Spricht man vom Sammeln, kommt vielen zunächst das Briefmarkensammeln in den
Sinn. Und so beschäftigen auch wir uns in diesem Blog mit:
Briefmarken! Aber natürlich mit Philip K. Dick Briefmarken.
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| Philip K. Dick: Il cacciatore di androidi in San Marino (1994) |
Hier im Blog sind uns Briefmarken schon einmal begegnet, im fernen
Tonga,
wo man stolz seine Schildkröten darauf abbildet.
Jetzt ist mir eine echte Philip K. Dick Briefmarke begegnet – und natürlich
musste die in die Sammlung. Die Marke kommt aus San Marino, dem
Kleinststaat in Italien, bekannt als Ausflugsziel von Rimini, Fussballnation
und Ausgabeland seltener Euromünzen und eben eigener Briefmarken: Schon 1998
brachte das Land einen Kleinbogen mit 16 Marken à 800 Lire zum
Thema Un secolo di fantascienza (100 Jahre Science
Fiction-Literatur) heraus.
Philip K. Dick ist in Italien populär,
man kann über Dicks zahlreiche italienische Ausgaben hier im Blog
nachlesen, es gibt auch einen Band von
Precious Artifacts (Nr.
4). Daher ist es konsequent, dass er einer der 15 + 2
ausgewählten Männer (denn nur Männer sind es) ist, natürlich mit seinem
populärsten Werk: Do Androids Dream of Electric Sheep?.
Über Dick hinaus hat die Post von San Marino eine für die Zeit sehr
solide Auswahl ohne grosse Überraschungen getroffen, ein paar echte
Klassiker, Intellektuell-literarisches und die „modernen Klassiker“:
- Jules Verne mit Vingt mille lieues sous les mers (20.000 Meilen unter dem Meer)
- H. G. Wells mit War of the Worlds (Krieg der Welten)
- Aldous Huxley mit Brave New World (Schöne neue Welt)
- George Orwell mit 1984
- Isaac Asimov mit Foundation (Der Tausendjahresplan)
- Clifford D. Simak mit City (Als es noch Menschen gab)
- Ray Bradbury mit Fahrenheit 451
- Robert Sheckley mit Seventh Victim (Das siebte Opfer, eine Kurzgeschichte)
- Frederik Pohl & C. M. Kornbluth mit The Space Merchants (Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute)
- Roberto Vacca mit Il medioevo prossimo venturo (The Coming Dark Age), das ist ein Sachbuch, eine Romanfassung davon ist später erschienen als Der Tod der Megalopolis
- Robert A. Heinlein: Stranger in a Strange Land (Fremder in einer fremden Welt)
- Anthony Burgess: Clockwork Orange (Uhrwerk Orange)
- James G. Ballard: The Drowned World (Karneval der Alligatoren)
- Frank Herbert: Dune (Der Wüstenplanet)
- Arthur C. Clarke: 2001: A Space Odyssee (Odyssee im Weltraum)
- Philip K. Dick: Do Androids Dream of Electric Sheep? (Träumen Androiden von elektrischen Schafen? bzw. Blade Runner)
Überraschen kann hier nur Robert Vacca; sein Il medioevo prossimo venturo ist ein Sachbuch, das ein Zukunftsszenario beschreibt und das in
Italien seinerzeit populär gewesen sein mag; dem deutschen Leser von Science
Fiction (wie mir) ist das eher nicht geläufig, zumal es auch keine deutsche
Ausgabe gibt (aber eine englische).
Ein bisschen inkonsequent ist die Auswahl auch mit Jules Verne. Es geht um
100 Jahre Science Fiction, deren Anfang man hier, durchaus üblich
(aber man kann streiten, ob Mary Shelleys Frankenstein von
1818 hier nicht passender ist), auf H. G. Wells
Krieg der Welten von 1898 datiert. Trotzdem ist Jules Verne mit
seinem U-Boot von 1869 dabei. Dafür war vermutlich
Nemo verantwortlich.
Kaufen
Natürlich ist diese Briefmarke nicht teil des Sammlungskanons, aber ein
nettes Stück ist sie doch irgendwie. Und man lernt wieder etwas über das
Sammeln in anderen Gebieten.
Briefmarken sind kommerziell gut organisiert: Der Kleinbogen, so
heissen die 16 zusammen gedruckten Marken, ist nicht schwer zu finden, wenn
man weiss, wonach man sucht: San Marino Michel Nr. 1786–1801 heisst das magische Suchwort. Die Angebote liegen teilweise unter dem
Nennwert: in Italien (und wohl auch mit Marken aus San Marino) kann man
heute noch mit Lire frankieren, die Marken sind also noch gültig, 12.000
(San-marinesische) Lire sind € 6,19, man kann den Bogen schon für weniger
bekommen. Ein Investment hier hat sich also finanziell nicht gelohnt –
zumindest nicht für den Käufer, aber für die Poste San Marino.
Und sonst so
Auch die US-Post wollte 2013 einen Satz mit SF-Autoren herausbringen,
hat das dann nicht getan, mutmasslich, weil es Bedenken bzgl. der Diversität
gab: auf der Liste waren nur weisse Männer (das wäre heute wohl kein Problem
mehr).
Es gibt Blade Runner Briefmarken von Madagaskar und
Portugal (dazu vielleicht später mehr).
Und Dick so
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| Bild: Wikimedia |
Philip K. Dick äussert sich in seinem Werk auch einmal zum
Briefmarkensammeln. Im SF-Roman Eine andere Welt wird mehrfach die
Trans-Mississippi-Marke Ein-Dollar-Schwarz von 1898 erwähnt,
Western Cattle in Storm. Gezeigt wird vorgeblich die Rauheit des
amerikanischen Westen in Form einer Rinderherde. Tatsächlich sehen wir aber
Rinder in einem schottischen Wintersturm: das Originalbild ist vom
schottischen Maler John MacWhirter. Über eine Briefmarke zu schreiben, die
nicht das zeigt, was man zu sehen glaubt … ist zu sehr Philip K. Dick, um
das für einen Zufall zu halten, oder?
Preise
- Kleinbogen (16 Marken) San Marino Michel Nr. 1786–1801 bei € 5–15
- "Ein Dollar Trans-Mississippi Black", Scott #292, ab 300 €.

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