Samstag, 22. Juli 2017

Wie war er?

Jede Sammlung hat ihre eigenen Grenzen. Erstausgaben, alle Ausgaben, alle Auflagen, Romane, Kurzgeschichten, Briefe und Essays ... und natürlich die Sekundärliteratur können dazugehören. Ich finde die "historischen" Rezensionen von Philip K. Dicks Romanen aus vielen Gründen höchst spannend, nicht zuletzt das Umfeld, in dem sie meist veröffentlicht sind. Die überwiegende Anzahl von Rezensionen sind in Science Fiction Zeitschriften und Fanzines erschienen - und die Lektüre dieser Magazine bringt oft persönliche Erinnerungen zurück.
Vampir 21 (03/1980) und das Beiheft Necronomicon 7
Im Katalog steht schon sehr lange eine Buchbesprechung des 1980 erstmalig bei Bastei erschienen Romans Der dunkle Schirm. Lange konnte ich die genannte Quelle für diese Kritik nicht finden: Necronomicon 7. Meine Annahme war, dass es sich um ein mehr oder weniger spurlos verschwundenes Fanzine handelte. Kürzlich ist mir aber in der Bucht das Angebot für die Zeitschrift Vampir 21 - im Untertitel Der phantastische Film - in der Ausgabe 03/1980 aufgefallen. Die lobenswert ausführliche Beschreibung des Angebots enthielt einen Hinweis auf das beigelegte Heft Necronomicon 7 - im Untertitel Die Welt des phantastischen Buches. Treffer!
Solche Beihefte machen es dem Sammler schwer; wenn sie erhalten sind, werden sie nicht genannt - und erhalten sind sie selten. Allerdings handelt es sich hier um eine professionelle Produktion, bei den Mitarbeitern tauchen bekannte Namen wie Alfred Vejchar auf, von dem einige Kritiken zu Dick in Andromeda erschienen sind.
Helmut Magnana taucht gleichfalls andernorts im Science Fiction Milieu auf. Seine in dieser  Necronomicon erschienene Kritik erstreckt sich über eine dreiviertel Seite - und lässt kein gutes Haar am Buch. Der Autor zehrt vom Ruf seiner glänzenden Vergangenheit und die nicht enden wollende Langeweile macht das Buch nur bedingt lesbar. Interessant ist auch die Herleitung von Dick als Autor der unter dem gängigen Markenbegriff "Science Fiction" seine persönlichen Probleme reflektiert - und der nicht, wie die offenbar "richtige" Gruppe von Autoren "normale" Science Fiction schreibt - und sich dazu bekennt. Tatsächlich berührt das natürlich genau Dicks Situation, der ja - zumindest am Anfang seiner Karriere - durchaus Mainstream schreiben wollte, aber nicht durfte (bzw. verkaufen konnte). Später hat er sich dann - fast trotzig - zur Science Fiction bekannt und diesen Roman geschrieben.
Festzustellen bleibt, dass A Scanner Darkly, so der Originaltitel des erstmalig 1977 bei Doubleday erschienenen Buches, zu einem der besten Romane von Dick gezählt wird; die Zuschreibung zur Science Fiction aber wird in der Tat immer wieder angezweifelt. Dick hätte das wohl nichts ausgemacht.
Zu finden ist die Filmzeitschrift Vampir problemlos, auf die richtige Ausgabe muss man ggf. etwas warten. Man sollte vor dem Kauf jedoch sicherstellen, dass das Necronomicon Beiheft noch beiliegt.

