Samstag, 6. November 2021

Blade Runner (Teil 14)

Schon 2019 sind die Soulmates erschienen. Zehn Bände Männerliteratur aus den Männerwelten: Es geht um Androiden, Milliardäre, Boxer, Senatorensöhne, Bergmänner, Armenärzte, Polarforscher; Helden. Männer eben. Aber halt, es ist natürlich „Männerliteratur“, denn Männer gibt es nicht mehr, nur noch „Männer“. Und so war der Aufschrei auch gross – zehn Bücher und keines von einer Frau dabei!
Band 1 der Soulmates: Blade Runner von Philip K. Dick
Ich habe mir die zehn Bände im Schuber, die von der Süddeutschen Zeitung herausgebracht wurden, nicht gekauft. Obwohl der erste Band Blade Runner von Philip K. Dick ist und daher dringend in die Sammlung gehört. Der Grund meiner Kaufverweigerung war aber nicht die fehlenden Beachtung der Frauenquote: Zum einen ist man da von unserem Lieblingsautoren einiges gewöhnt, Dick war sicher kein Feminist und zum anderen schränkt dieser Schuber den Zugang zur Literatur von Frauen nicht ein, es gibt gut zugängliche Läden, die voll davon sind.
Mein Problem mit diesem Schuber war, dass ich nicht recht wusste, was ich mit den anderen neun Bänden „Ballast“ tun sollte. Der Sammlung zuführen wollte ich sie nicht, den einen Band heraustrennen jedoch auch nicht – schliesslich gehören sie im Schuber zusammen und teilen eine ISBN. Und ganz billig war die Sache auch nicht!
Und wie so oft wird die Geduld beim Sammeln belohnt. Mir ist nun dieser eine Band einzeln begegnet, getrennt von seinen Brüdern und diesen einen konnte ich mit gutem Gewissen (und für wenig Geld) eine Heimat geben und in die Sammlung aufnehmen.
Und was ist das für ein Buch? Es ist die Neuübersetzung von Manfred Allié, dazu hier mehr im Blog, vollständig mit Widmung und Motto(s). Die Bindung und überhaupt die Wertigkeit der Verarbeitung ist recht mässig. Über das Umschlagbild mag jeder selbst urteilen.
Zu dieser Ausgabe gibt es sonst wenig zu sagen. Ordentlich, aber nicht schön und ohne inhaltlichen Beitrag – ein paar Worte zu Männlichkeit von Rick Deckard hätte die Süddeutsche sich doch herauspressen können. Aber vermutlich hatte man eh nur den Film gesehen und an Han-Henry Ford gedacht und nicht an das Dark-Haired-Girl-Opfer aus dem Roman. Denn ein Held (und den „Alltagshelden“ wollen wir hier mal nicht beanspruchen) ist Deckard doch wohl nicht, auch kein gebrochener, sondern ein Jedermann, der ebenso Fernseher reparieren oder Schreibmaschinen verkaufen könnte. Ein unter Lebensgefahr arbeitender Androidenjäger ist er wohl doch nur vordergründig, so scheint mir, und das um so mehr im direkten Vergleich mit dem Hardboiled Detective Ned Beaumont aus Dashiel Hammets Roman Der gläserne Schlüssel, dem vierten Band der Reihe. Das hätte ein spannendes Vorwort werden können, mit ganz vielen aktuellen Bezügen. Aber die Süddeutsche will hier keine Literaturarbeit machen, sondern Geld verdienen – 2019 sind die Bände pünktlich zum Weihnachtsgeschäft erschienen. Es sei ihr gegönnt, wertiger Journalismus ist ein hartes Geschäft geworden.
Beim Verlag kann man die Bücher nicht mehr kaufen, aber allerorten sonst, neu und etwas günstiger antiquarisch und natürlich auch als Weihnachtsgeschenk. Einzeln ist mir dieser Blade Runner bisher nur sehr selten begegnet.
Wie die Süddeutsche ihre Männerwelten-Edition sieht, kann man z. B. hier nachlesen.
Alle 14 deutschen Ausgaben vom Blade Runner sind hier im Blog.

Preise

"Soulmates", Süddeutsche Verlag (2019). 10 Bände im Schuber. ISBN 978-3-86497-486-1, antiquarisch ab 60 Euro

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