Samstag, 15. Dezember 2018

Fantastisches Forum 6

Dieser Blogeintrag setzt den Eintrag über Paul Williams in NRW inhaltlich fort. Da ging es um die Ausgabe 5 des Fantastischen Forums und das beigelegte Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, an denen auch Paul Williams teilgenommen hatte. Ausserdem hat er dem Programmheft einige Beiträge von und über Philip K. Dick beigesteuert.
Fantastisches Forum 6, Februar 1992
Die Ausgabe 6 vom Fantastischen Forum vom Februar 1992 enthält noch ein weiteres Essay von Dick selbst, Die Seele des Wub, sowie ein Interview mit Paul Williams.
Die Seele des Wub ist, wie alle anderen Artikel, auf Deutsch exklusiv nur hier zu finden. Geschrieben ist er 1980 als Einführung seiner ersten Geschichte Beyond Lies the Wub, zu Deutsch Und jenseits - das Wobb, in der Anthologie First Voyages, Avon Books (1981); es ist mir aber unklar, ob er dort dann auch erschienen ist. Auf jeden Fall ist er auf Englisch in der PKDS Newsletter herausgekommen, in der Ausgabe 24 von 1990. Später ist er (deutlich leichter zu finden) noch einmal in Sutins The Shifting Realities of Philip K. Dick, Vintage (1996) unter dem Titel "Headnote" for "Beyond lies the Wub" veröffentlicht. Diese kurze Headnote fehlt übrigens in den Notes in den Collected Stories, auch wenn man sie dort erwarten würde.
Das Wub, das auf Deutsch aus mir unerfindlichen Gründen ein Wobb ist, spielt natürlich für Dick als seine erste professionell veröffentlichte Kurzgeschichte eine besondere Rolle. Der Text hat auch eine sehr persönliche Note, die für mich einen leicht melancholischen Anklang hat, da er kurz vor seinem Tod vom Anfang seiner Karriere schreibt. Dick hat sich seine Erstveröffentlichung offensichtlich im Detail angesehen, er zitiert wörtlich die Reklametexte, die seine Geschichte umrahmen und geht auf die Illustrationen ein.
Bei dem Beitrag mit dem Titel Philip K. Dick - Ein Leben für die Frage. Eine Gesprächsrunde mit Paul Williams handelt es sich offenbar um die Transkription des im Programm der 4. SF-Tage angekündigten Podiumsdiskussion. Auf immerhin sechs Seiten spricht Williams über Dick und die Filme, Drogen, die Mainstream-Bücher und Religion. Auch dieser Beitrag dürfte einmalig sein, man wird ihn wohl sonst nirgendwo finden, auch nicht auf Englisch.
Ansehen kann man sich Dicks erste Veröffentlichung in Planet Stories, Juli 1954, mit den Reklametexten und Illustrationen sowie viele weitere im Original beim Internet Archive.

