Samstag, 23. Mai 2020

Otto Basil - wenn das der Führer wüsste

Es ist schon wieder etwas her seit ich über die ersten beiden Ausgaben des Magazins !Time Machine berichten konnte. In der zweiten Ausgabe fand sich ein Artikel von Hans Frey über Religion und Science Fiction. Es wurde dort das Thema „esoterischer Nordlandmythen“ gestreift und dabei auch Otto Basils Alternativweltroman Wenn das der Führer wüsste herausgehoben und (natürlich) mit Philip K. Dicks Roman Das Orakel vom Berge verglichen; seinerzeit wurde ja gerade die vierte Staffel der Serie The Man in the High Castle bei Amazon veröffentlicht, die auf Dicks Buch basiert.
Otto Basil: "Wenn das der Führer wüsste", Moewig (1981)
Helmut Wenskes Umschlagbild für Otto Basils Wenn das der Führer wüsste
Nun hat auch Basils Werk den Weg in meine Sammlung gefunden, leider innen etwas schmutziger als der sehr saubere Umschlag erwarten liess. Das Thema des Romans ist aber nur der halbe Grund, der andere ist das sehr ansehnliche Umschlagbild.

Wenn das der Führer wüsste

Im Buch folgen wir dem Strahlungsspürer Albin Totila Höllriegel. Und hier zeigt sich der grösste Unterschied zu Dicks Roman, den ich in diesem Blog eben für einen Vergleich hinzuziehen muss: Dicks Protagonisten sind sympathische Menschen, zu denen der Leser Mitgefühl entwickeln muss, Mr. Tagomi ist vielleicht sogar die tiefgründigste Figur in Dicks Werk. Höllriegel dagegen ist sicher auch in gewissen Umfang ein Opfer (der allgemeinen Umstände), insgesamt zeigt er aber wenig Reflektion oder gar Mitleid … und dabei ist er ein begeisterter Täter, der die Umstände gerne nutzt. Auf jeden Fall will man keine Sympathien für diesem Menschen entwickeln – oder irgend einen anderen, dem Höllriegel begegnet. Basil zeigt die Brutalität und Perversion des Nationalsozialismus, Dick zeigt uns Menschen in schwierigen Situationen, der Alternativweltroman ist das gemeinsame Mittel. Natürlich deutet auch Dick die Brutalität der Nazi-Herrschaft an, es ist aber nicht sein Thema. Als er sich für die Fortsetzung seines Romanes tiefer damit beschäftigt und nach eigener Aussage auch Protokolle von Verhören mit Tätern liest, gibt er auf: Das Thema wird für ihn zu brutal.
Eine ausführliche Kritik zu Basils Roman zur Neuauflage von 2010 kann man andernorts nachlesen.

Darf man das?

Die Ausgabe von Moewig hat ein Vorwort von Helmut Krohne, das nur hier publiziert ist und das Werk politisch korrekt einordnet. Krohne ist ein Bekannter von Alpers, sie haben gemeinsam publiziert, Alpers war zeitweise Redakteuer der sehr linken Science Fiction Times.
Basil stellt die Brutalität der nationalsozialistischen Herrschaft mit dem Mittel der Satire da. Ist die Beschreibung eines solchen fiktiven Erfolges der Nazis aber geeignet – oder doch eher problematisch? Dirk Rupnow schreibt in Vernichten und Erinnern, dass das Beschreiben eines (End-)Sieges ein problematisches Unternehmen in Ländern der Niederlage ist, weil ein fragwürdiger nostalgischer Impuls sichtbar wird. D. h. beim Autor und ggf. auch beim (deutschen) Leser kommt vielleicht doch eine klammheimliche Freude beim Gedanken eines für Deutschland siegreichen Ausgangs des zweiten Weltkrieges auf (man möchte sagen, in der zeitlichen Nähe von 1966 vielleicht noch mehr als heute, muss aber wohl einsehen, dass das heute für einige doch eher mehr der Fall ist). 
Basil zeigt uns nun die Konsequenzen dieses fiktiven Sieges, ich denke nicht, dass dabei Freude aufkommt: Passierscheine, Bezugsscheine, Formulare ... und alles ist grau und bedrückend und angsterregend, selbst für die Protagonisten. Und auch Dicks Roman taugt nicht, um sich über einen deutschen Sieg zu begeistern, wir sehen auch wenig deutsche Sieger. 
Problematischer ist es da allerdings mit der Verfilmung bei Amazon: The Man in the High Castle zeigt viele prächtige Uniformen, glänzende Lederstiefel und alles, was das amerikanische Kino seit Jahren auffährt, um oppulente Bilder zu gestalten. Natürlich sind die Nazis immer böse und werden besiegt, aber schön anzusehen sind sie dabei.

Kannte Basil Dicks Roman?

