Samstag, 27. August 2016

Pioniere

Nachdem ich vor einiger Zeit einen wunder-baren Fund gemacht habe, konnte ich aus der selben Quelle ein weiteres seltenes Exemplar ergattern. Wieder nicht ganz billig und nicht ganz so spektakulär, ist es trotzdem ein schönes Exemplar: Pioneer 17/18 aus dem Jahr 1964.
Pioneer war ein recht professionell gemachtes Fanzine des SFCD Österreich, das in den 1960er Jahren erschien. Der Fokus war wohl eher auf der Publikation von Kurzgeschichten deutscher Autoren, aber natürlich gab es auch die üblichen Artikel über Science Fiction.
Rezension von Krieg der Automaten in Pioneer 17/18 (1964)
Pioneer 17/18 von 1964

In der Doppelnummer 17/18 bestreitet Eduard Lukschandl die Rubrik Zu empfehlen. Diese enthält auch über knapp zwei Seiten Rezensionen zu der Moewig Ausgaben Eine Handvoll Dunkelheit und der beiden Bände Krieg der Automaten (1 und 2) aus der Terra-Reihe, über die sich auch hier ein Blogeintrag findet. Alle drei Hefte enthalten Kurzgeschichten von Philip K. Dick, die jeweils einzeln kurz vorgestellt und überwiegend wohlwollen bewertet werden.
Den besonderen Reiz dieser Rezension macht das frühe Erscheinungsdatum aus. In meinem Katalog habe ich nur eine frühere Rezension, nämlich wohl in Anabis 3 - und da ist (mir) unklar, ob dort nicht einen englische Originalausgabe von Dick besprochen wird. Bis zum Ende der 1960er Jahre finden sich nur ein knappes Dutzend Rezensionen von Dick - die Fans haben Dick hierzulande also wohl eher spät entdeckt, zumal das Echo in den Vereinigten Staaten durchaus grösser war. Dick war ja durch den Gewinn des Hugo für Das Orakel vom Berge im Jahre 1963 durchaus kein Geheimtipp mehr.
Von Eduard Lukschandl finden wir keine weiteren Artikel zum Werk von Philip k. Dick, aber er ist offenbar bis heute auch als Autor und Übersetzer von Science Fiction tätig.
Hier sei noch einmal auf Webseite Bibliographie deutschsprachiger Science Fiction-Stories und Bücher des Sammlers Christian Pree hingewiesen. Diese ist unverzichtbar, um Artikel wie die genannten in seltenen Fanzines zu finden. Auch wenn die Seiten eher schlicht gestaltet sind, ist der Inhalt gewaltig - und wächst weiter. Diese Seiten leben - und es werden offenbar nicht nur Neuerscheinungen hinzugefügt, sondern auch ältere Ausgaben ergänzt. Und es finden sich eben auch sehr seltene Ausgaben, die sonst nirgends zu finden sind. 

Samstag, 20. August 2016

Muss das sein?

Wie man in diesem Blog schon öfter lesen konnte, ist das zentrale Werkzeug für den Sammler sein Katalog. Zum einen geht es um die Qualität der Einträge. Für die Objekte, die fehlen, braucht man gute Angaben, die beim Suchen helfen. Und für die Objekte, die vorhanden sind, sollte man umfängliche Eintragungen vornehmen - am besten, wenn ein neues Stück ankommt, später wird das erfahrungsgemäss schwierig. Daher sollte man sich schon früh überlegen, was man erfassen möchte - aber immer, unbedingt immer, sollte man den Zustand seiner Objekte kritisch erfassen.
Noch wichtiger ist aber die Quantität der Einträge - was will man denn sammeln? Hier kann man zunächst restriktiv sein und später das Gebiet seiner Sammlung erweitern. Wenn man mit einem zu grossen Gebiet beginnt, kann das demotivierend sein, aber man kann auch Prioritäten setzen und zunächst nur die "wichtigen" Einträge im Katalog verfolgen. Trotzdem - alles, was im Katalog steht, will auch gefangen werden.
Der Spiegel 51/2015 mit einem Artikel über die Amazon
Serie The Man in the High Castle nach dem Roman von
Philip K. Dick
In meinem Katalog haben sich auch zahlreiche Einträge zu den Verfilmungen von Werken von Philip K. Dick gedrängt. Überwiegend ist das natürlich alles zum Thema Blade Runner. Und vieles davon hat nichts mit Dick zu tun. Häufig werden der Autor und sein Werk aber doch gestreift und weil es schwierig ist, das zu wissen, bevor man den Artikel oder das Buch in der Hand hat, ist eben vieles in der Sammlung, das eigentlich nichts mit Dick zu tun hat.
In letzter Zeit ist auch in der deutschen Presse einiges zu der Amazon-Verfilmung The Man in the High Castle erschienen. Der Spiegel hat kürzlich bereits ein Interview mit Tessa Dick gebracht, wie berichtet. Und er hatte vorher eine Kritik gebracht: Die Asche am Hemd von Daniel Sander in Spiegel 51 von 2015. Die Kritik ist sehr positiv und vergleicht Buch und Verfilmung, lässt den Autoren aber eher ausser acht. Man konnte sie zeitweise online lesen.
Braucht man diesen Spiegel nun in der Sammlung? Das kommt eben darauf an, was man sammelt. Aber aus praktischen Gründen wird dieser Spiegel eben Eingang in die Sammlung finden: Ich habe ihn jetzt. Und ich habe ihn, weil er wirklich einfach und sehr günstig zu kriegen war. Und es gibt sehr direkte Bezüge zu Dicks Werk. Jetzt muss sich nur noch irgendwo Platz finden.

