deutschsprachige Fanzine veröffentlichte. MRU hat auch von und über Dick publiziert - die Nummer 90 enthält Projekt Wasserspinne, ein klaffendes Loch in meiner Sammlung. Irgendwann ...
In Ausgabe 2 schreibt Hans Frey über Religion und Science Fiction. Auf 14 Seiten, von französischen Philosophen, über rechtsradikale Esoterik wird das Thema diskutiert - bis zu, natürlich, VALIS, dem bedeutensten SF-Religionsroman dem hier auch ausführlich Raum gegeben wird. Die Frage War Dick glaubwürdig? im Zusammenhang mit dem Pink Beam wird mit der Schlüssel zu allem liegt in der Person Dick beantwortet. So sehe ich das auch - und so sehen das wohl die meisten, die sich wirklich intensiv mit Dick beschäftigt haben, viele oberflächliche Autoren kommen zu anderen, nutzlosen Ergebnissen. Interessant fand ich die Erwähnung von Otto Basils Wenn das der Führer wüsste, den ich in diesem Blog wohl später separat betrachten werde. Die Science Fiction History - Was in der phantastischen Literatur vor 100, 75, 50 und 25 Jahren geschah berichtet natürlich über Do Androids Dream of Electric Sheep? von 1968. Und auch die SF-Perle zu David Cronenbergs Film eXistenZ vergisst nicht die Referenz auf (oder an) Dick.
!Time Machine erscheint mit einer Ausgabe pro Jahr - bisher im Dezember, bis zur nächsten Ausgabe, die ich neugierig erwarte, dauert es also noch etwas. Erwerben lassen sich Ausgaben des Magazins für wenig Geld direkt beim Wurdack-Verlag.

Samstag, 23. Februar 2019

Was für ein Theater

Es gibt zahlreiche Bearbeitungen der Literatur von Philip K. Dick in der darstellenden Kunst, hauptsächlich sind das Verfilmungen seiner Werke. Dazu kommen noch mehr Filme, die offensichtlich nachhaltig von Dick beeinflusst sind (auch wenn sie das nicht immer zugeben wollen). Im Bereich des Theaters aber gibt es nur wenige Bearbeitungen. Im Deutschen findet sich nur ein Tanztheater, das auf Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit basiert, in der Dick als Figur auftritt. Im Englischen gibt es Brian Aldiss' Kindred Blood in Kensington Gore von 1991, über das in diesem Blog noch zu berichten sein wird, ebenfalls ein Stoff in dem Dick als Person auftriff.
Flow My Tears, the Policeman Said in der Bearbeitung für das Theater von Linda Hartinian
Als einizige Bearbeitung eines Stoffes von Dick gibt es Flow my Tears, the Policeman Said von Linda Hartinian, die auch eine enge Freundin von Dick und seiner Frau Tessa war.
Laut Einführung im Script wurde es ursprünglich am 18. Juni 1985 aufgeführt, dann noch einmal 1988 in New York, laut Interview (siehe unten) mehrere Aufführungen im Mai 1999 in Kalifornien und - laut anderer Quelle - am 7. September 2000 an der Universität von Pittsburgh. Das Textheft trägt das Copyright 1990 und keinerlei Angaben zur Auflage.
Die ersten Worte des Stücks, ein Voiceover, sind The love in this book is for Tessa. Das reflektiert natürlich Dicks Widmung im Roman: The love in this novel is for Tessa, and the love in me is for her, too. She is my little song und vielleicht auch Hartinians Freundschaft zu Tessa.
Im Interview mit Linda Hartinian sagt sie, dass sie nur bestehende Sätze aus dem Roman genommen oder neu zusammengefügt hat, allerdings hat sie - bedingt durch das Medium - den Inhalt um mindestens acht von zehn gekürzt und dabei noch den wichtigsten Teil übriggelassen. Das ist sicher eine literarische Leistung, die man aber nach der Lektüre selbst bewerten sollte. Spannend ist das Ergebnis in jedem Fall und es hat einen eigenen Charakter - eben den eines Theaterstücks. Hartinian hat wohl auch zeitweise mit Tod Machover an der Oper Valis gearbeitet.
Der englische Titel zitiert ein Lautenlied des auch heute noch recht populären englischen Renaissance Komponisten John Dowland. Man kann vermuten, dass dieser lyrische Bezug dann wohl auch Walter Brumm, den ursprünglichen deutschen Übersetzer davon abgehalten hat, den Titel wörtlich zu übersetzen.
Dick hat Dowland sehr geschätzt. In seiner Kurzgeschichte Orpheus mit Pferdefuß [Orpheus with Clay Feet] tauch er als Jack Dowland auf, erschienen ist sie unter diesem Pseudonym aber ziemlich sicher nicht, (wirklich nicht, Leute, auch wenn es überall steht - selbst Wikipedia hat nicht immer recht). Auch in Die göttliche Invasion nimmt Dick Bezug auf Dowland.
Anhören kann man es sich die Komposition von Dowland in verschiedenen Versionen bei diversen Anbietern, z. B. auch bei Vimeo, es gibt sogar einen eigenen deutschen Wikipedia-Eintrag für Flow My Tears.
Drei deutsche Ausgaben von Flow My Tears, the Policeman Said,
von links: Heyne (1977) und Heyne (1984) mit der Umschlagzeichnung
von C. A. M. Thole und ganz rechts Fischer (2015)
Auf Deutsch ist Flow My Tears, the Policeman Said in vier Ausgaben unter dem Titel Eine andere Welt erschienen. Nach der Erstausgabe von 1977 bei Heyne und der Neuausgabe in der Bibliothek der Science Fiction Literatur 1984 folgte 2004 eine Neuübersetzung von Michael Nagula für die Philip K. Dick Edition, die dann auch für die Ausgabe bei Fischer von 2015 übernommen wurde.
Das Textheft lässt sich antiquarisch relativ bezahlbar finden, für eine Sammlung - und nur dafür lohnt es sich wohl - bitte unbedingt die häufigen ex-lib vermeiden, die als Leseexemplar natürlich durchaus geeignet sind. Aber hier im Blog geht es ja ums Sammeln, nicht ums Lesen. Tatsächlich kann man das Heft auch noch (etwas umständlich) beim Herausgeber bestellen. Über die steile Portomauer muss man in jedem Fall.
Die Erstausgabe des Romans von 1974 ist - für ein Doubleday Hardcover - fast noch bezahlbar, es gibt jedoch verschiedene Auflagen, die teilweise als Remainder, also quasi Mängelexemplare, gekennzeichnet sind - Levack meint aber, dass das den Wert teilweise sogar erhöhen kann.
Die deutschen Ausgaben stellen, wie alle Ausgaben von Heyne, kein Problem bei der Beschaffung dar, man sollte daher sehr wählerisch mit der Qualität sein und - man kann es nicht oft genug sagen - bitte die bei diesen Ausgaben notorischen Remittenden vermeiden. Die Ausgabe von Fischer ist natürlich überall im Buchhandel noch verlagsneu erhältlich.