Die Erstveröffentlichung von Wenn das der Führer wüsste war 1966, The Man in the High Castle ist 1962 erschienen, die deutsche Übersetzung bei König aber erst 1973. Ein Hugo-Gewinner war aber sicher kein Geheimnis in Österreich, Basil der SF-Szene aber wohl eher fern: Basils einziger Roman ist auch sein einziger Beitrag zur Science Fiction, daher wird es wohl in der SF Gemeinschaft wenig erwähnt. Hans Joachim Alpers nennt den Roman dann im Nachwort aber einen der wichtigsten literarischen Beiträge zur deutschen Science Fiction, trotzdem ist es von Basil wohl ein unabsichtlicher Beitrag zum Genre. Auch Robert Harris Alternativweltroman Vaterland (Fatherland, 1992) ist wohl eher dem im angelsächsichen eher spielerischen Umgang mit Geschichte zuzuschreiben als eine Neigung zu Science Fiction. Auf deutscher Seite fällt einem noch Carl Amery ein, er hat sich auch mit einige Beiträge der Science Fiction zugewandt, sein Roman Der Untergang der Stadt Passau, Erstausgabe bei Heyne (1979), sei genannt, weil mein Favorit. Es gibt aber gerade in den letzten Jahren zunehmend deutsche Beiträge zum Thema Alternativweltroman. 
Die Vergleiche der Romane von Basil und Dick sind erst viel später gemacht worden. Ausserdem hat Dick den Alternativweltroman nicht erfunden, Basil brauchte Dick nicht … eine sichere Aussage kann und braucht man also nicht machen.

Und so … 

Das oben angesprochene Umschlagbild ist von Helmut Wenske, der auch für einige Romane von Dick die Illustration der Umschläge gemacht hat, dazu vielleicht später mehr in diesem Blog.
Die allwissende Wikipedia schreibt den Titel des Buches übrigens konsequent mit einem Ausrufungszeichen, Wenn das der Führer wüsste!, steht damit aber allein – und liegt natürlich falsch, das zeigt auch der Eintrag bei der Deutschen Nationalbibliothek. Verbindlich ist dafür natürlich die Titelseite.
Zu kaufen gibt es alle drei Ausgaben des Buchs, einfach und günstig – Sammler, bitte auf die Erhaltung achten, gerade Moewig von 1981 ist gerne eine Remittende. Die neueste Ausgabe gibt es auch noch frisch beim Verlag. Leider ein aktuelles Werk.
Im vergangenen April ist gerade die dritte Ausgabe der !Time Machine beim Wurdack Verlag herausgekommen.
Der Web-Tipp ist die enlischsprachige Seite Uchronia, die Liste der Alterantivweltgeschichten, die auf den ersten Blick ausgesprochen vollständig wirkt, auch wenn u. a. Thomas Zieglers Die Stimmen der Nacht fehlt. Eine sehr unvollständige Bibliographie gibt es hier im Blog.

Preise

"Wenn das der Führer wüsste" von Moewig ab 10 Euro für ein sauberes Exemplar
Die neue Ausgabe von Milena, ISBN 978-3-85286-197-5 vom Verlag für 18,90 Euro