Samstag, 1. Juli 2017

Meta, oder: Über das Sammeln

Philip K. Dick im Book and Magazine Collector May 1990
Book and Magazine Collector, May 1990 (#74)
mit einem Artikel über das Sammeln von
Erstausgaben von Philip K. Dick
Bei der Suche nach Sekundärliteratur zu Philip K. Dick in englischer Literatur finden sich auch einige Stücke, die sich mit dem Sammeln von Büchern von Philip K. Dick beschäftigen.
Ein Beispiel dafür ist die Mai-Ausgabe 1990 von Book and Magazine Collector. Der kundige Artikel Cult Sci-Fi Novelist Philip K. Dick von Mike Ashley erzählt auch einige Geschichten von Dicks Leben bzw. Tod, die auch dem Kenner neu sei dürften, etwas dass es nach Dicks Tod keine formale Identifikation gab. Ein kleiner Fehler unterläuft Ashley als er die erste gebundene Ausgabe von Martian Time-Slip, die deutsche Insel-Ausgabe, in das Jahr 1973 verlegt - eigentlich ist sie schon 1971 erschienen. Viele Details zu Ausgaben und speziellen Varianten, die der Autor nennt, sind aber selbst in Zeiten des Internets schwer zu finden. Für den interessierten Sammler lohnt sich allein dafür die Lektüre dieses bald 30 Jahr alten Artikels.
Richtig spannend ist aber der zweite ergänzende Artikel, die Complete US & UK Bibliography [... of first editions]- mit Preisen (Complete ist sie natürlich nur, wenn man die im Artikel angegebene Definition von first editions akzeptiert). Man kann dort in der Liste die heute legendäre Erstausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? von Doubleday (1968) finden, der Wert ist mit 150 Pfund angegeben. Rechnet man überschlagsmässig auf Basis von 1990 mit dem Umrechnungskurs von etwa 1,40 zum Euro und einer Preissteigerung von 60% (in Deutschland), so kommt man auf einen Wert von 350 Euro für das Jahr 2017. Zahlen tut man heute aber leicht das zehnfache. Bei anderen Ausgaben haben sich die Preise ähnlich entwickelt, Dick wäre also ein gutes Investment gewesen. Für die nächsten Jahrzehnte sollte man eine solche Preisentwicklung aber wohl nicht abermals erwarten. Ausserdem haben sich nur die schon damals teuren Exemplar entsprechend gesteigert, die günstigen Taschenbuchausgaben haben sich dagegen kaum besser als die allgemeine Preissteigerung entwickelt. Sonst wäre von Dick heute für den in seinen Ressourcen beschränkten Sammler fast gar nichts mehr zu bezahlen.
Die komplette Bibliographie der Erstausgaben der Romane von Philip K. Dick
 mit den historischen Preisen aus dem Jahr 1990, erschienen in Book and
Magazine Collector in der Ausgabe May 1990
Zusammengestellt wurde die Preisliste von Andy Richards of Cold Tonnage Books, einer guten Adresse, bei der man auch heute noch einiges zu Dick finden kann. Bedenken sollte man beim Blick auf die Preisliste, dass es 1990 eben noch kein Internet gab, in dem man jederzeit fast jedes Buch finden und kaufen konnte.
Andere Veröffentlichungen dieser Art sind der Artikel Collecting Philip K. Dick: So It Would Be Funny von James Blaylock (der Dick auch noch persönlich kannte) in Firsts vom Oktober 1994, einer Zeitschrift die sich The Book Collectors Magazine nennt. Weiterhin gibt es in der Zeitschrift Paperback Quarterly (Fall 1982, Volume 5 Number 3) zwei Artikel zum Sammeln von Dick. Dieses Magazin ist zwar im Original fast unfindbar, wird aber offenbar (mit neuer ISBN) nachgedruckt ("reprint"). Das macht zwar die Suche nach dem Original noch schwieriger, den vollen Zugriff auf dieses Material aber überhaupt möglich. Man würde sich das auch für andere, seltene Zeitschriften und Fanzines wünschen (z. B. die PKDS Newsletter), aber das ist wohl ökonomisch und juristisch kaum möglich.
Ausserdem findet sich gelegentlich ein undatierter Ken Lopez Book Sales Catalog zum Thema Philip K. Dick den man im Volltext auch bei Ken Lopez noch nachlesen kann. Von den 217 angebotenen Einzelstücken, vor allem den Manuskripten und Briefen, kann man als (finanziell beschränkter) Sammler heute nur träumen.
Im deutschsprachigen Raum finden sich übrigens keine Artikel dieser Art über Philip K. Dick.
Das Magazin Book and Magazine Collector vom Mai 1990 (# 74) lässt sich leicht und günstig finden, man kann durch intensive Recherche hauptsächlich beim Porto sparen. Ich konnte die gezeigte Ausgabe in der britischen Bucht fangen, musste den Versand nach Deutschland aber erst aushandeln.
Eine Übersicht über alle Artikel zum Sammeln findet sich hier im Blog.

