Samstag, 15. Juni 2019

Aus dem Leim

Soll man sich ärgern oder freuen? Die Verlage machen es einem manchmal nicht einfach: Über die Probleme mit ISBNs habe ich neulich schon berichtet. Dann gibt es noch Umschlagbilder, die von den Verlagen verbreitet werden, die es aber nicht gibt ... und schliesslich das unvollständige Impressum. Die deutschen Ausgaben in unsere Philip K. Dick Sammlung leiden weniger an dieser letzten Krankheit, die britischen dafür um so mehr.
Time Out of Joint in der SF Masterworks Serie von Gollancz, rechts die Erstausgabe, links die neue Ausgabe
Speziell Gollancz hat hier ein Problem mit der SF Masterworks Serie (die in diesem Blog demnächst noch einmal gesondert betrachtet wird): Die Bände der beim Cover deutlich veränderten zweiten Ausgabe haben zwar ein geändertes Impressum, auch der jeweilige Druck ist angepasst, das Datum des ersten Druckes dieser Ausgabe fehlt aber.
Es gibt also im Impressum der zweiten Serie keinen Hinweis auf das Erscheinungsdatum. Das verwirrt auch isfdb, wo viele Bände dieser Serie, dort SF Masterworks (II) genannt, ohne Datum erscheinen - bei einzelnen Ausgaben scheint es aber ein Datum zu geben. Weitere Varianten des Covers, wie bei Do Androids Dream of Electric Sheep, scheint es nicht zu geben.
Die Erstausgabe von Time Out of Joint im Jahre 1959 war die erste Ausgabe von Dick, die nicht zuerst bei Ace erschienen ist - sondern bei Lippincott als Dicks erstes Hardcover.
Auch die deutsche Erstausgabe, Zeit ohne Grenzen bei Balowa (1962), übersetzt von Heinz Zwack (alias Transgalaxis) war das erste Hardcover von Dick - in Deutschland. Es folgt eine Neuübersetzung von Tony Westermayr, 1978 als Zeitlose Zeit bei Goldmann als Taschenbuch und schliesslich, 1995, wieder neu übersetzt von Gerd Burger und Barbara Krohn und gebunden endlich mit dem Titel Zeit aus den Fugen bei Haffmans, übernommen dann von Heyne (2002) und kürzlich auch bei Fischer (2019).
Der letzte Titel ist sicher der passendste, zitiert der Originaltitel Time Out of Joint doch Shakespeares Tragödie Hamlet (1. Aufzug, 5. Szene):
The time is out of joint; O cursed spite!
That ever I was born to set it right!
August Wilhelm von Schlegel, dessen Übersetzungen auch von Marcel Reich-Ranicki dringend empfohlen wurden, formuliert das als
Die Zeit ist aus den Fugen; Fluch der Pein,
Muß ich sie herzustelln geboren sein!
Man muss also konstatieren, dass Zwack und Westermayr den Bezug des Titels auf Shakespeare wohl nicht bemerkt haben, den Burger und Krohn dann herstellen konnten. Allerdings ist der Titel eines Werkes nicht unbedingt der Beitrag des Übersetzers (und im Text des Romans kommt der Titel nicht vor), sondern des Herausgebers, Verlegers und des Marketings. Und auch Dick selbst hatte - branchentypisch - nicht immer vollkommene Kontrolle über die Titel, unter denen seine Romane letztlich herausgekommen sind. Erich Fried übersetzt übrigens
Die Zeit ist aus dem Leim - Fluch ihren Tücken,
Daß ich zur Welt kam, sie zurechtzurücken!
Wir können also mit der Schlegel'schen Formulierung zufrieden sein. Zeit aus dem Leim ist uns erspart geblieben.
Ganz viel Interessantes nachlesen zum Roman kann man wie immer bei den PhilipKDickFans. Dort findet sich auch das Essay The Non-Science Fiction Novels Of Philip K. Dick (1928–82) von Frank Bertrand.

