Samstag, 16. Februar 2019

Willkommen im Club

Buchclub Ausgaben sind für Sammler etwas Besonderes, aber nicht unbedingt etwas besonders Gutes. Allgemein sind sie eher ungeliebt. Es gibt nur zwei deutsche Buchclub-Ausgaben von Philip K. Dick, beide natürlich vom populären Blade Runner, erschienen 1991 und 2003 bei Bertelsmann - und natürlich sind sie, egal wie ungeliebt und langweilig, Teil der Sammlung.
Oben R und M Medien (2003) und unten Bertelsmann Buchclub (1991): Blade Runner
Blade Runner von Philip K. Dick,
von R und M Medien (2003) und
beim Bertelsmann Club et al. (1993)
Beiden Bände sind als Lizenzausgaben des Heyne Verlags erschienen, d. h. auch mit der zur jeweiligen Zeit von Heyne genutzten Übersetzung. Bei der neueren Ausgabe von 2003 handelt es sich um die von Jacqueline Dougoud überarbeitete Übersetzung von 2002. Wie bei Buchclub-Ausgaben üblich handelt es sich um - wie ich finde: lieblose und langweilige - Hardcover-Ausgaben ohne jede Extras. Die fehlende Widmung der ersten Ausgabe geht aber auf das Konto von Heyne, die die Widmung auch erst 2002 wieder hinzugefügt haben.
Erwähnenswert ist lediglich das Cover der Utopia-Ausgabe von 2003, das tatsächlich auf den sonst unverzichtbaren Bezug auf den Film verzichtet. Verzichten tut Bertelsmann auch auf ISBNs, die für den Handel nicht benötigt werden, da die Bücher ja über den allgemeinen Buchhandel nicht zu beziehen waren, sondern nur über den Club. Ebenso fehlt das Erscheinungsdatum. Für den Sammler wird das Leben so nicht leichter. Opulent ist das Impressum der 1991er Ausgabe trotzdem, dort findet man
Lizenzausgabe mit Genehmigung des Wilhelm Heyne Verlages, München für die Bertelsmann-Club GmbH, Gütersloh, die EBG Verlags GmbH, Kornwestheim, die Deutsche Buch-Gemeinschaft C. A. Koch's Verlag Nachf. GmbH, Gütersloh, die Buchgemeinschaft Donauland Kremayr & Scheriau, Wien, die Deutsche Buch-Gemeinschaft C. A. Koch Verlag Nachf., Wien und die Buch- und Schallplattenfreunde GmbH, Zug/Schweiz
Die Ausgabe von 2003 nennt dann ganz kompakt RM-Buch-und-Medien-Vertrieb im Impressum, Bertelsmann taucht nicht auf, der genannte Erscheinungsort Gütersloh weisst aber sofort die Richtung.
Es gab in den 80er Jahren bei Bertelsmann 25 Bände im nach dem Umschlag weisse Reihe genannten Science Fiction & Fantasy Club. Ausserhalb dieser Reihe erschienen weitere Bände Science Fiction und Fantasy, auch viel Perry Rhodan. Im Netz findet sich speziell zu Bertelsmann allerdings nichts - Buchclub-Ausgaben sind beim Sammlern eben ungeliebt.
Ihren Ursprung haben Buchclubs nicht nur in Deutschland im Vereinswesen des 19. Jahrhunderts. Der Bertelsmann-Lesering, aus dem Der Club Bertelsmann hervorging wurde 1950 gegründet. Beginnend in den 80er Jahren, expandierte Bertelsmann in den angelsächsischen Raum und war zwischenzeitlich auch an diversen Buchclubs beteiligt, die - allerdings vorher - diverse Ausgaben von Dick veröffentlicht hatten. In Deutschland hat Bertelsmann das Buchclub-Geschäft 2015 abgewickelt, vorher bereits das internationale Geschäft verkauft. Es wird also keine weiteren Buchclub-Ausgaben geben.
Im englischen Sprachraum gibt es rund 40 Buchclub-Ausgaben und das Sammeln ist deutlich komplizierter. Oft sind die Club-Ausgaben kaum von den nur kurz vorher erschienen Erstausgaben zu unterscheiden. Aber natürlich sind sie viel weniger wert, das ändert sich aber, wenn sie die erste (Hardcover-)Ausgabe sind. Das gilt für die Club-Ausgabe von Galactic Pot-Healer. In den USA sind Ausgaben von Dick überwiegend beim Doubleday Book Club und beim Book of the Month Club erschienen, in Grossbritannien bei Readers Union.
In mancher Hinsicht sind bzw. waren wohl auch Easton Press und The Folio Society Buchclubs, ich schliesse sie hier jedoch explizit aus. Die Ausgaben dieser Verlage sind hochwertige Sammlerstücke und teilen keine Eigenschaften mit den genannten Buchclub-Ausgaben.
Die erste deutsche Buchclub-Ausgabe von 1993 ist leicht und sehr bezahlbar zu finden und das normalerweise in sehr guter Erhaltung - gebundene Bücher werden in Deutschland gut behandelt. Die Utopia-Ausgabe ist zwar nicht teuer, aber eher schwer zu finden: Sie wird recht selten angeboten und wenn, dann sind die Verlagsangaben uneinheitlich und das Buch ist schwer aufzuspüren - und ein ISBN fehlt ja. Der Sammler muss hier also ausführlich und länger suchen.
Zum Schluss noch der Hinweis auf einen umfassenden Eintrag zum Blade Runnerdie Blade Runner Bibliographie hier im Blog und die kurze Bibliographie der Buchclub-Ausgaben.

