Samstag, 4. Januar 2020

Voller Durchblick – Ausblick 2020

Auch 2020 wird wieder ein Jahr für den Philip K. Dick Sammler – auch wenn es derzeit eher wie ein ruhiges Jahr aussieht.
Die Clans des Alpha-Mondes, die
Neuausgabe von Fischer in diesem Jahr,
mit eher langweiligen Umschlagbild
Die Höhepunkte für die Sammlung werden, soweit derzeit absehbar, die drei neuen Ausgaben von Fischer. Die bemerkenswerteste der drei ist wohl Die Clans des Alpha-Mondes am 29. Juli, tatsächlich eine Ausgabe von Fischer, die nicht aus der Heyne Werkedition übernommen ist (sondern dort nur als Auf dem Alphamond geplant war). Immerhin. Dann folgen am 23. September zwei Ausgaben in der gebundenen, kleinformatigen TaschenBibliothek, in der von Dick bisher (2017, hier im Blog) nur Das Orakel vom Berge erschienen ist. Jetzt ist der Blade Runner in der Übersetzung von Manfred Allié angekündigt,  aber mit dem abstrakten (um nicht zu sagen: langweiligen) Cover der ersten Klassik Ausgabe von 2014; damals ist es mit der Wölfl/Dougoud-Übersetzung erschienen. Und es kommt eine weitere Ausgabe von Das Orakel vom Berge, aber unter dem Titel The Man in the High Castle/Das Orakel vom Berge mit dem an die Amazon-Serie angelehnten Umschlagbild der neueren Ausgabe von 2017.
International ist bisher nur eine Neuauflage der Biographie von Darryl Mason angekündigt, ich bin aber noch nicht davon überzeugt, dass das Buch wirklich pünktlich erscheint. Für mich ist dieses Buch ein Gespenst, dass ich noch nicht richtig zu fassen bekommen habe. Darüber hinaus ist absolut keine neue englische Ausgabe angekündigt.
In anderen Ländern, bei sehr beschränkter Sicht, kann ich nur eine spanische Ausgabe der Collected Stories sehen, die die Reihe Bibliotecas de Autor bei Minotauro fortsetzt und der weitere Bände folgen mögen.
Für den Blog hat sich einiges zu verschiedenen asiatischen Sprachen angesammelt, das in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Und natürlich feiern wir im März den fünften Geburtstag des Blogs und ich hoffe einige Modernisierungen zumindest am Design des Blogs durchzuführen. Ob ich mich noch mal ernsthaft mit einem Umzug auf eine andere Plattform beschäftige, bleibt abzuwarten. Inhaltlich stehen auf meiner Wunschliste die Themen PKDS Newsletter, Personen und Briefe.
Im Oktober oder November gibt es (hoffentlich) wieder ein Film Festival in Köln, das ich besuchen kann, auch wenn es wenig zur Sammlung beiträgt. Vielleicht schaffe ich es aber das Thema Film ein bisschen mehr im Blog einzubringen.
Darüber hinaus können wir uns überraschen lassen, was das Jahr für, mit und über Philip K. Dick bringt!

