Samstag, 26. Dezember 2015

** * *** * ** ** * *** ** * * Weihnachten ** * ** * *** *** * **

Philip K. Dicks Beiträge zum Thema Weihnachten sind durchaus begrenzt. Aber Dicks Protagonist ist oft genug der sprichwörtliche sales man, der den viel gescholtene Kommerz der Weihnachtszeit herbeisehnt. Etwas ausführlicher passiert das so in Mary und der Riese, Edition Phantasia (2010) und ebenso ganz typisch in Kriegsspiel, immerhin sechs mal im Deutschen erschienen. Kriegsspiel ist 1959 passenderweise im Original als War Game in der Dezember-Ausgabe von Galaxy erschienen. Es geht um ganymedisches Spielzeug, das Weihnachten verkauft wird und einen verborgenen gefährlichen didaktischen Ansatz mitbringt.
Einen deutlich Kommerz-kritischen Blick finden wir in Der Bunker, eine der im Deutschen am meisten publizierten Kurzgeschichten, im Original Foster, You're Dead (1955). Der Vater sieht sich dort dem existenzbedrohenden Druck seines Sohnes ausgesetzt, der Familie zu Weihnachten den neuesten Bunker zu kaufen. Diese Geschichte schafft es dann sogar in der Mitte des Kalten Krieges in eine sowjetische Zeitschrift, mehr dazu bei philipkdickfans.
Alles in allem kein besonders positiver Blick auf das Fest.
Ausnahmsweise einige verlagsneue Bücher:
Die beiden fehlenden Bände der Library
of America
, herausgegeben von Jonathan
Lethem: VALIS and Later Novels und
Five Novels of the 1960s & 70s und Science
Fiction Stories
von MacMillan
Persönlich hat sich Dick zumindest einmal direkt über Weihnachten und den Einfluss auf sein Werk geäussert. Es geht um die Geschichte Zur Zeit der Perky Pat über die Dick in den Anmerkungen schreibt, dass sie von seinen (eigentlich wohl denen seiner damaligen Frau Anne) mit ihren Barbie-Puppen, den Weihnachtsgeschenken des Jahres 1963, spielenden Töchtern inspiriert ist; man kann das in den Nach- und Hinweisen in Zur Zeit der Perky Pat von Haffmans (1994) und Zweitausendeins (2008) nachlesen. Und natürlich basiert Die drei Stigmata des Palmer Eldritch auf Perky Pat. Eine populärkulturelle Erwähnung findet Perky Pat dann übrigens auch in der insgesamt sehr Dick-lastigen Lego-Simpsons-Folge Auf dänische Steine können sie bauen (Staffel 25, Folge 20), wo es Perky-Patty-Spielzeug gibt. Im Comicshop liegen auch verschiedene Bücher von Philip K. Brick und es gibt verschiedene andere Referenzen. Und da auch dieses Weihnachten Barbie-Puppen unter dem Baum gelegen haben sollte man vielleicht noch die bisher nur in den USA erhältliche Hello Barbie erwähnen, die im Kinderzimmer die Kleinen unterhalten soll und dabei alles was sie hört an den Hersteller überträgt. Das hätte sich auch Dick ausdenken können.
Wenn man sehr tief gräbt, wirklich sehr tief, dann findet man aber doch noch eine echte Weihnachtsgeschichte von Dick. Die Berkeley Gazette veröffentlichte im Young Authors' Club Gedichte und Geschichten von "jungen Autoren" und Dick schaffte dort 16 Veröffentlichungen in der Zeit von 1942 bis 1944. Sein Beitrag zum Christmas Contest 1943 wurde am 4. Januar 1944 unter dem Titel Santa's Return mit five credits belohnt, ein Punktesystem mit dem die Redakteurin Aunt Flo ihre jungen Autoren motivierte. Dicks düstere Weihnachtsgeschichte endet damit, dass der Weihnachtsmann die vom Krieg zerstörte Welt, die ihn vergessen hat, für immer verlässt. Abgedruckt ist sie noch einmal im Anhang von Gregg Rickmans Biograhpie To the High Castle: Philip K. Dick: A Life 1928-1962 (1989).
Und was bedeutet Weihnachten für den Sammler? Der Sammler muss seine Lieben sorgfältig anleiten, wenn das Fest etwas für die Sammlung bringen soll: Sammler kann man nicht ohne sorgfältige Planung und gute Kenntnis der Sammlung beschenken - und diese Kenntnis hat oft nur der einsame Sammler selbst. Aber dafür gibt es Wunschlisten, Gutscheine ... und natürlich darf man sich auch selbst beschenken. Oder man hat eben noch andere Interessen, die die knappen Ressourcen binden.
Und zum Abschluss der Web-Tipp: Einen schönen, natürlich englischsprachigen Blog, der u. a. noch etwas ausführlicher über Perky Pat und Barbie schreibt, habe ich erst kürzlich entdeckt. Leider hat die Anzalhl der Einträge in letzter Zeit nachgelassen hat, und mit dem legendären Total Dick-Head blog möchte ich ihn nicht vergleichen, also kein unbedingtes must-read für den Fan, aber es gibt auch etwas für den Sammler: The Philip K. Dick Reading Group der University of New South Wales, Sydney. Auch in Australien gibt es Fans, Bruce Gillespie mit seinem SF Commentary und dem Philip K. Dick: Electric Shepherd ist ja ein sehr bekanntes frühes Beispiel, er schreibt seit den 60er Jahren über Dick.

Samstag, 19. Dezember 2015

The Man in the High Castle

Es ist das Jahr des Orakels. Nach der schönen Folio-Ausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle ist jetzt die zehnteilige Serie bei Amazon zu sehen - und sicher war es kein Zufall, dass die Folio-Ausgabe pünktlich vor dem Serienstart da war. Und natürlich gibt es auch das offizielle Buch zur Serie von Penguin, den Originaltext mit einem sich auf die Serie beziehenden Umschlagbild.
Das meiste zum Roman steht schon im entsprechenden Blogeintrag, aber ein Detail, das ich erst jetzt entdeckt habe, ist in dem kurzen Text Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen zu finden. Der findet sich exklusiv in der Heyne-Jubiläumsausgabe von Das Orakel vom Berge (2000). Der entsprechende Originaltext findet sich in The Shifting Realities of Philip K. Dick - Selected Literary and Philosophical Writing herausgegeben von Lawrence Sutin. Dort ist der Text mit 1974 datiert. Es ist eine fiktive Würdigung von Dick an Hawthorne Abendsen, dem Autoren von Schwer liegt die Heuschrecke und damit der Titelfigur aus dem Orakel vom Berge. So interessant dieses Konstrukt ist - der Autor würdigt seine eigene Figur als Person - so kann uns dies bei einem Autoren wie Dick, der oft genug mit der Realität spielt, nicht wirklich überraschen. Erwähnt wird in diesem kleinen Stück auch die (natürlich fiktive) deutsche Ausgabe von Schwer liegt die Heuschrecke mit der bibliographischen Angabe München: König, 1974. Bei König in München ist 1973 die deutsche Erstausgabe von Das Orakel vom Berge erschienen. Man kann sich vorstellen, dass Dick gerade sein Belegexemplar oder die Tantiemenabrechnung erhalten hatte, als er es geschrieben hat.
Die erste und die derzeit neueste Ausgabe von Das Orakel vom Berge von
König (1974) links und Fischer (2014) recht auf der Kritik der FASZ
Die von Ridley Scott aufwändig produzierte Serie gibt es seit dem 18. Dezember auch in einer deutschen synchronisierten Fassung, irgendwie auch ein Geburtstagsgeschenk für Dick, der am 16. Dezember 87 geworden wäre und seinen deutschen Ausgaben durchaus Aufmerksamkeit gezollt hat, nicht nur der oben genannten (dazu später einmal mehr). Die amazon-Serie hat zehn Teile von 48 bis 60 Minuten Länge.
In der Druckausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. November gab es eine ausführliche, deutlich positive Kritik. Die Welt ist online mit der Serie nicht ganz zufrieden (im Grunde steht da mal wieder Das Buch war besser) oder auch doch, Zeit Online diskutiert die Art und Weise, wie der Film produziert wurde. Und auch sonst hat praktisch jeder eine Kritik geschrieben.
Unterhaltsam ist die Serie sicherlich und sie wird Dick wohl wieder viel Aufmerksamkeit bringen. Warten wir ab, ob es eine zweite Staffel gibt. Und auf die DVD-Ausgabe - für die Sammler.

Samstag, 12. Dezember 2015

Alle Romane... wirklich alle...

