Samstag, 10. November 2018

The Fifth Annual Philp K. Dick Film Festival

Nach einigen vergeblichen Anläufen habe ich es dieses Jahr endlich geschafft, beim European Philip K. Dick Film Festival in Köln dabei zu sein, ein Erlebnis, das ich nicht bereue.
Das wunderschöne Filmplakat zum European Philip K. Dick Science 
Fiction Film Festival - Colone am Kino 813 in der BRÜCKE
Schon in der vorigen Woche, am 1. und 2. November, fand die deutsche Ausprägung des European Philip K. Dick Festivals im Rahmen von zweimal zwei Abendveranstaltungen in Köln statt. In der Woche davor, am 25. und 26. Oktober, hat die französische Variante, das Festival de Science-fiction Philip K. Dick à Lille, stattgefunden. Diese europäische Variante der US-amerikanischen Veranstaltung hat 2013 ihren Anfang in Lille gefunden - natürlich in Frankreich, denn dort liebt man Philip K. Dick. Der Kölner Filmclub 813 hat sich jetzt zum dritten mal hier in Deutschland diesem Film Festival angenommen. Auch in Rotterdam und in Łódź haben in den vergangenen Jahren Veranstaltungen stattgefunden.
In den USA findet das Festival seit 2012 (fast) jährlich statt, deshalb sind wir dort jetzt beim sechsten Festival. Die Webseite des Festivals wendet sich schon dem nächsten Jahr zu, wenn das siebte Festival in Santa Ana stattfinden wird, dem Ort, an dem Dick die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte.
Im Kino 813 in der Brücke  wurden dann an zwei Abenden fast dreissig Kurzfilme gezeigt, die sich mehr oder auch viel weniger mit Dicks Motiven beschäftigt haben.
Dan Abella, der amerikanische Gründer und Director des Festivals hat gemeinsam mit dem lokalen Veranstalter Tobias Schmücking vom Kölner Filmclub 813 die Zuschauer zu jedem Block begrüsst und eine kurze Einführung in Leben und Werk von Philip K. Dick gegeben und über die Bedeutung und Ziele des Film Festival gesprochen.
Tatsächlich waren dann, wie angekündigt, relativ viele Filme auf Deutsch. Einige der Filmemacher waren auch anwesend, naturgemäss überwiegend die Deutschen. Diese konnten nach jedem Block über ihre Filme reden und eine kurze und trotzdem faszinierende Diskussion mit Fragen aus dem Publikum war möglich.
Einige der Filme konnte ich nicht mit Dick in Verbindung bringen, alle Filme zusammen aber haben ein schönes Gesamtbild ergeben, das sich durchaus nach Philip K. Dick nennen darf. Eine kleine Auswahl der Filme werde ich in diesem Blog in einem zweiten Eintrag in der nächsten Woche betrachten.
Mein Gesamturteil: Sehr grosse Vorfreude auf das nächste Jahr! Und der kaum erfüllbare Wunsch, es vielleicht im Frühjahr nach Santa Ana zu schaffen. Für den Sammler hat diese Veranstaltung zwar zunächst wenig zu bieten, selbst das Ticket war zum Selbstausdrucken. Aber so kann man einfach nur geniessen und die harte Wirklichkeit des Sammelns für einen flüchtigen Augenblick hinter sich lassen. Und schliesslich hat sich doch noch etwas ergeben ... aber auch dazu in der nächsten Woche mehr.
Und natürlich ein grosser Dank an Dan, Tobias, Thomas, John, Willi und alle anderen für die zwei wunderbaren Abende mit euch!

Samstag, 27. Oktober 2018

Paul William in NRW

Zwei Objekt, die ich nur der Sorgfalt meines Antiquariats verdanke, sind zwei Ausgaben des Fantastischen Forums. Diese Hauszeitschrift des Aktionskreises Fantastik erscheint von 1990 bis mindestens zur Nummer 17 im Jahre 1998. Im Format A5 wirkt sie wie ein besseres Fanzine, die Beiträge heben sich in der Qualität aber unbedingt von denen der Egozines der Zeit ab. So enthält Ausgabe 5 von 1991 Beiträge von Erik Simon, u. a. bekannt als Strugatzki-Kenner und Übersetzer, und dem britischen Science Fiction Schriftsteller Ian Watson.
Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, eine Beilage des
Fantastischen Forums 5 von 1991
Wirklich spannend für den Sammler von Philip K. Dick ist aber das der Nummer 5 beigelegte aufwändige Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW in Düsseldorf im Jahr 1991. Es enthält das Essay Das Leben eines SF-Schriftstellers von Philip K. Dick, im Original Tips for a Beginning Writer von 1964 und den Text Philip K. Dick ist seit zehn Jahren tot. Was höchst bedauerlich ist! von Paul Williams. Dieser letzte Text ist wohl nicht auf Englisch erschienen. Die Tips sind unter verschiedenen Titeln erschienen, ungekürzt wohl nur in der PKDS Newsletter 26 (1991) unter dem Titel The Life of an S-F Writer - und hier auf Deutsch. Gekürzt ist der Text 1964 im Fanzine Galactic Outpost in der Nummer #3 (Sommer) erschienen, auch wenn Williams in der Einführung meint, es wäre die #2 (Frühjahr); diese deutlich gekürzte Fassung ist auch in PKD Otaku #33 nachgedruckt.
Diese Beiträge erklären sich dadurch, dass Paul Williams Teilnehmer der 4. Science Fiction Tage in NRW war und dort über Dick vorgetragen  und die Artikel wohl mitgebracht hat. Enthalten ist deshalb auch der Artikel Über Paul Williams (und Philip K. Dick), ein Autor ist nicht genannt. Dort steht über Williams Mitwirken an den SF-Tagen:
Paul Williams wird auf den 4. Science Fiction-Tagen über Dicks Faszination von Deutschland und der deutschen Sprache reden, die er während Dicks High School-Zeit begann und sein Leben und Bücher in manch überraschender Weise beeinflusste. Er wird ebenfalls an einem Panel teilnehmen und sein Bestes geben, um Fragen über Dick zu beantworten. Es ist schade, daß Philip K. Dick nicht mehr unter uns ist, um auf dieser Convention zu sein, aber Paul Williams wird tun, was er kann, um Dicks Geheimnis ein wenig zu lüften.
Der Text lässt vermuten, dass Williams ihn selbst geschrieben hat. Der Verweis Dicks Beziehung zu Deutschland ist spannend und es ist mehr als schade, dass der Vortrag wohl komplett verloren gegangen ist. Man kann vermuten, dass er auf Williams unveröffentlichtem Manuskript Philip K. Dick's Romance with Germany basiert.
Erstaunlicherweise lassen sich einige Nummern des Fantastischen Forums noch erwerben - für sehr wenig Geld beim erwähnten Antiquariat, Twilight Books. Hier wurden diese beiden Ausgaben nämlich mit dem Schlagwort Philip K. Dick angeboten, ich hätte sie sonst nie finden können. Es finden sich nämlich sonst im Internet oder der mir verfügbaren Literatur keine Spuren von diesen Veröffentlichungen und daher auch keine Verweise auf die drei Beiträge von und zu Dick bzw. Williams. Ich frage mich, wie viel Spannendes von Dick mir wohl entgeht und beklage hier wieder einmal die Bedrohung und mutmasslich auch den Massenverlust von Szene-Veröffentlichungen dieser Art, das spurlose Verschwinden unendlich vieler Ausgaben Fanzines, Egozines, und Clubzeitschriften mit grossenteils einmaligen Veröffentlichungen. Ich sehe hier fast keine Rettungsaktivitäten.
Der Web-Tipp ist dieses mal der Treffpunkt Phantastik, ein kluger und aktueller Blog, der sich als Tummelplatz deutschsprachiger Sekundärliteratur zur phantastischen Literatur sieht und der auch gelegentlich Fanzines et al. behandelt. Philip K. Dick kommt (fast) nicht vor, das ist wohl ein Hinweis darauf, dass es wenig deutschsprachige Sekundärliteratur über ihm gibt.
Die bibliographischen Details zu den Artikel oben finden sich auf den Seiten Essays und anderes (nach Quelle) und Sekundärliteratur nach Autoren hier im Blog. Und mehr zur Ausgabe 6 des Fantastischen Forums im nächsten Blogeintrag.