Samstag, 28. Dezember 2019

Ein betriebsames Jahr 2019

Auch in diesem Jahr kann ich den kleinen Jahresrückblick nicht auslassen. Ich schreibe sonst nicht viel über diesen Blog, aber hier sollen jetzt auch ein oder zwei Worte über das making of nicht fehlen.
Zuerst: Ich habe es nicht geschafft, mich ernsthaft mit einem Wechsel auf eine andere Blog-Infrastruktur zu beschäftigen. Das Thema bleibt aktuell und ich werde es, allerdings nur mit niedriger Priorität, weiter verfolgen, in der Hoffnung doch noch über eine bessere Lösung als Blogger zu stolpern. Die vielen grandiosen Möglichkeiten anderer Anbieter will ich derzeit aber einfach nicht. Die Gefahr, in der Technik gefangen zu werden, ist mir zu gross. Um es programmatisch auszudrücken: Dieser Blog hält meine wunderbaren Abenteuer und Entdeckungen beim Sammeln fest, er ist ein Reisetagebuch, kein Selbstzweck. Meine Anforderungen sind also minimalistisch, auch wenn mich einiges bei Blogger stört. Nun ja …
Kommen wir nun zu den Highlights des Jahres - und das sind ganz klar die drei Veranstaltungen, die ich besuchen konnte: die Zeit aus den Fugen am Schauspielhaus in Hannover, das Philip K. Dick Filmfest in Köln und zuletzt The End. Eine Replikantenoper in Bremen. Gerade beim Filmfest hatte ich die Möglichkeit mich mit den Veranstaltern auszutauschen und das kommt beim Sammeln nicht so oft vor. Ich finde es gibt überhaupt erstaunlich wenig Austausch, vielleicht habe ich die richtigen Ecken im Netz noch nicht gefunden. Oder die anderen Sammler sind, wie man es erwartet (und so wie ich) einfach wenig extrovertiert und sammeln eben in ihren gut temperierten Kellern vor sich hin. Für mich waren diese Veranstaltungen und der Kontakt mit anderen an Dick Interessierten auf jeden Fall wichtig und schön und motivierend.
Impressionen von 2019 - Farsi, Film, Theater und mehr …
Nach diesem persönlichen Gedanken nun ein Blick zu den Büchern. Bei den deutsche Buchausgaben sind natürlich zuerst die beiden Ausgaben in der Klassik Reihe von Fischer zu nennen, Zeit aus den Fugen im Januar und der Blade Runner in der neuen Übersetzung mit dem für die Reihe untypisch gegenständlichen Umschlagbild. Eine grosse Überraschung kam aber in der Büchergilde Gutenberg in der Reihe Die Tollen Hefte mit dem Titel Ach, als Blobbel hat man's schwer! heraus. Ein Comic nach einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick - in einer deutschen Erstausgabe! Und darüber hinaus gibt es in dieser Reihe noch eine Sammlerausgabe, perfekt.
Etwas unangenehm ist die Ausgabe von Blade Runner, dem ersten von zehn Bänden in den Soulmates, einem Schuber mit 10 Hardcovern von der Süddeutschen Zeitung, beworben als eine starke Sammlung für Männer (natürlich auch nur von Männern, was in entsprechenden Kreisen für wahres Entsetzen gesorgt hat). Natürlich ist dieser Band nicht einzeln erhältlich, das ist unangenehm, nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der Frage, ob man diesen Band aus seinem Schuber reissen darf, um ihn der Sammlung zuzuführen. Oder ob man auch Dashiell Hammett und andere in der Sammlung haben muss? Bei den Kurzgeschichten ist man es gewöhnt, auch andere Autoren in Anthologien zu finden, aber neun Bände Männerfreude machen mich nachdenklich. Aber man muss befürchten, dass diese Kassette nur begrenzt verfügbar ist und durch ihr Gewicht vermutlich nur schwer wieder an die Oberfläche bzw. auf den freien Markt kommen wird: Im Prinzip sind solche Geschenkschuber (es wird Weihnachten!) unverkäuflich, niemand kauft sich das freiwillig, so etwas wird eben nur verschenkt (auch wenn das niemand haben möchte). Aber auch die Süddeutsche muss Geld verdienen.
In meinem Katalog sind für 2019 nur fünf (5!) englische Einträge hinzugekommen und auch nur, wenn man grosszügig zählt, dazu auch fünf deutsche Publikationen. Darüber hinaus gibt es insgesamt 32 neue internationale Ausgaben im Katalog (für 2018 sind es 47), allerdings gibt es konstant Neuzugänge auch für ältere Jahrgänge und gerade das aktuelle Jahr ist anfänglich am unvollständigsten. Relevanter sind wohl die zwei neuen Sprachen im Katalog, Galicisch und Indonesisch, die Zahl der Sprachen wächst also.
Wenigstens einen Satz hat die letzte Staffel der Serie The Man in the High Castle bei Amazon verdient. Sie hat Dick sicher bekannter gemacht.
Meine Sammlung hat in diesem Jahr um fünf deutsche und 62 englische Ausgaben (die Hälfte davon ist die Big Box mit den Ausgaben von Mariner) zugenommen, dazu (nur) 10 Hefte bzw. Zeitschriften. Dazu kommt ein Band Sekundärliteratur. Einen grossen Sprung haben aber internationalen Ausgaben gemacht, neun Bände in vier neuen Sprachen sind in die Sammlung eingezogen - und mittlerweile sind alle Sprachen schwierig. Die Berichterstattung dazu folgt überwiegend im nächsten Jahr, Farsi hatten wir aber schon.
Ein neues Flaggschiff hat die Sammlung auch bekommen, eine von Dick signierte Ausgabe der Confessions of a Crap Artist, über die ich im nächsten Jahr ausführlicher berichten möchte. Aber auch die Folio Ausgabe von Ubik ist ein Glanzstück.
Es war also ein grosses Jahr für Philip K. Dick, die Sammlung hat sich sehr entwickelt und es gab viele Highlights. Und es hat viel Spass gemacht!