Samstag, 8. Dezember 2018

Nackt und ausgezogen

Der Titel dieses Blogeintrags ist natürlich der verzweifelte Versuch, Leser anzulocken oder wenigstens einen Click zu kriegen, denn sex sells bekanntlich. Obwohl ich schon länger mit dem Gedanken für einen Blogeintrag über pikante Umschlagbilder liebäugele, geht es dieses mal um weniger Frivoles. Es geht darum, was die beiden Insel-Ausgaben von Philip K. Dick unter ihren Schutzumschlag tragen.
Zwei unterschiedliche Einbände von Dicks Mozart für Marsianer bei Insel
Mozart für Marsianer in der Reihe Phantastische Wirklichkeit von Insel von
1973 mit schwarzem und mit lila Pappband, der Schutzumschlag, gestaltet
von Helmut Wenske, und der Buchblock sind gleich
Ausgelöst hat diesen Beitrag ein Kommentar zum Blogeintrag Insel und Suhrkamp. Dort wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es bei den Insel-Ausgaben der Reihe Phantastische Wirklichkeit offenbar unterschiedliche Einbände gibt. Häufiger sind wohl die lila Pappbände, die der eigentümlich lilanen Typographie der Reihe folgen. Die beiden Ausgaben von Dick zumindest gibt es auch mit schwarzem Pappband, wie sie für die von Insel gleichzeitig herausgegebene Reihe Bibliothek des Hauses Usher verwendet werden, hier mehr zu dieser Reihe bei Wikipedia. Die Schrift auf dem Buchrücken nennt Titel und Autor, sie ist bei der schwarzen Ausgabe in weiss, bei der lila Ausgabe in Silber. Die beiden Ausgaben unterscheiden sich sonst in nichts. Zumindest bei einigen weiteren Bänden der Reihe werden Ausgaben sowohl im lila als auch im schwarzen Pappband angeboten, in Pallas oder die Heimsuchung von Edward de Capoulet-Junac etwa oder Herren im All vom Cordwainer Smith.
Die Umschlagbilder beider Bücher sind von Helmut Wenske gestaltet, der auch das Umschlagbild für Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit gemacht hat sowie die drei Ausgaben der Valis-Trilogie bei Moewig.
Ich selbst bin wenig aufmerksam bei dem, was unter dem Schutzumschlag ist. Ursprünglich wirklich als reiner Schutz gedacht, ist der Schutzumschlag dieser Tage doch meist interessanter als das, was darunter ist und eigentlich geschützt werden soll. Tatsächlich funktioniert das meist auch recht gut, Schutzumschläge sind häufiger in schlechtem Zustand und bedürfen genauerer Betrachtung, aber der eigentlich Einband ist dann doch gut erhalten.
Silber und schwarze Schrift auf dem Buchrücken von Mozart für Marsianer
Die Buchrücken von Mozart für Marsianer, Insel (1973),
die Schrift oben silber unten weiss
Mir war also nie aufgefallen, dass es diese doch recht offensichtliche Varianten gab - man lernt eben nie aus.
Herausgegeben wurden die 15 Bände der Reihe von Franz Rottensteiner. Wikipedia sagt  über die Reihe Phantastische Wirklichkeit:
Hier erschienen erstmals in deutscher Übersetzung Werke von [...] Philip K. Dick in gebundenen Ausgaben.
Das ist etwas missverständlich, erstmals bezieht sich nur auf die Werke, aber nicht auf die gebundenen Ausgaben, denn die Zeit ohne Grenzen war schon rund zehn Jahre vorher als zwar gekürztes, aber doch gebundenes Leihbuch erschienen - allerdings bis dato als einzige gebundene Ausgabe.
Willkommen in der Wirklichkeit von
Uwe Anton bei Heyne (1990) mit
einem Cover von Helmut Wenske
Erstaunlich ist auch, dass man den Band 1 der Reihe, Die Ratte im Labyrinth, erschienen am 9. November 1969, offenbar bei Suhrkamp noch neu bestellen kann.
Bei der Beschaffung der oben beschriebenen Varianten treten weniger Probleme auf, als erwartet. Die Farbe des Einbandes wird oft genannt oder ist auf den begleitenden Bilder erkennbar - man kann vermuten, dass den Anbietern die Relevanz bekannt ist und die Farbe des Einbandes daher explizit genannt wird - ich habe das immer überlesen. Man kann also oft feststellen, welcher Einband angeboten wird - wenn nicht, muss man eben fragen. Man findet auch Angebote zu vertretbaren Preisen, man sollte allerdings darauf achten, dass die Folierung des Schutzumschlages einigermassen in Ordnung ist, auch auf der Rückseite. Die Folie löst sich immer ein wenig, aber offenbar bei den LSD-Astronauten mehr als beim Marsianischen Zeitsturz, vermutlich hat man in der Produktion etwas geändert - oder meine Wahrnehmung ist falsch, ich habe nur ein paar Exemplare gesehen.
Zum Abschluss sei noch mal auf das noch immer ungelöste Rätsel um die broschierte Ausgabe von Insel hingewiesen. Und hier gibt es im Blog alles zu Insel und Suhrkamp.