Samstag, 17. Juni 2017

Noch mal Hebräisch

הצלם, die hebräische Ausgabe von Philip K. Dicks Roman
Simulacra, erschienen bei Massada (1980)
Wie beim Weintrinken, so bildet sich auch beim Sammeln (und Lesen) von Literatur der Geschmack erst mit der Zeit heraus (und man muss hinzufügen, dass, wie beim Wein, meist das Budget der Leidenschaft seine Grenzen setzt).
Obwohl schon das Sammeln von einer Übersetzung eines Buchs von Philip K. Dick in jeder verfügbaren Sprache bereits eine nicht ganz leichte Aufgabe ist, so hat die erste erschienene Übersetzung einen besonderen Reiz entwickelt. Ein Exemplar aus Israel findet sich ja schon in der Sammlung. Aber dem besonderen Reiz der Erstübersetzung konnte ich nicht widerstehen. Und so ist jetzt die hebräische Übersetzung von The Simulacra Teil der Sammlung. Die amerikanische Erstausgabe ist 1964 bei Ace herausgekommen. Die hebräische Ausgabe, הצלם, ist beim Verlag Massada in Ramat Gan als erste hebräische Übersetzung im Jahr 1980 erschienen.
Es gibt zwei deutsche Ausgaben des Romans, eine von 1978 bei Droemer-Knaur und eine in der Philip K. Dick Edition bei Heyne von 2005.
Israelische Ausgaben sind in Deutschland nur schwer zu bekommen. Es gibt gelegentlich Anbieter in der .com-Bucht, die aus Israel versenden und die günstige Versandbedingungen anbieten. Qualität und Preis des Buches sollte man aber genau prüfen.
Zum Roman The Simulacra kann man mehr auf auf der Philip K. Dick Fan Site nachlesen.
Eine List aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich in diesem Blog.