Samstag, 13. August 2016

Wunder-bar

Manchmal gibt es es noch Wunder. Kleine Wunder vielleicht, aber für den Sammler, der viele Jahre danach gesucht hat, sehr schöne Wunder.
Es gibt einen sehr frühen Aufsatz von Philip K. Dick, der im Original Nazism and the High Castle heisst und ursprünglich im Jahre 1964 in der Ausgabe 9 des amerikanischen Fanzines Niekas erschienen ist. Dick setzt sich hier mit dem Thema Nazismus auseinander, ausgelöst offenbar durch eine Diskussion um seinen Roman Das Orakel vom Berge, der im Original 1962 erschienen war. Niekas hat auch noch einige andere Texte von Dick veröffentlicht, ist aber nur sehr schwer zu finden - und zu bezahlen.
Mutant 9, ein Fanzine von 1966 mit dem Essay Nazismus von Philip K. Dick
Tatsächlich ist dieser Text auch sehr früh in einer deutschen Übersetzung erschienen, nämlich auf vier Seiten in der Nummer 9 des deutsch-österreichischen Fanzines Mutant. Der deutsche Titel ist offenbar Nazismus. Man darf vermuten, dass Franz Rottensteiner, einer der Mit-Arbeiter bei Mutant, den Artikel beigesteuert hat, da er sich bereits in den Jahren vorher in seiner Zeitschrift Quarber Merkur mit Dick auseinandergesetzt hat; später hat er seine Bücher bei Suhrkamp herausgebracht. Rottensteiner hat den Artikel wohl auch übersetzt; sicher nicht sein grösstes Verdienst.
Später ist der Artikel in The Shifting Realities of Philip K. Dick veröffentlicht und damit kanonisiert worden. Diese Artikel wird auch sehr oft zitiert, diese einzige deutsche Übersetzung ist allerdings weitgehend unbekannt. Es gibt eigentlich nur einen - mir bekannten - Verweis auf diesen Text, nämlich in Uwe Antons (schwer zu findendem) Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung - Texte und Materialien zur phantastischen Literatur (bibliographische Angaben finden sich hier).
Die wohl verunglückte Überschrift von
Nazismus in Mutant 9 - Handarbeit
Ich habe eigentlich nicht geglaubt dieses 50 Jahre alte Fanzine mit einer Auflage von 200 Exemplaren noch zu finden. Ich war mir ob der schwierigen Quellenlage auch nicht ganz sicher, ob es diesen Artikel überhaupt gab - und in welcher Sprache er veröffentlicht war. Nun hat er sich aber in einer der Fallen, die ich gelegt habe, verfangen: Viele Portale für Antiquariate und private Verkäufer von Büchern, auch Booklooker, bieten die Möglichkeit Suchanfragen zu hinterlegen und gelegentlich schlagen diese an. Meistens sind es dann Falschmeldungen, gerade wenn man sehr allgemeine Anfragen hinterlegt, aber oft lohnt es sich bei spannenden Angeboten auch einmal die anderen Angeboten des Anbieters zu prüfen. Und so gelang es mir hier diesen mehr als raren Fund, wenn auch nicht ganz billig, aber eigentlich unbezahlbar, in die Sammlung zu bringen.
Der Herausgeber dieser Ausgabe ist Conrad C. Schaef, über den sich anderweitig im Internet einiges finden lässt. Das Heft hat stolze 120 Seiten und beschäftigt sich, wie seinerzeit üblich, viel mit dem Fandom und anderen Magazinen ähnlicher Art. Alleine dafür lohnt sich die Lektüre schon. Jedes Magazin dieser Art, das ich in der Hand halte, macht mich - nicht nur als Sammler - besorgt, dass diese ganze Klasse von Veröffentlichungen verschwinden könnte. Die geringe Auflage und das scheinbar geringe Interesse - man findet relativ wenig dazu im Internet  -  muss einen befürchten lassen, dass viele Exemplare im Altpapier landen und letztlich komplett verschwinden. Und auch der Markt gibt - meistens; dieses Exemplar ist eher eine Ausnahme - nicht viel her. Es wäre schön, wenn man diese doch recht fruchtbare Phase des deutschen Fandom bewahren könnte.
Zum Abschluss noch ein Blick auf den Artikel: Die Überschrift liest sich wie 'Nazi, - da ist wohl beim Satz etwas verunglückt, aber so ist das eben, als Cut & Paste eben noch Schere und Kleber bedeutet haben. Der Einsatz von Computern für Desktop Publishing war 1966 noch - Science Fiction.

