Samstag, 30. November 2019

Gesundheit!

Am 27. November ist Der galaktische Topfheiler von Philip K. Dick offiziell (laut Katalog) beim S. Fischer Verlag erschienen. Mein Buchhändler hatte ihn schon zwei Tage vorher. Und das Impressum vermeldet Dezember 2019. Das macht die Buchhaltung nicht einfacher, aber ähnlich ist es bei allen Ausgaben von Fischer - immerhin steht ein Monat im Impressum.
Die aktuelle Ausgabe von Der galaktische Topfheiler von Philip K. Dick bei Fischer
Einen ausführlichen Eintrag zum 50. Geburtstag des pot-healers gab es vor kurzem in diesem Blog, aber der Verlag will mit dieser Neuausgabe wohl nicht zum Jubiläum gratulieren, sondern, so könnte man vermuten, die Serie von Philip K. Dick in der Klassik Reihe zu Ende bringen. Der Topfheiler ist dabei die Fischer'sche Neuausgabe des 14. von 16 Bänden der Philip K. Dick Edition von Heyne. Es fehlen damit nur noch die Simulacra und Die Lincoln-Maschine, dann hat Fischer alle Romane von Heynes (unvollendeter) Werkedition, die neulich hier Thema war, herausgebracht. Die Lincoln Maschine hat Heyne aber (als einzigen Titel von Dick) noch im Angebot - seit 2007. Aber Fischer überrascht uns im nächsten Jahr und bringt nicht etwa die Simulacra, sondern Die Clans des Alpha-Mondes. Die sind zwar unter dem Titel Auf dem Alphamond auch als Teil der Werkausgabe geplant, dann aber nicht mehr herausgekommen und sie wandern nun als pinker Geisterband durch die Kataloge der einschlägigen Anbieter.
Die Übersetzung des Topfheilers bei Fischer, das sei erwähnt, ist natürlich die der Heyne Ausgabe, also die im Jahre 2004 von Alexander Martin durchgesehene und überarbeitete Erstübersetzung von Joachim Pente. Pente hatte diese ursprünglich für den Fischer Verlag erstellen, bei dem 1974 schon die deutsche Erstausgabe in der Fischer Orbit Reihe erschienen ist, unter dem etwas albernen Titel Joe von der Milchstrasse. Später ist noch eine Ausgabe bei Moewig (1983) herausgekommen. Die Überarbeitung von Martin hat auch die Widmung Für Cynthia Goldstone hinzugefügt. Und dazu kam auch der als Motto vorangestellte Vers aus dem Gedicht Snake von D. H. Lawrence, hier im Original:
And truly I was afraid, I was most afraid,
But even so, honoured still more
That he should seek my hospitality
From out the dark door of the secret earth.
Ich weiss leider nicht, wie das Gedicht, hier vollständig auf Englisch, auf Deutsch heisst (würde mich aber über Hinweise freuen). Lawrence, 1885 geboren, ist noch jünger als Dick gestorben, am 2. März 1930, am gleichen Kalenderdatum wie Philip K. Dick im Jahre 1982. Soviel zur Zahlenmagie …
Der Klappentext des Topfheilers
Auch wenn Dick wenig gut über seinen Roman gesprochen hat, so hat der Topfheiler einige Höhepunkte – so haben sich Tim Powers und Alice Sheldon geäussert (so zitiert bei den PhilipKDickFans). So schlecht ist der Roman auch wirklich nicht – auch Heyne hat ihn in seine Edition aufgenommen, in der wohl kaum bestreitbar zumindest die zwölf besten Romane von Dick sind. Und auch wenn der Topfheiler nicht zum besten Dutzend gehört, lesbar und auch unterhaltsam ist er. Und wir finden natürlich zahlreiche von Dicks typischen Motiven. Zumindest der Musiker Leisure Muffin hat dieses Buch aufgegriffen, es gibt einen Techno Titel namens Heldscalla von ihm, nach dem Namen der Kathedrale, die im Buch vom Meeresgrund gehoben werden soll.
Wenn man die Bände von Fischer zählt, kommt man übrigens auf 16 Klassik Ausgaben von Dick, die Neuausgaben von Heynes 16 erschienenen Bänden der Werkedition sind – trotzdem fehlen noch zwei Bände, da die Anthologie Der unmögliche Planet bei Fischer in zwei Bänden und Blade Runner in zwei Ausgaben erschienen ist. Bei der zweiten Ausgabe des Blade Runner handelt sich um die Neuübersetzung von Manfred Allié. Gewisse Unterschiede zwischen den Reihen gibt es also … hauptsächlich fehlen bei Fischer aber all die netten Extras, Anmerkungen, Vor- und Nachworte, für die es sich oft schon lohnt die alten Heyne Ausgaben zu suchen. Der Topfheiler hat ein solches Extra in der Ausgabe von Moewig, ein sehr kurzes Nachwort von Hans Joachim Alpers.
Eine positive Besprechung des Galactic Pot-Healers (auf Englisch) findet sich im Gaping Blackird Blog, der viel, aber nicht nur Science Fiction bespricht, es finden sich dort auch weitere Bücher von Dick.
Hier ist der Topfheiler beim Fischer Verlag, hier alle bibliographischen Angaben zu Fischer und zu Heyne und hier sind alle deutschen Ausgaben des Topfheiler.