Preise

"Soulmates", 10 Hardcover im Geschenkschuber, Süddeutsche Zeitung Edition(2019). ISBN 978-3-86497-486-1. 98 Euro

Samstag, 21. Dezember 2019

Galicisch im Advent

Im Adventskalender findet sich hin- und
wieder mal etwas von Philip K. Dick
Galicisch hat am 1. Juli des vergangenen Jahres (2019) als (mit Deutsch) 38. Sprache die Welt des Philip K. Dick betreten. Fernando Moreiras hat Do Androids Dream of Electric Sheep? für den galizischer Verlag Kalandraka als Soñan os androides con ovellas eléctricas? übersetzt. Veröffentlicht wurde der Roman vom Imprint Faktoría K – zumindest ist das mein Verständnis davon, was Faktoría K ist, mehr zum Buch beim Verlag. Dieser populärste Roman von Dick liegt damit in der 34. Sprache vor.
Galicisch ist eine von drei Minderheitensprachen in Spanien, neben Katalanisch und Baskisch. Es ist eng mit dem Portugiesischen verwandt und wie in jeder guten Familie toben heftige Auseinandersetzungen über die Art der Beziehung – hier ist die Frage: Dialekt, Sprachvarietät oder eigentlich das gleiche? Man kennt diese Fragen aus Südosteuropa: Serbisch? Kroatisch? Serbokroatisch? Mehr zum Galicischen gibt es hier und bei Wikipedia.
Als Konsequenz der politischen Entwicklung im 19. Jahrhundert begann auf jeden Fall die Wiedergeburt der Sprache und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein bedeutendes Verlagswesen entwickelt. Jährlich werden etwa 1.500 Werke auf Galicisch herausgegeben. Dieser kulturelle Impetus – der wohl auch politisch motiviert ist – hat dann auch Philip K. Dick nativ in den Nordosten Spaniens gebracht.
Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Galicisch als
 Soñan os androides con ovellas eléctricas? bei Kalandraka (2019)
Interessanterweise hat die galicische Wiki-Seite zu DADoES zwar Links auf das neue Buch, aber – wie die spanische Seite – ausgerechnet das ungarische Umschlagbild? Wikipedia eben …
Es gab hier im Blog schon Beiträge zum Katalan(ischen), hier war DADoES auch die erste Übersetzung, und zum Baskischen, wo es mit einer Anthologie begonnen hat.
Zusätzliche Informationen hier im Blog:
Alles zu DADoES bzw. Blade Runner
Liste der Übersetzungen
Wenn man dieses Buch nicht im Adventskalender findet und es kaufen will, bekommt man es derzeit wohl am bequemsten und am billigsten verlagsfrisch bei Amazon in Deutschland. Wie lange das Buch erhältlich bleibt, bleibt abzuwarten, in meiner Sammlung ist es jetzt.

Preise

"Soñan os androides con ovellas eléctricas?", Kalandraka (2019). 296 Seiten, ISBN 978-84-1672144-3. Bei 20 Euro.

Freitag, 13. Dezember 2019

Brennpunkt Zukunft

Die deutsche Übersetzung von Final Stage (1974)
Brennpunkt Zukunft 3, Ullstein (1984)
Nur eine Kleinigkeit ist mir neulich beim Bearbeiten einer Anthologie aufgefallen.
Brennpunkt Zukunft 3, erschienen bei Ullstein (1984) enthält die Kurzgeschichte Eine Kleinigkeit für uns Temponauten von Philip K. Dick und ist deshalb Teil der Sammlung. Diese Kurzgeschichte ist im Original als A Little Something for Us Tempunauts erstmalig in der legendären Anthologie Final Stage erschienen, herausgegeben von Edward L. Ferman und Barry N. Malzberg. Das amerikanische Original hatte eine bewegte Erscheinungsgeschichte: der Verlag Charterhouse hat bei der Veröffentlichung 1974 ohne Wissen der Herausgebern oder Autoren in die Texte eingegriffen, erst die Ausgabe bei Penguin im folgenden Jahr hat die Originaltexte wieder hergestellt (es wäre interessant mal zu sehen, was das für Dicks Text bedeutet hat).
Auf Deutsch ist Final Stage bei Ullstein in zwei Bänden erschienen: Brennpunkt Zukunft 1 (1982) und eben Brennpunkt Zukunft 3. Brennpunkt Zukunft 2 hat mit Final Stage nichts zu tun, einen vierten Band gibt es nicht.
Wirklich bemerkenswert ist aber das kurze Nachwort. Alle Geschichten in Final Stage kommen mit einem kurzen Nachwort des jeweiligen Autoren, das offenbar nur hier erschienen ist – und in einigen deutschen Übersetzungen, nämlich bei Ullstein und es steht auch (mit einer Ergänzung „1976“) in den Sämtlichen SF-Geschichten in Der Fall Rautavaara bei Haffmans (2000) und im Band Black Box von Zweitausendeins (2008). Das Nachwort sind nur etwas mehr als zwei Seiten (Seite 31–33 in Brennpunkt Zukunft 3), aber es findet sich eben nur bei diesen drei Ausgaben, obwohl die Kurzgeschichte mit zwölf deutschen Erscheinungen recht populär ist.
Übersetzt ist Eine Kleinigkeit für uns Temponauten bei Ullstein offenbar vom nicht ganz unbekannten Denis Scheck, der später noch für Haffmans Augen auf! [The Eyes Have It] in Erinnerungen en gros (1991) übersetzt hat. Scheck hat schon als 13-Jähriger eine Literaturagentur gegründet und auch tatsächlich Geschäfte gemacht, u. a. mit der DDR, der er eine Sammlung australischer Science  Fiction verkaufte, Heyne hat er ein Werk von Adam Wiśniewski-Snerg verkauft, einiges davon lässt sich im FAZ Blog nachhören.
Dicks Tempunauts sind zuletzt von Clara Drechsler ins Deutsche übertragen und unter dem Titel Ein kleines Trostpflaster für Temponauten erschienen.
Der Nachweis für das Nachwort der Tempunauts aus Final Stage bei der Internet Speculative Fiction Database, die für deutsche Ausgaben eher unvollständig ist, für englische Ausgaben aber unverzichtbar. Ausserdem alle Kurzgeschichten (nach Quelle) von Philip K. Dick und sämtliche Kurzgeschichten hier im Blog. Und schliesslich alles von und zu Philip K. Dick bei Ullstein hier im Blog.

Preise

"Brennpunkt Zukunft 3", Ullstein (1984). ISBN 3-548-31086-9, ab 1 Euro

Samstag, 30. November 2019

Gesundheit!

Am 27. November ist Der galaktische Topfheiler von Philip K. Dick offiziell (laut Katalog) beim S. Fischer Verlag erschienen. Mein Buchhändler hatte ihn schon zwei Tage vorher. Und das Impressum vermeldet Dezember 2019. Das macht die Buchhaltung nicht einfacher, aber ähnlich ist es bei allen Ausgaben von Fischer - immerhin steht ein Monat im Impressum.
Die aktuelle Ausgabe von Der galaktische Topfheiler von Philip K. Dick bei Fischer
Einen ausführlichen Eintrag zum 50. Geburtstag des pot-healers gab es vor kurzem in diesem Blog, aber der Verlag will mit dieser Neuausgabe wohl nicht zum Jubiläum gratulieren, sondern, so könnte man vermuten, die Serie von Philip K. Dick in der Klassik Reihe zu Ende bringen. Der Topfheiler ist dabei die Fischer'sche Neuausgabe des 14. von 16 Bänden der Philip K. Dick Edition von Heyne. Es fehlen damit nur noch die Simulacra und Die Lincoln-Maschine, dann hat Fischer alle Romane von Heynes (unvollendeter) Werkedition, die neulich hier Thema war, herausgebracht. Die Lincoln Maschine hat Heyne aber (als einzigen Titel von Dick) noch im Angebot - seit 2007. Aber Fischer überrascht uns im nächsten Jahr und bringt nicht etwa die Simulacra, sondern Die Clans des Alpha-Mondes. Die sind zwar unter dem Titel Auf dem Alphamond auch als Teil der Werkausgabe geplant, dann aber nicht mehr herausgekommen und sie wandern nun als pinker Geisterband durch die Kataloge der einschlägigen Anbieter.
Die Übersetzung des Topfheilers bei Fischer, das sei erwähnt, ist natürlich die der Heyne Ausgabe, also die im Jahre 2004 von Alexander Martin durchgesehene und überarbeitete Erstübersetzung von Joachim Pente. Pente hatte diese ursprünglich für den Fischer Verlag erstellen, bei dem 1974 schon die deutsche Erstausgabe in der Fischer Orbit Reihe erschienen ist, unter dem etwas albernen Titel Joe von der Milchstrasse. Später ist noch eine Ausgabe bei Moewig (1983) herausgekommen. Die Überarbeitung von Martin hat auch die Widmung Für Cynthia Goldstone hinzugefügt. Und dazu kam auch der als Motto vorangestellte Vers aus dem Gedicht Snake von D. H. Lawrence, hier im Original:
And truly I was afraid, I was most afraid,
But even so, honoured still more
That he should seek my hospitality
From out the dark door of the secret earth.
Ich weiss leider nicht, wie das Gedicht, hier vollständig auf Englisch, auf Deutsch heisst (würde mich aber über Hinweise freuen). Lawrence, 1885 geboren, ist noch jünger als Dick gestorben, am 2. März 1930, am gleichen Kalenderdatum wie Philip K. Dick im Jahre 1982. Soviel zur Zahlenmagie …
Der Klappentext des Topfheilers
Auch wenn Dick wenig gut über seinen Roman gesprochen hat, so hat der Topfheiler einige Höhepunkte – so haben sich Tim Powers und Alice Sheldon geäussert (so zitiert bei den PhilipKDickFans). So schlecht ist der Roman auch wirklich nicht – auch Heyne hat ihn in seine Edition aufgenommen, in der wohl kaum bestreitbar zumindest die zwölf besten Romane von Dick sind. Und auch wenn der Topfheiler nicht zum besten Dutzend gehört, lesbar und auch unterhaltsam ist er. Und wir finden natürlich zahlreiche von Dicks typischen Motiven. Zumindest der Musiker Leisure Muffin hat dieses Buch aufgegriffen, es gibt einen Techno Titel namens Heldscalla von ihm, nach dem Namen der Kathedrale, die im Buch vom Meeresgrund gehoben werden soll.
Wenn man die Bände von Fischer zählt, kommt man übrigens auf 16 Klassik Ausgaben von Dick, die Neuausgaben von Heynes 16 erschienenen Bänden der Werkedition sind – trotzdem fehlen noch zwei Bände, da die Anthologie Der unmögliche Planet bei Fischer in zwei Bänden und Blade Runner in zwei Ausgaben erschienen ist. Bei der zweiten Ausgabe des Blade Runner handelt sich um die Neuübersetzung von Manfred Allié. Gewisse Unterschiede zwischen den Reihen gibt es also … hauptsächlich fehlen bei Fischer aber all die netten Extras, Anmerkungen, Vor- und Nachworte, für die es sich oft schon lohnt die alten Heyne Ausgaben zu suchen. Der Topfheiler hat ein solches Extra in der Ausgabe von Moewig, ein sehr kurzes Nachwort von Hans Joachim Alpers.
Eine positive Besprechung des Galactic Pot-Healers (auf Englisch) findet sich im Gaping Blackird Blog, der viel, aber nicht nur Science Fiction bespricht, es finden sich dort auch weitere Bücher von Dick.
Hier ist der Topfheiler beim Fischer Verlag, hier alle bibliographischen Angaben zu Fischer und zu Heyne und hier sind alle deutschen Ausgaben des Topfheiler.