Samstag, 1. Dezember 2018

Griechisch: ΦΙΛΙΠ Κ. ΝΤΙΚ

Der goldene Mann von Philip K. Dick in
einer griechischen Ausgabe:
O xrysafenios andras, Para Pente (1997)
Griechenland. Das Land in dem die europäische Kultur geboren wurde. Und das Land, das sich erst spät für Philip K. Dick zu interessieren begann.
1976 erschien als erster Roman von Dick in Griechenland ausgerechnet Schachfigur im Zeitspiel [Dr. Futurity]. Zu diesem Zeitpunkt hätte es wohl bessere Romane von Dick gegeben, aber es ist in einigen Ländern zu beobachten, dass die erste Wahl einer Übersetzung überraschend schlecht ist. Dafür gibt es offenbare drei oder vier Ausgaben des Romans von verschiedenen Verlagen - alles aus dem gleichen Jahr. Leider werden hier durchgängig keine ISBNs angegeben, so dass es schwer ist, hier genau zu erkennen, wie viele Ausgaben von wie vielen Verlagen es wirklich gibt. Ich konnte auch keine gute Seite finden, die hier genauer Aufschluss bringt.
1978 sind die folgenden Übersetzungen Ubik und Das Orakel vom Berge, also zwei von Dicks besten Werken. Auch in den letzten Jahren hat es neue Ausgaben gegeben, die letzte, Simulacra, ist im Jahr 2016 erschienen. Insgesamt sind aber nur 26 SF-Romane in rund 50 Ausgaben, drei Mainstream Romane und fünf Anthologien auf Griechisch herausgekommen, mit fünf Ausgaben liegt - wie immer - der Blade Runner vorne.
Eine eher unvollständige griechische Bibliographie findet sich natürlich auch im Netz.
Sehr gelegentlich tauchen griechische Ausgaben auch bei den einschlägigen deutschen Anbietern auf, mit dem direkten Kauf in Griechenland habe ich keine Erfahrung; eigentlich sollte das kein Problem sein, das Griechenland natürlich Mitglied des Euro-Raumes ist und Überweisungen kostenfrei und problemlos sein sollten ... wie die Kosten für das Porto sind, ist mir allerdings gänzlich unklar.
Der Web-Tipp ist das PKDicktionary eine Sammlung von Begriffen aus Dicks Romanen.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 17. November 2018

Noch mehr Festival ...