Preise

"Der galaktische Topfheiler", ISBN 978-3-596-90697-0, überall im lokalen Buchhandel auf 176 Seiten für 10 Euro

Samstag, 23. November 2019

The End. Eine Replikantenoper

Theater Bremen
Bremen. Hier wird Geschichte geschrieben, wenn auch nur in einer kleinen Ecke des Philip K. Dick Universums. Am 26.09.2019 hatte The End. Eine Replikantenoper Uraufführung, im Kleinen Haus. Leider konnte ich nicht dabei sein. Am vergangenen Freitag war nun die inzwischen siebte Aufführung, die auch ich besuchen konnte. Und trotz der etwas aufwändigen Anfahrt – das Nationaltheater Mannheim wäre ein bequemerer Ort gewesen – hat es sich (natürlich) gelohnt bei diesem fast einmaligen Ereignis, auf jeden Fall aber kaum zu wiederholenden Erlebnis dabei zu sein.
Diese Oper ist untypisch – wir sehen fünf Darsteller auf der Bühne im Nieselregen, die vor dem sich in der Feuchtigkeit auflösenden Hintergrund aus weissem Zellstoff stehen. Es ist das Jahr 2350 (oder so), die Menschen sind untergegangen und nun kommt auch für die fünf Replikanten auf der Bühne das Ende, The End. Auf der Bühne stehen – von rechts nach links – fünf Replikanten, die Rick Deckard (gespielt von Alexander Swoboda), Rachel Rosen (Annemaaike Bakker), KD6-3.7 (Nadine Geyersbach), Roy Batty (Matthieu Svetchine) und Dr. Eldon Tyrell (Justus Ritter) repräsentieren. Und natürlich repräsentieren diese Replikanten die genannten nur, sie spielen sie nicht, denn diese Replikanten erzählen von der fernen Vergangenheit, wie sie sich in den beiden Blade Runner Filmen abgespielt hat (oder wenigstens fast so). Und wenn man diese Filme kennt, weiss man, dass zumindest Batty, Rachel und Tyrell tot sind und Tyrell ziemlich sicher ein Mensch war.
Leider ein TicketDirect, also eigentlich
nichts für die Sammlung, man kann sich
aber auch ein anständiges Ticket senden lassen
Beim Verständnis des Stücks hilft die kurze – mir unangekündigte – Einführung in deren Genuss ich kam. Die junge Mitarbeiterin (deren Name mir leider entgangen ist) referierte vor dem Stück vor interessierten Zuschauern schnell und wissend, über Gemeinschaft und Klimakatastrophe und mehr. Mir war auch ein kurzes Gespräch nach der Vorstellung möglich, das mir weitere Einsichten gebracht hat. Viel aus der Einführung findet sich im Kommentar von Jan Eichberg.
Das Stück, meiner Erachtens eher keine Oper, ein Singspiel vielleicht, ist kurz: kompakt und intensiv nennen die Kritiken (siehe unten) das – nur eine knappe Stunde dauert der Vortrag. Und er ist kompakt und vor allem intensiv. Wahrlich. Das statische Format auf der Bühne verlangt auch diese Kürze. Und die Intensität sieht man den Darstellern am Ende bei der Verbeugung auch an, eine Stunde im Sprühnebel zu stehen verlangt wohl auch einiges ab. Und mit einem Platz in der ersten Reihe (neben der Souffleurin mit der ich vor dem Stück einige Worte wechseln durfte) spürte man die Intensität durch die Nähe noch stärker – und man fühlte das Wetter auf der Bühne.
Die Regie führte Felix Rothenhäusler, der Hausregisseur. Die Musik stammt von zwei Schweizer Musikern, Jo Flüeler und Moritz Widrig, die auch auf – oder vielleicht eher hinter – der Bühne stehen, blauhaarig.  Das Libretto, also der Text, stammt vom Bremer Autor Jan Eichberg und ist wohl leider separat nicht erhältlich. Ich hätte gerne noch mal nachgelesen – denn so sehr man der Vorlage Film gefolgt ist, Rachel hat doch keine Replikanten erschossen, oder? Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, darum würde ich gerne noch mal reinschauen ...
Für mich war dieser Opernabend ein ganz grosses Erlebnis, auch wenn das Format nicht ganz gross, opernhaft war, dafür aber enorm intensiv. Und Dicks Protagonisten sind normale Menschen, keine Wagner'sche Helden, also Menschen, die sich weniger für die klassische Oper eigenen. Insoweit ist das Format dem Autoren sehr angemessen.
Programm von The End. Eine Replikantenoper
Die Seite des Theaters in Bremen zu dem Stück sollte man sich unbedingt ansehen. Hier kann man nicht nur die Karten kaufen, man kann auch die oben geschilderten Kostüme betrachten. Mit der Kostümausstattung für den Film Blade Runner (1982), an die man sich Elke von Sivers stark angelehnt hat, gewannen Charles Knode und Michael Kaplan im Jahr 1983 den angesehenen British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) Award for Best Costume Design. Kaplan, für den Blade Runner sein erster Film war, hat später die Kostüme für die neueren Star Wars Filme gemacht und der Brite Knode war im Umfeld von Monty Python tätig.
Und so schön die erwähnte Seite des Theaters ist bzw. die Bilder dort, so werden sie doch vermutlich bald verschwinden, um so wichtiger ist ein gutes Programm auf Papier, das – obwohl das Internet ja nie vergisst – die Dinge besser konservieren kann.
Es gibt tatsächlich auch andere Opern-Projekte basierend auf Werken von Philip K. Dick. Da ist Valis des Komponisten und Pionier der Musiktechnologie Tod Machover. Seine Oper wurde 1987 im Centre George Pompidou in Paris uraufgeführt, begleitet von Videoinstallationen, man kann das ein bisschen hier nachlesen.
Weiterhin gibt es noch Gero Reimanns Dick  Vom Sterben und Leben eines gott- und
Ein schönes Plakat, wohl nicht erhältlich
weltlosen Gnostikers. Eine Opernerzählung von 1984. Darüber hat dieser Blog auch schon berichtet, hier sei nur wiederholt, dass Reimann diese Oper wirklich aufführen wollte – leider ist ihm das nicht gelungen.
Und es gibt natürlich Theaterstücke, die auf Dicks Werken basieren, vor kurzem erst Zeit aus den Fugen in Hannover oder in den USA Linda Hartinians Flow My Tears, the Policeman Said.
Es gibt noch Aufführungen von The End. am 28.11., 16.12. und 29.12., weitere mögen im nächsten Jahr folgen. Kaufen kann man sonst zum Stück in Bremen nichts, immerhin gibt es ein Programm, kostenlos sogar. Für den Sammler fällt also wenig ab. Aber problemlos kann man eine CD der Oper Valis von Machover in die Sammlung aufnehmen, weniger problemlos auch Reimanns Opernerzählung, auf die man auch schon mal warten muss – und wenn sie auftaucht, schwanken die Preise sehr stark.
Genannt seien am Schluss hier noch zwei der insgesamt positiven Kritiken, im Weser-Kurier und bei Radio Bremen. Und alles zu Philip K. Dick auf der Bühne gibt es hier im Blog.

