Samstag, 28. November 2020

Sklavenarbeit

Die letzten Monate hat mich der Umzug der Sammlung beschäftigt – eine indirekte Folge der aktuellen Situation (um das elende C-Wort nicht zu verwenden). Die Bücher müssten aus dem Licht, der Platz reichte nicht und da die aktuelle Situation die räumliche Nutzung geändert hat, war eine Verlegung der gesamten Sammlung notwendig geworden. Das sollte eigentlich ein famoser Spass werden, alle Schätze noch einmal anfassen und sehen, damit ein bisschen spielen … aber der Umfang der Sammlung hat den Umzug dann doch mühsam gemacht. 
The Slave Race, Sangrail Press (2020)  jahreszeitlich geschmückt

Samstag, 14. November 2020

Alles nur gelogen?

Eines der "Gelben" von PKD
Neu in der Sammlung: Die britische Ausgabe von Lies, Inc.
Im Brackwasser der Bucht machte ein Konvolut englischer Ausgaben auf sich aufmerksam, diesseits der Portomauer und durchweg seltene Exemplare. Leider wollte der Verkäufer marktgerechte Preise, aber das ist natürlich fair. Als Testkauf habe ich dann Lies, Inc. erworben, die englische Erstausgabe von 1984. „TopZustand“ war versprochen – und den muss man für marktübliche Preise auch liefern.

Samstag, 7. November 2020

Steinewerfer!

Ich mag die bunten Umschlagbilder der Science Fiction Bücher und Hefte des Golden Age und der unmittelbar folgenden Zeit oder sagen wir der 1940er und 50er Jahre: glubschäugige Monster, Raketen, exotische Frauen und natürlich Weltraumfahrer. Während die Damen hauptsächlich Strandbekleidung tragen, ist für die Männer der Raumanzug fast obligatorisch.
Ed Valigurskys Motiv auf der türkischen und spanischen Ausgabe von "Solar Lottery"
Türkische und spanische Ausgabe von Solar Lottery
Und so kann man das auch auf der Erstausgabe von Philip K. Dicks Solar Lottery sehen (z. B. im vorigen Blogeintrag): Ein Mann im Raumanzug schleudert einen Felsbrocken auf einen anderen … erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass dieser zweite ungeschützt unterwegs ist, auf dem Mond, denn hier befinden wir uns, eigentlich sofort tödlich. Der Ungeschützte ist jedoch ein Androide und daher den harschen Umweltbedingungen gegenüber unempfindlich. Das Titelbild von Edward „Ed“ Valigursky, einem der bekanntesten und produktivsten Illustratoren von Science Fiction der Zeit, bildet also eine Szene des Romans detailliert ab. Das Bild wurde noch für die spanische (1960) und türkische (1971) Erstausgabe des Romans verwendet.

Samstag, 31. Oktober 2020

Erster!

Es ist schwer zu erklären, wirklich unerklärlich, warum es so lang gedauert hat. Es war mir seinerzeit sehr wichtig die allererste (professionelle) Veröffentlichung von Philip K. Dick in der Sammlung zu haben: Seine Kurzgeschichte Beyond Lies the Wub ist in der Juli-Ausgabe des Pulp-Magazins Planet Stories erschienen – wie in diesem Blogeintrag zu sehen – und war mir seinerzeit sehr teuer. Dicks ersten Roman konnte ich aber erst jetzt der Sammlung zuführen: Solar Lottery, Tête-bêche (oder vielleicht auch dos-à-dos), also im Wendebuch, mit The Big Jump von Leigh Brackett, von Ace Books 1955 unter der Nummer D-103 herausgebracht.
    
Solar Lottery von Philip K. Dick The Big Jump von Leigh Brackett

Samstag, 10. Oktober 2020

Dialoge der Vergangenheit

Ich konnte kürzlich wieder ein paar Szene-Zeitschriften und Fanzines erwerben, die zeitgenössische Kritiken von Dicks Werk enthalten. Ich finde es sehr interessant zu sehen, wie sich das Bild von Philip K. Dick entwickelt hat, speziell in Deutschland. Und am Anfang wurde Dick überwiegend in der Science Fiction Szene wahrgenommen.
Eine Zeitschrift von 1991
Andromeda 91 von 1979
Andromeda Science Fiction Magazin Nr. 91 vom August 1979, enthält eine Kritik von Alfred Vejchar zur deutschen Erstausgabe von Eine andere Welt bei Heyne (1977). Vejchar kritisiert heftig den Roman, aber auch den wehleidigen Neurotiker Dick. Das Wort Neurose fällt in diesem Artikel überhaupt sehr oft in seinen verschiedenen Formen: neurotisch, Neurotiker, Neurose. Vejchar hat da offenbar ein sehr gefestigtes Bild. Und was er da sieht, gefällt ihm gar nicht. Er wünscht sich von Dick statt dessen wieder Romane wie Und die Erde steht still und Hauptgewinn: Die Erde zurück, als er Dick noch mögen konnte. Seine Kritiken zu diesen beiden frühen Romanen finden sich in früheren Ausgaben von Andromeda (80 bzw. 82).
Ich war recht unglücklich mit dieser Kritik. Natürlich ist es leicht auf die Vergangenheit zurückzublicken, mit dem heutigen Wissen, dass Eine andere Welt zu den besseren Romanen von Dick gehört (und Hauptgewinn: Die Erde eher nicht). Und natürlich sollte jeder seine eigene Meinung haben, auch und vielleicht sogar insbesondere ein Kritiker. Allerdings erwartet man von einer guten Kritik eine umfassende Behandlung des Themas, die einem bei der Entscheidung helfen kann, ein Buch selbst lesen zu wollen und keine Autorenbeschimpfung. Diese Frage nun, lesen oder nicht lesen, hat die Zeit wohl eindeutig positiv beantwortet: