Samstag, 23. September 2017

Phantastische Bibliothek Wetzlar

Nach vielen Anläufen habe ich es nun endlich geschafft, die Phantastische Bibliothek in Wetzlar zu besuchen. Die Phantastische Bibliothek kann in diesem Jahr bereits ihren 30. Gründungsgeburtstag feiern: Der Sammlungsaufbau wurde 1987 begonnen und im September 1989 eröffnete die Bibliothek, die sich mittlerweile auf vier Stockwerken eines grosszügigen Gebäude am Rande der Innenstadt von Wetzlar befindet - und die selbst auch immer einen Besuch wert ist. Erwähnt werden soll hier noch der gewaltige Bestand von 270.000 Titeln, alles weitere lässt sich auf der ausführlichen Webseite nachlesen. Und das alles ist frei zugänglich, ich habe mich sehr willkommen gefühlt und konnte einen langen Nachmittag intensiv im Bestand recherchieren.
Die Phantastische Bibliothek in Wetzlar 
Natürlich hat der Besuch in Wetzlar auch mit Philip K. Dick zu tun. Viele Einträge im Katalog meiner Sammlung resultieren aus Verweisen in Artikeln, Büchern oder aus den verschiedensten Quellen im Internet. Die Qualität dieser Quellen ist recht unterschiedlich und eben teilweise unzuverlässig. Wirklich verlassen kann man sich meist nur auf das, was man selbst in der Hand hat - am besten in der Sammlung: Und das ist ja auch der Grund für die Sammlung, nämlich eine umfassende Grundlage für die weitere Beschäftigung mit Philip K. Dick zu schaffen. Wenn es nicht möglich ist, der Sammlung ein entsprechendes Exemplar zuzuführen, ist es die zweitbeste Lösung ein fehlendes Stück wenigstens in die Hand zu bekommen (auch wenn man es später wieder loslassen muss).
Ich konnte schon vor längerem Zugang zu einer (temporären) Bestandsliste der Fanzines und Zeitschriften der Phantastischen Bibliothek erhalten. Der Abgleich mit den Lücken in der Sammlung hat gezeigt, das dort einiges im Bestand ist, das absolut relevant ist - möglicherweise liessen sich dort auch einige der hier bereits beschriebenen weissen Wale sichten. Auf Fanzines und Zeitschriften hat sich mein Besuch dann auch konzentriert, das Thema Bücher hat fast keine Rolle gespielt - meine Sammlung ist hier aber auch ziemlich komplett, offene Fragen gibt es eigentlich keine mehr.
Insgesamt sollte der Besuch also mehr Informationen über die Einträge fehlender Fanzines im Katalog bringen, möglicherweise den Zugriff auf die verschiedenen Inhalte.
Über die konkreten Ergebnisse dieses Besuchs werde ich in folgenden Blogeinträgen berichten, ich kann jetzt aber schon sagen, dass es sich durchaus gelohnt hat.
Am Schluss dieses Eintrages seien noch die Publikationen der Phantastischen Bibliothek erwähnt. Immerhin ein Bezug zu Philip K. Dick lässt sich dort finden, Phantastische Miniaturen, Band 5 mit dem Titel Nanowelten enthält die von Dick inspirierte Kurzgeschichte Im Auge des Betrachters von Karl-Ulrich Burgdorf. Diese kann man auch noch bestellen. Herausgegeben ist das von Thomas LeBlanc, dem Gründer und Vorstand der Bibliothek, Burgdorf - kein ganz Unbekannter im Dick-Umfeld - ist als Zustifter wohl ein besonderer Freund des Hauses.

Samstag, 16. September 2017

Niederländisch

De Pottengenezer van de Melkweg, im Original The
Galactic Pot-Healer von Philip K. Dick, in sehr mässiger
Erhaltung bei Uitgeverij Scala (1977)
Auch im Königreich der Niederlande hat Philip K. Dick seine Spuren hinterlassen. Die erste Kurzgeschichte erscheint schon 1962 unter dem Titel Foster, je bent dood in Science Fiction Verhalen. Die erste Anthologie erscheint 1968, Een handvol duisternis. Das britischen Original A Handful or Darkness, war 1955 bei Rich & Cowan in London erschienen. Die Sammlung erscheint erst 1978 in den USA, der niederländische Verlag Het Spectrum hat sich also nicht in den USA, sondern im näher liegenden England versorgt. Die niederländische Zusammenstellung enthält aber wohl Second Variety, das im britischen Original fehlt, dafür fehlen einige andere Geschichten der britischen Ausgabe. Die Rich & Cowan-Ausgaben dieser Anthologie gibt es in verschiedenen Varianten und sie sind in sammelbarer Erhaltung nicht ganz billig.
Der erste Roman von Dick erscheint im gleichen Jahr. Larzen in de nacht, im Original The Man in the High Castle bei Born, allerdings in gekürzter Fassung; gekürzt wurden die frühen Ausgaben von Dick auch in Deutschland.
Insgesamt gibt es etwa 30 Ausgaben von 25 verschiedenen SF-Romanen, einen Sammelband, der einen weiteren SF-Roman enthält und fünf Anthologien. Etwas über 20 Geschichten sind in Sammlungen erschienen. Es gibt aber keine Mainstream Romane, und auch keine Ausgabe der Collected Stories. Auch in der letzten Zeit ist wenig erschienen. Seit 1985 ist nur eine Anthologie und ein Science Fiction Roman, nämlich Minority Report (2002) und De man in het hoge kasteel (2016) erschienen, beide wohl durch Film und Fernsehen motiviert. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass das steigende Interesse an Philip K. Dick die Niederlande nicht erreicht hat - oder dass Übersetzungen weniger geschätzt werden und man lieber das Original liest.
In meiner Sammlung ist, mehr oder weniger zufällig, schon vor längerer Zeit der Roman
De Pottengenezer van de Melkweg, im Original Galactic Pot-Healer, von 1976 gelandet. Es ist die einzige niederländische Ausgabe dieses Romans. Niederländische Bücher lassen sich von Deutschland aus wohl recht einfach beschaffen, selten - so wie mein Exemplar - werden sie auch in Deutschland angeboten. Die niederländischen Ausgaben würden daher ein gutes Sammelgebiet bieten, auch ältere Bände lassen sich offenbar relativ problemlos finden.
Eine schöne und (fast) vollständige niederländische Bibliographie findet sich bei De Boekenplank.
Und dieser Blog enthält auch an anderer Stelle eine Übersicht über alle Sprachen, in die Werke von Philip K. Dick übersetzt sind.