Preise

"The End. Eine Replikantenoper", Kleines Haus Bremen. Ticket für 23 Euro
Tod Machover: "Valis", Audio-CD, bei 20 Euro
Gero Reimann: "Dick  Eine Opernerzählung", ISBN 3-92538801-X, zwischen 10 und 50 Euro

Samstag, 16. November 2019

Und noch mehr Philip K. Dick Film Festival

Nach meinem Beitrag in der vorigen Woche verdienen noch einige weitere Filme des European Philip K. Dick Film Festivals einer Erwähnung – nach meiner gänzlich subjektiven Wertung.
Am Donnerstag, dem ersten Tag, folgten in Block 2: Fleisch und Maschine elf Filme. Der argentinische Kurzfilm Tatu beeindruckt mit animierten Robotern, aber das einsame Mädchen in der Großstadt in I Don't Want to be Alone ist nicht nur enorm bildstark sondern auch emotionaler - und zitiert Blade Runner ganz direkt in der ersten Szene.
Und auch in diesem zweiten Block gab es einen deutschen Beitrag, Zoe von Leif Brunnie über dessen Entstehung man auch direkt beim Filmemmacher nachlesen kann. Ein Zero-Budget-Film mit einem PKD-Thema. Und ein Film, den ich gerne weitersehen wollte … Der Abend geht dann spät zu Ende, nach Arbeit und Anfahrt vielleicht ein bisschen zu spät.
Nach einem kulturvollen Tag in Köln gänzlich ohne Philip K. Dick, einem Feiertag, an dem die Antiquarite leider geschlossen hatten, hiess dann am Freitag Abend der erste Block Jenseits von Verstand und Glauben.
Der erste Film des Abends war The Nine Billion Names of God, der auf einer Kurzgeschichte (auch wenn es im Abspann based on the book steht, ist es doch eine Kurzgeschichte) vom grossen Arthur C. Clarke von 1954 beruht (zum Trailer). Der deutsche Titel ist Die neun Milliarden Namen Gottes, erstmalig bei Ullstein (1959) in der Anthologie Nur ein Marsweib und andere Science Fiction-Stories erschienen. Für mich war dieser Film mit seinen grossartigen Bildern – der Himalaya, ein buddhistisches Kloster, Mönche in orangenen Roben und dem Stil der 50er Jahre – unbedingt eines der Highlights des Festivals. Auch wenn die diese typische Kurzgeschichte der 50er Jahre eine (etwas vorhersehbare) Pointe hatte.
Gedreht in Köln ist Eva  A CRISPR Story von Regisseur Puneet Bharill, der auch (wie in der No- und Low-Budget-Szene üblich) das Drehbuch geschrieben hat (und vermutlich sonst allerlei besorgt hat, was nötig war). Die Story greift das Thema Genmanipulation auf, die namensgebende CRISPR/Cas-Methode ist ein relativ neues, sehr mächtiges Werkzeug in diesem Umfeld und es wird (ohne Übertreibung: vermutlich die Welt verändern. Der wissenschaftliche Sachverstand der Macher beflügelt den Film und die schwierige Thematik braucht sicher mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft.
Das Programm des Philip K. Dick Science Fiction Film
Festivals in Köln für 2019 - das Motiv ist dem Kurzfilm
Mise En Abyme entnommen und zeigt einen Sammler,
allerdings nicht von Büchern sondern anderndings; das
Programm ist natürlich in die Sammlung gekommen
Dem hoch professionellen und optisch perfekten Mise En Abyme über einen Sammler (von Schmetterlingen) ist auch das Motiv der Film Festivals entnommen, das ist kein Zufall. Auf Vimeo kann man nicht nur den Trailer finden, sondern, neben Storyboard, making of und Interview mit dem Hauptdarsteller, auch einen Beitrag des italienischen Regisseurs Edoardo Smerilli. Smerilli hat das Drehbuch selbst geschrieben und er nennt Dick und sein Werk als Inspiration – und zeigt es auch. Eigentlich ist dieser Kurzfilm ein Beitrag für den zweiten Block des Tages, den Dick-Block. Den Sammler lässt der Film ein wenig unruhig zurück.