Samstag, 3. Juni 2017

Dick, Lem und Rottensteiner: Ubik

Wer sich im deutschen Sprachraum mit Philip K. Dick beschäftigt - oder irgendwie mit Science Fiction - der begegnet auch Franz Rottensteiner. Für mich verbindet sich der Name Rottensteiner mit dem Suhrkamp Verlag, wo er von 1980 bis 1998 die Buchreihe Die Phantastischen Romane betreute, in der auch Dicks Ubik erstmals 1977 auf Deutsch erschienen ist, sowie LSD-Astronauten (1971) und Mozart für Marsianer (1973). Die beiden letzteren waren vorher von Rottensteiner bereits in der Reihe Science Fiction der Welt bei Insel erschienen.
Der Widerstand der Materie. Ausgewählte Briefe, erschienen bei Parthas (2008), enthält einige Briefe von Stanislaw Lem an Philip K. Dick
Über die Korrespondenz zwischen Dick und Rottensteiner entsteht der Kontakt zwischen Dick und Stanislaw Lem. Am 29. Oktober 1971, im letzten Brief in The Selected Letters of Philip K. Dick, 1938-1971, schreibt er, dass Bruce Gillespie in Australien ihm mitgeteilt habe, dass Lem Interesse daran habe, Dicks Romane in Polen zu veröffentlichen. Er bittet Rottensteiner, der Lems Agent ist, den Kontakt herzustellen. Ausserdem fragt er nach dem deutschen Artikel Science Fiction - A Hopeless Case, with Exceptions über den Gillespie berichtet. Interessant dabei ist, dass der Artikel erst 1972 im Quarber Merkur 29 unter dem Titel Science-Fiction: ein hoffnungsloser Fall - mit Ausnahmen erscheint, Gillespie hat offenbar bereits ein Manuskript, das er später auch veröffentlicht. Dick fragt noch einmal am 31. Oktober 1972 bei Rottensteiner nach und schreibt erst am 4. September 1973 an Lem, dass er den Artikel nun endlich erhalten (und gelesen) hat - zwei Jahre nach der ersten Anfrage. Lem kritisiert hier die Qualität der US-amerikanisch dominierte Science Fiction und nennt explizit Dick als Ausnahme; dabei zählt er aber Do Androids Dream of Electric Sheep? zu Dicks schwächsten Werken, eine Beurteilung, die sich nicht durchgesetzt hat.
In den anderen Briefen im Austausch zwischen Dick und Lem - und teilweise Dicks Agenten in den USA und Rottensteiner - geht es hauptsächlich um die Zahlungsmodalitäten für die Rechte an Ubik. Da es scheinbar nicht möglich ist, Tantiemen in US-Dollar auszuzahlen, sondern nur in polnischen Zloty, schlägt Lem sehr detailliert vor, wie Dick mit den Zloty ein Flugticket nach Polen kaufen soll, dort verschiedene Auftritte absolvieren (die weitere Zloty bringen würden) und überhaupt das Geld umsetzen soll. Alle diese Pläne gehen aber nicht auf und Dick erhält am Ende wohl kein Geld oder eine andere Gegenleistung für die Veröffentlichung von Ubik in Polen.
Letztlich zerstreiten sich die beiden auch über die Tantiemen - und man muss wohl annehmen, dass Dick seinen Ärger über die Tantiemenregelung recht ungerecht auf Lem projiziert. In einem letzten Brief vom 9.7.74 beendet Lem die Korrespondenz mit Dick. Der schreibt am 2.9.74 dann einen Brief an das FBI über eine marxistische Verschwörung bei der Lem im Zentrum steht, aber auch Rottensteiner neben anderen mitwirkt. Lem äussert sich dazu auch in einem Statement in den Selected Letters.
Später wird sich auch Rottensteiner mit dem wohl nicht immer einfachen Lem zerstreiten.
Aufmerksam gemacht werden soll hier noch mal auf die Ausgewählten Briefe von Lem, die im Band Der Widerstand der Materie bei Parthas (2008) gesammelt sind. Enthalten sind immerhin vier Briefe an Dick (aber Rottensteiner, aus welchem Grund auch immer, auffällig ausklammern). Mit den Selected Letters ergibt sich ein interessantes Bild der Beziehung zwischen diesen beiden bekannten Autoren.
Die bibliographischen Details finden sich auf der Seite Dick und Lem (und Rottensteiner) in diesem Blog. Die deutschen Quellen lassen sich mehr oder (viel) weniger leicht finden. Die verschiedenen Essay-Bände von Suhrkamp bzw. Insel finden sich natürlich leicht, gut erhalten und sehr bezahlbar - wie immer bei Suhrkamp-Bänden dieser Jahre muss man darauf achten, Remittenden zu vermeiden. Sehr schwer bis nahezu unfindbar dagegen ist der Quarber Merkur 29 mit den deutschen Erstausgaben der beiden Essays von Dick zu finden, diesen sollte man ggf. in jeder Erhaltung erwerben: Man wird keine weitere Chance bekommen.

