Samstag, 16. Juni 2018

Im Grenzland

Auch dieser Blogeintrag bewegt sich wieder hart am Rand der Sammlung. Der Eintrag Bis wohin... und nicht weiter berichtet von Ron Goularts Roman Als alles auseinanderfiel, ein Buch, das Philip K. Dick gefiel und das damit auf dem Cover Werbung machte.
Jack Dann: Grenzland der Hölle, Moewig (1985)
Grenzland der Hölle von Jack Dann mit dem Zitat von
Dick: "Ein verwegenes, originelles, witziges Buch"
Auch dieses mal geht es um einen werbenden Blub. Jack Danns Roman Grenzland der Hölle, in der deutschen Erstausgabe bei Moewig (1985) erschienen, trägt auf dem Cover den Text Ein verwegenes, originelles, witziges Buch, ohne den Urheber dieses Urteils zu nennen. Auf der englischen Erstausgabe mit dem Titel Junction von Dell (1981) heisst es "It's daring, it's original; it's fun." - Philip K. Dick. Tatsächlich nennt die deutsche Ausgabe Dick nicht - das erscheint mir ein bisschen merkwürdig, war Dick doch 1985 sowohl beim Verlag als auch in Deutschland durchaus bekannt und werbewirksam. Vielleicht ein Fehler - nicht der erste, dem wir in diesem Blog begegnen - vielleicht gibt es einen Grund, für den eine bessere Kenntnis der geheimen Regeln der Verlagsbranche nötig ist. Nun ja.
In der zweiten deutschen Ausgabe von Grenzland der Hölle bei Moewig von 1988 ist mit dem neuen Cover das Dick-Zitat ganz verloren gegangen, ebenso wie es auf der britischen Ausgabe von 2010 fehlt.
Danns Erzählung Junction kam schon 1973 in der November-Ausgabe der Science Fiction Zeitschrift Fantastic erstmalig heraus, in der auch schon einige Geschichten von Dick erschienen waren. Sie war dann 1974 für den Nebula nominiert, hatte also sicher eine gewisse Sichtbarkeit, gerade bei Dick, dessen Romane zur gleichen Zeit des öfteren nominiert waren (aber nie gewannen). Dann hat dann die Erzählung zu einem Roman erweitert, der 1981 mit dem oben genannten Zitat erschienen ist. Mir ist nicht klar, ob Dick sich auf die Erzählung oder den Roman bezieht. Auf Danns Webseite findet man auch noch ein umfassenderes Zitat:
The late Philip K. Dick wrote that "Junction is where Ursula Le Guin’s [The] Lathe of Heaven and Tony Boucher’s The Quest for Saint Aquin meet…and yet it’s an entirely new novel, a good one, an exciting one, and even an important one….It delightfully deconstructs your notions of time and space and reality in ways I myself never thought of, but would have liked to".
Das Adjektiv late deutet eher darauf hin, dass sich der 1982 verstorbene Dick auf den Roman bezieht. An anderer Stelle, wohl auf dem Klappentext auf der Rückseite, heisst es:
Junction is where Ursula Le Guin's The Lathe of Heaven and Tony Boucher's The Quest for Saint Aquin meet... and yet it is an entirely new novel... I may very well be basing some of my future work on Junction. - Philip K. Dick
Ich konnte die Quelle dieser Zitate leider nicht aufspüren, vermutlich handelt es sich um einen Brief von Dick an Dann oder seinen Verleger. Ursula K. Le Guin und Tony Boucher waren Bekannte von Dick und Le Guins Roman, Die Geissel des Himmels, gilt als Anerkennung an Dick und wurde von ihm sehr gelobt.
Eine weitere Verbindung von Dick und Dann gibt es im Rahmen der Lem-Affäre, bei der sich Dann gegen den Rauswurf von Stanislaw Lem aus der SFWA gewandt, Dick hat hier eine (eher unschöne) Rolle gespielt. Danns Brief findet sich in den Science Fiction Studies #12 vom Juli 1977, man kann den auch online nachlesen.
Wir begegnen Dann im Katalog noch öfters. Nämlich in Kopernikus 3, Moewig (1981), das neben Dicks Der Fall Rautavaara auch Danns Ohne Netz und dopellten Boden enthält und dem entsprechenden Nachdruck in Highlights 6, Moewig (1986).
Ausserdem hat Dann gemeinsam mit Gardner Dozois eine Reihe von SF-Anthologien bei Ace herausgegeben, von denen einige auch Kurzgeschichten von Dick enthalten - die Wertschätzung war also offenbar gegenseitig. Eine dieser Sammlungen hat es unter dem Titel Aliens und andere Freunde bei Bastei-Lübbe (1983) auch ins Deutsche geschafft.
Die deutsche Ausgabe von Jack Danns Roman findet sich leicht und billig, aufpassen muss man bei den Moewig-Ausgaben der Zeit nur darauf, dass man keinen Remittenden erwischt - oder gar die Ausgabe von 1988.
Die wohl vollständigste Bibliographie von Jack Dann findet sich auf seiner Webseite, hier sind auch die Übersetzungen berücksichtigt. Zu einer frühen Anthologie (ohne Beitrag von Dick) findet sich übrigens der Satz A few copies of the first edition were published with the name “Jack Dunn” printed on the spine; this was corrected in later printings. Klingt spannend ...

