Samstag, 14. September 2019

Zeit aus den Fugen - ein Schaupiel

Das Plakat zu Zeit aus den Fugen
Ein Stück von Philip K. Dick im Theater zu sehen, ist ein ganz neues Erlebnis. Auch wenn es andere Bearbeitungen von Dicks Stoffen für die Bühne gibt, sind sie doch selten. Und die Qualität der Aufführung von Zeit aus den Fugen ist ausserordentlich, so wie man es von einem deutschen Staatstheater auch erwarten kann.
Vor ausverkauftem Haus hatte Zeit aus den Fugen unter der Regie von Laura Linnenbaum am 13. September Uraufführung im Schauspielhaus Hannover, einer der Spielstätten des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover.
Der Text des Stückes von Laura Linnenbaum und der Dramaturgin Johanna Vater hält sich sehr eng an das Original, natürlich gekürzt, aber selbst im Detail so genau am Text, dass sich manchem Zuschauer nun vorher unzugängliche Dinge im Roman erklären. Das Zusammentreffen mit den Kesselmans im einsamen Haus auf dem Hügel bleibt aber auch im Stück rätselhaft (für mich). Erst das Ende weicht deutlich vom Roman ab, es gibt keine Fahrt im LKW und keine merkwürdigsprachigen Zukunftsteenager, Linnenbaum und Vater schneiden Dicks Ende ab und ersetzen es durch ein recht plakatives Ende als Kommentar zur aktuellen politischen Situation.

Samstag, 7. September 2019

Die lustigsten Pinguin-Pannen

Die Philip K. Dick Ausgaben von Penguin gehören zu den von mir besonders gesuchten Exemplaren. Zusätzlich zu einem britischen Konvolut, dass ich, wie berichtet, kürzlich erwerben konnte, habe ich beim gleichen Anbieter noch die erste britische Ausgabe von The Man in the High Castle bei Penguin gekauft – hauptsächlich, um Porto zu sparen.
Die Ausgaben von Penguin sind in der Regel schlecht erhalten – es handelt sich um die billigen Paperbacks, nicht die etwas besseren Trade Paperbacks, das Papier ist billig, der Einband einfach – und die Ausgaben von Dick sind alt. Um so schöner also, dass diese Ausgabe – insbesondere für üblicherweise notorisch zerfledderte Penguin Bücher – doch sehr schön erhalten ist (eigentlich perfekt, bis auf den hässlichen Knick im Einband). Und immerhin ist das Buch von 1965 … oder nicht?
The Man in the High Castle von Penguin
mit Max Ernsts Die versteinerte Stadt
Die Rückseite mit dem Bild von Ted White
und dem falschen Namen des Umschlagbildes

Samstag, 3. August 2019

Nicht nur Sex ...

Etwas irreführendes Titelbild von Chris Foss für die britischen Ausgabe von We Can Build You von Grafton von 1986, auf Deutsch zuletzt übersetzt als Die Lincoln-Maschine beim Heyne Verlag (2007)
Am Schluss müssen Bücher verkauft werden. Ohne Verkauf kein Geld für den Verlag und wenn der Verleger nichts verdient, kriegt auch der Autor nichts. Und welche Rolle Geld für einen Autoren spielt, kann man in vielen Briefen von Philip K. Dick nacherleben – es geht oft um Tantiemen: Tantiemen, um die sich Dick betrogen fühlt, von seinen Verlegern oder auch von der Sowjetunion, Tantiemen, die zu spät ausgezahlt werden, Tantiemen, die nicht reichen. Letztlich ist man als Autor selbstständig, ein (oft) sich selbst ausbeutender Unternehmer. Und so sehr man von der Umwelt als freier und unabhängiger Künstler wahrgenommen wird, Frauen und Kinder müssen Essen.

