Samstag, 17. November 2018

Noch mehr Festival ...

Nach dem etwas allgemeineren Eintrag in der vergangenen Woche, möchte ich nun eine Auswahl der in diesem Jahr auf dem Annual Philp K. Dick Film Festival in Köln gezeigten Filme etwas genauer vorstellen und einige persönliche Eindrücke schildern.
Imagionation, Februar 1953
Die einzige Verfilmung einer Kurzgeschichte von Dick selbst ist The Pipers des Regisseur Ammar Quteineh aus dem Jahr 2013. Qutheineh hat das Drehbuch nach einer der frühen Kurzgeschichten aus den Jahr 1953 geschrieben,  Piper in the Woods, die (zumindest in den USA) zu den rund 30 Kurzgeschichten zählt, die wohl Gemeingut sind und die man daher hier legal nachlesen darf. Man darf annehmen, dass diese Kurzgeschichte auch deshalb gewählt wurde, weil sie nicht vom Trust lizensiert werden musste (und man darf weiter spekulieren, dass das für eine Produktion, die man wohl nicht uneingeschränkt als grosses Hollywoodkino bezeichnen würde, schwierig geworden wäre). Die Erstveröffentlichung der Geschichte war in der Februar-Ausgabe von Imagination, auf Deutsch Pfeifer im Wald, das in Deutschland nur im Rahmen der Sämtlichen Erzählungen bei Haffmans bzw. Zweitausendeins in Und jenseits - das Wobb veröffentlicht ist.
Bemerkenswert ist, dass der Film sich recht nah an die Kurzgeschichte von Dick hält. Naturgemäss ist diese Verfilmung vo n anderer Art als die Spielfilme Blade Runner und Minority Report, der nicht vorhandene Hochglanz passt aber, wie ich finde, unmittelbar zu Dick. Sehr sehenswert.
Am anderen Ende des Spektrums findet sich Brainbloodvolume des Regisseurs John M. Carter. Die für empfindliche Menschen vielleicht schwer anzusehende Selbsttrepanation zur Bewusstseinserweiterung stellt den entscheidenden Moment im Leben eines Menschen dar, der sich dazu entschliesst, seinen Schädel mit einem Handbohrer zu öffnen. Nachdem Carter in der Diskussion erklärt hat, dass dieser Film auf dem holländische Bibliothekar Bart Huges beruht, der das 1965 sogar mit Bildern dokumentieren lassen hat (an denen sich Carter bei seiner Verfilmung orientieren konnte), hat sich die Wirkung des Films auf mich deutlich geändert. War es vorher ein bizarrer Film, ist es jetzt ein - dabei sehr eindrucksvoller und ausdrucksvoller - Film über ein bizarres Ereignis. Der Kontext spielt eben auch in der Kunst eine Rolle. Einen guten Eindruck zum Stil dieses in Schwarz-weiss produzierten Films gibt der Teaser Trailer auf YouTube.
Das Programm des Festivals: Zwei Tage mit jeweils zwei Themenblöcken
Instant Realities vom ebenfalls anwesenden Andreas Simon findet sich jetzt auch bei Amazon - versprochen hat der Regisseur weitere Folgen dort, ich habe das auf meiner Watchlist. Für mich war Instant Realities sicher ein Film, dessen Bildwelten auf Dick verweisen - man denkt an die Verwirrtheit des Protagonisten in Ubik oder Eine andere Welt.
