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| Science Fiction Story Center 2 |
Manchmal geht es schnell! Gerade habe ich noch meinen Sammlerfrust über
die fehlende Nummer 2 des Science Fiction Story Center
geäussert, da ist sie auch schon da. In erstklassigem Zustand ist sie,
bemerkenswert nach (genau) 50 Jahren und Arme und Beine hat sie auch nicht
gekostet, nicht dieses Mal, nicht für diesen weissen Wal.
Es war Zufall, es war Glück: in den letzten sehr vielen Jahren ist mir
dieses Heft nur einmal zuvor untergekommen (und tragisch durch die Maschen
gerutscht) und die Hoffnung sie noch einmal zu finden, war niedrig.
Und dann ist dieser Wal einfach so in der Bucht aufgetaucht, eine ganze
Schule eigentlich: mit der Nummer eins und drei Exemplaren der
Weird Fiction Times, ebenso selten und ebenso von Uwe Anton
herausgegeben, ein weiteres der vielen Projekte von Uwe Antons frühen
Schaffen in den 70ern. Der automatische Alarm hat angeschlagen, Minuten
nachdem die Beute aufgetaucht ist, konnte sie harpuniert bzw. beboten werden – dann musste ich zehn Tage warten, um den Fang nach kurzem, finalen Kampf
am Ende der Zeit, an Land zu bringen. Das war einfach, also: billig.
Und warum? SFSC 2 enthält den Abdruck von Philip K. Dicks
Kurzgeschichte Roog. Das ist eine von vier Publikationen von einer
von Dicks Kurzgeschichten in einem Fanzine in Deutschland. Magazine, Hefte,
Fanzines dieser Zeit und dieser Art sind notorisch schwierig zu bekommen. Es
gibt, im Vergleich zu den USA, wenig Handel damit, wohl weil das Interesse
im Markt begrenzt ist. Daher sind die Preise meist moderat, für den Sammler
ist aber hinderlich, dass die niedrigen Preise eben das Angebot arg
begrenzen. Am allermeisten machen aber die niedrigen Auflagen dieser
selbstgemacht-Werke (unterschiedlicher Qualität) das Sammeln schwierig. Und
die Überlebensrate solcher Heftchen ist mutmasslich (noch) schlechter als
die von bunt und sauber gedruckten richtigen Magazinen von richtigen Verlagen.
Aber so bleibt das Sammeln eben spannend.
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| Philip K. Dicks Roog in Science Fiction Story Center 2 mit einer Illustration von John Cayea |
Dieser Text ist übersetzt von Helmut Kusche, es handelt sich um
die erste deutsche Übersetzung, Rainer Zubeil übersetzt neu für
die besten Stories von Philip K. Dick
bei Moewig (1981), unter dem Titel Ruug. Die Neuübersetzung von Walter
Grossbein für Haffmans wählt wieder den originalen Titel Roog. Der
deutsche Leser sei darauf hingewiesen, dass der Hund den Namen der Feinde
bellt: Roog! Roog!, das ist (invers?) onomatopoetisch, der Hund will
rogue rufen: Schurke! Vielleicht hätte man in der Übersetzung mutiger sein können und die
Geschichte Raup (oder ähnlich) nennen, das hätte dieses Wortspiel
ins Deutsche übertragen. Die Illustration ist von John Cayea und wird auch für
die englische Erstausgabe von
Deus Irae verwendet, die
1976 erschienen ist.
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| SFSC 2 – die Rückseite |
In diesem Heft finden sich noch einmal Andrew Darlington, aber auch
Thomas M. Disch (sowieso Dick-nah), Brian Stableford (der
Dick sehr schätzte) und Ray Bradbury (den Dick sehr schätzte).
Erwähnenswert ist die Kurzgeschichte von George R. R. Martin, von
dem zu diesem Zeitpunkt in Deutschland nur eine Handvoll Kurzgeschichten
in Anthologien veröffentlicht waren. Vorgestellt wird er mit den
Worten:
George R. R. Martin gilt in Kennerkreisen als der begabteste amerikanische SF-Nachwuchsautor, obwohl er bislang nur Novellen […] und Kurzgeschichten schrieb.Betrachtet man seine letzten Werke so kann man konstatieren, dass der Umfang seiner Bücher deutlich gewachsen ist.
Das Heft endet mit einer wahrlich saftigen Geschichte von
Mischa Morrison, ein kaum verschleiertes Pseudonym von Ronald M.
Hahn, der auch eine andere, parodistisch-sozialkritische Geschichte
beisteuert.
Wie kommt Anton an diese Autoren? Hahn und Alpers sind
friends & family. Für die internationalen Namen: mit viel
Fleiss – und über den befreundeten Werner Fuchs, dessen Literaturagentur
Utoprop mehrfach genannt ist und der insbesondere George R. R.
Martin als einen der ersten Klienten werben konnten – und bis heute
vertritt.
Science Fiction Story Center bleibt, trotz all seiner Qualität,
eine kurze Serie, mit der Nummer zwei ist Schluss. Vielleicht liegt das an
den Querelen mit dem Science Fiction Club Deutschland (wie berichtet), vielleicht nehmen die anderen Projekte von Uwe Anton zu viel Zeit in
Anspruch: zeitweise arbeitet er wohl an bis zu sieben Reihen.
Für den
Sammler bleibt diese Ausgabe ein wunderbarer Fund, wer so etwas sucht und
will, muss zugreifen – sofort! – und energisch dranbleiben, auch wenn es
weh tut (also: teuer wird). Und diese Empfehlung gilt auch für diese Sammlung, ein paar seltene Stücke fehlen noch.
Zum Weiterlesen
Alle bibliographischen Informationen zur Kurzgeschichte Roog
hier im Blog.
Mehr zum Thema Fanzines findet sich im
Bericht über den Besuch bei der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar, die einen grossen Bestand an Heften haben.
Der Web-Tipp heute ist mal etwas anderes: George R. R. Martins Seite mit Blog, Shop und News.
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