Der wichtigste Teil jeder Sammlung ist der Katalog. Die Liste aller bekannten Objekte, die vollständig bedeuten. Was im Katalog steht wird natürlich hauptsächlich durch das Thema definiert, aber auch dadurch, was tatsächlich einen neuen Eintrag in der Liste konstituiert. Wenn man einen Autoren wie Dick sammelt, dann mag man alle Science Fiction Romane von Dick sammeln wollen - also einen Eintrag pro Titel - also 35 (wenn man Nick und der Glimmung ausschliesst, durchaus ein Science Fiction Roman, aber eben ein Kinderbuch). Der nächste Schritt sind dann die verschiedenen Ausgaben, für den Blade Runner/Träumen Roboter von elektrischen Schafen sind das dann bereits acht Ausgaben. Ein letzter Schritt sind dann die verschiedenen Auflagen eines Ausgabe - auch hier liegt der Rekord beim Blade Runner, desssen Buch-zum-Film Heyne-Ausgabe von 1982 auf neun Auflagen - mit teilweise erhöhten Preisen - kommt. Derzeit liege ich mit meiner Sammlung wohl zwischen den Ausgaben und Auflagen - ich brauche nicht alle neun Auflagen des Blade Runner, aber beide Auflagen von Bastei-Lübbes Das Orakel vom Berge - weil es unterschiedliche Titel hat. Von solchen Umschlagbild-Varianten gibt es auch bei Dick einige - die Goldmann-Ausgaben sind als zweite Auflage erschienen und auch bei Suhrkamps LSD-Astronauten gibt es ein abweichendes Umschlagbild - und ich halte das für unbedingt separate Ausgaben, von denen man jeweils beide in der Sammlung haben muss.
In den USA sind auch die Date Codes üblich, die von den Verlagen im Buch versteckt werden und wohl so etwas wie Unter-Ausgaben bilden, die man - teuer - sammeln kann. Deutsche Verlage ersparen das ihren Sammlern - zum Glück.
Wie man den Katalog verwaltet ist eine weitere Frage. Ein Katalog kann durchaus recht umfangreich werden, man sollte sich die Struktur und die Art der Verwaltung daher genau überlegen. Obwohl es scheinbar alles online gibt, konnte ich noch kein auch nur annähernd adäquates Werkzeug für die Verwaltung von Sammlungen finden. Auch lokal gibt es keine wirklich guten Lösungen, die flexibel genug sind... im einfachsten Fall - und wenn man nicht zu viel Zeit investieren kann - will man sich also mit Microsoft Excel oder einem ähnlichen Programm behelfen, zumal man seine Daten auch nicht mühsam in ein Programm hineinstecken will, aus dem man sie hinterher - im Falle eines Umzugs zu einem anderen Programm - nicht wieder einfach herausbekommt.
Der Gott des Zorns von
Bastei-Lübbe von 1979
Das Labyrinth der Ratten
von Goldmann, ebenfalls
von 1979, aber eher selten
Die vollständige Liste der 36 Science Fiction Romane mit allen relevanten Ausgaben, aber ohne auf ungeänderte Auflagen einzugehen, ist schon seit einiger Zeit auch hier zu finden. Man sieht, dass Blade Runner in neun (acht Einzelausgaben und in einem Sammelband) und Das Orakel vom Berge in acht Ausgaben erschienen ist, aber zahlreiche Bücher in nur einer Ausgabe erschienen sind - und das überwiegend in der Zeitspanne von 1979-1984. So ist Der Gott des Zorns (1979), ein Roman mit einer etwas längere Enstehungsgeschichte, trotzdem einfach und günstig zu finden, auch in guter Erhaltung. Das Labyrinth der Ratten (1979) ist aber schon etwas teurer. Leider findet man über die Höhe der Auflage hier keine Informationen. Ist das eine Buch wirklich seltener gedruckt? Bei beiden Büchern - oder eigentlich bei allen, speziell aus dem vorigen Jahrhundert - muss man prüfen, ob es sich um als Mängelexemplar gestempelte Exemplare handelt, das vernichtet den Wert leider. Leider ist es bei vielen Angeboten oft nicht ersichtlich, ob sich am Schnitt ein mehr oder weniger dezenter, oft grüner Strich befindet. Ich habe zwar auch noch das einige dieser Remittenden im Bestand, versuche diese aber auszutauschen.
Im Überblick finden sich auch die Sammelbände, in denen mehrere Romane gemeinsam herausgegeben sind. Ich habe auch Nick und der Glimmung hier eingeordnet, sowie die Kosmischen Puppen, ich halte mich hier an die im amerikanischen üblichen Kategorien, wie man sie z. B. bei philipkdickfans und pkdickbooks findet. Natürlich gibt es auch die Mainstream-Romane, dazu habe ich schon etwas geschrieben.
Am Schluss ein Link auf eine für meine Bedürfnisse nicht ausreichende online Sammlungsplattform, catwiki, Schönes zu Dick lässt sich dort aber finden.

Samstag, 5. Dezember 2015

Der neueste Fang

In der letzten Woche ist mir ein Fang in's Netz gegangen, den ich allerdings noch nicht vollends an Land ziehen konnte. Nachdem Fischer 2014 in zwei Staffeln, einmal im Frühjahr vier und dann im Herbst drei Bände, und 2015 im Frühjahr noch einmal drei Bände der Philip K. Dick Ausgaben hat folgen lassen, wird die Serie im Frühjahr 2016 laut Verlagsinformationen mit drei weiteren Bänden fortgesetzt:
  1. Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten. 15 Stories. Mit einem Nachwort von Jonathan Lethem. 448 Seiten. 11.99 €
  2. Irrgarten des Todes. 240 Seiten. 9.99 €
  3. Nach der Bombe. 320 Seiten. 10.99 €
Ein bisschen Vorfreude auf diese drei Bände darf schon sein. Irrgarten des Todes und Nach der Bombe werden vermutlich wenig Neues bieten, es handelt sich wohl um Neuauflagen der Ausgaben aus der - nach 16 Bänden abgebrochenen - Werk-Ausgabe von Heyne. Zumindest handelt es sich wohl nicht um Neuübersetzungen, Yoma Cop bzw. Friedrich Mader sind als Übersetzer angegeben, die auch die Heyne-Ausgaben erledigt haben. Man kann erwarten, dass es sich um die von Alexander Martin überarbeitete Übersetzung des Irrgarten des Todes handelt. 
Total Recall Revisited (2014), der 
Start der Reihe bei Fischer
Es steht aber zu befürchten, dass Nach der Bombe sein Nachwort von Jonathan Lethem verloren hat, so wie einige Fischer-Ausgaben entsprechende Zusätze verloren haben. Möglicherweise ist es aber in Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten gewandert. Diese Kurzgeschichtensammlung ist vermutlich eine reduzierte Version von Der unmögliche Planet von Heyne (2002), der immerhin auf 832 Seite 30 Geschichten enthält. Nachdem Total Recall aus der ersten Staffel von 2014 bereits 12 Geschichten, wohl die Highlights aus Der unmögliche Planet enthält, folgen jetzt wohl die übrig gebliebenen - minus drei. Wobei dieser Rest auch nicht schlecht ist... was allerdings dem Leser dieser Seite egal sein dürfte. 
Der an Dick interessierte Leser hat wohl die günstige und in der dritten Auflage erhältliche Gesamtausgabe von zweitausendeins und dem Sammler ist's egal. Für den Dick-Gelegenheitsleser ist das noch lieferbare Total Recall Revisited wohl attraktiver, wenn Trostpflaster denn wirklich den Rest von Der unmögliche Planet enthält, zumal es auch noch zwei Euro weniger kostet. In den Regalen der Buchhandlungen werden sich im April 2016 aber wohl die neuen Bände befinden... und man darf hoffen, dass häufig zugegriffen wird. Vielleicht bringt amazons The Man in the High Castle ja neue Leser für Dick. Sollte das so sein, hat Fischer mit dem Das Orakel vom Berge ja Das Buch zur Serie im Angebot - und darüber hinaus fast alle lieferbaren Ausgaben von Dick. Bei Heyne gibt es nur noch Die Lincoln-Maschine und den Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz, der natürlich formidabel ist und für 14 Euro ein wohl ungeschlagenes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.
Den Überblick über alle 14 erschienen Bände gibt es auf der Verlagsseite. Und 14 Bände sind es natürlich, weil Fischer bereits 1974 mit Joe von der Milchstrasse einen frühen Beitrag zu Dicks Ausgaben geliefert hat. Hoffen wir jetzt, dass es die drei Bände auch in die Presse und dann - am besten pünktlich zum 27. April - in die Läden schaffen; wie im vorigen Blogeintrag gezeigt, hat nicht jeder vom Verlag angekündigte Titel das geschafft.

Samstag, 28. November 2015

Eigentlich nichts

Nachdem ich nicht richtig dazu gekommen bin, ein Thema vorzubereiten, passen dazu ein paar Worte zu Dick-Ausgaben, die es nicht gibt.
Besondere Erwähnung bedürfen diese Bände, weil sie doch überall herumschwirren; nachdem sie bei Amazon jahrelang angekündigt waren sind sie jetzt (fast) real - allerdings nicht greifbar. Daher hier ganz explizit die Aussage: Diese Bücher gibt es nicht!
  • Wie man ein Universum baut - Heyne 53212, 450 Seiten, sogar schon mit ISBN: 3-453-53212-0, Zitat: Ein einzigartiges Buch: Die weltweit erste Zusammenstellung der wichtigsten Essays, Aufsätze und Reden Philip K. Dicks, in denen der geniale SF-Autor nicht nur die Themen seiner Romane aufbereitet hat, sondern in denen auch ein philosophischer Denker zum Vorschein kommt, der seinesgleichen sucht: Wie kaum ein anderer Schriftsteller hat es Dick vermocht, unsere Realität in Frage zu stellen. Ein Muss für jeden Dick-Fan! Die Fortsetzung der einzigartigen Philip-K.-Dick-Edition. Schade. Da bleibt dann nur das englische Original oder die - "schwerer" zu findende - Ausgabe von Edition Phantasia: Auf der Suche nach Valis
  • Auf dem Alphamond - Heyne 52271, 290 Seiten, ISBN: 978-3-453-52271-8. Schade. Auf Deutsch kriegt man die Ausgabe von Bastei-Lübbe (1979), Kleiner Mond für Psychopathen, und die Neuübersetzung von Ronald M. Hahn von Ullstein (1988), Die Clans des Alpha-Mondes, aber eine Neuausgabe hätte auch nicht geschadet - und billiger wäre es auch, die antiquarischen Ausgaben sind in guter Erhaltung etwas teurer
  • A Scanner Darkly - Heyne, 396 Seiten, ISBN: 978-3-453-50025-9. Offensichtlich als Das Buch zum Film geplant, aber nach dem wohl abzusehenden fehlendem Erfolg nicht erschienen. Aber dafür gibt es ja den hübschen Comic von Schirmer Mosel und für den Originaltext die Ausgaben von Heyne oder aktuell von Fischer (natürlich unter dem "klassischen" deutschen Titel Der dunkle Schirm)
  • Marsianischer Zeitsturz, Warten auf letztes Jahr, Dr. Bluthgeld oder Wie wir nach der Bombe zurechtkamen und Galaktischer Topf-Heiler, ein Philip K. Dick Companion - vom Haffmans Verlag standen alle schon auf dem Editionsplan (man kann das u. a. in der Verlagswerbung auf den letzten Seiten von Die kaputte Kugel nachlesen), aber aus der angestrebten Gesamtausgabe ist ja leider nichts mehr geworden; immerhin ist uns die schöne zehnbändige Erstausgabe der Kurzgeschichten und einige andere Bände, speziell eben die deutsche Erstausgabe von Die kaputte Kugel geblieben
Die Heyne-Bände haben übrigens jeweils einen Eintrag in der Deutschen Nationalbibliothek.
In diesem Zusammenhang könnte man auch noch die Erstveröffentlichung der Kurzgeschichte Orpheus with Clay Feet nennen, die in Deutschland als Orpheus mit Pferdefuß zuerst in Erinnerungen en gros, Haffmans (1991) erschienen ist. Für die amerikanische Erstveröffentlichung wird immer das Magazin Escapade "um 1964" genannt, mit dem Zusatz, dass die Geschichte unter dem Pseudonym Jack Dowland veröffentlicht wurde. Offenbar geht das aus den Aufzeichnungen seines Agenten, der Scott Meredith Literary Agency, hervor. Man kann das aber wohl ausschliessen, da sich schon einige Sammler dort auf die Suche gemacht haben und noch niemand etwas vorzeigen konnte (s. dazu auch Precious Artifacts 2, bei Wide Books, 2014).
Stanislaw Lem, der hier ja auch schon erwähnt wurde, hat mit Die vollkommene Leere übriges ein ganzes Buch mit Rezensionen von nicht-existierenden Büchern geschrieben.
Als Web-Tipp - oder vielleicht auch nur als interessantes Link, das nur vorgeblich mit diesem Eintrag zu tun hat - eine ganze Seite von Ivo Gloss mit Science Fiction, die es nicht gibt - Hätte aber sein können!