Samstag, 2. Mai 2020

The Pipers

Natürlich wieder gänzlich zufällig bin ich beim Fang auf The Pipers getroffen, einen Graphic Novel nach der Kurzgeschichte Piper in the Woods von Philip K. Dick.
Das zurückhaltende Umschlagbild von The Pipers
Überraschend war diese Sichtung – mit anschliessendem Fang – weil das Buch als Kickstarter erschienen ist. Von einem Kickstarter erwartet man eine gewisse Werbung, die mich nicht erreicht hat - und ich bin sicher viel zum Thema Philip K. Dick unterwegs. Nun ja.
Diese Graphic Novel ist ein wunderschöner Hardcover-Band mit 92 Seiten in full color. Erstellt und illustriert haben ihn Paul Du Coudray und Elizabeth Haidle, ihre Zeichnungen wirken für mein (ausserordentlich ungeschultes Auge) eher getuscht als aquarelliert, aber in der digitalen Gegenwart ist es wohl weder das eine noch das andere.
Der Text des Kurzgeschichte ist nur sehr behutsam angepasst worden, trotzdem ist er erstaunlich aktuell. Erwähnt sei dazu nur kurz, weil eigentlich irrelevant, dass der männliche Garrison Chief Lawrence Watts im Comic eine Frau ist, Laura Watts. Das sagt vielleicht einiges über den Zeitgeist aus, man kann aber auch darüber nachdenken, warum diese offenbar schwarze Frau über den Einsatz der Peitsche zur Mitarbeitermotivation redet. Im Buch ist Watts ein freundlicher Vater-Typ, kein Sklaventreiber.
Inhaltlich geht es um das Thema Leistungsdruck und Selbstoptimierung, also durchaus aktuelle Themen. Bei Dick reagieren die Protagonisten mit einer Flucht nach innen. Das einzige phantastische Element, das für die Geschichte wirklich notwendig ist, ist der gemeinsame Auslöser dieser Flucht, die Pfeifer – und die existieren gar nicht. Ein Autor, der nicht auf eine Veröffentlichung in einem Pulp-Magazin angewiesen gewesen wäre, hätte diese Kurzgeschichte also auch vollkommen unphantastisch, ausserhalb des SF-Ghettos schreiben können. Dick hätte das vielleicht auch gewollt, hat er zu dieser Zeit doch noch einem Durchbruch im Mainstream geträumt. Der graphischen Umsetzung ist übrigens das gal ... with the bossom zum Opfer gefallen, eine Miniatur in Dicks Werken, die wir öfter treffen.
Eine kurze Analyse der Kurzgeschichte kann man auch andernorts nachlesen.
Kein Rauchverbot in The Pipers, wie auch im Orignal aus den 50er Jahren
Eine besondere Rolle spielt diese Kurzgeschichte für mich, weil ich 2018 eine Verfilmung 2018 auf dem Philip K. Dick Filmfestival gesehen habe. Es zeigt sich, dass gewisse Geschichten eine besondere Anziehung als Vorlagen für anderer Medien.
Die Erstveröffentlichung der Kurzgeschichte war 1953 in der Februar-Ausgabe des SF Magazins Imagination, einem typisches pulp magazine seiner Zeit, in dessen späteren Ausgaben zahlreiche weitere Arbeiten von Dick zu finden sind. Beigefügt war der Kurzgeschichte eine kurze, von Dick selbst geschriebene Biographie, die sich im PKDWeb findet. Wie viele andere Geschichten von Dick aus diesem Zeitraum gehören auch die Pipers in the Wood in zu den in der letzten Wochen gezeigten gemeinfreien Ausgaben. Daher gibt es fast 30 – weitestgehend überflüssige - Ausgaben dubioser Kleinverlage oder gleich im Selbstverlag. Diese wunderbare Graphic Novel wäre aber vermutlich anders nicht möglich gewesen.
Aber auch diese Buch musste finanziert werden. Es hatten sich dazu bei Kickstarter 726 Interessenten gefunden, die mit ihren fast 17,000 US-Dollar das Buch quasi subskribiert haben – gefordert waren übrigens nur 4,800 Dollar. Für jeweils 24,00 Dollar hat man ein Buch mit einigen digitalen Zugaben bekommen, für mehr Geld gab es mehr Bücher und überwiegend digital Zugaben, aber auch hübsche Jumbo Postcards. Und für noch mehr Geld konnte man sein Future You Portrait auf dem Vorsatzpapier des Buches verewigen lassen. Gedruckte Bücher wurden über Kickstarter dann letztlich 467 verkauft. Ausgeführt wurde die Produktion von Mascott Press, wo man den Comic noch immer kaufen kann (die Versandkosten muss man erfragen). Ich schätze daher eine Auflage von 500–700 Exemplaren.
Zum Thema Pleiten, Pech und Pannen sei erwähnt, dass im Impressum die Web-Adresse www.mascott.press steht, die es nicht gibt (der Verlag ist unter mascott.studio zu finden) und die nur im Impressum des Buches angegebene ISBN 987-1-7339010-3-1 ist ungültig, offenbar hat es an der 2. und 3. Stelle einen Zahldreher gegeben, wir erwarten "978-". Und auch die Kickstarter Updates erzählen von correcting cover errors. Das muss nicht dran liegen, dass in China gedruckt wurde, wir kennen aus vielen Ländern gravierende Fehler sogar auf dem Umschlag.
Hinweisen sollte man beim Thema Kickstarter (und ähnlichen Plattformen) noch auf das nicht ganz unerhebliche Risiko am Ende nichts zu bekommen. Eher aus Inkompetenz denn aus bösem Willen übernimmt sich so mancher Enthusiast und unterschätzt die Komplexität seines Projektes. Jeder Backer muss also mit einem Totalausfall rechnen. Dafür hat er aber auch die Chance nicht nur ein besonderes Stück zu erhalten, sondern vielleicht auch sein Thema unterstützt und damit vorangebracht zu haben.
Nachlesen kann man die Originalveröffentlichung von Piper in the Woods bei den PhilipKDickFans. Einen Überblick über alle Comics von, nach und über Philip K. Dick gibt es hier im Blog.

Preise

"The Pipers", Mascott Press (2019). ISBN 978-1-7339010-3-1 (?). Gelegentliche Angebote bei Ebay in den USA um die 24,00 USD, zuzüglich Versandkosten von 2070 USD oder bei Mascott Press für 24,00 USD zuzüglich unbekannten Versandkosten

