Aloha mai e nā hoaaloha o Philip K. Dick! Das könnten (oder aber
eher nicht) die Worte meines Antiquariats des Monats sein: die weite Reise
aus Honolulu hat ein Heftchen gemacht, in dem nur eine Kurzgeschichte
ist, The Eyes Have It. Angemerkt sei, dass die Reise nur vier Tage gedauert hat, das ist nicht immer so.
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| Ein Epigraph (nicht vom Autor) und die ersten Worte von The Eyes Have It in der Erstveröffentlichung von 1953 |
The Eyes Have It ist
eine kurze Kurzgeschichte von nur drei Seiten, die im Juni 1953 im
Pulp-Magazin
Science Fiction Stories
in der Ausgabe Nr. 1 erschienen ist. Inhaltlich, nun, ein Wortspiel auf
Unterstufen-Niveau, das ein kurzes Lächeln schenken kann, oder etwas
kritischer betrachtet “one of the worst short stories Dick ever wrote”.
Die wenigen weiteren Publikationen ausserhalb der
Collected Stories (Band 2) verdankt die Geschichte denn wohl eher
ihrem lückenfüllendem Format als ihrer Qualität.
Vorgestellt wird uns unser Autor im Heft so:
PHILIP K. DICKThe World She Wanted war in Science Fiction Quarterly vom Mai 1953 erschienen, einer Zeitschrift, die vom gleichen Verlag herausgebracht wurde.Another comparative newcomer to science fiction,
Philip K. Dick (whose first story appeared in 1952)
has nonetheless made his mark, and is in constant demand. His talents also
run to whimsical fantasy, as can be seen by the story presented here, and
in such tales as “The World She Wanted,” which appeared this year.
Die aktuelle Popularität des Texts mit diversen bei Amazon erhältlichen Ausgaben basiert darauf, dass sie in die Public Domain gefallen ist, die Verwendung des Originaltexts ist, auf jeden Fall in den USA, lizenzfrei möglich.
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| Ein schönes Exemplar von Thornwillow: The Eyes Have It |
Ob das 2020 auch den Verlag Thornwillow Press dazu
motiviert haben, ein Büchlein mit dem kurzen Text herauszubringen?
Thornwillow ist ein kleiner Edelverlag, der sich auf teure Luxusausgaben
spezialisiert hat. Im Unterschied zu Centipede und Suntup hat Thornwillow
keinen Schwerpunkt auf Speculative Fiction, sondern
allgemeiner Literatur und Geschichtlichem. Neben Dick
findet sich zwar Isaac Asimov, Ray Bradbury und Octavia Butler, das ist aber
nur ein kleiner Teil der im Spektrum allgemeiner überwiegend
angelsäschischer Literatur.
Man bekommt mit The Eyes Have It eine zweiseitige Anmerkung, die auch das Epigraph zitiert und kommentiert, den Text selbst auf acht Seiten und einige Seiten Drumherum, wie Vorsatz und Titel, insgesamt 22 Seiten. Wie alle Ausgaben des Dispatch ist es in zwei
Ausgaben erschienen. 300 Exemplare der Classic Edition für die
einfachen Mitglieder des Dispatch und 50 Exemplare der gehobenen
Patron's Edition. Die einfache Ausgabe, die ich ergattern konnte,
wurde auf cremefarbenem Velinpapier gedruckt und in Papierumschläge
gebunden. Die Patron's Edition wurden auf weißem Velinpapier mit
unbeschnittenen Rändern gedruckt. Restexemplare wurden mutmasslich für $100
bzw. $138 angeboten.
Das Ergebnis ist natürlich ein bibliophiles Erlebnis. Ein wunderbares Heft, ein Büchlein, eine Freude für jeden Freund des Buches und natürlich jeden Sammler. Und für den Sammler gilt: Form und Inhalt haben oft wenig miteinander zu tun. Thornwillow giesst hier eine unterklassige Kurzgeschichte von Dick in die edelsten Formen. Auch Centipede wählt die schwächsten Romane von Dick für seine wunderschönen Schuber. Aber zum Lesen sind diese Ausgaben nicht geschaffen, sondern zum Sammeln. Und das Sammeln ist nicht ganz einfach, dieser cremefarbene Fisch begegnet einem mit geringer Frequenz, ich schätze 10−8 Hertz. Wer auf ein gutes Angebot warten will, muss gute Nerven bewahren. Der buchstäblich weisse Wal aus der 50er Auflage ist mir noch nicht begegnet.
Mit dieser Veröffentlichung hat Dick das Genre weit hinter sich gelassen, wenn man sieht, welchen Anspruch Thornwillow bei Zeitschichte (siehe auch unten) und Kultur hat. Ob ausgerechnet diese leicht kalauernde Geschichte der überzeugendste Weg ist, Dick einem solchen Publikum anzudienen, mag man hinterfragen.
Deutsches
Thornwillow hat 1990, und das ist wohl näher am Markenkern, auch eine Rede von Helmut Kohl herausgebracht, die der Bundeskanzler in Harvard gehalten hat: Partnerschaft in Freiheit/Partnership in Liberty. (Man darf annehmen, dass vieles von dem, was Kohl seinerzeit gesagt hat, heute weniger Konsens finden würde. Tempores mutantur.)
Die Kurzgeschichte Augen auf! ist auf Deutsch nur im Zusammenhang mit der
Gesamtausgabe erschienen. Es gibt eine erwähnenswerte Besonderheit: die
deutsche Ersterscheinung war (ausgerechnet und wohl durch die Kürze zu
erklären) in Haffmans' Teaser für die
Sämtlichen SF-Geschichten, dem 1991 erschienenen Taschenbuch
Erinnerungen en gros (das ich, wie ich noch weiss, seinerzeit
bei Salzmann am Bohlweg in Braunschweig erworben habe). Übersetzt hat
dieses Wortspiel der dieser Tage vornehmlich als (ein kleines bisschen umstrittener) Bücher-TV-Moderator
bekannte Denis Scheck: und seine Übersetzung ist besser als das
Original.
Der zweite Band der Collected Stories erschien in deutscher Sprache erst zu einem späteren Zeitpunkt und wurde von Klaus Timmermann und Ulrike Wasel unter dem Titel Das Vater-Ding übertragen. Die Erzählung The Eyes Have It wurde aber, in der vorhandenen Übersetzung von Scheck übernommen.
Preise
"The Eyes Have It", Thornwillow Press (2010) zwischen 150 € und 500 €

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