Samstag, 27. Juli 2019

Bulgarisch

Ich musste nun nach Sofia fliegen, um endlich auch eine bulgarische Ausgabe von Philip K. Dick zu kaufen. Obwohl Bulgarien als EU-Mitgliedsstaat eigentlich „nicht so weit weg ist“ – und natürlich bin ich auch nicht deswegen geflogen. Aber es ist wirklich schwierig von Deutschland ein entsprechendes Buch zu kaufen, weil Bulgarien eben keinen Euro hat und durch die kyrillische Schrift auch online schwer zugänglich ist – und es liegt wohl auch daran, dass es nicht so viele Ausgaben von Dick in Bulgarien gibt.
Омнибус, Sofia: Bard (2017)
Der erste Roman von Dick ist in Bulgarien 1993 erschienen, also erst nach dem Fall des eisernen Vorhangs: Das Orakel vom Berge, immerhin kein schlechter Start. Später erscheinen mit Ubik, Blade Runner, Der dunkle Schirm und Die drei Stigmata des Palmer Eldritch (2006) weitere absolute Meisterwerke des Autoren. Allerdings kommen auch Die kosmischen Puppen, Das Globus-Spiel und Der Gott des Zorns heraus – drei Romane, die im Deutschen mit einer gewissen Berechtigung nur auf eine einzige Ausgabe gekommen sind. Wir können also in Bulgarien fünf der besten und drei der eher am wenigsten guten Romane sehen. Warum bringt ein (bulgarischer) Verlag Die kosmischen Puppen heraus, wenn etwa Marsianischer Zeitsturz verfügbar gewesen wäre? Vermutlich gibt es hier kostentechnische und lizenzrechtliche Überlegungen, die sich dem unbedarften Beobachter entziehen. Der Markt hat – da kann man sich wohl sicher sein – als dritten übersetzen Roman von Dick kein eher lauwarmes Frühwerk von Dick wie Die kosmischen Puppen verlangt.
Nach 2006 ist in Bulgarien als insgesamt neunte Ausgabe von Dick erst 2017 wieder etwas erschienen: Омнибус, also Omnibus. Dieser Philip K. Dick Omnibus enthält auf 703 Seiten die zwei Romane und sechs Kurzgeschichten von Dick, die fürs Kino verfilmt worden sind:

Samstag, 20. Juli 2019

Philip K. Dick-Edition

Der Heyne Verlag hat sich in diesem Blog als wichtigster deutscher Verlag für Philip K. Dick einen zweiten Beitrag nach dem vorigen verdient. Auch wenn die Anzahl der Beiträge von Heyne zum Thema Dick in der letzten Zeit deutlich nachgelassen hat.
Einen herausragenden Platz hat die Philip K. Dick-Edition von Heyne, gelegentlich auch als Werkedition bezeichnet. 2002 begonnen, wurde diese wohl als umfassende Gesamtausgabe geplante Serie 2008 nach (nur) 16 Bänden abgebrochen; zwei weitere Bände waren schon angekündigt, sind aber nie erschienen, dazu mehr hier in diesem Blog.
Verantwortlich für die Edition war Sascha Mamczak, der seit 2002 als Nachfolger des grossen Wolfgang Jeschke bei Heyne die Science Fiction betreut.
Mamczak hat sich für die Edition einige Neuübersetzungen geleistet, z. B. für Eine andere Welt, oder bestehende Übersetzungen von Alexander Martin überarbeiten lassen. Er hat auch mehrere Vor- und Nachworte geschrieben oder lässt andere Dick-Kenner zu Wort kommen wie Paul Williams und Jonathan Lethem. Für die Herausgabe und das Lektorat der Reihe hat er 2006 den Kurd-Laßwitz-Preis erhalten.
Bei der äusseren Gestaltung hat Heyme sich von den typischen Science Fiction Umschlagbildern absetzen wollen und ein schlichtes, einfarbiges Design gewählt – einfarbig pro Band natürlich, gemeinsam sind die Bände recht bunt (das war auch im Regal der Buchhandlung gut zu sehen). Ein Regenbogen, wie bei Mariner, war wohl nicht beabsichtigt – dazu passt auch nicht das Schwarz von Nach der Bombe.
Weiterhin haben die Bände eingefalzte Klappen mit Autorenfoto und einem kurzen Portrait (hinten) und Werbung für die Reihe (vorne). Der Titel ist auf dem Umschlag in Silber leicht erhaben gedruckt, das führt leider gelegentlich zu Problemen, da das Silber leicht abgerieben wird. (Bände ohne silbernen Titel sind daher durch Abrieb beschädigte Exemplare, keine seltenen Fehldrucke.)
Eine erste Auflage mit der
„Wimpel“ oben links
Keine erste Auflage (hier eine 3.)
mit dem Schriftzug oben links
Bemerkenswert sind einige der Auflagen. Mir selbst ist es sehr lange entgangen, dass es Varianten bei den Umschlägen gibt: Einige Exemplare zeigen auf Vorderseite oben links und auf dem Rücken das alte Verlagslogo, der ausgefüllte „Wimpel“ mit dem Verlagsnamen, andere haben das neue Logo, den Schriftzug HEYNE gefolgt von einem „Zacken“ (der das alte Logo „aufnehmen“ soll).