Samstag, 28. März 2020

Holz – oder: 200!

In diesem Blog rede ich nicht viel über den Blog oder das Bloggen, sondern viel mehr, weil viel lieber, über Philip K. Dick und das Sammeln und das Sammeln von allem von und über Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird eine Ausnahme sein, weil ich mit dem exklusiven Kreis meiner Leser ein Jubiläum feiern kann  vor genau fünf Jahren, auf den Tag, sogar auf die Minute genau erschien der erste Eintrag in diesem Blog.
Geplant war der Blog damals schon lange, aber nie standen die Sterne richtig und so habe ich hier die ersten beiden Staffeln von Fischer verpasst. Hohe Ambitionen können eben auch lähmen. Mit der dritten Staffel von Fischer habe ich dann begonnen, obwohl auch da noch nicht alles fertig gedacht war  und so ist nun das hier herausgekommen.
Das Wichtigste ist natürlich: fünf Jahre durchgehalten! In den schnelllebigen Zeiten des Internets (ist es das noch?) ist das eine Menge wert, nicht alle Blogs schaffen das. Ausserdem sind es bisher auch  nicht ganz zufällig  genau 200 Blogeinträge geworden. Das ist schon eine ansehnliche Zahl, zumal hinter dem einen und anderen Eintrag doch auch einiges an Arbeit steckt, man siehe auch die nicht mitgezählten Seiten zu den Verlagen und einzelnen Themen.
Nachdem ich zum Start des Blogs auf eine programmatische Erklärung der Ziele verzichtet habe, will ich das jetzt etwas nachholen. Hauptsächlich möchte ich hier die Erkenntnisse, die ich bei der Beschäftigung mit dem Autoren Philip K. Dick gewinne, festhalten und anderen zugänglich machen ich schreibe also über Dinge, die mir neu sind und die ich andernorts so nicht (einfach) finden kann, zumindest nicht im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Der Fokus ist dabei auf den deutschen Veröffentlichungen, hier bin ich sehr um absolute Vollständigkeit bemüht. Ein frühes Highlight war natürlich der Appendix Dick von Tommi Brem. Ein schönes, aber unscheinbareres Beispiel dafür ist der Eintrag über das Nachwort von Drei Stigmata für Palmer Eldritch. Etwas spektakulärer  nach den Massstäben dieses Blogs  sind dann die Beiträge zu Zeit ohne Grenzen auf der Bühne und die Replikantenoper.
Zu den englischen Veröffentlichungen gibt es zahlreiche andere Seiten, auf die ich hier im Blog ja auch regelmässig verweise und denen ich keine Konkurrenz machen kann und will, daher bedenke ich diese zwar auch, aber doch nur in Auswahl.
Und ein weiteres Thema sind natürlich die Übersetzungen in weitere Sprachen, dieses geht allerdings einem natürlich Ende entgegen  die meisten Sprachen sind mit einem Eintrag bedacht. Ein Highlight war ein Blogeintrag zur ersten russische Veröffentlichung und unlängst ein Exemplar in Farsi.
Natürlich hat sich der Blog im Laufe der Zeit entwickelt, und einiges habe ich schon geändert, auch rückwirkend, die alten Einträge werden gelegentlich (erheblich) angepasst und Fehler korrigiert. Und mit dem Hinscheiden von Google+ hat auch dieser Blog eine unaufdringliche Präsenz bei Facebook bekommen.
Ein sehr schöner Nebeneffekt des Blogs war es tatsächlich auch, mit anderen interessierten Menschen in Kontakt zu kommen. Es gab einige positive Rückmeldungen zu diesem Blog, Fragen, hauptsächlich aber Anmerkungen, durch die ich viel lernen konnte. Und ich habe auch  und darüber wird noch im Detail zu berichten sein  den einen oder anderen Beitrag zur Sammlung erhalten. Tatsächlich wäre das auch mein Wunsch, hauptsächlich an die Leser, mehr Kontakt zu suchen, aber auch an mich, mehr Möglichkeiten für solchen Kontakt zu schaffen. Leser sind natürlich immer eingeladen sich zu äussern  über Kommentare hier im Blog, Mails und eben bei Facebook. Die meisten Leser erreiche ich aber wohl über Suchen bei Google, zu spezifischen Schlagwörtern im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird dort also eher nicht auf auftauchen (und darum wohl auch eher weniger gelesen werden).
Und auch wenn sich dieser Blog an Fans und Leser von und Interessierte an Philip K. Dick richtet, einiges mag für Sammler anderer Themen auch interessant oder sogar inspirierend sein, sei es der Kampf mit Anbietern und falschen ISBNs, das Überwinden von Portomauern, unvollständige bibliographische Daten oder ähnlichem.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht. Langsamer vermutlich. Sehr am Herzen liegen mit die PKDS Newsletters, deren Bearbeitung ich begonnen habe, deren Auswertung aber aufwändig ist. Dazu kommen  und da gibt es eine gewisse Überschneidung  die vielen letters von Dick, die allerorten veröffentlicht sind. Und schliesslich fehlt eine umfassendere Betrachtung der deutschen Sekundärliteratur, in meiner Sammlung befinden sich noch einige spannende Stücke, die einen Blogeintrag verdienen. Auf der List der Ideen stehen aber noch viele weitere Themen. Und auch die Bilder sollen besser werden  und vielleicht auch bei Instagram erscheinen! (Die Bilder in diesem Eintrag dienen dazu den Text ein wenig aufzulockern, eine inhaltliche Ergänzung liefern sie nicht.)
Sehen wir mal, was die nächsten fünf Jahre bringen.