Samstag, 18. April 2020

Gemein und frei

Jeder, der durch die Liste der Bücher von Philip K. Dick bei Amazon (oder sonstwo) blättert, kennt es: Die vielen zunächst erst mal „merkwürdigen“ Einzelveröffentlichungen von Kurzgeschichten, die meist bei bzw. über CreateSpace publiziert sind.
Die eigentliche Ursache für die Masse dieser Publikationen liegt in den 80er Jahren. Dick, sein Agent, Verleger oder Nachlassverwalter haben es versäumt, die frühen Kurzgeschichten ordnungsgemäss für ein Copyright neu registrieren zu lassen. Die Regelung seinerzeit verlangte es, das Copyright nach 28 Jahren zu verlängern. Das ist für knapp 30 Kurzgeschichten zwar passiert, aber nicht korrekt, es gab sehr viele offenbar fehlerhafte Angaben. Man kann dies bei Michael Fisher bei den PhilipKDickFans nachlesen oder bei SFFaudio, wo Jesse Willis etwas expliziter bei seinen Vermutungen bezüglich der fehlerhaften Registrierungen ist.
Beyond Lies the Wub von Aegypan (2011), einem Verlag, der immerhin ein
relativ originelles Umschlagbild bietet  und zusätzlich zur oben gezeigten
Paperback-Ausgabe auch ein sonst identisches Hardcover im Programm hat
Das ganze Thema wurde 2011 öffentlich, als es eine grössere Kontroverse um das Copyright von Dicks Kurzgeschichte Adjustment Team, auf Deutsch Umstellungsteam, gab. Der amerikanische Produzent George Nolfi hatte die Geschichte aufwändig unter dem Titel The Adjustment Bureau, auf Deutsch heisst der (hierzulande leider recht erfolglose) Film Der Plan, u. a. mit Matt Damon verfilmt und dafür an den im Philip K. Dick Trust organisierten Erben, seinen drei Kindern, erhebliche Zahlungen geleistet. Die Produktionsgesellschaft hat gegen Ende der Produktion weitere Zahlungen verweigert, weil der offenbar gar kein gültiges Copyright besass. Der Trust musste schliesslich seine Klagen fallenlassen und die prekäre Copyright-Situation war öffentlich.
In der Folge haben dann Kleinverlage oder auch Einzelpersonen die gemeinfreien Texte einzeln und in Sammlungen herausgegeben. Dieses Phänomen betrifft ganz allgemein auch andere Autoren und nicht nur in der Science Fiction. Und natürlich machen es Publikationsplattformen wie Amazon mit CreateSpace sehr einfach ein solches Buch herauszubringen – man braucht nur ein bisschen Zeit, aber eben kein Kapital.
Leider braucht man auch gar kein Geschick. Es gibt eben keinen (teuren) Lektor beim Verlag, der wenigstens das Schlimmste verhindert. Der Satz im Buch ist oft schlecht und man findet auch Fehler, die bei der Übertragung passiert sind. In den Anthologien sind die Geschichten oft in alphabetischer Reihenfolge, das ist kein Zeichen liebevoller Aufmerksamkeit. Und auch die Einbände der Bücher oder Hefte – denn die meisten Ausgaben sind Broschüren oder Hefte, aber keine richtigen Bücher – sind meist einfach, langweilig oder selbst wieder gemeinfreie Motive, die man von anderer Stelle genommen hat. Als Ergebnis gibt es einigen Ausgaben, bei denen sogar die Titel auf den Umschlägen falsch geschrieben sind: Beyond Lie the Wub kann man lesen, aber auch der distinguierte Gollancz Verlag hatte zeitweilig ein Wubb im Angebot. Und auch OF withered Apples & Exhibit Peace muss man auf einem Buch lesen – und so sehr man sich den Frieden wünscht, um den es in der Kurzgeschichte geht, so heisst sie bei Dick doch Exhibit Piece. Es gibt aber auch einige kreativ illustrierte Ausgaben, deren Inhalt ich aber nicht gesehen habe und Ausgaben mit neuen Einführungen, also zumindest etwas Mehrwert.
Überwiegend sind die Ausgaben aber Schrott – und dabei nicht einmal billig. Eine Kurzgeschichte kommt auf sieben Euro und mehr … für 10 Euro bekommt man schon den ersten (regulären) Band der Collected Stories verlagsneu mit fast allen der gemeinfreien Geschichten, 26 in diesem Band, mit Anmerkungen, Vorwort und einem schönen Umschlagbild. Und antiquarisch zahlt man noch weniger …
Diese gemeinfreien Ausgaben existieren also wohl hauptsächlich, weil es so einfach ist, sie zu erstellen, nicht, weil sie jemand braucht oder will. Oder gibt es jemanden, der so etwas kauft? Die Antwort auf diese Frage ist natürlich immer: Sammler. Eines der Bücher trägt auch den Blub: A 'Must Have' Book For Your CollectionAber gibt es wirklich genug Sammler, die sich mehr als 300 unattraktive Ausgaben von 26 Kurzgeschichten von Philip K. Dick kaufen?
Dieser Sammler belässt es bei der einen gezeigten Ausgabe, die antiquarisch (also nachhaltig) erworben wurde. Erwähnen sollte man aber, dass die Ausgabe Dicks ersten Satz, quasi das Motto der Kurzgeschichte, enthält, der in allen regulären englischen Sammlungen fehlt und jetzt erstmals von Aegypan zurückgebracht wurde:
The slovenly wub might well have said: Many men talk like philosophers and live like fools.
Zusätzlich zu den Einzelausgaben gibt es auch rund 30 Sammlungen dieser Geschichten (mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis) sowie fast 30 Anthologien, die zumindest eine Kurzgeschichte von Dick enthalten.
Seite 69 von Planet Stories, Juli 1952 mit der
ersten Veröffentlichung von Philip K. Dick - man
erkennt, wo sich Aegypan für das Umschlagbild
hat inspirieren lassen, zu sehen auch das Motto
Man kann aber davon ausgehen, dass diese Ausgaben wirklich einmal selten sein werden, denn als Print-on-demand sind sie nur scheinbar ewig verfügbar. Sobald der Herausgeber dahinter verschwindet, verschwindet auch das Angebot, einige ältere Angebote sind bereits nicht mehr lieferbar. Und antiquarisch werden sich diese Ausgaben nur schwer finden lassen, da sie in kleinster Auflage verkauft sind und ob ihrer offensichtlich geringen Qualität schlechtere Überlebenschancen haben als hübsch gebundene richtige Bücher.

Und in Deutschland?