Die Galerie der vergessenen Berufe ist eine Drittmittel-Auftragsproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg, d. h. eine studentische Arbeit, die uneingeschränkt das Niveau der anderen Produktionen erreicht. Regisseur Willi Kubica und die für die Produktion verantwortliche Julia Deumling haben über Finanzierung und Intention des Films berichtet, der die Verdrängung menschlicher Arbeitsplätze durch Computer und künstliche Intelligenz thematisiert. Das Drehbuch, ebenfalls von Kubica, könnte nach einer Geschichte von Dick sein, die dieser nie geschrieben hat, gerade der Handlungswechsel am Ende. Erwähnen sollte man in diesem Blog auch noch die Tongestaltung, die sicher von letztjährigen Blade Runner 2049 inspiriert war. Der Trailer findet sich auf YouTube. Anschauen!
Thomas Köhlings Film Erster Tag Kosmos beschreibt die Begegnung von alten zwei Freunden, einer Pfleger, der andere Patient. Köhling hat hier seine Erfahrungen im Umgang mit psychisch Kranken mit eindrucksvollen Bildern verarbeitet: Die anfängliche Fahrt vor dem Sternenhimmel bleibt in Erinnerung. Eindrucksvoll hat er im persönlichen Gespräch auch geschildert, welche Probleme ein junger Filmemacher überwinden muss und welchen Aufwand zu treiben ist.
Als letzten Film möchte ich noch The Very Near Future von Sebastian Egert herausgreifen, den man auch bei Vimeo findet. Das Motiv der Überwachung zu unserem Besten ist natürlich nicht neu. Wirklich phildickian wird der Film aber, weil die KI eben nicht unpersönlich überwacht und eingreift, sondern Gefühle zeigt und schliesslich mit den Worten I will probably be gone in a few minutes auch Persönlichkeit ausdrückt. Das erinnert an das Verhalten der Tür gegenüber Joe Chip in Ubik (man lese dazu auch Tom Armitages sehr passenden Artikel Joe Chip’s problem was never his door). 
Natürlich gab es noch viele andere Filme, der eröffnende Film Shelter bleibt mir sicher im Gedächnis, das fröhliche Attack of the Cyber Octopuses, Metta Via mit seiner Ästhetik, die sicher von Moebius inspiriert ist (sei es direkt oder indirekt durch Blade Runner) und die vielen anderen Filme.
Das originale Filmplakat des 5. European PhilipK. Dick Film
Festivals
 in seinem neuen Heim
Dass einige der Filme sich auch im Internet finden lassen, mindert keinesfalls den Wert dieser Veranstaltung. Natürlich ist das Filmerlebnis in einem Kinosaal ein anderes, grösseres, das gilt um so mehr bei Kurzfilmen, denen es durchaus gut tut, sie ohne Ablenkung in einem dunklen Raum zu sehen. Und das Erlebnis mit anderen Interessierten in diesem Rahmen teilen zu können, ist natürlich Teil eines Festival. Und schliesslich ist die Auswahl der Filme bei diesem Filmfestival natürlich sorgfältig kuratiert und die Zusammenstellung und Abfolge macht ja den grössten Wert aus.
Was habe ich nun mitgenommen? Als Büchersammler habe ich dem Medium vielleicht zu wenig Wert beigemessen - aber die Erfahrung einen Film (oder viele) in einem Kinosaal zu sehen, lässt sich eben nicht einfach in einem Regal sammeln. Ich werde sicher die Verfilmungen noch einmal ansehen, einiges habe ich, anderes fehlt (noch): Man hat mir Total Recall (die erste Verfilmung) ans Herz gelegt, ein Film den ich sehr, sehr lange nicht gesehen habe.
Mitgenommen habe ich auch eines der wenigen Filmplakate, das mir einer der Mitwirkenden überlassen hat, mein grosser Dank an Thomas. Das Plakat hat schon einen prominenten Platz gefunden!
Und natürlich noch mal mein Dank an alle, die ich treffen und mit denen ich mich austauschen konnte. Und mit dem nächsten Blogeintrag mehr zum Thema Film.