Samstag, 21. November 2015

Noch mehr Kurzgeschichten...

Die weitaus meisten einzeln erschienenen Kurzgeschichten von Philip K. Dick sind in Science Fiction Anthologien erschienen. Abhängig davon, wie man "Science Fiction Anthologie" definiert und von den Lesebüchern usw. abgrenzt, sind es - in meiner Sammlung - derzeit 47 Bücher. Die meisten davon gehören zu den üblichen Serien bzw. den verdienten Verlagen.
Die ersten Geschichten von Dick überhaupt werden in Deutschland 1958 veröffentlicht. Die erste ist entweder im Utopia Magazin 14 Die Frau seiner Träume bei Pabel oder in Galaxis 5 bei Moewig erschienen.
Highlights 6 von Moewig (1986)
Die letzte Veröffentlichung ausserhalb einer ausgezeichneten Dick-Sammlung (die letzte ist Total Recall von Fischer von 2014) ist von 2008 in Der kleine Atheismus-Katechismus bei zweitausendeins. Die Menge der Veröffentlichungen - wohl auch durch die Gesamtausgaben - ist auch insgesamt deutlich zurückgegangen.
Wenn man die Anthologien betrachtet - also ohne Veröffentlichungen in Fanzines und Magazinen - so sind fast alle Bücher und Hefte relativ problemlos zu bekommen. Überraschend schwierig kann es sein Highlights 6 von Moewig (1986) in einem akzeptablen oder gar guten Zustand zu finden. Highlights 1 ist der Sammelband der die drei Valis-Romane enthält und deutlich einfacher zu finden. Auch Highlights 6 ist ein Sammelband, nämlich von drei Kopernikus-Anthologien. Teil 1 von Highlights 6 ist dabei Kopernikus 3. Beide Bände sind jeweils die drei Buchblöcke hintereinander, es gibt - ausser auf den ersten Seiten - keine Änderungen im Layout, auch die Seitenzählung beginnt jeweils neu. In digitalen Zeiten würde das wohl nicht mehr passieren, aber damals wäre ein neues Layout wohl zu aufwändig gewesen.
Der Überblick über alle Ausgaben von Dicks Kurzgeschichten ist jetzt hoffentlich vollständig, und wird nötigenfalls auch weiter (kurzfristig) ergänzt. Wer hier Lücken oder gar Fehler entdeckt, möge mir dies in einem Kommentar mitteilen.
Vollständig ist auch die Übersicht über die 118 Kurzgeschichten, die in den Sämtlichen 118 SF-Geschichten gesammelt sind. Diese 118 Geschichten sind 476 mal erschienen. Am meisten, nämlich 16 mal, ist dabei Erinnerungen en gros (We Can Remember It For You Wholesale) erschienen; das mag mit der Verfilmung mit dem Titel Total Recall zu tun haben, die meisten Veröffentlichungen sind aber vor der Verfilmung von 1990. Die Geschichte ist - trotz oder unabhängig vom Film - eben einfach gut. Und deshalb gibt es ja auch noch eine zweite Verfilmung von 2012.
In der Reihenfolge der Anzahl der Veröffentlichungen folgen dann
  1. 10 malEin kleines Trostpflaster für uns Temponauten (A Little Something For Us Tempunauts)
  2. 10 mal: Foster, Du bist tot (Foster, You're Dead)
  3. 9 mal: Der Fall Rautavaara (Rautavaara's Case)
  4. 9 mal: Ach, als Blobbel hat man's schwer! (Oh, to Be a Blobel!)
  5. 9 mal: Hochstapler (Impostor)
  6. 8 mal: Die Präpersonen (The Pre-Persons)
Ein sehr umfassendes Buch zur Bibliographie der englischen Kurzgeschichten von Dick ist Precious Artifacts 2 - A Philip K. Dick Bibliography - The Short Stories von David Hyde und Henri Wintz bei Wide Books. Der Verlag ist der einzige, der spezialisiert auf Bücher über Leben und Werk von Dick ist. Bemerkenswert.

    Samstag, 14. November 2015

    Ordaina

    Hier wieder eine aktuelle, aber etwas ungewöhnliche Neuerwerbung. Wie bereits erwähnt, finden auch fremdsprachige Ausgaben von Werken von Philip K. Dick in der Sammlung Platz, ein Exemplar pro Sprache reicht jedoch. Gerne bringe ich diese Bücher aus dem Urlaub mit. Dieses Buch ist zwar kein Souvenir aus dem Urlaub, aber hinlänglich ungewöhnlich, um interessant zu sein - und um es unbedingt in der Sammlung haben zu müssen.
    Ordaina, eine Sammlung von Kurzgeschichten von
    Dick in Baskisch, herausgekommen bei meettok (2015)
    Ordaina ist das (ziemlich sicher) erste Buch in baskischer Sprache. Es ist erst kürzlich als Paperback bei meettok in Donostia (baskisch) bzw. San Sebastián (spanisch) erschienen. Eingeleitet wird das 390-seitige Buch von einem zehnseitigem Vorwort. Darauf folgen elf überwiegend "klassische" Kurzgeschichten, u. a. auch Paycheck, Second Variety, Impostor, Adjustment Team, The Minority Report, We Can Remember It for You Wholesale. All diese Geschichten sind verfilmt. Dazu kommt The King of Elves, eine der wenigen Fantasy-Geschichten von Dick, die seit längerem von Disney als Animationsfilm geplant ist. Man hat also auf attraktive Erzählungen gesetzt, was man dem Verlag sicher nicht vorwerfen kann. Eine weitere Kurzgeschichte ist I Hope I Shall Arrive Soon, die letzte zu Dicks Lebzeiten erschienene Kurzgeschichte, die erstmalig 1980 im Playboy erschienen ist. Wohl auch wegen ihres Status als letzte Geschichte sind zahlreiche Anthologien nach ihr benannt und sie zählt so auch zu den bekannteren.
    Da es bereits katalanische und natürlich spanische Ausgaben von Dick gibt, sind in Spanien so Bücher von Dick in drei Sprachen erschienen, das dürfte der Rekord sein.
    Das Buch lässt sich übrigens problemlos und relativ günstig bei The Book Depository bestellen.

    Samstag, 7. November 2015

    Mehr Leben...

    Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung - 
    Texte und Materialien zur phantas-
    tischen Literatur (1993), gebunden
    Dieser Eintrag ist nur ein kurzer Nachtrag zum Blog zu Anthologien zu Leben und Werk. Der dort angekündigte Ausflug zu Universitätsbibliothek ist erfolgt. Und zu meiner grossen Verwunderung konnte ich dort tatsächlich eine gebundene Ausgabe von Uwe Antons Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung - Texte und Materialien zur phantastischen Literatur (1993) finden. Ich hätte mich nicht wundern sollen, sind doch die Angaben von Bibliotheken selten fehlerhaft - anders als das, was uns das wunderbare Internet oft bietet - oder gar ebay. Amateure haben oft ihre Probleme ein Erscheinungsjahr richtig anzugeben - oder kopieren von irgendwo. Gerade bei ebay gilt mehr als sonst caveat emptor.
    Ein Blick in die gebundene Ausgabe erklärt auch, warum die kartonierte Ausgabe beide ISBNs trägt, nämlich die für die kartonierte Ausgabe (3-910079-01-6) und die für die gebundene Ausgabe (3-910079-08-3). Offenbar ist die gebundene Ausgabe einfach genau das: Die kartonierte Ausgabe wurde vollständig eingebunden, mit dem blauen Karton-Einband, sie bildet so den Block der gebundenen Ausgabe. Der ansonsten unauffällige blaue Leinen-Einband hat den verkürzten Haupttitel Philip K. Dick eingeprägt, auf dem Buchrücken ist zusätzlich noch der Verlagsname und -logo eingeprägt; es gibt auch ein Lesebändchen. Dieses Buch ist also sicher nicht von der Bibliothek gebunden, sondern kommt so vom Verlag. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Ausgabe für Bibliotheken, der Anspruch des Buches ist durchaus ein wissenschaftlicher. Der Plastikeinband, den das gezeigte Exemplar hat, kommt jedoch wohl eher von der Bibliothek. Diese gebundene Ausgabe hat seinerzeit stolze 78 DM gekostet, verglichen mit den 34,80 DM für die Paperback-Ausgabe.
    Uwe Anton taucht in diesem Blog zwangsläufig immer wieder auf und wird es wohl noch öfter tun, zumal bei der Sekundärliteratur einzelne Artikel noch gar nicht betrachtet wurden - und auch da gibt es zahlreiche von Anton. An anderer Stelle wird Anton ubiquitär und der Dick-Apologet überhaupt genannt. Das kann kein Vorwurf sein. Leider hat sich aber an der Tatsache wohl nichts geändert, obwohl in den letzten Jahren nur sehr wenig Neues von Anton zum Thema Dick gekommen ist. Man würde sich wünschen, dass hier neue Apologeten erscheinen... auch die Exegesis hat in deutschen Veröffentlichungen praktisch keinen Widerhall gefunden. Andererseits sind heutzutage die englischen Veröffentlichungen nicht so sehr weit entfernt...
    Das Paperback bildet den Buchblock
    der gebundenen Version von Uwe
    Antons Entropie und Hoffnung
    Dieser Fund reisst auf jeden Fall eine grosse Lücke in meine Sammlung. Dieses Buch dürfte wohl die seltenste Ausgabe sein, die ich in meiner Sammlung (nicht) habe, zumindest ausserhalb der grauen Literatur, also der Ausgaben ohne ISBN und ISSN (hauptsächlich diversen alten Fanzines, die ich nur in Literaturverzeichnissen und in diversen online-Listen gesehen habe). Übrigens hat auch Entropie und Hoffnung ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis mit einigen sonst nirgendwo gesehenen Einträgen. Schon allein dafür lohnt sich die Suche nach diesem Buch, das allerdings auch in der kartonierten Ausgabe selten zu finden ist.

    Samstag, 31. Oktober 2015

    Nichts Neues im Osten... oder doch?

    Ein schwerer zugänglicher Ort für den Sammler von Literatur von und über Philip K. Dick ist der Osten. Vor dem Zerfall des Ostblocks ist nicht wirklich viel von Dick hinter dem eisernen Vorhang erschienen.
    Eine Ausnahme ist Polen, wo - früher als in der Bundesrepublik - bereits 1975 Ubik erschienen ist. Dies ist wohl Stanislaw Lem zu verdanken, der dafür allerdings nicht allzu viel Gegenliebe von Dick erhalten hat. Auch in Ungarn und der damaligen CSSR sind vor 1990 einzelne Bücher publiziert worden, allen voran natürlich auch hier Ubik.
    Berichte aus der Parallel-
    welt
    (1998), eine
    Publikation des EDFC
    Ein Roman ist von Dick in der DDR nicht herausgegeben worden. Die erste Veröffentlichung einer Kurzgeschichte von Dick erfolgte wohl 1977 im Fanzine der AG Phantopia des FDJ-Jugendclubs an der Technischen Hochschule Ilmenau. Heft 3 - Der weiße Tod mit dem Untertitel Wissenschaftliche Phantastik aus vier Ländern, herausgegeben von Wolfgang Both enthält Der Wub, Dicks Erstveröffentlichung als Science Fiction Autor von 1952. Der Titel ergibt sich aus einer Kurzgeschichte von Lem, die ebenfalls enthalten ist. Die Übersetzung erfolgte wohl durch Mitglieder dieses SF-Clubs. Die erste bundesdeutsche Übersetzung erfolgte erst 1981 in Die besten Stories von Philip K. Dick bei Moewig. Informationen dazu, auch das Umschlagbild von Der weiße Tod, finden sich in Berichte aus der Parallelwelt (1998), der vom wohl selben Wolfgang Both (et al.) geschriebenen Publikation des EDFC. Von den gleichen Autoren gibt es ein wohl inhaltlich erweitertes Buch Science Fiction in der DDR - Fanzines, das 2010 bei Shayol herausgekommen und noch erhältlich ist. Formal handelt es sich bei diesem Buch um Supplementband 2 von Die große illustrierte Bibliographie der Science Fiction in der DDR. Bemerkenswert ist es sicher, dass es diesem von Studenten betriebenen Clubs möglich war, erstmalig eine Kurzgeschichte von Dick zu veröffentlichen. Der Wub, bzw. laut Haffmans & Zweitausendeins Und jenseits - das Wobb, ist wohl eher eine unpolitische Geschichte (zumindest vermag ich nichts politisches darin zu erkennen), trotzdem war der organisatorische Aufwand sicher erheblich; denn die Geschichte war vorher (wohl) auch nicht in der Sowjetunion erschienen. Die Frage nach den Rechten beantwortet Science Fiction in der DDR mit: ...da die Sowjetunion und die USA erst 1973 der Urheberrechtskonvention beigetreten waren, hatten wir relativ freie Hand für Amateuraktivitäten. Die Problematik wurde also bedacht; in wie weit das juristisch letztlich tragfähig gewesen wäre, ist wohl auch eine sehr theoretische Frage.
    Der weiße Tod ist, wie auch verschiedene andere Fanzines, praktisch unfindbar.
    ad libitum - Sammlung Zerstreuung Nr. 8 (1988)
    im Verlag Volk und Welt
    Im Verlag Volk und Welt erscheint 1988 der wohl einzige offizielle Beitrag - also mit ISBN - der Deutschen Demokratischen Republik zum Werk von Dick. In der Nr. 8 der Reihe ad libitum - Sammlung Zerstreuung erscheint die Kurzgeschichte Der Ausgang führt hinein, eine der letzten Kurzgeschichten von Dick von 1979. Das Copyright der deutschen Übersetzung ist Luchterhand 1986 und die flüchtigkeitsfehlerbehaftete (so ist High School nicht Hochschule) Übersetzung von Michael Nagula bezieht sich natürlich auf das Lesebuch Eine Spur Wahnsinn, das 1986 bei Luchterhand erschienen ist, mit u.a. dieser Geschichte. Im Anhang Zu den Autoren heisst es über Dick SF-Autor aus den USA, 1928-1982. Dieses Buch ist günstig und leicht erhältlich, man sollte jedoch auf die Erhaltung achten, die häufiger schlecht ist.
    Den Science Fiction & Fantasy Club Phantopia gibt es übrigens immer noch, dort findet sich auch eine Historie. Und im Netz gibt es ein bisschen mehr zum Thema Fan-Publikationen in der DDR bei Dr. Olaf R. Spittel.
    Nachtrag: In einem Brief vom 13. April 1974 and die United States Information Agency, die Öffentlichkeitsarbeit für US-Amerikanische Politik betrieb, bietet Dick seine Hilfe an. Er beschreibt auf fünf Seiten seine Erfahrungen insbesondere mit osteuropäischen Kontakten und schreibt u. a. an East German "editor" wrote me in 1969 or so requesting permission to print all my novels , without pay for me; "but you will be eternally famous" he added, and also added, "of course we must remove the trashy (sic) portions of your work before printing". I never answered him [...] [The Selected Letters of Philip K. Dick 1974, Seite 40]. Wer mag ihm diesen Brief geschrieben haben? Und war Dick mehr entsetzt darüber, dass er kein Geld bekommen sollte - oder dass natürlich zunächst der Schund entfernt werden muss? Berühmt ist Dick auch ohne diese DDR-Ausgabe geworden, es wäre trotzdem schön, wenn es sie gäbe.

    Samstag, 24. Oktober 2015

    Zurück zur Schule...

    Aufrisse 1 (1973) von Schöningh
    Die Schulzeit war nicht unbedingt Philip K. Dicks glücklichster Lebensabschnitt, aber wirklich glückliche Lebensabschnitte waren bei Dick wohl auch selten.
    Dicks Werk hat schon länger Einzug in die Hochschulen gehalten, in Deutschland auch in die Schule. In dieser Kategorie gibt es derzeit rund neun Bücher.
    Bereits im Jahr 1973 erscheint seine Kurzgeschichte Der Bunker in einem Lesebuch für die 5. und 6. Klasse im bekannten Schulbuchverlag Schöningh; Aufrisse 1. Band hat die ISBN 3-506-25510-X. Neben insgesamt 127 Texten von u.a. Bradbury, Brecht, Clarke und Disney, Luther und Twain steht dieser Text in der Textgruppe Science Fiction. Allerdings ist dieser Text auch der letzte Text von Dick, der in deutscher Übersetzung in einem Schulbuch erschienen ist.
    Als englischsprachiger Autor sind noch einige seiner Texte im Original erschienen. 1983 erscheint in der Reihe Fremdsprachentexte Science Fiction Stories I. Das Heft enthält Impostor, in der Standardausgabe, d.h. den Sämtlichen Geschichten von zweitausendeins, mit Hochstapler übersetzt. Die Geschichte hat die üblichen Vokabelhilfen. Angefügt ist noch Nachwort mit kürzeren Texten zu Autor und Werk. Enthalten sind auf den 151 Seiten vier weitere Geschichten, von Asimov, Ballard, Bester - und De Graw. Science Fiction Stories I ist bei Reclam unter derselben ISBN (3-150-09156-X) in verschiedenen - mindestens drei - Ausgaben erschienen, die sich im Titelbild unterscheiden. Die zweite und dritte Ausgabe sind 1995 und 2000 erschienen.
    Science Fiction Stories I von Reclam in den Ausgaben von 1983, 1995 und
    2000 (mit schlechter Darstellung der Farben)
    Für den Sammler ist das nicht ganz einfach, weil diese Hefte zwar viel angeboten werden, aber fast immer mit einem Standardbild, nicht mit einem Foto des Exemplars, das angeboten wird. Und die bibliographischen Angaben sind auch nicht ganz einfach zu lesen und daher meist falsch angegeben. Man sollte daher ggf. nachfragen, wie das Titelbild aussieht.  
    Reclams Classic Science
    Fiction Stories (2003) mit
    Bild
    Wohl 2003 wird eine komplett neue Ausgabe aufgelegt, unter dem geänderten Titel Classic Science Fiction Stories. Die auf 311 Seiten deutlich vergrösserte Ausgabe enthält jetzt fünf zusätzliche Geschichten aus dem zweiten Band der Science Fiction Stories und hat sich von De Graw getrennt - das kann man wohl verstehen, handelt es sich doch nicht gerade um einen klassischen Autoren. Auch von diesem Buch gibt es eine weitere Ausgabe, die kein Bild auf dem Titelbild hat.
    Viewfinder von Langenscheidt (2006) 
    und Klett (2014)
    2006 ist bei Langescheidt Viewfinder Literature: Science Fiction Stories mit dem Label Englisch Language Teaching erschienen.  Das Buch enthält The Exit Door Leads In mit einer kurzen Einführung über Dick. Auch wenn das Buch (fast) komplett Englisch ist, ist es doch mit einer deutschen ISBN in einem deutschen Verlag herausgekommen und damit klarer Teil einer deutschen Sammlung von Dick. Nachdem Langenscheidt den Bereich Erwachsenenbildung und Schule 2012 an Klett verkauft hat, ist das Buch 2014 noch einmal mit neuer ISBN und neuem Einband, aber altem Titel neu erschienen. Auch der Markenname Langenscheidt wird weiter auf dem Buch geführt. Das Buch ist noch erhältlich. Die ältere Ausgabe ist, aus ähnlichen Gründen, wie bei den Reclam Ausgaben, etwas schwerer zu finden. Der höhere Verkaufswert führt aber dann doch dazu, dass es gelegentlich Originalbilder zu sehen gibt.
    Als jüngster Beitrag von Dick im Bildungsbereich kommt 2009 Science Fiction Stories: Advanced Level. Lektürensammlung in der Macmillan Literature Collection aus dem Hueber Verlag hinzu. Dieses Buch enthält We can remember it for you wholesale, das immerhin schon zur Grundlage von zwei Filmen wurde. Auch dieses Buch ist noch erhältlich.
    Mapping Philip K. Dick ist eine schöne Darstellung von Orten, an denen Philip K. Dick gelebt und gewirkt oder die er besucht hat, auch der diversen Schulen.

    Samstag, 17. Oktober 2015

    Exodus

    Exodus 31 vom Juni 2014 mit der Kurzgeschichte
    Die Akte PKD von Wolf Welling
    Die letzte Ergänzung der Sammlung ist die Nummer 31 des Science Fiction Magazins Exodus vom Juni 2014. Exodus ist ein ungefährt zweimal jährlich erscheinendes professionelles Magazin mit dem Focus auf (deutschen) Science Fiction Kurzgeschichten, die hier erstmalig erscheinen und phantastischer Grafik.
    Exodus erscheint mit einer längeren Unterbrechung bereits seit 1975 und in der unauffindbaren Ausgabe 7 von 1976 gibt es eine Rezension Uwe Antons von Eine andere Welt. Der erste Herausgeber, René Moreau, ist immer noch (oder wieder) dabei.
    Die Ausgabe 31 ist noch beim Verlag erhältlich. Sie enthält die Kurzgeschichte Die Akte PKD von Wolf Welling und ist daher in meiner Sammlung gelandet. Bei dieser Kurzgeschichte handelt es sich um die Kategorie Recursive, also eine fiktive Erzählung in der Philip K. Dick selbst eine Figur ist. Tatsächlich tritt Dick in dieser Geschichte nicht direkt als Person auf, es dreht sich aber um ihn: Die handelnden Charaktere nehmen Dick als reale Person war. In der Geschichte wird stark Bezug genommen auf die Kurzgeschichte Adjustment Team, die 1954 in der September/Oktober Ausgabe des kurzlebigen Magazins Orbit erstmalig erschienen ist. Die Geschichte ist auf deutsch unter dem klobigen Titel Umstellungsteam erschienen, jedoch nur zweimal, in den Gesamtausgaben: 1996 bei Haffmans in Menschlich ist.. und 2008 bei zweitausendeins in Variante zwei. Das liegt wohl daran, dass diese Geschichte auch im Englischen nur selten herausgekommen ist.
    Relativ bekannt geworden ist Adjustment Team dann durch den Film The Adjustment Bureau von 2011, der auf ihr basiert. Matt Damon, auch in Der Marsianer zu sehen, spielt die Hauptrolle in dem Film, der im Deutschen Der Plan heisst; ein Umstellungsbüro hat man hier vermieden. Trotzdem war der Film kein grosser Erfolg, lief nur kurz und ist weniger bekannt, ist aber sicher nicht die schlechteste Dick-Verfilmung.
    Ein faszinierendes, wahrlich phildickianesques Addendum ergab sich aus dem Rechtsstreit zwischen dem Philip K. Dick Trust, also Dicks drei Kindern und den Produzenten des Films. Als die Produktionsfirma bemerkt hat, dass Adjustment Team in den USA in der Public Domain ist, wollte sie den Trust nicht mehr für die Rechte an der Geschichte bezahlen. Der Trust hat aber ein späteres Ersterscheinungsdatum der Geschichte behauptet, nämlich 1955, mit dem die Rechte dann doch noch beim Trust liegen würden. Eine kühne, weil natürlich völlig unhaltbare Behauptung, aber vielleicht liegt diese Art des Denkens in der Familie. Ein Anwalt hat das offenbar noch rechtzeitig bemerkt und so ist es nicht mehr zu einer gerichtlichen Klärung dieses Sachverhalts gekommen. Offenbar betrifft dies nicht nur diese Geschichte, sondern etwas ein Dutzend weitere aus der Zeit, deren Copyright nicht rechtzeitig verlängert wurde. Die verspätete Verlängerung von Adjustment Team erfolgte 1983, ein Jahr zu spät, man kann also vermuten, dass Dicks Tod 1982 etwas mit dieser Verzögerung zu tun hat. Auf Amazon kann man zahlreiche englische Print-on-Demand Kurzgeschichtensammlungen mit den Erzählungen, die in der Public Domain liegen, finden. Jeder kann diese in den USA herausbringen.
    Die aktuelle Nummer von Exodus ist 33 und hier geht es zur Seite von Exodus.
    Und wer die Geschichte nur lesen möchte, findet die auch in den Weiten des Netzes.

    Samstag, 10. Oktober 2015

    Anthologien zu Leben und Werk

    Die seltenen Materialien
    Komplette Bücher zu Philp K. Dicks Leben und Werk gibt es (auf Deutsch) nicht sehr viele. Wenn man die Abgrenzung zu den Lesebüchern aktzeptiert, die hauptsächlich Stoff von Dick und nur wenig über ihn enthalten, bleiben sechs Publikationen in meiner Sammlung.
    Bereits 1976 hat sich mit SFT-Sonderreihe: Band 1 - Philip K. Dick: Materialien die Arbeitsgemeinschaft Spekulative Thematik (AST) in einem kompletten "Band", eigentlich einem Heft, mit Dick beschäftigt. SFT steht dabei für Science Fiction Times, eine Zeitschrift, die sich in zahlreichen Beiträgen mit Dick beschäftigt hat. Die deutschen Original-Beiträge in diesem Heft sind denn auch von Uwe Anton. Der (inhaltliche) Wert wird aber von sechs Beiträgen von Dick selbst noch erheblich gesteigert, u. a. ist die Vancouver-Rede enthalten. Dazu kommen noch einige "klassische" Texte über Dick wie das Vertex-Interview oder Paul Williams Vorwort zu Confessions of a Crap Artist, welches kurz vorher (1975) in den USA in Paul Williams Verlag Entwhistle erschienen ist - und erst 1987 mit diesem Vorwort in Deutschland.
    Dieses Heft der SFT-Sonderreihe ist für den Sammler leider nur sehr schwer zu finden. Der Preis ist dann letztlich Glückssache, da der Wert solcher Stücke häufig nicht erkannt wird; das führt dann leider wohl auch oft dazu, dass solche in der äusseren Erscheinung wenig eindrucksvollen Hefte die Zeiten nicht überdauern.
    Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung von
    Uwe Anton in der kartonierten Ausgabe
    Richtige Bücher, gebundene gar, haben es da deutlich einfacher. Mit einem solchen "richtiges Buch", mit ISBN und ISSN, hat Uwe Anton die Materialien inhaltlich fortgesetzt: Philip K. Dick: Entropie und Hoffnung - Texte und Materialien zur phantastischen Literatur (1993) bei Tilsner. Dieses Buch gibt in einer kartonierten Ausgabe und in einer gebundenen Ausgabe, die ich allerdings erst einmal gesehen habe: Eine Universitätsbibliothek in der Nähe weist das Buch nach, da lag ein Besuch nahe.  Im Buch sind auch zwei verschiedene ISBNs genannt - einmal mit dem Zusatz Paperback und darunter Gebunden. Ausserdem ist eine ISSN angegeben, die sich offenbar auf die Serie  Texte und Materialien zur phantastischen Literatur bezieht, in der rund ein halbes Dutzend Bände erschienen sind. Auch die Paperback-Ausgabe ist nicht leicht zu finden und kann etwas teurer werden.
    Denebola 9 (1990)
    herausgegeben von Achim
    Mehnert
    Ein reines Fanzine, also ohne ISSN und meist objektiv und im wahrsten Sinne des Wortes billiger Verarbeitung, ist Denebola (1990) von Achim Mehnert. Die 9. Ausgabe, Denebola 9, ist ein Themenband zu Dick. Enthalten sind Artikel über Leben und Werk, zahlreiche Rezensionen, Dick-inspirierte Erzählungen und die wohl Denebola-typischen Illustrationen. Auch Uwe Anton ist "dabei" - seine fehlende Mitarbeit wird erwähnt. Auch dieses Heft ist nicht leicht zu finden und ich habe noch kein Exemplar in guter Erhaltung gesehen, insbesondere die Bindung macht hier Probleme. Das ist ein Problem, das man häufig mit solchen buchstäblich billig gemachten Heften hat - das billige Äussere impliziert wohl häufig auch eine weniger achtsame Lagerung.
    Wie bereits erwähnt sind sind Göttliche Überfälle (1994) ein (fast) absolutes Muss in jeder Philip K. Dick Sammlung. Ergänzen sollte man, dass das Buch die einzige deutsche Biographie von Dick ist und das es zwar relativ leicht, aber nicht unbedingt preiswert zu finden ist. 
    Die wahren Geschichten
    des Philip K. Dick
    (1994)
    von Paul Williams
    Die Romane des Philip K.
    Dick
    (2005)
    Die einzige deutsche Ausgabe von Paul Williams berühmten Rolling Stone Artikels ist im Nachtschatten Verlag unter dem Titel Die wahren Geschichten des Philip K. Dick erschienen. Dieses Heft ist immer noch leicht und günstig verlagsneu erhältlich.
    Selbst für den weniger an Dick als an seinem Werk interessierten ist Die Romane des Philip K. Dick (2005) von Shayol alternativlos - wenn man nur auf die deutschen Übersetzungen guckt. Natürlich findet man diesen Band leicht.
    Einen Überblick gibt noch mal die Seite zur Sekundärliteratur.