Die beschriebene Copyright-Situation gilt so natürlich nur für die USA, in Deutschland sind die Originaltexte mutmasslich doch noch unter Copyright, die deutschen Übersetzungen aber in jedem Fall. Ohne eine gute Rechtsberatung (die wohl mehr kostet, als so ein Buch verdienen kann) sollte man so etwas also nicht probieren. Es gibt aber doch zwei deutsche Ausgaben, allerdings nicht gedruckt sondern für das elektronische Kindle Lesegerät von Amazon (natürlich gibt es zahllose englische Ausgaben für den Kindle).
Diese offenbar neu übersetzen deutschen Ausgaben von Beyond Lies the Wub, hier als Und Jenseits das Wub und The Gun, auf Deutsch Die Kanone, von 2015 sind beim obskur wirkenden fuxbau Verlag erschienen. Zumindest das Wub beinhaltet zusätzlich den englische Originaltext und übernimmt die gezeigte Illustration im Textteil und auch das Motto. Die Übersetzung ist neu von Daniel Reich gemacht. Aber die kann, soweit die Vorschau bei Amazon das erkennen lässt, nicht begeistern: Da versinkt ein Gesicht in Finsternis (wird es denn schon dunkel?), ich folge da eher Walter Grossbein und lese lieber von einer düsteren Miene und es wird Kleidung eingesammelt (warum liegt die denn da?) und nicht das Gewand gerafft, was hier ganz plausibel wäre, um anzuzeigen, dass der Träger der Kleidung gerade gehen möchte. Gut zu übersetzen, ist eben nicht einfach. Aber ich will hier keinen Übersetzerkrieg beginnen.
Interessant ist aber, dass das scheinbar geht, fuxbau veröffentlicht immerhin zwei Texte. Allerdings kann man das Impressum und Copyright Nennung des Wub in der kostenfreien Vorschau nur unvollständig sehen. Und Die Kanone ist beim deutschen Amazon gar nicht verfügbar, nur beim amerikanischen Amazon.com, das ist für einen deutschen Text eher eigenartig. Und schliesslich bleibt es auch seit 2015 bei diesen beiden Ausgaben.
Für die eigene Recherche nach den beschriebenen gemeinfreien Ausgaben würde ich, ausser Amazon, die Webseite des Queen Anne Buchladens in Seattle empfehlen. Tatsächlich finden sich dort viele Ausgaben, die ich andernorts nicht (mehr) finden konnte. Zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Thema kann ich aber niemanden raten. 
Einen Überblick über die gemeinfrei veröffentlichten Kurzgeschichten gibt eine Seite hier im Blog, deren Erstellung recht aufwändig – wirklich sehr aufwändig – war und die trotzdem vermutlich fehlerhaft ist: einerseits unvollständig, andererseits mag die eine oder andere Veröffentlichung darauf geraten sein, die es nicht verdient hat. Insbesondere bei den sehr frühen Büchern von 2009 bin ich mir nicht sicher, ob hier nicht das Copyright beachtet wird, denn so früh wurde die Copyright-Situation gar nicht diskutiert.
Einen vollständigen Scan von Planet Stories vom Juli 1952 findet man im Internet Archive. Ein paar der gemeinfreien Geschichten lassen sich bei PKD-Books nachlesen.

Preise

"Beyond Lies the Wub", Band 1 der Collected Stories. Orion/Gollancz. ISBN 9781857988796, neu ab 10 Euro
Die meisten der "gemeinfreien" Ausgaben liegen zwischen 8 und 15 Euro

Samstag, 11. April 2020

Japanisch

Vor längerer Zeit hatte ich schon einmal sehr kurz über japanische Ausgaben von Philip K. Dick geschrieben, aber Japan verdient einen eigenen, ausführlichen Eintrag in diesem Blog.
Die erste Publikation von Dick in Japan überhaupt war 1957 die Kurzgeschichte Impostor als Teil der (gekürzten) Übersetzung der Anthologie Science Fiction Terror Tales, im Original herausgegeben von Groff Conklin bei Gnome Press (1955).
Als erste Ausgabe eines Romans folgt 1959 in Japan eine Übersetzung von Und die Erde steht still [Eye in the Sky], also zeitlich noch vor der ersten ordentlichen Buchausgabe in Deutschland. Im Katalog stehen derzeit über 90 Ausgaben von Romanen - zuletzt übersetzt ist 2013 Die Invasoren von Ganymed [The Ganymede Takeover], ein Werk das Dick gemeinsam mit Ray Nelson geschrieben hat.
Die erste Übersetzung von Time Out of Joint ist in Japan in acht Teilen im Magazin NW-SF erschienen: von Mai 1973 bis August 1978 - der geduldige japanische Leser musste also nach der ersten Ausgabe mehr als fünf Jahre ausharren, um zu erfahren, warum der armen Raggle Gumm so lange und aufwändig getäuscht wurde. Dicks Romane sind öfter mehrteilig erschienen, aber der Zeitraum von fünf Jahren ist ein Rekord.
Auch einige der Mainstream-Romane sind übersetzt und es gibt fast 40 Anthologien, insgesamt sind mehr als 140 Einträge in meinem Katalog. Meine Probleme beim Recherchieren in einer fremden, unlesbaren Sprache lassen aber vermuten, dass es durchaus noch unentdeckte Ausgaben geben kann.
Japanische Ausgabe von Philip K. Dicks
Do Androids Dream of Electric Sheep?
In meiner Sammlung befindet sich nur eine japanische Ausgabe, die ich mir vor längerer Zeit recht unwillig beim hässlichen Hund gekauft habe – der Preis war zu gut, um das vorübergehen zu lassen und die Qualität dann doch überraschend gut. Es ist eine frühe der zehn Ausgaben von Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Japanisch: アンドロイドは電気羊の夢を見るか? (Andoroido wa denkihitsuji no yume o miruka?), Hayakawa, (1977). Die Ausgabe, obwohl eine kleinformatige Taschenbuchausgabe, hat einen Schutzumschlag mit buntem Motiv, passenderweise einem Schaf, und wird, aus deutscher Sicht, „von hinten nach vorne gelesen“.
Japanische Bücher kann man wohl in den USA und teilweise in Grossbritannien einfach bekommen, man muss sie aber meist – auch durch das Porto – teuer bezahlen. Gelegentlich verirrt sich auch mal etwas auf eine deutsche Plattform, in letzter Zeit auch zu Amazon.
Es gibt einige schöne japanische Fanseiten, z. B. die site KIPPLE mit ihrer überaus umfangreichen Bibliographie.
Eine gute Informationsquelle für internationale Ausgaben ist der hier schon früher erwähnte WorldCat, in dem viele Bibliotheken ihre Kataloge zur Verfügung stellen. Für internationale Ausgaben ist diese Quelle unschlagbar.
In diesem Blog gibt es eine Liste aller Sprachen, in die es Übersetzungen gibt.

