Samstag, 7. April 2018

¡Nicht nur Spanisch!

Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Spanisch
Blade Runner von Philip K. Dick in einer spanischen
Ausgabe von Minotauro (2012)
Sommer - Urlaub - Spanien: Ein schöner Dreiklang für den deutsche Urlauber. Dieser Blog widmet sich zu diesem Akkord den spanischen Ausgaben der Werke von Philip K. Dick - und auch den Ausgaben in Spanien (und das ist nicht dasselbe).
Dicks erste Roman ist in Spanien im September 1960 erschienen, El tiempo doblado [The World Jones Made]. Der war in Deutschland bereits 1958 unter dem Titel Geheimprojekt Venus erschienen - dort aber schon als zweiter Roman. Im Monat zuvor war in Deutschland schon der Griff nach der Sonne erschienen, der in Spanien wiederum einen Monat nach El tiempo doblado erschien, im Oktober 1960 unter dem Titel Lotería solar. Diese Solar Lottery war 1955 Dicks erster (veröffentlichter) Roman und dann in den meisten Ländern einer der ersten übersetzen Romane.
In den folgenden Jahren erscheinen dann in Spanien regelmässig verschiedene Romane von Dick, allerdings deutlich verstärkt seit der Jahrtausendwende, bisher insgesamt rund 140. Allerdings sind offenbar noch immer nicht alle Bücher von Dick auf Spanisch erschienen, es fehlen immerhin noch sechs seiner (allerdings meist eher schwächeren) SF-Romane, u. a. Das Jahr der Krisen [The Crack in Space] und Der galaktische Topfheiler, der hierzulande nach längerer Zeit gerade wieder bei Fischer erschienen ist. Wirklich missen muss man in Spanien aber auch einen von Dicks besseren Romanen, Die Lincoln-Maschine [We Can Build You].
Zu den SF-Romanen kommen noch mehr als 20 Anthologien, dabei sind natürlich auch die wahlweise drei- oder fünfbändigen Cuentos completo, die Sämtlichen Erzählungen. Wenig übersetzt sind dagegen die Mainstream-Romane, hier gibt es nur vier Ausgaben von drei Romanen, nämlich Ir tirando [Puttering About in a Small Land], Mary y el gigante und die Confesiones de un artista de mierda - und diese Ausgaben sind auch schon aus den Jahren 1988 bis 1992. 
Bei der Betrachtung der Ausgaben sind hier auch Bücher inbegriffen, die in Argentinien und Mexiko erschienen sind. Das sind 18 argentinische und sechs mexikanische Ausgaben, dabei auch die einzige Ausgabe von Mary. In Argentinien war 1953 wohl auch die erste übersetzte Kurzgeschichte erschienen, Los defensores [The Defenders] in der ersten Ausgabe von Más Allá, einer Zeitschrift die hauptsächlich, aber nicht ausschliesslich Geschichten aus Galaxy übernahm - so ist wohl auch Dick hier hereingeraten.
We Can Remember It For You Wholesale von
Burlington Books auf Zypern
Wenn man wieder nach Spanien sieht, findet man allerdings auch Publikationen in anderen Sprachen, über die hier im Blog schon ausführlicher berichtet wurde und die daher nur kurz benannt werden sollen: Es sind zum einen die fünf katalanischen Ausgaben des Blade Runner und eine Anthologie in baskischer Sprache. Baskisch und Katalan nutzen übrigens die ISBN Gruppennummer 84 von Spanien.
Schliesslich sei hier noch eine etwas obskure Kurzgeschichtensammlung erwähnt, We Can Remember It For You Wholesale, erschienen beim Schulbuchverlag Burlington Books. Sheila Thompson hat hier drei Geschichten von Dick vereinfach nacherzählt. Mit einem Vokabelteil soll dies Eleven des Englischen in Spanien helfen, die Texte zu verstehen - obwohl Dick meist schon eine einfache Sprache verwendet. Einführung und Vokabelteil sind viersprachig in Spanisch, Kastellan, Baskisch und Galizisch. Burlington Books residiert in Limassol auf Zypern, daher hat dieses Buch - als einziges in meinem Katalog - eine zyprische ISBN: 9963-617-31-X. Und daher bleibt es auch im Katalog, wenn auch als Kuriosität.
Die Rückseite von We Can Remember It
For You Wholesale mit der zyprischen ISBN
In PKD Otaku 2 von 2002 findet sich eine sehr lesenswerte und ausführliche Geschichte der frühen spanischen Übersetzungen von Gerardo Acosta; vieles darin ist wohl typisch für diese Zeit in vielen Ländern. Dieses Essay im speziellen und PKD Otaku im Allgemeinen sind höchst empfehlenswert, die Seite philipkdickfans.com (wo PKD Otaku derzeit zu finden ist) sowieso.
Man hört gelegentlich, dass Wide Books an einer Bibliographie der spanischen Ausgaben arbeitet, analog den Precious Artifacts, die bei Wide 2012 erschienen sind und die die englischen Ausgaben von Dick listet (gefolgt von einem zweiten Band, der sich mit den Kurzgeschichten beschäftigt). Von Wide kann man einen schönen und vollständigen Überblick über alle spanischen Ausgaben erwarten.
Aktuelle spanische Bücher lassen sich in Deutschland verlagsneu auf die übliche Art und Weise bestellen. Aber man kann ja auch im Urlaub einfach mal in einen Buchladen gehen und einfach mal den spanischen Dick mitnehmen - und hat dann nicht nur ein neues Stück für die Sammlung, sondern auch ein schönes Andenken.
Der beste Katalog, den ich für meine Recherche nach spanischen Ausgaben im Netz finden konnte, ist tercerafundacion.net, eine sehr lebendige Seite zum Thema Science Fiction und Fantasy.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 3. März 2018