Samstag, 8. Juni 2019

Hey Joe

Galactic Pot-Healer, Berkley Medaillon X1705
Die Erstausgabe von Galactic Pot-Healer,
erschienen im Juni 1969 bei Berkley Medaillon
Nach dem Jubiläum von Ubik im Mai folgt nur einen Monat später Joe von der Milchstrasse.
Die Erstausgabe des Galactic Pot-Healer ist im Juni 1969 beim Imprint Berkley Medaillon erschienen. Zuletzt ist 2013 die Mariner Ausgabe als zehnte englische Ausgabe herausgekommen und kürzlich auch bei mir eingetroffen.
Auf Deutsch gibt es derzeit drei Ausgaben: Die Erstausgabe kommt im März 1974 von Fischer in der Reihe Fischer Orbit heraus. Diese Reihe hat ihre Geschichte, in der wir die üblichen Verdächtigen treffen: Hans Joachim Alpers, Ronald M. Hahn und Brian W. Aldiss.
Zu diesem Zeitpunkt ist die Übersetzung von Joachim Pente die erste ausländische Ausgabe dieses Romans von Dick - es folgt Spanien 1975 und Frankreich erst 1977. Bis heute gibt es zusätzlich zur deutschen insgesamt 13 Übersetzungen mit 30 Ausgaben, die letzte aus dem Februar 2019 ins Türkische. Viele davon kann man sich beim Philip K. Dick Bookshelf ansehen.
Moewig bringt 1983 das Buch noch einmal mit einem für diese blaue Reihe typischen Cover und einem kurzen, eher generischen Nachwort von Alpers heraus. Dann wird es zum vorerst letzten Mal von Heyne 2004 in der Philip K. Dick Edition herausgegeben. Alexander Martin hat dafür die Übersetzung überarbeitet, der neue Titel ist Der galaktische Topfheiler und die Widmung an Dicks langjährige Freundin, Für Cynthia Goldstone, gibt es hier auch.
Fischer hat für November eine Ausgabe in der Klassik Reihe geplant - wie üblich in der Übersetzung und mit dem Titel von Heyne.
Die drei deutschen Ausgaben von Galactic Pot-Healer:
Fischer (1974), Moewig (1983) und Heyne (2004)
Dick selbst war von seinem Roman nicht beeindruckt und so endet der Roman ja auch: Der Topf was scheusslich. Die eher kleine Zahl von Übersetzungen und Ausgaben ist ein Hinweis darauf, dass Verleger und Leser diese Meinung eher teilen.
Die niederländische Ausgabe
Die Namen Glimmung und Plowman's Planet hat Dick in seinem Kinderbuch Nick und der Glimmung recycelt - so wie Dick oft Namen und Ideen recycelt hat, er musste davon leben und wurde die meisten Zeit nicht meisterlich dafür bezahlt, so war er auf Wiederverwendung angewiesen. Ansonsten haben aber der Topfheiler und Nick nichts miteinander zu tun.
Die teuerste englische Ausgabe ist sicher die britische Erstausgabe von Gollancz (1971) in gelb, alles andere ist sehr gut zu finden und sehr bezahlbar. Zu beachten ist, dass die zweite Ausgabe eine Hardcover Ausgabe von einem Buchclub ist und ein leicht mit der Erstausgabe verwechselbares Cover hat. Bei den deutschen Ausgaben ist die Erhaltung zu beachten - die Blauen von Moewig sind oft Remittenden, die Erstausgabe von Fischer meiner Erfahrung nach oft schlecht erhalten, insbesondere schmutzig.
Auch zum Galactic Pot-Healer lohnt es sich in der Encyclopedia Dickiana bei den PhilipKDickFans nachzulesen.
Fischer Orbit ist vollständig bei isfdb dokumentiert. Bibliographische Details finden sich in der Liste aller deutschen Ausgaben in diesem Blog.

Preise

Joe von der Milchstrasse von Fischer bei 7€
Galatic Pot-Healer von Gollancz ab 100€
Disclaimer