Samstag, 20. Oktober 2018

Bibliographien

In den Zeiten vor dem Internet war der Aufbau einer Sammlung in vielen Belangen weitaus schwieriger. Schon der Aufbau eines Katalogs war aufwändig und kompliziert. Für die eigene Sammlung musste er mühsam und langwierig aufgebaut werden, mit Hilfe von Informationen aus veröffentlichten Büchern, öffentlichen Bibliotheken und Buchhandlungen, wobei letztere allerdings ihre Kataloge lieferbarer Bücher als Betriebsgeheimnis lieber geheim gehalten haben und der Wunsch auf Einblick meist empört abgelehnt wurde - als quasi-Monopolist durch Preisbindung konnte man sich das leisten (... so ändern sich die Zeiten).
Philip Kindred Dick - Metaphysical Conjurer (1995)
Seltener noch war Sekundärliteratur zum Thema, weil sie in der Regel noch schwieriger zu finden war.
Im englischen Sprachraum gab es schon 1981 eine erste selbstständige Bibliographie zu Philip K. Dick von Daniel J. H. Levack: PKD: A Philip K. Dick Bibliography, aufwändig bebildert erschienen bei Underwood-Miller, wo später erst die legendären Collected Stories und dann die so wichtigen Selected Letters erschienen sind. Einzigartig ist diese Bibliographie, weil Dick selbst daran mitgearbeitet hat. Und weil dieses Buch natürlich ein Liebhaberstück ist, gibt es die Auflage von 1100 Exemplaren auch in diversen Varianten, mit rotem und grünen Cover, Soft- und Hardcover, und auch einige (200 oder 233) signiert. Und natürlich ist diese Bibliographie damit selbst ein attraktives und teilweise teures Sammlerstück geworden.
Ein ähnliches Werk ist das zuerst 1986 herausgegeben von Gordon Benson Jr. und in späteren Auflagen gemeinsam mit Phil Stephensen-Payne in zwei Bänden herausgegebene Philip Kindred Dick: A Working Bibliographywobei der zweite Band die sonst weniger beachtete Sekundärliteratur katalogisiert. Ebenfalls rein bibliographisch ist Christopher P. Stephens' A Checklist of Philip K. Dick von 1993, das im Rahmen einer umfangreichen Reihe über verschiedene Autoren herausgekommen ist.
Die beiden Bände von Precious Artifacts, zwei reine Bibliographien
der Werke von Philip K. Dick, erschienen bei Wide Books (2012/2014)
Der neueste Vertreter dieser Reihe ist Precious Artifacts von Wide Books (2012, 2014), das in zwei Bänden und auch aufwändig bebildert, alle Ausgaben der Romane bzw. Kurzgeschichten listet. David Hyde und Henri Wintz publizieren hier in ihrem eigens für Publikationen über Philip K. Dick gegründeten Verlag die bibliophile Erweiterung von The Philip K. Dick Bookshelf. Beide Bände sind in begrenzter Auflage als Hardcover und (unbegrenzt) als Print-on-Demand erschienen, die Hardcovers sind nur noch (selten) antiquarisch erhältlich und selbst Sammlerstücke. Ähnliche Werke für andere Sprachen sind bei Wide Books im Gespräch, eine deutsche Ausgabe wäre sicher mehr als spannend - man muss sich aber die traurige Frage stellen, ob es dafür einen (ausreichenden) Markt gibt. Der Autor dieses Blogs wäre natürlich dabei!
David Hyde hat als Lord RC bereits 2006 das für jeden Sammler unverzichtbare Pink Beam: A Philip K. Dick Companion veröffentlicht, das über eine rein bibliographische Aufzählung hinausgeht und die Publikationsgeschichten auch der sehr frühen Werken genau untersucht.
Erwähnt werden können hier noch zwei verwandte Werke, Andrew M. Butlers Philip K. Dick und Kim Stanley Robinsons The Novels of Philip K. Dick. Beide beschäftigen sich mit umfassend mit den Romanen, aber nur sehr am Rande mit bibliographischen Details. Bemerkenswert ist, dass Robinsons Werk auch als deutsche Übersetzung Die Romane des Philip K. Dick als Taschenbuch bei Shayol (2005) herausgekommen ist.
Ebenfalls (auch) auf Deutsch ist ein Werk, das sich einer Klassifikation entzieht und sicher nicht bibliographisch ist, trotzdem (irgendwie) in diesen Blogeintrag gehört: Appendix Dick von Tommi Bremm - und wer dieses sensationelle Buch nicht kennt, lese hier.
Lässt man Robinsons und Bremms Bücher, die einen durchaus anderen Charakter haben, zur Seite, so gibt es keine selbstständige deutschen Bibliographie, auch in anderen Sprachen konnte ich nichts entdecken.
Es gibt einige unselbstständige Bibliographien, die auch deutsche Veröffentlichungen umfassen. Jenseits allgemeiner Lexika, die meist gewisse bibliographische Informationen enthalten, sind wohl Uwe Antons Beiträge die umfassendsten. Mit der Dick-Bibliographie in den Materialen (1976) und in der Science Fiction Times (06/1984) bereitet er dann den umfassenden Eintrag im seltenen Entropie und Hoffnung, Tilsner (1993), vor. Kapitel 11 ist eine Auflistung deutscher und englischer Ausgaben und von Sekundärliteratur und erreicht mit 50 Seiten leicht den Umfang der selbstständigen angelsächsischen Veröffentlichungen.
Heute ist der grosse Nutzen reiner Bibliographien kaum noch zu verstehen, früher waren sie sehr wertvolle Hilfen, auch für Fans und Sammler. Aber auch heute enthalten diese Werke, auch die älteren, Informationen, die sich im Internet gar nicht oder nur sehr schwer und weit verstreut finden lassen. Die meisten dieser Werke sind schwer zu finden oder teuer - oder auch beides. Selbst die deutsche Ausgabe von Shayol scheint selten geworden zu sein. Einfach sind nur noch die verschiedenen Print-on-Demand-Ausgaben zu finden, die zwar weniger sammelbar sind, aber trotzdem Platz in jeder Sammlung finden sollten.
Ein netter Blog "nebenan" ist Popturf, dessen Idee es ist pop cultur location from movie, literature, tv & more zu beschreiben. Und natürlich konnte auch unser Phil einem (sehr umfangreichen) Eintrag nicht entkommen. Unbedingt guckenswert.
Eine Bibliographie der Bibliographien, die des öfteren selbst in verschiedenen Auflagen und Ausgaben erschienen sind, findet sich - natürlich - auch in diesem Blog.