Dänisch

Dänemark ist das erste skandinavische Land, in dem ein Roman von Philip K. Dick erschienen ist, nämlich Øjet på himlen [Eye in the Sky] im Jahr 1968. In der Folge sind noch die vier grossen Romane erschienen: Das Orakel vom Berge, Eine andere Welt und in drei Ausgaben Träumen Roboter von elektrischen Schafen? - sowie Ubik, das unzweifelhaft im WorldCat nachgewiesen ist, von dem ich aber trotz langer Suche kein Bild finden konnte.
Eine Handvoll Dunkelheit in der dänischen Ausgabe als
En håndfuld mørke bei Stig Vendelkærs (1973), leider nicht 
nur wegem dem hässlichen Aufkleber in schlechter
Erhaltung, ein Zugang aus dem letzen Jahr
Zu den Romanen kommen noch drei Anthologien hinzu, zuerst En håndfuld mørke bei Stig Vendelkærs (1973). Diese Sammlung ist in vielen Ländern früh erschienen, auch schon 1963 auf Deutsch als Eine Handvoll Dunkelheit. Die Erstausgabe ist aber nicht, wie man es wohl erwarten würde, aus den USA, sondern aus Grossbritannien, wo sie als Originalanthologie unter direkter Mitwirkung von Dick zusammengestellt wurde. Sie ist dort 1955 beim Verlag Rich & Cowan erschienen und die zahlreichen Varianten sind nicht billig zu finden. Auf Dänisch sind noch zwei weitere Anthologien (in drei Ausgaben) erschienen, insgesamt sind elf Ausgaben aber ein eher kleiner Beitrag zum Katalog aller Ausgaben. Es findet sich auch recht wenig zu Philip K. Dick auf Dänisch im Netz. Ob aber Dick weniger populär ist, mehr im Original gelesen wird oder ich die richtigen Winkel des Internet nicht finden konnte, kann ich nicht sagen.
Für die eigene Forschung sei hier bibliotek.dk als umfassende Quelle empfohlen.
Eine Quelle für den Kauf kann antikvariat.net sein, es gibt aber zahlreiche Antiquariate, die über ihre eigenen Seiten anbieten. Und es ist in jedem Fall geraten auf Qualität und Versandkosten zu achten, caveat emptor!
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 24. Februar 2018