[Anmerkung: Ein Teil dieses Textes war urspünglich als Abschnitt des Blogeintrages Mitbringsel veröffentlicht und ist jetzt nach hier verschoben, ergänzt und überarbeitet.]

Samstag, 4. April 2020

Frischer Fang aus dunkler Tiefe

Was macht man so als Sammler? Nun, heutzutage findet sehr viel im Netz statt, zumindest für mich. Die andere Informationsquelle ist natürlich der Bestand, in den Büchern und Zeitschriften, die man in der Sammlung (oder anderweitig im Zugriff) hat, gibt es oft Hinweise auf andere Stücke für die Sammlung. Und mein Bestand ist noch nicht vollständig bearbeitet, ich bin mir sicher, dass dort noch viele Geheimnisse verborgen sind.
Dark Shine von Aleksandar Opacic
Heute habe ich aber mal wieder das Netz bemüht. Eine Seite, auf die man immer wieder stösst, ist Goodreads. Goodreads und teilt sich – zumindest teilweise  die Rezensionen und die Umschlagbilder mit Amazon, zu dem es seit 2013 gehört. Die Qualität der bibliographischen Daten ist aber etwas besser als die von Amazon, vermutlich weil hier nicht jedes antiquarische Angebot von mehr- oder weniger kompetenten Händlern mitaufgenommen wird, aber die schlechte Qualität der bibliographischen Daten bei Amazon ist ein anderes (bekanntes) Thema.
Zu Philip K. Dick hat Goodreads fast 1.100 Einträge, von denen die meisten schon in meinem Katalog sind. Mit jedem neuen Thema, ich bearbeite gerade die Ausgaben der gemeinfreien Kurzgeschichten (dazu demnächst hier im Blog mehr), lande ich aber wieder bei denselben Quellen. Und es findet sich auch immer etwas Neues. Dieses mal habe ich dort Dark Shine entdeckt, einen sehr düsteren Comic des kroatischen Illustrators Alekasandar Opacic. Enthalten sind drei Geschichten. Die erste ist offenbar die Titelgeschichte, die auch das Thema des Buches vorgibt; die dritte (und längste) mit dem Titel Eyes spielt mit Batman-Motiven. Der Text der zweiten Geschichten dieses Comics, man würde heute wohl eher Graphic Novel (fragment?) sagen, ist von Philip K. Dick. Es handelt sich um einen Auszug aus A Scanner Darkly [Der dunkle Schirm]. In Dark Shine ist der Text auf zehn Seiten illustriert, auch das Bild auf dem Umschag stammt aus dieser Geschichte.
Erschienen ist dieser Band als zweiter in der Reihe Kolekcija Vera Suchankovaman findet sie hier im Netz. In dieser Sammlung der Vera Suchankova hat der erste Band in diesem digitalen Zeitalter nämlich die Nummer 0. Betrachtet man die drei Bände so sieht man das der Fokus dieser Reihe auf dem illustratorisch-künstlerischen Aspekt der Werke ist, vielleicht weniger auf dem Geschichtenerzählen.
Blok H, das  Fragment aus A Scanner Darkly
Interessant ist, dass dieses Buch von 2011 und trotz seiner kleinen Auflage von nur 300 Exemplaren offenbar immer noch verlagsfrisch erhältlich ist. Ich habe das Buch allerdings antiquarisch gefunden, das dürfte aber eher schwer sein. Das ist natürlich ein bisschen traurig, der Markt für solche Arbeiten ist aber wohl kleiner, als Gedacht. Im Netz wird es auch meist nicht mit Philip K. Dick in Zusammenhang gebracht, sondern eher als düsterer independent Comic angeboten. Erschienen ist das Buch bei dem portugiesischen Verlag Firma und hat daher auch eine portugiesische ISBN mit der Gruppennummer 989. Der Text ist aber in Englisch.
Die Rückseite, leider (noch)
mit Preisschild
Mehr zu Comics gab es schon im Blog, dort findet sich auch das Buch zum Film A Scanner Darkly  Der dunkle Schirm. Der Film von 2006 ist in Comic-Optik produziert, das Buch ist daher praktisch auch ein Comic, die in Blok H verwendete Szene ist allerdings nicht im Film.
Eine bibliographische Übersicht über alle Comics gibt es auch. Und da dieses Buch in Portugal veröffentlicht ist, erinnere ich hier an den Blogeintrag über die portugiesischen Ausgaben hier im Blog.

