Samstag, 18. Juli 2015

Manches ist auch Mainstream

Philip K. Dick hat neun Romane geschrieben, die allgemein dem Mainstream zugerechnet werden. Mainstream bezeichnet hier alles, was nicht Science Fiction ist. Dick hat gerade am Anfang seiner Karriere versucht, auch Mainstream zu verkaufen und wohl die wenig angesehene Science Fiction zu verlassen und ein richtiger Schriftsteller zu werden. Das ist ihm nicht gelungen, zu Lebzeiten erschien nur einer seiner Mainstream Romane. Von den neun Titel sind derzeit bereits sieben im Deutschen erschienen, nur einer in zwei unterschiedlichen Ausgaben und alle Ausgaben bei den kleinen Verlagen.
Die meisten Mainstream Romane, nämlich drei, sind bei der Edition Phantasia erschienen, beginnend 1985.
  • Der Mann, dessen Zähne alle exakt gleich waren (1985). Auflage: 1000
  • In Milton-Lumky-Land (1995). Auflage: 250
  • Mary und der Riese (2010). Auflage: 400
Zur Verfügbarkeit dieser Ausgaben findet man mehr im Blogeintrag über Edition Phantasia.
1987, also auch recht früh, ist dann der einzige Roman im Deutschen erschienen, der im Original noch zu Dicks Lebzeiten erschienen ist, Confessions of a Crap Artist. Später ist der sogar in einer zweiten Ausgabe erschienen. Diese Zwillinge mit der romantischen Widmung und der schwierigen Übersetzung habe ich bereits beschrieben.
  • Eine Bande von Verrückten. Hamburg: Reidar (1987). 228 Seiten, gebunden
  • Eine Bande von Verrückten. Nienburg: Betzel (1993). 245 Seiten, Taschenbuch
Bei Haffmans ist Die kaputte Kugel (1993) als erster, recht untypischer Band der Gesamtausgabe von Dick erschienen, wie berichtet.
2009 begann dann der Liebeskind Verlag in München damit, die fehlenden Romane herauszugeben, zunächst Unterwegs in einem kleinen Land München (2009), im Original Puttering about in a small land. Es folgte bei Liebeskind dann Stimmen der Straße (2010), Voices from the street, geschrieben bzw. bei seinem Agenten eingesandt im Juni 1952. Das Manuskript war lange verloren und erschien in den USA erst 2007 bei TOR. Leider erfüllten sich meine Hoffnungen auf weitere Romane nicht; nach dem eher umfangreichen Auftauchen von Remittenden zu schliessen, sind diese Ausgaben nicht wirklich gut verkauft worden - vielleicht erklärt es das.
Zwei Romane von Philip K. Dick bei Liebeskind
Stimmen der Strasse (2009) und Unterwegs in einem kleinen Land (2010), die
beiden Beiträge von Liebeskind
Es fehlen in deutscher Übersetzung noch zwei von Dicks Mainstream Romanen, nämlich zunächst Humpty Dumpty in Oakland, 1960 geschrieben und 1986 in Grossbritannien bei Gollancz in der hübschen gebundenen Ausgabe erschienen. Die US-Ausgabe folgt erst 2007 bei TOR, wo seither noch vier weitere Mainstream Romane veröffentlicht sind.
Weiterhin fehlt auf Deutsch Gather Yourselves Together, das zuerst 1994 bei WCS erschienen ist; ich konnte es mir seinerzeit aus der Insolvenzmasse kaufen (so habe ich den Verkäufer verstanden), insgesamt ist dieses Buch trotz des kleinen Angebots aber ganz gut erhältlich, es spricht wohl auch nur die ganz gründlichen Fans an und ist wenig nachgefragt.
Einen bibliographischen Überblick über Dicks deutsche Mainstream-Romane gibt es an anderer Stelle hier im Blog.
In der englischen Literatur werden noch verschiedene andere Romane erwähnt, die potentiell Mainstream-Charakter haben, diese sind aber vollständig verloren, d. h. sie waren schon zu Dicks Lebzeiten für ihn selbst nicht mehr vorhanden, so weit er sie - teilweise in Interviews - erwähnt. Das sind u. a. Return to Lilliput (geschrieben 1941, also mit 12) und The Earthshaker (geschrieben 1948) oder auch A Time for George Stavros, das aber offenbar in Humpty Dumpty aufging.
Tatsächlich findet sich viel von Dicks Mainstream Romanen auch in seinen Science Fiction Romanen und teilweise auch den Kurzgeschichten. Dicks Thema der Frage nach der Struktur der Realität findet sich umgekehrt nicht wirklich in den Mainstream Romanen; das liegt wohl auch in der Natur der Sache. Die Frage nach der Menschlichkeit, die Dicks Suche nach der Bedeutung der Realität vielleicht sogar zu Grunde liegt, ist aber in diesen Romanen deutlich zu lesen.
Der Web-Tipp hat weniger mit dem Thema zu tun, ist aber aktuell, da ich kürzlich mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar gemailt habe, die natürlich auch eine Webpräsenz besitzt. Man würde sich wohl einen Online-Katalog wünschen, ich habe aber grösstest Verständnis dafür, dass das offenbar (derzeit) nicht möglich ist. Die riesige Sammlung zu bearbeiten wäre eine gewaltige Aufgabe. Dafür gibt es freundliche Mitarbeiter, die mir per Mail helfen konnten; einen persönlichen Besuch wird mir das nicht ersparen, aber das möchte ich auch gar nicht. Ich denke, ich werde von den Ergebnissen des Besuchs hier berichten können.

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