Samstag, 10. November 2018

The Fifth Annual Philp K. Dick Film Festival

Nach einigen vergeblichen Anläufen habe ich es dieses Jahr endlich geschafft, beim European Philip K. Dick Film Festival in Köln dabei zu sein, ein Erlebnis, das ich nicht bereue.
Das wunderschöne Filmplakat zum European Philip K. Dick Science 
Fiction Film Festival - Colone am Kino 813 in der BRÜCKE
Schon in der vorigen Woche, am 1. und 2. November, fand die deutsche Ausprägung des European Philip K. Dick Festivals im Rahmen von zweimal zwei Abendveranstaltungen in Köln statt. In der Woche davor, am 25. und 26. Oktober, hat die französische Variante, das Festival de Science-fiction Philip K. Dick à Lille, stattgefunden. Diese europäische Variante der US-amerikanischen Veranstaltung hat 2013 ihren Anfang in Lille gefunden - natürlich in Frankreich, denn dort liebt man Philip K. Dick. Der Kölner Filmclub 813 hat sich jetzt zum dritten mal hier in Deutschland diesem Film Festival angenommen. Auch in Rotterdam und in Łódź haben in den vergangenen Jahren Veranstaltungen stattgefunden.
In den USA findet das Festival seit 2012 (fast) jährlich statt, deshalb sind wir dort jetzt beim sechsten Festival. Die Webseite des Festivals wendet sich schon dem nächsten Jahr zu, wenn das siebte Festival in Santa Ana stattfinden wird, dem Ort, an dem Dick die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte.
Im Kino 813 in der Brücke  wurden dann an zwei Abenden fast dreissig Kurzfilme gezeigt, die sich mehr oder auch viel weniger mit Dicks Motiven beschäftigt haben.
Dan Abella, der amerikanische Gründer und Director des Festivals hat gemeinsam mit dem lokalen Veranstalter Tobias Schmücking vom Kölner Filmclub 813 die Zuschauer zu jedem Block begrüsst und eine kurze Einführung in Leben und Werk von Philip K. Dick gegeben und über die Bedeutung und Ziele des Film Festival gesprochen.
Tatsächlich waren dann, wie angekündigt, relativ viele Filme auf Deutsch. Einige der Filmemacher waren auch anwesend, naturgemäss überwiegend die Deutschen. Diese konnten nach jedem Block über ihre Filme reden und eine kurze und trotzdem faszinierende Diskussion mit Fragen aus dem Publikum war möglich.
Einige der Filme konnte ich nicht mit Dick in Verbindung bringen, alle Filme zusammen aber haben ein schönes Gesamtbild ergeben, das sich durchaus nach Philip K. Dick nennen darf. Eine kleine Auswahl der Filme werde ich in diesem Blog in einem zweiten Eintrag in der nächsten Woche betrachten.
Mein Gesamturteil: Sehr grosse Vorfreude auf das nächste Jahr! Und der kaum erfüllbare Wunsch, es vielleicht im Frühjahr nach Santa Ana zu schaffen. Für den Sammler hat diese Veranstaltung zwar zunächst wenig zu bieten, selbst das Ticket war zum Selbstausdrucken. Aber so kann man einfach nur geniessen und die harte Wirklichkeit des Sammelns für einen flüchtigen Augenblick hinter sich lassen. Und schliesslich hat sich doch noch etwas ergeben ... aber auch dazu in der nächsten Woche mehr.
Und natürlich ein grosser Dank an Dan, Tobias, Thomas, John, Willi und alle anderen für die zwei wunderbaren Abende mit euch!

Samstag, 27. Oktober 2018

Paul William in NRW

Zwei Objekt, die ich nur der Sorgfalt meines Antiquariats verdanke, sind zwei Ausgaben des Fantastischen Forums. Diese Hauszeitschrift des Aktionskreises Fantastik erscheint von 1990 bis mindestens zur Nummer 17 im Jahre 1998. Im Format A5 wirkt sie wie ein besseres Fanzine, die Beiträge heben sich in der Qualität aber unbedingt von denen der Egozines der Zeit ab. So enthält Ausgabe 5 von 1991 Beiträge von Erik Simon, u. a. bekannt als Strugatzki-Kenner und Übersetzer, und dem britischen Science Fiction Schriftsteller Ian Watson.
Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, eine Beilage des
Fantastischen Forums 5 von 1991
Wirklich spannend für den Sammler von Philip K. Dick ist aber das der Nummer 5 beigelegte aufwändige Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW in Düsseldorf im Jahr 1991. Es enthält das Essay Das Leben eines SF-Schriftstellers von Philip K. Dick, im Original Tips for a Beginning Writer von 1964 und den Text Philip K. Dick ist seit zehn Jahren tot. Was höchst bedauerlich ist! von Paul Williams. Dieser letzte Text ist wohl nicht auf Englisch erschienen. Die Tips sind unter verschiedenen Titeln erschienen, ungekürzt wohl nur in der PKDS Newsletter 26 (1991) unter dem Titel The Life of an S-F Writer - und hier auf Deutsch. Gekürzt ist der Text 1964 im Fanzine Galactic Outpost in der Nummer #3 (Sommer) erschienen, auch wenn Williams in der Einführung meint, es wäre die #2 (Frühjahr); diese deutlich gekürzte Fassung ist auch in PKD Otaku #33 nachgedruckt.
Diese Beiträge erklären sich dadurch, dass Paul Williams Teilnehmer der 4. Science Fiction Tage in NRW war und dort über Dick vorgetragen  und die Artikel wohl mitgebracht hat. Enthalten ist deshalb auch der Artikel Über Paul Williams (und Philip K. Dick), ein Autor ist nicht genannt. Dort steht über Williams Mitwirken an den SF-Tagen:
Paul Williams wird auf den 4. Science Fiction-Tagen über Dicks Faszination von Deutschland und der deutschen Sprache reden, die er während Dicks High School-Zeit begann und sein Leben und Bücher in manch überraschender Weise beeinflusste. Er wird ebenfalls an einem Panel teilnehmen und sein Bestes geben, um Fragen über Dick zu beantworten. Es ist schade, daß Philip K. Dick nicht mehr unter uns ist, um auf dieser Convention zu sein, aber Paul Williams wird tun, was er kann, um Dicks Geheimnis ein wenig zu lüften.
Der Text lässt vermuten, dass Williams ihn selbst geschrieben hat. Der Verweis Dicks Beziehung zu Deutschland ist spannend und es ist mehr als schade, dass der Vortrag wohl komplett verloren gegangen ist. Man kann vermuten, dass er auf Williams unveröffentlichtem Manuskript Philip K. Dick's Romance with Germany basiert.
Erstaunlicherweise lassen sich einige Nummern des Fantastischen Forums noch erwerben - für sehr wenig Geld beim erwähnten Antiquariat, Twilight Books. Hier wurden diese beiden Ausgaben nämlich mit dem Schlagwort Philip K. Dick angeboten, ich hätte sie sonst nie finden können. Es finden sich nämlich sonst im Internet oder der mir verfügbaren Literatur keine Spuren von diesen Veröffentlichungen und daher auch keine Verweise auf die drei Beiträge von und zu Dick bzw. Williams. Ich frage mich, wie viel Spannendes von Dick mir wohl entgeht und beklage hier wieder einmal die Bedrohung und mutmasslich auch den Massenverlust von Szene-Veröffentlichungen dieser Art, das spurlose Verschwinden unendlich vieler Ausgaben Fanzines, Egozines, und Clubzeitschriften mit grossenteils einmaligen Veröffentlichungen. Ich sehe hier fast keine Rettungsaktivitäten.
Der Web-Tipp ist dieses mal der Treffpunkt Phantastik, ein kluger und aktueller Blog, der sich als Tummelplatz deutschsprachiger Sekundärliteratur zur phantastischen Literatur sieht und der auch gelegentlich Fanzines et al. behandelt. Philip K. Dick kommt (fast) nicht vor, das ist wohl ein Hinweis darauf, dass es wenig deutschsprachige Sekundärliteratur über ihm gibt.
Die bibliographischen Details zu den Artikel oben finden sich auf den Seiten Essays und anderes (nach Quelle) und Sekundärliteratur nach Autoren hier im Blog. Und mehr zur Ausgabe 6 des Fantastischen Forums im nächsten Blogeintrag.