Ausser einigen grossen Namen bei den Autoren – King, Clarke, Dick – finden sich auch einige sehr bekannte Schauspieler. In Who is Martin Danzig? von Michael Baker spielen Walter Koenig und Kevin Page. Koenig ist bekannt oder eigentlich berühmt für seine Rolle als Pavel Chekov in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise und den zugehörigen Kinofilmen. Page ist bekannt für Auftritte in diversen Serien, in Deutschland sind davon wohl die Sitcom Seinfeld und die SF-Serie Babylon 5 am bekanntesten. Ein besinnliches Ende dieses Blocks.
Vor der Pause, dem break with the directors, kann Autor und Regisseur Puneet Bharill, der mit seiner Hauptdarstellerin Isabel Sáez Martínez und vielen Freunden und weiteren Mitwirkenden gekommen ist, noch über seinen Film, seine Absichten und das making of erzählen. Interessanterweise ist der Film zentral ausgewählt und nicht als lokaler Beitrag des Kölner Festivals hinzugenommen.
Der zweite Block am Freitag mit dem Titel Kult, Verschwörung und Paranoia hatte die wohl direktesten Verbindungen zu Dick. Der erste der sechs Filme ist auch die einzigen Verfilmung eines Stoffes von Dick selbst, Beyond the Door. Analog zu The Pipers von Ammar Quteineh, der im vergangenen Jahr gezeigt wurde, basiert auch dieser Film auf einer der Kurzgeschichten von Dick, die in den USA in die Public Domain gefallen sind (Details dazu gibt kann man hier nachlesen) und somit auch für Projekte mit einem kleinen Budget erreichbar. Denn man kann annehmen, dass der Trust seine Stoffe teuer verkaufen will (oder muss?) und sie solche einem kleinen Independent Projekt kaum günstig überlassen würde. Der Film weicht von der Geschichte ab und formuliert und interpretiert sie neu, Ehebruch ist schliesslich heute kein so existenzielles Problem mehr wie in den 50er Jahren, die zentrale Idee bleibt dabei auch erhalten.
Dicks Erzählung Beyond the Door ist als Jenseits der Tür übersetzt und – wie Pfeifer im Wald – auf Deutsch nur in den Sämtlichen Erzählungen erschienen. Auch auf Englisch ist sie nach der Erstpublikation in Fantastic Universe (Januar 1954) erst in den Collected Stories erneut erschienen, auch die Encyclopedia Dickiana hat wenig dazu zu sagen.
Der folgende Film Sereget bringt uns wieder direkt zum Horror des Halloween-Abends zurück. Ein Haus in der Nacht, eine schwangere Frau und Aliens von der wirklich unfreundlichen Sorte sind dafür das richtige Rezept. Vermutlich wirklich grossartig, aber für mich geht so etwas nur an Halloween. Und mein Eindruck ist auch, dass in diesem Jahr etwas mehr Grusel-Motive im Programm waren, vermutlich lag das auch am Datum. Der folgende französische Film Diversion war ein weiteres Highlight des Abends. Ganz ohne special effects aus dem Computer erzählt er eine phantastische Geschichte mit Horror-Elementen, aber Humor und letztlich einem Science Fiction Ende und bleibt dabei ganz französisch. Ein Film der in Erinnerung bleiben wird.
Das folgende Simulations – hier geht es zum Trailer – ist wieder ein originäres Motiv von Philip K. Dick, das auch optische Anleihen bei Die totale Erinnerung – Total Recall nimmt, allerdings hätte Dick die Geschichte wohl etwas einfacher strukturiert: Es war ein bisschen zu viele Ideen für einen kurzen Film.
Auch 2019 war das Philip K. Dick Science Fiction Film Festival wieder ein grosses Erlebnis im PKD Terminkalender. Der persönliche Kontakt mit Filmemachern und Veranstaltern ist faszinierend, insbesondere für den Sammler Papierernens, der mit Film eher wenig zu tun hat und eher passiv und unkundig konsumiert – was ich jetzt, auch im Blog, ein wenig ändern möchte. Nicht nur die Verfilmung von Blade Runner ist einen zweiten Blick wert.

Nachtrag

Die Sieger des Festivals sind nun auch verkündet:

  • BEST SCI-FI SHORT: TOMORROW MIGHT BE THE DAY
  • BEST HORROR SHORT: CHROMOPHOBIA
  • BEST SHORT DOCUMENTARY: HUNTING FOR HUXLEY
  • BEST PHILIP K DICK SHORT: THE NEXT 60 DAYS
  • BEST AUDIENCE AWARD: THE 9 BILLION NAMES OF GOD
  • BEST NEW MEDiA MICROSHORT: I CAN

