Samstag, 11. April 2015

Bis wohin... und nicht weiter

Als alles auseinanderfiel von Ron Goulart mit einem
Blurb von Philip K. Dick
Eine sehr aktuelle Erwerbung, die ich schon sehr lange in meinem Katalog als nicht vorhanden führe, ist Ron Goularts Als alles auseinanderfiel, Goldmann (1973), Nummer 180 in der SF-Reihe. Der direkte Bezug zu Dick ist auf dem Titelbild zu erkennen: Ein - natürlich lobendes - Zitat von Dick, heute sagt man wohl Testimonial, auf dem Umschlag. Reines Lesevergnügen, geistreiche Ideen von hohem Niveau sagt Dick. Und so wenig ein Satz von Dick in einem Buch von 159 Seiten ist, fand ich es doch sammelwürdig, allerdings in der Kategorie Kuriosa.
Woher kommt dieses Zitat? Ganz genau kann ich es leider nicht lokalisieren, aber Dick und Goulart kannten sich recht gut. Goulart, Jahrgang 1930, hat 1951 an Schreibkursen bei Anthony Boucher in Berkeley teilgenommen. Zur gleichen Zeit nahm auch Dick an diesen Kursen teil, motiviert von seiner Mutter, die ebenfalls an diesen Kursen teilnahm. Später schickte er dann seine Frau Kleo, die Notizen für ihn machte. Boucher motivierte Dick auch dazu eher "Fantasy" zu schreiben, nicht Mainstream, und war dann auch der erste, der eine Geschichte für seine Zeitschrift The Magazine of Fantasy and Science Fiction kaufte: Roog [SutinD94, Seite 114]. Später schrieb Dick, gemeinsam mit einigen anderen grossen Namen aus der Szene, in dessen Magazin seinen Nachruf; The Magazine of Fantasy and Science Fiction, August 1968.
Roog war nicht die erste Veröffentlichung von Dick, sie erschien in den USA erst 1953, aber der erste Verkauf und daher wohl um so wichtiger. In Deutschland ist Roog erst 1981 in der Anthologie Die besten Stories von Philip K. Dick, Moewig, (richtig) erschienen, später manchmal auch unter dem "deutschen" Titel Ruug.
Goulart und Dick waren später sicher befreundet, es gab ausführliche Korrespondenz zum Thema Schreiben und lange Telefongespräche; Besuche vermied Dick auch hier. [SutinD94, Seite 210f.]
Auch der Blick auf die Originalausgabe von Als alles auseinanderfiel zeigt, wie nahe sich Dick und Goulart hier waren; die Erstausgabe ist bei Ace herausgekommen, spätere Ausgaben bei Gregg Press und Berkley Books, die britische Ausgabe bei Arrow, die alle auch zahlreiche Titel von Dick herausgebracht haben. Man schwamm halt im selben Wasser. Und schliesslich hat Goulart, der viele Rezensionen geschrieben hat, sowohl Martian Time-Slip 1964 in der Dezember-Ausgabe von The Magazine of Fantasy and Science Fiction, als auch 1969 Ubik in der November-Ausgabe von Venture Science Fiction Magazine rezensiert, jeweils recht kurz. Beide Rezensionen lassen sich in PKD Otaku, #8 bzw. #6, nachlesen.
Die recht lange Liste der deutschen Neuerscheinungen von Dick in den Jahren von 1970-1973 erklärt vielleicht, dass dieses Zitat von Dick auf dem Umschlag erscheint. Allein Goldmann hat sechs Titel veröffentlicht, Heyne beginnt mit Träumen Roboter... und die beiden gebundenen Insel-Ausgaben liegen in diesem Zeitraum. Dick hatte hier sicher ein erstes Hoch, das Goldmann gleich nutzt.
Zum Abschluss und der Vollständigkeit halber: Die Originalausgabe von Goularts Buch ist 1970 bei Ace unter dem Titel After Things Fell Apart erschienen - allerdings eben ohne Testimonial (zumindest nicht auf dem Umschlag). Das war in den USA erst 1977 auf einer späteren Neuausgabe. After Things Fell Apart ist der erste von schliesslich fünf Bänden der Fragmented America Serie.
Mein Web-Tipp heute ist The Internet Speculative Fiction Database, bei der sich ausführliche Informationen zu Dick, aber auch zu Goulart finden lassen, allerdings fast ausschliesslich zu englischen Ausgaben, nur einige wenige auch deutsche Ausgaben werden geführt.

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