Samstag, 20. Oktober 2018

Bibliographien

In den Zeiten vor dem Internet war der Aufbau einer Sammlung in vielen Belangen weitaus schwieriger. Schon der Aufbau eines Katalogs war aufwändig und kompliziert. Für die eigene Sammlung musste er mühsam und langwierig aufgebaut werden, mit Hilfe von Informationen aus veröffentlichten Büchern, öffentlichen Bibliotheken und Buchhandlungen, wobei letztere allerdings ihre Kataloge lieferbarer Bücher als Betriebsgeheimnis lieber geheim gehalten haben und der Wunsch auf Einblick meist empört abgelehnt wurde - als quasi-Monopolist durch Preisbindung konnte man sich das leisten (... so ändern sich die Zeiten).
Philip Kindred Dick - Metaphysical Conjurer (1995)
Seltener noch war Sekundärliteratur zum Thema, weil sie in der Regel noch schwieriger zu finden war.
Im englischen Sprachraum gab es schon 1981 eine erste selbstständige Bibliographie zu Philip K. Dick von Daniel J. H. Levack: PKD: A Philip K. Dick Bibliography, aufwändig bebildert erschienen bei Underwood-Miller, wo später erst die legendären Collected Stories und dann die so wichtigen Selected Letters erschienen sind. Einzigartig ist diese Bibliographie, weil Dick selbst daran mitgearbeitet hat. Und weil dieses Buch natürlich ein Liebhaberstück ist, gibt es die Auflage von 1100 Exemplaren auch in diversen Varianten, mit rotem und grünen Cover, Soft- und Hardcover, und auch einige (200 oder 233) signiert. Und natürlich ist diese Bibliographie damit selbst ein attraktives und teilweise teures Sammlerstück geworden.
Ein ähnliches Werk ist das zuerst 1986 herausgegeben von Gordon Benson Jr. und in späteren Auflagen gemeinsam mit Phil Stephensen-Payne in zwei Bänden herausgegebene Philip Kindred Dick: A Working Bibliographywobei der zweite Band die sonst weniger beachtete Sekundärliteratur katalogisiert. Ebenfalls rein bibliographisch ist Christopher P. Stephens' A Checklist of Philip K. Dick von 1993, das im Rahmen einer umfangreichen Reihe über verschiedene Autoren herausgekommen ist.
Die beiden Bände von Precious Artifacts, zwei reine Bibliographien
der Werke von Philip K. Dick, erschienen bei Wide Books (2012/2014)
Der neueste Vertreter dieser Reihe ist Precious Artifacts von Wide Books (2012, 2014), das in zwei Bänden und auch aufwändig bebildert, alle Ausgaben der Romane bzw. Kurzgeschichten listet. David Hyde und Henri Wintz publizieren hier in ihrem eigens für Publikationen über Philip K. Dick gegründeten Verlag die bibliophile Erweiterung von The Philip K. Dick Bookshelf. Beide Bände sind in begrenzter Auflage als Hardcover und (unbegrenzt) als Print-on-Demand erschienen, die Hardcovers sind nur noch (selten) antiquarisch erhältlich und selbst Sammlerstücke. Ähnliche Werke für andere Sprachen sind bei Wide Books im Gespräch, eine deutsche Ausgabe wäre sicher mehr als spannend - man muss sich aber die traurige Frage stellen, ob es dafür einen (ausreichenden) Markt gibt. Der Autor dieses Blogs wäre natürlich dabei!
David Hyde hat als Lord RC bereits 2006 das für jeden Sammler unverzichtbare Pink Beam: A Philip K. Dick Companion veröffentlicht, das über eine rein bibliographische Aufzählung hinausgeht und die Publikationsgeschichten auch der sehr frühen Werken genau untersucht.
Erwähnt werden können hier noch zwei verwandte Werke, Andrew M. Butlers Philip K. Dick und Kim Stanley Robinsons The Novels of Philip K. Dick. Beide beschäftigen sich mit umfassend mit den Romanen, aber nur sehr am Rande mit bibliographischen Details. Bemerkenswert ist, dass Robinsons Werk auch als deutsche Übersetzung Die Romane des Philip K. Dick als Taschenbuch bei Shayol (2005) herausgekommen ist.
Ebenfalls (auch) auf Deutsch ist ein Werk, das sich einer Klassifikation entzieht und sicher nicht bibliographisch ist, trotzdem (irgendwie) in diesen Blogeintrag gehört: Appendix Dick von Tommi Bremm - und wer dieses sensationelle Buch nicht kennt, lese hier.
Lässt man Robinsons und Bremms Bücher, die einen durchaus anderen Charakter haben, zur Seite, so gibt es keine selbstständige deutschen Bibliographie, auch in anderen Sprachen konnte ich nichts entdecken.
Es gibt einige unselbstständige Bibliographien, die auch deutsche Veröffentlichungen umfassen. Jenseits allgemeiner Lexika, die meist gewisse bibliographische Informationen enthalten, sind wohl Uwe Antons Beiträge die umfassendsten. Mit der Dick-Bibliographie in den Materialen (1976) und in der Science Fiction Times (06/1984) bereitet er dann den umfassenden Eintrag im seltenen Entropie und Hoffnung, Tilsner (1993), vor. Kapitel 11 ist eine Auflistung deutscher und englischer Ausgaben und von Sekundärliteratur und erreicht mit 50 Seiten leicht den Umfang der selbstständigen angelsächsischen Veröffentlichungen.
Heute ist der grosse Nutzen reiner Bibliographien kaum noch zu verstehen, früher waren sie sehr wertvolle Hilfen, auch für Fans und Sammler. Aber auch heute enthalten diese Werke, auch die älteren, Informationen, die sich im Internet gar nicht oder nur sehr schwer und weit verstreut finden lassen. Die meisten dieser Werke sind schwer zu finden oder teuer - oder auch beides. Selbst die deutsche Ausgabe von Shayol scheint selten geworden zu sein. Einfach sind nur noch die verschiedenen Print-on-Demand-Ausgaben zu finden, die zwar weniger sammelbar sind, aber trotzdem Platz in jeder Sammlung finden sollten.
Ein netter Blog "nebenan" ist Popturf, dessen Idee es ist pop cultur location from movie, literature, tv & more zu beschreiben. Und natürlich konnte auch unser Phil einem (sehr umfangreichen) Eintrag nicht entkommen. Unbedingt guckenswert.
Eine Bibliographie der Bibliographien, die des öfteren selbst in verschiedenen Auflagen und Ausgaben erschienen sind, findet sich - natürlich - auch in diesem Blog.