Samstag, 9. November 2019

The Sixth Annual European Philip K. Dick Film Festival

Ich habe es tatsächlich geschafft auch in diesem Jahr wieder beim European Philip K. Dick Film Festival in Köln dabei zu sein. Und wie im letzten Jahr war es einmaliges Erlebnis … ja, das passt nicht wirklich, aber so fühlt es sich an. Sagen wir also, es war wieder sehr schön.
Das European Festival findet am anderen europäischen Spielort Lille in der Woche vor Köln statt, am 25. und 26. November, das Programm ist dort ein etwas anderes. In Lille war es seit 2013 die sechste Auflage dieses Festivals, in Köln seit 2016 die vierte. Dabei sind knapp die Hälfte der Filme aus Lille auch in Köln zu sehen. Das gilt so auch für das Mutterfestival in den USA, das dort seit 2012 in New York und verschiedenen andere Orten spielt – jedes Festival hat also durchaus sein eigenes Programm. Dabei geht es nicht (nur) um Verfilmungen der Stoffe von Philip K. Dick, sondern der Auftrag ist breiter:
The mission of the Philip K. Dick Film Festival is to promote original or adapted material inspired by the works of Philip K. Dick, Jorge Luis Borges, Italo Calvino, Robert Anton Wilson, Franz Kafka and others who have explored the metaphysical […]
Das klingt doch erst mal gut, Borges, Wilson und Kafka hört man öfter im Umfeld von Dick und gute Gesellschaft sind sie allemal, Calvino ist in Deutschland – oder zumindest für mich – doch eher special interest (aber ich würde mich über abweichende Lesermeinungen freuen).
Vom Ablauf hat sich für den Zuschauer in diesem Jahr gegenüber dem vorigen Jahr nichts geändert: An zwei Abenden, wieder einem Donnerstag und Freitag – also auch an Halloween, was für einige der Filme einen angemessenen Rahmen bildet – werden insgesamt 26 Kurzfilme gezeigt. Die Filme werden (mit wenigen Ausnahmen) im Englischen Original gezeigt.
Die Vorführung erfolgt in jeweils zwei Blöcken à 90 Minuten, die Filme sind zwischen fünf und 24 Minuten lang, in diesem Jahr vielleicht etwas länger als im letzten – bzw. es waren weniger sehr kurze dabei.
Vorgestellt wurden die Filme vom Festivalgründer Dan Albella persönlich, der auch in diesem Jahr wieder den Weg nach Köln gefunden hat und dessen Anwesenheit für das Event ein Highlight ist. In diesem Jahr waren wohl etwas mehr europäische Produktionen am Start.
Am ersten Abend wurden gab es neun Filme in Block 1 unter dem Motto Die Zukuft ist hier. Es begann mit Face Swap, einer wirklich frappierenden Idee und einem Auftritt von George Clooney … oder so? … und einem wirklich amüsanten Schlusspunkt.
School's Out von Alice Cooper, entstanden unter
Mitwirkung von Dennis Dunaway, der vier der neun Lieder
mitgeschrieben hat, dabei auch den titelgebenden
Es folgt Cold Cold Coffin, das etwas aus dem Rahmen fällt. Dieses aktuelle Musik-Video von Regisseur Brian Cichocki ist erst im Oktober erschienen. Es ist das Video zu einem Lied von Dennis Dunaway, dem langjährigen Bassisten von Alice Cooper. Der Song erinnert auch deutlich an Alice Cooper, aber Dunaway hat auch einige der (bekanntesten) Lieder der Gruppe mitgetextet, er darf also auch wie Alice Cooper klingen.
Und so tritt im Video in der weiblichen Hauptrolle auch Calico Cooper auf – ja genau, das ist die Tochter von Alice Cooper.
Natürlich passt ein Video im Stil von Dennis Dunaway und Alice Cooper perfekt zu Halloween und das Thema Kryonik zum Titel des ersten Blocks – Die Zukunft ist hier.
Das Video findet sich natürlich in ganzer Länge im Netz. 
Es gibt auch eine minimale Verbindung direkt von Dick zu Alice Cooper: In Valis wird Alice Cooper in einem Satz mit David Bowie und Frank Zappa als Mass aller Dinge in der Rockmusik genannt. Diese Erwähnung verdanken wir dem hier im Blog enthusiastisch vorgestellen Appendix Dick von Tommi Brem ohne den (mir) solche Zusammenhänge entgehen würden.
Nach Megan, das sich mir nicht erschlossen hat, das aber allein für den kurzen und selbstironischen Auftritt von Ralf Möller sehenswert war folgte I am the Doorway von Simon Pearce. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und hat den Philip K. Dick Festival Preis (in den USA) für Best Short gewonnen hat, sowie zahlreiche andere Preise (siehe Imdb). Es gibt auch schon andere Verfilmungen und damit hat er sich einen eigenen Wikipedia-Eintrag verdient. Und natürlich gibt es einen Trailer dazu. Dieser Film wird mir lange in Erinnerung bleiben und man muss kein Fan sein, um Stephen Kings die Fähigkeit spannende und intelligente Geschichten zu schreiben, die der Regisseur allerdings auch phantastisch umgesetzt hat.
Vier Blöcke, vier Karten: Was vom
Filmfestival in der Sammlung übrig bleibt
Auch der folgende mexikanische Beitrag Llora Conmigo passte zum Halloween-Motiv und war wahrlich gruselig. Nach dem belgischen Popular Tropes folgte dann der erst deutsche Beitrag. Antenna von Carsten Woike, ist schon etwas älter, von 2015, das ist aber durchaus eine Ausnahme, die meisten Filme sind aus diesem oder dem Vorjahr. Der Trailer zu diesem Filme findet sich u. a. bei Vimeo und gibt einen guten Eindruck über das Niveau dieses und der anderen gezeigten Kurzfilme. Mich hat der Film in meine Kindheit in den 80er Jahren versetzt, nur die
Windkraftanlagen am Horizont verraten, dass die zeitliche Zuordnung hier gar nicht gelingen soll, denn auch heute kann der Film nicht spielen wollen, denn keiner der (jungen) Protagonisten zeigt ein Handy. Diese Unbestimmtheit ist, sagt Woitke, gewollt und erzeugt eine feine Stimmung. Eindrucksvoll Felix De Buhr, der die Hauptrolle des Jungen Kai spielt. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für den deutschen Film, jenseits von Klamauk und Historie.
Und wenn schon Klamauk, dann koreanischen wie in The Great 60 Days von Teo-Woo Kim: Diese Fruchtfliege wird man nicht vergessen und das Kreuz des Papstes atmet den Geist eines wahren low budget Films.
Nach diesem ersten Block gab es die Möglichkeit mit dem anwesenden Carsten Woike über seinen Film zu sprechen und so konnte er über die 80er Jahre Filme erzählen, die ihn inspiriert haben. Und gerade diese Dinge sind es, die ein Filmfestival zu etwas wirklich Besonderen und Erinnerungswürdigen machen. Und da es davon noch mehr gibt, folgt nächste Woche ein Blogeintrag, schliesslich geht es auch noch um die Verfilmung einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick, Beyond the Door.
Vielen Dank den Veranstaltern und allen Beitragenden für dieses schöne Festival!