    Samstag, 3. Oktober 2015

    Kurzgeschichten in Science Fiction Magazinen

    Erstaunlich wenig Kurzgeschichten von Philip K. Dick sind in typischen Science Fiction Zeitschriften und Magazinen veröffentlicht worden. Das mag an der Art und Weise liegen, wie die Rechte für solche Kurzgeschichten vergeben werden, bei anderen namhaften Autoren sieht es wohl auch nicht anders aus.
    Perry Rhodan Magazin 4/1981 mit der
    Kurzgeschichte Pech gehabt von Philip K. Dick
    Die erste Kurzgeschichte ist im Perry Rhodan Magazin 4/1981 erschienen. Der deutsche Titel ist Pech gehabt, der englische Titel Sales Pitch. Die recht kurze Geschichte von nur sechs Seiten ist im selben Jahr in gleicher Übersetzung von Joachim Körber in Moewigs Sammlung Der Goldene Mann erschienen - allerdings dort unter dem Titel Tod eines Handelsroboters. In derselben Ausgabe und ebenfalls von Joachim Körber übersetzt ist noch ein zweiseitiges Autorenportrait von Dick erschienen sowie eine  - sehr positive - Rezension zu Warte auf das letzte Jahr von Uwe Anton. Damit ist diese Ausgabe quasi eine Dick-Ausgabe, aber auch in einigen anderen Ausgaben des Perry Rhodan Magazin der Jahre 1980/81 finden sich Rezensionen und Artikel zu Dick und seinem Werk. Bei den handelnden Personen, auch Michael Nagula ist als Mitarbeiter in dieser Ausgabe des Perry Rhodan Magazins genannt, verwundert dies nicht. Zumal das Magazin auch - zumindest in dieser Zeit - eher breit als allgemeines Science Fiction Magazin angelegt war und Perry Rhodan ausser im Titel nur am Rand erscheint.
    Cosmonaut 4/5 (1983)
    enthält Die Prä-Personen
    1983 erscheint in Cosmonaut 4/5 die Kurzgeschichte Die Prä-Personen (The Pre-Persons, 1974). In den USA war die Geschichte seinerzeit sehr kontrovers aufgenommen worden. Dick drückt hier seine Ablehnung gegenüber dem Thema Abtreibung aus. Seine Sicht auf die Reaktionen kann man z. B. in den Notizen zur Geschichte in der Gesamtausgabe, Der Fall Rautavaara bei Haffmans (2000), nachlesen. Ein wenig ungewöhnlich ist die Formel Mit freundlicher Genehmigung des Arthur Moewig Verlags am Ende der Geschichte, da diese Geschichte nie bei Moewig erschienen ist.
    Der Cosmonaut enthält noch ein Essay von Uwe Anton zur Valis-Trilogie: Ist Gott ein negantropisches Wirbelfeld? 
    Die Doppelnummer 4/5 ist die letzte Ausgabe des kleinformatigen (B6) Magazins.
    Science Fiction Media 134
    enthält Und jenseits- das
    Wobb
    Erst 1998 erscheint wieder eine Kurzgeschichte in einem offiziellen Magazins des Genres, in science fiction media 134. Die Geschichte Stabilität ist eine Ersterscheinung - sie ist als Vorabdruck aus den chronologisch ersten Band der Sämtlichen Erzählungen von Haffmans erschienen, Und jenseits - das Wobb. Dort steht sie ganz vorne, ist sie doch "1947 oder vorher" geschrieben, aber erst posthum 1987 in den Collected Stories erstmals erschienen. Die Qualität macht die Geschichte wohl auch eher zu einem Sammlerstück als einem Meisterstück. Sie ist aber ein spannender Schritt zwischen den Jugendgeschichten aus der Berkeley Gazette und den professionellen Geschichten.
    Diese drei Magazine lassen sich in guter Qualität leicht zu einem kleinen Preis finden, lassen sich also bei Wunsch leicht in die Sammlung aufnehmen.
    Die bibliographischen Informationen sind auf der Seite der Kurzgeschichten nach Quelle zu finden.

    Samstag, 26. September 2015

    Kurzgeschichten in Nicht-SF-Zeitschriften

    Nicht alle Kurzgeschichten von Philip K. Dick sind in reinen Science Fiction Publikationen und nicht alle sind in Büchern erschienen.
    Es gibt - mindestens - drei Erscheinungen von Kurzgeschichten ausserhalb des Genres in Zeitschriften. Diese sind teilweise nicht einfach zu finden und stellen eine gewisse Herausforderung für den Sammler dar.
    Der Bunker von Philip K. Dick
    X-Magazin 11/1970 enthält die Kurzgeschichte Der Bunker
    Bereits im Jahr 1970 erschien in der November-Ausgabe (#11) im X-Magazin die Kurzgeschichte Der Bunker, im Original Foster, you're dead. Diese Geschichte ist mit zwölf Erscheinungen die wohl am häufigstens erschienene Kurzgeschichte von Dick; später ist sie im Deutschen unter dem Titel Foster, Du bist tot erschien. 1970 war das erst die zweite Veröffentlichung der Geschichte, die Erstveröffentlichung war 1967 in Heynes Anthologie 8 Science Fiction Stories, die in guter Erhaltung auch schwer zu finden ist. Die Geschichte passt (natürlich) zum Magazin, in den Zeit waren Atomkraft und Atomwaffen ein viel diskutiertes Thema. Das X-Magazin ist ungefähr 1973 im bild der wissenschaft aufgegangen; mehr zur Geschichte des Magazins findet sich dort auch im Archiv. Danach scheint das X-Magazin ziemlich vergessen zu sein, es gibt nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag.
    Das Kulturmagazin Lettre International, Winter 1990, enthält die
    Kurzgeschichte Entdecker sind wir auf einer Doppelseite 
    Wirklich schwer zu finden ist die Winter-Ausgabe (#11) der Zeitschrift Lettre International von 1990. Herausgegeben von Frank Berberich erscheint seit 1980 Lettre International in vierteljährlichen Ausgaben ist [Lettre] ein interdisziplinäres intellektuelles Forum und sieht sich keiner politischen Programmatik verpflichtet. Die Zeitschrift erscheint in Übergrösse, daher passt die Kurzgeschichte von Dick auch auf zwei Seiten (82-83). Auf der Doppelseite ist auf den Randspalten auch eine kurze Bibliographie der Werke Dicks. Abgedruckt ist die Kurzgeschichte Entdecker sind wir, im Original Explorers We. Auch diese Kurzgeschichte erscheint hier nicht in Erstausgabe, aber immerhin das erste mal unter diesem Titel: Die Erstausgabe erschien 1965 in Band 14: Im Dschungel der Urzeit der Heyne-Auswahl-Reihe The Magazine of Fantasy and Science Fiction unter dem Titel Rückkehr vom Mars.
    Playboy 12/1999 (Dezember)
    Playboy 12/1999, ebenfalls mit einer Kurzgeschichte
    von Philip K. Dick Dick
    Die Übersetzung von David Eisermann ist ein Vorgriff auf die Haffmans Ausgabe, daher ist das Copyright der deutschen Übersetzung auch 1991 bei Haffmans.
    Die letzte Zeitschrift schliesslich ist wohl weit bekannt: Der Playboy erscheint in Deutschland seit 1972. In seiner Dezember-Ausgabe (#12) von 1999 ist Der Fall Rautavaara abgedruckt, im Original Rautavaara's Case. Diese Kurzgeschichte ist ein der letzten, die von Dick erschienen sind, erst 1980 und damit die letzte, die noch zu Dicks Lebzeiten erschien. In Deutschland ist sie in zehn Ausgaben erschienen. Diese Geschichte ist nicht aus dem US-Playboy übernommen. In der Dezember-Ausgabe von 1980 war aber die Kurzgeschichte Frozen Journey erschienen.
    Der Playboy sowohl der deutsche als auch US-Ausgaben) ist leicht und in bester Erhaltung bei den üblichen Anbietern zu finden, da er viel gesammelt wird, aber auch günstig, weil er in grosser Auflage erscheint.
    Eine komplette bibliographische Auflistung aller auf Deutsch erschienen Kurzgeschichten gibt es auch in diesem Blog.

