Samstag, 18. Juli 2026

Ein Indizienprozess

Bisher führten die Ermittlungen der Urheber von Umschlagbildern hier im Blog immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Dieses Mal wird es schwieriger …
Von wem ist dieser goldene Mann auf dem Cover von Ullsteins Science Fiction Stories 28?
Auch für das Umschlagbild von Science Fiction Stories 28 von Ullstein (1973) fehlt die Angabe des Künstler. Die Anthologie ist, anders als die meisten Bände der Reihe Science Fiction Stories bei Ullstein, keine Originalanthologie, sondern die Übersetzung von The End of the World, herausgegeben von Don Wollheim als er noch bei Ace Books war (1956) – später finden wir ihn bei DAW, wo er einige Titel von Philip K. Dick herausgegeben hat.
Die Anthologie enthält sechs Kurzgeschichten, darunter Der Infiltrant von Dick, im Original Impostor, das später, 2001, unter diesem Titel sogar verfilmt ist. In gekürzter Form ist diese Anthologie schon vorher in der Terra-Reihe bei Moewig erschienen, hier ist der unermüdliche Johnny Bruck der Umschlaggestalter.
Ein Buchcover mit dem gleichen Motiv wie Science Fiction Stories 28
Ein sehr ähnliches Cover mit einer leuchtenden Gestalt
Lou Cameron: Cybernia,
das Umschlagbild in Frage
James White: Tomorrow is Too Far,
definitiv ein echter Dean Ellis
Macht man sich nun auf die Suche, legt ISFDB die erste Spur: dort wird auf Cybernia, Ballantine (1971), von Lou Cameron hingewiesen. In der Tat finden wir hier einen Doppelgänger, das gleiche Motiv auf einem anderen Buch. Allerdings ist auch hier der Illustrator nicht genannt. Dafür haben wir jetzt eine grössere, bessere Abbildung des Motivs. Und auch auf dieser findet sich keine Signatur, die uns hilft (bei Kent Bash hat das zur Lösung geführt).
Mit diesem grösseren Bild können wir nun Google Lens befragen und das führt zu einigen ähnlichen Bildern. Klickt man ein wenig herum, liest man bei denen öfter den Namen Dean Ellis.
Schaut man sich nach anderen Covern von Ellis um, so findet sich die Erstausgabe von James Whites Tomorrow is Too Far, erschienen 1971 bei Ballantine, (auf Deutsch übersetzt als Minuszeit bei Pabel, 1971). In diesem Buch ist Ellis explizit auf der Copyright-Seite genannt. Das Bild hat eine grosse Ähnlichkeit: Die Figur hat eine ähnliche, ungewöhnliche Haltung, die verwendeten Farben sind sehr ähnlich, der Hintergrund, insbesondere Punkte und Planeten, gleichen sich. Und auch hier fehlt eine Signatur auf dem Bild.

Drei von Dean Ellis

Vincent King: Candy Man
Illustration von Dean Ellis
Auch ein echter Dean Ellis:
Der stolze Roboter auf
The Best of Henry Kuttner
Wildsmith von Ron Goulart, etwas dunkler
Im selben Jahr findet sich beim selben Verlag der SF-Roman Candy Man von Vincent King, (laut Impressum) ebenfalls von Ellis und ohne Signatur auf dem Bild. Hier wiederholt sich, deutlicher als bei Tomorrow, die Durchsichtigkeit des Körpers, man kann Elemente in der Person sehen, Streben und Kästen, sehr ähnlich zu Cybernia. Und bezüglich der Farbgebung und der Elemente im Körper findet sich noch das Cover zu The Best of Henry Kuttner von Ballantine (1975).
Auch von Dean Ellis illustriert
Als letztes Vergleichsstück sei Wildsmith von Ron Goulart herangezogen, nicht bei Ballantine sondern bei Ace Books (1972) erschienen. Hier ist der Körper mal nächtlich blau, die Durchsichtigkeit des Körpers und die erkennbaren Maschinenteile finden sich auch hier. Natürlich können die graphischen Übereinstimmungen auch durch bewusste Kopie entstanden sein – das haben wir hier im Blog anderweitig schon erlebt.
Insgesamt sind die künstlerischen Ähnlichkeiten und die Tatsache, dass all diese Umschlagbilder zur gleichen Zeit vom (fast immer) gleichen Verlag verwendet werden, aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Urheber Dean Ellis ist. Für meine Sammlung verbuche ich das jetzt mal so, nur mit einem kleinen Fragezeichen.
Von Dean Ellis findet sich in der Sammlung noch das Cover von The Man Who Japed [Der heimliche Rebell] bei Ace (1975), auch dort ist bei ISFDB die Zuordnung von Ellis nur Indirekt über eine Webseite, die sich mit Umschlagbildern der Ausgaben von Ace Books beschäftigt.
Jefferson memorial 1973 U.S. stamp.1
National Postal Museum, Public domain, via Wikimedia Commons
Da wir uns in letzter Zeit auch mit Briefmarken beschäftigt (zweimal!) haben, sei angemerkt, dass Dean Ellis auch eine Briefmarke gestaltet hat. Abgebildet ist darauf das Jefferson Memorial in Washington, D. C., zu sehen auf einer blauen 10 Cents von 1973. Ein paar Briefmarken sind schon in der Sammlung, diese braucht aber wirklich nicht dazu (obwohl sie sehr billig und leicht zu finden ist).
Der Web-Tipp ist Clifford D. Simak – The International Bibliography, hauptsächlich weil es eine schöne Website ist mit einem guten Katalog, der auch Übersetzungen in viele Sprachen berücksichtigt. Es gibt Gemeinsamkeiten von Dick und Simak, auch Simak schrieb lieber über kleine Leute als über galaktische Helden, begegnet sind sich die beiden aber nicht wirklich. Mal reingucken!

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