Samstag, 8. August 2015

Comics

A Scanner Darkly: Alles wird nicht gut - das Buch zum Film
Von den verschiedenen Comic-Adaptionen von Texten von oder aber auch über Philip K. Dick sind nur einige, wenige im Deutschen angekommen. Unvermeidlich und nicht zu übersehen ist da natürlich das Buch-zum-Film A Scanner Darkly: Alles wird nicht gut, 2007 nach dem Film von Richard Linklater bei Schirmer/Mosel erschienen. Der Titel der deutschen Übersetzung des Romans ist sonst Der dunkle Schirm, der Film lief aber auch in Deutschland unter dem Titel A Scanner Darkly. Dieser Film hat sicher gewisse literarische Ambitionen, sicher mehr als die anderen Film-Adaptionen, die es gar nicht erst ins Deutsche geschafft haben: Blade Runner von Archie Goodwin (Text) bei Marvel (1982) und Total Recall von Maggin und Lyle bei DC Comics (1990). Total Recall von Moore und Razek bei Dynamite (2012) ist übrigens eine Fortsetzung des Films vom 1990, keine Film-Adaption - und ebenfalls nicht auf Deutsch erhältlich.

Schwermetall Nr. 7, August 1980 mit mit Moebius' Die Clans des Alpha-Mond
und Fantasie Comics Band 2 zusätzlich noch mit The Long Tomorrow 1 + 2
Eine sehr frühe, aber kaum bekannte Comic-Adaption eines Stoffes von Dick hat schon 1974 Moebius (Jean Giraud) geschaffen: Dans 'Les Clans de la Lune Alphane' de Philip K. Dick im Magazin Pilote #743. Das ist eine einseitige "Zusammenfassung" des Romans Clans of the Alphane Moon, der im Deutschen unter verschiedenen Titel herausgekommen ist, u. a. Die Clans des Alpha-Mondes bei Ullstein. Im Netz findet sich die Comic-Seite zeitweise auch.
Dank Moebius' Namen ist diese "Zusammenfassung" auch mehrfach im Deutschen erschienen, unter dem Titel In "Die Clans des Alpha-Mond" passiert folgendes. Zuerst 1980 in Schwermetall #7, das dann noch mal in Schwermetall Sammelband #2 (1983) gesammelt wurde. 1981 kam  die Geschichte in der Sammlung Fantasie Comics, Band 2: Moebius heraus. Möglicherweise findet sie sich noch in anderen Sammelbänden. Ich konnte für diese Geschichte von Moebius keine englischsprachige Ausgabe finden, möglicherweise findet sie deshalb auch kaum Resonanz. Fantasie Comics, Band 2 enthält übrigens auch The Long Tomorrow, einen wichtige Einfluss für Blade Runner.
Robert Crumb: Ein Heldenleben
Schliesslich hat sich Robert Crumb dann Dicks religiöser Erleuchtung, d. h. den 2-3-74 Ereignissen angenommen. The Religious Experience of PKD, erstmalig 1986 im Magazin Weirdo #17 erschienen, basiert auf Dialogen aus Rickmans Philip K. Dick, the Last Testament (1985) und ist sicher das Werk mit dem höchsten literarischen Anspruch, so wie man das insgesamt über Crumbs Werk sagen kann (aber man kann da sicher auch ganz anderer Meinung sein). Die acht Seiten finden sich in der englischen Version bei philipkdickfans. Die deutsche Übersetzung von Harry Rowohlt erschien 1992 bei zweitausendeins im Crumb-Sammelband Ein Heldenleben - Geifersucht und Leidenschaft. Die erste Ausgabe war offenbar kartoniert mit Schutzumschlag, die zweite von 1993 (und folgende) broschiert (diese Ausgabe habe ich schon von Crumb signiert gesehen, sicher ein schönes Exemplar für jede Sammlung). Im Jahr 2000 war dieser Comic auch im Phantastischen RABEn (59), dort leidet er unter dem kleinen Format. 2012 kann man ihn dann wieder in voller Grösse in Nausea bei Reprodukt bewundern.
Ein Comic, der nur noch am Rande mit Dick zu tun hat, ist Hard Boiled vom renommierten Comic-Autoren Frank Miller. Die Inspiration durch Dick - so spielt ein Roboter mit falschen Erinnerungen die Hauptrolle - ist unübersehbar, offen, unversteckt und wird viel zitiert. Ob man "so etwas" in seiner Sammlung braucht, ist sicher wieder eine persönliche Entscheidung. Zum Dick-Kanon gehört dieses Werk nicht. Im Original ist der Comic in drei Bänden erschienen, in Deutschland 1991 und 1993 in zwei Teilen bei Alpha Comics, 2008 in einem Band bei Cross Cult.
Wasteland #10, DC Comics
(1988) mit Life's Illusion
Der eigentlich Auslöser für diesen Blogeintrag ist aber eine aktuelle Neuerwerbung, wieder mal etwas Englisches: Wastland #10 von DC Comics (1988). Enthalten ist die Geschichte Life's Illusion von den Autoren Del Close und John Ostrander und Zeichnungen von David Lloyd, in der Dick Phillips an einem Dienstagabend auf dem Weg nach Hause von einem mit einem lauten Kkrak! aufreissendem Himmel erschreckt wird. Noch mal, wie bei Crumb, eine recursive Geschichte: Dick, bzw. sein Stellvertreter, als Figur in einer seiner eigenen Geschichten - und auch das ist wieder eine sehr dick'sche Idee.
Es gibt in diesem Blog auch eine Seite mit den (irgendwann einmal) vollständigen Informationen zu Philip K. Dick im Comic.
Der Web-Tipp ist ein Blick in die Welt von Heavy Metal, einem wichtigen Comic Magazin. Die Seite ist wieder ein schönes Beispiel für die (harte) Arbeit eines Fans mit viel Sinn für Detail. Das deutsche Schwermetall lehnt sich wohl im Namen an Heavy Metal an, der oben genannte Moebius findet sich im englischen Heft aber nicht.

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