Samstag, 13. Oktober 2018

Noch mehr Pinguine

Tux, hier nur zu Besuch
Penguin hat sich seit dem letzten Blogeintrag darüber zu einem Schwerpunkt in der Sammlung entwickelt, vielleicht, weil die Portomauer nach UK nicht so hoch ist und bestimmt auch, weil es bei Penguin so viele Ausgaben zu einem Schwerpunkt meiner Sammlung, The Man in the High Castle, gibt.
Die letzte Ausgabe von Penguin (2015) von
The Man in the High Castle
Der aktuelle Zugang zum Thema war auch wieder eine britische Ausgabe von Das Orakel vom Berge. Diese neueste Ausgabe, auch schon von 2015, bezieht sich mit dem Cover direkt auf die Serie von Amazon. Man sieht Juliana mit der Filmrolle und im Hintergrund den Obergruppenführer John Smith als drohende Gestalt. Sowohl Filmrolle als auch John Smith sind Elemente, die es im Roman nicht gibt. Und eine Angabe, wer das Cover gestaltet hat, gibt uns Penguin auch nicht.
The Man in the High Castle mit Cover von Cleon Peterson
Penguin (2014) mit dem
Cover von Cleon Peterson
und dem Zusatz NOW AN
AMAZON ORIGINAL
SERIES
In jedem Fall hat Penguin mit dieser neunten Ausgabe des Romans seinen Rekord ausgebaut - kein anderer Verlag hat so viele Ausgaben des selben Romans von Philip K. Dick herausgebracht, wie Penguin The Man in the High Castle.
Ein Grund für diese letzte Ausgabe ist natürlich die Serie von Amazon. Im Jahr vorher, 2014, gab es bereits eine neue Ausgabe, zumindest eine Ausgabe mit einem neuen Cover von Cleon Peterson. Ursprünglich hatte diese Ausgabe wohl keinen Bezug zur Serie, der wurde dann aber wohl durch die Überschrift NOW AN AMAZON ORIGINAL SERIES kurzfristig dezent hinzugefügt, wie das Bild hier zeigt. Das Original, ohne diesen Blurb, kann man in einem Blogeintrag bei It's Nice That sehen und ein wenig darüber lesen, wie solche Cover eigentlich entstehen.
Angabe der Auflage bei Penguin, hier die vierte Auflage (004)
Mir ist nicht klar, ob es so eine Ausgabe ohne Hinweis auf die Amazon-Serie wirklich gibt, das wäre dann natürlich eine relevante Variante.
Das hier gezeigte Exemplar ist scheinbar eine vierte Auflage bzw. print, zumindest interpretiere ich die kleine 004 so. Leider ist es schwierig eine frühere Auflage zu finden, da bei Angeboten von Taschenbüchern dieser Art die Angabe der Auflage in der Regel fehlt und die Plattformen meistens ein Beispielbild einspielen. Fast kein Anbieter wird bei einem sehr billigen Taschenbuch sein eigenes Bild hinzufügen. Und die Beispielbilder sind unzuverlässig, es kann sich dabei durchaus um frühe Versionen des Covers handeln, die der Verlag in Voranzeigen benutzt hat, die dann aber tatsächlich in dieser Form nie in den Handel gekommen sind. Dafür gibt es zahlreiche andere Beispiele. Man muss also regelmässig in der Bucht fischen und dort auf ein Angebot von einem Privatanbieter mit Originalbild hoffen.
Hinzuzufügen bleibt, dass es bei Penguin auch vier Anthologien gibt, die Kurzgeschichten von Dick enthalten:
  1. Final Stage (1975)
  2. Constellations: Stories of the Future (1983) beim Imprint Puffin Plus
  3. Machines That Think: The Best Science Fiction Stories About Robots and Computers (1985)
  4. Spells of Enchantment: The Wondrous Fairy Tales of Western Culture (1992) bei Penguin US
Ich erinnere hier noch mal an den Web-Tipp The Art of Penguin Science Fiction aus dem vorigen Blogeintrag zu Penguin einfach weil die Seite so gut ist. Fehlen tut dort nur die eine Anthologie, die bei Penguin US herausgekommen ist.
Ebenfalls sei hier noch mal darauf hingewiesen, dass man beim Kauf von Penguin Taschenbüchern mit unterdurchschnittlicher Erhaltung rechnen muss. Ein sonst gutes Exemplar ist bei Penguin schon aussergewöhnlich.
Der neue Web-Tipp ist die Seite von Christopher Harris, einem britischen Autoren, der ein wenig darüber erzählt, wie Philip K. Dick ihn beeinflusst hat.

Samstag, 6. Oktober 2018

The Man in the High Castle 2018 (Season 3)

Gestern, am 5. Oktober, ist die dritte Staffel vom The Man in the High Castle mit zehn neuen Folgen auf Amazon angelaufen. Erwähnenswert ist es, dass es eine dritte Staffel gibt und das sich schon die Ankündigung des Datums der Veröffentlichung sehr lange hingezogen hat. Die Fans mussten lange warten. Eine besondere Bemerkung verdient auch die Tatsache, dass bereits vor der Veröffentlichung auch schon die vierte Staffel angekündigt wurde. Tatsächlich ist jetzt auch gleich die deutsche synchronisierte Version verfügbar, deutsche und internationale Fassung starten also erstmalig bei dieser Serie gleichzeitig. Das verdanken wir vermutlich der langen Anlaufzeit.
Das Orakel vom Berge in einer französischen Ausgabe von 2013
Le Maître du Haut Château, die französische Übersetzung von The Man in the High Castle,
in der Ausgabe von J'ai Lu aus dem Jahr 2013
Mit Philip K. Dick und seinem Roman Das Orakel vom Berge hat die Serie nicht mehr sehr viel zu tun. Sie hilft aber sicher die Popularität von Dick zu erhöhen - und natürlich dabei, dass viele neue Ausgaben von The Man in the High Castle in vielen Sprachen herauskommen.
The Man in the High Castle - Das Orakel
vom Berge
, Fischer (2017)
Der Roman ist immer noch nur der am zweit meisten übersetzte Roman von Dick mit den zweit meisten Ausgaben - mit 28 Sprachen (zusätzlich zu Deutsch und Englisch) und knapp 140 Ausgaben (natürlich ist Do Androids Dream of Electric Sheep? bzw. Blade Runner die Nummer eins mit 30 Sprachen und 170 Ausgaben).
Wenig überraschend hat der Roman im Ausland, wo man bezüglich nationalsozialistischer Ikonographie weniger sensibel ist, oft entsprechende Motive für die Umschlagbilder der Romane gewählt, seien es Hakenkreuze oder Hitlers. Die deutschen Ausgaben haben das weitestgehend vermieden, die aktuelle Fischer Ausgabe zeigt den Reichsadler, vermeidet aber das Hakenkreuz, das der zeitgenössische Reichsadler sonst üblicherweise im Eichenkranz trägt. So wird das in Deutschland auch anderweitig, z. B. im Modellbau gehandhabt, das ist eine gute Übung und vermeidet auch gesetzliche Schwierigkeiten.
Deutsche Ausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle
Das Orakel vom Berge, Heyne (2000)
Die Heyne Ausgabe von 2000 mag beim Umschlagbild nicht ganz auf einen direkten Bezug zum Dritten Reich bzw. dessen Personal verzichten. Das kann man unterschiedlich bewerten. Ansonsten handelt es sich aber sicher um die schönsten deutsche Ausgabe des Romans. Der Band aus der Reihe Meisterwerke der Science Fiction hat ausser einem klugen Vorwort von Kim Stanley Robinson auch einen Anhang mit einer knappen Vorbemerkung von Uwe Anton, Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen und Die beiden vollständigen Kapitel einer geplanten Fortsetzung zu Das Orakel vom Berge von Dick. Das gibt es so nur in dieser Ausgabe. Dick selbst hat sich später offenbar so geäussert, dass er die Fortsetzung des Romans nicht habe schreiben können, weil ihn die Schilderung der schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialisten, mit denen er sich sehr eindringlich beschäftigt hatte, zu sehr mitgenommen haben, um einen weiteren Roman darüber zu schreiben. Das ist sicher nicht der schlechteste Grund. Und die Serie kommt auch ohne weitere literarische Vorlage aus - und kann trotzdem unterhaltsam bleiben. So lange Dicks literarisches Erbe gut bewahrt ist, wird ihm eine Serie bei Amazon nicht schaden und vielleicht sogar seine Popularität weiter fördern.
Mehr zum Orakel vom Berge gibt es hier im Blog, z. B. hier. Einen Überblick über alle deutschen Beiträge in Film, Funk und Fernsehen, gibt es hier auch.

Samstag, 8. September 2018

Kroatisch

Ferien, Sommer, Sonne, Kroatien! Kroatien ist ein beliebtes Ziel deutscher Urlauber - und es gibt in Kroatien einige Ausgaben von Philip K. Dick in der Landessprache.
Auf Kroatisch: Ubik und Čovjek u visokom dvorcu, der deutsche
Titel ist Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick
Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass es nicht so leicht ist, festzustellen, was von Dick überhaupt auf Kroatisch erschienen ist. Es ist nämlich kein kleines Problem kroatische von serbischen Texten zu unterscheiden - über das Serbische wurde in diesem Blog auch bereits berichtet. Die Probleme bei der Abgrenzung des Kroatischen vom Serbischen entspringen natürlich der Entwicklung dieser Sprachen bzw. - laut Wikipedia linguistisch korrekt - diesen zwei Standardvarietäten des südslawischen Zweigs der slawischen Sprachen, die massgeblich von den politischen Verhältnissen auf dem Balkan beeinflusst ist.
Bis zur Unabhängigkeitserklärung Kroatiens von 1991 war Serbokroatisch die Amtssprache. Zur Unterstützung der eigenen nationalen Identität ist man seitdem bemüht, das Kroatische klar vom als zuvor aufgezwungen wahrgenommene Serbischen bzw. Serbokroatischen abzusetzen. Man kann vermuten, dass auch die baskische und katalanische Ausgabe letztlich aus ähnlichen, eben politischen Motiven heraus entstanden sind.
Ich habe nun für die Systematik in meinem Katalog den Entschluss gefasst, dem Kroatischen - zumindest vorerst - nur die Ausgaben nach 1991 zuzurechnen. Der erste ins Kroatische übersetzte Roman ist somit wohl Oko Na Nebu [Eye in The Sky] im Sammelband Monolith 001. Die Bibliotheken führen dieses Werk online (meist) als Kroatisch. Die neueste Ausgabe, Das Orakel vom Berge, ist auf Kroatisch Čovjek u visokom dvorcu, aus diesem Jahr und unzweifelhaft in kroatischer Sprache: Der serbische Titel von 1977 ist Čovek u visokom dvorcu. Dazwischen liegen vier weitere kroatische Romane - die erstklassigen Romane Blade Runner, Der dunkle Schirm und Ubik und das dagegen wohl deutlich abfallende Deus Irae - und dazu immerhin drei Sammlungen von Kurzgeschichten, sowie zahlreiche in verschiedenen Magazinen und Anthologien einzeln veröffentlichte Geschichten. Auf der Balkanhalbinsel sind Kurzgeschichten offenbar noch beliebt.
Für den Aufbau einer Sammlung in diesem Bereich helfen auf jeden Fall Sprachkenntnisse, die Unterscheidung von serbischen und kroatischen Ausgaben ist eben schwierig. Immerhin wird Kroatisch ausschliesslich mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Kroatische Ausgaben, auch antiquarische, sind über das Internet eigentlich leicht zu finden - und auch erhältlich, allerdings wir es dann recht mühsam mit den Bedingungen für Zahlung und Versand. Aber Kroatien ist immer eine Reise wert und die aktuelleren Titel sind dort im Buchhandel noch erhältlich. Und wenn man nicht selber fahren kann, hat man vielleicht eine nette Kollegin, die dort in ihrem Urlaub ein Buch besorgen kann.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich wie immer hier im Blog.