Samstag, 1. Juni 2019

Brüder oder Schwestern

Schon in der letzten Woche war von der Folio Society die Rede und nun bin ich bei einer kurzen Reise nach Prag über die tschechische Ausgabe der ersten Folio Ausgabe, The Man in the High Castle, von Philip K. Dick gestolpert. Offenbar hat Argo, Dicks tschechischer "Hausverlag", schon 2016 eine kleine Ausgabe der aufwändigen Sammlerausgabe von Folio von 2015 herausgebracht.
Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick - links in der Folio
Sammlerausgabe und rechts in der tschechischen Ausgabe
Diese Ausgabe hat das Vorwort von Ursula K. Le Guin - bzw. Ursula K. Le Guinová - sowie Cover und drei Illustrationen des Originals von Shan Jiang, es fehlen vier weitere seiner Illustrationen und das Frontispiz, sowie der Schuber und der Einband ist nur ein einfacher Pappband. Auch das Format ist leicht reduziert, ausserdem erscheint das Papier billig, d. h. holzig. Die Vorsatzblätter sind aber schön bedruckt. Es handelt sich auch nicht um eine teure Sammlerausgabe, sondern um ein günstiges gebundenes Buch - und dafür macht es einen sehr guten Eindruck. Und meine Lieblingsillustration, die Heuschrecke, ist auch dabei.
Philip K. Dick in einem tschechischen Buchladen
Bücher kaufen ist in Prag kein Problem und auch von Dick stand eine grössere Zahl von Büchern im Regal. Man kann oft nicht mit Euro zahlen, aber fast immer mit Kreditkarte; mit dem Versand habe ich keine Erfahrung, das scheint aber auch möglich zu sein - trotz Währungsgrenzen. Aber Prag ist immer eine Reise wert.
Mehr über die tschechischen Ausgaben insgesamt gab es schon in einem älteren Eintrag hier im Blog. Alle Sprachen, in die Dick übersetzt ist, gibt es hier.

Preise

Muž z vysokého zámku, etwa 12 Euro

Samstag, 25. Mai 2019

Danke, Roxana!

Was soll ich sagen? Zu meiner Entschuldigung möge man sich einfach die Bilder angucken. Und obwohl sie dem Buch nur bedingt gerecht werden, ist die Qualität dieser schönen Ausgabe erkennen.
Es ist also mal wieder soweit, es gibt - seit ganz kurzem - eine weitere schöne Sammlerausgabe von Philip K. Dick bei der Folio Society: Ubik.
In aller professionellen Schönheit kann man sich die Ausgabe bei Folio selbst ansehen - und da natürlich auch bestellen. In Deutschland kriegt man Ausgaben von Folio auch bei der Büchergilde - die Ausgaben sind marginal teurer, aber dafür spart man die erheblichen Versandkosten. Allerdings sind die Folio Ausgaben exklusiv für Mitglieder der Büchergilde. Ubik ist dort noch nicht erhältlich - kommt aber bestimmt. Und Eile ist nicht geboten, ist doch die erste Folio Ausgabe von Dick, The Man in the High Castle von 2015, auch noch erhältlich - übrigens auch eine schöne Ausgabe.
Wie immer hat man sich bei der Folio Society viel Mühe gegeben. Illustriert ist der Band von La Boca, einem mit vielen Preisen ausgezeichnetem Londoner Design Studio, das auch in der Werbung zu Hause zu sein scheint, aber auch für Bücher und Plattencover Designs erstellt. Egal, was man vom Stil im einzelnen hält, es ist spektakulär - und um so spektakulärer, wenn man sich ansieht, was in letzter Zeit sonst so von bzw. für Dick herausgekommen ist. Und erwähnen muss man natürlich den - um nicht spektakulär zu wiederholen - auffälligen - die-cut slipcase, also den Schuber mit dem eingestanzten Titel. Folio ist auch stolz auf die bedruckten Vorsatzblätter, also die jeweils vorne und hinten eingeklebte Seite, die Buchblock und Buchdeckel verbindet; wohl, weil ein solcher bedruckter Vorsatz heute Merkmal hochwertiger Bücher ist.
