Samstag, 31. Januar 2026

Inflationäres

Triggerwarnung: Es wird wieder sehr speziell.

Recht neulich hat dieser Blog die traurige, weil arg gekürzte, Übersetzung von Die Invasoren von Ganymed betrachtet. Dieser halbe Single ist nur in einer selbstständigen Ausgabe erschienen, 1976 bei Bastei Lübbe. Laut Deutscher Nationalbibliothek hat dieses Buch ursprünglich 2,80 DM gekostet.
Vorderseiten von Die Invasoren von Ganymed und Eiskinder
Keine Fragen auf der Vorderseite, zwei Ausgaben von Bastei Lübbe: Philip K. Dicks Die Invasoren von Ganymed von 1976 und Michael G. Coneys Eiskinder von 1975
Aufgefallen ist mir an meinem Exemplar eine Eigentümlichkeit: Der ursprüngliche Preis ist überklebt. Das ist eigentlich nicht ungewöhnlich, aber dieser Aufkleber macht nicht den Eindruck, als sei er von der Verkaufsstelle angebracht: man hätte sich dort kaum die Mühe gemacht, in mehreren Währungen auszuzeichnen, oder? Hat der Verlag hier den Preis erhöht und vorhandene Exemplare umetikettiert? Für den Sammler würde sich damit – irgendwie zumindest – eine neue Ausgabe ergeben. Erhärten lässt sich dieser Verdacht aber nur, wenn sich weiter Exemplare dieser Art finden lassen.
Die Suche danach hat etwas gedauert. Die meisten Angebote im Internet von Bastei Lübbe Taschenbücher der Jahre 1975–1977 haben kein Fotos der Rückseite, hauptsächlich weil diese Ausgaben meist sehr billig gehandelt werden: die Mühe auch die Rückseite abzubilden, lohnt einfach nicht. Und daher ist die Recherche hier mühsam.
Beim backsteinernen Antiquariat meines Vertrauens, das ein winziges Regal mit sehr ausgesuchter Science Fiction bietet, ist mir dann aber doch ein Treffer ins Netz gegangen: Michael G. Coneys Eiskinder (Winter's Children) laut DNB ebenfalls 2,80 DM in der Erstausgabe von 1975, das Preisschild identisch überklebt wie bei den Invasoren von Ganymed. (In der Folge fand sich im Netz noch ein Foto von einem weiteren überklebten Exemplar der Eiskinder. Und dann auch noch von den Invasoren.)
Für mich ist das Beleg genug: Dieses Preisschild kommt vom Verlag. Es ist fast unmöglich, dass dieses Preisschild vom Handel kommt, zumal das wegen der Buchpreisbindung so auch kaum möglich wäre. Und ein Händler hätte kaum in vier zusätzlichen Währungen ausgezeichnet.
Recht zufällig habe ich anschliessend einen Beitrag zu ähnlich (aber professioneller) überklebten Preisen bei britischen Penguin Taschenbüchern gefunden (in den 60ern). Und in der Währungswechselzeit konnten wir ähnliches bei Heyne beobachten.
Der neue Preis der beiden Bücher: DEM 3,80 / FRF 10,00 / ITL 2200 / NLF 5,50  / ATS 28,00
Die Rückseite zeigt es: Diese Preisschilder kommen vom Verlag
Also: eine neue Ausgabe, zumindest eine Ausgabe mit einem neuen Preis ist im Katalog.
Braucht man ein solches Exemplar für die Sammlung? Wie immer: das muss der Sammler wissen, eine allgemeine Regel gibt es da wohl nicht. Es gibt aber doch nur sehr wenige Auflagen und Varianten deutscher Taschenbüchern, insbesondere von solchen von und mit und über Philip K. Dick, dass ein entsprechendes Exemplar die Sammlung durchaus bereichert, auch wenn es sich technisch nicht um eine Neuauflage handelt. In diese Sammlung kommt es erst einmal.
Das bedeutet, dass nun ein unbeklebtes Exemplar beschafft werden muss. Und wie so oft wird die Suche nach solchen Exemplaren dadurch erschwert, dass Rückseiten oft nicht gezeigt werden und solche Preisschilder meist nicht beworben werden. Professionelle Anbieter können das für so günstige Exemplare kaum leisten, privaten Anbietern ist bei Zustandsbeschreibungen kaum zu trauen: Ohne Fotos ist der Kauf da immer ein Risiko. Aber genügend Geduld wir auch hier zu einem erfolgreichen Ergebnis führen (das dann hier dokumentiert werden wird). Oder ... 
Wie viele Ausgaben sind von dieser Preiserhöhung betroffen? Wann wurde sie durchgeführt? Theoretisch ist auch nicht auszuschliessen, dass die gesamte Auflage überklebt wurde, vor der Auslieferung, aber nach der Meldung bei der Deutschen Nationalbibliothek. Exemplare ohne Preisschild (und die kann man finden) sind vielleicht nur durch Entfernen des Aufklebers entstanden. Das ist jedoch unwahrscheinlich, weil Eiskinder bereits von 1975 ist, Die Invasoren von Ganymed erst von 1976. Der Verlag wird die entsprechende Preiserhöhung an einem Stichtag durchgeführt haben und alle Bestände quasi gleichzeitig umetikettiert haben.
Unter dem Aufkleber findet sich übrigens folgender Originalpreis (zusätzlich zu DM 2,80):
Frankr. FF 6,-  ⸱ Italien L 1150 ⸱ Luxemb. LF 45 
Niederl. f 4,- ⸱ Österr. S 21,- ⸱ Schweiz Fr 3,20
Die Luxemburg und die Schweiz waren zwischenzeitlich offenbar weggefallen.

Dick und Coney, nicht    

Eine Verbindung zwischen und Dick und Coney lässt sich nicht wirklich herstellen. Dick gewinnt 1979 mit A Scanner Darkly (Der dunkle Schirm) den Prix de la SF de Metz für den besten ausländischen Roman, Coney gewinnt ihn ein Jahr später mit The Jaws That Bite, the Claws That Catch (auf Deutsch Sklaven der Zukunft). Viel näher sind sich die beiden scheinbar nicht gekommen.

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