Samstag, 13. Oktober 2018

Noch mehr Pinguine

Tux, hier nur zu Besuch
Penguin hat sich seit dem letzten Blogeintrag darüber zu einem Schwerpunkt in der Sammlung entwickelt, vielleicht, weil die Portomauer nach UK nicht so hoch ist und bestimmt auch, weil es bei Penguin so viele Ausgaben zu einem Schwerpunkt meiner Sammlung, The Man in the High Castle, gibt.
Die letzte Ausgabe von Penguin (2015) von
The Man in the High Castle
Der aktuelle Zugang zum Thema war auch wieder eine britische Ausgabe von Das Orakel vom Berge. Diese neueste Ausgabe, auch schon von 2015, bezieht sich mit dem Cover direkt auf die Serie von Amazon. Man sieht Juliana mit der Filmrolle und im Hintergrund den Obergruppenführer John Smith als drohende Gestalt. Sowohl Filmrolle als auch John Smith sind Elemente, die es im Roman nicht gibt. Und eine Angabe, wer das Cover gestaltet hat, gibt uns Penguin auch nicht.
The Man in the High Castle mit Cover von Cleon Peterson
Penguin (2014) mit dem
Cover von Cleon Peterson
und dem Zusatz NOW AN
AMAZON ORIGINAL
SERIES
In jedem Fall hat Penguin mit dieser neunten Ausgabe des Romans seinen Rekord ausgebaut - kein anderer Verlag hat so viele Ausgaben des selben Romans von Philip K. Dick herausgebracht, wie Penguin The Man in the High Castle.
Ein Grund für diese letzte Ausgabe ist natürlich die Serie von Amazon. Im Jahr vorher, 2014, gab es bereits eine neue Ausgabe, zumindest eine Ausgabe mit einem neuen Cover von Cleon Peterson. Ursprünglich hatte diese Ausgabe wohl keinen Bezug zur Serie, der wurde dann aber wohl durch die Überschrift NOW AN AMAZON ORIGINAL SERIES kurzfristig dezent hinzugefügt, wie das Bild hier zeigt. Das Original, ohne diesen Blurb, kann man in einem Blogeintrag bei It's Nice That sehen und ein wenig darüber lesen, wie solche Cover eigentlich entstehen.
Angabe der Auflage bei Penguin, hier die vierte Auflage (004)
Mir ist nicht klar, ob es so eine Ausgabe ohne Hinweis auf die Amazon-Serie wirklich gibt, das wäre dann natürlich eine relevante Variante.
Das hier gezeigte Exemplar ist scheinbar eine vierte Auflage bzw. print, zumindest interpretiere ich die kleine 004 so. Leider ist es schwierig eine frühere Auflage zu finden, da bei Angeboten von Taschenbüchern dieser Art die Angabe der Auflage in der Regel fehlt und die Plattformen meistens ein Beispielbild einspielen. Fast kein Anbieter wird bei einem sehr billigen Taschenbuch sein eigenes Bild hinzufügen. Und die Beispielbilder sind unzuverlässig, es kann sich dabei durchaus um frühe Versionen des Covers handeln, die der Verlag in Voranzeigen benutzt hat, die dann aber tatsächlich in dieser Form nie in den Handel gekommen sind. Dafür gibt es zahlreiche andere Beispiele. Man muss also regelmässig in der Bucht fischen und dort auf ein Angebot von einem Privatanbieter mit Originalbild hoffen.
Hinzuzufügen bleibt, dass es bei Penguin auch vier Anthologien gibt, die Kurzgeschichten von Dick enthalten:
  1. Final Stage (1975)
  2. Constellations: Stories of the Future (1983) beim Imprint Puffin Plus
  3. Machines That Think: The Best Science Fiction Stories About Robots and Computers (1985)
  4. Spells of Enchantment: The Wondrous Fairy Tales of Western Culture (1992) bei Penguin US
Ich erinnere hier noch mal an den Web-Tipp The Art of Penguin Science Fiction aus dem vorigen Blogeintrag zu Penguin einfach weil die Seite so gut ist. Fehlen tut dort nur die eine Anthologie, die bei Penguin US herausgekommen ist.
Ebenfalls sei hier noch mal darauf hingewiesen, dass man beim Kauf von Penguin Taschenbüchern mit unterdurchschnittlicher Erhaltung rechnen muss. Ein sonst gutes Exemplar ist bei Penguin schon aussergewöhnlich.
Der neue Web-Tipp ist die Seite von Christopher Harris, einem britischen Autoren, der ein wenig darüber erzählt, wie Philip K. Dick ihn beeinflusst hat.