Samstag, 9. Juni 2018

Filip K. Dik

Eine andere Welt, im Original Flow my Tears, the 
Policeman Said von Philip K. Dick in serbischer 
Übersetzung: Tecite Suze Moje, Rece Policajac in 
der Ausgabe von Bata & Znak sagite (1991)
In serbischer Sprache findet sich ein überraschend breites Spektrum der Werke von Philip K. Dick: Ungefähr sind das 14 SF-Romane in 29 Ausgaben, drei Anthologien, ein Band mit Essays, ein Comic, Sekundärliteratur und zahlreiche Kurzgeschichten in Zeitschriften.
Die erste Ausgabe eines Romans war schon 1977 Čovek u visokom dvorcu, die serbische Ausgabe von Das Orakel vom Berge. Dieser Roman findet sich in vielen Ländern des damaligen Ostblocks oft unter den frühesten Ausgaben Dicks in den jeweiligen Sprachen. Es folgen noch in jugoslawischer Zeit DADoES (1984), Ubik (1986) und Eine andere Welt (1988 und 1991) - also einige der besten Romane von Dick.
Beim Recherchieren nach serbischen Ausgaben stellt sich zunächst das Problem, die Sprache der Veröffentlichung zu erkennen. Das ist zwar erst mal ein Problem des Autoren dieses Textes (der gar keine slawische Sprache beherrscht, schon gar nicht Serbisch und/oder Kroatisch), es scheint aber überhaupt ein Problem zu sein - bis 1992 war Serbokroatisch eine Amtssprache von Jugoslawien, danach wurde u. a. das Serbische und das Kroatische (über das hier im Blog noch getrennt zu sprechen ist) mehr aus politischen Gründen, denn aus linguistischen getrennt. Sucht man den Unterschied dieser Sprachvarianten, erfährt man von sozialer Wahrnehmung; mehr zu dem Thema findet sich z. B. auf Wikipedia. Das sind sicher schwerwiegende Themen, als Sammler habe ich aber meine praktischen Probleme damit. Auch die Schrift taugt nicht zur Unterscheidung. Denn obwohl in Serbien das Serbische offiziell kyrillisch geschrieben wird (aber eben erst seit 2006), kommen in der Praxis auch Bücher in lateinischer Schrift auf den Markt. Auch von den serbischen Dick-Ausgaben ist nur eine kleine Minderheit in kyrillisch erschienen. Auch bei den lateinischen Ausgaben wird der Name of Filip K. Dik geschrieben.
Nun sind Serbisch und Kroatisch aber standardisiert, die Veröffentlichungen lassen sich also verschiedenen sogenannten Standardvarietäten zuordnen, auch wenn mir das in meinen Zuordnungen nicht immer richtig gelungen sein mag. In dieser Hinsicht ist dieser Blogeintrag also eher als ein Versuch zu sehen, denn als ein Ergebnis. Nötigenfalls werde ich den Eintrag aktualisieren, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben.
In jedem Fall setzt sich die hohe Qualität der ausgewählten Übersetzungen auch nach 1992 fort: Der dunkle Schirm, Die drei Stigmata des Palmer Eldritch und Der Irrgarten des Todes sind dabei.
Das Titelbild der hier gezeigten zweiten Ausgabe von Eine andere Welt von 1991, das später auch für die dritte Ausgabe von 1997 verwendet wurde, ist verstörend genug für einen sechsten Platz in der Liste The Weirdest Philip K. Dick Covers We Could Find.
In Deutschland sind verschiedene serbische Ausgaben über die üblichen Antiquariatsportale bezahlbar (und) bestellbar, dem Sammler stellen sich hier keine Probleme. Bestellungen direkt in Serbien stellen sich jedoch in der Regel schwierig dar.
Eine unvollständige Quelle, die aber eine grosse Zahl von einzeln veröffentlichten Kurzgeschichten nennt, findet sich hier - als erste veröffentlichte Kurzgeschichte wird 1964 Hochstapler [Impostor] genannt, das ist für ein Ostblockland bemerkenswert früh. Die Quelle liess sich allerdings nicht validieren.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich (bekanntlich) hier im Blog.

