Samstag, 16. Mai 2015

Suhrkamp und Insel

Nach dem Goldmann Verlag war der Insel Verlag der nächste grössere Verlag, der Dick in Deutschland herausgebracht hat. Dies war sicher das Verdienst von Franz Rottensteiner, der von 1971 bis 1975 in der Insel-Reihe Science Fiction der Welt ausser Dick noch viele andere grosse Autoren herausgebracht hat, so auch Stanislaw Lem. Franz Rottensteiner hat dann für Insel auch gleich zwei der grossen Romane von Dick ausgewählt: Die Drei Stigmata des Palmer Eldritch und Marsianischer Zeitsturz. Bei Insel hiessen diese aber, in der deutschen Erstausgabe, LSD-Astronauten und Mozart für Marsianer. Wenn man Mozart auch akzeptieren kann, schliesslich spielt eine Aufnahme von Mozart im Buch eine Rolle, so ist LSD-Astronauten schwer zu verschmerzen. Heyne hat daher auch später die eng am englischen Original angelehnten Titel gewählt und damit sicher besser gelegen.
Mozart für Marsianer von 1973 und LSD-Astronauten von 1971 als
Hardcover-Ausgaben im Insel-Verlag
Die Ausgaben im Insel Verlag sind lila Pappbände mit einem wirklichen schönen, 70er-Jahre bunten Schutzumschlag. Dieser Schutzumschlag bereitet bei diesen Ausgaben, zumindest bei den LSD-Astronauten, leider häufig Sorgen, weil sich die Beschichtung des Umschlages - sei es die Cellophanierung oder die Kaschierung - löst; die Umschläge sehen oft schlimm aus. Ansonsten sind die angebotenen Exemplare, die man problemlos finden kann, aber in der Regel sauber und allgemein in gutem Zustand; sie standen wohl öfter gut verwahrt im Bücherschrank von Literaturinteressierten als im Kinderzimmer den Übeln der Zeit ausgesetzt zu sein.
Diese Reihe ist übrigens selbst für sich sammelwürdig: Schöne Bücher in schönen Ausgaben von namhaften Autoren; vielleicht sind wirklich gute Exemplare daher auch etwas teurer. Der Originalpreis waren immerhin auch stolze 14,50 DM.
Der Insel Verlag gehört seit 1963 zu Suhrkamp und so sind die beiden Insel Ausgaben später bei Suhrkamp in der ebenfalls lange von Franz Rottensteiner betreuten Reihe Phantastische Bibliothek erschienen, die sich auch mit ihrer lila Grundfarbe farblich der Reihe bei Insel annähern.
Ubik bei Suhrkamp: Links die erste Auflage von 1977, rechts
die zweite Auflage von 1978 mit abweichendem Umschlagbild
Als erster Roman von Dick war 1977 bereits Ubik in der Reihe erschienen, erneut ein - bzw. wohl das -  Hauptwerk von Dick; Rottensteiner hält die drei Romane für die besten von Dick [Polaris 7, Vorwort]. Ubik ist in der Folge bis 1993 in mindestens sechs Auflagen bei Suhrkamp erschienen -  und danach bei Heyne. In den Büchern wird auch noch die Auflagenhöhe angegeben, eine schöne Angewohnheit, die mittlerweile völlig verschwunden ist: Auflagenhöhen sind heutzutage natürlich geheim, zumindest aber öffentlich wohl nicht mehr zugänglich. Zur zweiten Auflage ändert sich übrigens das Umschlagbild (und die ISBN): Der weisse Rahmen um den Kopf der Figur (vielleicht ist das Glen Runciter) verschwindet. Das Nachwort der Ausgabe von Suhrkamp ist von Stanislaw Lem: Ubik als Science Fiction. Der Text erschien zuerst in Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift Quarber Merkur 29 (1972) und wurde dann mehrfach, auch englisch, andernorts publiziert. Der Quarber Merkur erscheint übrigens seit 1963 im Jahr 2015 mit der Nummer 114 noch immer, seit neuerem bei einem anderen Verlag; man kann über die Jahre viele Artikel über Dick finden (aber das ist ein separater Blogeintrag).
Einen weiteren Blogeintrag ist auch der Kontakt von Dick und Lem, der auch Rottensteiner miteinbezog, wert. Letztlich führte das zur frühen Veröffentlichung von Ubik in Polen, wo der Roman dann in der Reihe Stanislaw Lem empfiehlt bereits 1975 erschienen ist, also eher als in Deutschland. Rottensteiner hat Lem wohl auch erst auf Dick aufmerksam gemacht [u.a. SF Commentary #88]. Die Zusammenarbeit von Rottensteiner und Lem nahm dann später kein gutes Ende.
Der Überblick über die Ausgaben findet sich in der Seite zum Verlag. Zur etwas mysteriösen broschierten Ausgabe der LSD-Astronauten gibt es einen separaten Blogeintrag.
Der WorldCat ist der Web-Tipp der Woche. WorldCat ist ein Netzwerk von Bibliotheken und daher sind die Inhalte recht hochwertig. Bibliotheken beschäftigen eben ausgebildete Profis, die ein Ersterscheinungsdatum eines Buches vom Datum der Ausgabe und dem Datum des Copyright unterscheiden können. Laut WorldCat ist die genannte polnische Ausgabe von Ubik offenbar die erste Ausgabe von Dick im Ostblock. Es gab bis zum Ende der Sowjetunion offenbar noch Ausgaben von Romanen in Jugoslawien (1982 und folgende), in Ungarn (1986), aber keine in der Sowjetunion selbst - und auch nicht in der DDR.

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