Mann, Mann. Mann! Man hat ja schon
viel erlebt, aber dieser Benjamin war wirklich noch mal ein Erlebnis:
Denn Comics sammeln ist anders. Und das ist auch gut
so! – eigentlich. Jedes Sammelgebiet hat seine Eigenheiten:
Bei Philip K. Dick begegnen wir sammlungsrelevanten Publikationen seiner
Werke ausserhalb des Genres in Büchern, Zeitschriften, Programmheften zu
Theaterstücken und überhaupt müssen wir uns mit Oper, Theater, Film und
Fernsehen und dem Feuilleton befassen – und wo wir die
entsprechenden Objekte finden können.
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| Benjamin, Band 1: Cover A und 1:10 Incentive Cover |
Und es gibt eben auch
Comics. Dieser Blog hat schon einige Ausflüge in jenes Genre dokumentiert, aber
Benjamin war eben noch einmal anders, weil live. Vorige
Exemplare wurden ex post angeschafft. Benjamin ist aber kurz
vor seiner Publikation im Juni (2025) auf dem Radar
aufgetaucht: Ein Comic sollte es werden, in drei Teilen, konnte man lesen,
der Protagonist irgendwie ein Ebenbild von Philip K. Dick –
oder vielleicht ist er es auch selbst? Das bleibt
in der Vorschau unklar, aber klar, bei Dick weiss man sowieso nie so genau, wie es
wirklich ist … schon das Wort „wirklich“ ist schwierig. Jedoch, die
vorab gezeigten Bilder sprechen eine klare Sprache, es geht um den Meister
selbst.
Frühling
Tatsächlich tauchten allerorten die Ausgaben auf, zum Vorbestellen, im
Juni soll der erste Band erscheinen. Sowohl in der grossen Bucht als auch
bei spezialisierten Anbietern, auch in Deutschland (aber nicht im
traditionellen Buchhandel, daher gibt es hier auch keine ISBN). Deutsche
Anbieter bieten akzeptables Versandkosten … die einzelnen Hefte kosten
wenig, man mag für den Versand nicht mehr bezahlen als fürs Heft selbst.
Aber vorbestellen oder gar die Serie – abonnieren?
Nein! Das sind wir nicht gewöhnt, wie geht das überhaupt?
Sommer
Der erste Heft konnte dann tatsächlich am Tag der Ersterscheinung zwischen
Ziegeln und Mörtel in einem Laden gekauft werden: Der Besuch in London war
wirklich nur zufällig an diesem Tag, der Besuch bei
Forbidden Planet dann aber geplant. Und tatsächlich lagen
dort, bei den Neuerscheinungen, die drei Ausgaben von Heft #1
Benjamin: Cover A, B und C. Denn natürlich gibt es jede Ausgabe mit
unterschiedlichen Umschlagmotiven und natürlich sollen so viele wie
möglich in die Sammlung. Und die Hefte sind günstig!
Zurück in der Heimat, es ist Mitte Juni, hat sich nun der Druck
vergrössert, auch #2 und #3, die jeweils im Monatsrythmus erscheinen
(sollen) zu erwerben. Also suchen wir uns Deutschlands führenden Anbieter
den A.-Comicshop und bestellen #2 und #3 vor. Leider gibt es
nur Cover A, aber so haben wir erst mal die Serie vollständig. Die
Bestellung wird
schnellstmoeglich bearbeitet und versendet! Wir freuen uns.
Zwischendurch ein Besuch im relativ lokalen Comicshop: vielleicht kann der
ja auch helfen? Man wird aufgeklärt: US-Comics aus Serien muss man am
besten abonnieren oder wenigstens drei Monate vorbestellen. Einfach da
oder auf Vorrat sind die Sachen nicht. Späteres nachbestellen ist immer
schwierig. Okay, wir lernen: die Vorbestellungen und Abos sind also üblich
oder vielleicht sogar erforderlich. Und überhaupt ist gerade der
amerikanische Grosshändler
Diamond in Nöten, da funktioniert sowieso vieles nicht. Aber auch
hier ein sehr nettes, langes und kluges Gespräch: Sammler unter sich (jener aber auf anderem Niveau, ein Profi). Man wird wiederkommen, auch wenn das
Angebot im Geschäft wenig für die Sammlung verspricht.