Samstag, 2. Juni 2018

Das erste mal woanders ...

In der Juli 1952 Ausgabe von Planet Stories ist Beyond Lies the Wub die erste veröffentlichte professionelle Kurzgeschichte von Philip K. Dick - allerdings war Roog seine erste, bereits 1951 verkaufte Kurzgeschichte, diese ist dann aber erst 1953 erschienen. 1955 kam dann Dicks erster Roman Solar Lottery bei Ace Books heraus. Ace brachte auch die Erstausgaben der nächsten vier Romane heraus. Das alles ist natürlich jedem Dick-Interessierten wohlbekannt - vielleicht auch, dass er vorher schon als Schüler in der Lokalzeitung einige Veröffentlichungen hatte. Aber wann sind die ersten Ausgaben ausserhalb der USA erschienen?
Auch die erste britische Ausgabe von 1955, die Original-Anthologie A Handful of Darkness (Rich & Cowan) und der erste Roman, World of Chance (ebenfalls bei Rich & Cowan), lassen sich bei der Internet Speculative Fiction Database (isfdb) schnell ermitteln.
The Defenders in der Ersterscheinung in Galaxy, Januar 1953
und auf Deutsch in Galaxis 5 bei Moewig (1958)
Ausserhalb des englischen Sprachraumes wird es deutlich schwieriger.
Die erste Übersetzung einer Kurzgeschichte scheint Los Defensores zu sein, die spanische Übersetzung von The Defenders. Im Original im Januar 1953 in der Zeitschrift Galaxy erschienen, findet man die Übersetzung in der ersten Ausgabe des argentinische Magazins Más Allá vom Juni des Jahres. Im selben Jahr folgen noch zwei weitere Übersetzungen, Colonizadores [Colony] in der November-Nummer (6) von Más Allá und El Hombre Variable [The Variable Man] in der ersten Ausgabe des Magazins Urania, erschienen im ebenfalls argentinischen Rosario.
Auch in der zweiten Sprache ist The Defenders die erste übersetzte Geschichte. Auf Italienisch erscheint I difensori am 30. Januar 1954 in I Romanzi di Urania #33Das Cover dieser italienischen Ausgabe, zu sehen ebenfalls bei isfdb, ist offenbar inspiriert vom Cover der Galaxy-Ausgabe, in der The Defenders zuerst erschien ist. Auch in Deutschland erscheint diese Kurzgeschichte als erste von Dick, hier unter dem Titel Die Verteidiger, allerdings erst im Juli 1958 in Galaxis 5 bei Moewig, einer kurzlebigen deutschen Ausgabe von Galaxy - hier jedoch mit einem gänzlich anderen Cover. Damit ist Deutschland weit hinterher, schon 1954 sind zahlreiche weitere von Dicks Erzählungen in Italien und Frankreich publiziert - und sogar in Russland erscheint schon im April 1958 eine Geschichte von Dick - auch das eine spannende Geschichte.
Griff nach der Sonne und Geheimprojekt Venus von 1962 bei
Semrau, die wohl ersten beiden Übersetzungen von Romanen
von Philip K. Dick, erschienen bei Semrau
Für die erste Übersetzung eines Romans überhaupt schlage ich Griff nach der Sonne von 1958 vor, der deutschen Ausgabe von Solar Lottery. Dieses Romanheft ist als Nummer 7 in der wohl monatlich erscheinenden Reihe Abenteuer im Weltenraum herausgekommen. Da Nummer 11 die erste Ausgabe des Jahres 1959 ist, ergibt eine Rückrechnung, dass Nummer 7 die September-Ausgabe sein sollte. Das ist zugegebenermassen etwas unzuverlässig, zumal für die Reihe auch eine vierzehntägliche Erscheinungsfrequenz genannt wird - und bei Serien dieser Art wäre auch ein unregelmässiges Erscheinen nicht ungewöhnlich. Mehr zu den Heften gab es schon hier im Blog.
Die Ausgabe Nummer 2 der Serie Abenteuer im Weltenraum verwendet übrigens das Cover der Ace-Ausgabe von Solar Lottery, allerdings hat das Heft sonst gar nichts mit Dick zu tun, es ist Ein Stern rebelliert des deutschen Science Fiction Autoren C. C. Zanta, wohl einem Pseudonym von Hanns Kurth.
Il disco di fiamma [Solar Lottery], eine sehr frühe
Übersetzung eines Romans von Philip K. Dick aus
Italien, mit kleinen Problemen beim Layout
Das Cover wird auch von der ersten italienische Ausgabe des Romans verwendet, dem sonst nächsten Anwärter auf den Titel der ersten Übersetzung eines Romans. Il disco di fiamma erscheint aber erst am 21.12.1958, wie man auf einem besseren Scan des Cover nachlesen kann. Das ist also sicher erst nach dem Griff nach der Sonne - und auch nach Geheimprojekt Venus, als Nummer 8 in der Weltenraum-Reihe erschienen. In der Disziplin Roman also Gold und Silber also für Deutschland, immerhin Bronze für Italien. Drittes Land wird dann offenbar Japan, wo die Übersetzung von Eye in the Sky im folgenden Jahr unter dem Titel 宇宙の眼  (Uchū no me) erscheint.
Erwähnen möchte ich, dass mir bei der Recherche auch die PKD Fan Group auf Facebook geholfen hat, dieser Tage wohl das aktivste Gemeinde von kundigen Fans von Philip K. Dick.
Die Ausgaben von Rich & Cowan sind nicht selten, aber auch nicht billig (sondern gehören eher zu den teuersten regulären Ausgaben, die man von Dick so kaufen kann) und von World of Chance gibt es verschiedene Varianten, die sich im Preis deutlich unterscheiden - und viele sind die ungeliebten (aber bezahlbaren) Ex-Lib Exemplare. Die Semrau-Hefte sind leicht und günstig zu finden, man sollte sorgfältig auf eine gute Erhaltung achten.
Hier im Blog findet sich auch ein Überblick über alle Sprachen, in die es Übersetzungen gibt.mit dem Versuch, jeweils die ersten Ausgaben von Dick mit ihrem Erscheinungsdatum zu nennen.