Preise

"Der galaktische Topfheiler", ISBN 978-3-596-90697-0, überall im lokalen Buchhandel auf 176 Seiten für 10 Euro

Samstag, 23. November 2019

The End. Eine Replikantenoper

Theater Bremen
Bremen. Hier wird Geschichte geschrieben, wenn auch nur in einer kleinen Ecke des Philip K. Dick Universums. Am 26.09.2019 hatte The End. Eine Replikantenoper Uraufführung, im Kleinen Haus. Leider konnte ich nicht dabei sein. Am vergangenen Freitag war nun die inzwischen siebte Aufführung, die auch ich besuchen konnte. Und trotz der etwas aufwändigen Anfahrt – das Nationaltheater Mannheim wäre ein bequemerer Ort gewesen – hat es sich (natürlich) gelohnt bei diesem fast einmaligen Ereignis, auf jeden Fall aber kaum zu wiederholenden Erlebnis dabei zu sein.
Diese Oper ist untypisch – wir sehen fünf Darsteller auf der Bühne im Nieselregen, die vor dem sich in der Feuchtigkeit auflösenden Hintergrund aus weissem Zellstoff stehen. Es ist das Jahr 2350 (oder so), die Menschen sind untergegangen und nun kommt auch für die fünf Replikanten auf der Bühne das Ende, The End. Auf der Bühne stehen – von rechts nach links – fünf Replikanten, die Rick Deckard (gespielt von Alexander Swoboda), Rachel Rosen (Annemaaike Bakker), KD6-3.7 (Nadine Geyersbach), Roy Batty (Matthieu Svetchine) und Dr. Eldon Tyrell (Justus Ritter) repräsentieren. Und natürlich repräsentieren diese Replikanten die genannten nur, sie spielen sie nicht, denn diese Replikanten erzählen von der fernen Vergangenheit, wie sie sich in den beiden Blade Runner Filmen abgespielt hat (oder wenigstens fast so). Und wenn man diese Filme kennt, weiss man, dass zumindest Batty, Rachel und Tyrell tot sind und Tyrell ziemlich sicher ein Mensch war.
Leider ein TicketDirect, also eigentlich
nichts für die Sammlung, man kann sich
aber auch ein anständiges Ticket senden lassen
Beim Verständnis des Stücks hilft die kurze – mir unangekündigte – Einführung in deren Genuss ich kam. Die junge Mitarbeiterin (deren Name mir leider entgangen ist) referierte vor dem Stück vor interessierten Zuschauern schnell und wissend, über Gemeinschaft und Klimakatastrophe und mehr. Mir war auch ein kurzes Gespräch nach der Vorstellung möglich, das mir weitere Einsichten gebracht hat. Viel aus der Einführung findet sich im Kommentar von Jan Eichberg.
Das Stück, meiner Erachtens eher keine Oper, ein Singspiel vielleicht, ist kurz: kompakt und intensiv nennen die Kritiken (siehe unten) das – nur eine knappe Stunde dauert der Vortrag. Und er ist kompakt und vor allem intensiv. Wahrlich. Das statische Format auf der Bühne verlangt auch diese Kürze. Und die Intensität sieht man den Darstellern am Ende bei der Verbeugung auch an, eine Stunde im Sprühnebel zu stehen verlangt wohl auch einiges ab. Und mit einem Platz in der ersten Reihe (neben der Souffleurin mit der ich vor dem Stück einige Worte wechseln durfte) spürte man die Intensität durch die Nähe noch stärker – und man fühlte das Wetter auf der Bühne.