Samstag, 6. Mai 2017

Tschechisch

Blade Runner: Sní androidi o elektrických ovečkách?, die
tschechische Ausgabe von Träumen Roboter von elektrischen
Schafen? bzw. Blade Runner von Philip K. Dick, beim
"Hauptverlag" von Dick in Tschien, Argo (2013)
Ich konnte meinen Tschechischen Dick vor einigen Jahren in Prag erwerben. Es gab eine recht grosse Auswahl und so griff ich zu meinem Standardwerk bei Übersetzungen, dem Blade Runner bzw. natürlich Träumen Roboter von elektrischen Schafen? Dieses Buch gibt es in fast allen Sprachen, es gehört fast immer zu den übersetzen Werken von Philip K. Dick - natürlich wegen der Verfilmung, aber es ist auch ein guter Roman.
Das erste Buch von Philip K. Dick in tschechischer Sprache ist offenbar Povídky, eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten und Sekundärliteratur  - "in seiner Zeit war es eine einzigartige Informationsquelle für die tschechischen Leser" heisst es auf einer Fan-Seite. Dieses Buch (oder Heft?) ist eigentümlich, weil es als Fanbuch bezeichnet wird, es hat wohl keine ISBN und reguläre Bibliotheken weisen es heute nicht nach. Es wird auch als Samisdat bezeichnet, also im Selbstverlag. Als Verlag wird SFK Laser genannt, ebenso wie beim zweiten Buch, Muž z Vysokého zámku, auf Deutsch Das Orakel vom Berge. Man kann vermuten, dass diese Bücher in den Wirren der Samtenen Revolution herausgekommen sind - über die Rechtesituation wird man nicht viel nachgedacht haben - oder war vielleicht Paul Williams, der damals wohl die Rechte verwaltet hat, in dieser Situation grosszügig?
Das Orakel vom Berge war 1992 bei Laser auch das erstes reguläres Buch.
Erwähnt werden sollte noch, dass die erste Veröffentlichung von Dick überhaupt offenbar zwei Kurzgeschichten in Světová literatura 1984, Ausgabe 2 waren, Die Kriecher (The Crawlers) und
Erinnerungen en gros (We Can Remember It For You Wholesale).
Im Katalog sind derzeit 43 tschechische Ausgaben von Dick, das sind 24 seiner SF-Romane in unterschiedlichen Ausgaben, sieben Anthologien und ein Mainstream-Roman.
Einen separaten Blogeintrag verdient, denke ich, die einzige slowakische Ausgabe von Dick - mehr dazu also später an dieser Stelle.
Wenn man Prag nicht selbst besuchen möchte, findet sich auf tschechischen Seiten ein grosses Angebot, auch die oben genannten Povídky sind erstaunlich leicht und günstig zu finden, anderes aber auch weniger leicht. Ein Versand nach Deutschland scheint problemlos möglich zu sein, für den Sammler stellen sich hier keine ganz grossen Probleme. Man sollte aber überlegen, ob man nicht in slowakischen Antiquariaten (.sk) sucht, die natürlich auch reichhaltig tschechische Literatur bereithalten - und mit denen dank Euro der Zahlungsverkehr einfacher (bzw. deutlich billiger) sein sollte.
Zusätzlich zur oben genannten Fan-Seite ist auch noch ein weiterer Katalog mit einem ausführlichen Dick-Katalog, der auch über 2005 hinausgeht, erwähnenswert.

Samstag, 29. April 2017

Transformationen

Philip K. Dick hat bei seiner Arbeit als Autor in grossem Masse eigene Ideen immer wieder aufgegriffen und in verschiedener Form neu verwendet. Das ist natürlich auf der Ebene der grundsätzlichen Themen, der Frage nach Realität, dem dunkelhaarigen Mädchen und einigen weiteren Themen passiert, aber auch konkreter bei Kurzgeschichten, die er häufig aufgegriffen hat und zu Romanen erweitert hat. So ist die Kurzgeschichte Zur Zeit der Perky Pat eine Grundlage für den Roman Die drei Stigmata des Palmer Eldritch.
A. Lincoln, Simulacrum, Teil 1 von 2 in Amazing, November 1969 (links) und Cantata 140 in The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Juli 1964 (rechts), beide sind später als Roman in Buchform veröffentlicht; die Hefte sind zwar gestempelt, aber sonst in sehr gutem Zustand - erstklassig erhaltene Pulps sind (besonders in Deutschland) selten und teuer
Über diese eher kreativen Transformationen hinaus, gab es auch ökonomisch bedingte Verwandlungen: Einige von Dicks Romanen sind zunächst - teilweise auch als Fortsetzungen - in Groschenheften erschienen und erst später - mehr oder weniger (sorgfältig) überarbeitet - in Buchform.