Samstag, 9. Februar 2019

Spass mit ISBNs

Eines der wahrhaft spannendsten Themen in der Literatur sind bestimmt die International Standard Book Numbers, die ISBNs - zumindest für Buchhalter ... und Sammler. Als Sammler muss man diese schönen Zahlenreihen lieben, sie versprechen Ordnung und Übersichtlichkeit in der sonst doch unübersichtlichen Welt der Literatur. Dieses Versprechen halten die ISBNs dann aber nur teilweise.
So wichtig und hilfreich sie für den Sammler sind (und sonst, das gebe ich hier zu, wohl eher langweilig), so gibt es doch ein paar Probleme mit Ihnen - und ein paar Geschichten und Ungereimtheiten dazu.
Erfunden wurden die ISBNs 1965 in Grossbritannien, dort wurden sie initiiert und als nationales System mit neun Stellen 1967 als Standard Book Numbers (SBN) implementiert. 1970 wurden sie dann zehnstellig als internationalisierter Standard ISO 2108 verabschiedet. Sie dienen zur eindeutigen Identifzierung von nichtperiodischen Veröffentlichungen. Zeitschriften u. ä. verwenden daher stattdessen International Standard Serial Numbers, ISSN, die wir hier erst einmal nicht weiter betrachten, auch weil sie für den Sammler meist keine Hilfe sind.
Das grösste Problem mit ISBNs ist natürlich, dass insbesondere ältere Bücher sie nicht haben. Der früheste deutsche Band in der Sammlung mit einer ISBN ist von 1971, nämlich die Nebula Award Stories von Lichtenberg. Es gibt aber auch noch Bände von 1971 ohne ISBN bei Goldmann und Insel. In meinem Katalog sind neuere Ausgaben ohne ISBN in Deutschland nur die Buchclub-Ausgaben. Ganz allgemein gibt es auch keine rechtliche Verpflichtung für die Verwendung von ISBNs, Händler werden sie aber wohl meist verlangen.
Als die ISBNs dann eingeführt waren, hatten die Verlage ihre Probleme damit. Eine Auswahl von Büchern von Philip K. Dick mit falschen ISBNs:
  • Das Orakel vom Berge, Bastei (1980 und 2. Auflage von 1982) hat die ISBN 3-404-22021-7, aber die Prüfziffer ist offensichtlich falsch, sie sollte 8 sein
  • Titan 2, Heyne (1976) hat ebenfalls eine falsche Prüfziffer, im Buch steht 3-453-30397-2, richtig ist die Prüfziffer 0.
Titan-2, Heyne (1976) mit  falscher ISBN im Impressum
 Das Problem mit falschen ISBNs ist, dass man nicht sicher sein kann, nach welcher ISBN man suchen muss - bzw. man kann sich letztlich sicher sein, dass man nach beiden ISBNs suchen muss, weil einige Anbieter die Prüfziffer korrigiert haben ... und andere nicht, vermutlich auch weil die jeweilige Software solche falschen Nummern nicht zugelassen hat. 
Es gibt aber auch andere Merkwürdigkeiten. Suhrkamp verwendet für die 1. und 2. Auflage von Ubik unterschiedliche ISBNs, allerdings sind die Ausgaben, wie hier bereits beschrieben, auch leicht abweichend: Das Cover ist minimal geändert und der Preis ist erhöht. Für den Sammler macht die zusätzliche ISBN das Leben hier einmal einfacher.