Samstag, 22. Februar 2020

Wiedervereinigt

Es passiert selten genug, mir sind nach längerer Zeit wieder ein paar amerikanische Pulp-Magazine aus einer deutschen Quelle ins Netz gegangen. Solche Pulps sind nicht unbedingt besonders teuer, aber das Porto macht den Bezug aus den USA kostspielig und Angebote aus Deutschland, also mit angemessenem Porto, sind selten.
Worlds of Tomorrow, November 1965 und Januar 1966 mit Philip K. Dicks Project Plowshare
Ich mag die alten Pulps, mit den bunten Umschlagbildern und den Anzeigen für Geschäftsideen und Haarwuchsmittel. Ausserdem gibt es natürlich die Illustrationen, die die Kurzgeschichten begleiten und die ihren eigenen Charme haben.
Dick hat in seiner Kindheit selbst die Pulp-Magazine gelesen (und gesammelt) und sein Interesse an Science Fiction hat sich (auch) daraus entwickelt.
Eines der ersteigerten Hefte enthält auch den zweiten Teil von Project Plowshare. Der erste Teil wartet in meiner Sammlung schon länger auf seine fehlende Ergänzung. Project Plowshare ist ein Roman, der, wie einige andere, zunächst mehrteilig in einem der üblichen Magazine erschienen ist.
Nach der Erstveröffentlichung in zwei Teilen in Worlds of Tomorrow (11/1965 und 1/1966) ist der Roman 1967 in den USA als Taschenbuch unter dem Titel The Zap Gun bei Pyramid Books erschienen. Bis zur letzten Ausgabe 2012 bei Mariner kamen dann insgesamt zehn englische Buchausgaben heraus.
Das Labyrinth der Ratten, die einzige
deutsche Ausgabe von The Zap Gun,
bei Goldmann (1979)
Der – für mich etwas schwierige – deutsche Titel der Zap Gun ist Das Labyrinth der Ratten, ein Single, von dem es nur eine deutsche Ausgabe, die vom Goldmann Verlag gibt und die dieses Jahr auch schon ihren 40. Geburtstag feiern kann. Vielleicht möchte Fischer ja seine Klassik Reihe mit diesem Roman fortsetzen, vielleicht nicht das beste Werk von Dick, aber auch nicht so viel schlechter als der Topfheiler  und eine neue Ausgabe wäre wirklich fällig. Übersetzt ist die Zap Gun in mindestens weitere neun Sprachen.
Das Labyrinth der Ratten ist einfach zu beschaffen, es wird häufig angeboten und obwohl es im Schnitt etwas über den anderen Ausgaben von Goldmann liegt, kann man mit der üblichen Geduld ein günstiges Angebot unter dem üblichen Marktpreisen abpassen. Für die Pulp-Magazine gilt natürlich mehr noch als für Taschenbücher, dass man auf die Erhaltung achten muss, wirklich gute Erhaltung ist aber bei Pulps selten und daher teuer. Wenn man es sich nicht leisten kann, muss man für die Magazine der 50er und 60er Jahre Abstriche bei der Qualität hinnehmen. Die Preise hier schwanken extrem, auf ein gutes Angebot warten kann sich lohnen: Da die Hefte stark gesammelt werden, werden sie auch viel gehandelt. Hefte mit Veröffentlichungen von Dick sind daher auch leicht zu finden – allerdings praktisch nur in den USA, Angebote in Deutschland sind selten. Bei Angeboten in Grossbritannien sollte man sorgfältig prüfen, ob es sich um eine Originalausgabe handelt oder um einen britischen Nachdruck bzw. eine britische Ausgabe.
Alle englischen – und einige übersetzte – Ausgaben von The Zap Gun finden sich bei isfdb. Gescannte Ausgaben von Worlds of Tomorrow finden sich im Internet Archive, auch für die beiden oben gezeigten: November 1965 und Januar 1966. Bibliographische Angaben zum Labyrinth der Ratten sind in diesem Blog auf der Seite zum Goldmann Verlag zu finden.