Herbst
Anfang September, Band 2 und 3 sind längst erschienen, ergibt sich
die Gelegenheit den
Comic Room in Hamburg
zu besuchen. Ein sehr nettes, intelligentes Gespräch, die Interessen
liegen doch eng beieinander und gute Beute: Cover A und B von #2 sind
gefangen. Versandkostenfrei natürlich. Sicher ist sicher … und von der
Vorbestellung bei A. hat man bisher noch nichts gehört. Ausserdem
gibt es hier das Angebot, die #3 zu besorgen, man hinterlasse bitte seine
Kontaktdaten.
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| Benjamin, Band 1: 1. Auflage und 3. Auflage |
Es ist Mitte Oktober, die Angebote werden weniger, man möchte das
Thema jetzt abschliessen. Also noch mal zurück zum A.-Shop, dort
ist #3 mit Cover A und B verfügbar! Beide flugs bestellt! Die
Auftragsbestätigung: vier Hefte sollen es sein, offenbar ist die
Vorbestellung (vom Juni!) mit auf der Rechnung. Die gilt noch?
Offensichtlich (für den Besteller) vom Shop vergessen und nur durch diese
Neubestellung reaktiviert. Nun ja, okay, #2A nehme ich, aber #3A zweimal?
Nein, lieber nicht … Nach zwei Mails zum Thema bricht die
Kommunikation ab, hier gibt es keinen Benjamin für mich: der Profi
optimiert da wohl (etwas unprofessionell), vermutlich hat er genug
Abonnenten. So fühlt es sich also an, wenn man be–geistert wird.
November: die #3 muss jetzt her. Es findet sich
Ink & Power, die A-Cover bietet er an, vernünftige
Versandkosten und überhaupt: das muss jetzt! Und dann schreibt mir der
freundliche Kenny, dass „die Kollegen aus Übersee derzeit etwas länger
brauchen“ und „das Paket nicht innerhalb von 10 Tagen“ bei mir eintrifft.
Okay. Diamond hat Probleme, die Lieferkette ist wabbelig.
Also dann noch ein bisschen herumgeguckt: was, wenn Kenny doch nicht
liefern kann? Kenny selbst lebt bekanntlich ein gefährliches Leben, wer
weiss, was
die Schweine mit ihm anstellen? Vielleicht beliefern sie ihn doch
nicht? Es findet sich noch ein Händler, ein schlauer Hund, der auch das
Incentive 1:10 Cover von der #3 anbietet! für wenig Geld! Und zusätzliche
die abweichende dritte Auflage von #1A. Gleich bestellt! Jetzt ist eh
alles egal.
Nur zwei Tage später kommt vom schlauen Hund die Bitte um die Bestätigung
der Bestellung. Klasse! Allerdings soll man eine ganz andere Bestellung
bestätigen. Seltsam. Nein! Eine Verwechslung heisst es, kein
Problem, alles gut. Eine Manufaktur offenbar, alles wird von Hand gemacht,
da können auch mal Fehler auftreten. Naja, klar, schon, aber bisher hat
hier noch nichts funktioniert, das elektrisch läuft. Abwarten.
Eine lange Woche später: Die Hefte vom Hund sind da, alles wie es sein
soll! Endlich: auch den dritten Teil lesen, vorsichtig, das Extra-Cover
mit spitzen Fingern durchgelesen. (Und wie war's? Siehe unten.)
Winter
Das erste Türchen öffnet sich, Kennys Lieferung wird vom
Transportlogistiker angekündigt! Übermorgen soll es sein. Am nächsten Tag:
„leider kam es auf dem Transportweg Ihrer Sendung zu Verzögerungen.“
Natürlich. Aber schon hinter dem vierten Türchen finden sich dann 3A und
1A 3. Auflage Danke, Kenny!
Inventur zum Jahresende: vieles ist in der Sammlung, ein paar Cover fehlen
noch, aber man ist ja kein Komplettist, zumindest nicht bei Comics.