Wirklich übel - und wirklich verboten - ist aber die Wiederverwendung eines ISBN für ein gänzlich anderes Buch. Und ausgerechnet der Irrgarten des Todes ist bei Heyne zweimal davon betroffen. Zuerst hat Heyne für die in der Reihe Bibliothek der Science Fiction Literatur 1987 erschienene Ausgabe die ISBN 3-453-00432-9 verwendet. Heyne hatte unter dieser ISBN 1974 bereits Das Beste aus meiner Witze- und Anekdotensammlung von der Waterkant herausgegeben, als Autor nennt der Verlag hier Hans-Joachim Kulenkampff. Auch für die nächste Ausgabe, 2005 in der Philip K. Dick Edition, wählt der Verlag mit der ISBN 3-453-53021-7 eine bereits 1973 verwendete Nummer, dieses mal ursprünglich vergeben für Moderne Arbeitsmethodik von Tom Werneck und Frank Ullmann.
Auch die ISBN 3-453-30394-6 wurde zunächst 1976 für Alan Burt Akers' Der Prinz von Scorpio verwendet, dann 1977 für Dicks Eine andere Welt.
Und wie geht man andernorts mit ISBNs um? Auch andere Ländern haben ihre falschen Nummern:
  • Kizökkent idő [Time Out of Joint] aus Ungarn hat - dreizehnstellig - die ISBN 978-963-86361-9-5, im Buch steht aber - zehnstellig - die falsche ISBN 963-86361-9-5, die Prüfziffer sollte X sein. Ausserdem tragen zwei Ausgaben mit abweichendem Cover diese ISBN
  • The Internet Speculative Fiction Database weist uns darauf hin, dass The Golden Man von Methuen (1983) im Impressum die ungültige ISBN "0 417 06200 4" angibt, auf der Rückseite steht allerdings die gültige ISBN
  • Ebenfalls bei ISFDB erfahren wir, dass die Erstausgabe von Flow My Tears, the Policeman Said bei Doubleday (1974) die ISBN 0-385-00887-1 verwendet, aber auch hier ist die Prüfziffer falsch, sie sollte 2 sein.
The Selected Letters of Philip K.
Dick, 1980-1982
, der letzte Band
  • Und weil der Schutzumschlag von The Selected Letters of Philip K. Dick, 1980-1982 wohl etwas voreilig schon zehn Jahre vor Erscheinen des Buches gedruckt wurde, passt die dort angegebene ISBN nicht mehr zum Buch; aber der Herausgeber Tim Underwood entschuldigt sich sehr nett dafür. Tatsächlich ist die ISBN - zumindest auf meiner Ausgabe - korrekt, möglicherweise habe ich also einen neuen Schutzumschlag? Vielleicht gibt es bei diesem Buch also eine interessante Variante.
Grösseres Probleme machen dem Sammler aber diverse britische uns US-amerikanische Verlage, die ISBNs doppelt vergeben, allerdings für das gleiche Buch - das ist erlaubt - aber für gänzlich unterschiedliche Ausgaben. Das passiert sogar über Verlage bzw. Imprints hinweg. Hier erhalten Bücher, die für den Sammler deutlich unterschiedliche Objekte sind, dieselbe ISBN. Formal erfordert nämlich nur eine neue Edition eines Werks eine neue ISBN, darum handelt es sich dabei - trotz neu gestaltetem Umschlag - aber eben nicht. Beispiele dafür sind typischerweise immer wieder neu aufgelegte Klassiker von Dick:
  • Do Androids Dream of Electric Sheep? erscheint mit der ISBN 978-0-345-40447-3 beim US-amerikanische Verlag Ballantine unter dem Imprint Del Rey zwischen 1996 bis heute (2016 mit der letzten Ausgabe) in zwei (oder vielleicht sogar drei) verschiedenen Ausgaben
  • Ubik mit der ISBN 0-586-03716-0 erscheint von 1973 bis 1992 bei Panther, Granada und Grafton mit drei verschiedenen Covern
  • A Scanner Darkly mit der ISBN 978-0-586-04553-4 erscheint bei Granada (1978) und Grafton (1985) mit verschieden Covern
  • The Three Stigmata of Palmer Eldritch erscheint bei Gollancz unter der ISBN 978-0-575-07480-4 mit ähnlichen, aber doch deutlich unterscheidbaren Covern, zuerst 2003 noch unter der Nummer 52 der Masterworks Serie, danach nur noch als Masterworks, ohne diese Nummer - und ohne Angabe der Auflage