Preise

"Das Labyrinth der Ratten" von Goldmann (1979) in sammelwürdiger Erhaltung bei 12 bis 20 Euro
Pulp-Magazine mit Kurzgeschichten von Dick liegen bei 5 bis 50 Euro. Disclaimer

Samstag, 1. Februar 2020

Vintage

The Penultimate Truth, Vintage (2004) von Philip K.
Dick mit einem Cover von Heidi North, die sehr viele der
Umschlagbilder der Vintage Gesamtausge gestaltet hat
Die Ausgaben von Vintage Books sind mir persönlich sehr wichtig, weil sie die ersten Ausgaben von einigen Romanen von Philip K. Dick waren, die ich überhaupt hatte. Noch vor der deutschen Ausgabe konnte ich The Confessions of a Crap Artist von Vintage lesen, da die deutsche Ausgabe praktisch nicht zu kriegen war. Daher stehen die Bände von Vintage schon lange ganz oben auf meiner Suchliste, allerdings hat sich in der letzten Zeit wenig getan (im Gegensatz zu den Penguins, die jetzt fast vollständig sind). Als jetzt also ein günstiges Exemplar von The Penultimate Truth, auf Deutsch Zehn Jahre nach dem Blitz, aufgetaucht ist, musste ich handeln, also kaufen.
Vintage hat zwischen 1991 und 2006 die erste Gesamtausgabe der Science Romane von Philip K. Dick herausgebracht – immerhin 33 Romane, das sind fast alle. Dazu kommen noch ein Mainstream Roman, die oben genannten Confessions, sowie The Shifting Realities of Philip K. Dick, die einen ersten Eindruck der Exegesis vermittelten, aber auch andere Essays enthalten sowie zum Abschluss der Reader Vintage PKD.
Von den Science Fiction Romanen fehlen bei Vintage:
  1. Do Androids Dream of Electric Sheep?
  2. Nick and the Glimmung
  3. The Ganymede Takeover
und
  1. Ubik: The Screenplay
DADoES fehlt vermutlich, weil dieses populäre Buch anderweitig gebunden war (allerdings hatte der Verlag Del Rey offenbar die Rechte, der letztlich auch zu Random House gehört); und ein Kinderbuch wie Nick passte nicht in die Reihe. Warum aber Ganymede fehlt, ist mysteriös – aber das hatten wir ja schon in der zweiten Gesamtausgabe, der von Mariner: Auch da fehlt The Ganymede Takeover. Ray Nelson wird andernorts damit zitiert, die Ausgabe sei just less popular than books Phil wrote solo because he is more famous than I am. Plausibel ist das nicht, Ganymede ist sicher besser als mancher Roman, den Phil solo geschrieben hat. Und in Grossbritannien geht es ja auch … Das Screenplay ist auch eher eine randständige Ausgabe, ein Werk, das es erst in letzter Zeit in den Kanon der Romane geschafft hat, z. B. eben bei Mariner. Und trotz dieser Lücken ist Vintage doch eine Gesamtausgabe der Science Fiction Romane. Vintage Books ist ein Imprint der Knopf Doubleday Publishing Group die wiederum zu Random House gehört. Vintage Ausgaben werden daher oft auch mit diesen Verlagsangaben angeboten.
Russ Galen, Dicks Agent, hat zum Deal mit Vintage einige Interessante Anmerkungen gemacht. An anderer Stelle wird die Vintage Gesamtausgabe kritisiert, weil es letztlich 15 Jahre dauerte, bis alle Romane der Reihe erschienen sind: Von 1991 bis 2005. Interessierte Leser hätten sich das sicher schneller gewünscht, dem Verlag wird vorgeworfen die Reihe aus kommerziellen Erwägungen so herausgezogen zu haben. Ich denke, man kann froh sein, dass Vintage Books durchgehalten hat - hierzulande hat Heyne zwischendrin aufgegeben. Immerhin sind die Ausgaben ein bisschen schöner, keinen schnöden Paperbacks, sondern immerhin Trade Paperbacks, mit einem etwas grösseres Format (aber billigen Papier, wie ich finde). Wie man zu den Umschlagbildern steht, ist sicher Geschmackssache, objektiv hat sich Vintage durchaus Mühe gegeben. Am fleissigsten war dabei Heidi North, die rund zwei Dutzend der Umschläge (mit-)gestaltet hat, auch den oben gezeigten Neuzugang.
Es gibt auch eine zweite Ausgabe von A Scanner Darkly, die 2006 als Buch zum Film herausgekommen ist. Sie passt vom Design des Titelbilde nicht zu den Bänden der Gesamtausgabe, daher rechne ich sie hier nicht dazu.
Vintage hat ausserdem noch eine gebundene Ausgabe für einen Buchclub herausgegeben und eine von Jonatham Lethem herausgegebene Anthologie, The Vintage Book of Amnesia (2000), die (natürlich!) eine Kurzgeschichte von Dick enthält.
Zusätzliche Informationen hier im Blog:
Alles von Philip K. Dick bei Vintage
Exemplare der Gesamtausgabe von Vintage sind einfach zu bekommen, man sollte den Zustand beachten, viele Exemplare sind Ex-Lib, einige Anbieter geben das nicht an. Die meisten Angebote kommen aus den USA, mit dem damit verbundenen teilweise sehr hohem Porto.

Preise

Die Vintage Ausgaben der Gesamtausgabe kriegt man (in vernünftigem Zustand) ab 6 bis 10 Euro, mit Porto und Warten sollte jede für 10 bis 20 Euro zu bekommen sein