Die angekündigten sechs Farbillustrationen sind auf hochwertigem Papier separat auf nicht in die Seitenzählung angerechneten Seiten eingefügt; die meist bunten Motive sind: die Silhouette eines Mannes in einem Wabenmuster, zwei leuchtende Gestalten (mein Lieblingsmotiv), ein Vogel in einem Spinnennetz, eine Werbung für Ubik, eine halb geöffnete Tür und ein Schädel - und als siebtes Motiv das Skelett eines Torsos. Ein Extra für den glücklichen Käufer! Oder ... das Marketing hat sich verzählt.
Die Betrachtung der Ausstattung beendet ein Blick auf das Frontispiz. Diese Seite vor dem Titel zeigt einen schwarzen Kopf vor einem lila Muster. Ausser den Ausgaben von Folio und denen von Easton habe ich noch keinen Dick mit einem Frontispiz beobachtet - ein Frontispiz findet sich heute nur noch bei sehr aufwändigen Ausgaben, die es von Dick eben kaum gibt (und auch die Complete Stories von Subterranean haben kein Frontispiz).
Die Erstausgabe von Ubik ist vor genau 50 Jahren, im Mai 1969, bei Doubleday erschienen. Folio erwähnt das Jubiläum nicht, aber ein grosser Zufall wäre es schon, wenn die Wahl des Datums gänzlich absichtslos wäre. Die Erstausgabe von Doubleday ist dieser Tage eine der wirklich teuren Ausgaben von Dick.
Inhaltlich findet sich in dieser (etwa) 24. englischen Ausgabe von Dicks Meisterwerk noch Neues. Für Folio hat Kim Stanley Robinson eine Einführung geschrieben. Robinson ist mit seinem Buch Die Romane des Philip K. Dick ein ausgewiesener Kenner der Materie, die Heyne Ausgaben (2000, 2008) von Das Orakel vom Berge haben Vor- und Nachwort von ihm. Robinson diskutiert die These, dass Dick unter Hypergraphie gelitten hat, einem krankhaften Schreibzwang, der den enormen Output von Dick in den 60er Jahren erklären würde - und natürlich die umfänglichen Aufzeichnungen der Exegesis. Interessanter finde ich, dass er in Ubik das letzte Werk von Dick als kommerzieller Science Fiction Romanautor sieht. Das ist sicher eine interessante Bewertung der folgenden Romane, aber Eine andere Welt und Der dunkle Schirm muss man nicht zur Science Fiction zählen (dafür sind sie ja zu gut).
Hingewiesen sei hier auch noch kurz auf ein spektakuläres Wendebuch der Folio Society mit zwei Romanen von Philip K. Dick, Do Androids Dream of Electric Sheep? / A Scanner Darkly, erschienen 2017 und hier im Blog schon beschrieben. Bisher unerwähnt ist die von Brian W. Aldiss herausgegebene The Folio Science Fiction Anthology von 2016, eine Sammlung von Kurzgeschichten. Sie enthält auch Dicks Recall Mechanism, auf Deutsch Erinnerungsmechanismus. Dies ist erstaunlicherweise die erste Aufnahme der Geschichte in eine Anthologie. Seit der Ersterscheinung in If im Juli 1959 ist Recall Mechanism nur in den diversen Inkarnationen der Collected Stories erschienen - auch auf Deutsch.
Ubik hat auf den Tag zwei Wochen gebraucht, um mich nach meiner Bestellung zu erreichen. Eilige Bestellungen sind also schwierig, es gibt aber wohl eine Express Option. Ubik gibt es von der Folio Society auf 224 Seiten im Format 9˝ x 6¼˝ und wie immer ohne ISBN.
Alle bibliographischen Informationen zu Philip K. Dick bei der Folio Society gibt es hier im Blog.