Nach dem etwas allgemeineren Eintrag in der vergangenen Woche, möchte ich nun eine Auswahl der in diesem Jahr auf dem Annual Philp K. Dick Film Festival in Köln gezeigten Filme etwas genauer vorstellen und einige persönliche Eindrücke schildern.
Imagionation, Februar 1953
Die einzige Verfilmung einer Kurzgeschichte von Dick selbst ist The Pipers des Regisseur Ammar Quteineh aus dem Jahr 2013. Qutheineh hat das Drehbuch nach einer der frühen Kurzgeschichten aus den Jahr 1953 geschrieben,  Piper in the Woods, die (zumindest in den USA) zu den rund 30 Kurzgeschichten zählt, die wohl Gemeingut sind und die man daher hier legal nachlesen darf. Man darf annehmen, dass diese Kurzgeschichte auch deshalb gewählt wurde, weil sie nicht vom Trust lizensiert werden musste (und man darf weiter spekulieren, dass das für eine Produktion, die man wohl nicht uneingeschränkt als grosses Hollywoodkino bezeichnen würde, schwierig geworden wäre). Die Erstveröffentlichung der Geschichte war in der Februar-Ausgabe von Imagination, auf Deutsch Pfeifer im Wald, das in Deutschland nur im Rahmen der Sämtlichen Erzählungen bei Haffmans bzw. Zweitausendeins in Und jenseits - das Wobb veröffentlicht ist.
Bemerkenswert ist, dass der Film sich recht nah an die Kurzgeschichte von Dick hält. Naturgemäss ist diese Verfilmung von anderer Art als die Spielfilme Blade Runner und Minority Report, der nicht vorhandene Hochglanz passt aber, wie ich finde, unmittelbar zu Dick. Sehr sehenswert.
Am anderen Ende des Spektrums findet sich Brainbloodvolume des Regisseurs John M. Carter. Die für empfindliche Menschen vielleicht schwer anzusehende Selbsttrepanation zur Bewusstseinserweiterung stellt den entscheidenden Moment im Leben eines Menschen dar, der sich dazu entschliesst, seinen Schädel mit einem Handbohrer zu öffnen. Nachdem Carter in der Diskussion erklärt hat, dass dieser Film auf dem holländische Bibliothekar Bart Huges beruht, der das 1965 sogar mit Bildern dokumentieren lassen hat (an denen sich Carter bei seiner Verfilmung orientieren konnte), hat sich die Wirkung des Films auf mich deutlich geändert. War es vorher ein bizarrer Film, ist es jetzt ein - dabei sehr eindrucksvoller und ausdrucksvoller - Film über ein bizarres Ereignis. Der Kontext spielt eben auch in der Kunst eine Rolle. Einen guten Eindruck zum Stil dieses in Schwarz-weiss produzierten Films gibt der Teaser Trailer auf YouTube.
Das Programm des Festivals: Zwei Tage mit jeweils zwei Themenblöcken
Instant Realities vom ebenfalls anwesenden Andreas Simon findet sich jetzt auch bei Amazon - versprochen hat der Regisseur weitere Folgen dort, ich habe das auf meiner Watchlist. Für mich war Instant Realities sicher ein Film, dessen Bildwelten auf Dick verweisen - man denkt an die Verwirrtheit des Protagonisten in Ubik oder Eine andere Welt.
Die Galerie der vergessenen Berufe ist eine Drittmittel-Auftragsproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg, d. h. eine studentische Arbeit, die uneingeschränkt das Niveau der anderen Produktionen erreicht. Regisseur Willi Kubica und die für die Produktion verantwortliche Julia Deumling haben über Finanzierung und Intention des Films berichtet, der die Verdrängung menschlicher Arbeitsplätze durch Computer und künstliche Intelligenz thematisiert. Das Drehbuch, ebenfalls von Kubica, könnte nach einer Geschichte von Dick sein, die dieser nie geschrieben hat, gerade der Handlungswechsel am Ende. Erwähnen sollte man in diesem Blog auch noch die Tongestaltung, die sicher von letztjährigen Blade Runner 2049 inspiriert war. Der Trailer findet sich auf YouTube. Anschauen!