Zehn elektrische Träume

Die erste Veröffentlichung von Philip K. Dick ist in diesem Jahr am 22. Februar die Anthologie Electric Dreams beim Fischer Verlag. Diese Ausgabe verdanken wir natürlich der gleichnamigen britischen Fernsehserie, die seit Anfang des Jahres auch bei Amazon in Deutschland verfügbar ist.
Electric Dreams mit zehn Kurzgeschichten von Philip K. Dick beim Fischer Verlag (2018)
Fischer hat für das Buch praktisch die englische Ausgabe von Gollancz von 2017 übernommen, inklusive dem psychedelischen Umschlagbild. Für die Übersetzungen wurde auf die Sämtlichen Erzählungen zurückgegriffen. Die kurzen Einführungen der Regisseure der jeweiligen Folge, die im englischen Original jeder Geschichte vorangehen, sind verloren gegangen. Ich halte das für einen mässigen Verlust, da diese Einführungen doch aus der Sicht von Filmschaffenden geschrieben sind, die m. E. wenig Neues über Dicks Werks sagen. Ein Cineast - ich benutze dieses Wort hier auch einmal für das moderne Fernsehen - wird das wohl anders sehen und die Leser dieser Anthologie kommen ja wohl von der Serie, daher muss man Fischer hier wohl Punkte abziehen. Allerdings wird der Fernsehzuschauer teilweise Schwierigkeiten haben, die Serie in den Geschichten wiederzufinden, gelegentlich ist doch nur eine Idee von Dick aufgenommen und arg transformiert, am ärgsten vielleicht in der Folge Real Life. Diese Transformation ist gar nicht schlecht und tut der Verfilmung auch eher gut, ist aber vielleicht unerwartet.
Amazon hat wohl mit der Reihenfolge der Folgen gespielt und die amerikanischen Folgen nach vorne geschoben. Da es fast keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Folgen gibt, spielt das keine grosse Rolle. Dafür gibt es ein paar Anspielungen auf Dick, in der Folge Fosters neue Welt gibt es etwa eine Glen Runciter High School.
Was ist nun drin in der Sammlung von Fischer? Es sind diese zehn Kurzgeschichten:
  • Ausstellungsstück [Exhibit Piece], Folge Real Life
  • Der Pendler [The Commuter], Folge Der Pendler
  • Der unmögliche Planet [The Impossible Planet], Folge Der unmögliche Planet
  • Der Gehenkte [The Hanging Stranger], Folge Tötet Alle Anderen!
  • Eine todsichere Masche [Sales Pitch], Folge Crazy Diamon
  • Das Vater-Ding [The Father Thing], Folge Das Vater-Ding
  • Der Haubenmacher [The Hood Maker], Folge Der Habenmacher
  • Foster, du bist tot [Foster, You're Dead], Folge Fosters neue Welt
  • Menschlich ist [Human Is], Folge Menschlich ist...
  • Autofab [Autofac], Folge Autofac
Die Kurzgeschichte Der Pendler ist damit zum ersten mal ausserhalb der Sämtlichen Erzählungen erschienen, Foster, du bist tot ist zum elften Mal veröffentlicht, die anderen eher öfter als weniger - es handelt sich also überwiegend um eher populäre Geschichten von Dick. Damit bleibt übrigens Erinnerungen en gros mit 16 deutschen Veröffentlichungen unbedrängt die am meisten veröffentlichte Kurzgeschichte. 
A Maze of Death
A halál útvesztője bei
Agave (2014) in Ungarn
Im Original hat Gollancz dem Titel noch ein Volume 1 beigefügt und die Bände 2 und 3 sind für Ende 2018 und 2019 bereits angekündigt. Ob sie erscheinen, ist natürlich abhängig vom Erfolg der Serie (wenn nicht, werden diese Bände bis zum Ende aller Zeiten in allen mögliche Katalogen und Liste auftauchen und Sammler für immer verwirren). Eine weitere Staffel der Serie ist noch nicht angekündigt, Material genug wäre aber ja wohl da. Volume 1 ist jetzt auch als Hardcover bei Houghton Mifflin Harcourt erhältlich.
Das Motiv des Covers hat sich übrigens schon bei der ungarischen Version von Dicks A Maze of Death bewährt, A halál útvesztője, herausgekommen 2014 bei Agave, wo Dicks Romane seit 2003 fast komplett erschienen sind.
Im Web findet man Electric Dreams auf Wikipedia und es gibt eine Leseprobe bei Fischer.
Zum ersten Erscheinen von Foster, Du bist tot in der Sowjetunion gibt es auch schon einen spannende Beitrag in diesem Blog. Und natürlich findet sich in diesem Blog auch ein bibliographischer Überblick der Ausgaben von Fischer und - ganz neu - ein Überblick über Philip K. Dick in Film und Funk.