Sehr ärgerlich ist die Praxis dieser mehrfachen Vergabe, weil hier meist günstigere Taschenbücher betroffen sind, für die die Antiquariate keine eigenen Bilder einstellen. Und das angegebene Erscheinungsjahr, das die Ausgaben sonst unterscheiden würde, ist unzuverlässig, weil es entweder falsch im Impressum gelesen wird - oder dort von den Verlagen erst gar nicht angegeben ist. So ist es für den Sammler meist unmöglich die verschiedenen Varianten in den Angeboten zu unterscheiden. Hier ist man dann mehr auf die Bucht und ähnliche Plattformen angeboten, wo Amateure sorgfältig Fotos hinterlegen (die anderen bibliographischen Daten aber meiste falsch sind).
Neben solchen Misshelligkeiten gibt es auch harmlose Merkwürdigkeiten:
  • Die englische Ausgabe Do Androids Dram of Electric Sheep? von Paperview (2004) hat die ISBN 2-87427-097-0, die Ländernummer ist also "2" - für Frankreich! Das ist für ein in Grossbritannien erschienenes englischsprachiges Buch ungewöhnlich
  • We Can Remember It For You Wholesale erscheint, wie berichtet, in Spanien auf Englisch mit zyprischer ISBN: 9963-61731-X.
Im Ausland ist die Verwendung von ISBNs sonst sehr unterschiedlich. Einige Länder beginnen erst spät sie zu verwenden oder geben sie zumindest lange nicht an, in Russland dagegen ist die Verwendung sehr durchgängig, hier hat jedes Buch seine ISBN und es gibt keine Mehrfachverwendungen.
Seit 1. Januar 2007 ist die Angabe der neuen ISBN-13 Pflicht. Diese neuen ISBNs können als Prüfziffer kein X mehr haben, da die Prüfziffer anders berechnet wird.
Für einige Länder, u. a. Italien und Frankreich, wird schon der Präfix 979 benutzt, da die 978er Nummern ausgegangen sind. Im Umfeld von Dick ist davon (so weit ich weiss) nur ein Buch betroffen, nämlich der neue französische Comic Phil: Une vie de Philip K. Dick mit der ISBN 979-10-93111-19-3. Während die 13-stelligen 978er ISBN noch in die alten 10er ISBN umgerechnet werden konnten, ist das nun für 979er nicht mehr möglich. Wer also noch am alten Format festgehalten hat, ist jetzt gezwungen auch 13-stellige ISBNs zu verwalten.
Und was bedeutet das für den Sammler? Auspassen! ISBNs werden von Anbietern häufig ignoriert und falsch erfasst. Wenn man das weiss, sind sie natürlich eine nützliche Suchhilfe. Und wer schliesslich eine eigene ISBN kaufen möchte, die gibt es bei der ISBN-Agentur en detail schon für 70 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, aber en gros bedeutend billiger: 1000 Stück kosten nur 260 Euro.
Und wer keine ISBN möchte, kann sich auch darüber ein Buch kaufen: NO-ISBN: on self-publishing, es hat die ISBN 386335818X und ist 2015 erschienen:
Ein Buch über Bücher, die aus der Reihe fallen und sich dem internationalen System des Warenaustauschs entziehen. Ein Register, das 1.800 Veröffentlichungen auflistet, sie alle kursieren ohne ISBN-Index, sind auf Papier gedruckt und jüngeren Datums. Ein Verzeichnis von Mikro- und Fanzinemessen aus vier Kontinenten, ein Abriss der Mediengeschichte, Manifeste der zeitgenössischen Avantgarden.
Mehr zu Lesen über ISBNs gibt es im Netz, eine kurze Geschichte der ISBNs, zum ISBN-Standard und bei Wikipedia.