Samstag, 6. Oktober 2018

The Man in the High Castle 2018 (Season 3)

Gestern, am 5. Oktober, ist die dritte Staffel vom The Man in the High Castle mit zehn neuen Folgen auf Amazon angelaufen. Erwähnenswert ist es, dass es eine dritte Staffel gibt und das sich schon die Ankündigung des Datums der Veröffentlichung sehr lange hingezogen hat. Die Fans mussten lange warten. Eine besondere Bemerkung verdient auch die Tatsache, dass bereits vor der Veröffentlichung auch schon die vierte Staffel angekündigt wurde. Tatsächlich ist jetzt auch gleich die deutsche synchronisierte Version verfügbar, deutsche und internationale Fassung starten also erstmalig bei dieser Serie gleichzeitig. Das verdanken wir vermutlich der langen Anlaufzeit.
Das Orakel vom Berge in einer französischen Ausgabe von 2013
Le Maître du Haut Château, die französische Übersetzung von The Man in the High Castle,
in der Ausgabe von J'ai Lu aus dem Jahr 2013
Mit Philip K. Dick und seinem Roman Das Orakel vom Berge hat die Serie nicht mehr sehr viel zu tun. Sie hilft aber sicher die Popularität von Dick zu erhöhen - und natürlich dabei, dass viele neue Ausgaben von The Man in the High Castle in vielen Sprachen herauskommen.
The Man in the High Castle - Das Orakel
vom Berge
, Fischer (2017)
Der Roman ist immer noch nur der am zweit meisten übersetzte Roman von Dick mit den zweit meisten Ausgaben - mit 28 Sprachen (zusätzlich zu Deutsch und Englisch) und knapp 140 Ausgaben (natürlich ist Do Androids Dream of Electric Sheep? bzw. Blade Runner die Nummer eins mit 30 Sprachen und 170 Ausgaben).
Wenig überraschend hat der Roman im Ausland, wo man bezüglich nationalsozialistischer Ikonographie weniger sensibel ist, oft entsprechende Motive für die Umschlagbilder der Romane gewählt, seien es Hakenkreuze oder Hitlers. Die deutschen Ausgaben haben das weitestgehend vermieden, die aktuelle Fischer Ausgabe zeigt den Reichsadler, vermeidet aber das Hakenkreuz, das der zeitgenössische Reichsadler sonst üblicherweise im Eichenkranz trägt. So wird das in Deutschland auch anderweitig, z. B. im Modellbau gehandhabt, das ist eine gute Übung und vermeidet auch gesetzliche Schwierigkeiten.
Deutsche Ausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle
Das Orakel vom Berge, Heyne (2000)
Die Heyne Ausgabe von 2000 mag beim Umschlagbild nicht ganz auf einen direkten Bezug zum Dritten Reich bzw. dessen Personal verzichten. Das kann man unterschiedlich bewerten. Ansonsten handelt es sich aber sicher um die schönsten deutsche Ausgabe des Romans. Der Band aus der Reihe Meisterwerke der Science Fiction hat ausser einem klugen Vorwort von Kim Stanley Robinson auch einen Anhang mit einer knappen Vorbemerkung von Uwe Anton, Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen und Die beiden vollständigen Kapitel einer geplanten Fortsetzung zu Das Orakel vom Berge von Dick. Das gibt es so nur in dieser Ausgabe. Dick selbst hat sich später offenbar so geäussert, dass er die Fortsetzung des Romans nicht habe schreiben können, weil ihn die Schilderung der schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialisten, mit denen er sich sehr eindringlich beschäftigt hatte, zu sehr mitgenommen haben, um einen weiteren Roman darüber zu schreiben. Das ist sicher nicht der schlechteste Grund. Und die Serie kommt auch ohne weitere literarische Vorlage aus - und kann trotzdem unterhaltsam bleiben. So lange Dicks literarisches Erbe gut bewahrt ist, wird ihm eine Serie bei Amazon nicht schaden und vielleicht sogar seine Popularität weiter fördern.
Mehr zum Orakel vom Berge gibt es hier im Blog, z. B. hier. Einen Überblick über alle deutschen Beiträge in Film, Funk und Fernsehen, gibt es hier auch.