Samstag, 3. Februar 2018

Dedication

Der vorige Blogeintrag zu den Widmungen in den deutschen Werken von Philip K. Dick hat bei mir zu einigen weiteren Nachforschungen geführt, deren Ergebnisse ich hier jetzt auch festhalten möchte, auch wenn es sich jetzt hier nicht um deutsche Widmungen, sondern um die englischen Originale handelt.
Nicht alle Widmungen haben es ins Deutsche geschafft und die verlorenen Widmungen sollen hier betrachtet werden - vorbehaltlich der Tatsache, dass meine Sammlung hier möglicherweise nicht vollständig ist.
Da ist zunächst To Eph Konigsberg who talked fast and talked very well in The World Jones Made - die frühen Ausgaben bei Goldmann, wo Die seltsame Welt des Mr. Jones zuerst erschien,  waren insgesamt etwas lieblos und haben auch die Widmung nicht übernommen. Konigsberg war im Fandom sehr aktiv, man kann annehmen, dass er mit Dick in Kontakt stand; sein Nachruf findet sich auch im Netz.
Widmung von Philip K. Dick an Stanley G. Weinbaum im Roman Deus Irae
This novel, in loving memory, is dedicated to Stanley G. Weinbaum, for his having given the world his story 'A Martinan Odyssee' ist die Widmung in Deus Irae (1976). Weinbaums Kurzgeschichte heisst in der deutschen Übersetzung Mars-Odyssee und ist nach der deutschen Erstausgabe 1970 im gleichnamige Band bei Heyne in der Serie Science Fiction Classics erschienen - und dann noch ein halbes Dutzend mal - und auch recht früh in der DDR, in der Anthologie Der Diamantenmacher bei Neues Leben (1972). Die Geschichte gilt als eine der besten Science Fiction Kurzgeschichten.
Im englischen Original gibt weiterhin eine Widmung an seinen langjährigen Freund Tim Powers und dessen Frau Serena in einigesn der späteren Ausgaben von DADoES, mindestens seit 1982 bei Ballantine, Gollancz verwendet allerdings weiterhin die Widmung an Bergrud.
In der DAW-Ausgabe von 1972 von We Can Build You gibt es die Widmung For Kathy Demuelle, my best friend, "Mea voluptas, mea deliciae, mea vita, mea amoenitas" (auf Deutsch: "Gern geschehen, mein Liebling, mein Leben, meine Freundlichkeit"). Kathy ist ein (sehr junger) Schwarm aus Dicks dunklen Zeiten (1970/1971), mehr dazu findet sich auch in Anthony Peakes Buch A Life of Philip K. Dick (Seite 95ff.) - spätestens mit der Vintage-Ausgabe von 1994 ist das auf eine Widmung an Ginny und Robert Heinlein geändert, die man dann auch in den deutschen Ausgaben finden kann.
Die schon im vorigen Blogeintrag genannte, etwas eigentümliche Widmung an seine vierte Frau, To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written in The Man in the High Castle hat Dick zwar 1973 ändern lassen, die britischen Ausgaben haben diese Änderung aber nicht mitgemacht und auch aktuelle Ausgaben, so die von Folio (2015), sind noch Anne gewidmet.
Am Schluss sollte man noch eine Widmung an Tessa erwähnen, die es im Deutschen nicht gibt: To Tessa and Christopher, my sun and son, who together light up my life and make, to me, the world: A visible thing ist vermutlich die ursprüngliche Widmung in Martian Time-Slip, die dann nach der Trennung von Tessa auf die an Hurst im Jahr 1976 geändert wurde.
Eine Übersicht über die deutschen Widmungen findet sich hier im Blog.