Samstag, 2. Februar 2019

Ein Neuer Stern für PKD

Ein NEUER STERN für Philip K. Dick
Ein NEUER STERN für Philip K. Dick - ein Rundbrief
an die Freunde des ASFC Halle
Kurz vor Weihnachten, fast noch pünktlich zum 90. Geburtstag von Philip K. Dick, erreichte mich von einem Leser dieses Blogs der Hinweis auf ein Fanzine, dessen aktuelle Ausgabe Dick zu seinem Ehrentag würdigt. Der NEUE STERN scheint schon in der 45. Nummer, der Titel ist also nicht ursächlich passend zur Weihnachtszeit gewählt, sondern ein etwa monatlicher, informeller Rundbrief des ANDROMEDA Science Fiction Clubs Halle (ASFC), komponiert von Thomas Hofmann. Er hat auch das mehr als semi-professionelle Cover beigesteuert (und vermutlich die graphischen Innengestaltung). Formal erinnert auch bei diesem Heft nichts mehr an die hektographierten Fanzines früherer Tage. Hofmann hat auch in anderen Magazinen der Szene seine Zeichnungen beigesteuert, die in der Sammlung zu finden sind, Alien Contact, Exodus und anderen.
Und auch inhaltlich finden wir einige Perlen. Dieser Mann ist leider tot ist - in ihrer Kürze - eine gute Einführung zu Dick und seinem Werk - und wie praktisch jeder Text über Dick lässt sich Person und Werk nicht trennen, seine Lebensumstände - fünf Frauen, wenig Geld - müssen genannt werden, um sein Werk in den richtigen Rahmen zu stellen. Die Suche nach Philip K. Dick und andere Annäherungen ist eine der wenigen Betrachtungen der (hier überwiegend englischsprachigen) Sekundärliteratur und die üblichen, weil wichtigen, Verdächtigen werden genannt: Apel und Butler, aber auch - Filmen wird hier ein grosser Raum eingeräumt - Vest und Sammon und die Biographie von Anne R. Dick, die hier im Blog auch schon aufgetaucht ist. Hier hat jemand wirklich umfassend gelesen. Und der bibliographische Hinweis erfreut den Sammler. Der spezielle Stil dieses Essays (wenn es denn das ist) macht Spass.
Den Anspruch steigern tut Die Tragödie der elektrischen Ameisen - Künstliche Menschen bei Mary Shelley und Philip K. Dick. Shelleys Frankenstein wird häufig als der bahnbrechende erste Science Fiction Roman genannt und ihr Werk wird daher oft in der Sekundärliteratur diskutiert, Frankenstein und Dicks Androiden nebeneinanderzustellen mir aber neu und sehr gelungen.
Aus der Nebelwelt betrachtet die fragmentarische Fortsetzung des Orakels vom Berge, ein Roman der derzeit viel diskutiert wird, zu dem es aber noch viel mehr zu sagen gebe - auch zur Fortsetzung. Auf Philip K. Dick: Zeit ohne Grenzen, eine Betrachtung des Romans folgt schliesslich eine Betrachtung von Comic über Dicks und sein Werk, Bilder zu Dick.
Anne R. Dicks Search for Philip K. Dick - 1928-1982 in der Erstausgabe und
Philip K. Dick von D. Scott Apel in einem aktuellen Nachdruck - zwei der
besprochenen Werke im Artikel zur Sekundärliteratur von Christian Hoffmann
Diesen 31 Seiten exklusiv zu Dick folgt eher Club-internes, es ist aber immer schön die Menschen hinter den Heften, Webseiten, Cons und den vielen Aktivitäten der Clubs zu sehen.
Es ist schon viel zu Dick gesagt, das macht es schwierig einen neuen Aspekt zu finden, dem NEUEN STERN gelingt das gut. Es gibt noch viel Neues über Dick zu schreiben (oder Vergessenes zurückzuholen), Fanzines waren in der Vergangenheit immer mit dabei.
Für den Sammler ist es schön, dass dieses Fanzine gedruckt erscheint. Für die Sammlung sind die Beiträge eine grosse Bereicherung. Für den Empfänger dieses Rundbriefes ist die Freude gross darüber eine neue Ausgabe im Briefkasten zu haben und das haptische Erlebnis. Der Fan sorgt sich ein wenig darum, dass diese Papierausgaben erhalten bleiben oder letztlich doch auch elektronisch verfügbar gemacht werden - die Chance auf ein ewiges Leben würde sich so vergrössern. Das Problem des Erhalts von Fanzines, gerade der frühen Jahre, ist aber natürlich viel grösser. Aber das wäre wohl ein eigener Blog.
Zum Schluss ein Web-Tipp in eigener Sache: Dieser Blog ist nun, mit dem Dahinscheiden von Google+, auch mit einer eigenen Seite bei Facebook vertreten.

Samstag, 26. Januar 2019

Wie die Zeit vergeht

Vor 90 Jahren, am 26. Januar 1929, ist Jane C. Dick gestorben, die Zwillingsschwester von Philip K. Dick. Diese Schwester und ihr Tod, für die er sich die Schuld gibt, beeinflusste Dick und sein Werk für sein ganzes Lebens. 