    Samstag, 19. September 2015

    Die Struktur der Sammlung

    Wenn man sammelt, so muss man sich, früher oder später und meist auch immer wieder, entscheiden, was man genau sammelt und damit auch, wie man seine Sammlung einteilt.
    Für die Sammlung, die das Werk eines Autoren, also Philip K. Dick zum Thema hat, ergeben sich daraus erst einmal drei Gebiete:
    • Romane 
    • Sammlungen, die sich ausschliesslich oder überwiegend mit Dick beschäftigen
    • Anthologien
    Die Romane von Dick teilen sich in Science Fiction und Mainstream auf. Diese Bereich ist recht klar und übersichtlich, auch wenn einzelne Varianten und abweichende Auflagen erst mal erkannt werden müssen. Bei 37 Science Fiction Romanen gibt es, wenn man Varianten mitzählt, ungefähr 110 deutsche Ausgaben, sowie sechs Roman-Sammelbände. Von den neun Mainstream Romanen gibt es nur genau acht Ausgaben, da noch nicht alle übersetzt sind.
    Der Bereich der Sammlungen teilt sich ebenfalls in zwei Bereiche. Zum einen die Geschichtensammlungen, die ausschliesslich Kurzgeschichten von Dick beinhalten, selten auch andere Texte; in diesem Bereich fallen z. B. die Gesamtausgaben Sämtliche 118 SF-Geschichten von Haffmans und Zweitausendeins, aber auch Heftausgaben wie Eine Handvoll Dunkelheit von Moewig (1963). Man kann hier noch die Anthologien unterscheiden, die direkt aus dem Englischen übernommen sind und solche, die auf Deutsch zusammengestellt sind. Zum anderen gibt es Reader, auf Deutsch wenig elegant Lesebücher. Diese enthalten, wie geschildert, neben originären Texten von Dick auch Sekundärliteratur und von Dick inspirierte Prosa anderer Autoren. Auch dieser Bereich ist grundsätzlich recht aufgeräumt und kommt auf etwas 33 Bücher, wenn man die fünf Bände der Sämtliche 118-SF Geschichten einzeln zählt.
    Den letzten Bereich bilden einzeln publizierte Geschichten in Anthologien und anderem. Dieser Bereich ist deutlich spannender, weil er sehr unübersichtlich ist. Am einfachsten ist die Menge der reinen Science Fiction Anthologien, die meist thematisch orientiert einzelne Geschichten von Dick aufnehmen. Es gibt auch einige Anthologien, die nicht Science Fiction orientiert sind, z. B. die diversen RABEn von Haffmans. Dazu kommen einige wenige Schul- und Lehrbücher.
    Am spannendsten wird der Bereich bei den Veröffentlichungen in Zeitschriften, Heften und Fan-Magazinen, Fanzines. Das reicht vom Munich Round Up aus den 60ern über den Playboy bis zur Kulturzeitung Lettre International.
    In diesem Bereich habe ich etwa 100 Einträge, hier ist die Wahrscheinlichkeit einzelne Ausgaben übersehen zu haben - und daher auch noch Entdeckungen zu machen! - sicher am grössten. Ausserdem sind die Fanzine-Ausgaben meist nur sehr schwer bzw. praktisch unerhältlich.
    Ein weiterer Bereich, den man deutlich schwerer abgrenzen kann, ist die Sekundärliteratur.
    • Monographien
    • Einzelne Artikel
      • in Büchern
      • in Heften und Zeitschriften
      • in Fanzines
    Der erste Bereich der Monographien, also einzelnen Bücher über Philip K. Dick bzw. sein Werk, der durchaus übersichtlich ist, gehört sicher in eine Sammlung und bereitet weniger Probleme. Hierzu gehören Sutins Göttliche Überfälle und Robinsons Die Romane des Philip K. Dick. Der Bereich der Artikel wirft vielerlei Fragen auf, so z. B. wieviel Dick in einem Artikel sein muss, damit er hier zuzurechnen ist. Spannend ist dieser Bereich aber, weil es hier regelmässig Neues zu finden gibt und das Suchen und Aufspüren noch eine deutliche grössere Rolle spielt als bei der Primärliteratur. 

    Als durchaus spannende, wenn auch kleine Erweiterung der Sammlung sei hier noch das Genre der Recursive Fiction kurz erwähnt. Hier handelt es sich um Erzählungen anderer Autoren, in denen Philip K. Dick als Figur auftritt; im weiteren Sinne kann man noch stark von Dick beeinflusste Werke dazuzählen.
    Schliesslich muss wohl noch der Bereich Film und Fernsehen und das zugehörige Merchandising erwähnt werden. Die verschiedenen Verfilmungen von Dick, allen voran natürlich der Blade Runner, haben zu einer Flut von sammelbaren Artefakten geführt. Angefangen mit Büchern zum Film, Fortsetzungen, Drehbüchern, Postern, Aushangfotos über VHS, DVD, Laser Disc und Blue Ray Ausgaben in vielen Varianten bis zu einer unübersehbaren Flut von Modellen, T-Shirts und beliebigen anderen Objekten ist dieser Bereich sicher spannend; mir erschliesst er sich nicht, obwohl ich einigen Druckerzeugnissen dann doch nicht widerstehen konnte.
    Zur Übersicht noch mal zusammengefasst - die Zahlenangaben sind natürlich abhängig von der subjektiven Kategorisierung.
    • Romane 
      • Science Fiction (37 Romane in 110 Ausgaben)
      • Mainstream (9 Romane in 8 Ausgaben)
    • Sammlungen, die sich ausschliesslich oder überwiegend mit Dick beschäftigen
      • Sammlungen (16)
      • Gesamtausgabe (10 + 5 Bände)
      • Reader (4)
    • Anthologien 
      • Science Fiction Anthologien (47 + 13 Heftroman)
      • andere Anthologien (16)
      • Schul- und Lehrbücher (1 + 8)
      • Hefte und Zeitschriften (11)
    • Sekundärliteratur
    • Recursive und ähnliches (12)
    • Film & Merchandising (∞)
      • Bücher, Bildträger, ...
    Ich werde die einzelnen Kategorien, soweit das noch nicht passiert ist, später noch genauer betrachten.

    Samstag, 12. September 2015

    Lesebücher

    Eine kleine Kategorie sind die Reader, was sich etwas unelegant mit Lesebuch übersetzt. In der Science Fiction taucht diese Kategorie öfter auf; meist handelt es sich um Anthologien, also Sammlungen von Geschichten zu einem Thema. Ein Reader enthält darüber hinaus aber meist noch Sekundärtexte und orientiert strenger an einem Thema, so sei die Definition zumindest hier - recht willkürlich - gewählt. Ein Philip K. Dick Reader wird sich also am Thema Philip K. Dick orientieren, aber nicht nur Geschichten von Dick enthalten, sondern auch weitere Texte, die sich mit ihm befassen.
    In dieser Kategorie gibt es, nach der gewählten Kategorisierung, vier Bücher. Drei davon sind massgeblich das Werk von Uwe Anton, wohl dem wichtigsten Protagonisten von Dick in Deutschland. Bereits 1983 ist er auf den Spuren von Dick in Kalifornien gereist und hat seine Wohnsitze aufgesucht und mit Anne Dick gesprochen - und das eine oder andere Dick-Erlebnis gehabt [Anton90a, Seite 11-12].
    Uwe Anton (Autogrammkarte) inmitten einiger seiner Werke, hier der
    drei Philip K. Dick Reader.
    Der Name von Uwe Anton ist - abgesehen von Perry Rhodan - hauptsächlich mit dem Heyne Verlag verbunden, wo er nicht als Herausgeber, sondern auch als Übersetzer gewirkt hat. Trotzdem ist das erste Buch bei Corian in der Edition Futurum im Jahre 1984 herausgekommen: Die seltsamen Welten des Philip K. Dick, ein Titel der sich natürlich an Dicks Die seltsamen Welten des Mr. Jones anlehnt. Der Band enthält neben Kurzgeschichten, Essays, Interviews auch eine umfangreiche Bibliographie nicht nur der Romane, sondern auch der Kurzgeschichten und deren deutsche Ausgaben. Für die Kurzgeschichten ist das so später wohl nie wieder passiert.
    1990 ist dann von Anton bei Heyne Willkommen in der Wirklichkeit erschienen. Auch dieser Band enthält zumindest eine Kurzgeschichte von Dick und Einführungen von Anton und Paul Williams, darüber hinaus aber ausschliesslich Kurzgeschichten deutscher und amerikanischer Autoren, in denen Dick mehr oder weniger direkt eine Rolle spielt, sei es als Kendrick in Antons titelgebender Geschichte oder als Philip K. in Michael Bishops Die Verwandlung, eine Kurzgeschichte, die bereits 1975 erschienen ist. Antons Titelgeschichte wurde 1991 sogar in Münster als Tanztheater aufgeführt.
    Eine Spur Wahnsinn von Luchterhand (1996)
    Als drittes Buch von Uwe Anton ist 1996 Kosmische Puppen und andere Lebensformen bei Heyne herausgekommen. Hier versammelt Anton zusätzlich zur Erst- und bisher einzigen Ausgabe des Kurzromans Kosmische Puppen zehn Erzählungen und drei klassische Essays von Dick sowie das Metz-Interview von Anton und Werner Fuchs. Das Interview wird hier vollständig genannt und die beiden vorherigen Veröffentlichungen (in der Science Fiction Times 146 und Nova 2001 1/2) Auszüge. Trotzdem kommen die genannten sechs Stunden Interview nur auf 32 Seiten (möglicherweise liegt in einem Schrank noch ein Band oder ein Transkript, aus dem sich ein paar weitere Seiten ergeben würden). In der Tat gibt es ziemlich viel Material, das auf Interviews mit Dick basiert, aber auch das sei separat erzählt.
    Nicht bei Heyne, aber ebenfalls 1996, ist bei Luchterhand Eine Spur Wahnsinn von Michael Nagula erschienen. Zu fünf Kurzgeschichten von Dick und zwei kürzeren Artikeln kommt noch das längere Interview von Charles Platt mit Philip K. Dick.
    Die bibliographischen Details der Bücher lassen sich auf der Verlagsseite zu Heyne bzw. den Einzelausgaben finden.
    Der Web-Tipp ist dieses mal die Tonaufnahme des Interviews von Platt mit Dick.