Samstag, 1. September 2018

Französisch

Frankreich! Das Land, das Philip K. Dick am meisten geliebt hat. Und dieser Satz gilt wohl in beiden seiner Bedeutungen. Kurzgeschichte und Roman sind in Italien vor entsprechenden Ausgaben in Frankreich erschienen und es gibt dort auch insgesamt mehr Ausgaben, aber die Liebe der Franzosen zu Dick erscheint doch grösser zu sein als die der Italiener - oder auch die der Deutschen. In jedem Fall wird diese Zuneigung von Dick mehr erwidert. Frankreich und Metz spielen in seinen Äusserungen immer wieder eine grosse Rolle. Er erzählt immer wieder vom 2eme Festival International de la SF de Metz im September 1977 und schreibt auch regen Briefverkehr mit Frankreich. Dick plante wohl bis zu seinem Tod eine weitere Reise nach Frankreich (mit - wohl, möglicherweise - einem Abstecher nach Deutschland).
Die Gründe für diese Verehrung durch die Franzosen sind sicher vielfältig. Es mag nicht nur daran liegen, was Dick geschrieben hat, sondern auch an der politischen Situation, vorhanden war sie auf jeden Fall. Mehr dazu nachlesen lässt sich im Artikel Dick in France: A Love Story von Roger Bozetto in Science-Fiction Studies #45 (1988). Dick wurde zu einer Kultfigur für französische Intellektuelle, an Fachbereichen für englische Literatur blieb er dagegen eher unbekannt.
Die erste französische Veröffentlichung war, wie üblich, eine Kurzgeschichte, hier Le sacrifié, auf Deutsch Entbehrlich [Expendable] im März 1954. Als erster Roman erscheint Les Mondes Divergents auf Deutsch Und die Erde steht still [Eye in the Sky] im Jahr 1959.
Insgesamt sind mehr als 215 Ausgaben der Science Fiction-Romane, 55 Ausgaben von Kurzgeschichtensammlungen und 23 Ausgaben aller neun Romane erschienen, weiterhin 15 Sammelbände und natürlich viele Kurzgeschichten in allgemeinen Anthologien.
Ubik in französischer Übersetzung, UGE (1999)
Heute erscheint Dicks Werk (überwiegend) beim renommierten Verlag Gallimard, auch das zeigt den hohen Stellenwert, den Dick in Frankreich hat. Und nur in Frankreich wird Dick auf französisch publiziert, ich konnte keine französischen Ausgaben aus Belgien oder anderen Ländern finden.
Französische Bücher sind in Deutschland problemlos zu erhalten. Da auch Antiquariate und private Verkäufer (sehr) günstig nach Deutschland versenden - und das Bezahlen dank SEPA gar kein Problem mehr ist - sind dem Sammeln französischer Ausgaben auch in Deutschland keine Grenzen gesetzt. Und es gibt sehr viel zum Sammeln!
Eine umfangreiche französische Bibliographie findet sich bei nooSFere und im auch sonst recht aktiven Blog dickien.fr; und es gibt auch noch viel mehr - und vielleicht sogar bessere - französische Webseiten zu Philip K. Dick, diese beiden sind mir jedoch immer wieder begegnet und vor allem derzeit auch noch am Leben.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich natürlich auch hier im Blog.

Samstag, 18. August 2018

Easton

Manchmal führt auch der längere Weg schneller zum Ziel. Bei der Suche nach skandinavischen Ausgaben, Norwegen ist noch eine markante Lücke in der Sammlung, bin ich über eine sehr - wirklich sehr! - günstige Easton-Ausgabe gestolpert, der ich dann - wie sollte es anders sein - nicht widerstehen konnte.
Das Kaufen im Ausland ist unterschiedlich schwierig. Für Skandinavien ist antikvariat.net eine seriöse Adresse mit einem grossen Angebot, der man seine Kreditkarten anvertrauen mag. Dort habe ich, bei einem norwegischen Antiquariat, die erste Auflage Easton-Ausgabe von The Man in the High Castle zu einem wirklich guten Preis gefunden, eher zufällig - ich war eigentlich auf der Suche nach einer norwegischen Ausgabe des Buchs. Man muss wissen, dass die Easton-Ausgaben nicht billig sind. Easton Press bietet Luxusausgaben von populären Büchern an, typisch ist der Ledereinband und der mit 22 karätig vergoldete Schnitt.
The Man in the High Castle mit Collector's Notes
Philip K. Dick: The Man in the High Castle, Easton Press (1988) in braun mit Collector's Notes
Von Philip K. Dick gibt nur drei Ausgaben bei Easton Press. Die erste Auflage von The Man in the High Castle ist von 1988, seltener und deutlich teurer ist jedoch die zweite dunkelgrüne Auflage bzw. Ausgabe von 1995. Die teuerste der drei Ausgaben ist allerdings Do Androids Dream of Electric Sheep? von 2008.
Zu erwähnen sind noch die jedem Buch beigelegten Collector's Notes, eine einfach Seite, ohne die das Buch jedoch viel Wert verlieren würde - man sollte also angesichts der notwendigen Investition sicherstellen, dass diese Notes nicht fehlen.
Mir hat diese Anschaffung trotz günstigem Preis ernsthaft das Budget angegriffen, der geplante Angriff auf Penguin wird sich also noch noch einmal etwas verzögern. Und eine norwegische Ausgabe von Dick fehlt noch immer.
Es gibt noch weitere Verlage, die solche Luxusausgaben herausbringen, so etwa Gregg Press und Folio Society. Die deutschen Ausgaben von Edition Phantasia kann man damit nicht vergleichen, da diese zwar auch teuer und selten sind, Edition Phantasia aber durchgängig deutsche Erstausgaben herausgebracht hat, Easton und die anderen aber immer nur bestehende Ausgaben neu aufgelegt hat.
Eine andere Plattform für skandinavische Bücher, auf der auch sehr viele englische Ausgaben auftauchen, ist Bokbörsen. Man findet dort aber auch dänische und wohl auch norwegische Ausgaben.