Samstag, 26. Oktober 2019

Farsi? Ernsthaft?

Sammeln macht schlau. Oder dumm. Ich bin mir nicht mehr sicher und das ist vermutlich ein Indiz für letzteres.
Der regelmässige Leser mag in diesem Blogs schon den einen oder anderen Eintrag zu Übersetzungen der Werke von Philip K. Dick gesehen haben. Der neueste Zugang ist eine Übersetzung in Farsi, gemeinhin auch Persisch genannt. Farsi ist eine indogermanische Sprache, also linguistisch näher mit Deutschen als dem Arabischen verwandt und alleinige Amtssprache im Iran, ist aber auch eine von mehreren Amtssprachen in Afghanistan und Tadschikistan.
Eine Büchersendung aus Teheran, der Hauptstadt des Iran
Der Neuzugang ist aus dem Iran. Es handelt sich um ساكن برج بلند, zu Deutsch Das Orakel vom Berge [The Man in the High Castle] des Verlages Intishārāt-i Rawzanah von 2018. Das Umschlagbild ist bekannt, denn es ist vom Künstler Shan Jiang für die Folio Ausgabe (2015) gestaltet. Die iranische Ausgabe ist nun das dritte Buch mit diesem Cover, siehe dazu auch den Eintrag in diesem Blog.
Insgesamt sind im Iran vier Ausgaben von drei SF-Romanen und vier Anthologien erschienen.
Die erste Ausgabe war 1993 die Anthologie انسان متغیر [The Variable Man], wohl ohne ISBN. Die nächste Ausgabe und dabei der erste Roman war آیا آدم مصنوعی ها خواب گوسفند برقی می بینند؟, im Original Do Androids Dream of Electric Sheep? im Jahre 2006, es folgt Der dunkle Schirm (2017), das oben genannte Orakel vom Berge und 2019 noch einmal Do Androids Dream of Electric Sheep? mit einem neuen Umschlagbild.
Es gibt drei weitere Anthologien, dabei The Minority Report und We Can Remember It for You Wholesale.
Der Umfang des übersetzten Werks ist also klein, die Romane aber sicher vom Besten von Dick. Man kann aber vermuten, dass die Auswahl der Tatsache geschuldet ist, dass alle drei Romane verfilmt sind - auch die Anthologien beziehen sich überwiegend auf Verfilmungen, das scheint im Iran attraktiv zu sein. Erwähnenswert sind auch die eher kleinen Auflagenhöhen, zwischen 500 und 3.000 Exemplare werden angegeben - es ist schon erstaunlich genug, dass überhaupt Auflagenhöhen angegeben sind, üblich ist das andernorts leider nicht mehr.
Das Orakel vom Berge in Farsi, Vorderseite (links) und Rückseite
Kaufen konnte ich dieses Buch dank eines britischen Spezialanbieters für iranische Literatur. Für (viel) Geld besorgt dieser (fast?) jegliche Art iranischer Bücher und Zeitschriften. Der Kauf lief auch vollkommen problemlos, die Lieferung erfolgte dann direkt aus Teheran – ohne die Notwendigkeit eines Besuchs beim Zoll.
Vor einigen Jahren hatte ich schon die iranische Ausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? von 2006 im Warenkorb eines US-amerikanischen Anbieters, der dann allerdings nicht liefern konnte - daher musste ich jetzt zugreifen. Der Kauf direkt im Iran scheitert an … vielerlei, aber vor allem wohl daran, dass es keine verlässlichen Überweisungswege für den privaten Geldverkehr gibt.
Am Schluss sei mein Dank noch einmal dem Google Übersetzer ausgesprochen, insbesondere der schönen Integration in den Chrome Browser, ohne den Blogeinträge wie dieser nicht möglich wären.
Hier im Blog gibt es eine Liste aller Sprachen und der jeweiligen Erstausgaben von Philip K. Dick.

Preise (eigentlich)

"ساكن برج بلند" / "Sākin-i burj-i buland", Verlag: Intishārāt-i Rawzanah (1397/2018). ISBN: 978-964-334-450-4, Preis auf Anfrage.

Samstag, 19. Oktober 2019

Eine lange Reise aus Köln ...