    Samstag, 5. September 2015

    Mitbringsel

    Vor einigen Jahren habe ich in einem Forum, vielleicht auch Cal Godots untergegangener Philip K. Dick Discussion List (obwohl das dort eher untypisch wäre, es ging dort praktisch nie um das Thema Sammeln) einen Beitrag gelesen, in dem der Autor eine weitere Ausgabe des Blade Runner in einer neuen Sprache bekommen hatte. Diesen Gedanken habe ich einige Zeit mit mir herumgetragen und dann irgendwann auch mal eine ausländische Ausgabe (billig) erworben, es war wohl eine niederländische. Obwohl ich das Ziel, ein Buch von Dick in jeder (verfügbaren) Sprache zu besitzen, nicht sehr konsequent verfolge, ist der Sommerurlaub doch immer eine Möglichkeit, die Sammlung zu erweitern. Es hat sich dabei auch herausgestellt, dass der Blade Runner das am leichtesten erhältliche Buch ist.
    Katalanische Ausgabe von Philip K. Dicks
    Do androids dream of electric sheep?
    So ist mir in Barcelona Els androides somien xais elèctris? (2009) in die Hände gefallen. Offenbar gibt es eine Einführung und eine kurze Bibliographie der wichtigsten Werke von Dick, die ursprüngliche Widmung an seine Schwiegermutter Maren Bergrud und die Zeilen von Yeats sind aber ersetzt durch eine Widmung an Tim und Serena Powers; diese geänderte Widmung findet sich aber auch bei einigen neueren englischen Ausgaben von Ballantine. Über die Widmung, die wirklich zum Buch gehört, habe ich vorher schon geschrieben.
    Els androides ist natürlich - und das macht es ein bisschen besonders - nicht die spanische Ausgabe, die ich eigentlich im Buchladen (Case de Libro, eine Kette, am Passeig de Gràcia) gesucht habe, sondern eine unerwartete Ausgabe auf Katalan! Und es gibt sogar noch mindestens eine andere katalanische Ausgabe, was bei weiterem Nachdenken dann weniger verwundert: Man ist sehr stolz in Katalonien, auch auf seine Sprache.
    Da beim Sammeln ein Katalog hilft, habe ich bisher ziemlich sicher Übersetzungen in über 30 Sprachen gefunden. Einige davon sind relativ leicht zu bekommen, andere eher schwierig. Hier ist es, anders als für die meisten deutschen und englischen Ausgaben, tatsächlich nicht so einfach die Bücher überhaupt zu finden, selbst im Internet findet man nicht ohne weiteres eine Ausgabe in Serbisch, die überhaupt nur noch antiquarisch zu bekommen ist. Wenn man seinen Urlaub also nicht nach fehlenden Dick-Ausgaben organisieren will oder kann, so muss man doch im Netz fichen. Und selbst wenn diese fremdsprachigen Ausgaben in den üblichen Katalogen angeboten werden, sonst sind sie dort nicht einfach zu finden: Bei einer Suche mit "Philip K. Dick" gehen sie in der Menge der englischen und deutschen Ausgaben unter, "Serbisch" z. B. steht meist nicht in der Beschreibung, auch "Serbian" nicht. Hier hilft, ausser viel Geduld, eher das Herkunftsland als Filter, abebooks z. B. bietet das an.
    Japanische Ausgabe von Dicks Do 
    Androids Dream of Electric Sheep?
    Und hier noch eine sehr aktuelle Errungenschaft, die ich unwillig beim hässlichen Hund gekauft habe - der Preis war zu gut, um das vorübergehen zu lassen und die Qualität dann überraschend gut. Eine japanische Ausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep? (Tōkyō: Hayakawa Shobō, 1977), アンドロイドは電気羊の夢を見るか? (Andoroido wa denkihitsuji no yume o miruka?), die man wohl in den USA und teilweise in Grossbritannien einfach bekommen kann, die man aber meist - auch durch das Porto - teuer bezahlen muss. Die Ausgabe, obwohl eine kleinformatige Taschenbuchausgabe, hat einen Schutzumschlag mit buntem Motiv, passenderweise einem Schaf, und wird, aus deutscher Sicht, "von hinten nach vorne gelesen".
    Eine gute Informationsquelle für internationale Ausgaben ist der hier schon früher erwähnte WorldCat, in dem viele Bibliotheken ihre Kataloge zur Verfügung stellen. Für internationale Ausgaben ist diese Quelle unschlagbar, da es die Seiten auf Deutsch (und Englisch) gibt; bei einer finnischen Bibliothek möchte man nicht wohl eher nicht direkt suchen müssen. WorldCat bietet 27 Sprachen an, auf pkdickbooks, das allerdings nach Ländern organisiert ist und nur begrenzte bibliographische Informationen liefert, finden sich weitere vier. Es gibt aber auch noch weitere Sprachen, z. B. Thai.

    Samstag, 29. August 2015

    Folio

    The Man in the High Castle
    im Schuber
    Illustration aus The Man
    in the High Castle
    Vor einigen Tagen traf ein - neuerlicher - Impulskauf ein. Ich suche gelegentlich nach Neuigkeiten und fand einen Artikel über eine Neuausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle bei The Folio Society. Interessanterweise findet sich diese Ausgabe (noch) nicht bei Amazon - oder sonst irgendwo. The Folio Society verkauft offenbar exklusiv über den eigenen Laden in London und übers Netz. Auch wenn das Wort auf den Seiten vermieden wird, so ist The Folio Society letztlich ein Buchclub. Und wie andere Buchclub-Ausgaben in den USA, Grossbritannien und auch Deutschland, so werden auch diese Ausgaben exklusiv vertrieben - und tragen daher auch keine ISBN.
    The Folio Society bemüht sich um sehr aufwendige Sammlerausgaben und ist deshalb kein gewöhnlicher Buchclub. Bemerkenswert sind an dieser Ausgabe die Illustrationen von Shan Jiang, die wirklich sehr ästhetisch sind. Weiterhin gibt es ein Vorwort von Ursula K. Le Guin, die Dick kannte (sie gingen auch zur selben Zeit in dieselbe Schule, haben sich dort aber offenbar nie getroffen). Das Vorwort ist offenbar für diese Ausgabe geschrieben (es gibt auch ein Vorwort zu einer anderen Folio-Ausgabe von ihr) und es ist auf scheinbar sonst nirgends erschienen.
    Die aktuelle (2015) Folio-Ausgabe von The Man in the High Castle von
    Philip K. Dick
    Wie es sich für eine Sammlerausgabe gehört, ist das Buch aufwändig verarbeitet: Im Schuber und mit blauem Leineneinband, buntem Kapitalband, auf dickem Papier und im schönen Layout ist es sein Geld sicher wert, auch wenn (mir) das Lesebändchen fehlt. Allerdings will man auch als Sammler nicht zu viele neue Sammlerausgaben, zumindest nicht, wenn die eigenen Ressourcen beschränkt sind.
    Die englische Originalausgabe von The Man in the High Castle ist erstmals 1962 erschienen und hat 1963 den Hugo Award gewonnen. Das war ein grosser Durchbruch für Dick. Nach Blade Runner gehört es - auch international - mit rund 30 englischen Ausgaben zu den meist verlegten Werken Dicks.
    Die deutsche Erstausgabe
    von Das Orakel vom Berge
    vom König Verlag (1973)
    Auf Deutsch gibt es acht Ausgaben von Das Orakels vom Berge. Nach der ersten Ausgabe 1973 im König Verlag, folgen, wie berichtet, zwei unveränderte Ausgaben mit jeweils zwei veränderten Titelbildern bei Bastei-Lübbe in den Jahren 1980, 1982 und für die zweite Ausgabe 1989, 1992.
    Das Orakel vom Berge von Heyne
    2000 folgte dann eine Neuübersetzung in der Allgemeinen Reihe bei Heyne, die um einige begleitende Texte grosszügig erweitert ist. Zunächst ist das ein Vorwort von Kim Stanley Robinson, der auch Die Romane des Philip K. Dick (Shayol, 2005), ein absolutes Standardwerk, geschrieben hat und daher ein guter Kenner der Materie ist. Am Ende des Buches findet sich ein Anhang mit einer Einführung von Wolfgang Jeschke. Es folgt eine Seite Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen und dann das Fragment einer Fortsetzung des Romans, zwei Kapitel von insgesamt 2 Seiten. Dieses Fragment ist mit 1974 datiert und im Original erstmals in The Shifting Realities of Philip K. Dick (Pantheon, 1995) erschienen; offenbar sonst nicht wieder. Die Texte stammen offenbar aus der bereits vorher hier erwähnten Special Collections in Fullerton, einem - leider nicht mehr vorhandenem - Nachlass von Dick.
    In der grossen Philip K. Dick-Edition von Heyne erscheint die nächste Ausgabe in rotem Einband 2008 auf 349 Seiten, das ist eine Seite mehr als die vorige Ausgabe. Trotzdem enthält sie nur das Vorwort von Robinson, nicht die Fortsetzung. Das ist gerade für eine Dick-Edition natürlich schade.
    Das Orakel vom Berge
    bei Fischer (2014)
    Die letzte, aktuelle Ausgabe von Fischer in der Klassik-Reihe (2014) hat dann wieder nur den blanken Text, ohne Vorwort und Anhang auf 271 Seiten.
    Interessant ist noch die Widmung; König und Bastei-Lübbe setzen dem Buch An Ernst Jünger für "Auf den Marmorklippen" voran, Heyne und dann Fischer jedoch Für meine Frau Tessa und meinen Sohn Christopher, in tiefer Liebe. Die zweite Widmung hat auch die Folio-Ausgabe: To my wife, Tessa, and my son, Christopher, with great and awful love. Es gibt auch Ausgaben mit der eigentümlichen Widmung To my wife Anne, without whose silence this book would never have been written; immerhin war Dick mit Anne zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verheiratet, Tessa hat er erst zehn Jahr später kennengelernt. Warum man die Widmung hier geändert hat, darüber kann man nur spekulieren. Offenbar folgen die deutschen Ausgaben aber den amerikanischen, einen tiefen politischen Sinn sollte man also nicht vermuten - und Änderungen der Widmungen passieren öfter; dazu aber später einmal mehr. Trotzdem muss man sagen, dass die Widmung an Ernst Jünger dem Buch fehlt, da sie wohl auch einen inhaltlichen Bezug aufzeigt.
    Aktuell ist dieser Roman (natürlich) - und man darf annehmen, dass auch The Folio Society davon motiviert wurde - weil Amazon das Buch als Miniserie verfilmt. Die Pilotfolge ist ja bereits verfügbar, ebenso ein Trailer für die erste Staffel, die im Herbst erscheint; man wird sehen, wann es die entsprechenden DVDs geben wird - falls man diese für seine Sammlung möchte oder man kein Amazon Prime Kunde ist und man trotzdem in den Genuss der Serie kommen möchte.
    Weniger bekannt ist sicher die Hörspielversion, die der bayerische Rundfunk 1982 unter dem Titel Schmetterling mit Hakenkreuzen produziert hat, die aber nicht erhältlich ist - man muss warten, dass sie mal wieder im Radio läuft (letztmalig wohl 2013), philipkdick.de weiss mehr dazu.
    Zum Weiterlesen - und gewissermassen als Kreuzungspunkt von Dick und Jünger - kann man
    Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten von Christian Kracht betrachten: Ein Roman über einen alternativen Verlauf des 1. Weltkrieges. Dabei hat Dick den Alternativwelt-Roman nicht erfunden, schon 1953 gab es Ward Moores Der grosse Süden