Samstag, 26. Mai 2018

Sieben auf einen Streich

Meist versuche ich ja in diesem Blog immer einen mehr oder weniger sinnvollen Text zu schreiben, der wenigstens ein bisschen allgemeingültig ist. Dieses mal schreibe ich aber über einen aktuellen Einkauf, man sagt hier und heute wohl haul, der mir sehr viel Freude macht.
Bei Abe war mir ein Konvolut von sieben Büchern aufgefallen, von dem ich eigentlich wegen der hohen Portokosten (aus den USA natürlich) furchtbar abgeschreckt war - Portokosten, die höher als der Kaufpreis sind, finde ich einfach inakzeptabel. Der zweite Blick zeigte aber, dass die sechs Taschenbuchausgaben zum einen durchgängig (Taschenbuch-)Erstausgaben waren und ich nur eine davon in der Sammlung habe und dass drei Bände von meinem auch-Lieblingsverlag Ace dabei waren. Und als Krönung war die Taschenbuch-Erstausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep von Sphere (1971) enthalten. Der Händler behauptete dazu noch einen Zustand von very good or better. Und wenn man das Porto durch sieben teilt, ist es eigentlich auch absolut annehmbar.
Sieben auf einen Streich:  The Preserving Machine, DADoES, The Game-Players of Titan, The Variable 
Man, Ubik, The Man Who Japed und die Buchclub-Ausgabe der Valis-Trilogie
Meine Hoffnungen waren trotzdem recht niedrig, das Ergebnis ist jetzt aber mehr als erfreulich. Auch wenn der Zustand teilweise etwas optimistisch geschätzt war, konnte ich zwei Preisschilder spurlos ablösen (bitte nur nachmachen, wenn man weiss, was man tut) und habe jetzt sieben erstklassige Zugänge zu meiner Sammlung - selbst die Doublette konnte ich gebrauchen, da sie in einem deutlich besseren Zustand als mein Bestand war. Und die DADoES-Ausgabe ist einfach ... wunderschön - und vermutlich werde ich einer Erstausgabe auch nicht näher kommen.
Überhaupt sind die Titelbilder dieser Ausgaben aus den 50er, 60er und 70er Jahren durchgängig Meisterwerke, das Jeff Jones Cover von Ubik ist, wie ich finde, eines der besten Dick-Cover überhaupt, die Illustration zieht sich auch um das ganze Buch herum, man kann sich das bei isfdb schön ansehen (und das sie heute keine Cover mehr machen, wie damals ... habe ich wohl schon ausführlich beklagt).
Viel Erfolg bei der Jagd!

Samstag, 19. Mai 2018

Kleinlichkeiten

Die Ankündigung von Fischer im nächsten Jahr eine Ausgabe von Philip K. Dicks Time Out of Joint herauszugeben, hat mich dazu gebracht, die Ausgaben dieses Romans einmal anzusehen, die ich in meiner Sammlung habe.
Deutsche Ausgaben von Time Out of Joint von Philip K. Dick
Zeit aus den Fugen von Philip K. Dick bei Heyne (2002)
in der Werk-Edition und gebunden bei Haffmans (1995)