Samstag, 18. Januar 2020

Ich gestehe

Ein schöner Rücken ...
Die bisher teuerste und kostbarste Anschaffung in meiner Sammlung ist eine von Philip K. Dick eigenhändig signierte Erstausgabe von Confessions of a Crap Artist. Es war Zeit. Wenigstens ein signiertes Exemplar habe ich mir verdient und die signierte und nummerierte Ausgabe der Confessions stand auf meiner Liste ganz oben. Ich habe das Buch bei Ebay beobachtet und der Verkäufer hat dann ein zu gutes Angebot gemacht, um es abzulehnen - und der Verkäufer ist mir (ein bisschen) bekannt und ich halte ihn für absolut seriös. Und nachdem ich im August nicht beim Philip K. Dick Festival in Fort Morgan war, konnte ich die Anschaffung mit meinem Budget vereinbaren. Wirklich erreicht hat mich das Exemplar aber erst zu Weihnachten.
Diese Ausgabe von Confessions ist als signiertes Exemplar attraktiv, weil sie einigermassen sicher echt ist. Denn es gibt ziemlich sicher einige gefälschte Signaturen: Ein kurzer Schriftzug Philip K. Dick erhöht den Wert eines Exemplars um mindestens 500 Dollar, eher mehr. Da kann der Kugelschreiber schon mal ausrutschen ...
Die Erstausgabe von Confessions of a Crap Artist
vom Verlag Entwhistle Books (1975)
Es gibt aber zahlreiche Ausgaben, die von Dick schon bei deren Erscheinen, quasi verlagsseitig, signiert sind, die Echtheit ist also belegt. Dabei handelt es sich um Luxusversionen von Erstausgaben; bei den meisten von ihnen, wie den 100 Exemplaren der Collected Stories, ist die Unterschrift von Dick jedoch nur eingeklebt. Dick hat offenbar eine grosse Menge von unterschriebenen Schecks hinterlassen; in den USA haben die Banken, zumindest zu Dicks Lebenzeiten noch, üblicherweise die eingelösten Schecks an den Aussteller entwertet zurückgesendet, als Beleg für die Auszahlung. Dick hat diese offenbar behalten. Von diesen Schecks wurden nun die Unterschriften ausgeschnitten und in spezielle Ausgaben eingeklebt. Es gibt auch noch eine solche Luxuserstausgabe von Mary and the Giant von Ultramarine (1987) mit einer eingeklebten Scheck-Signatur und In Milton Lumky Territory in einer 50er Auflage von Dragon Press(1985).Weiter gibt es eine solche als lettered edition, also 26 Exemplare versehen mit den Buchstaben A bis Z, der Selected Letters. Und schliesslich gibt es in dieser Art noch eine Ausgabe von Ubik: The Screenplay von Corrobee (1985) in einer nummerierten Auflage von 50 Stück.
Ausser den Confessions gibt es eigenhändig signiert sonst nur noch eine Erstausgabe der Bibliographie PKD. A Philip K. Dick Bibliography von Daniel Levack und Steven Owen Godersky, an der Dick aktiv mitgewirkt hat. Die rot gebundene Variante der Erstausgabe ist 1981 bei Underwood-Miller in einer Auflage von 200 Exemplaren erschienen und von Levack, Godersky und Dick im Buch signiert. Das ist sicher auch ein schönes Stück, aber es ist, trotz seiner Mitwirkung, nicht wirklich von Dick.
Schliesslich gibt es noch The Divine Invasion von Timescape Books (1981), von denen 50 Stück mit einem von Dick signierten Exlibris ausgegeben wurden.
Eine teure Signatur
Auf Deutsch sind die Confessions of a Crap Artist in zwei Ausgaben unter dem Titel Eine Bande von Verrückten erschienen, zuerst als Hardcover bei Reidar (1987), später broschiert bei Betzel (1993), hier mehr dazu. Von Dick signierte deutsche Ausgaben sind mir übrigens nicht bekannt.
Beim Kauf in den USA sollte man bedenken, dass der Zoll in dieser Preisklasse noch mal rund 10 Prozent auf den Kaufpreis aufschlägt, da fällt das Porto kaum ins Gewicht. Natürlich muss so etwas versichert versendet werden - und man sollte nur bei einem seriösen Verkäufer kaufen. Trotz der kleinen Anzahl von Ausgaben sind die meisten Luxusausgaben leicht zu finden - der hohe Preis hält sie wohl in Fluktuation.
Bei den deutschen Übersetzungen des Romans ist die später erschienene broschierte Ausgabe von Betzel deutlich seltener und nicht immer erhältlich; offenbar bestimmt aber die häufigere gebundene Erstausgabe den Preis und so ist sie, wenn es sie denn gibt, günstiger zu finden. In jedem Fall lohnt sich hier das Warten auf ein günstiges Angebot.