Samstag, 2. September 2017

Wirklich ganz Neues von Fischer

Und wieder überrascht mich der Fischer-Verlag. Die Tatsache, dass Fischer es schafft pünktlich zum Film Blade Runner 2049 eine Neuauflage von Philip K. Dicks Roman Do Androids Dream of Electric Sheep? herauszubringen, ist zwar bemerkenswert - beim Roman Das Orakel vom Berge hat Fischer eine Weile gebraucht, um das Buch verkaufsfördernd unter dem Titel der Amazon-Serie The Man in the High Castle herauszubringen. DADOES kommt nun bei Fischer unter dem Titel Blade Runner - und etwas verschämt innen ergänzt um Träumen Androiden von elektrischen Schafen? - heraus. Wirklich bemerkenswert ist, dass sich Fischer eine veritable Neuübersetzung geleistet hat, obwohl der Verlag erst kürzlich, 2014, eine Ausgabe des Romans herausgegeben hat. Bei dieser Ausgabe gab es schon ein bisschen Verwirrung um die Übersetzung, mehr dazu findet sich im Blogeintrag zur vorigen Blade Runner Ausgabe von 2014.
Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Blade Runner von Philip K. Dick in der Neuübersetzung von Fischer TOR (2017). Das
Lesezeichen war wohl vom Verlag beigelegt und bleibt bei diesem Buch.
Die Übersetzung der deutschen Erstausgabe von 1969 erledigte Norbert Wölfl, für die Ausgabe bei Haffmans 1993 wurde diese von Jacqueline Dougoud überarbeitet und so von Heyne übernommen. Für Fischer übersetzt nun Manfred Allié seinen ersten Text von Dick, die der Klappentext gleich als kongenial bezeichnet. Ich kann erst mal nur mitteilen dass Buster Friendly aus dem englischen Original bei Allié wieder Buster Freundlich heisst.
Diese Übersetzung ist die erste Eigenleistung von Fischer seit Joachim Pente im Jahr 1974 die Erstausgabe von Joe von der Milchstrasse übersetzt hat. Die seit 2014 bei Fischer erschienen Bände der Klassik-Serie waren durchgängig Übernahmen von Heyne.
Die letzte Neuübersetzung eines Science Fiction-Romans von Dick überhaupt ist einige Zeit her, 2007 hat Frank Böhmert für Heyne We Can Build You neu mit dem Titel Die Lincoln-Maschine übersetzt. Die erste Übersetzung war 1972 von Tony Westermayr unter dem Titel Die rebellischen Roboter - wohl gekürzt - bei Goldmann erschienen. Andere Ausgaben dieses Romans gibt es nicht. Erwähnen sollte man hier noch drei deutschen Erstausgaben - und damit Erstübersetzungen - von denen zwei 2009 und 2010 bei Liebeskind erschienen sind, Stimmen der Strasse und Unterwegs in einem kleinen Land, sowie Mary und der Riese bei der Edition Phantasia im Jahre 2010.
Erschienen ist Fischers neuer Blade Runner im neuen Programmbereich Fischer TOR, der seit August 2016 existiert. TOR bezieht sich dabei auf den bekannten US-amerikanischen Verlag Tor, der überwiegend Science Fiction und Fantasy veröffentlicht. Bei Tor ist übrigens auch Humpty Dumpty in Oakland erschienen, ein Roman, der, das sei Fischer TOR hier mitgeteilt, wirklich eine deutsche Übersetzung verdient hat.
Auch wenn dies schon die neunte Ausgabe von DADOES ist, bleibt Das Orakel vom Berge dank der Amazon-Serie mit zehn Ausgaben der meist publizierte Roman von Dick.
Für die Umschlaggestaltung wird Nele Schütz Design, München ausgewiesen; es ist schade, dass wir hier immer seltener den Namen des Künstlers erfahren können. Der grüne Hinweis Der Klassiker neu übersetzt und TOR sind auf einem Aufkleber, den ich zügig, aber umsichtig entfernen werde. Zusammenfassend also: Seit dem 24. August 2017 im Buchhandel lokal erhältlich (und bitte auch dort kaufen):
  • Blade Runner - Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Neuübersetzung von Manfred Allié. 268 Seiten. ISBN 978-3-596-29770-2. Originalpreis EUR 14,99. In Österreich EUR 15,50.