Preise

"Dark Shine" von Alekasandar Opacic (Illustrationen). ISBN 978-989-96545-1-8, neu um die 13 Euro

Samstag, 28. März 2020

Holz – oder: 200!

In diesem Blog rede ich nicht viel über den Blog oder das Bloggen, sondern viel mehr, weil viel lieber, über Philip K. Dick und das Sammeln und das Sammeln von allem von und über Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird eine Ausnahme sein, weil ich mit dem exklusiven Kreis meiner Leser ein Jubiläum feiern kann  vor genau fünf Jahren, auf den Tag, sogar auf die Minute genau erschien der erste Eintrag in diesem Blog.
Geplant war der Blog damals schon lange, aber nie standen die Sterne richtig und so habe ich hier die ersten beiden Staffeln von Fischer verpasst. Hohe Ambitionen können eben auch lähmen. Mit der dritten Staffel von Fischer habe ich dann begonnen, obwohl auch da noch nicht alles fertig gedacht war  und so ist nun das hier herausgekommen.
Das Wichtigste ist natürlich: fünf Jahre durchgehalten! In den schnelllebigen Zeiten des Internets (ist es das noch?) ist das eine Menge wert, nicht alle Blogs schaffen das. Ausserdem sind es bisher auch  nicht ganz zufällig  genau 200 Blogeinträge geworden. Das ist schon eine ansehnliche Zahl, zumal hinter dem einen und anderen Eintrag doch auch einiges an Arbeit steckt, man siehe auch die nicht mitgezählten Seiten zu den Verlagen und einzelnen Themen.
Nachdem ich zum Start des Blogs auf eine programmatische Erklärung der Ziele verzichtet habe, will ich das jetzt etwas nachholen. Hauptsächlich möchte ich hier die Erkenntnisse, die ich bei der Beschäftigung mit dem Autoren Philip K. Dick gewinne, festhalten und anderen zugänglich machen ich schreibe also über Dinge, die mir neu sind und die ich andernorts so nicht (einfach) finden kann, zumindest nicht im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Der Fokus ist dabei auf den deutschen Veröffentlichungen, hier bin ich sehr um absolute Vollständigkeit bemüht. Ein frühes Highlight war natürlich der Appendix Dick von Tommi Brem. Ein schönes, aber unscheinbareres Beispiel dafür ist der Eintrag über das Nachwort von Drei Stigmata für Palmer Eldritch. Etwas spektakulärer  nach den Massstäben dieses Blogs  sind dann die Beiträge zu Zeit ohne Grenzen auf der Bühne und die Replikantenoper.
Zu den englischen Veröffentlichungen gibt es zahlreiche andere Seiten, auf die ich hier im Blog ja auch regelmässig verweise und denen ich keine Konkurrenz machen kann und will, daher bedenke ich diese zwar auch, aber doch nur in Auswahl.
Und ein weiteres Thema sind natürlich die Übersetzungen in weitere Sprachen, dieses geht allerdings einem natürlich Ende entgegen  die meisten Sprachen sind mit einem Eintrag bedacht. Ein Highlight war ein Blogeintrag zur ersten russische Veröffentlichung und unlängst ein Exemplar in Farsi.
Natürlich hat sich der Blog im Laufe der Zeit entwickelt, und einiges habe ich schon geändert, auch rückwirkend, die alten Einträge werden gelegentlich (erheblich) angepasst und Fehler korrigiert. Und mit dem Hinscheiden von Google+ hat auch dieser Blog eine unaufdringliche Präsenz bei Facebook bekommen.
Ein sehr schöner Nebeneffekt des Blogs war es tatsächlich auch, mit anderen interessierten Menschen in Kontakt zu kommen. Es gab einige positive Rückmeldungen zu diesem Blog, Fragen, hauptsächlich aber Anmerkungen, durch die ich viel lernen konnte. Und ich habe auch  und darüber wird noch im Detail zu berichten sein  den einen oder anderen Beitrag zur Sammlung erhalten. Tatsächlich wäre das auch mein Wunsch, hauptsächlich an die Leser, mehr Kontakt zu suchen, aber auch an mich, mehr Möglichkeiten für solchen Kontakt zu schaffen. Leser sind natürlich immer eingeladen sich zu äussern  über Kommentare hier im Blog, Mails und eben bei Facebook. Die meisten Leser erreiche ich aber wohl über Suchen bei Google, zu spezifischen Schlagwörtern im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird dort also eher nicht auf auftauchen (und darum wohl auch eher weniger gelesen werden).
Und auch wenn sich dieser Blog an Fans und Leser von und Interessierte an Philip K. Dick richtet, einiges mag für Sammler anderer Themen auch interessant oder sogar inspirierend sein, sei es der Kampf mit Anbietern und falschen ISBNs, das Überwinden von Portomauern, unvollständige bibliographische Daten oder ähnlichem.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht. Langsamer vermutlich. Sehr am Herzen liegen mit die PKDS Newsletters, deren Bearbeitung ich begonnen habe, deren Auswertung aber aufwändig ist. Dazu kommen  und da gibt es eine gewisse Überschneidung  die vielen letters von Dick, die allerorten veröffentlicht sind. Und schliesslich fehlt eine umfassendere Betrachtung der deutschen Sekundärliteratur, in meiner Sammlung befinden sich noch einige spannende Stücke, die einen Blogeintrag verdienen. Auf der List der Ideen stehen aber noch viele weitere Themen. Und auch die Bilder sollen besser werden  und vielleicht auch bei Instagram erscheinen! (Die Bilder in diesem Eintrag dienen dazu den Text ein wenig aufzulockern, eine inhaltliche Ergänzung liefern sie nicht.)
Sehen wir mal, was die nächsten fünf Jahre bringen.