Preise

"Confessions of a Crap Artist", Entwhistle (1975), signiert um 800 Euro
"Eine Bande von Verrückten", Reidar (1987) bzw. Betzel (1993) jeweils bei 40 bis 80 Euro

Samstag, 4. Januar 2020

Voller Durchblick – Ausblick 2020

Auch 2020 wird wieder ein Jahr für den Philip K. Dick Sammler – auch wenn es derzeit eher wie ein ruhiges Jahr aussieht.
Die Clans des Alpha-Mondes, die
Neuausgabe von Fischer in diesem Jahr,
mit eher langweiligen Umschlagbild
Die Höhepunkte für die Sammlung werden, soweit derzeit absehbar, die drei neuen Ausgaben von Fischer. Die bemerkenswerteste der drei ist wohl Die Clans des Alpha-Mondes am 29. Juli, tatsächlich eine Ausgabe von Fischer, die nicht aus der Heyne Werkedition übernommen ist (sondern dort nur als Auf dem Alphamond geplant war). Immerhin. Dann folgen am 23. September zwei Ausgaben in der gebundenen, kleinformatigen TaschenBibliothek, in der von Dick bisher (2017, hier im Blog) nur Das Orakel vom Berge erschienen ist. Jetzt ist der Blade Runner in der Übersetzung von Manfred Allié angekündigt,  aber mit dem abstrakten (um nicht zu sagen: langweiligen) Cover der ersten Klassik Ausgabe von 2014; damals ist es mit der Wölfl/Dougoud-Übersetzung erschienen. Und es kommt eine weitere Ausgabe von Das Orakel vom Berge, aber unter dem Titel The Man in the High Castle/Das Orakel vom Berge mit dem an die Amazon-Serie angelehnten Umschlagbild der neueren Ausgabe von 2017.
International ist bisher nur eine Neuauflage der Biographie von Darryl Mason angekündigt, ich bin aber noch nicht davon überzeugt, dass das Buch wirklich pünktlich erscheint. Für mich ist dieses Buch ein Gespenst, dass ich noch nicht richtig zu fassen bekommen habe. Darüber hinaus ist absolut keine neue englische Ausgabe angekündigt.
In anderen Ländern, bei sehr beschränkter Sicht, kann ich nur eine spanische Ausgabe der Collected Stories sehen, die die Reihe Bibliotecas de Autor bei Minotauro fortsetzt und der weitere Bände folgen mögen.
Für den Blog hat sich einiges zu verschiedenen asiatischen Sprachen angesammelt, das in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Und natürlich feiern wir im März den fünften Geburtstag des Blogs und ich hoffe einige Modernisierungen zumindest am Design des Blogs durchzuführen. Ob ich mich noch mal ernsthaft mit einem Umzug auf eine andere Plattform beschäftige, bleibt abzuwarten. Inhaltlich stehen auf meiner Wunschliste die Themen PKDS Newsletter, Personen und Briefe.
Im Oktober oder November gibt es (hoffentlich) wieder ein Film Festival in Köln, das ich besuchen kann, auch wenn es wenig zur Sammlung beiträgt. Vielleicht schaffe ich es aber das Thema Film ein bisschen mehr im Blog einzubringen.
Darüber hinaus können wir uns überraschen lassen, was das Jahr für, mit und über Philip K. Dick bringt!

