Samstag, 10. Februar 2024

"The Collected Stories" in vier Bänden

Jetzt ist auch der vierte Band von den Collected Stories of Philip K. Dick in der Sammlung und mit dieser Ausgabe ist dem Blogeintrag zum ersten Band wenig hinzuzufügen: nette, aber leider anonyme Umschlagbilder ohne ganz klaren Bezug zum Inhalt. Abweichungen zur Folio-Ausgabe sind bei oberflächlicher Suche nicht zu entdecken. Mittlerweile finde ich die einzelnen Bände aber ein bisschen zu dick, eine fünfbändige Ausgabe ist doch einfacher zu handhaben. Trotzdem: solide!
Alles Kurze von Dick
The Collected Stories of Philip K. Dick, Volume 1 bis 4, Gollancz (2023)
Die Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Bände lässt sich jetzt bei ISFDB nachlesen.
Substantiell ist es mit den Kurzgeschichten so wie bei Dicks Romanen: wir finden eine sehr gemischte Qualität. Gerade die Geschichten der frühen Jahre (also fast alle) waren Broterwerb, zeit- und genretypisch auf eine einzelne Pointe angelegt. Charakterzeichnung und die Einbrüche von Dicks Leben in sein Werk finden hier noch kaum statt. Die besten Geschichten nehmen häufig Ideen vorweg, die Dick später in seinen Romanen mehr oder weniger direkt noch einmal aufnimmt. Der Leser findet also sowohl kurzweilige Unterhaltung als auch einen Einblick in die Arbeit des Schriftstellers. Die Lektüre der Kurzgeschichten von Philip K. Dick ist also trotzdem hochgradig empfohlen!
Auf Deutsch gibt es die sehr schöne, zehnbändige Ausgabe von Haffmans für die (fast) alle Texte neu übersetzt wurden und die textgleiche fünfbändige Ausgabe im Schuber von Zweitausendeins, die immer noch erhältlich ist.
Volume 1 ... 4
Volume One, Two, Three, Four
Übersetzt sind die Collected Stories sonst noch natürlich ins Französische und Italienische, weiterhin ins Polnische, Türkische, Spanische und Chinesische, das ist eigentlich erstaunlich wenig, insbesondere das Russische (mit ansonsten vielen Ausgaben) fehlt – aber hier gibt es überhaupt wenig Anthologien.
Es sei erwähnt, dass es natürlich auch diverse Anthologien mit verschiedenen Zusammenstellungen der – mehr oder weniger – besten Geschichten von Dick gibt; das gibt einen gewissen Einblick ins Werk, die Entwicklung von Dicks Texten lässt sich so aber nicht entdecken.

Für die Sammlung

Die Collected Stories sind ihr eigenes, dabei nicht ganz einfaches Sammelgebiet – und auch nicht wirklich günstig. Es gibt jeweils fünf amerikanische und britische Ausgaben. Die Erstausgabe ist bei Underwood-Miller 1987 erschienen, Paul Williams war hier wohl eine treibende Kraft, auch wenn er in diesem Kontext selten (ausreichend) erwähnt wird.
Jeder der fünf Bände hat eine Einführung von einem Science Fiction Schriftsteller aus dem Umfeld von Philip K. Dick. Diese lohnenden Einführungen sind in späteren Ausgaben teilweise verlorengegangen, auch in der deutschen Übersetzung finden sie sich nicht. Die einzelnen Bände haben auch einen Titel, der sich aus einer der Kurzgeschichten des Bandes ergibt:

  1. Beyond Lies the Wub mit einer Einführung von Steven Owen Godersky und einem Vorwort von Roger Zelazny
  2. Second Variety mit einem Vorwort von Norman Spinrad
  3. The Father-Thing mit einem Vorwort von John Brunner
  4. The Days of Perky Pat mit einem Vorwort von James Tiptree, Jr. (Alice B. Sheldon)
  5. The Little Black Box mit einem Vorwort von Thomas M. Disch
Spätere Ausgaben, insbesondere bei Gollancz, haben diese Titel geändert, um verkaufsfördernd den Bezug zu einer aktuellen Verfilmung herzustellen. Gollancz/Orion hat immer mal einzelne Bände mit neuem Umschlagbild herausgebracht, als „Buch zum Film“ (z. B. 2012: Total Recall – für die Neuverfilmung), das macht die ganze Sache manchmal ein bisschen unübersichtlich ... zumal es dann unter gleichen Namen auch Anthologien mit anderem Inhalt gibt.
Im folgenden ein Überblick, für die ganz genauen bibliographischen Details siehe ISFDB. Soweit nicht anders erwähnt handelt es sich um jeweils fünfbändige Ausgaben.

USA

  1. Underwood-Miller (1987), Hardcover ohne Schutzumschlag, in diversen Varianten, im Schuber und teilweise „signiert“, bis auf die Trade Edition mit einem Heft The Acts of Paul
    1. Publisher's Copy: 2 (oder 3) Serien im Ledereinband, nummeriert und signiert
    2. Nummeriert und signiert: Auflage 100, nummeriert und signiert
    3. Nummeriert: Auflage 400 + 5
    4. Trade Edition: Auflage 800, ohne Schuber
    • es werden viele „unkorrigierte Probedrucke“ (uncorrected proofs) angeboten
  2. Citadel Twilight (1990), Taschenbuch
  3. Citadel (2003), Taschenbuch
  4. Subterranean Press, mehr hier im Blog
    • Limited Edition: 250 nummerierte Exemplare
    • Trade Edition, Hardcover
  5. Citadel/Kensington (2016), Taschenbuch

Grossbritannien

  1. Gollancz (1988–90), Hardcover im gelben Schutzumschlag, siehe dazu auch hier im Blog
  2. Grafton (1990), Taschenbuch mit Chris Moore Umschlagbildern
  3. Gollancz (1999), Taschenbuch, Chris Moore Umschlag im neuen Farbschema 
  4. Folio Society (2021), Sammlerausgabe in vier Bänden
  5. Gollancz (2023), Taschenbuch in vier Bänden (siehe oben)

Das ist eine Menge Platz im Regal und erfordert ein grosszügiges Budget, selbst wenn man auf die ganz teuren Underwood-Miller Ausgaben verzichtet. Finden tut man aber alle Ausgaben leicht, auch die teuren, die aktuelleren Taschenbuchausgaben sind auch noch neu erhältlich, selbst die 1999er Gollancz-Ausgaben: die dürfte der Verlag jetzt aber wohl auslaufen lassen.
Die Erstausgabe hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag, ob alle dort genannten Auflagenzahlen genau stimmen, kann ich nicht sicher bestätigen, andere Stellen nennen andere Zahlen.

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