Samstag, 19. August 2017

Einhörner und weisse Wale

Ein Einhorn ohne Bezug zum Sammeln
Ein Einhorn, dass nichts mit Philip K. Dick zu tun hat; dieses Exemplar ist
weder selten noch teuer
In jeder Sammlung und zu jedem Sammelgebiet gibt es seltene, seltenere und praktisch unfindbare Ausgaben, die Einhörner oder - vielleicht besser noch - die weissen Wale, die den Sammler zu immer neuen Fahrten in die Weiten des Internets rufen und deren Ruf er nicht widerstehen kann.
Bei den englischen Originalausgaben findet man viele dieser seltenen und/oder teuren Exemplare - tatsächlich sind übrigens die meisten der wirklich teuren Exemplare eben nicht selten, sondern leicht zu finden, so wie viele der Hardcover Erstausgaben oder die zahlreichen Sammlerausgaben.
Bei den deutschen Ausgaben ist das überwiegend anders. Teuer sind einige der Edition Phantasia-Ausgaben, aber diese sind auch mehr oder weniger schwer zu finden: Das Mädchen mit den dunklen Haaren etwa, zeigte sich nur kurz alle paar Jahre.
Die grössten Lücken in jeder Sammlung dürften wohl einige Veröffentlichungen von Kurzgeschichten von Dick sein, die in den seltenen Ausgaben von Fanzines erschienen sind:
  • Munich Round Up 90 von 1966 enthält Projekt Wasserspinne [Waterspider]; einige andere Ausgaben des Fanzines enthalten sehr frühe Rezensionen
  • Science Fiction Story Center 2 von 1977 enthält Roog
  • Der weiße Tod (Wissenschaftliche Phantastik aus vier Ländern) von 1977, eine seltene Ausgabe aus der DDR, enthält Der Wub [Beyond Lies the Wub]mehr dazu hier im Blog
  • Baden-Württemberg Aktuell 190 von 1999 enthält Fremde denken anders [The Alien Mind]
Ebenfalls unfindbar und kaum dokumentiert sind weiterhin einige Exemplare von Sekundärliteratur, die in frühen Fanzines erschienen sind. Dazu gehörte Mutant 9, das seinen Status als Einhorn verloren hat, nachdem ich es neulich fangen konnte. Nur in verschiedenen Literaturnachweisen gesichtet wurden bisher:
  • Ganymed Magazin 7 (1975) mit Ausführungen von Uwe Anton und Franz Rottensteiner zu Philip K. Dick; Dick selbst bedankt sich bei Uwe Anton für die Zusendung eines Exemplars [The Selected Letters of Philip K. Dick, 1975-1976, Brief(e) vom 28.2.1975, Seite 116, 117]
  • Verschiedene Ausgaben von The Prince of Whales, einem Fanzine von Karl-Ulrich Burgdorf aus den frühen 90er Jahren, von denen es auf Burgdorfs Internetseite immerhin Scans der Titelseiten gibt
  • Dark Star 3 von 1982 mit einem Nachruf (aber dieses Magazin mag tatsächlich in der Ausgabe 3 Dunkelwelten heissen)
Weniger mysteriös, weil sicher belegt, aber trotzdem sehr selten, sind die sehr frühen Exemplare des immer noch erscheinenden Quarber Merkur aus den 60er Jahren, in denen sich Franz Rottensteiner recht regelmässig mit Dick beschäftigt hat und die auch fast nie gesichtet werden - obwohl der Quarber Merkur noch am ehesten gesammelt, oder doch zumindest angeboten werden.
Leider muss man sagen, dass im Bereich der deutschen Fanzines wohl (zumindest auf dem allgemein zugänglichen Markt) wenig gesammelt wird und sich daher die Angebote von Heften dieser Art sehr im Rahmen halten. Man würde sich wünschen, das es hier mehr Anstrengungen gibt, bestehende Sammlungen im Internet verfügbar zu machen. Am weitesten gehen die in diesem Blog schon öfter genannten Seiten Phantastische Bücher und Hefte in der Abteilung Magazine, Fandom u.a. von Jürgen Kerckhoff und die Bibliographie deutschsprachiger Science Fiction-Stories und Bücher.
Die Preise für die oben beschriebenen Fanzines sind sehr unterschiedlich - im Grunde kann man zum Preis keine Aussagen machen. Diese Hefte sind so selten, dass man unabhängig vom Preis zugreifen muss, wenn sich die Chance bietet - aber natürlich spielt die individuelle Relevanz der Exemplare für die eigene Sammlung eine Rolle.

Samstag, 5. August 2017

Slowakisch

A Scanner Darkly in slowakischer Sprache
Der dunkle Schirm von Philip K. Dick in der slowakischen
Ausgabe als Temný obraz von 1986
Nachdem hier bereits vor kurzem über die tschechischen Ausgaben der Romane von Philip K. Dick berichtet wurde, folgt hier jetzt die einzige Ausgabe in slowakischer Sprache. Temný obraz (A Scanner Darkly) ist im Jahr 1986 als Hardcover in Bratislava im Verlag Smena erschienen. Der Roman ist in der Serie Labyrint mit der Nummer 122 in der recht hohen Auflage von 50.000 Exemplaren herausgekommen. In dieser Serie sind hauptsächlich Kriminalromane, aber auch einige Bände Science Fiction herausgekommen.
Bemerkenswert ist, dass diese slowakische Ausgabe die erste von Dick ist, die in der Tschechoslowakei erschienen ist - vor jeder tschechisch-sprachigen Ausgabe. Obwohl Tschechisch und Slowakisch klar getrennte Sprachen sind, war es zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches wohl so, dass sich die beiden Sprachgruppen der CSSR verstanden haben. Bis zur Trennung wurden die Einwohner regelmässig mit beiden Sprachen konfrontiert und waren daher in der Lage sich zu verstehen. Heute ist das weniger selbstverständlich, gerade die jungen Tschechen haben Probleme mit dem Slowakischen. Die tschechischen Übersetzung des Romans von 1998 - und des gleichnamigen Films von 2006 - hat den gleichen Titel.
Dank der hohen Auflage lässt sich Temný obraz günstig in vielen tschechischen und slowakischen Antiquariaten finden. Da die Slowakei aber Teil des Euro-Raumes ist, ist eine Überweisung einfach, schnell und günstig - nämlich wie eine Inlandsüberweisung - und relativ günstig ist dann auch der Versand. In den slowakischen Antiquariaten lassen sich auch viele tschechischen Ausgaben finden.
Ausführliche Listen der tschechischen und der slowakischen Ausgabe von Dick finden sich im Netz auf Fanseiten (mit einer Bibliographie der Kurzgeschichten) und im Katalog der tschechischen Nationalbibliothek.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 22. Juli 2017

Wie war er?

