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Samstag, 11. April 2020

Japanisch

Vor längerer Zeit hatte ich hier schon einmal sehr kurz über japanische Ausgaben von Philip K. Dick geschrieben, aber Japan verdient einen eigenen, ausführlichen Eintrag in diesem Blog.
Die erste Publikation von Dick in Japan überhaupt war schon 1957 die Kurzgeschichte Impostor als Teil der (gekürzten) Übersetzung der Anthologie Science Fiction Terror Tales, im Original herausgegeben von Groff Conklin bei Gnome Press (1955).
宇宙の眼 - Eye in the Sky, 1959
Als erste Ausgabe eines Romans folgt 1959 in Japan eine Übersetzung von Und die Erde steht still [Eye in the Sky], also zeitlich noch vor der ersten ordentlichen Buchausgabe in Deutschland (aber nach der ersten Publikation eines Romans als Heft). Derzeit stehen im Katalog für Japan über 90 Ausgaben von Romanen, zuletzt übersetzt ist 2013 Die Invasoren von Ganymed [The Ganymede Takeover], ein Werk das Dick gemeinsam mit Ray Nelson geschrieben hat.
Als Kuriosum erscheint die erste Übersetzung von Time Out of Joint: sie ist in Japan in acht Teilen im Magazin NW-SF herausgekommen: von Mai 1973 bis August 1978: Der japanische Leser musste also nach der ersten Ausgabe geduldig mehr als fünf Jahre ausharren, um zu erfahren, warum der armen Raggle Gumm so lange und aufwändig getäuscht wurde. Dicks Romane sind öfter mehrteilig erschienen, aber der Zeitraum von fünf Jahren ist ein Rekord.
Auch einige der Mainstream-Romane sind übersetzt und es gibt fast 40 Anthologien, insgesamt sind mehr als 140 Einträge in meinem Katalog. Meine Probleme beim Recherchieren in einer fremden, (für mich) unlesbaren Sprache lassen aber vermuten, dass es durchaus noch (von diesem Blog) unentdeckte Ausgaben geben kann.

Samstag, 16. Januar 2021

Versenkt

Frust. Wie soll man es sonst erklären? Oder Langeweile? Als Sammler versucht man eine Leere zu füllen, heisst es, was natürlich nicht gelingen kann. Oder es war doch nur Frust, die Gesamtsituation halt. Oder eine ungesunde Kombination aus allem? Jetzt ist er da, mein Nacht-Frust-Kauf: ein ungewöhnliches Stück für die Sammlung – eine Sammelkarte! Was macht eine Sammelkarte in der Sammlung?
U.S.S. Panay Sinks as Crew Abandons Ship heisst das Bildchen, Nummer 54 von 288 aus der Serie Horrors of War. Verkauft mit einer Packung Kaufgummi werden die Karten Bubblegum Cards genannt. (In Deutschland gab es, mangels Kaugummi, Sammelkarten mit Zigarren und Zigaretten.)
Die Horrors of War Reihe ist von 1938 und gehören mit einer Auflage von 100 Millionen zu den beliebteren ihrer Art. Bunt und eindringlich zeigen sie die Schrecken des Krieges, überwiegend des Spanischen Bürgerkrieges, des Abessinienkriegs und des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges, in einer Ergänzung erscheint auch schon Hitler. Die dargestellten Kriege dauern zum Erscheinungsdatum noch an und müssen deshalb noch eindringlicher gewirkt haben. Erhalten hat man die Bilder mit Kaugummi, die Zielgruppe waren also wohl vorwiegend Kinder; ob Friedenserziehung so funktioniert, bleibt fraglich.
Diese spezielle Karte nun erzählt als letzte von vier vom Panay-Vorfall, der Versenkung eines amerikanischen Flusskanonenbootes auf den Jangtsekiang durch japanische Streitkräfte am 12. Dezember 1937. Es gab drei Tote. Laut den Gerichtsakten wurde das Schiff bei der Stadt Chizhou (Google Maps) versenkt, 100 km flussaufwärts von Nanking.
Horrors of War Sammelkarte U.S.S. Panay Sinks as Crew Abandons Ship von 1938

Samstag, 2. Juni 2018

Das erste Mal woanders ...