Samstag, 8. September 2018

Kroatisch

Ferien, Sommer, Sonne, Kroatien! Kroatien ist ein beliebtes Ziel deutscher Urlauber - und es gibt in Kroatien einige Ausgaben von Philip K. Dick in der Landessprache.
Auf Kroatisch: Ubik und Čovjek u visokom dvorcu, der deutsche
Titel ist Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick
Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass es nicht so leicht ist, festzustellen, was von Dick überhaupt auf Kroatisch erschienen ist. Es ist nämlich kein kleines Problem kroatische von serbischen Texten zu unterscheiden - über das Serbische wurde in diesem Blog auch bereits berichtet. Die Probleme bei der Abgrenzung des Kroatischen vom Serbischen entspringen natürlich der Entwicklung dieser Sprachen bzw. - laut Wikipedia linguistisch korrekt - diesen zwei Standardvarietäten des südslawischen Zweigs der slawischen Sprachen, die massgeblich von den politischen Verhältnissen auf dem Balkan beeinflusst ist.
Bis zur Unabhängigkeitserklärung Kroatiens von 1991 war Serbokroatisch die Amtssprache. Zur Unterstützung der eigenen nationalen Identität ist man seitdem bemüht, das Kroatische klar vom als zuvor aufgezwungen wahrgenommene Serbischen bzw. Serbokroatischen abzusetzen. Man kann vermuten, dass auch die baskische und katalanische Ausgabe letztlich aus ähnlichen, eben politischen Motiven heraus entstanden sind.
Ich habe nun für die Systematik in meinem Katalog den Entschluss gefasst, dem Kroatischen - zumindest vorerst - nur die Ausgaben nach 1991 zuzurechnen. Der erste ins Kroatische übersetzte Roman ist somit wohl Oko Na Nebu [Eye in The Sky] im Sammelband Monolith 001. Die Bibliotheken führen dieses Werk online (meist) als Kroatisch. Die neueste Ausgabe, Das Orakel vom Berge, ist auf Kroatisch Čovjek u visokom dvorcu, aus diesem Jahr und unzweifelhaft in kroatischer Sprache: Der serbische Titel von 1977 ist Čovek u visokom dvorcu. Dazwischen liegen vier weitere kroatische Romane - die erstklassigen Romane Blade Runner, Der dunkle Schirm und Ubik und das dagegen wohl deutlich abfallende Deus Irae - und dazu immerhin drei Sammlungen von Kurzgeschichten, sowie zahlreiche in verschiedenen Magazinen und Anthologien einzeln veröffentlichte Geschichten. Auf der Balkanhalbinsel sind Kurzgeschichten offenbar noch beliebt.
Für den Aufbau einer Sammlung in diesem Bereich helfen auf jeden Fall Sprachkenntnisse, die Unterscheidung von serbischen und kroatischen Ausgaben ist eben schwierig. Immerhin wird Kroatisch ausschliesslich mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Kroatische Ausgaben, auch antiquarische, sind über das Internet eigentlich leicht zu finden - und auch erhältlich, allerdings wir es dann recht mühsam mit den Bedingungen für Zahlung und Versand. Aber Kroatien ist immer eine Reise wert und die aktuelleren Titel sind dort im Buchhandel noch erhältlich. Und wenn man nicht selber fahren kann, hat man vielleicht eine nette Kollegin, die dort in ihrem Urlaub ein Buch besorgen kann.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich wie immer hier im Blog.