3B wäre nett, die Incentive Cover kriegt man eh nicht hierzulande und der
Versand von weit weg lohnt einfach nicht.
Frühjahr
Mittlerweile (schon etwas länger) hat sich eine (kleine) Sensation
angebahnt: Im März soll es einen Omnibus geben! Alle drei Hefte in einem
Band, Hardcover, mit ISBN, im regulären Handel! Im März sehen wir dann,
wie die vorbestellbaren Angebote bei vielen deutschen Anbietern
verschwinden, Amazon verschiebt den Liefertermin von
sofort nach Erscheinen auf den 6. Juni – 29. September. Das
ist verdächtig.
Bei der durch das Hardcover neu angeregten Suche nach 3B, vielleicht ist
die ja doch noch mal aufgetaucht, findet sich ein Shop im Brexit-Land: das
Incentive Cover von Band 1 wäre zu haben! So günstig, dass es unter den
Mindestbestellwert fällt. Aber wenn man den Omnibus mitbestellt, passt es,
das Porto ist auch geschenkt. Amazon vermieden, kaum mehr bezahlt und
schnell geliefert. Hoffentlich. Tatsächlich wird die Lieferung auch mit
inserierter Verfügbarkeit am 23. angekündigt und am Ende der Woche sind
Hardcover und Incentive Cover da. Danke, Mr. Disney!
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| Neun von elf: immerhin! |
Und was ist ein Incentive Cover? Der Comic-Sammler weiss es, dieser
Sammler nun auch: Im Comic-Gewerbe bieten die Verlage den Händlern Anreize,
viel zu kaufen. Bestellt ein Händler 10 Hefte, so erhält er dabei ein 1:10
Incentive Cover. Es gibt auch andere Verhältnisse, die so ein Incentive
Cover noch seltener machen, etwa 1:20. Und natürlich lassen sich diese Cover teurer und schneller verkaufen, Sammler wollen so etwas halt, denn es soll ja nicht zu einfach sein.
Ein Fazit
Wir stellen fest, dass uns ein harmloser dreiteiliger Comic ein gutes Jahr
beschäftigt, weil Comics Sammeln eben anders ist: abonnieren,
vorbestellen, viel Unverbindliches, Fehler, krass Unprofessionelles (also wirklich, A.!), Lieferkettenprobleme, aber auch viele nette Leute, gute Gespräche und
(fast) alle waren sehr bemüht und (fast) alles hat dann schliesslich auch
geklappt. Mit einem normalen Buch gibt es ja nie Probleme … oder
doch (hier im Blog)?
Wer jetzt noch zugreifen will: das Angebot an Einzelheften ist sehr
ausgedünnt, insbesondere in Deutschland, der Versand für Einzelausgaben
prohibitiv hoch. Zum Glück gibt es den Omnibus, überall wo es englische
Bücher gibt, mit ISBN.
Und wie ist Benjamin nun so? Dazu demnächst: hier im Blog!
Einen Überblick zu Comics mit, von und über Philip K. Dick gibt es im Blog mit vollständigen bibliographischen Angaben.
Rechtliche Hinweise
Die Angaben der Jahreszeit oben beziehen sich auf den meteorologischen
Anfang, nicht auf den kalendarischen.
Und, also, klar, ich hatte beim guten A. Band 1A und 2A vorbestellt
und dann noch mal 2A und 3A bestellt. Und 2A wollte ich dann nicht zweimal
haben: aber ich hatte doch bestellt! Mein Fehler! Aber nein, inhaltlich
und (wegen des Lieferverzugs der Vorbestellung, finde ich) moralisch kann
man ja nicht darauf bestehen, das ist das abnehme. Und formaljuristisch
hat man bei Netzkäufen ein 14-tägiges Widerrufsrecht, eine Stornierung am
Folgetag darf da kein Problem sein. Und von Kulanz wollen wir gar
nicht reden.
Preise
- Benjamin, Oni Press (2025): Einzelhefte liegen bei € 5,00, Incentive
Covers ab € 10,00 (aber eher mehr)
- Benjamin Omnibus, Oni Press (2026), ISBN 979-889488020-4 um €
25,00
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