Thomas Köhlings Film Erster Tag Kosmos beschreibt die Begegnung von alten zwei Freunden, einer Pfleger, der andere Patient. Köhling hat hier seine Erfahrungen im Umgang mit psychisch Kranken mit eindrucksvollen Bildern verarbeitet: Die anfängliche Fahrt vor dem Sternenhimmel bleibt in Erinnerung. Eindrucksvoll hat er im persönlichen Gespräch auch geschildert, welche Probleme ein junger Filmemacher überwinden muss und welchen Aufwand zu treiben ist.
Als letzten Film möchte ich noch The Very Near Future von Sebastian Egert herausgreifen, den man auch bei Vimeo findet. Das Motiv der Überwachung zu unserem Besten ist natürlich nicht neu. Wirklich phildickian wird der Film aber, weil die KI eben nicht unpersönlich überwacht und eingreift, sondern Gefühle zeigt und schliesslich mit den Worten I will probably be gone in a few minutes auch Persönlichkeit ausdrückt. Das erinnert an das Verhalten der Tür gegenüber Joe Chip in Ubik (man lese dazu auch Tom Armitages sehr passenden Artikel Joe Chip’s problem was never his door). 
Natürlich gab es noch viele andere Filme, der eröffnende Film Shelter bleibt mir sicher im Gedächnis, das fröhliche Attack of the Cyber Octopuses, Metta Via mit seiner Ästhetik, die sicher von Moebius inspiriert ist (sei es direkt oder indirekt durch Blade Runner) und die vielen anderen Filme.
Das originale Filmplakat des 5. European Philip K. Dick
Film Festivals in seinem neuen Heim
Dass einige der Filme sich auch im Internet finden lassen, mindert keinesfalls den Wert dieser Veranstaltung. Natürlich ist das Filmerlebnis in einem Kinosaal ein anderes, grösseres, das gilt um so mehr bei Kurzfilmen, denen es durchaus gut tut, sie ohne Ablenkung in einem dunklen Raum zu sehen. Und das Erlebnis mit anderen Interessierten in diesem Rahmen teilen zu können, ist natürlich Teil eines Festival. Und schliesslich ist die Auswahl der Filme bei diesem Filmfestival natürlich sorgfältig kuratiert und die Zusammenstellung und Abfolge macht ja den grössten Wert aus.
Was habe ich nun mitgenommen? Als Büchersammler habe ich dem Medium vielleicht zu wenig Wert beigemessen - aber die Erfahrung einen Film (oder viele) in einem Kinosaal zu sehen, lässt sich eben nicht einfach in einem Regal sammeln. Ich werde sicher die Verfilmungen noch einmal ansehen, einiges habe ich, anderes fehlt (noch): Man hat mir Total Recall (die erste Verfilmung) ans Herz gelegt, ein Film den ich sehr, sehr lange nicht gesehen habe. Einen Überblick über die Verfilmungen gibt die Seite Mediathek.
Mitgenommen habe ich auch eines der wenigen Filmplakate, das mir einer der Mitwirkenden überlassen hat, mein grosser Dank an Thomas. Das Plakat hat schon einen prominenten Platz gefunden!
Und natürlich noch mal mein Dank an alle, die ich treffen und mit denen ich mich austauschen konnte. Und demnächst mehr zum Thema Film.