Auch 2019 gibt es neue Ausgaben von Philip K. Dick in der Klassik-Reihe bei Fischer. Vom Verlag für den 23. Januar angekündigt ist Zeit aus den Fugen [Time Out of Joint]. Wir finden es in der Übersetzung von Barbara Krohn und Gerd Burger, in der es ursprünglich bei Haffmans im Jahr 1995 erschienen ist. Gefunden habe ich es allerdings schon am 19. Januar in der Filiale einer Kette und gekauft bei meinem freundlichen Buchhändler am Ort am 21. Januar. Und schliesslich steht im Impressum Februar 2019. Das macht den Eintrag im Katalog nicht einfacher.
Zeit aus den Fugen mit dem üblichen, langweiligen Cover von Fischer (2019) -
der aktuelle Band von Philip K. Dick in der Reihe Klassik
Time Out of Joint war natürlich das erste richtige Buch von Dick, das in Deutschland erschienen ist. Nach einigen als Heftromanen erschienen Werken von Dick ist dieser Roman unter dem Titel Zeit ohne Grenzen schon 1962 als Leihbuch erschienen, also im festen Umschlag, übersetzt von Heinz Zwack (dieser Blog berichtete bereits darüber). Es folgte 1978 eine Neuübersetzung von Tony Westermayr bei Goldmann mit einer beim Umschlagbild abweichenden zweiten Auflage 1985. Auch Haffmans leistete sich 1995 dann eine Neuübersetzung, die Heyne 2002 für die Werkedition in Grün übernahm und die wir hier eben auch bei Fischer finden, mehr in einem früheren Blogeintrag.
Die amerikanische Erstausgabe bei Lippincott (1959) war eines der wenigen Hardcover vom Paperback-Autoren Dick und ist heute nur teuer (wenn auch nicht selten) erhältlich, die folgenden zwei Dutzend englischen Ausgaben sind deutlich günstiger zu erhalten. In Grossbritannien ist es anschliessend gekürzt in drei Teilen im Science Fiction Magazin New Worlds Science Fiction erschienen.
Time Out of Joint wird auch gelegentlich als Vorlage für den Film Die Truman Show (1998) genannt. Die Parallelen in der Geschichte - ein Mann beginnt zu ahnen, dass sich die ganze Welt tatsächlich nur um ihn dreht - sind offensichtlich, aber selbst der klagefreudige Trust sah hier offenbar keine Chance eine Verletzung seiner Rechte nachzuweisen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob jede Idee, die sich mit dem Thema Realität beschäftigt, immer originär nur von Dick sein kann. Und auch Dick hat sich hier und dort bedient - dazu vielleicht später einmal mehr.
Mit dieser Fischer-Ausgabe können wir nun ein kleines Jubiläum feiern, Fischer hat vor knapp fünf Jahren, 2014, begonnen Philip K. Dick in der Reihe Fischer Klassik herauszugeben (allerdings erst im Juni, wir werden das dann noch mal aufgreifen). Dieser Band ist nun der 18., der seitdem erschienen ist, nicht alle in der Reihe Klassik, einige auch in der allgemeinen Taschenbuchreihe, soweit sie mit den Amazon-Verfilmungen zu tun haben.
Time Out of Joint ist in Grossbritannien zunächst gekürzt als Serial in
drei Teilen im Magazin New Worlds Science Fiction erschienen, in den
Ausgaben 89 bis 91 aus den Jahren 1959 und 1960; die gezeigten Exemplare
haben leider einen unschönen Wasserschaden am Rücken - caveat emptor!
Über alle Freude, dass Fischer die Reihe fortsetzt, muss etwas Kritik erlaubt sein: Warum wählt Fischer diese abstrakten und dabei unattraktiven Umschlagbilder? Gewiss, auch die Werkedition bei Heyne und - man darf sich hier ruhig am Weltstandard messen und internationale Verlage betrachten - Mariner und Orion wählen fast ähnlich einfallslose Cover für Dick. Aber Fischer zeigt uns doch selbst, dass es besser geht! Die acht Ausgaben von Charles Bukowski, ebenfalls in der Reihe Klassik herausgekommen, sind wirklich sehr schön gemacht, mit ästhetischen und ausdrucksvollen Bildern. Hätte man Philip K. Dick das nicht auch gönnen können?
Kaufen sollte man sich dieses Buch bitte beim lokalen Buchhandel! #SupportYourLocalBookstore
Die ISBN ist 978-3-596-90695-6 (aber die braucht man nicht zum Bestellen) und die Webseite des Fischer Verlags ist hier. Und natürlich gibt es auch ein E-Book, das sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Als Web-Tipp sei hier mal wieder an die Seite PhilipKDickFans erinnert, mit hervorragenden Artikeln zur Entstehung der Romane und Kurzgeschichten, auch zu Time Out of Joint. Und man kann sich auch eine Kritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur Ausgabe von 1995 ansehen, auch wenn der Autor seine Probleme mit Dicks Biographie hat - was auch immer 2-3-74 für Dick war, es war sicher nicht nur ein Gerücht des Verlags.
Auf der Verlagsseite zum Fischer Verlag hier im Blog finden sich, wie immer, alle Ausgaben von Philip K. Dick bei Fischer mit ausführlichen bibliographischen Daten. In der letzten Zeit wurden einige Angaben zu neueren Auflagen ergänzt. 

