Samstag, 30. März 2019

A Comics Biography

Nicht so ganz neu in meiner Sammlung ist Philip K. Dick - A Comics Biography. Dieser Comic ist schon Anfang Januar auf Englisch erschienen, die französische Originalausgabe Phil: Une vie de Philip K. Dick hat schon ein Jahr vorher meine Neugier geweckt. Aber meine beschränkten Französischkenntnisse haben mich gezwungen, auf die englische Übersetzung zu warten - auf eine deutsche Ausgabe muss man wohl nicht hoffen - und meine Erwartungen waren deshalb wohl ein bisschen zu hoch.
Philip K. Dick - A Comics Biography von Laurent Queyssi und
Mauro Manchesi bei nbm (2019)
Das Buch ist toll, der französische Autor des Szenarios, Laurent Queyssi, und der Illustrator Mauro Marchesi haben einige sehr treffende Schlüsselereignisse von Dicks Leben ausgewählt und sehr anspruchsvoll illustriert. Bis zum T-Shirt, das Dick in den ersten Szenen trägt - es findet sich auf Fotos von Dick, die im Netz auch zu finden sind - wird hier sein Leben bebildert. Und es ist sicher die Stärke des Buches viele Szenen sehr genau nachzustellen, die aus verschiedenen Quellen bekannt sind. Dem Dick-Kenner wird es sicher Spass machen, Bekanntes zu finden und bei Unbekanntem nachzuforschen - und fündig zu werden (so ging es mir).
Einige wenige Ungenauigkeiten konnte ich finden, vielleicht auch nur Darstellungen, mit denen ich nicht ganz einverstanden war - das spielt aber sicher keine Rolle. Ein wenig unzufrieden war ich damit, so wenig Neues oder Überraschendes zu finden. Vielleicht hätte man sich mehr trauen können oder sollen, Bereiche ausleuchten, über die es weniger Fakten gibt und mehr Freiraum ... aber das ist natürlich nicht einfach, zumal man sich an ein bestimmtes Publikum richtet, das man nicht enttäuschen will: Kennt man Dicks Leben nicht schon aus drei oder fünf Biographien, wird man sich dieses Buch vermutlich nicht kaufen, obwohl das schade ist. Denn insgesamt kriegt man eine sehr passende und angemessene Einführung in Dicks Leben und dieses Buch sollte auch neugierig machen auf mehr - mehr über aber vor allem von Dick. Es ist also ein Buch, das sich an Fans richtet, die dort ihre Kenntnisse wiederfinden wollen. Dieses Buch könnte aber auch vielen anderen Lesern viel Spass machen.
Dieser Comic steht auch ganz einzigartig da, er ist ja nicht nach Motiven von Dick, da gibt es ja einiges - von Blade Runner und Total Recall bis zu Electric Ant und Do Androids Dream of Electric Sheep? - sondern über die Person Philip K. Dick. Vergleichbar ist nur der kurze Beitrag The Religious Experience of Philip K. Dick von Robert Crumb, der auch die Fisch-Szene umsetzt, sich dabei aber eben viel mehr traut; dazu gab's auch schon was in diesem Blog.
Insgesamt aber ein schönes Buch, es gehört in jede Philip K. Dick Sammlung, schon weil es so einzigartig ist. Und es macht Spass, auch noch beim zweiten Lesen. Kaufen!
Und hier kann man sich das Buch noch mal beim Verlag ansehen (man muss das aber nicht in Übersee bestellen). Eine Seite mit dem bibliographischen Daten zu allen Comics nach und über Dick, inklusive der Comics Biography, gibt es hier im Blog.