Beyond Lies the Wub in der Ausgabe vom Juli 1952 von Planet Stories war die erste veröffentlichte professionelle Kurzgeschichte von Philip K. Dick – allerdings war Roog seine erste, bereits 1951 verkaufte Kurzgeschichte, die aber erst 1953 erschienen ist. 1955 kam dann Dicks erster Roman Solar Lottery bei Ace Books heraus. Ace brachte auch die Erstausgaben der nächsten vier Romane heraus. Das alles ist jedem Dick-Interessierten wohlbekannt – vielleicht auch, dass er vorher schon als Schüler in der Lokalzeitung einige Veröffentlichungen hatte. Aber wann sind die ersten Ausgaben ausserhalb der USA erschienen?
Auch die erste britische Ausgabe von 1955, die Original-Anthologie A Handful of Darkness (Rich & Cowan) und der erste Roman, World of Chance (ebenfalls bei Rich & Cowan), lassen sich bei der Internet Speculative Fiction Database (ISFDB) schnell ermitteln.
The Defenders in der Ersterscheinung in Galaxy, Januar 1953
und auf Deutsch in Galaxis 5 bei Moewig (1958)
Ausserhalb des englischen Sprachraumes wird es deutlich schwieriger.
Die erste Übersetzung einer Kurzgeschichte scheint Los Defensores zu sein, die spanische Übersetzung von The Defenders. Im Original im Januar 1953 in der Zeitschrift Galaxy erschienen, findet man die Übersetzung in der ersten Ausgabe des argentinische Magazins Más Allá vom Juni des Jahres. Im selben Jahr folgen noch zwei weitere Übersetzungen, Colonizadores [Colony] in der November-Nummer (6) von Más Allá und El Hombre Variable [The Variable Man] in der ersten Ausgabe des Magazins Urania, erschienen im ebenfalls argentinischen Rosario (und nicht zu verwechseln mit der in Italien bei Verlag Mondadori erscheinenden Reihe Urania, die auch viel Dick publiziert hat).

Samstag, 10. Oktober 2015

Leben und Werk

Die seltenen Materialien
Monographien, also komplette Bücher, zu Leben und Werk von Philip K. Dick gibt es (auf Deutsch) nicht sehr viele. Wenn man die Abgrenzung zu den Lesebüchern akzeptiert, die hauptsächlich Stoff von Dick und nur wenig über ihn enthalten, bleiben sechs Publikationen in meiner Sammlung.
Bereits 1976 hat sich mit SFT-Sonderreihe Band 1 – Philip K. Dick: Materialien die Arbeitsgemeinschaft Spekulative Thematik (AST) in einem kompletten „Band“, eigentlich einem Heft, mit Dick beschäftigt. SFT steht dabei für Science Fiction Times, eine Zeitschrift, die sich in zahlreichen Beiträgen mit Dick beschäftigt hat. Die deutschen Original-Beiträge in diesem Heft sind denn auch von Uwe Anton. Der (inhaltliche) Wert wird aber von sechs Beiträgen von Dick selbst noch erheblich gesteigert, u. a. ist die Vancouver-Rede enthalten. Dazu kommen noch einige „klassische“ Texte über Dick wie das Vertex-Interview oder Paul Williams Vorwort zu Confessions of a Crap Artist, welches kurz vorher (1975) in den USA in Paul Williams Verlag Entwhistle Books erschienen ist – und erst 1987 mit diesem Vorwort in Deutschland.

Samstag, 4. Juli 2020

Ho, Ho, Ho Chi Minh

Es gibt nicht viele Bücher von Philip K. Dick auf Vietnamesisch, aber es gibt jetzt immerhin die zweite Übersetzung eines Romans. In diesem Jahr ist Người Máy Có Mơ Về Cừu Điện Không erschienen, im Original Do Androids Dream of Electric Sheep?. Natürlich.
"Do Androids Dream of Electric Sheep?" in Vietnamesisch
Người Máy Có Mơ Về Cừu Điện Không, die vietnamesische Ausgabe von
Philip K. Dicks Roman Do Androids Dream of Electric Sheep?