Preise

Ubik bei Folio, £44.95 zuzüglich £13,50 Versand nach Deutschland
Ubik, Doubleday (1969) ab 2700,00€
Disclaimer

Freitag, 17. Mai 2019

Konvolutisch - Magnum Methuen

Es ist mal wieder ein Konvolut ins Netz gegangen, dieses mal in der britischen Bucht. Ich konnte es nicht ganz so billig, wie ursprünglich erhofft, an Bord ziehen, habe aber immerhin beim Porto gespart. Konvolute oder auf Englisch Lots können für einen Sammler attraktiv sein, weil sich das Porto verringert und weil meist wenig Interesse an einer zusammengewürfelten Menge von Büchern besteht. Wer an einem Autoren - wie Philip K. Dick - interessiert ist, hat meist schon einiges im Schrank und niemand möchte etwas kaufen (und bezahlen!), was man schon hat. Ausserdem erscheinen Konvolute häufig nicht in spezifischen Suchen und sind daher weniger beachtet.
Sechs auf einen Streich (von rechts): The Simulacra und The Man Who Japed von
Methuen, A Maze of Death von Panther und mit Chris Moore Cover von Grafton,
The Variable Man von Sphere und A Handful of Darkness bei Panther 
Wenn man also als Sammler auf ein Konvolut stösst, das wenige Doubletten enthält - und selbst die können noch die Qualität der Sammlung verbessern - sollte man den Wert abschätzen, die Portokosten einbeziehen (gerade bei ausländischen Angeboten) und dann ggf. energisch zugreifen.
So ganz ist mir das bei diesem Lot nicht gelungen, es wurde mehr an Bord gespült als gezogen - und teurer als gedacht wurde es auch; dafür ist der Zustand der einzelnen Exemplare wirklich gut, „Regalbücher“ eben.
Herausragen tut dabei A Maze of Death von Panther Books (1984), einem Imprint von Granada. Das Cover von Tim Gill ist bemerkenswert in der Ausführung der Illustration, so geben die verschneiten Berge dem Bild viel Atmosphäre. Aus Sicht der Sammlung ist erwähnenswert, dass dieser Band eher schwer zu finden ist. Das liegt mal wieder daran, dass die ISBN dieser 1984er Panther Ausgabe - von der es mehrere Auflagen gibt - auch von der 1992er Grafton Ausgabe (Grafton ist ebenfalls ein Imprint von Granada) benutzt wird, die auch Teil des Konvoluts ist. Ohne - meist unzuverlässige - Angabe des Erscheinungsjahres, Verlags oder ein Originalbild lassen sich die Ausgaben auf den üblichen Portalen nicht unterscheiden ... egal, jetzt sind ja beide Bände in der Sammlung angekommen.
The Simulacra mit einem Chris Moore Cover
bei Magnum (1977), leider nur das Paperback;
das Hardcover sieht fast identisch aus, dort fehlt
nur  unten rechts das gelbe Magnum Verlagslogo
Die Zusammensetzung dieser Auktion hat meine Aufmerksamkeit auch auf einen kleineren britischen Herausgeber gelenkt. Der britische Methuen Verlag hat in den 70er und 80er Jahren 15 Ausgaben von Philip K. Dick publiziert. Unter dem Verlagsnamen Eyre Methuen, so hiess der Verlag zeitweise, sind als britische Erstausgaben die zwei heute nur teuer erhältlichen Romane The Simulacra und The Man Who Japed erschienen. Die Paperbacks sind unter dem Imprint Magnum überwiegend mit Umschlagbildern vom unvermeidlichen Chris Moore erschienen, u. a. Dr. Futurity von 1979, immerhin vor vierzig Jahren die letzte britische Ausgabe des Romans (nein, gibt's nicht bei Gollancz). 1983 sind dann noch mal drei Ausgaben mit Richard Sparks Covern erschienen, die man auch am gestreiften Rand erkennen kann. Sparks hat zu der Zeit einige weitere Cover bei Methuen gemacht, sonst im Bereich Science Fiction aber kaum anderes.
Methuen/Magnum bietet ein nettes, geschlossenes und übersichtliches Sammelgebiet, wenn man sich denn auf einzelne Verlage konzentrieren möchte. Ich tue das im Rahmen der Sammlung, relativ erfolglos mit Vintage und etwas erfolgreicher mit Penguin. Allerdings dürften die Hardcover ein schwer zu stemmender Brocken sein. Der Verlag ist übrigens - im Gegensatz zu Panther und vielen anderen - immer noch ein unabhängiger Verlag, nicht nur eines von vielen Imprint von einem der Branchenriesen.
Die beiden Hardcover-Ausgaben sind unter dem Verlagsnamen Eyre Methuen erschienen und nicht selten, aber teuer. Die Magnum Paperbacks sind bezahlbar und in Grossbritannien gut erhältlich.
Mehr zu Methuen und MagnumPanther und Grafton bei Wikipedia. Es gibt eine Seite im Blog zu Methuen mit dem Imprint Magnum.

Preise

Bei fast 25€ ist der Hammer gefallen. Das Gesamtporto waren dann noch mal 10€.
Die Hardcover Ausgaben von Methuen liegen bei 200€. 
Disclaimer