Von diesem frühen Roman von Dick gibt es diverse deutsche Ausgaben, angefangen mit Zeit ohne Grenzen von Balowa (1962), dem ersten richtigen Buch von Dick jenseits von Heftausgaben.
Es folgte eine von Tony Westermary neu übersetze Ausgabe in drei Auflagen bei Goldmann unter dem Titel Zeitlose Zeit. Und danach gibt es eine weitere Neuübersetzung, dieses mal Zeit aus den Fugen, bei Haffmans bis zur derzeit letzten Ausgabe bei Heyne (2002). Bei der von Fischer angekündigten Ausgabe handelt es sich wohl um die Übersetzung von Haffmans, die man auch bei Heyne findet.
Ich habe alle drei Auflagen von Goldmann in der Sammlung, auch wenn erste und zweite Auflage - bis auf die Angabe der Auflage im Impressum - scheinbar identisch sind. Und obschon sie im Regal nebeneinander stehen, war mir nie aufgefallen, dass die ansonsten identische erste und zweite Auflage abweichende Buchrücken haben: Die erste Auflage hat einen weissen Rücken mit hell lila Schrift für den Schriftzug Science Fiction und das Goldmann-Logo und schwarze Schrift für Autor und Titel. Bei der zweiten Auflage ist der Rücken hellblau und die Schrift gelb und weiss.
Buchrücken der (von oben) ersten (1978), zweiten (1978) und der dritten
Auflage (1985) von Zeitlose Zeit von Philip K. Dick bei Goldmann
Die dritte Auflage hat bekanntlich ein neues Titelbild, man findet das hier im Blogeintrag über Goldmann und ist damit unbedingt eine neue Ausgabe für die Sammlung. Ob eine abweichende Färbung des Buchrückens nun ein Kriterium für die Sammelbarkeit darstellt, ist wie immer jedem selbst überlassen, ich halte es aber für eine deutliche Abweichung, die man in seiner Sammlung berücksichtigen sollte - nein muss!
Impressum der dritten Auflage von Zeitlose Zeit von 1985:
11/85 und 3. Auflage sind klar ausgewiesen, es wird
ggf. aber als eine Ausgabe von 1978 angeboten, argh!
In jedem Fall kann es helfen aus der Ferne eine erste von einer weniger gewünschten zweiten Auflage zu unterscheiden - gelegentlich ist der Buchrücken bei Angeboten ja zu erkennen. Die erste und wohl auch die zweite Auflage sind recht einfach zu finden, die dritte macht ein bisschen Mühe. Das ist aber wohl eine Folge der ISBN, die für alle drei Auflagen gemeinsam genutzt wird. Viele Portale nutzen dann die ISBN, um ein Beispielbild zu zeigen, das dann nicht immer stimmen kann. Ausserdem sparen es sich viele Anbieter bei billigen Taschenbüchern die Auflage anzugeben und gegen, wenn überhaupt, nur das Jahr an - liest man das Impressum aber falsch, so liest man dort auch für die dritte Auflage 1978 - nämlich das Jahr des Copyright. Es gibt also die üblichen Probleme mit den üblichen Lösungsstrategien: Man wartet auf ein aussagekräftiges Bild oder fragt nach.
Eine Liste aller Ausgaben von Goldmann findet man hier im Blog.