Samstag, 27. Januar 2018

Die Widmungen

Viele der Bücher von Philip K. Dick sind Personen gewidmet, die Dick nahe gestanden haben. Von den deutschen Ausgaben trägt nur etwa ein Viertel eine Widmung - in einigen Fällen ist diese literarische Zueignung bei der Übersetzung einfach verloren gegangen, häufig hat auch das Original keine Widmung.
Man kann die Widmungen - etwas willkürlich - in drei Gruppen teilen - Kollegen, Freunde und Familie. Zu den Kollegen gehören:
  • Anthony "Tony" Boucher - Gründer und bis 1958 Herausgeber von The Magazine of Fantasy and Science Fiction, über seine Verbindung zu Dick habe ich schon geschrieben
  • Donald "Don" A. Wollheim - Schriftsteller und für Dick wohl hauptsächlich als Herausgeber bei Ace relevant
  • S.M., das ist Scott Meredith - der Chef von Dicks Agentur, der Scott Meredith Literary Agency (SMLA)
  • Russell "Russ" Galen - Dicks Fan und dann Agent bei SMLA von 1978 und bis zu Merediths Tod 1993
Die Grenze zwischen diesen Kollegen und den Freunden ist schwer zu ziehen - allemal für den Autoren dieses Blogs - und soll hier auch nur helfen, eine Einteilung zu finden.
  • Mark und Jodie bzw. Mark und Diana - Mark Hurst war Dicks Herausgeber bei Bantam und hat mit Dick seit 1974 korrespondiert und dann Martian Time-Slip bei Bantam neu herausgebracht - mit der Widmung an ihn seine damalige Freundin Jodie; in The Golden Man, das Hurst vier Jahre später bei Berkley herausgebracht hat, ist dann seine Frau Diana genannt
  • Kirsten Nelson - die Frau vom befreundeten Schriftsteller Ray Nelson, mit dem Dick auch ein Buch gemeinsam geschrieben hat: Die Invasoren von Ganymed [The Ganymede Takeover]
  • Cynthia Goldstone - eine langjährige Freundin von Dick, die als Künstlerin auch viele Illustrationen in frühen Fanzines gestaltet hat. Als sie 2012 mit 90 Jahren gestorben ist, erschien ein Nachruf im Locus Magazin (#619, August 2012)
  • Robert und Ginny Heinlein - der seinerzeit bekanntere und erfolgreichere Schriftsteller war über einen längeren Zeitpunkt mit Dick befreundet
Viele seiner Widmungen gelten seiner Familie, genauer seinen Frauen und drei Kindern:
  • Laura - die gemeinsame Tochter mit seiner dritten Frau Anne R. Dick
  • Nancy Hackett - seine vierte Frau, die er am 6. Juli 1966 geheiratet hat und der er das im gleichen Jahr erschienene Buch Warte auf das letzte Jahr [Now Wait for Last Year] gewidmet hat; deshalb ist die Widmung auch noch unter ihrem Mädchennamen; die in einer separaten Widmung genannte Isa ist die gemeinsame Tochter 
  • Maren Augusta Bergrud - seine vierte Schwiegermutter, d.h. die Mutter von Nancy Hackett, die kurz vor der Veröffentlichung von DADoES im Jahr 1967 gestorben ist; mehr dazu findet sich im Netz, ebenso ein Bild ihres Grabsteines mit einem Zitat von Lukretz (und nicht Yeats)
  • Tessa - sie erscheint mehrmals in verschiedenen Widmungen und ist seine fünfte Frau und die Mutter seines Sohnes Christopher, der auch genannt wird
Ein unklarer Fall ist die Widmung für Vincent F. Evans, den ich nicht aufspüren konnte. Die Widmung ist übrigens tatsächlich im Deutschen wie auch im englischen klein geschrieben: for Vincent F. Evans.
Ernst Jüngers Roman Auf den
Marmorklippen
von 1939 in der
aktuellen Neuausgabe (2017) bei
Klett-Cotta mit vielen Extras
Eine gesonderte Betrachtung verdienen die Widmungen zu Das Orakel vom Berge. Für die erste deutsche Ausgabe bei König (1973) hat sich Dick eine eigene Widmung gewünscht: An Ernst Jünger für "Auf den Marmorklippen". Diese ist dann in den folgenden Ausgaben bei Bastei-Lübbe übernommen worden - bis zur Neuübersetzung bei Heyne (2000). Sei es, dass dem Verlag die Widmung an den umstrittenen Autoren Ernst Jünger politisch nicht opportun war, sei es, dass man einfach nur schlampig gearbeitet hat und die Besonderheit einer speziell deutschen Widmung übersehen hat. Ob Dick das Buch im Original gelesen hat - er konnte genug Deutsch, um sich schriftlich zu äussern und wohl auch zu lesen - ist unklar; eine englische Übersetzung von Jüngers Roman ist schon 1947 erschienen.
Heyne hat dann die aktuelle englische Widmung übernommen: Für meine Frau Tessa und meinen Sohn Christopher, in tiefer Liebe. Das war die aktuelle Widmung, weil Dick die ursprüngliche Widmung der englischen Ausgabe im Jahre 1973 hat ändern lassen - nachlesen kann man das in seinem Brief vom 25. Oktober 1973 an Scott Meredith in den Selected Letters. Während der Grund der Änderung leicht zu verstehen ist - neue Frau, neue Widmung in Dicks zum Zeitpunkt erfolgreichstem Buch - erscheint die ursprüngliche Widmung in ihrem Text recht eigentümlich: To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written. Das ist ein Satz, der zum Nachdenken anregen muss.
Eine Sammlung aller Widmungen findet sich auf einer separaten Seite hier im Blog und es gibt in diesem Blog noch einen Eintrag über die englischen Widmungen.
Zur weiteren Lektüre sei hier ein Nachruf auf Scott Meredith empfohlen, der den Eindruck erweckt, dass Meredith kein einfacher Mensch war und weiterhin ein kurzer Text von Russell Galen über die Vintage-Ausgaben.