Samstag, 4. August 2018

Heyne, unvergessen, unvermeidlich

Erst kürzlich, bei der Durchsicht älterer Blogeinträge, ist mir aufgefallen, dass ich den für Philip K. Dick, wohl für die Science Fiction insgesamt wichtigsten deutschen Verlag überhaupt, bisher ausgelassen habe: den Heyne Verlag.
Der Heyne Verlag wurde knapp 70 Jahre nach seiner Gründung und Selbstständigkeit 2001 zuerst von Axel Springer übernommen und ist nach einer weiteren Übernahme heute Teil der Random House Verlagsgruppe, die 2001 auch Luchterhand übernommen hat, ein Verlag der auch einen (kleinen) Beitrag (2 Bücher) zur Sammlung beigetragen hat.
Die erste Ausgabe eines Romans von Dick bei Heyne ist Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von 1971, noch in Lizenz vom Marion von Schröder Verlag, die leider letzte Ausgabe von Dick ist der Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz von 2009, letzteres ist eines von zwei Büchern, das derzeit auch noch beim Verlag erhältlich ist.
Dazwischen sind über 80 Einträge im Katalog, so viele wie von keinem anderen deutschen Verlag. Allerdings ist da nicht nur die Primärliteratur, Romane, Sammlungen und Reader und Anthologien, die einzelne Kurzgeschichten enthalten, sondern auch Sekundärliteratur und anderes bis hin zu Kuriosa. Darunter sind einige Erstveröffentlichungen und ein paar Singles, die nur einmal herausgekommen sind.
Herauszuheben ist das 1990 von Uwe Anton herausgegebene Willkommen in der Wirklichkeit: Die Alpträume des Philip K. Dick.  Es ist das einzige Buch in meinem Katalog, dessen deutsche Ausgabe es ins Englische geschafft hat, unter dem Titel Welcome to Reality: The Nightmares of Philip K. Dick. Das beinhaltet Kurzgeschichten mit eher sperrigen Titeln wie Philip K. Dick Is Dead and Living Happily in Wuppertal von Ronald M. Hahn, im Original natürlich Philip K. Dick ist tot und lebt glücklich und zufrieden in Wuppertal-Vohwinkel. Dieses Buch ist m. E. für eine Sammlung relevant, obwohl es nur eine Kurzgeschichte von Dick enthält, weil es eine einmalige Sammlung von Meta-SF zu Philip K. Dick ist. Und deshalb ist es wohl auch zur Übersetzung gekommen. Man darf vermuten, dass der Herausgeber beim Entstehen dieser Sammlung eine herausragende Rolle gespielt hat.
Philip K. Dick herausgegeben von Uwe Anton
Die zwei bemerkenswertesten Ausgaben von Dick beim Heyne Verlags,
beide herausgegeben von Uwe Anton: Willkommen in der Wirklichkeit
und der Reader Kosmische Puppen und andere Lebensformen
Erwähnen kann man auch noch die Anthologie Kosmische Puppen und andere Lebensformen von 1986, die bisher einzige deutsche Ausgabe von Cosmic Puppets. Dicks Novelle ist ergänzt um eine Auswahl von Kurzgeschichten und - wichtiger - einigen Essays von und über Dick, die wir sonst wohl nicht auf Deutsch gesehen haben. Dabei ist auch Dicks If You Find This World Bad, You Should See Some of the Others, auf Deutsch Wenn Sie glauben, diese Welt sei schlecht, sollten Sie einmal ein paar andere sehen. Auf Englisch ist dies erst 1991 in der PKDS Newsletter und 1995 in den Selected Writings erschienen.
Insgesamt spiegelt die Relevanz von Heyne für Philip K. Dick die Bedeutung von Heyne für die Science Fiction in Deutschland insgesamt dar, insbesondere um die goldenen 80er Jahre herum. Jenseits von den Aktivitäten von Uwe Anton ist nicht wirklich ein Plan zu sehen, den gibt es erst mit der Philip K. Dick Werk Edition.
Was es für den Sammler bei Heyne leicht macht (auch wenn man das als Sammler vielleicht gar nicht immer will) ist es, dass die Ausgaben bei Heyne alle sehr sorgfältig ausgezeichnet sind. Saubere ISBNs, die Auflage ist im Impressum angegeben, es gibt aber zwischen den Auflagen sonst keine Abweichungen, es gibt (zumindest im Umfeld von Dick) gar keine versteckten Abweichungen usw., Heyne ist einfach zu sammeln.
Praktisch alles von Heyne zu Philip K. Dick ist verfügbar und auch bezahlbar - und das gilt wohl auch über Dick hinaus, zumindest im Bereich der Science Fiction. Selbst die frühesten Science Fiction Ausgaben sind sehr bezahlbar erhältlich. Heyne stellt hier keine hohen Ansprüche an Sammler, nur auf die Erhaltung und Remittenden-Stempel sollte man achten.
Alles von und zu Philip K. Dick bei Heyne, inklusive dem Inhalt des von Uwe Anton herausgegebenen Readers findet sich auf dieser Seite im Blog.

Samstag, 7. Juli 2018

Русский язык - oder auch: Russisch

Eine russische Ausgabe von Deus Irae
Господь Гнева, im Original Deus Irae, in der zweiten
von sechs russischen Ausgaben von 2003 bei Eksmo
Russisch ist eine weit verbreitete slawische Sprache, die überwiegend, aber eben nicht nur in Russland gesprochen wird. Die zweifelsfrei erste Veröffentlichung von Philip K. Dick im russischen Sprachraum war bereits im April 1958 die Kurzgeschichte Der Bunker in der sowjetischen Zeitschrift Ogonek, man kann mehr darüber in diesem Blogeintrag nachlesen.
Erst 1970, noch in sowjetischer Zeit, folgten die Erinnerungen en gros [We Can Remember It For You Wholesale] und dann in den 80er Jahren etwa ein halbes Dutzend weitere Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. Auch der erste Roman, Der Dunkle Schirm [A Scanner Darkly], wird in einer Zeitschrift, Junost' (Юность) das ist zu deutsch Jugend, als Fortsetzung in drei Teilen im Jahr 1989 (in den Ausgaben 4 bis 6) publiziert - zumindest in Auszügen: Die Inhaltsangaben zeigen insgesamt nur 38 Seiten für den Roman an, das erscheint recht wenig für einen vollständigen Abdruck zu sein, zumal die Ausgabe auch illustriert ist.
In der Endphase der Sowjetunion, in den Jahren 1990 und 1991, werden zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht, 1992 in Russland dann zahlreiche Sammelbände mit Dicks wichtigsten Werken wie Ubik, DADoES, Die drei Stigmata des Palmer Eldritch und Das Orakel vom Berge.
Es sind dann in der Folge alle Romane von Dick auf Russisch herausgekommen, inbegriffen die Mainstream-Romane. Nicht erschienen sind nur die Sämtlichen Erzählungen, nur einige Sammlungen von Kurzgeschichten - offenbar sind Kurzgeschichten (zumindest die von Dick) in Russland weniger beliebt.
Auffällig ist, dass sehr viele Sammelbände gibt, die bis zu fünf Romane enthalten. Und es gibt auf Russisch sehr viele Hardcover-Ausgaben und nur wenige Taschenbücher des Paperback Writers Dick.
Aber wie einleitend schon angedeutet, russische Veröffentlichungen sind nicht auf Russland begrenzt. Es gibt einzelne russische Ausgaben auch aus Weissrussland und Lettland, aber auch aus der Ukraine und Estland, obwohl in den beiden letztgenannten Ländern auch Veröffentlichungen in der jeweiligen Amtssprache herausgekommen sind, schon länger in Estland, erst kürzlich in der Ukraine.
Eine sehr, sehr schöne und offenbar (fast) vollständige Bibliographie aller russischer - und einiger anderer - Ausgaben findet sich hier, allerdings auf russisch; dank dem Google-Übersetzer ist das aber (fast) kein Problem mehr.
Mein Dank gilt hier dem genannten Google-Übersetzer und auch 5goldig.de, dem kostenlosen Online-Transliterations-Zeichen-Translator: Danke!
Und zum Abschluss, wie immer: Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 23. Juni 2018