Samstag, 12. Mai 2018

Kurzurlaub

Buchregal in Rom
Das umfangreiche Angebot von Büchern von Philip K. Dick bei
Feltrinelli Books and Music am Largo di Torre Argentina in Rom
Italien. Das Sehnsuchtsland der Deutschen. Und immer eine Reise wert, nicht nur die Toskana, nein, am allermeisten (finde ich) ist das natürlich Rom. Und dabei auch noch das Land mit den meisten Ausgaben von Philip K. Dick (nach den USA), über 350!
Und daher kann man in Rom einen Buchladen besuchen und wird von einem Regal mit einem wirklich grossen Angebot von Büchern von und über Philip K. Dick ... erfreut. Ja, anders kann man es wohl nicht sagen. In Deutschland haben selbst sehr grosse Buchläden kaum einige der wenigen, derzeit beim Verlag erhältlichen Bücher in ihren Regalen. Das grosse Angebot in Italien korreliert vermutlich mit der Nachfrage und daher auch mit dem im Laden erhältlichen Büchern. Dick ist hier gefragt!
Träumen Roboter von elektrischen Schafen? auf Italienisch
Ma gli androidi sognano pecore elettriche? von Fanuci,
auf Deutsch Träumen Roboter von elektrischen Schafen?
Mein Italienisch ist zu schlecht, als dass ich Philip K. Dick auf Italienisch lesen würde (oder könnte), ganz widerstehen konnte ich diesem umfänglichen Angebot aber trotzdem nicht, obwohl ich ja schon Italienisches in der Sammlung habe - aber man hat eben nie genug Träumende Roboter in der Sammlung.
Der Blick in andere Bücher zeigt, dass in der aktuellen Anthologie Electric Dreams die Einführungen der Regisseure, die im englischen Original jeder Geschichte vorangehen, auch in der italienische Ausgabe vorhanden sind. Bei Fischer in Deutschland sind sie leider, wie berichtet, verloren gegangen. Solche Details sagen wohl viel über die Wertschätzung des Autoren und seines Werks aus.
Wenn das Thema nun schon Rom ist, so muss ich Umberto Rossi erwähnen, der hier lebt und arbeitet. Dieser Dick-Kenner und Übersetzer ist ein ausgesprochener Fachmann, der auch eine interessante Monographie veröffentlicht hat, die die Sammlung bereichert: The Twisted Worlds of Philip K. Dick: A Reading of Twenty Ontologically Uncertain Novels (McFarland, 2011).
Das gezeigte Bild des Regals oben ist übrigens weniger eindrucksvoll als das entsprechende Regal bei Feltrinelli in der Galeria Collona (bzw. Galeria Alberto Sordi), es gibt dort ein noch umfangreicheres Angebot, das Bild von dort ist allerdings völlig misslungen und nicht präsentabel.
Mehr über die italienischen Ausgaben findet man auch hier im Blog.