Samstag, 11. Mai 2019

Wild Cards

Wild Cards mit Howard Waldrops Dreissig Minuten über
dem Broadway
, der Untertitel ist Jetboys letztes Abenteuer!
Wirklich ganz am Rande der Sammlung erscheint Wild Cards 1: Vier Asse, herausgegeben von George R. R. Martin vor dem gewaltigen Erfolg seiner als Game of Thrones verfilmten Fantasy-Sage Das Lied von Eis und Feuer.
Laut dem Gründungsmythos dieser shared universe Serie oder auf Deutsch Mosaikromane, in dem ausser Martin mehr als vierzig weitere Autoren schreiben, entstand die Serie aus einem gemeinsamen Rollenspiel. Martin und einige Mitspieler beschlossen die im Spiel erlebten Abenteuer literarisch aufgearbeitet aufzuschreiben und zu veröffentlichen.
Gleich die erste Geschichte erklärt die Entstehung der Superkräfte, die einige Menschen, die sogenannten Asse, fortan haben. In Howard Waldrops Dreissig Minuten über dem Broadway [Thirty Minutes Over Broadway!] tauchen zwei Nebenfiguren mit den Namen Silverberg und A. E. auf und damit wird natürlich auf die bekannten amerikanischen Science Fiction Autoren Robert Silverberg und A. E. van Vogt angespielt, beide übrigens aus dem engeren Bekanntenkreis von Dick - van Vogt war ein explizites Vorbild. Das Verwenden von Namen echter Personen, meist Freunden oder Bekannten, in literarischen Werken - überwiegend ist dies in der Science Fiction üblich - nennt sich im Englischen tuckerization. Dieser Tuckerismus gehört im weiteren Sinne zur Meta-SF und recursive Science Fiction. Dick selbst wird in Waldrops Kurzgeschichte - indirekt - auch noch mit einem solchem Tuckerismus geehrt, auf Seite 59 findet sich, als der Protagonist verschiedene Bücher im Schaufenster eines Buchladens sieht:
Eines hieß Der Grashüpfer lastet schwer von jemanden namens Abendsen (Hawthorne Abendsen, offenbar ein Pseudonym).
Natürlich bezieht sich das auf Dicks Roman Das Orakel vom Berge, der Autor eines fiktiven Buches heisst dort Hawthorne Abendsen. Das Buch heisst im englischen Original The Grasshopper Lies Heavy, in der Erstausgabe von 1973  bei König wurde das von Heinz Nagel mit Schwer liegt die Heuschrecke übersetzt, von Norbert Stöbe dann für Heyne (2000) mit Die Plage der Heuschrecke. Beziehen tut sich die Zeile auf einen Vers der Bibel, so steht es ja auch schon im Roman. Genauer gesagt ist es Ecclesiastes, 12:5 (aus der King James Übersetzung, die Dick mutmasslich verwendet hat):
when [...] the almond tree shall flourish, and the grasshopper shall be a burden
Martin Luther nennt das Kapitel Der Prediger Salomon und übersetzt das letzter Hand mit:
Wenn der Mandelbawm blühet / vnd die Hewschrecken beladen wird
Und in der Lutherbibel 2017 heisst es dann:
wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt
Man sieht aber, dass grasshopper lies heavy kein direktes Zitat aus der Bibel zu sein scheint (es findet sich wohl in keiner englischen Bibelübersetzung so), man kann daher auch nicht den Anspruch auf einen Lutherübersetzung erheben. Christian Jentzsch, der Übersetzer der Vier Asse hat also nichts wirklich falsch gemacht.
Braucht man diese Kurzgeschichte in der Sammlung? Eher nicht, aber recursive macht mir Spass und bei der Suche nach dieser Textstelle war mir nicht klar, wie klein der Bezug zu Dick in den Dreissig Minuten letztlich war. Das Buch geht also in die Sammlung.
Finden kann man Martins Asse problemlos und kostengünstig, es gibt auch eine neue Ausgabe bei Penhaligon (2016) unter dem Titel Vier Asse. In den USA ist in diesem Jahr Band 27 der Wild Cards erschienen, es gibt also viel zu lesen ... und weil Martin nicht selber schreiben muss, gibt es wohl auch regelmässig Neues.
Nicht zum ersten mal, aber immer wieder richtig, hier ein Verweise auf die New England Science Fiction Association, die sich intensiv mit recursive Science Fiction beschäftigt hat. Und in diesem Blog findet man alles von Heyne hier und alles zu Dick in Meta-SF/recursive hier.

Preise

Wild Cards 1: Vier Asse, Heyne (1996), ab 1 € zuzüglich Porto.

