Samstag, 27. Juni 2026

Die Post ist da

Spricht man vom Sammeln, kommt vielen zunächst das Briefmarkensammeln in den Sinn. Und so beschäftigen auch wir uns in diesem Blog mit: Briefmarken! Aber natürlich mit Philip K. Dick Briefmarken.
Briefmarke 800 Lire mit Philip K. Dick
Philip K. Dick: Il cacciatore di androidi in San Marino (1994)
Früher, in der alten Zeit, war das Sammeln von Briefmarken oft die erste Sammlung, die ein Junge unter – mehr oder weniger kundiger – Führung seines Faters anlegte. Heute sind die allermeisten dieser Sammlungen und die ggf. ererbten Sammlungen der (Vor-)Väter, soweit sie noch vorhanden sind, eher ein Ballast als die versprochene Alterssicherung. Briefmarken werden noch gesammelt. Einige Marken sind auch im Wert gestiegen, aber eben nur die schon damals unerreichbar, weil wirklich teuren Stücke, nicht die Massenware, die der einfache Hobbysammler seinerzeit zusammengetragen hat. Dabei ist das Sammeln von Briefmarken ein schönes Hobby: mit einer niedrigen Eintrittsschwelle, durch Kataloge gut organisiert, kommerziell weitestgehend erschlossen und inhaltlich durchaus interessant, wenn man denn auch auf die Motive schaut.
Hier im Blog sind uns Briefmarken schon einmal begegnet, im fernen Tonga, wo man stolz seine Schildkröten darauf abbildet.
Jetzt ist mir eine echte Philip K. Dick Briefmarke begegnet – und natürlich musste die in die Sammlung. Die Marke kommt aus San Marino, dem Kleinststaat in Italien, bekannt als Ausflugsziel von Rimini, Fussballnation und Ausgabeland seltener Euromünzen und eben eigener Briefmarken: Schon 1998 brachte das Land einen Kleinbogen mit 16 Marken à 800 Lire zum Thema Un secolo di fantascienza (100 Jahre Science Fiction-Literatur) heraus.
Philip K. Dick ist in Italien populär, man kann über Dicks zahlreiche italienische Ausgaben hier im Blog nachlesen, es gibt auch einen Band von Precious Artifacts (Nr. 4). Daher ist es konsequent, dass er einer der 15 + 2 ausgewählten Männer (denn nur Männer sind es) ist, natürlich mit seinem populärsten Werk: Do Androids Dream of Electric Sheep?.
Über Dick hinaus hat die Post von San Marino eine für die Zeit sehr solide Auswahl ohne grosse Überraschungen getroffen, ein paar echte Klassiker, Intellektuell-literarisches und die „modernen Klassiker“:
  1. Jules Verne mit Vingt mille lieues sous les mers (20.000 Meilen unter dem Meer)
  2. H. G. Wells mit War of the Worlds (Krieg der Welten)
  3. Aldous Huxley mit Brave New World (Schöne neue Welt)
  4. George Orwell mit 1984
  5. Isaac Asimov mit Foundation (Der Tausendjahresplan)
  6. Clifford D. Simak mit City (Als es noch Menschen gab)
  7. Ray Bradbury mit Fahrenheit 451
  8. Robert Sheckley mit Seventh Victim (Das siebte Opfer, eine Kurzgeschichte)
  9. Frederik Pohl & C. M. Kornbluth mit The Space Merchants (Eine Handvoll Venus und ehrbare Kaufleute)
  10. Roberto Vacca mit Il medioevo prossimo venturo (The Coming Dark Age), das ist ein Sachbuch, eine Romanfassung davon ist später erschienen als Der Tod der Megalopolis
  11. Robert A. Heinlein: Stranger in a Strange Land (Fremder in einer fremden Welt)
  12. Anthony Burgess: Clockwork Orange (Uhrwerk Orange)
  13. James G. Ballard: The Drowned World (Karneval der Alligatoren)
  14. Frank Herbert: Dune (Der Wüstenplanet)
  15. Arthur C. Clarke: 2001: A Space Odyssee (Odyssee im Weltraum)
  16. Philip K. Dick: Do Androids Dream of Electric Sheep? (Träumen Androiden von elektrischen Schafen? bzw. Blade Runner)
Überraschen kann hier nur Robert Vacca; sein Il medioevo prossimo venturo ist ein Sachbuch, das ein Zukunftsszenario beschreibt und das in Italien seinerzeit populär gewesen sein mag; dem deutschen Leser von Science Fiction (wie mir) ist das eher nicht geläufig, zumal es auch keine deutsche Ausgabe gibt (aber eine englische).
Ein bisschen inkonsequent ist die Auswahl auch mit Jules Verne. Es geht um 100 Jahre Science Fiction, deren Anfang man hier, durchaus üblich (aber man kann streiten, ob Mary Shelleys Frankenstein von 1818 hier nicht passender ist), auf H. G. Wells Krieg der Welten von 1898 datiert. Trotzdem ist Jules Verne mit seinem U-Boot von 1869 dabei. Dafür war vermutlich Nemo verantwortlich.

Kaufen

Natürlich ist diese Briefmarke nicht teil des Sammlungskanons, aber ein nettes Stück ist sie doch irgendwie. Und man lernt wieder etwas über das Sammeln in anderen Gebieten.
Briefmarken sind kommerziell gut organisiert: Der Kleinbogen, so heissen die 16 zusammen gedruckten Marken, ist nicht schwer zu finden, wenn man weiss, wonach man sucht: San Marino Michel Nr. 1786–1801 heisst das magische Suchwort. Die Angebote liegen teilweise unter dem Nennwert: in Italien (und wohl auch mit Marken aus San Marino) kann man heute noch mit Lire frankieren, die Marken sind also noch gültig, 12.000 (San-marinesische) Lire sind € 6,19, man kann den Bogen schon für weniger bekommen. Ein Investment hier hat sich also finanziell nicht gelohnt – zumindest nicht für den Käufer, aber für die Poste San Marino.

Und sonst so

Auch die US-Post wollte 2013 einen Satz mit SF-Autoren herausbringen, hat das dann nicht getan, mutmasslich, weil es Bedenken bzgl. der Diversität gab: auf der Liste waren nur weisse Männer (das wäre heute wohl kein Problem mehr).
Es gibt Blade Runner Briefmarken von Madagaskar und Portugal (dazu vielleicht später mehr).

Und Dick so

Bild: Wikimedia
Philip K. Dick äussert sich in seinem Werk auch einmal zum Briefmarkensammeln. Im SF-Roman Eine andere Welt wird mehrfach die Trans-Mississippi-Marke Ein-Dollar-Schwarz von 1898 erwähnt, Western Cattle in Storm. Gezeigt wird vorgeblich die Rauheit des amerikanischen Westen in Form einer Rinderherde. Tatsächlich sehen wir aber Rinder in einem schottischen Wintersturm: das Originalbild ist vom schottischen Maler John MacWhirter. Über eine Briefmarke zu schreiben, die nicht das zeigt, was man zu sehen glaubt … ist zu sehr Philip K. Dick, um das für einen Zufall zu halten, oder?

Preise

- Kleinbogen (16 Marken) San Marino Michel Nr. 17861801 bei € 515
- "Ein Dollar Trans-Mississippi Black", Scott #292, ab 300 €.

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