Die Regie führte Felix Rothenhäusler, der Hausregisseur. Die Musik stammt von zwei Schweizer Musikern, Jo Flüeler und Moritz Widrig, die auch auf – oder vielleicht eher hinter – der Bühne stehen, blauhaarig.  Das Libretto, also der Text, stammt vom Bremer Autor Jan Eichberg und ist wohl leider separat nicht erhältlich. Ich hätte gerne noch mal nachgelesen – denn so sehr man der Vorlage Film gefolgt ist, Rachel hat doch keine Replikanten erschossen, oder? Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, darum würde ich gerne noch mal reinschauen ...
Für mich war dieser Opernabend ein ganz grosses Erlebnis, auch wenn das Format nicht ganz gross, opernhaft war, dafür aber enorm intensiv. Und Dicks Protagonisten sind normale Menschen, keine Wagner'sche Helden, also Menschen, die sich weniger für die klassische Oper eigenen. Insoweit ist das Format dem Autoren sehr angemessen.
Programm von The End. Eine Replikantenoper
Die Seite des Theaters in Bremen zu dem Stück sollte man sich unbedingt ansehen. Hier kann man nicht nur die Karten kaufen, man kann auch die oben geschilderten Kostüme betrachten. Mit der Kostümausstattung für den Film Blade Runner (1982), an die man sich Elke von Sivers stark angelehnt hat, gewannen Charles Knode und Michael Kaplan im Jahr 1983 den angesehenen British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) Award for Best Costume Design. Kaplan, für den Blade Runner sein erster Film war, hat später die Kostüme für die neueren Star Wars Filme gemacht und der Brite Knode war im Umfeld von Monty Python tätig.
Und so schön die erwähnte Seite des Theaters ist bzw. die Bilder dort, so werden sie doch vermutlich bald verschwinden, um so wichtiger ist ein gutes Programm auf Papier, das – obwohl das Internet ja nie vergisst – die Dinge besser konservieren kann.
Es gibt tatsächlich auch andere Opern-Projekte basierend auf Werken von Philip K. Dick. Da ist Valis des Komponisten und Pionier der Musiktechnologie Tod Machover. Seine Oper wurde 1987 im Centre George Pompidou in Paris uraufgeführt, begleitet von Videoinstallationen, man kann das ein bisschen hier nachlesen.
Weiterhin gibt es noch Gero Reimanns Dick  Vom Sterben und Leben eines gott- und
Ein schönes Plakat, wohl nicht erhältlich
weltlosen Gnostikers. Eine Opernerzählung von 1984. Darüber hat dieser Blog auch schon berichtet, hier sei nur wiederholt, dass Reimann diese Oper wirklich aufführen wollte – leider ist ihm das nicht gelungen.
Und es gibt natürlich Theaterstücke, die auf Dicks Werken basieren, vor kurzem erst Zeit aus den Fugen in Hannover oder in den USA Linda Hartinians Flow My Tears, the Policeman Said.
Es gibt noch Aufführungen von The End. am 28.11., 16.12. und 29.12., weitere mögen im nächsten Jahr folgen. Kaufen kann man sonst zum Stück in Bremen nichts, immerhin gibt es ein Programm, kostenlos sogar. Für den Sammler fällt also wenig ab. Aber problemlos kann man eine CD der Oper Valis von Machover in die Sammlung aufnehmen, weniger problemlos auch Reimanns Opernerzählung, auf die man auch schon mal warten muss – und wenn sie auftaucht, schwanken die Preise sehr stark.
Genannt seien am Schluss hier noch zwei der insgesamt positiven Kritiken, im Weser-Kurier und bei Radio Bremen. Und alles zu Philip K. Dick auf der Bühne gibt es hier im Blog.