Sieben von Dicks Romanen wurden zuerst in Magazinen veröffentlicht und dabei teilweise in mehreren Teilen serialisiert:
  1. The Cosmic Puppets, zunächst als A Glass of Darkness in der Ausgabe 12/1956 des SF-Magazins Satellite erschienen, dann bei Ace 1957; in Deutschland einmalig in Uwe Antons Kosmische Puppen und andere Lebensformen bei Heyne (1986)
  2. The Crack in Space, erst als Cantata 140 in The Magazine of Fantasy and Science Fiction, Juli 1964, Erstveröffentlichung als Roman bei Ace 1966, neuerdings bei Gollancz auch wieder unter dem Titel Cantata-140 (aber jetzt mit Bindestrich), aber mit dem Textkörper des Romans, nicht der Novelle; in Deutschland bisher einmalig als Das Jahr der Krisen bei Moewig (1982)
  3. Der unteleportierte Mann
  4. The Unteleported Man, mit der wohl buntestens Veröffentlichungsgeschichte, zunächst in der Dezember-Ausgabe des Magazins Fantastic von 1964 erschienen, dann 1966 bei Ace und erst 1983 bei Berkley in einer erweiterten (aber unvollständigen) Fassung herausgekommen und seit 1984 in vollständiger Form unter dem Titel Lies, Inc.; in Deutschland hat es Karl Ulrich Burgdorf (sic.) für Moewig (1984) mit dem Titel Der unteleportierte Mann übersetzt. Burgdorf hat auch das Vorwort mitverfasst und er hat später wohl über dieses Buch in seinem Fanzine geschrieben,  wie in diesem Blog bereits berichtet wurde
  5. Martian Time-Slip, serialisiert erschienen in Worlds of Tomorrow, in den Ausgaben August, Oktober und Dezember des Jahres 1963 als All We Marsmen, in Buchform bei Ballantine (1964); 1973 bei Insel unter dem Titel Mozart für Marsianer, später dann bei Heyne mit einem Titel der näher am Original ist, Marsianischer Zeitsturz
  6. A. Lincoln, Simulacrum wurde erst ab 1969 in zwei Teilen in Amazing veröffentlicht - in den Ausgaben November und Januar 1970, und als Buch 1972 bei DAW unter dem Titel We Can Build You; in Deutschland mit dem Titel Die rebellischen Roboter bei Goldmann (1972) herausgekommen und später noch einmal in der Edition bei Heyne (2007)
  7. Vulcan's Hammer ist zunächst in Kurzform 1956 in Future Science Fiction #29 erschienen, dann als Roman 1960 als Ace Double und in Deutschland in gekürzter Form in der Terra SF Reihe (1965), dazu findest sich schon dies und das in diesem Blog. Der Originaltext der Novelle findet sich auch noch einmal in der Anthologie 6 and the Silent Scream bei Belmont (1963)
  8. The Zap Gun wurde in zwei Teilen als Project Plowshare in Worlds of Tomorrow (11/1965 und 1/1966) erstveröffentlicht, auf Deutsch in nur einer Ausgabe als Das Labyrinth der Ratten bei Goldmann (1979).
In Deutschland ist keiner der genannten Romane in seiner ursprünglichen Form erschienen, vielleicht mit Ausnahme des unteleportierten Mannes. Auch in den USA sind die ursprünglichen Texte - mit nur einer Ausnahme - nie wieder publiziert worden. Dem literarisch interessierten Sammler und Leser bietet sich hier ein Betätigungsfeld, denn ausser ausführlichen Vergleichen der verschiedenen Versionen des Romans Der unteleportierte Mann ist über die verschiedenen Versionen der anderen Romane wohl noch nichts publiziert, zumindest nicht auf Deutsch.
Für den Sammler von (englischen) Erstausgaben sind diese Magazine unbedingt Teil der Sammlung; ist man eher auf die Erstausgaben der Kurzgeschichten spezialisiert, muss man sich entscheiden, ob diese Novellen, die ja auch keinen Einzug in die Collected Stories gefunden haben, dazugehören. Für die deutschen Ausgaben ist auffällig, wie viele Einzelausgaben sich unter den genannten Romanen befinden. Man mag vermuten, dass es letztlich doch eine Korrelation von Magazinausgabe und Qualität gibt, wobei Marsianischer Zeitsturz einer von Dicks besten Romanen ist.