Samstag, 28. Dezember 2019

Ein betriebsames Jahr 2019

Auch in diesem Jahr kann ich den kleinen Jahresrückblick nicht auslassen. Ich schreibe sonst nicht viel über diesen Blog, aber hier sollen jetzt auch ein oder zwei Worte über das making of nicht fehlen.
Zuerst: Ich habe es nicht geschafft, mich ernsthaft mit einem Wechsel auf eine andere Blog-Infrastruktur zu beschäftigen. Das Thema bleibt aktuell und ich werde es, allerdings nur mit niedriger Priorität, weiter verfolgen, in der Hoffnung doch noch über eine bessere Lösung als Blogger zu stolpern. Die vielen grandiosen Möglichkeiten anderer Anbieter will ich derzeit aber einfach nicht. Die Gefahr, in der Technik gefangen zu werden, ist mir zu gross. Um es programmatisch auszudrücken: Dieser Blog hält meine wunderbaren Abenteuer und Entdeckungen beim Sammeln fest, er ist ein Reisetagebuch, kein Selbstzweck. Meine Anforderungen sind also minimalistisch, auch wenn mich einiges bei Blogger stört. Nun ja …
Kommen wir nun zu den Highlights des Jahres - und das sind ganz klar die drei Veranstaltungen, die ich besuchen konnte: die Zeit aus den Fugen am Schauspielhaus in Hannover, das Philip K. Dick Filmfest in Köln und zuletzt The End. Eine Replikantenoper in Bremen. Gerade beim Filmfest hatte ich die Möglichkeit mich mit den Veranstaltern auszutauschen und das kommt beim Sammeln nicht so oft vor. Ich finde es gibt überhaupt erstaunlich wenig Austausch, vielleicht habe ich die richtigen Ecken im Netz noch nicht gefunden. Oder die anderen Sammler sind, wie man es erwartet (und so wie ich) einfach wenig extrovertiert und sammeln eben in ihren gut temperierten Kellern vor sich hin. Für mich waren diese Veranstaltungen und der Kontakt mit anderen an Dick Interessierten auf jeden Fall wichtig und schön und motivierend.
Impressionen von 2019 - Farsi, Film, Theater und mehr …
Nach diesem persönlichen Gedanken nun ein Blick zu den Büchern. Bei den deutsche Buchausgaben sind natürlich zuerst die beiden Ausgaben in der Klassik Reihe von Fischer zu nennen, Zeit aus den Fugen im Januar und der Blade Runner in der neuen Übersetzung mit dem für die Reihe untypisch gegenständlichen Umschlagbild. Eine grosse Überraschung kam aber in der Büchergilde Gutenberg in der Reihe Die Tollen Hefte mit dem Titel Ach, als Blobbel hat man's schwer! heraus. Ein Comic nach einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick - in einer deutschen Erstausgabe! Und darüber hinaus gibt es in dieser Reihe noch eine Sammlerausgabe, perfekt.