Samstag, 9. März 2019

Aus der Asche

Ubik in der Ausgabe von Phoenix (2012)
Erst kürzlich ist mir an einer britischen Ausgabe von Philip K. Dicks Ubik ein Detail aufgefallen, das nur einen Sammler interessieren kann. Der Leser, den das interessiert, muss befürchten, dass - mehr oder weniger tief - ein Sammler in ihm steckt.
Es geht um eine Ausgabe von Phoenix von 2012, ISBN 978-1-78022-037-6. Phoenix ist ein Imprint, also eine Marke, die wie ein eigenständiger Verlag behandelt wird, tatsächlich aber zur Orion Verlagsgruppe gehört. Erwähnenswert, aber noch nicht besonders auffällig an dieser Ausgabe ist, dass sie - für ein relativ neues Taschenbuch - meist nur relativ teuer angeboten wird. Gelegentlich findet sich aber auch ein günstiges Angebot, vermutlich weil der Anbieter dem Buch seinen (vermeintlichen?) Wert nicht ansieht. Vielleicht ist diese Ausgabe ein Beispiel für ein "heimlich" wertvolles Exemplar.
Orion hat sich dann 2017 entschlossen, unter dem Imprint Weidenfeld & Nicolson eine fast? identische Ausgabe mit neuer ISBN (9781474607438) herauszugeben, die derzeit auch überall verlagsneu erhältlich ist.
Ausschnitt aus dem Cover von Ubik, Phoenix (2012) mit Terry Gilliam in
rot, der helle Streifen am unteren Rand ist ein Artefakt des (schlechten) Scans
Auf dem Cover meiner Phoenix Ausgabe ist das Zitat nach dem Wort got getrennt und hinter dem Zitat steht der Name Terry Gilliam in rot.
Cover von Ubik mit Terry Gilliam in schwarz, diese Bild sieht man oft,
sowohl für die Ausgabe von Phoenix (2012) als auch für Orion (2017)
Man findet im Netz aber für beide Ausgaben (fast) nur ein Cover abgebildet, in dem Terry Gilliam in schwarz geschrieben ist, ausserdem steht got als letztes Wort der ersten Zeile.
Ich vermute, dass beide Ausgaben das gleiche Cover haben, so wie es der Scan meiner Ausgabe zeigt, also mit einem roten Terry Gilliam. Das übliche Cover ist vermutlich eine frühe Version, die fürs Marketing benutzt wurde - und wird! - die es aber nicht wirklich gibt.
Do Androids Dream of Electric Sheep? in der
Ausgabe von Gollancz (2010) in der Variante mit which
im kurzen Untertitel für GBP 7,99, das Umschlagbild ist
übrigens vom schaffensfreudigen Chris Moore
Für das erste Cover spricht auch, dass es schöner ist: Der Text ist besser gegliedert und den Namen rot abzusetzen, ist eine schöne Idee.
Das Problem der abweichenden Cover begegnet dem interessierten Sammler noch an weiteren Stellen. Ein anderes Beispiel ist die Ausgabe von Gollancz (2010) von Do Androids Dream of Electric Sheep? - eine grosse Zahl der Abbildungen im Internet zeigt das Cover mit drei Zeilen unter dem Titel.
Meine Ausgabe - und alle Fotos von Ausgaben, die ich daraufhin untersucht habe - zeigt aber nur einen einzeiligen Untertitel. Allerdings gibt es auch bei diesem Untertitel drei Varianten: Zunächst steht da The novel which became BLADE RUNNER. Dabei ist dieser Untertitel entweder länger als das darüber stehende Electric Sheep? (Variante 1) oder kürzer (Variante 2). Und es gibt den Untertitel The Novel that became BLADE RUNNER (Variante 3). Der Preis für diese Ausgaben ist GBP 7,99, Variante 2 ist auch für GBP 8,99 nachgewiesen, man könnte also annehmen, dass dies die aktuellste ist.
Ich denke, dass mit den drei Zeilen mal wieder eine Version des Covers verbreitet wird, die es gar nicht gibt, Verlagsmaterial eben; Fotos davon waren nicht zu finden.
Schön übrigens, das der Roman bei Gollancz unter seinem Originaltitel veröffentlicht ist, in Deutschland gibt es nur noch den Blade Runner. Nun ja.
Ein deutsches Beispiel für dieses Problem ist Nick und der Glimmung von Edition Phantasia (2000). Das Bild auf der Verlagsseite weicht z. B. bei der Positionierung des Titels deutlich von zumindest meiner Ausgabe ab, die man hier sehen kann; und ich gehe fest davon aus, dass es keine abweichende Ausgabe gibt. Der Verlag zeigt also vermutlich einen früheren Entwurf des Umschlagbildes.
Do Androids Dream of Electric Sheep?, Gollancz (2010),
mit einem Cover, das es wohl so nicht gibt, mit dreizeiligem Zitat:

'Dick's best work, and the most memorable
alternative world tale ever written'

SCIENCE FICTION: THE 100 BEST NOVELS.
Verwirrender wird alles, weil das Bild des Verlags häufig andernorts verwendet wird - es wird eben bequemerweise kopiert.
Letztlich ist auf das Internet eben kein Verlass, wir sehen, dass selbst die Informationen der Webseiten der Verlage fehlerhaft sind. Wirklich glauben kann man nur den Exemplaren, die man selbst in der Hand hatte (darum sammeln wir ja) - und vielleicht auch noch Fotos. Die üblichen Beispielbilder sind zumindest unzuverlässig, genauso wie Fotos des Anbieters, wenn es sich offensichtlich nicht um Fotos handelt, sondern um Verlagsmaterial.
Langer Untertitel: The novel which became BLADE RUNNER - ich besitze
diese Ausgabe nicht, es handelt sich aber zweifelsfrei um ein Foto, diese
Ausgabe gibt es also (fast) ganz sicher, für GBP 7,99
Untertitel: The novel that became BLADE RUNNER für GBP 8,99
Ob man solche Varianten in seiner Sammlung braucht - wenn sie denn wirklich existieren - oder nicht, ist natürlich jedem selbst überlassen. Die Beschaffung ist aber schwierig, die kommerziellen Anbieter mit den genannten Beispielbildern lassen die Unterscheidungen kaum zu - hier fischt man besser in der Bucht oder bei Privatanbietern, die meist mit Fotos anbieten.
Bei der Recherche zum erstgenannten Ubik ist mir im Den of Geek! ein netter Artikel zur Mode in diesem Roman über den Weg gelaufen, auf den ich hier hinweisen möchte - es geht um ein bizarres Detail und war mir bei der Lektüre gänzlich entgangen. Es gibt aber sogar einen Comic, von Ned Sonntag, der das Thema Men's Fashion of the Future! aufnimmt: Er ist zu finden im Heavy Metal Magazin von September 1983, aber auch zu sehen im Internet Archive (links unten) ...