Samstag, 22. April 2017

Sieben auf einen Streich

Die erste professionelle Veröffentlichung von Philip K. Dick war Beyond Lies the Wub (Und jenseits - das Wobb) in der Juli-Ausgabe von Planet Stories im Jahre 1952. Allein in den nächsten fünf Jahren folgten mehr als 70 weitere Kurzgeschichten in Planet Stories und ähnlichen Groschenmagazinen wie Galaxy, Imagination, The Magazine of Fantasy and Science Fiction und The Worlds of Tomorrow. Insgesamt sind dann, mit abnehmender Frequenz, über 100 Kurzgeschichten in Heften dieser Art erschienen. Dick schrieb dann zunehmend Romane, sicher auch aus finanziellen Gründen. (Es gibt einige frühere Veröffentlichungen im Young Authors' Club der Lokalzeitung über die in diesem Blog auch schon berichtet wurde.)
Sieben Hefte aus einer Sammelbestellung: Amazing, Galaxy, Imagination und Worlds of Tomorrow, in denen Dick zahlreiche Kurzgeschichten veröffenlich hat und das kurzlebige Science Fiction Adventures mit nur einer Geschichte; über die Jahre sind in diesen Magazinen auch Reviews von Werken Dicks erschienen; Imagination February 1953, hier ganz links, enthält zusätzlich Introducing the Author - Philip K. Dick, eine kurzes biographisches Statement von Dick selbst
Für den interessierten Leser sind diese Kurzgeschichten in dieser grossen Zahl von Heften kaum zu finden, daher ist es ein grosses Glück, dass 1987 bei Underwood-Miller The Collected Stories of Philip K. Dick erschienen sind. Diese sind als Sammlerstück leicht zu finden, aber teuer zu bezahlen, werden aber auch regelmässig von verschiedenen Verlagen nachgedruckt und sind daher leicht und günstig erhältlich.
Planet Stories July 1952 enthält Beyond Lies the
Wub
, die erste Veröffentlichung von Philip K. Dick,
ein meist nur etwas teurer zu findendes Exemplar
Dem Sammler bieten diese über mehr als 100 Hefte verstreuten Kurzgeschichten natürlich ein attraktives Sammelgebiet. Da diese sogenannten Pulps intensiv gesammelt werden - wohl nicht zuletzt auch wegen der bunten Umschlagbilder - ist das Angebot durchaus vorhanden. Tatsächlich sind diese Hefte auch durchaus zu finden und absolut erschwinglich. Die Angebotspreise schwanken aber erheblich, so dass man durchaus auf lohnende Angebote warten sollte - oder sich zumindest einen Überblick über den Markt verschaffen sollte. Genauso wichtig und genauso schwanken ist auch die Qualität der Angebote - häufig wurden diese von ihren oft jugendlichen Besitzern zwar sorgsam verwahrt, aber nicht immer auch sorgsam behandelt. Das namens gebende billige Papier, Pulp eben, hat auch nicht geholfen. Ein leicht beschädigter Rücken, Stempel und kleinere Flecken oder dezente Wasserschäden gehören also auch bei den besseren Exemplaren durchaus dazu.
Da diese US-amerikanischen Hefte in Deutschland nur sehr selten angeboten werden, kommt für den deutschen Sammler noch die Portomauer hinzu. Die üblichen Strategien diese zu überwinden funktionieren auch hier: Sammelbestellungen und Grossbritannien. Mir ist jetzt eine Sammelbestellung in Grossbritannien gelungen, so etwas wird aber zunehmend schwerer mit jedem neuen Heft in der Sammlung: Die meisten Anbieter haben nur wenige interessante Hefte zu akzeptablen Preisen. Bei Heften aus Grossbritannien muss man zudem aufpassen, ob man nicht eine britische Ausgabe erwischt - einige der Hefte sind dort auch in abweichenden Ausgaben erschienen (was aber deren Sammelbarkeit keinen Abbruch tut).
Einzelne Hefte stellen sich mit der Zeit als selten und/oder teuer heraus. Gerade das oben genannte Heft Planet Stories July 1952 ist praktisch nur für einen deutlich höheren Preis zu bekommen als andere Ausgaben der Reihe - ich vermute eben genau weil es die erste Veröffentlichung von Dick enthält. Daher habe auch ich für dieses eine Heft mehr bezahlen müssen als für die sieben oben gezeigten Exemplare, aber es ist in jeder Dick-Sammlung unvermeidlich.