... haben diese beiden Magazine hinter sich. Ich habe sie aus den USA erhalten, als Zugabe zu einer etwas grösseren Bestellung, aber dazu später hier im Blog mehr.
Diese Magazine habe ich tatsächlich in der amerikanischen Bucht entdeckt – ausgerechnet! Der amerikanische Anbieter hat in den letzten Jahren eine ungeheure Sammlung von allem von und über Dick angeboten, auch viele internationale Ausgaben (inklusive dem Mädchen mit den dunklen Haaren von der Edition Phantasia). Bei einem Amerikaner, der also (fast) alles anbietet, findet man auch deutsche Hefte, die man selbst nie gesehen hat. Die Hefte waren ursprünglich auch nicht teuer angeboten, allerdings hielt mich die Portomauer von einem Kauf ab. Beim Kauf eines etwas grösseren Postens (der dann die Portomauer überwinden konnte) habe ich die Hefte (auf Nachfrage) dazu erhalten, mehr als eine freundliche Geste. Der Anbieter hatte die Magazine wohl seinerzeit selbst gefischt, aber eben in Deutschland. Mir sind sie damals offenbar entgangen.
Magazin - für Köln und den Rest der Welt, April und Mai 2004
Es handelt sich um zwei Ausgaben eines Kölner Stadtmagazins mit dem schönen Namen Magazin des Kölner Verlages Die Muschel. In den überraschend kleinformatigen Heften findet sich dann der deutschsprachige Artikel The Story of Philip K. Dick von Sophia Ahrens. Die insgesamt 14 Seiten sind auf zwei Teile verteilt, die April und die Mai Ausgabe des Jahres 2004. Von dieser Zeitschrift und dem Verlag finde ich keine Spuren mehr – ausser diesen zwei Ausgaben.
Der Artikel selbst ist erfreulich ausführlich und zeigt eine tiefere Kenntnis zumindest einer Biographie (vermutlich Sutin). Ahrens konzentriert sich auf den Menschen, weniger auf das Werk und referiert die Fakten wenig überraschend, kann ihnen aber noch eine eigene Deutung abgewinnen. Für den Experten also nichts Neues, aber eine gut Auffrischung und für praktisch jeden anderen sehr viel Interessantes. Und für den Sammler zwei praktisch einmalige Stücke – wie viele Exemplare der angegebenen Auflage von 3.000 Stück heute noch existieren, ist natürlich schwer zu sagen. Angeboten werden sie aber nicht. Und wenn, dann sind sie nicht zu finden. Wenn man so ein Stück angeboten sieht, muss man zugreifen – oder es ist vermutlich für immer weg. Aber muss man so etwas haben? Ja, klar. Genau solche Stücke machen eine Sammlung interessant. Alle Ausgaben von Heyne oder ähnliches ist schnell zu erreichen, anderes vielleicht teurer, aber trotzdem doch beim Sammlen – zumindest nach einer Weile – nicht mehr spannend. Aber wie immer ... jeder Sammler muss wissen, was er braucht.
Wenn man sieht, wie zufällig die Entdeckung dieser Ausgabe war, muss man sich fragen, wie viele interessante Artikel in Zeitungen oder Zeitschriften dieser Art unentdeckt bleiben; vermutlich viele.
In diesem Blog gibt es eine Übersicht der Artikel über Dicks Leben und Werk, auch aus Zeitungen und Zeitschriften.