Lange nicht gesehen


Im Zeitalter des Internets sind für den Sammler von Science Fiction Literatur, auch der von Philip K. Dick, fast alle gewünschten Ausgaben fast jederzeit verfügbar. Das gilt so meist auch für die teuren Ausgaben, denn der hohe Preis belebt den Markt. Begrenzender Faktor ist hier nur die Verfügbarkeit von Geld. Bei den wirklich seltenen Exemplaren gibt es zwei Kategorien: Die sehr teuren, bekannten und legendären Sammlerausgaben, die aus verschiedenen Gründen selten, knapp und teuer sind, frühe gebundene Erstausgaben zumeist. Bei Dick sind das im Deutschen einige Ausgaben von Edition Phantasia und im Englischen etwa der umbenannte The Philip K. Dick Omnibus von Gollancz (nicht der etwas weniger seltene von Sidgwick & Jackson).
Deus Irae von Sphere (1979)
Deus Irae von Philip K. Dick und Roger Zelazny in einer
zumindest weniger häufigen Ausgabe von Sphere
Es gibt aber auch die heimlichen Raritäten, Ausgaben, denen man nicht ansieht, das sie schwer zu finden sind, bei denen nichts darauf hinweist, wie schwer sie zu finden sind.
Ein solche Ausgabe ist mir jetzt wohl ins Netz gegangen. Als ich diese, in der Sammlung noch fehlende Ausgabe von Deus Irae gesehen habe, war sie wegen ihres günstigen Preises (Versand aus Deutschland!) sowieso schon interessant. Diese spezielle Ausgabe von Sphere aus dem Jahr 1979 (laut Precious Artifacts, das Impressum sagt Published ... 1978), ist allerdings nach meinen persönlichen Erfahrungen ziemlich selten, vielleicht sogar ausserordentlich selten. Selbst Bilder davon sind im Internet schwer zu finden, The Philip K. Dick Bookshelf hat eines, bei der Internet Speculative Fiction Database fehlt die Ausgabe aber ganz.
Tatsächlich ist es nicht leicht, einen Preis für solche Ausgaben zu ermitteln. Es gibt wenig Fundstellen über Preise im unteren Preissegment - über hohe Preise finden sich gelegentliche Nennungen im Internet, wie z. B. Auktionsergebnisse. Die Bibliographien machen in der Regel wenig Aussagen. Nur in Precious Artifacts finden regelmässig Aussagen über sehr hohe Preise, aber auch seltene Exemplare. Hier steht über Deus Irae, dass both the 1978 and 1979 Sphere editions are quite rare. Für die Ausgabe von 1978 kann ich das allerdings nicht nachvollziehen, sie ist in grosser Zahl günstig erhältlich, für die von 1979 fühle ich mich bestätigt.
Ein besonderes Problem dieser Ausgabe für Sammler und Anbieter ist, dass Sphere die ISBN (0-7221-2983-1) nicht nur für die Ausgabe von 1979 verwendet hat, sondern auch für die von 1982 mit einem Titelbild von Les Edwards ("metallene Frau") und die von 1988 mit einem Titel von Peter Gudynas ("pyramide mit Auge").
Es gibt weitere vereinzelte Taschenbuchausgaben, die relativ unauffällig quite rare sind.  Ich habe, auch mit Hilfe von Precious Artifacts, für mich begonnen für einzelne Bücher Marktpreise zu ermitteln und dabei auch die Breite des Angebots betrachtet und dabei ein paar weitere Kandidaten ermittelt, nach denen ich jetzt verstärkt Ausschau halte. Insgesamt ist das aber ein recht mühsamer Prozess. Ich denke, dass für mich weitere schwierigen Ausgaben sichtbar werden, wenn die Löcher in der Sammlung weniger werden.
Die einzige deutsche Übersetzung von Deus Irae ist Der Gott des Zorns von Bastei Lübbe (1979), zwar ein Single, es gibt keine weitere Ausgabe, aber trotzdem leicht und sehr günstig zu finden - wie immer bei Büchern dieses Verlags aus dieser Zeit, hüte man sich vor Remittenden.
Ein Gefühl für die Preise, die derzeit gezahlt werden, kriegt man, wenn man auf der Bucht nach den beendeten Geboten sucht und nicht auf die Angebote, die noch keinen Käufer gefunden haben. Und das sollte man natürlich in Dicks Heimatland tun, in Deutschland ist das Angebot naturgemäss klein - und ich denke auch die Nachfrage, aber vielleicht irre ich mich ... ?
Der Vollständigkeit halber folgt hier noch ein Verweis auf Dick bei Bastei Lübbe.

Samstag, 16. Juni 2018

Im Grenzland

Auch dieser Blogeintrag bewegt sich wieder hart am Rand der Sammlung. Der Eintrag Bis wohin... und nicht weiter berichtet von Ron Goularts Roman Als alles auseinanderfiel, ein Buch, das Philip K. Dick gefiel und das damit auf dem Cover Werbung machte.
Jack Dann: Grenzland der Hölle, Moewig (1985)
Grenzland der Hölle von Jack Dann mit dem Zitat von
Dick: "Ein verwegenes, originelles, witziges Buch"
Auch dieses mal geht es um einen werbenden Blub. Jack Danns Roman Grenzland der Hölle, in der deutschen Erstausgabe bei Moewig (1985) erschienen, trägt auf dem Cover den Text Ein verwegenes, originelles, witziges Buch, ohne den Urheber dieses Urteils zu nennen. Auf der englischen Erstausgabe mit dem Titel Junction von Dell (1981) heisst es "It's daring, it's original; it's fun." - Philip K. Dick. Tatsächlich nennt die deutsche Ausgabe Dick nicht - das erscheint mir ein bisschen merkwürdig, war Dick doch 1985 sowohl beim Verlag als auch in Deutschland durchaus bekannt und werbewirksam. Vielleicht ein Fehler - nicht der erste, dem wir in diesem Blog begegnen - vielleicht gibt es einen Grund, für den eine bessere Kenntnis der geheimen Regeln der Verlagsbranche nötig ist. Nun ja.
In der zweiten deutschen Ausgabe von Grenzland der Hölle bei Moewig von 1988 ist mit dem neuen Cover das Dick-Zitat ganz verloren gegangen, ebenso wie es auf der britischen Ausgabe von 2010 fehlt.
Danns Erzählung Junction kam schon 1973 in der November-Ausgabe der Science Fiction Zeitschrift Fantastic erstmalig heraus, in der auch schon einige Geschichten von Dick erschienen waren. Sie war dann 1974 für den Nebula nominiert, hatte also sicher eine gewisse Sichtbarkeit, gerade bei Dick, dessen Romane zur gleichen Zeit des öfteren nominiert waren (aber nie gewannen). Dann hat dann die Erzählung zu einem Roman erweitert, der 1981 mit dem oben genannten Zitat erschienen ist. Mir ist nicht klar, ob Dick sich auf die Erzählung oder den Roman bezieht. Auf Danns Webseite findet man auch noch ein umfassenderes Zitat:
The late Philip K. Dick wrote that "Junction is where Ursula Le Guin’s [The] Lathe of Heaven and Tony Boucher’s The Quest for Saint Aquin meet…and yet it’s an entirely new novel, a good one, an exciting one, and even an important one….It delightfully deconstructs your notions of time and space and reality in ways I myself never thought of, but would have liked to".
Das Adjektiv late deutet eher darauf hin, dass sich der 1982 verstorbene Dick auf den Roman bezieht. An anderer Stelle, wohl auf dem Klappentext auf der Rückseite, heisst es:
Junction is where Ursula Le Guin's The Lathe of Heaven and Tony Boucher's The Quest for Saint Aquin meet... and yet it is an entirely new novel... I may very well be basing some of my future work on Junction. - Philip K. Dick
Ich konnte die Quelle dieser Zitate leider nicht aufspüren, vermutlich handelt es sich um einen Brief von Dick an Dann oder seinen Verleger. Ursula K. Le Guin und Tony Boucher waren Bekannte von Dick und Le Guins Roman, Die Geissel des Himmels, gilt als Anerkennung an Dick und wurde von ihm sehr gelobt.
Eine weitere Verbindung von Dick und Dann gibt es im Rahmen der Lem-Affäre, bei der sich Dann gegen den Rauswurf von Stanislaw Lem aus der SFWA gewandt, Dick hat hier eine (eher unschöne) Rolle gespielt. Danns Brief findet sich in den Science Fiction Studies #12 vom Juli 1977, man kann den auch online nachlesen.
Wir begegnen Dann im Katalog noch öfters. Nämlich in Kopernikus 3, Moewig (1981), das neben Dicks Der Fall Rautavaara auch Danns Ohne Netz und doppelten Boden enthält und dem entsprechenden Nachdruck in Highlights 6, Moewig (1986).
Ausserdem hat Dann gemeinsam mit Gardner Dozois eine Reihe von SF-Anthologien bei Ace herausgegeben, von denen einige auch Kurzgeschichten von Dick enthalten - die Wertschätzung war also offenbar gegenseitig. Eine dieser Sammlungen hat es unter dem Titel Aliens und andere Freunde bei Bastei-Lübbe (1983) auch ins Deutsche geschafft.
Die deutsche Ausgabe von Jack Danns Roman findet sich leicht und billig, aufpassen muss man bei den Moewig-Ausgaben der Zeit nur darauf, dass man keinen Remittenden erwischt - oder gar die Ausgabe von 1988.
Die wohl vollständigste Bibliographie von Jack Dann findet sich auf seiner Webseite, hier sind auch die Übersetzungen berücksichtigt. Zu einer frühen Anthologie (ohne Beitrag von Dick) findet sich übrigens der Satz A few copies of the first edition were published with the name “Jack Dunn” printed on the spine; this was corrected in later printings. Klingt spannend ...