Samstag, 19. Januar 2019

บุรุษปราสาทฟ้า

Einen weiten Weg hat der letzte Zugang zur Sammlung hinter sich, gerade noch zu Weihnachten hat sie es geschafft. Die thailändische Ausgabe von Philip K. Dicks Das Orakel vom Berge, im Original und auf Amazon The Man in the High Castle, habe ich tatsächlich in Thailand bestellt, anders ging es nicht.
บุรุษปราสาทฟ้า
Die thailändische Ausgabe von Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick
Gefunden habe ich das Buch bei WorldCat, ich suche dort regelmässig nach neuen internationalen Ausgaben. Offenbar hat die Amazon-Serie auch in Thailand dazu geführt, dass eine Übersetzung des Romans in der Landessprache erscheint.
Das Orakel vom Berge ist der vierte Roman von Dick, der auf Thailändisch erscheint. 1982 ist - natürlich - zuerst Blade Runner erschienen, dann Irrgarten des Todes [A Maze of Death] (1984) und Die Zeit: Auf Gegenkurs [Counter-Clock World] (1985). Später, 1996 und 1997, sind die ersten beiden Bücher noch einmal in neuen Ausgaben erschienen. Die aktuelle Ausgabe ist also die sechste auf Thailändisch, zumindest soweit meine Recherchen das ergeben haben - und Recherchen sind nicht einfach, da Thailändisch in einer eigenen Schrift geschrieben wird, für die es nicht einmal eine eindeutige Transliteration gibt. Im Original sehen die Titel dann so aus:
  • Blade Runner: ตามล่ามนุษย์หุ่นยนต์ (1982 und 1997)
  • Irrgarten des Todes: วงกตมรณะ (1984 und 1996)
  • Die Zeit auf Gegenkurs: พิภพย้อนเวลา (1985)
  • Das Orakel vom Berge: บุรุษปราสาทฟ้า (2018)
Bestellen konnte ich bei SE Education, eine der Seiten die auch ins Ausland liefern - und bei denen man aus dem Ausland bezahlen kann - und die dabei hinlänglich seriös aussah. Wie bei solchen Bestellungen üblich, überschritten die Portokosten den Warenwert erheblich, ich habe daher gleich zwei Bände bestellt. Vielleicht findet sich ja jemand, der eine ... vietnamesische oder persische Ausgabe zum Tauschen hat ... oder so.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 12. Januar 2019

So wird es (vielleicht) 2019

Mal sehen, was 2019 für Philip K. Dicks Fans bringt
Im diesem Jahr ist die Evaluierung einer neuen Plattform für diesen Blog das grösste Thema. Nach der etwas schockierenden Schliessung von Google+ muss ich mich der Realität stellen und einsehen, dass Google die Software auf der dieser Blog läuft, Blogger, seit Jahren vernachlässigt. Ein bekannter Fehler (die Erfassung eigener Seitenaufrufe für die Statistik) ist seit Jahren nicht gelöst, obwohl die Lösung nicht aufwändig erscheint, das ist nur ein Indiz. Blogger ist nicht mehr in die Jahre gekommen, es vergammelt schon. Ein kompletter Umzug auf Wordpress ist aber wohl entsetzlich aufwändig, zumal ich mich nicht endlos mit der Technik beschäftigen möchte. Das nächste Jahr wird eine Lösung finden. Schau'n wir mal.
Aufgeschoben haben sich offenbar die Auswirkungen des Brexit. Besser kann es beim Versand aus dem Vereinigten Königreich nicht werden, also wird es wohl schlechter ... das Porto wird steigen, ob der Zoll dazwischenkommt, werden wir sehen, aber die nächsten drei Jahre bleibt hoffentlich alles beim Alten. Der Sammler englischer Literatur muss hoffen, dass es danach nicht zu schlimm wird - und bis dahin vom niedrigen Pfund profitieren.
Beim Kerngeschäft sehen wir, dass Fischer für 2019 immerhin wieder zwei deutsche Neuausgabe angekündigt hat. Nicht im Februar, wie in den vorigen Jahren, sondern schon am 23. Januar soll Zeit aus den Fugen [Time Out of Joint] erscheinen, kann man bei Fischer lesen. Und am 26. Juni kommt als 20. Band von Dick bei Fischer die Neuübersetzung von Blade Runner heraus, über die hier bereits berichtet wurde, nun auch in der Fischer Klassik Reihe als Taschenbuch. Es hat ein auffälliges Umschlagbild, das man bei Fischer schon betrachten darf. Hoffen wir, dass es dann auch im folgenden Jahr bei Fischer weitergeht ...
Englische Neuerscheinungen von Dick sind noch nicht (wirklich) angekündigt, nur ein bereits mehrfach verschobenes Hardcover von The Man in the High Castle bei Gollancz - vielleicht wird es dieses Jahr was.
Bemerkenswert ist aber das Buch Philip K. Dick - A Comic Biography, das Mitte Januar herauskommt. Das französische Original Phil: Une vie de Philip K. Dick von Laurent Queyssi und dem Illustrator Mauro Marchesi ist die bereits vor einem Jahr, im Januar 2018 erschienene Biographie von Dick in der Form eines Comics, der die bekannten Szenen aus Dicks Leben bebildert - das Schreckensgesicht am Himmel, den Einbruch, den goldene Fisch usw. Sicher etwas für die Sammlung in der Kategorie recursive. Und natürlich ist es kein Zufall, dass ein Comic über das Leben von Philip K. Dick aus dem Land kommt, das Comics ernst nimmt und Philip K. Dick liebt.
International wird man wohl wieder einige Handvoll Ausgaben erwarten - lassen wir uns von Ausgaben in neuen Ländern und Sprachen überraschen.
Und wenn das nächste Jahr auch eher ruhig aussieht, es gibt immer Überraschungen - und das Streben des Sammlers ist eh' meist rückwärts gewandt: In den Ausgaben der Vergangenheit wird sich noch viel Neues finden lassen. Viel Erfolg beim Sammeln!