Samstag, 6. August 2016

Appendix Dick

Eine kleine - oder eigentlich eine grosse - Sensation im Philip K. Dick Universum des Jahres 2016 ist bereits im April beim Verlag Topalian & Milani in Ulm erschienen: Appendix Dick des Ulmer Künstlers Tommi Brem.
Die Liste aller Namen im Werk von Philip K. Dick in Appendix Dick
Appendix Dick von Tommi Brem, erschienen bei Topalian & Milani (2016) enthält die Liste
aller Namen, die in den Kurzgeschichten und Romanen von Philip K. Dick genannt sind
Appendix Dick ist ein besonderes Buch. Die Idee erscheint - zumindest auch auf den zweiten Blick - verrückt: Eine Liste aller Namen, die in den Kurzgeschichten und Romanen von Philip K. Dick genannt sind, von Aaron bis Zoroaster! Wenn man sich den Umfang von Dicks Werk ansieht, das praktisch vollständig Eingang fand - 47 Romane und mehr als 130 Kurzgeschichten - erkennt man die Dimension dieser Arbeit. Brem hat auch - mit Papier und Bleistift - über einen Zeitraum von sechs Jahren an diesem Projekt gearbeitet. Auf Nachfrage schreibt er mir dazu: Ja, das ist eine lange Zeit und es war sehr viel Arbeit, aber sind wir ehrlich: Lesen wollte ich ohnehin alles von Philip K. Dick. Allein dafür hat es sich gelohnt! - Natürlich. Aber 179 Seiten Namen - so viel sind es in alphabetischer Reihenfolge - wollen dann auch gebändigt werden.
Appendix Dick enthält eine kurze Einführung und dann die Liste aller Namen, die in Dicks Werken auftauchen - nicht nur die der Figuren, sondern auch von Personen, die erwähnt werden. Die komplette Liste erscheint im Buch dreimal, zunächst in alphabetischer Reihenfolge der Personen, ggf. tauchen diese in verschiedenen Titeln auf, dann nach Titel und zuletzt nach Jahr. Damit kommt das Buch auf stolze 563 Seiten bei einem Gewicht von über einem Kilo. Der Preis von 25 Euro ist also mehr als angemessen - zumal der Künstler Brem auch einige Zeichnungen im Buch hat, die auch einzeln erhältlich sind. Die ersten 50 der auf hundert Exemplare limitierten Ausgabe sind teilcoloriert, eines der letzten verkauften kann man hier sehen. Für den Künstler Brem ist das wohl auch keine Zugabe, sondern integraler Bestandteil des Buches. Und er verweist damit auch auf weitere grosse Ziele: Ziel ist auch eine große Gesamtzeichnung, eine Art Namensfahrplan für das Gesamtwerk. Aber das dauert wohl noch ein paar Jahre. 
Mit Topalian & Milani ist wohl auch der richtige Verlag dabei. Es handelt sich um einen Ulmer Kleinverlag für schöne Bücher, die inhaltlich und optisch ein Fest sind, also definitiv ein Verlag für (uns) Sammler. Und das sehen wir auch mit Appendix Dick.
Zum Inhalt des Buches - nun, es ist eine Liste von Namen. Und so trocken das klingt, lädt schon die erste Seite zum Blättern in der Sammlung ein: Warum und wo taucht Konrad Adenauer in Simulacra auf? Lässt man sich darauf ein, kann man vieles neu oder auch wieder entdecken.
Man kann Appendix Dick und die Zeichnungen direkt beim Autoren bestellen - noch. Man findet es aber auch über die üblichen Kanäle, daher sei hier die ISBN 978-3-946423-02-7 genannt. 25 Euro - zuzüglich Versand - sind dabei sicher ein günstiger Preis.