Samstag, 2. März 2019

!Time Machine

Kürzlich - oder eigentlich nicht mehr so kürzlich, dieser Beitrag ist ein wenig liegengeblieben -  bin ich auf ein neues Science Fiction Magazin aufmerksam geworden: !Time Machine. Die erste Ausgabe sollte einen Beitrag zu Tommi Brems dick'schen Appendix Dick enthalten. Mehr war nicht zu erfahren und so ermittelte ich den Wurdack Verlag, bei dem man das Heft auch direkt bestellen kann.
Der Appendix Dick ist meinem Herzen sehr nah und ich war daher sehr neugierig auf diesen Artikel und umso enttäuschter, als ich den Beitrag in meiner Ausgabe nicht finden konnte. Es gab anderes zu Dick, aber nichts zum Appendix Dick! Tatsächlich hatte ich die falsche Ausgabe erhalten, nämlich die zweite - ein Glücksfall, wäre ich doch sonst auf diese anderen Artikel gar nicht aufmerksam geworden. Das Problem liess sich nach kurzer Rücksprache mit dem Verlag schnell klären und jetzt besitze ich beide Ausgaben: 1. und 2. (Der Verlag nennt die Ausgabe 1 auf seiner Seite Dezember 2017, im Heft steht jedoch - auf jeder Seite - Januar 2018; für Ausgabe 2 nennen beide einmütig Dezember 2018.)
Die Ausgaben 1 und 2 des Fan-Zines !Time Machine
Der Artikel zum Appendix Dick in Ausgabe 1 ist eine SF Perle, eine der kurzen, bis einseitigen Rezensionen neuer, neuerer und auch klassischer Beiträge zur Science Fiction Literatur, die zahlreich in der !Time Machine zu finden sind. Geschrieben von Udo Klotz ist diese halben Seite ein natürlich zu kurzer, aber trotzdem wissender Artikel - der Autor versteht, warum wir 561 Seiten mit allen Namen aus Romanen von Philip K. Dick brauchen. Nicht betrachtet wird aber leider der künstlerische Anspruch von Tommi Brem bzw. seinem Buch, der Appendix ist eben auch ein Kunst-Werk und allein das beantwortet die Frage, wer das braucht. Es ist trotzdem ein guter Artikel und es ist schön, dass Brems Appendix hier gewürdigt wird.
Unbedingt lesenswert ist auch der lange Artikel zu Fanzines, auch !Time Machine zählt sich dazu. Die 18 Seiten dicht bebilderten Seiten sind kein vollständiger Überblick, wie Udo Klotz, der auch diesen Artikel geschrieben hat, selbst meint. Aber es ist trotzdem schön zu lesen, lehrreich und gut. Es fehlt nur mein Lieblingsthema, das Bewahren der seltener werdenden alten Ausgaben. Passend zum Thema Fanzines ist die Ausgabe dem 2017 verstorbenen Waldemar Kumming gewidmet, der u. a. mit Munich Round Up (MRU) das langlebigste deutschsprachige Fanzine veröffentlichte. MRU hat auch von und über Dick publiziert - die Nummer 90 enthält Projekt Wasserspinne, ein klaffendes Loch in meiner Sammlung. Irgendwann ...
In Ausgabe 2 schreibt Hans Frey über Religion und Science Fiction. Auf 14 Seiten, von französischen Philosophen, über rechtsradikale Esoterik wird das Thema diskutiert - bis zu, natürlich, VALIS, dem bedeutensten SF-Religionsroman dem hier auch ausführlich Raum gegeben wird. Die Frage War Dick glaubwürdig? im Zusammenhang mit dem Pink Beam wird mit der Schlüssel zu allem liegt in der Person Dick beantwortet. So sehe ich das auch - und so sehen das wohl die meisten, die sich wirklich intensiv mit Dick beschäftigt haben, viele oberflächliche Autoren kommen zu anderen, nutzlosen Ergebnissen. Interessant fand ich die Erwähnung von Otto Basils Wenn das der Führer wüsste, den ich in diesem Blog wohl später separat betrachten werde. Die Science Fiction History - Was in der phantastischen Literatur vor 100, 75, 50 und 25 Jahren geschah berichtet natürlich über Do Androids Dream of Electric Sheep? von 1968. Und auch die SF-Perle zu David Cronenbergs Film eXistenZ vergisst nicht die Referenz auf (oder an) Dick.
!Time Machine erscheint mit einer Ausgabe pro Jahr - bisher im Dezember, bis zur nächsten Ausgabe, die ich neugierig erwarte, dauert es also noch etwas. Erwerben lassen sich Ausgaben des Magazins für wenig Geld direkt beim Wurdack-Verlag.