Samstag, 10. November 2018

The Fifth Annual Philip K. Dick Film Festival

Nach einigen vergeblichen Anläufen habe ich es dieses Jahr endlich geschafft, beim European Philip K. Dick Film Festival in Köln dabei zu sein, ein Erlebnis, das ich nicht bereue.
Das wunderschöne Filmplakat zum European Philip K. Dick Science 
Fiction Film Festival - Colone am Kino 813 in der BRÜCKE
Schon in der vorigen Woche, am 1. und 2. November, fand die deutsche Ausprägung des European Philip K. Dick Festivals im Rahmen von zweimal zwei Abendveranstaltungen in Köln statt. In der Woche davor, am 25. und 26. Oktober, hat die französische Variante, das Festival de Science-fiction Philip K. Dick à Lille, stattgefunden. Diese europäische Variante der US-amerikanischen Veranstaltung hat 2013 ihren Anfang in Lille gefunden - natürlich in Frankreich, denn dort liebt man Philip K. Dick. Der Kölner Filmclub 813 hat sich jetzt zum dritten mal hier in Deutschland diesem Film Festival angenommen. Auch in Rotterdam und in Łódź haben in den vergangenen Jahren Veranstaltungen stattgefunden.
In den USA findet das Festival seit 2012 (fast) jährlich statt, deshalb sind wir dort jetzt beim sechsten Festival. Die Webseite des Festivals wendet sich schon dem nächsten Jahr zu, wenn das siebte Festival in Santa Ana stattfinden wird, dem Ort, an dem Dick die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte.
Im Kino 813 in der Brücke  wurden dann an zwei Abenden fast dreissig Kurzfilme gezeigt, die sich mehr oder auch viel weniger mit Dicks Motiven beschäftigt haben.
Dan Abella, der amerikanische Gründer und Director des Festivals hat gemeinsam mit dem lokalen Veranstalter Tobias Schmücking vom Kölner Filmclub 813 die Zuschauer zu jedem Block begrüsst und eine kurze Einführung in Leben und Werk von Philip K. Dick gegeben und über die Bedeutung und Ziele des Film Festival gesprochen.
Tatsächlich waren dann, wie angekündigt, relativ viele Filme auf Deutsch. Einige der Filmemacher waren auch anwesend, naturgemäss überwiegend die Deutschen. Diese konnten nach jedem Block über ihre Filme reden und eine kurze und trotzdem faszinierende Diskussion mit Fragen aus dem Publikum war möglich.
Einige der Filme konnte ich nicht mit Dick in Verbindung bringen, alle Filme zusammen aber haben ein schönes Gesamtbild ergeben, das sich durchaus nach Philip K. Dick nennen darf. Eine kleine Auswahl der Filme werde ich in diesem Blog in einem zweiten Eintrag in der nächsten Woche betrachten.
Mein Gesamturteil: Sehr grosse Vorfreude auf das nächste Jahr! Und der kaum erfüllbare Wunsch, es vielleicht im Frühjahr nach Santa Ana zu schaffen. Für den Sammler hat diese Veranstaltung zwar zunächst wenig zu bieten, selbst das Ticket war zum Selbstausdrucken. Aber so kann man einfach nur geniessen und die harte Wirklichkeit des Sammelns für einen flüchtigen Augenblick hinter sich lassen. Und schliesslich hat sich doch noch etwas ergeben ... aber auch dazu in der nächsten Woche mehr.
Und natürlich ein grosser Dank an Dan, Tobias, Thomas, John, Willi und alle anderen für die zwei wunderbaren Abende mit euch!