Jede Sammlung hat ihre eigenen Grenzen. Erstausgaben, alle Ausgaben, alle Auflagen, Romane, Kurzgeschichten, Briefe und Essays ... und natürlich die Sekundärliteratur können dazugehören. Ich finde die "historischen" Rezensionen von Philip K. Dicks Romanen aus vielen Gründen höchst spannend, nicht zuletzt das Umfeld, in dem sie meist veröffentlicht sind. Die überwiegende Anzahl von Rezensionen sind in Science Fiction Zeitschriften und Fanzines erschienen - und die Lektüre dieser Magazine bringt oft persönliche Erinnerungen zurück.
Vampir 21 (03/1980) und das Beiheft Necronomicon 7
Im Katalog steht schon sehr lange eine Buchbesprechung des 1980 erstmalig bei Bastei erschienen Romans Der dunkle Schirm. Lange konnte ich die genannte Quelle für diese Kritik nicht finden: Necronomicon 7. Meine Annahme war, dass es sich um ein mehr oder weniger spurlos verschwundenes Fanzine handelte. Kürzlich ist mir aber in der Bucht das Angebot für die Zeitschrift Vampir 21 - im Untertitel Der phantastische Film - in der Ausgabe 03/1980 aufgefallen. Die lobenswert ausführliche Beschreibung des Angebots enthielt einen Hinweis auf das beigelegte Heft Necronomicon 7 - im Untertitel Die Welt des phantastischen Buches. Treffer!
Solche Beihefte machen es dem Sammler schwer; wenn sie erhalten sind, werden sie nicht genannt - und erhalten sind sie selten. Allerdings handelt es sich hier um eine professionelle Produktion, bei den Mitarbeitern tauchen bekannte Namen wie Alfred Vejchar auf, von dem einige Kritiken zu Dick in Andromeda erschienen sind.
Helmut Magnana taucht gleichfalls andernorts im Science Fiction Milieu auf. Seine in dieser  Necronomicon erschienene Kritik erstreckt sich über eine dreiviertel Seite - und lässt kein gutes Haar am Buch. Der Autor zehrt vom Ruf seiner glänzenden Vergangenheit und die nicht enden wollende Langeweile macht das Buch nur bedingt lesbar. Interessant ist auch die Herleitung von Dick als Autor der unter dem gängigen Markenbegriff "Science Fiction" seine persönlichen Probleme reflektiert - und der nicht, wie die offenbar "richtige" Gruppe von Autoren "normale" Science Fiction schreibt - und sich dazu bekennt. Tatsächlich berührt das natürlich genau Dicks Situation, der ja - zumindest am Anfang seiner Karriere - durchaus Mainstream schreiben wollte, aber nicht durfte (bzw. verkaufen konnte). Später hat er sich dann - fast trotzig - zur Science Fiction bekannt und diesen Roman geschrieben.
Festzustellen bleibt, dass A Scanner Darkly, so der Originaltitel des erstmalig 1977 bei Doubleday erschienenen Buches, zu einem der besten Romane von Dick gezählt wird; die Zuschreibung zur Science Fiction aber wird in der Tat immer wieder angezweifelt. Dick hätte das wohl nichts ausgemacht.
Zu finden ist die Filmzeitschrift Vampir problemlos, auf die richtige Ausgabe muss man ggf. etwas warten. Man sollte vor dem Kauf jedoch sicherstellen, dass das Necronomicon Beiheft noch beiliegt.