Samstag, 20. Januar 2018

Was sonst noch in Wetzlar war ...

Galactic Pot-Healer, Gollancz (1971) mit einem Stempel von SMLA, der
Scottt Meredith Literary Agency in New York, Dicks Agenten
Bei meinem Besuch in der Phantastische Bibliothek in Wetzlar (der zugegebenermassen schon wieder etwas zurückliegt) war mein Fokus auf den Fanzines. Ich habe von der Primärliteratur dort wenig erwartet - meine Sammlung ist da relativ vollständig. Am Schluss habe ich im Untergeschoss doch einmal einen kurzen Blick riskiert, dort ein ganzes Regal mit Büchern von Philip K. Dick gefunden und in der (zu) kurzen verbleibenden Zeit auch ein paar interessante Funde gemacht.
Vorhanden war u. a. eine Ausgabe vom 1971 von Galactic Pot-Healer in der gebundenen Ausgabe aus der gelben Reihe von Gollancz. Kein wirklich ganz seltenes Buch und eigentlich keiner weiteren Erwähnung wert, wenn es nicht von der Scott Meredith Literary Agency gestempelt wäre. SMLA war Dicks erste und langjährige Agenten, dieser spezielle Stempel ist also - anders als die üblichen Bibliotheksstempel etc. - ein wahrlich interessanter Fund. Man kann annehmen, dass es von Dicks Agenten als Rezensionsexemplar oder ähnliches verschickt worden ist - der Stempel zeugt von einer spannenderen Geschichte als sie die meisten Exemplare hatten. Als Sammler sollte man das wertschätzen können.
Dieses Exemplar ist natürlich auch von der Phantastischen Bibliothek gestempelt und hat daher seinen Wert für den Sammler fast gänzlich eingebüsst - aber es dient hier höheren Zwecken, das sollte man auch als Sammler anerkennen.
Die gelben Gollancz-Ausgaben sind - ungestempelt - nicht ganz billig. Ich erinnere mich auch bei antiquarisch angebotenen Büchern schon den Hinweis "gestempelt von seinem Agenten" gesehen zu haben - einmalig ist dieser Fund also nicht, aber so etwas einmal selbst zu sehen, ist schon schön. Auch wenn man es nicht mitnehmen kann.