Samstag, 29. Dezember 2018

Ein Jahr elektrisch geträumt

Das Sammeljahr 2018 ist vorbei. Von Philip K. Dick, der in diesem Jahr 90 geworden wäre, ist auf Deutsch nur Anfang des Jahres Electric Dreams bei Fischer erschienen. Auf Englisch sind auf den letzten Drücker noch zwei Ausgaben bei Ulverscroft erschienen oder zumindest angekündigt, mir ist unklar, ob diese Ausgaben überhaupt in den freien Handel gehen oder nicht ausschliesslich für Bibliotheken und Schulen gedacht sind ... was sie noch spannender machen würde: Do Androids Dream of Electric Sheep? und Electric Dreams. Eine zweite Ausgabe von Electric Dreams war von Gollancz für 2018 angekündigt, aber da es  keine zweite Staffel der Serie gegeben hat, gibt es natürlich auch kein Buch dazu. Erwähnen muss ich auch noch das neue Buch von Gregg Rickman: Philip K. Dick on Film.
Laut meines unvollständigen Katalogs sind etwa 30 neue internationale Ausgaben erschienen. Spitzenreiter war die Türkei mit sechs neuen Ausgaben. Bei den 30 Ausgaben ist Electric Dreams neunmal vertreten - es stelle also fast ein Drittel aller Ausgaben überhaupt.
Der letzte Zugang des Jahres:: The Three Stigmata of
Palmer Eldritch
, Gollancz das Erscheinungsjahr
ist etwas unklar, nach 2003
Meine persönliche Ausbeute ist im Blog - teilweise - dokumentiert. Hauptsächlich war es Primärliteratur, viel Englisches und natürlich wenig Deutsches, ausser den Electric Dreams nur ein paar Auswechselungen - und natürlich die bemerkenswerten neu entdeckten Insel-Ausgaben! International sind die Bücher aus Kroatien dazugekommen. Insgesamt war es dieses Jahr aber weniger als im Vorjahr.
Das absolute Highlight des Jahres aber war für mich das Philip K. Dick Film Festival. Als Sammler kommt man sonst eben auch wenig raus und kann sich wenig austauschen - und die Eindrücke sind noch frisch. Die zwei Abende werden sicher in Erinnerung bleiben.
Die Anzahl der Einträge in diesem Blog ist stabil geblieben, noch gibt es genug zu berichten und genug Motivation weiterzumachen. Das letzte Quartal des Jahres begann aber mit dem Google+ Schock: Google+ wird für private Nutzer im April 2019 eingestellt! Nun ist Google+, obwohl dieser Blog es nutzt, nicht wirklich kritisch, Traffic kriege ich damit nicht. Aber nach einer gewissen Zeit kommt einem zu Bewusstsein, dass Blogger, die Plattform, auf der dieser Blog läuft, mindestens gefährdet ist, zumal sich auch eine Schliessung von Google Hangouts anbahnt. Zwar ist Blogger populärer als Google+, aber man kann sehen, dass Google schon seit Jahren nur sehr wenig in dieses Werkzeug investiert. Man muss sich also fragen, wie lange es Blogger noch gibt. Das sind keine guten Gedanken ...
Dafür hat dieser Blog nun eine eigene E-Mail-Adresse! Nicht jeder Leser möchte einen Kommentar schreiben und nicht jede Kommunikation muss öffentlich sein, daher kann man nun auch eine Mail schreiben, an (natürlich) dickkoepfigsammeln (Umlaute beachten) bei (natürlich) gmail.com. Auf Gmail wird man sich wohl verlassen können, auch langfristig.
Und schliesslich hat sich der Autor dieses Blogs eine Visitenkarte speziell für diesen Blog geleistet - auch wenn die 100 Kärtchen wohl länger reichen werden als dieser Blog.
Und so ist ein weiteres Jahr vergangen, in dem Blog und Sammlung gewachsen sind. Bis zum nächsten Jahr!