Samstag, 22. Februar 2020

Wiedervereinigt

Es passiert selten genug, mir sind nach längerer Zeit wieder ein paar amerikanische Pulp-Magazine aus einer deutschen Quelle ins Netz gegangen. Solche Pulps sind nicht unbedingt besonders teuer, aber das Porto macht den Bezug aus den USA kostspielig und Angebote aus Deutschland, also mit angemessenem Porto, sind selten.
Worlds of Tomorrow, November 1965 und Januar 1966 mit Philip K. Dicks Project Plowshare
Ich mag die alten Pulps, mit den bunten Umschlagbildern und den Anzeigen für Geschäftsideen und Haarwuchsmittel. Ausserdem gibt es natürlich die Illustrationen, die die Kurzgeschichten begleiten und die ihren eigenen Charme haben.
Dick hat in seiner Kindheit selbst die Pulp-Magazine gelesen (und gesammelt) und sein Interesse an Science Fiction hat sich (auch) daraus entwickelt.
Eines der ersteigerten Hefte enthält auch den zweiten Teil von Project Plowshare. Der erste Teil wartet in meiner Sammlung schon länger auf seine fehlende Ergänzung. Project Plowshare ist ein Roman, der, wie einige andere, zunächst mehrteilig in einem der üblichen Magazine erschienen ist.
Nach der Erstveröffentlichung in zwei Teilen in Worlds of Tomorrow (11/1965 und 1/1966) ist der Roman 1967 in den USA als Taschenbuch unter dem Titel The Zap Gun bei Pyramid Books erschienen. Bis zur letzten Ausgabe 2012 bei Mariner kamen dann insgesamt zehn englische Buchausgaben heraus.
Das Labyrinth der Ratten, die einzige
deutsche Ausgabe von The Zap Gun,
bei Goldmann (1979)
Der – für mich etwas schwierige – deutsche Titel der Zap Gun ist Das Labyrinth der Ratten, ein Single, von dem es nur eine deutsche Ausgabe, die vom Goldmann Verlag gibt und die dieses Jahr auch schon ihren 40. Geburtstag feiern kann. Vielleicht möchte Fischer ja seine Klassik Reihe mit diesem Roman fortsetzen, vielleicht nicht das beste Werk von Dick, aber auch nicht so viel schlechter als der Topfheiler  und eine neue Ausgabe wäre wirklich fällig. Übersetzt ist die Zap Gun in mindestens weitere neun Sprachen.
Das Labyrinth der Ratten ist einfach zu beschaffen, es wird häufig angeboten und obwohl es im Schnitt etwas über den anderen Ausgaben von Goldmann liegt, kann man mit der üblichen Geduld ein günstiges Angebot unter dem üblichen Marktpreisen abpassen. Für die Pulp-Magazine gilt natürlich mehr noch als für Taschenbücher, dass man auf die Erhaltung achten muss, wirklich gute Erhaltung ist aber bei Pulps selten und daher teuer. Wenn man es sich nicht leisten kann, muss man für die Magazine der 50er und 60er Jahre Abstriche bei der Qualität hinnehmen. Die Preise hier schwanken extrem, auf ein gutes Angebot warten kann sich lohnen: Da die Hefte stark gesammelt werden, werden sie auch viel gehandelt. Hefte mit Veröffentlichungen von Dick sind daher auch leicht zu finden – allerdings praktisch nur in den USA, Angebote in Deutschland sind selten. Bei Angeboten in Grossbritannien sollte man sorgfältig prüfen, ob es sich um eine Originalausgabe handelt oder um einen britischen Nachdruck bzw. eine britische Ausgabe.
Alle englischen – und einige übersetzte – Ausgaben von The Zap Gun finden sich bei isfdb. Gescannte Ausgaben von Worlds of Tomorrow finden sich im Internet Archive, auch für die beiden oben gezeigten: November 1965 und Januar 1966. Bibliographische Angaben zum Labyrinth der Ratten sind in diesem Blog auf der Seite zum Goldmann Verlag zu finden.

Preise

"Das Labyrinth der Ratten" von Goldmann (1979) in sammelwürdiger Erhaltung bei 12 bis 20 Euro
Pulp-Magazine mit Kurzgeschichten von Dick liegen bei 5 bis 50 Euro. Disclaimer