Samstag, 22. Juli 2017

Wie war er?

Jede Sammlung hat ihre eigenen Grenzen. Erstausgaben, alle Ausgaben, alle Auflagen, Romane, Kurzgeschichten, Briefe und Essays … und natürlich die Sekundärliteratur können dazugehören. Ich finde die "historischen" Rezensionen von Philip K. Dicks Romanen aus vielen Gründen höchst spannend, nicht zuletzt das Umfeld, in dem sie meist veröffentlicht sind. Die überwiegende Anzahl von Rezensionen sind in Science Fiction Zeitschriften und Fanzines erschienen – und die Lektüre dieser Magazine bringt oft persönliche Erinnerungen zurück.
Vampir 21 (03/1980) und das Beiheft Necronomicon 7
Im Katalog steht schon sehr lange eine Buchbesprechung des 1980 erstmalig bei Bastei erschienen Romans Der dunkle Schirm. Lange konnte ich die genannte Quelle für diese Kritik nicht finden: Necronomicon 7. Meine Annahme war, dass es sich um ein mehr oder weniger spurlos verschwundenes Fanzine handelte. Kürzlich ist mir aber in der Bucht das Angebot für die Zeitschrift Vampir 21 – im Untertitel Der phantastische Film – in der Ausgabe 03/1980 aufgefallen. Die lobenswert ausführliche Beschreibung des Angebots enthielt einen Hinweis auf das beigelegte Heft Necronomicon 7 – im Untertitel Die Welt des phantastischen Buches. Treffer!

Samstag, 1. Juli 2017

Meta, oder: Über das Sammeln

Philip K. Dick im Book and Magazine Collector May 1990
Book and Magazine Collector, May 1990
mit einem Artikel über das Sammeln von
Erstausgaben von Philip K. Dick
Auf der Suche nach englischer Sekundärliteratur zu Philip K. Dick finden sich auch einige Ausgaben, die sich mit dem Sammeln seiner Büchern beschäftigen.
Ein Beispiel dafür ist die Mai-Ausgabe 1990 von Book and Magazine Collector. Der kundige Artikel Cult Sci-Fi Novelist Philip K. Dick von Mike Ashley erzählt auch einige Geschichten aus Dicks Leben bzw. über seinen Tod, die auch dem Kenner nicht unbedingt geläufig sind, etwas dass es nach Dicks Tod keine formale Identifikation gab (David Gill berichtet über die Geschehnisse auch in seinem Blog). Ashley erwähnt in seinem Artikel auch die erste gebundene Ausgabe von Martian Time-Slip, es handelt sich um die deutsche Insel-Ausgabe Mozart für Marsianer. Viele Details zu Ausgaben und speziellen Varianten, die der Autor nennt, sind aber selbst in Zeiten des Internets schwer zu finden. Für den interessierten Sammler lohnt sich allein dafür die Lektüre dieses bald 30 Jahr alten Artikels.
Richtig spannend ist aber der zweite ergänzende Artikel, die Complete US & UK Bibliography [... of first editions]- mit Preisen (Complete ist sie natürlich nur, wenn man die im Artikel angegebene Definition von first editions akzeptiert).

Samstag, 17. Juni 2017

Noch mal Hebräisch

הצלם, die hebräische Ausgabe von Philip K. Dicks Roman
The Simulacra, erschienen bei Massada (1980)
Wie beim Weintrinken, so bildet sich auch beim Sammeln (und Lesen) von Literatur der Geschmack erst mit der Zeit heraus (und man muss hinzufügen, dass, wie beim Wein, meist das Budget der Leidenschaft seine Grenzen setzt).
Obwohl schon das Sammeln von einer Übersetzung eines Buchs von Philip K. Dick in jeder verfügbaren Sprache bereits eine nicht ganz leichte Aufgabe ist, so hat die erste erschienene Übersetzung einen besonderen Reiz entwickelt. Ein Exemplar aus Israel findet sich ja schon in der Sammlung. Aber dem besonderen Reiz der Erstübersetzung konnte ich nicht widerstehen. Und so ist nun die hebräische Übersetzung von The Simulacra Teil der Sammlung. Die amerikanische Erstausgabe ist 1964 bei Ace herausgekommen. Die hebräische Ausgabe, הצלם, ist beim Verlag Massada in Ramat Gan als erste hebräische Übersetzung im Jahr 1980 erschienen.
Es gibt zwei deutsche Ausgaben des Romans, eine von 1978 bei Droemer-Knaur und eine in der Philip K. Dick Edition bei Heyne von 2005.

Samstag, 3. Juni 2017

Dick, Lem und Rottensteiner: Ubik

Wer sich im deutschen Sprachraum mit Philip K. Dick beschäftigt – oder überhaupt irgendwie mit Science Fiction – dem wird auch Franz Rottensteiner begegnen. Für mich verbindet sich der Name Rottensteiner mit dem Suhrkamp Verlag, wo er von 1980 bis 1998 die bekannte lila Taschenbuchreihe Die Phantastische Bibliothek betreute, in der 1977 auch erstmals Dicks Meisterstück Ubik auf Deutsch erschienen ist. LSD-Astronauten (1971) und Mozart für Marsianer (1973) waren vorher von Rottensteiner bereits in der Reihe Science Fiction der Welt bei Insel publiziert worden.
Der Widerstand der Materie. Ausgewählte Briefe, erschienen bei Parthas (2008), enthält
neben anderen auch einige Briefe von Stanislaw Lem an Philip K. Dick

Samstag, 6. Mai 2017

Tschechisch

Ein Roman auf Tschechisch von Philip K. Dick
Blade Runner: Sní androidi o elektrických ovečkách?,
die tschechische Ausgabe von Träumen Roboter
von elektrischen Schafen? bzw. Blade Runner von
Philip K. Dick beim „Hauptverlag“ von Dick
in Tschechien, Argo, aus dem Jahr 2013
Ich konnte meinen tschechischen Dick vor einigen Jahren in Prag erwerben. Es gab eine recht grosse Auswahl und so griff ich zu meinem Standardwerk bei Übersetzungen, dem Blade Runner bzw. natürlich Träumen Roboter von elektrischen Schafen?. Dieses Buch gibt es in fast allen Sprachen, es gehört fast immer zu den übersetzen Werken von Philip K. Dick – natürlich wegen der Verfilmung, aber es ist auch ein sehr guter Roman.
Das erste Buch von Philip K. Dick in tschechischer Sprache von 1989 ist offenbar Povídky, eine Sammlung von sechs Kurzgeschichten und Sekundärliteratur: „in seiner Zeit war es eine einzigartige Informationsquelle für die tschechischen Leser“ (hiess es auf einer untergegangenen Fan-Seite). Dieses Buch (oder Heft?) ist eigentümlich, weil es als Fanbuch bezeichnet wird, es hat wohl keine ISBN und reguläre Bibliotheken weisen es heute nicht nach. Es handelt sich um ein Samisdat, also im Selbstverlag (aber vielleicht passt Raubdruck hier besser?). Als Verlag wird SFK Laser genannt, ebenso wie beim zweiten Buch, Muž z Vysokého zámku, auf Deutsch Das Orakel vom Berge. Man kann vermuten, dass bei derartigen Bücher, die in den Wirren der Samtenen Revolution herausgekommen sind, über die Rechtesituation nicht viel nachgedacht wurde. Oder war vielleicht Paul Williams, der damals wohl die Rechte (mit-)verwaltet hat, in dieser Situation grosszügig?