Etwas unangenehm ist die Ausgabe von Blade Runner, dem ersten von zehn Bänden in den Soulmates, einem Schuber mit 10 Hardcovern von der Süddeutschen Zeitung, beworben als eine starke Sammlung für Männer (natürlich auch nur von Männern, was in entsprechenden Kreisen für wahres Entsetzen gesorgt hat). Natürlich ist dieser Band nicht einzeln erhältlich, das ist unangenehm, nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der Frage, ob man diesen Band aus seinem Schuber reissen darf, um ihn der Sammlung zuzuführen. Oder ob man auch Dashiell Hammett und andere in der Sammlung haben muss? Bei den Kurzgeschichten ist man es gewöhnt, auch andere Autoren in Anthologien zu finden, aber neun Bände Männerfreude machen mich nachdenklich. Aber man muss befürchten, dass diese Kassette nur begrenzt verfügbar ist und durch ihr Gewicht vermutlich nur schwer wieder an die Oberfläche bzw. auf den freien Markt kommen wird: Im Prinzip sind solche Geschenkschuber (es wird Weihnachten!) unverkäuflich, niemand kauft sich das freiwillig, so etwas wird eben nur verschenkt (auch wenn das niemand haben möchte). Aber auch die Süddeutsche muss Geld verdienen.
In meinem Katalog sind für 2019 nur fünf (5!) englische Einträge hinzugekommen und auch nur, wenn man grosszügig zählt, dazu auch fünf deutsche Publikationen. Darüber hinaus gibt es insgesamt 32 neue internationale Ausgaben im Katalog (für 2018 sind es 47), allerdings gibt es konstant Neuzugänge auch für ältere Jahrgänge und gerade das aktuelle Jahr ist anfänglich am unvollständigsten. Relevanter sind wohl die zwei neuen Sprachen im Katalog, Galicisch und Indonesisch, die Zahl der Sprachen wächst also.
Wenigstens einen Satz hat die letzte Staffel der Serie The Man in the High Castle bei Amazon verdient. Sie hat Dick sicher bekannter gemacht.
Meine Sammlung hat in diesem Jahr um fünf deutsche und 62 englische Ausgaben (die Hälfte davon ist die Big Box mit den Ausgaben von Mariner) zugenommen, dazu (nur) 10 Hefte bzw. Zeitschriften. Dazu kommt ein Band Sekundärliteratur. Einen grossen Sprung haben aber internationalen Ausgaben gemacht, neun Bände in vier neuen Sprachen sind in die Sammlung eingezogen - und mittlerweile sind alle Sprachen schwierig. Die Berichterstattung dazu folgt überwiegend im nächsten Jahr, Farsi hatten wir aber schon.
Ein neues Flaggschiff hat die Sammlung auch bekommen, eine von Dick signierte Ausgabe der Confessions of a Crap Artist, über die ich im nächsten Jahr ausführlicher berichten möchte. Aber auch die Folio Ausgabe von Ubik ist ein Glanzstück.
Es war also ein grosses Jahr für Philip K. Dick, die Sammlung hat sich sehr entwickelt und es gab viele Highlights. Und es hat viel Spass gemacht!