Samstag, 12. Oktober 2019

Anhang - Die drei Stigmata des Palmer Eldritch

Ich hoffe, dass ich dem deutschen Philip K. Dick Universum mit diesem Blogeintrag einen winzigen Baustein hinzufügen kann. Das ist für mich bemerkenswert, weil es die eigentliche Rechtfertigung für die Sammlung ist: eine solide Basis als Quelle für weitere Erkenntnisse zu sein. Und das ist hiermit (vielleicht) erstmalig dokumentiert.
Umschlagbild von Klaus Dill
Das Umschlagbild von Klaus Dill zu Die drei Stigmata des Palmer Eldritch, Haffmans (1997)
Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch hat in den Ausgaben von Haffmans (1997) und Heyne (2002) ein Addendum mit dem Titel Anhang: Zwei Anmerkungen Philip K. Dicks zu Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch (Seite 311 bis 313). Dieser Anhang besteht aus zwei Briefen.
Der zweite Brief ist vom 8. Juni 1969 an Bruce Gillespie, Herausgeber des SF Commentary, zitiert nach Gillespie (Herausgeber): Philip K. Dick: Electric Shepherd, 1975. Ursprünglich veröffentlicht war der Brief in Gillespies SF Commentary # 9 vom Februar 1970 (hier bei Isfdb). Dick diskutiert das Böse in seinem Roman und erwähnt auch die Erscheinung des Antlitz des Bösen kurz, das er an anderer Stelle ausführlicher beschreibt.
Der erste Brief beschäftigt sich mit den Kritiken zu dem Roman, die Dick als gemischt beschreibt. Auch für diesen Brief wird eine Quelle genannt:
Aus einem vom 9. Dezember 1967 datieren Brief an Leland Shapiro (sic), Redakteur des Riverside Quarterly, Quelle: Durchschlag aus PKDs persönlichen Unterlagen.
Riverside Quarterly, März 1968 (Vol. 3, # 2)
mit einem Cover von  Robert Gilbert
Es handelt sich möglicherweise um die Abschrift eines Farbbandes, so wie das für die in den Selected Letters gesammelten Briefe durchgeführt wurde.
Leland Sapiro – nicht Shapiro, wie er in der Literaturangabe genannt wird – war der Herausgeber und Verleger der 33 Ausgaben des von 1964 bis 1992 bestehenden Fanzines Riverside Quarterly. Meine Annahme war, dass Sapiro einen Brief von Dick auch in seinem Magazin publizieren würde. Eine Recherche zeigte, dass in der Ausgabe vom März 1968 (Volume 3, # 2) der einzige Brief von Dick veröffentlicht ist.
Da die entsprechende Ausgabe erhältlich war (und Dicks Briefe mich immer sehr interessieren) habe ich in den USA bestellt – und gleich noch ein paar Taschenbücher dazu genommen, um die Portokosten (pro Stück) zu reduzieren. Man kann eben nicht sparen, ohne Geld auszugeben. Oder auch: Sparen ist teuer!
Ein Vergleich zeigt, dass es sich um den Brief handelt, auch wenn er minimal gekürzt ist, um den kurzen Text, den Dick seinem Buch vorangestellt hat. Es zeigt sich auch, dass der Anfang umformuliert wurde; in der Übersetzung bei Haffmans heisst es
»Nun zur Rezeption meines Buches Die drei Stigmata des Palmer Eldritch. [...]«
Im abgedruckten Brief steht
... as to the review of my book, The Three Stigmata of Palmer Eldritch. [...]
Anfang von Dicks Brief ...
Ich denke, dass the review sich direkt auf Sapiros Rezension des Romans bezieht, die in der vorangehenden Ausgabe des Riverside Quarterly vom August 1967 (unter Pseudonym) erschienen war. Der Übersetzer hat das im Anhang der Haffmans Ausgabe etwas unscharf übersetzt und so den fehlenden Bezug überdeckt.
Eine spannende Frage ist, wie dieser Brief aus den persönlichen Unterlagen in die Ausgabe von Haffmans gekommen ist – offenbar nicht über die Veröffentlichung im Riverside Quarterly.
Ausserdem haben die Ausgaben von Haffmans und Heyne ein Nachwort von Paul Williams. Es handelt sich um die Einführung zur Gregg Press Ausgabe von 1979. Auch dieses Nachwort ist nur dort und hier erschienen, nicht in einer anderen englischen Ausgabe. Der leider ungenannte Redakteur bei Haffmans hatte vielleicht noch Kontakt zu Paul Williams, der ihm das Nachwort überlassen konnte und wohl auch noch Zugriff auf Durchschläge und Abschriften von Farbbändern usw. gehabt haben mag. Allerdings müsste Williams das wohl vor seinem tragischen Unfall 1995 übergeben haben. In englischen Ausgaben des Buches taucht der Brief sonst auch nicht auf.
... der Rest des Briefes an
Leland Sapiro
Im Riverside Quarterly folgt auf Dick ein Brief von Franz Rottensteiner, aber zu einem ganz anderen Thema. Erwähnt sei auch das wunderbare Umschlagbild der Haffmans Ausgabe von Klaus Dill.
Der Anhang und das Nachwort von Paul Williams fehlen übrigens in der aktuellen Ausgabe von Fischer (2014), so wie auch in anderen Ausgaben der Klassik-Reihe interessante Sekundärtexte fehlen, die es bei den „Originalen“ von Heyne, von denen die Fischer Klassik Ausgaben überwiegend übernommen wurden, noch gab. Natürlich fehlt in dieser Hinsicht der Haffmans Ausgabe das Nachwort von Stanislaw Lem, das sich nur in der Ausgabe von Suhrkamp findet. Und hier schliesst sich für mich der Kreis zur einführenden Bemerkung: Das Sammeln aller Ausgaben führt zur einer umfassenden Quellenbasis, die man nicht hat, wenn man nur die aktuellste Ausgabe betrachtet; das ist hier die inhaltlich ärmste, nämlich die von Fischer ohne Einführung, Vor- oder Nachwort und Anhang.
Nur kurz soll hier erwähnt werden, dass es sich bei der Ausgabe von Haffmans um eine Neuübersetzung von Thomas Mohr handelt, die ursprüngliche Übersetzung war von Anneliese Strauss. Auch unterschiedlichen Übersetzungen können ein Grund sein, Zugang zu verschiedenen deutschen Ausgaben haben zu wollen.
Riverside Quarterly ist ein typisches Fanzine und der Kauf gestaltet sich entsprechend schwierig. Als Fanzine aus den USA wird es dort zwar gehandelt, eine spezielle Ausgabe, z. B. März 1968, zu finden, erfordert aber Glück (wie bei mir) oder Geduld. Letztere wird sicher belohnt werden, der Preis ist dann aber wieder relativ zufällig ... mit mehr Geduld kann man hier sparen. Der Hinweis Philip K. Dick steigert aber Nachfragen und Preis meist erheblich (und er hat beim Angebot meines Exemplars gefehlt). Ein weiteres Problem ist wieder die Portomauer, einige Anbieter haben für uns Europäer astronomische Preise. Gillespies Philip K. Dick: Electric Shepherd ist übrigens auch ein Klassiker, gut zu finden und bezahlbar.
Eine Seite, bei der man oft landet, wenn man über Fanzines recherchiert, ist Fancyclopedia 3. Natürlich nur dem angelsächsischen Sprachraum verpflichtet, wünscht man sich etwas entsprechendes für den deutschsprachigen Raum. Riverside Quarterly findet sich auch bei Isfdb.
Zum Schluss ein Hinweis auf den Überblick über alle Science Fiction Romane von Dick in diesem Blog.

Preise

"Riverside Quarterly", March 1968 (Volume 3, # 2), 15 Euro zuzüglich Versandkosten von insgesamt 17 Euro als Teil einer grösseren Sendung, bei Abebooks.
Hefte dieser Art liegen zwischen 5 und 50 USD.
Versandkosten für ein Taschenbuch oder Magazin liegen zwischen 15 und 70 Euro, alles über 25 Euro ist (eigentlich) zu teuer.