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| Child's Hat, 1966 |
Worum geht's?
Natürlich hat Child's Hat einen Beitrag von Philip K. Dick: drei
Gedichte von ihm enthält der Band. Dick war kein (grosser) Dichter, auch
darum ist diese Publikation nicht Mainstream, sondern ein
halbprofessionelles Produkt, ein geheftetes Heft: alles schlechte
Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer. Ein mit Goldruck geschmückter
Kunstledereinband schützt vor dem allerletzten Weg, den ein belesenes Heft
in gleicher Situation beschreiten muss. Und darum ist
Child's Hat selten und wenig bekannt – wird aber trotzdem hoch
gehandelt, es gibt genug Kenner, die wissen, dass hier Dick drinsteckt.
Beschaffungsgeschichte
Das allerallermeiste im Sammelversium des Philip K. Dick ist nicht
schwer zu finden. Einiges ist teuer, teilweise sogar sehr teuer, aber
nicht selten: die legendäre Erstausgabe von
Do Androids Dream of Electric Sheep? von Doubleday (1968) und
selbst die auf 90 Exemplar limitierte signierte Erstausgabe von
Confessions of a Crap Artist werden kontinuierlich mehrfach
angeboten.
Das Büchlein Child's Hat dagegen taucht nur hin- und wieder
am Horizont auf, teuer, sehr teuer und ausser Reichweite. Als ein
Exemplar nun bei Abe auftauchte, zu einem sehr guten Preis, selbst der
Versand war günstig, musste ich zufassen. Die irgendwie erwartete
Enttäuschung – zu schön um war zu sein – traf mich dann schon beim
Bezahlen: Der Verkäufer versendet nicht nach Deutschland! Aber
warum nicht?
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| Signiert! |
Doch dann: die Überraschung. »I awoke this morning to an order for this
from a guy in Washington state. I waved him off. The book is yours.«
schreibt Ed. Eine Zahlung. Das Buch ist unterwegs. Selten habe ich so
auf eine Lieferung gewartet, dann lag es einfach, sehr unspektakulär, im
Briefkasten, es war sogar dem Zoll entkommen.
Ein bisschen schmutzig, ein Hippie-Journal, wer weiss, wo und wann
gelesen. Auf dem Titel ein Namenseintrag, egal – oder doch nicht? Auf den
zweiten Blick ist der Name wohl Gulyas, also eine Signatur vom
Herausgeber! Nicht schlechter, sondern viel besser als erwartet: signiert
habe ich das noch nicht gesehen.
Was es ist
Und was ist unter dem Kinderhut? Umschlag und auch die drei Gedichte von
Dick habe ich schon vorher gesehen. Der Text beginnt mit einem Beitrag
von Ray Nelson, Dicks Freund und Ko-Autor: 1966 hatte er gerade
Die Invasoren von Ganymed mit Ray Nelson beendet. Dann kommen
Dicks drei Gedichte auf einer Doppelseite: An Old Snare‚
Why I am Hurt und The Above and Melting.
Es folgen Beiträge der Herausgeber Ward J. Gulyas und A. J. Barrientos.
Es finden sich noch Jeff Berner, Fluxus-Mitglied, Dichter Michael Hannon
und andere.
Gulyas publiziert in der Zeit auch als Jim Gulyas graphische
Werke.
Gedruckt wurde
Child's Hat von Frank
Westbrooks Bindweed Press in San Francisco, bekannt für ihre
(heutzutage sehr teuren und gesuchten) Musikposter (die kann man auch
schön sammeln).
Warum?
Im Child's Hat ist Dick
über Ray Nelson gelandet, das vermute ich, weil der als Cartoonist eher
mit Guylas vernetzt gewesen sein mag. Ausserdem finden sich in Dicks
Korrespondenz oder Leben sonst nirgendwo direkte Anknüpfungspunkte in
diese Szene.
Und gedichtet hat Dick schon als Kind, im Young Authors' Club, wie berichtet. Auch in seinen Briefen findet sich das eine oder andere Gedicht, meist
an eine Frau. Veröffentlicht sind nur zwei weitere Gedichte, posthum, im
Magazin Last Wave. Ein wirklich grosser Dichter
war Dick nicht, den grössten Eindruck hinterlässt On a Cat Which Fell Three Stories and Survived
aus Last Wave: man spürt, hier war Katzenfreund Dick mit ganzer
Seele bei der Sache.
Ansonsten heiratet Dick 1966, zum vierten Mal, schreibt
Do Androids Dream of Electric Sheep? und Ubik.
Und hier hat jemand hat die Gedichte ins Polnische übersetzt.
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