Samstag, 28. April 2018

Limited Edition

Ein Ted Naifeh Cover für The Man in the High Castle
The Man in the High Castle
Beim Sammeln geht es meist um alte Dinge, Dinge, die es, weil sie alt sind, nur selten gibt. Aktuelle Ausgaben von Büchern spielen da oft eine untergeordnete Rolle (dieser Blog beobachtet und bespricht aber auch die deutschen Neuerscheinungen von Philip K. Dicks Büchern genau, zumal sie auch selten genug sind).
Aktuelle Ausgaben, die das Interesse des Sammlers wecken, sind in der Regel die teuren Sammlerausgaben, in der letzten Zeit sind das die beiden Folio-Ausgaben und vorher vielleicht die Collected Stories von Subterranean. Eine relativ aktuelle Ausgabe, die bisher aber relativ unbeachtet geblieben ist, ist die limited edition 2015 von The Man in the High Castle. Diese Ausgabe war nicht frei verkäuflich, sondern wurde auf der San Diego Comic-Con 2015 (9. bis 12. Juli) bei der Premiere der gleichnamigen Amazon-Serie an die Besucher verteilt, vermutlich auch auf der folgenden New Yorker Comic-Con im Oktober. Solche Promotionartikel erreichen natürlich dann doch den Markt - und dort auch wegen ihrer Exklusivität meist hohe Preise. Das kann man auch von dieser Ausgabe erwarten, oft gezeigt hat sie sich tatsächlich noch nicht, daher lässt sich das Preisniveau auch nicht einschätzen. Die Ausgabe ist recht aufwändig gestaltet - Amazon hat ein eigenes Cover spendiert. Der renommierte Comiczeichner Edward Ted Naifeh hat das Cover gestaltet. Auf dem Cover hält die Hand Hawthorne Abendsens Buch im Buch The Grashopper Lies Heavy, auf anderen Darstellungen Naifehs ist das eine Filmrolle - entsprechend der Amazon-Serie. Diese anderen Motive wurden auf der Comic-Con als Poster und Drucke verteilt.
Das Orakel vom Berge, Rückseite einer englischen Ausgabe von 2015
Rückseite von The Man in the High Castle
Darüber hinaus gibt es eine Lawine von Merchandising aus dem TMitHC-Umfeld der Serie, das diesen Blog nicht weiter beschäftigen wird.
Suchen muss man auch die Informationen über dieses Buch, an den üblichen Orten ist es nicht verzeichnet - weder in der Internet Speculative Fiction DataBase, die 59 englische Ausgaben verzeichnet (dabei sind aber verschiedene Auflagen sonst unveränderter Ausgaben - insbesondere die vielen Berkley-Ausgaben machen das ziemlich unübersichtlich), noch auf dem etwas übersichtlicheren Philip K. Dick Bookshelf mit 34 Ausgaben.
Daher kurz zu den bibliographischen Angaben des Buches: The Man in the High Castle, Boston, New York: Mariner Books (2015), 274 Seiten, Paperback. Weiterhin steht da First Mariner Books 2011, auch wenn die entsprechende Ausgabe von Mariner erst 2012 herausgekommen ist. ISBNs sind zwei angegeben: 978-0-547-57248-2, das ist auch die von Mariner 2012 und die Special Markets ISBN 978-0-544-75048-7. Man kann also annehmen, dass es sich bei dem Buch um die Mariner-Ausgabe von 2012 mit einem neuen Cover und einer minimalen Ergänzung im Impressum um die Special Markets ISBN handelt. Es gibt keinen Bezug auf Amazon oder die Serie. Die Widmung ist auch die in den USA übliche, die spätere nämlich an seine Frau Tessa, die auch in Deutschland entsprechend übernommen ist: To my wife, Tessa, and my son, Christopher, with great and awful love. Die britischen Ausgaben folgen der ursprünglichen Widmung an Anne.
Diese Ausgabe zu erwerben ist sicher nicht leicht - und damit um so attraktiver für einen Sammler. Die beste Chance hat man wohl in der amerikanischen Bucht. Wie viel man bezahlen will oder muss, hängt davon ab, wie sehr man dieses Buch in seiner Sammlung braucht, für den Komplettisten ist das Buch aber unbedingt ein Muss.
Die zehn deutschen Ausgaben von Das Orakel vom Berge finden sich hier im Blog.