Samstag, 27. Oktober 2018

Paul William in NRW

Zwei Objekt, die ich nur der Sorgfalt meines Antiquariats verdanke, sind die Ausgaben des Fantastischen Forums. Diese Hauszeitschrift des Aktionskreises Fantastik erscheint von 1990 bis mindestens zur Nummer 17 im Jahre 1998. Im Format A5 wirkt sie wie ein besseres Fanzine, die Beiträge heben sich in der Qualität aber unbedingt von denen der Egozines der Zeit ab. So enthält Ausgabe 5 von 1991 Beiträge von Erik Simon, u. a. bekannt als Strugatzki-Kenner und Übersetzer, und dem britischen Science Fiction Schriftsteller Ian Watson.
Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, eine Beilage des
Fantastischen Forums 5 von 1991
Wirklich spannend für den Sammler von Philip K. Dick ist aber das der Nummer 5 beigelegte aufwändige Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW in Düsseldorf im Jahr 1991. Es enthält das Essay Das Leben eines SF-Schriftstellers von Philip K. Dick, im Original Tips for a Beginning Writer von 1964 und den Text Philip K. Dick ist seit zehn Jahren tot. Was höchst bedauerlich ist! von Paul Williams. Dieser letzte Text ist wohl nicht auf Englisch erschienen. Die Tips sind unter verschiedenen Titeln erschienen, ungekürzt wohl nur in der PKDS Newsletter 26 (1991) unter dem Titel The Life of an S-F Writer - und hier auf Deutsch. Gekürzt ist der Text 1964 im Fanzine Galactic Outpost in der Nummer #3 (Sommer) erschienen, auch wenn Williams in der Einführung meint, es wäre die #2 (Frühjahr); diese deutlich gekürzte Fassung ist auch in PKD Otaku #33 nachgedruckt.
Diese Beiträge erklären sich dadurch, dass Paul Williams Teilnehmer der 4. Science Fiction Tage in NRW war und dort über Dick vorgetragen  und die Artikel wohl mitgebracht hat. Enthalten ist deshalb auch der Artikel Über Paul Williams (und Philip K. Dick), ein Autor ist nicht genannt. Dort steht über Williams Mitwirken an den SF-Tagen:
Paul Williams wird auf den 4. Science Fiction-Tagen über Dicks Faszination von Deutschland und der deutschen Sprache reden, die er während Dicks High School-Zeit begann und sein Leben und Bücher in manch überraschender Weise beeinflusste. Er wird ebenfalls an einem Panel teilnehmen und sein Bestes geben, um Fragen über Dick zu beantworten. Es ist schade, daß Philip K. Dick nicht mehr unter uns ist, um auf dieser Convention zu sein, aber Paul Williams wird tun, was er kann, um Dicks Geheimnis ein wenig zu lüften.
Der Text lässt vermuten, dass Williams ihn selbst geschrieben hat. Der Verweis Dicks Beziehung zu Deutschland ist spannend und es ist mehr als schade, dass der Vortrag wohl komplett verloren gegangen ist. Man kann vermuten, dass er auf Williams unveröffentlichtem Manuskript Philip K. Dick's Romance with Germany basiert.
Erstaunlicherweise lassen sich einige Nummern des Fantastischen Forums noch erwerben - für sehr wenig Geld beim erwähnten Antiquariat, Twilight Books. Hier wurden diese beiden Ausgaben nämlich mit dem Schlagwort Philip K. Dick angeboten, ich hätte sie sonst nie gefunden. Es finden sich nämlich sonst im Internet oder der mir verfügbaren Literatur keine Spuren von diesen Veröffentlichungen und daher auch keine Verweise auf die drei Beiträge von und zu Dick und Williams. Ich frage mich, wie viel Spannendes von Dick mir wohl entgeht und beklage hier wieder einmal die Bedrohung und mutmasslich auch den Massenverlust von Szene-Veröffentlichungen dieser Art, das spurlose Verschwinden unendlich vieler Ausgaben von Fanzines, Egozines, und Clubzeitschriften mit grossenteils einmaligen Veröffentlichungen. Ich sehe hier fast keine Rettungsaktivitäten.
Der Web-Tipp ist dieses mal der Treffpunkt Phantastik, ein kluger und aktueller Blog, der sich als Tummelplatz deutschsprachiger Sekundärliteratur zur phantastischen Literatur sieht und der auch gelegentlich Fanzines et al. behandelt. Philip K. Dick kommt (fast) nicht vor, das ist wohl ein Hinweis darauf, dass es wenig deutschsprachige Sekundärliteratur über ihm gibt.
Die bibliographischen Details zu den Artikel oben finden sich auf den Seiten Essays und anderes (nach Quelle) und Sekundärliteratur nach Autoren hier im Blog. Und mehr zur Ausgabe 6 des Fantastischen Forums in einem späteren Blogeintrag.