Samstag, 9. Juni 2018

Filip K. Dik

Eine andere Welt, im Original Flow my Tears, the 
Policeman Said von Philip K. Dick in serbischer 
Übersetzung: Tecite Suze Moje, Rece Policajac in 
der Ausgabe von Bata & Znak sagite (1991)
In serbischer Sprache findet sich ein überraschend breites Spektrum der Werke von Philip K. Dick: Ungefähr sind das 14 SF-Romane in 29 Ausgaben, drei Anthologien, ein Band mit Essays, ein Comic, Sekundärliteratur und zahlreiche Kurzgeschichten in Zeitschriften.
Die erste Ausgabe eines Romans war schon 1977 Čovek u visokom dvorcu, die serbische Ausgabe von Das Orakel vom Berge. Dieser Roman findet sich in vielen Ländern des damaligen Ostblocks oft unter den frühesten Ausgaben Dicks in den jeweiligen Sprachen. Es folgen noch in jugoslawischer Zeit Do Androids Dream of Electric Sheep (1984), Ubik (1986) und Eine andere Welt (1988 und 1991) - also einige der besten Romane von Dick.
Beim Recherchieren nach serbischen Ausgaben stellt sich zunächst das Problem, die Sprache der Veröffentlichung zu erkennen. Das ist zwar erst mal ein Problem des Autoren dieses Textes (der gar keine slawische Sprache beherrscht, schon gar nicht Serbisch und/oder Kroatisch), es scheint aber überhaupt ein Problem zu sein - bis 1992 war Serbokroatisch eine Amtssprache von Jugoslawien. Danach wurden das Serbische und das Kroatische (über das hier im Blog noch getrennt berichtet werden wird) mehr aus politischen Gründen, denn aus linguistischen getrennt. Sucht man den Unterschied dieser Sprachvarianten, erfährt man von sozialer Wahrnehmung; mehr zu dem Thema findet sich z. B. auf Wikipedia. Das sind sicher schwerwiegende Themen, als Sammler habe ich aber ganz praktische Probleme damit. Denn auch die Schrift taugt nicht zur Unterscheidung: Obwohl in Serbien das Serbische offiziell kyrillisch geschrieben wird (aber eben erst seit 2006), kommen in der Praxis auch Bücher in lateinischer Schrift auf den Markt: Von den serbischen Dick Ausgaben ist nur eine kleine Minderheit in kyrillisch erschienen. Übrigens wird bei den lateinischen Ausgaben der Name des Autoren, als Umschrift aus der kyrillischen Schreibweise, oft Filip K. Dik geschrieben.
Nun sind Serbisch und Kroatisch aber standardisiert, die Veröffentlichungen lassen sich also verschiedenen sogenannten Standardvarietäten zuordnen, auch wenn mir das in meinen Zuordnungen nicht immer richtig gelungen sein mag. In dieser Hinsicht ist dieser Blogeintrag also eher als ein Versuch zu sehen, denn als ein Ergebnis. Nötigenfalls werde ich den Eintrag aktualisieren, wenn sich neue Erkenntnisse ergeben.
In jedem Fall setzt sich die hohe Qualität der ausgewählten Übersetzungen auch nach 1992 fort: Der dunkle Schirm, Die drei Stigmata des Palmer Eldritch und Der Irrgarten des Todes sind dabei.
Das Titelbild der hier gezeigten zweiten Ausgabe von Eine andere Welt von 1991, das später auch für die dritte Ausgabe von 1997 verwendet wurde, ist verstörend genug für einen sechsten Platz in der Liste The Weirdest Philip K. Dick Covers We Could Find.
In Deutschland sind verschiedene serbische Ausgaben über die üblichen Antiquariatsportale bezahlbar (und) bestellbar, dem Sammler stellen sich hier keine Probleme. Bestellungen direkt in Serbien stellen sich jedoch in der Regel schwierig dar.
Eine unvollständige Quelle, die aber eine grosse Zahl von einzeln veröffentlichten Kurzgeschichten nennt, findet sich hier - als erste veröffentlichte Kurzgeschichte wird 1964 Hochstapler [Impostor] genannt, das ist für ein Ostblockland bemerkenswert früh. Die Quelle liess sich allerdings nicht validieren.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich (bekanntlich) hier im Blog.

Samstag, 2. Juni 2018

Das erste mal woanders ...

In der Juli 1952 Ausgabe von Planet Stories ist Beyond Lies the Wub die erste veröffentlichte professionelle Kurzgeschichte von Philip K. Dick - allerdings war Roog seine erste, bereits 1951 verkaufte Kurzgeschichte, diese ist dann aber erst 1953 erschienen. 1955 kam dann Dicks erster Roman Solar Lottery bei Ace Books heraus. Ace brachte auch die Erstausgaben der nächsten vier Romane heraus. Das alles ist natürlich jedem Dick-Interessierten wohlbekannt - vielleicht auch, dass er vorher schon als Schüler in der Lokalzeitung einige Veröffentlichungen hatte. Aber wann sind die ersten Ausgaben ausserhalb der USA erschienen?
Auch die erste britische Ausgabe von 1955, die Original-Anthologie A Handful of Darkness (Rich & Cowan) und der erste Roman, World of Chance (ebenfalls bei Rich & Cowan), lassen sich bei der Internet Speculative Fiction Database (isfdb) schnell ermitteln.
The Defenders in der Ersterscheinung in Galaxy, Januar 1953
und auf Deutsch in Galaxis 5 bei Moewig (1958)
Ausserhalb des englischen Sprachraumes wird es deutlich schwieriger.
Die erste Übersetzung einer Kurzgeschichte scheint Los Defensores zu sein, die spanische Übersetzung von The Defenders. Im Original im Januar 1953 in der Zeitschrift Galaxy erschienen, findet man die Übersetzung in der ersten Ausgabe des argentinische Magazins Más Allá vom Juni des Jahres. Im selben Jahr folgen noch zwei weitere Übersetzungen, Colonizadores [Colony] in der November-Nummer (6) von Más Allá und El Hombre Variable [The Variable Man] in der ersten Ausgabe des Magazins Urania, erschienen im ebenfalls argentinischen Rosario.
Auch in der zweiten Sprache ist The Defenders die erste übersetzte Geschichte. Auf Italienisch erscheint I difensori am 30. Januar 1954 in I Romanzi di Urania #33Das Cover dieser italienischen Ausgabe, zu sehen ebenfalls bei isfdb, ist offenbar inspiriert vom Cover der Galaxy-Ausgabe, in der The Defenders zuerst erschien ist. Auch in Deutschland erscheint diese Kurzgeschichte als erste von Dick, hier unter dem Titel Die Verteidiger, allerdings erst im Juli 1958 in Galaxis 5 bei Moewig, einer kurzlebigen deutschen Ausgabe von Galaxy - hier jedoch mit einem gänzlich anderen Cover. Damit ist Deutschland weit hinterher, schon 1954 sind zahlreiche weitere von Dicks Erzählungen in Italien und Frankreich publiziert - und sogar in Russland erscheint schon im April 1958 eine Geschichte von Dick - auch das eine spannende Geschichte.
Griff nach der Sonne und Geheimprojekt Venus von 1962 bei
Semrau, die wohl ersten beiden Übersetzungen von Romanen
von Philip K. Dick, erschienen bei Semrau
Für die erste Übersetzung eines Romans überhaupt schlage ich Griff nach der Sonne von 1958 vor, der deutschen Ausgabe von Solar Lottery. Dieses Romanheft ist als Nummer 7 in der wohl monatlich erscheinenden Reihe Abenteuer im Weltenraum herausgekommen. Da Nummer 11 die erste Ausgabe des Jahres 1959 ist, ergibt eine Rückrechnung, dass Nummer 7 die September-Ausgabe sein sollte. Das ist zugegebenermassen etwas unzuverlässig, zumal für die Reihe auch eine vierzehntägliche Erscheinungsfrequenz genannt wird - und bei Serien dieser Art wäre auch ein unregelmässiges Erscheinen nicht ungewöhnlich. Mehr zu den Heften gab es schon hier im Blog.
Die Ausgabe Nummer 2 der Serie Abenteuer im Weltenraum verwendet übrigens das Cover der Ace-Ausgabe von Solar Lottery, allerdings hat das Heft sonst gar nichts mit Dick zu tun, es ist Ein Stern rebelliert des deutschen Science Fiction Autoren C. C. Zanta, wohl einem Pseudonym von Hanns Kurth.
Il disco di fiamma [Solar Lottery], eine sehr frühe
Übersetzung eines Romans von Philip K. Dick aus
Italien, mit kleinen Problemen beim Layout
Das Cover wird auch von der ersten italienische Ausgabe des Romans verwendet, dem sonst nächsten Anwärter auf den Titel der ersten Übersetzung eines Romans. Il disco di fiamma erscheint aber erst am 21.12.1958, wie man auf einem besseren Scan des Cover nachlesen kann. Das ist also sicher erst nach dem Griff nach der Sonne - und auch nach Geheimprojekt Venus, als Nummer 8 in der Weltenraum-Reihe erschienen. In der Disziplin Roman also Gold und Silber also für Deutschland, immerhin Bronze für Italien. Drittes Land wird dann offenbar Japan, wo die Übersetzung von Eye in the Sky im folgenden Jahr unter dem Titel 宇宙の眼  (Uchū no me) erscheint.
Erwähnen möchte ich, dass mir bei der Recherche auch die PKD Fan Group auf Facebook geholfen hat, dieser Tage wohl das aktivste Gemeinde von kundigen Fans von Philip K. Dick.
Die Ausgaben von Rich & Cowan sind nicht selten, aber auch nicht billig (sondern gehören eher zu den teuersten regulären Ausgaben, die man von Dick so kaufen kann) und von World of Chance gibt es verschiedene Varianten, die sich im Preis deutlich unterscheiden - und viele sind die ungeliebten (aber bezahlbaren) Ex-Lib Exemplare. Die Semrau-Hefte sind leicht und günstig zu finden, man sollte sorgfältig auf eine gute Erhaltung achten.
Hier im Blog findet sich auch ein Überblick über alle Sprachen, in die es Übersetzungen gibt.mit dem Versuch, jeweils die ersten Ausgaben von Dick mit ihrem Erscheinungsdatum zu nennen.