Samstag, 1. Juli 2017

Meta, oder: Über das Sammeln

Philip K. Dick im Book and Magazine Collector May 1990
Book and Magazine Collector, May 1990 (#74)
mit einem Artikel über das Sammeln von
Erstausgaben von Philip K. Dick
Bei der Suche nach Sekundärliteratur zu Philip K. Dick in englischer Literatur finden sich auch einige Stücke, die sich mit dem Sammeln von Büchern von Philip K. Dick beschäftigen.
Ein Beispiel dafür ist die Mai-Ausgabe 1990 von Book and Magazine Collector. Der kundige Artikel Cult Sci-Fi Novelist Philip K. Dick von Mike Ashley erzählt auch einige Geschichten von Dicks Leben bzw. Tod, die auch dem Kenner neu sei dürften, etwas dass es nach Dicks Tod keine formale Identifikation gab. Ein kleiner Fehler unterläuft Ashley als er die erste gebundene Ausgabe von Martian Time-Slip, die deutsche Insel-Ausgabe, in das Jahr 1973 verlegt - eigentlich ist sie schon 1971 erschienen. Viele Details zu Ausgaben und speziellen Varianten, die der Autor nennt, sind aber selbst in Zeiten des Internets schwer zu finden. Für den interessierten Sammler lohnt sich allein dafür die Lektüre dieses bald 30 Jahr alten Artikels.
Richtig spannend ist aber der zweite ergänzende Artikel, die Complete US & UK Bibliography [... of first editions]- mit Preisen (Complete ist sie natürlich nur, wenn man die im Artikel angegebene Definition von first editions akzeptiert). Man kann dort in der Liste die heute legendäre Erstausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? von Doubleday (1968) finden, der Wert ist mit 150 Pfund angegeben. Rechnet man überschlagsmässig auf Basis von 1990 mit dem Umrechnungskurs von etwa 1,40 zum Euro und einer Preissteigerung von 60% (in Deutschland), so kommt man auf einen Wert von 350 Euro für das Jahr 2017. Zahlen tut man heute aber leicht das zehnfache. Bei anderen Ausgaben haben sich die Preise ähnlich entwickelt, Dick wäre also ein gutes Investment gewesen. Für die nächsten Jahrzehnte sollte man eine solche Preisentwicklung aber wohl nicht abermals erwarten. Ausserdem haben sich nur die schon damals teuren Exemplar entsprechend gesteigert, die günstigen Taschenbuchausgaben haben sich dagegen kaum besser als die allgemeine Preissteigerung entwickelt. Sonst wäre von Dick heute für den in seinen Ressourcen beschränkten Sammler fast gar nichts mehr zu bezahlen.
Die komplette Bibliographie der Erstausgaben der Romane von Philip K. Dick
 mit den historischen Preisen aus dem Jahr 1990, erschienen in Book and
Magazine Collector in der Ausgabe May 1990
Zusammengestellt wurde die Preisliste von Andy Richards of Cold Tonnage Books, einer guten Adresse, bei der man auch heute noch einiges zu Dick finden kann. Bedenken sollte man beim Blick auf die Preisliste, dass es 1990 eben noch kein Internet gab, in dem man jederzeit fast jedes Buch finden und kaufen konnte.
Andere Veröffentlichungen dieser Art sind der Artikel Collecting Philip K. Dick: So It Would Be Funny von James Blaylock (der Dick auch noch persönlich kannte) in Firsts vom Oktober 1994, einer Zeitschrift die sich The Book Collectors Magazine nennt. Weiterhin gibt es in der Zeitschrift Paperback Quarterly (Fall 1982, Volume 5 Number 3) zwei Artikel zum Sammeln von Dick. Dieses Magazin ist zwar im Original fast unfindbar, wird aber offenbar (mit neuer ISBN) nachgedruckt ("reprint"). Das macht zwar die Suche nach dem Original noch schwieriger, den vollen Zugriff auf dieses Material aber überhaupt möglich. Man würde sich das auch für andere, seltene Zeitschriften und Fanzines wünschen (z. B. die PKDS Newsletter), aber das ist wohl ökonomisch und juristisch kaum möglich.
Ausserdem findet sich gelegentlich ein undatierter Ken Lopez Book Sales Catalog zum Thema Philip K. Dick den man im Volltext auch bei Ken Lopez noch nachlesen kann. Von den 217 angebotenen Einzelstücken, vor allem den Manuskripten und Briefen, kann man als (finanziell beschränkter) Sammler heute nur träumen.
Im deutschsprachigen Raum finden sich übrigens keine Artikel dieser Art über Philip K. Dick.
Das Magazin Book and Magazine Collector vom Mai 1990 (# 74) lässt sich leicht und günstig finden, man kann durch intensive Recherche hauptsächlich beim Porto sparen. Ich konnte die gezeigte Ausgabe in der britischen Bucht fangen, musste den Versand nach Deutschland aber erst aushandeln.
Eine Übersicht über alle Artikel zum Sammeln findet sich hier im Blog.