Samstag, 13. Januar 2018

Ein Blick nach 2018

Für den Sammler von Philip K. Dick muss das Jahr 2018 ein Jahr der Überraschungen werden. Denn es ist für das nächste Jahr praktisch nichts angekündigt. Man mag hoffen, dass es bei Amazon mit The Man in the High Castle weitergeht - auch wenn das für den Sammler keine Auswirkungen hat.
Ausserdem werden vielleicht die Electric Dreams fortgesetzt, ein zweiter Band der Anthologie ist als Buch angekündigt, das hängt aber sicher davon ab, ob die Serie weiter läuft. Und in Deutschland? Fischer hat, da die Electric Dreams ja jetzt gerade auch in Deutschland verfügbar geworden sind, für Februar eine deutsche Ausgabe des ersten Bandes der Anthologie angekündigt - offenbar keine Neuübersetzung, Amazon nennt bereits die Übersetzer, die wir von Haffmans kennen (die Webseite von Fischer selbst hält sich da noch etwas zurück). Mal gucken, ob wir auch die Einleitungen der englischen Ausgabe bekommen. Und sonst? Nichts. Aber Fischer hat uns auch im letzten Jahr noch ein unerwartetes Geschenkt gemacht ... und es gibt ja noch ein paar unübersetzte Mainstream-Romane von Dick. Man darf hier die Hoffnung nicht aufgeben.
Für die eigene Sammlung habe ich, ehrlich gesagt, noch keine Pläne. Es gibt immer noch ein paar hässliche Lücken in der Sekundärliteratur, die eigentlich leicht zu schliessen wären. Für die englischen Bände bleibt ein Schwerpunkt auf ein paar Verlagen. Ob ich das durchhalte oder doch wieder einfach planlos ein paar nette Dinge oder vermeintliche Schnäppchen kaufe ... man wird sehen. Am nettesten ist es dann doch meist ein spezielles Thema zu finden oder einzelne Stücke zu suchen, um eine Frage zu beantworten - und das lässt sich nicht planen.
In jedem Fall möchte ich noch ein paar Lücken in den internationalen Ausgaben schliessen, da gibt es noch ein paar Sprachen, die leicht zu kriegen sein sollten - vielleicht sogar Erstausgaben.
Etwas mehr Arbeit plane ich in diesem Jahr für den Katalog ein, ich habe damit bereits begonnen und das hat ja bereits etwas Niederschlag hier im Blog gefunden - insbesondere in der umfangreichen Liste der Veröffentlichung von Sekundärliteratur. Es gibt da allerdings noch viele Lücken, insbesondere ist mein Bestand noch nicht völlig ausgewertet, d. h. es gibt zahlreiche Essays, Vor- und Nachworte usw. in Büchern, die nicht einzeln aufgeführt sind. Aus Sicht des Sammlers mögen also alle Einheiten genannt sein, der Inhalt ist jedoch eben nur unzureichend ausgewertet.
Mit Einträgen wird es im Blog wohl weitergehen wie im vergangenen Jahr - nicht wöchentlich, aber (deutlich) mehr als monatlich sollten sich mindestens ein paar Zeilen finden.
Und vielleicht findet sich ja noch einmal Zeit für einen Ausflug zur Phantastischen Bibliothek in Wetzlar.