Preise

"The End. Eine Replikantenoper", Kleines Haus Bremen. Ticket für 23 Euro
Tod Machover: "Valis", Audio-CD, bei 20 Euro
Gero Reimann: "Dick  Eine Opernerzählung", ISBN 3-92538801-X, zwischen 10 und 50 Euro

Samstag, 16. November 2019

Und noch mehr Philip K. Dick Film Festival

Nach meinem Beitrag in der vorigen Woche verdienen noch einige weitere Filme des European Philip K. Dick Film Festivals einer Erwähnung – nach meiner gänzlich subjektiven Wertung.
Am Donnerstag, dem ersten Tag, folgten in Block 2: Fleisch und Maschine elf Filme. Der argentinische Kurzfilm Tatu beeindruckt mit animierten Robotern, aber das einsame Mädchen in der Großstadt in I Don't Want to be Alone ist nicht nur enorm bildstark sondern auch emotionaler - und zitiert Blade Runner ganz direkt in der ersten Szene.
Und auch in diesem zweiten Block gab es einen deutschen Beitrag, Zoe von Leif Brunnie über dessen Entstehung man auch direkt beim Filmemmacher nachlesen kann. Ein Zero-Budget-Film mit einem PKD-Thema. Und ein Film, den ich gerne weitersehen wollte … Der Abend geht dann spät zu Ende, nach Arbeit und Anfahrt vielleicht ein bisschen zu spät.
Nach einem kulturvollen Tag in Köln gänzlich ohne Philip K. Dick, einem Feiertag, an dem die Antiquarite leider geschlossen hatten, hiess dann am Freitag Abend der erste Block Jenseits von Verstand und Glauben.
Der erste Film des Abends war The Nine Billion Names of God, der auf einer Kurzgeschichte (auch wenn es im Abspann based on the book steht, ist es doch eine Kurzgeschichte) vom grossen Arthur C. Clarke von 1954 beruht (zum Trailer). Der deutsche Titel ist Die neun Milliarden Namen Gottes, erstmalig bei Ullstein (1959) in der Anthologie Nur ein Marsweib und andere Science Fiction-Stories erschienen. Für mich war dieser Film mit seinen grossartigen Bildern – der Himalaya, ein buddhistisches Kloster, Mönche in orangenen Roben und dem Stil der 50er Jahre – unbedingt eines der Highlights des Festivals. Auch wenn die diese typische Kurzgeschichte der 50er Jahre eine (etwas vorhersehbare) Pointe hatte.
Gedreht in Köln ist Eva  A CRISPR Story von Regisseur Puneet Bharill, der auch (wie in der No- und Low-Budget-Szene üblich) das Drehbuch geschrieben hat (und vermutlich sonst allerlei besorgt hat, was nötig war). Die Story greift das Thema Genmanipulation auf, die namensgebende CRISPR/Cas-Methode ist ein relativ neues, sehr mächtiges Werkzeug in diesem Umfeld und es wird (ohne Übertreibung: vermutlich die Welt verändern. Der wissenschaftliche Sachverstand der Macher beflügelt den Film und die schwierige Thematik braucht sicher mehr Aufmerksamkeit in unserer Gesellschaft.
Das Programm des Philip K. Dick Science Fiction Film
Festivals in Köln für 2019 - das Motiv ist dem Kurzfilm
Mise En Abyme entnommen und zeigt einen Sammler,
allerdings nicht von Büchern sondern anderndings; das
Programm ist natürlich in die Sammlung gekommen
Dem hoch professionellen und optisch perfekten Mise En Abyme über einen Sammler (von Schmetterlingen) ist auch das Motiv der Film Festivals entnommen, das ist kein Zufall. Auf Vimeo kann man nicht nur den Trailer finden, sondern, neben Storyboard, making of und Interview mit dem Hauptdarsteller, auch einen Beitrag des italienischen Regisseurs Edoardo Smerilli. Smerilli hat das Drehbuch selbst geschrieben und er nennt Dick und sein Werk als Inspiration – und zeigt es auch. Eigentlich ist dieser Kurzfilm ein Beitrag für den zweiten Block des Tages, den Dick-Block. Den Sammler lässt der Film ein wenig unruhig zurück.