Samstag, 4. Mai 2019

Kross

The Three Stigmata of Palmer Eldritch von Voyager
Neue Zugänge in der Sammlung bringen mich meist dazu, den Katalog im Umfeld des Neuzugangs aufzuräumen, dabei findet sich auch immer Unerwartetes.
So war es jetzt auch bei The Three Stigmata of Palmer Eldritch von Philip K. Dick. Diese Ausgabe ist 1996 bei Voyager erschienen, dem Science Fiction Imprint des US-amerikanischen Verlags HarperCollins. Die Verlage Panther und Granada, die in den 70er und 80er Jahren in Grossbritannien sehr viel von Dick veröffentlicht haben, sind in den 90ern im Voyager Imprint aufgegangen: isfdb weisst die ersten Bücher von Voyager 1995 nach. Dieser Tage firmiert Voyager übrigens als HarperVoyager, Dick ist nicht mehr im Programm.
Es zeigt sich, dass diese Ausgabe der Stigmata zu einer Reihe von 16 Bänden gehört, die Voyager zwischen 1996 und 1999 herausgebracht hat. Ausgezeichnet sind sie durch das auf dem Cover gross gestaltete K der mittleren Initiale des Autorennamens.
Zumindest dieser Band der Reihe war exklusiv für den britischen Filial-Buchhändler Waterstone's aufgelegt, so kann man es bei den verlässlichen PhilipKDickFans und im PKD Otaku #6 nachlesen. Im Impressum des Buches findet sich allerdings kein Hinweis auf eine Sonderausgabe. PKD Otaku #6 druckt auch die für diese Ausgabe geschriebenen kurzen einführenden Worte der britischen Autorin Fay Weldon ab.
Ausser den Romanen gibt es noch zwei Bände der Collected Stories mit dem grossen K. Herausgekommen sind wohl nur Band 2, Second Variety und Band 3, The Father-Thing. Das Erscheinungsdatum dieser Bände wird mal mit 1990/91 und mal (z. B. bei isfdb) mit 1996/97 angegeben - letzteres erscheint mir plausibler, vermutlich hat der Verlag mal wieder das Impressum nicht aktualisiert und das Erscheinungsdatum der Grafton Ausgaben von 1991 beibehalten, obwohl es sich um Voyager Ausgaben von 1997 handelt, zumal die Ausgaben jeweils auch die ISBN teilen. Leider habe ich die Exemplare nicht in der Sammlung, um das zu prüfen.
Philip K. Dick bei Voyager - mit dem grossen K
Drei weitere Bände der Reihe bedürfen besonderer Erwähnung. Zu A Maze of Death gibt es zwar ein Cover und eine Erwähnung in Precious Artifacts (aber nicht bei isfdb), sonst finden sich aber kaum Spuren und auch kaum (seriöse) Angebote im Netz. Dann gibt es noch zwei Geisterbände, The Transmigration of Timothy Archer und Galactic Pot-Healer. Es gibt im Netz zwar einige wenige Funde dazu, isfdb meint zum Topfheiler aber may not have been published.
Gänzlich fehlen tut in der Reihe Valis. Während die Invasion erschienen und Timothy Archer wenigstens geplant war, fehlt eigentümlicherweise der erste Band der Serie.
The Divine Invasion - Ubik - The Cosmic Puppets - Our Frieds from Frolix 8
Bände dieser Reihe sind - abgesehen von A Maze of Death und den Geisterbänden - im Prinzip gut zu beschaffen. Ausserdem gibt es wohl einige Doppelungen von ISBNs, die wir bei den britischen Verlagen öfter finden - kein Wunder, hat Voyager doch die dafür notorischen Panther und Grafton übernommen; man sollte also aufpassen, was man kauft und nicht jedem Beispielbild trauen. Dafür müssen die Bücher nicht so weit reisen, was die Portokosten deutlich senken kann. Alles in allem ist das also ein schönes Sammelgebiet, wenn man nicht alle englischen Ausgaben sammeln will - oder ein übersichtliches Teilgebiet, auf das man sich zunächst konzentrieren kann. Und die Umschlagbilder von Chris Moore sind ja auch ganz hübsch.
Eine rustikale, aber gehaltvolle Liste der englischsprachigen Veröffentlichungen findet sich im Locus Index to Science Fiction: 1984-1998. Hier gibt es auch einen Verweis auf die exklusive Ausgabe von Stigmata für Waterstone's - und noch weitere Details, die man nicht überall findet.
Bibliographische Details zu dieser Reihe von Voyager finden sich auf einer separaten Seite in diesem Blog.