Samstag, 20. Oktober 2018

Bibliographien

In den Zeiten vor dem Internet war der Aufbau einer Sammlung in vielen Belangen weitaus schwieriger. Schon der Aufbau eines Katalogs war aufwändig und kompliziert. Für die eigene Sammlung musste er mühsam und langwierig aufgebaut werden, mit Hilfe von Informationen aus veröffentlichten Büchern, öffentlichen Bibliotheken und Buchhandlungen, wobei letztere allerdings ihre Kataloge lieferbarer Bücher als Betriebsgeheimnis lieber geheim gehalten haben und der Wunsch auf Einblick meist empört abgelehnt wurde - als quasi-Monopolist durch Preisbindung konnte man sich das leisten (... so ändern sich die Zeiten).
Philip Kindred Dick - Metaphysical Conjurer (1995)
Seltener noch war Sekundärliteratur zum Thema, weil sie in der Regel noch schwieriger zu finden war.
Im englischen Sprachraum gab es schon 1981 eine erste selbstständige Bibliographie zu Philip K. Dick von Daniel J. H. Levack: PKD: A Philip K. Dick Bibliography, aufwändig bebildert erschienen bei Underwood-Miller, wo später erst die legendären Collected Stories und dann die so wichtigen Selected Letters erschienen sind. Einzigartig ist diese Bibliographie, weil Dick selbst daran mitgearbeitet hat. Und weil dieses Buch natürlich ein Liebhaberstück ist, gibt es die Auflage von 1100 Exemplaren auch in diversen Varianten, mit rotem und grünen Cover, Soft- und Hardcover, und auch einige (200 oder 233) signiert. Und natürlich ist diese Bibliographie damit selbst ein attraktives und teilweise teures Sammlerstück geworden.
Ein ähnliches Werk ist das zuerst 1986 herausgegeben von Gordon Benson Jr. und in späteren Auflagen gemeinsam mit Phil Stephensen-Payne in zwei Bänden herausgegebene Philip Kindred Dick: A Working Bibliographywobei der zweite Band die sonst weniger beachtete Sekundärliteratur katalogisiert. Ebenfalls rein bibliographisch ist Christopher P. Stephens' A Checklist of Philip K. Dick von 1993, das im Rahmen einer umfangreichen Reihe über verschiedene Autoren herausgekommen ist.
Die beiden Bände von Precious Artifacts, zwei reine Bibliographien
der Werke von Philip K. Dick, erschienen bei Wide Books (2012/2014)
Der neueste Vertreter dieser Reihe ist Precious Artifacts von Wide Books (2012, 2014), das in zwei Bänden und auch aufwändig bebildert, alle Ausgaben der Romane bzw. Kurzgeschichten listet. David Hyde und Henri Wintz publizieren hier in ihrem eigens für Publikationen über Philip K. Dick gegründeten Verlag die bibliophile Erweiterung von The Philip K. Dick Bookshelf. Beide Bände sind in begrenzter Auflage als Hardcover und (unbegrenzt) als Print-on-Demand erschienen, die Hardcovers sind nur noch (selten) antiquarisch erhältlich und selbst Sammlerstücke. Ähnliche Werke für andere Sprachen sind bei Wide Books im Gespräch, eine deutsche Ausgabe wäre sicher mehr als spannend - man muss sich aber die traurige Frage stellen, ob es dafür einen (ausreichenden) Markt gibt. Der Autor dieses Blogs wäre natürlich dabei!
David Hyde hat als Lord RC bereits 2006 das für jeden Sammler unverzichtbare Pink Beam: A Philip K. Dick Companion veröffentlicht, das über eine rein bibliographische Aufzählung hinausgeht und die Publikationsgeschichten auch der sehr frühen Werken genau untersucht.
Erwähnt werden können hier noch zwei verwandte Werke, Andrew M. Butlers Philip K. Dick und Kim Stanley Robinsons The Novels of Philip K. Dick. Beide beschäftigen sich mit umfassend mit den Romanen, aber nur sehr am Rande mit bibliographischen Details. Bemerkenswert ist, dass Robinsons Werk auch als deutsche Übersetzung Die Romane des Philip K. Dick als Taschenbuch bei Shayol (2005) herausgekommen ist.
Ebenfalls (auch) auf Deutsch ist ein Werk, das sich einer Klassifikation entzieht und sicher nicht bibliographisch ist, trotzdem (irgendwie) in diesen Blogeintrag gehört: Appendix Dick von Tommi Bremm - und wer dieses sensationelle Buch nicht kennt, lese hier.
Lässt man Robinsons und Bremms Bücher, die einen durchaus anderen Charakter haben, zur Seite, so gibt es keine selbstständige deutschen Bibliographie, auch in anderen Sprachen konnte ich nichts entdecken.
Es gibt einige unselbstständige Bibliographien, die auch deutsche Veröffentlichungen umfassen. Jenseits allgemeiner Lexika, die meist gewisse bibliographische Informationen enthalten, sind wohl Uwe Antons Beiträge die umfassendsten. Mit der Dick-Bibliographie in den Materialen (1976) und in der Science Fiction Times (06/1984) bereitet er dann den umfassenden Eintrag im seltenen Entropie und Hoffnung, Tilsner (1993), vor. Kapitel 11 ist eine Auflistung deutscher und englischer Ausgaben und von Sekundärliteratur und erreicht mit 50 Seiten leicht den Umfang der selbstständigen angelsächsischen Veröffentlichungen.
Heute ist der grosse Nutzen reiner Bibliographien kaum noch zu verstehen, früher waren sie sehr wertvolle Hilfen, auch für Fans und Sammler. Aber auch heute enthalten diese Werke, auch die älteren, Informationen, die sich im Internet gar nicht oder nur sehr schwer und weit verstreut finden lassen. Die meisten dieser Werke sind schwer zu finden oder teuer - oder auch beides. Selbst die deutsche Ausgabe von Shayol scheint selten geworden zu sein. Einfach sind nur noch die verschiedenen Print-on-Demand-Ausgaben zu finden, die zwar weniger sammelbar sind, aber trotzdem Platz in jeder Sammlung finden sollten.
Ein netter Blog "nebenan" ist Popturf, dessen Idee es ist pop cultur location from movie, literature, tv & more zu beschreiben. Und natürlich konnte auch unser Phil einem (sehr umfangreichen) Eintrag nicht entkommen. Unbedingt guckenswert.
Eine Bibliographie der Bibliographien, die des öfteren selbst in verschiedenen Auflagen und Ausgaben erschienen sind, findet sich - natürlich - auch in diesem Blog.