Ausser einigen grossen Namen bei den Autoren – King, Clarke, Dick – finden sich auch einige sehr bekannte Schauspieler. In Who is Martin Danzig? von Michael Baker spielen Walter Koenig und Kevin Page. Koenig ist bekannt oder eigentlich berühmt für seine Rolle als Pavel Chekov in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise und den zugehörigen Kinofilmen. Page ist bekannt für Auftritte in diversen Serien, in Deutschland sind davon wohl die Sitcom Seinfeld und die SF-Serie Babylon 5 am bekanntesten. Ein besinnliches Ende dieses Blocks.
Vor der Pause, dem break with the directors, kann Autor und Regisseur Puneet Bharill, der mit seiner Hauptdarstellerin Isabel Sáez Martínez und vielen Freunden und weiteren Mitwirkenden gekommen ist, noch über seinen Film, seine Absichten und das making of erzählen. Interessanterweise ist der Film zentral ausgewählt und nicht als lokaler Beitrag des Kölner Festivals hinzugenommen.
Der zweite Block am Freitag mit dem Titel Kult, Verschwörung und Paranoia hatte die wohl direktesten Verbindungen zu Dick. Der erste der sechs Filme ist auch die einzigen Verfilmung eines Stoffes von Dick selbst, Beyond the Door. Analog zu The Pipers von Ammar Quteineh, der im vergangenen Jahr gezeigt wurde, basiert auch dieser Film auf einer der Kurzgeschichten von Dick, die in den USA in die Public Domain gefallen sind (Details dazu gibt kann man hier nachlesen) und somit auch für Projekte mit einem kleinen Budget erreichbar. Denn man kann annehmen, dass der Trust seine Stoffe teuer verkaufen will (oder muss?) und sie solche einem kleinen Independent Projekt kaum günstig überlassen würde. Der Film weicht von der Geschichte ab und formuliert und interpretiert sie neu, Ehebruch ist schliesslich heute kein so existenzielles Problem mehr wie in den 50er Jahren, die zentrale Idee bleibt dabei auch erhalten.
Dicks Erzählung Beyond the Door ist als Jenseits der Tür übersetzt und – wie Pfeifer im Wald – auf Deutsch nur in den Sämtlichen Erzählungen erschienen. Auch auf Englisch ist sie nach der Erstpublikation in Fantastic Universe (Januar 1954) erst in den Collected Stories erneut erschienen, auch die Encyclopedia Dickiana hat wenig dazu zu sagen.
Der folgende Film Sereget bringt uns wieder direkt zum Horror des Halloween-Abends zurück. Ein Haus in der Nacht, eine schwangere Frau und Aliens von der wirklich unfreundlichen Sorte sind dafür das richtige Rezept. Vermutlich wirklich grossartig, aber für mich geht so etwas nur an Halloween. Und mein Eindruck ist auch, dass in diesem Jahr etwas mehr Grusel-Motive im Programm waren, vermutlich lag das auch am Datum. Der folgende französische Film Diversion war ein weiteres Highlight des Abends. Ganz ohne special effects aus dem Computer erzählt er eine phantastische Geschichte mit Horror-Elementen, aber Humor und letztlich einem Science Fiction Ende und bleibt dabei ganz französisch. Ein Film der in Erinnerung bleiben wird.
Das folgende Simulations – hier geht es zum Trailer – ist wieder ein originäres Motiv von Philip K. Dick, das auch optische Anleihen bei Die totale Erinnerung – Total Recall nimmt, allerdings hätte Dick die Geschichte wohl etwas einfacher strukturiert: Es war ein bisschen zu viele Ideen für einen kurzen Film.
Auch 2019 war das Philip K. Dick Science Fiction Film Festival wieder ein grosses Erlebnis im PKD Terminkalender. Der persönliche Kontakt mit Filmemachern und Veranstaltern ist faszinierend, insbesondere für den Sammler Papierernens, der mit Film eher wenig zu tun hat und eher passiv und unkundig konsumiert – was ich jetzt, auch im Blog, ein wenig ändern möchte. Nicht nur die Verfilmung von Blade Runner ist einen zweiten Blick wert.

Nachtrag

Die Sieger des Festivals sind nun auch verkündet:

  • BEST SCI-FI SHORT: TOMORROW MIGHT BE THE DAY
  • BEST HORROR SHORT: CHROMOPHOBIA
  • BEST SHORT DOCUMENTARY: HUNTING FOR HUXLEY
  • BEST PHILIP K DICK SHORT: THE NEXT 60 DAYS
  • BEST AUDIENCE AWARD: THE 9 BILLION NAMES OF GOD
  • BEST NEW MEDiA MICROSHORT: I CAN