Preise

"Soulmates", 10 Hardcover im Geschenkschuber, Süddeutsche Zeitung Edition(2019). ISBN 978-3-86497-486-1. 98 Euro

Samstag, 21. Dezember 2019

Galicisch im Advent

Im Adventskalender findet sich hin- und
wieder mal etwas von Philip K. Dick
Galicisch hat am 1. Juli des vergangenen Jahres (2019) als (mit Deutsch) 38. Sprache die Welt des Philip K. Dick betreten. Fernando Moreiras hat Do Androids Dream of Electric Sheep? für den galizischer Verlag Kalandraka als Soñan os androides con ovellas eléctricas? übersetzt. Veröffentlicht wurde der Roman vom Imprint Faktoría K – zumindest ist das mein Verständnis davon, was Faktoría K ist, mehr zum Buch beim Verlag. Dieser populärste Roman von Dick liegt damit in der 34. Sprache vor.
Galicisch ist eine von drei Minderheitensprachen in Spanien, neben Katalanisch und Baskisch. Es ist eng mit dem Portugiesischen verwandt und wie in jeder guten Familie toben heftige Auseinandersetzungen über die Art der Beziehung – hier ist die Frage: Dialekt, Sprachvarietät oder eigentlich das gleiche? Man kennt diese Fragen aus Südosteuropa: Serbisch? Kroatisch? Serbokroatisch? Mehr zum Galicischen gibt es hier und bei Wikipedia.
Als Konsequenz der politischen Entwicklung im 19. Jahrhundert begann auf jeden Fall die Wiedergeburt der Sprache und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein bedeutendes Verlagswesen entwickelt. Jährlich werden etwa 1.500 Werke auf Galicisch herausgegeben. Dieser kulturelle Impetus – der wohl auch politisch motiviert ist – hat dann auch Philip K. Dick nativ in den Nordosten Spaniens gebracht.
Philip K. Dicks Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Galicisch als
 Soñan os androides con ovellas eléctricas? bei Kalandraka (2019)
Interessanterweise hat die galicische Wiki-Seite zu DADoES zwar Links auf das neue Buch, aber – wie die spanische Seite – ausgerechnet das ungarische Umschlagbild? Wikipedia eben …
Es gab hier im Blog schon Beiträge zum Katalan(ischen), hier war DADoES auch die erste Übersetzung, und zum Baskischen, wo es mit einer Anthologie begonnen hat.
Zusätzliche Informationen hier im Blog:
Alles zu DADoES bzw. Blade Runner
Liste der Übersetzungen
Wenn man dieses Buch nicht im Adventskalender findet und es kaufen will, bekommt man es derzeit wohl am bequemsten und am billigsten verlagsfrisch bei Amazon in Deutschland. Wie lange das Buch erhältlich bleibt, bleibt abzuwarten, in meiner Sammlung ist es jetzt.
Update: Im März 2020 ist ebenfalls beim Verlag Kalandraka Confesións dun artista de merda [Confessions of a Crap Artist] auf Galicisch erschienen. Dicks wohl bester Mainstream Roman, trotzdem eher ungewöhnlich.  Ausserdem hat Kalandraka den Roman mit gleichem Umschlagbild auf Katalanisch unter dem Titel Confessions d’un artista de merda veröffentlich.

Preise

"Soñan os androides con ovellas eléctricas?", Kalandraka (2019). 296 Seiten, ISBN 978-84-1672144-3. Bei 20 Euro.