Samstag, 12. November 2016

Komisch

Ich gebe gerne zu, dass ich nicht gedacht hätte, dass in meinem Katalog noch deutsche Beiträge von Philip K. Dick fehlen – zumindest nicht solche in regulären Buchausgaben (bei Fanzines ist die Lage naturgemäss etwas unübersichtlich). Und die Bekenntnisse eines Reifennachrillers bei Haffmans stehen zwar schon lange in meinem Katalog, ich konnte aber niemals herausfinden, in welchem Buch dieser Text stehen sollte oder um was es sich dabei überhaupt handeln könnte. Später war ich fest davon ausgegangen, dass es sich um eine der zahlreichen nicht-Veröffentlichungen bei Haffmans handelte. Aber es passieren manchmal komische Sachen und so konnte ich tatsächlich das Buch finden, in dem sich der Reifennachriller findet: Der Reifennachriller ist natürlich Jack Isidore, der Chronist in Philip K. Dicks Roman Eine Bande von Verrückten. Am Anfang des Romans ist das Nachrillen von Reifenprofilen Jacks ungewöhnlicher, merkwürdiger, oder eben komischer Beruf:
»Ich bin ein Reifennachriller. Das heißt, wir nehmen die Glatzen, also Reifen, die so abgefahren sind, daß sie nur noch wenig oder gar kein Profil mehr haben, und dann nehmen die anderen Nachriller und ich eine heiße Ahle und rillen bis auf den Mantel runter, immer nach dem Muster des alten Profils, so daß es aussieht, als wäre noch Gummi an dem Reifen … Und dann malen wir den nachgerillten Reifen mit schwarzer Gummifarbe an, so daß er wie ein echt verdammt guter Reifen aussieht. […]«
Das Buch "Humoore", auf dem Umschlag einige witzige Situationen, ein Mann, der fällt usw.
Humoore. Hochkomik I vom Haffmans Verlag (1991)
mit Auszügen aus Eine Bande von Verrückten und
Der dunkle Schirm von Philip K. Dick
Tatsächlich ist diese Art von Komik gelegentlich in Dicks Werk versteckt, es muss einem sofort Joe Chips Diskussion – und letztlich Zusammenstoss – mit seiner Tür einfallen: Ich bin noch nie von einer Tür verklagt worden.
Veröffentlicht ist der Auszug daher auch in Das Hausbuch der literarischen Hochkomik (1987), dem offenbar ersten Band einer kleinen Reihe: Haffmans' handliche Hausbücher. Die Bücher selbst sind allerdings alles andere als handlich, 1578 Seiten hat dieser Band – und den seinerzeit stattlichen Preis von 50 DM. Das Buch, aus dem der Text kommt, Eine Bande von Verrückten ist in deutscher Erstausgabe im selben Jahr erschienen, 1987, allerdings nicht bei Haffmans sondern beim Kleinverlag Reidar in Hamburg. Die Übersetzung des Romans ist von Gero Reimann, der Auszug ist jedoch von Michel Bodmer übersetzt, da der komplette Roman deutsch erst danach erschien.
Finden tut sich Jack Isidores Monolog im Kapitel Beruf und Berufung des Hausbuches.
Erst etwas später habe ich entdeckt, dass der Band noch einen weiteren Auszug von Dick enthält, im Kapitel Malen und Prahlen nämlich zwei Seiten des Romans Der dunkle Schirm in der Übersetzung von Karl-Ulrich Burgdorf.

Samstag, 5. November 2016

Walfang

Sicher am Rand einer Philip K. Dick Sammlung, zumindest meiner Sammlung, stehen Werke anderer Schriftsteller, die sich auf Dick beziehen. Nicht berücksichtigen will ich Erzählungen die in Tradition von Dick stehen oder an Dick erinnern. Oft genug passieren solche Bezüge dieser Tage zur Förderung des Verkaufs. Gelegentlich gibt es aber einen direkteren Bezug, wie bei der hier schon gelegentlich vorgestellten recursive literature.
In aktuellen Fall bin ich auf die Kurzgeschichte Im Auge des Betrachters von Karl-Ulrich Burgdorf gestossen, die Philip K. Dick gewidmet ist. Erschienen ist sie im Band 5 Nanowelten (2013) in der Reihe Phantastische Miniaturen, die von Thomas Le Blanc bei der Phantastische Bibliothek Wetzlar herausgegeben wird. Mit der Widmung In memoriam Philip K. Dick beginnt die nur zwei Seiten lange Kurzgeschichte – aber die Kürze ist Programm in diesem Band: Nanowelten bezieht sich auf Inhalt und Form, d.h. Länge der Geschichten in diesem Band, von denen (fast) keine länger als zwei Seiten ist. Auch im Text bezieht sich Burgdorf auf Dick, der Satz Willkommen in der Wirklichkeit taucht auf, aber das gesamte Thema der Geschichte greift Dicks Frage nach der Struktur der Realität auf.
Nanowelten, herausgegeben von Thomas Le Blanc, enthält die Kurzgeschichte Im Auge des
Betrachters
von Karl-Ulrich Burgdorf, die Philip K. Dick gewidmet ist

Samstag, 29. Oktober 2016

Ex

Büchern, die gelesen werden wollen, kann sicher nichts Besseres passieren, als in einer Bibliothek zu landen. Büchern, die gesammelt werden wollen, aber nichts Schlimmeres. Aus deutschen Bibliotheken werden relativ selten ausgemusterte Exemplare angeboten, für Bücher von Philip K. Dick passiert das regelmässig nur für Dicks erstes richtiges (gebundenes) Buch: Zeit ohne Grenzen, das 1962 als Leihbuch erschienen ist und dessen Dasein für den harten Dienst in einer Leihbibliothek vorgesehen war. Ausgaben, die nicht gelaufen sind, sind daher entsprechend selten und teuer zu finden. Es mag auch einzelne Ausgaben der Edition Phantasia geben, die aus ausgemustertem Bibliotheksbeständen angeboten werden.
The Little Black Box, Band 5 der Collected Stories of  Philip K. Dick bei Gollancz (1990)

Samstag, 22. Oktober 2016

Estnisch

Estland ist ein kleines Land am östlichen Rand der Europäischen Union mit nur 1,3 Millionen Einwohnern. Man kann daher verstehen, dass es nur wenige estnische Ausgaben von Philip K. Dick gibt. Dafür kann man dort mit dem Euro bezahlen – und es gibt dort Buchangebote online in englischer Sprache. Wenn man also weiss, was man will, ist es relativ einfach, auch dort von Deutschland aus ein gewünschtes Buch zu bestellen.
Mees kõrges lossis [The Man in the High Castle] von Philip K. Dick in der estnischen Ausgabe von 1993 (links) und 2016 (rechts)

Samstag, 15. Oktober 2016

The Magazine of Fantasy and Science Fiction

Wie wichtig The Magazine of Fantasy and Science Fiction und sein Herausgeber Anthony Boucher für Dicks erste Schritte in der Science Fiction waren, ist in diesem Blog schon zur Sprache gekommen. In Deutschland hat Heyne zwischen 1963 und 2000 in wechselnder Frequenz 101+1 recht aktuelle Auswahlbände des Magazines herausgegeben – und dabei auch vier Kurzgeschichten von Philip K. Dick in deutscher Erstausgabe.
Vier Bände "Die besten Stories aus 'The Magazine of Fantasy and Science Fiction'" von Heyne
Vier Bände von Die besten Stories aus The Magazine of Fantasy and Science Fiction
mit Kurzgeschichten von Philip K. Dick und einem Fehler