Samstag, 26. Mai 2018

Sieben auf einen Streich

Meist versuche ich ja in diesem Blog immer einen mehr oder weniger sinnvollen Text zu schreiben, der wenigstens ein bisschen allgemeingültig ist. Dieses mal schreibe ich aber über einen aktuellen Einkauf, man sagt hier und heute wohl haul, der mir sehr viel Freude macht.
Bei Abe war mir ein Konvolut von sieben Büchern aufgefallen, von dem ich eigentlich wegen der hohen Portokosten (aus den USA natürlich) furchtbar abgeschreckt war - Portokosten, die höher als der Kaufpreis sind, finde ich einfach inakzeptabel. Der zweite Blick zeigte aber, dass die sechs Taschenbuchausgaben zum einen durchgängig (Taschenbuch-)Erstausgaben waren und ich nur eine davon in der Sammlung habe und dass drei Bände von meinem auch-Lieblingsverlag Ace dabei waren. Und als Krönung war die Taschenbuch-Erstausgabe von Do Androids Dream of Electric Sheep von Sphere (1971) enthalten. Der Händler behauptete dazu noch einen Zustand von very good or better. Und wenn man das Porto durch sieben teilt, ist es eigentlich auch absolut annehmbar.
Sieben auf einen Streich:  The Preserving Machine, DADoES, The Game-Players of Titan, The Variable 
Man, Ubik, The Man Who Japed und die Buchclub-Ausgabe der Valis-Trilogie
Meine Hoffnungen waren trotzdem recht niedrig, das Ergebnis ist jetzt aber mehr als erfreulich. Auch wenn der Zustand teilweise etwas optimistisch geschätzt war, konnte ich zwei Preisschilder spurlos ablösen (bitte nur nachmachen, wenn man weiss, was man tut) und habe jetzt sieben erstklassige Zugänge zu meiner Sammlung - selbst die Doublette konnte ich gebrauchen, da sie in einem deutlich besseren Zustand als mein Bestand war. Und die DADoES-Ausgabe ist einfach ... wunderschön - und vermutlich werde ich einer Erstausgabe auch nicht näher kommen.
Überhaupt sind die Titelbilder dieser Ausgaben aus den 50er, 60er und 70er Jahren durchgängig Meisterwerke, das Jeff Jones Cover von Ubik ist, wie ich finde, eines der besten Dick-Cover überhaupt: Die Illustration zieht sich auch um das ganze Buch herum, man kann sich das bei isfdb schön ansehen (und das sie heute keine Cover mehr machen, wie damals ... habe ich wohl schon ausführlich beklagt).
Viel Erfolg bei der Jagd!

Samstag, 19. Mai 2018

Kleinlichkeiten

Die Ankündigung von Fischer im nächsten Jahr eine Ausgabe von Philip K. Dicks Time Out of Joint herauszugeben, hat mich dazu gebracht, die Ausgaben dieses Romans einmal anzusehen, die ich in meiner Sammlung habe.
Deutsche Ausgaben von Time Out of Joint von Philip K. Dick
Zeit aus den Fugen von Philip K. Dick bei Heyne (2002)
in der Werk-Edition und gebunden bei Haffmans (1995)
Von diesem frühen Roman von Dick gibt es diverse deutsche Ausgaben, angefangen mit Zeit ohne Grenzen von Balowa (1962), dem ersten richtigen Buch von Dick jenseits von Heftausgaben.
Es folgte eine von Tony Westermary neu übersetze Ausgabe in drei Auflagen bei Goldmann unter dem Titel Zeitlose Zeit. Und danach gibt es eine weitere Neuübersetzung, dieses mal Zeit aus den Fugen, bei Haffmans bis zur derzeit letzten Ausgabe bei Heyne (2002). Bei der von Fischer angekündigten Ausgabe handelt es sich wohl um die Übersetzung von Haffmans, die man auch bei Heyne findet.
Ich habe alle drei Auflagen von Goldmann in der Sammlung, auch wenn erste und zweite Auflage - bis auf die Angabe der Auflage im Impressum - scheinbar identisch sind. Und obschon sie im Regal nebeneinander stehen, war mir nie aufgefallen, dass die ansonsten identische erste und zweite Auflage abweichende Buchrücken haben: Die erste Auflage hat einen weissen Rücken mit hell lila Schrift für den Schriftzug Science Fiction und das Goldmann-Logo und schwarze Schrift für Autor und Titel. Bei der zweiten Auflage ist der Rücken hellblau und die Schrift gelb und weiss.
Buchrücken der (von oben) ersten (1978), zweiten (1978) und der dritten
Auflage (1985) von Zeitlose Zeit von Philip K. Dick bei Goldmann
Die dritte Auflage hat bekanntlich ein neues Titelbild, man findet das hier im Blogeintrag über Goldmann und ist damit unbedingt eine neue Ausgabe für die Sammlung. Ob eine abweichende Färbung des Buchrückens nun ein Kriterium für die Sammelbarkeit darstellt, ist wie immer jedem selbst überlassen, ich halte es aber für eine deutliche Abweichung, die man in seiner Sammlung berücksichtigen sollte - nein muss!
Impressum der dritten Auflage von Zeitlose Zeit von 1985:
11/85 und 3. Auflage sind klar ausgewiesen, es wird
ggf. aber als eine Ausgabe von 1978 angeboten, argh!
In jedem Fall kann es helfen aus der Ferne eine erste von einer weniger gewünschten zweiten Auflage zu unterscheiden - gelegentlich ist der Buchrücken bei Angeboten ja zu erkennen. Die erste und wohl auch die zweite Auflage sind recht einfach zu finden, die dritte macht ein bisschen Mühe. Das ist aber wohl eine Folge der ISBN, die für alle drei Auflagen gemeinsam genutzt wird. Viele Portale nutzen dann die ISBN, um ein Beispielbild zu zeigen, das dann nicht immer stimmen kann. Ausserdem sparen es sich viele Anbieter bei billigen Taschenbüchern die Auflage anzugeben und gegen, wenn überhaupt, nur das Jahr an - liest man das Impressum aber falsch, so liest man dort auch für die dritte Auflage 1978 - nämlich das Jahr des Copyright. Es gibt also die üblichen Probleme mit den üblichen Lösungsstrategien: Man wartet auf ein aussagekräftiges Bild oder fragt nach.
Eine Liste aller Ausgaben von Goldmann findet man hier im Blog.





Samstag, 12. Mai 2018

Kurzurlaub

Buchregal in Rom
Das umfangreiche Angebot von Büchern von Philip K. Dick bei
Feltrinelli Books and Music am Largo di Torre Argentina in Rom
Italien. Das Sehnsuchtsland der Deutschen. Und immer eine Reise wert, nicht nur die Toskana, nein, am allermeisten (finde ich) ist das natürlich Rom. Und dabei auch noch das Land mit den meisten Ausgaben von Philip K. Dick (nach den USA), über 350!
Und daher kann man in Rom einen Buchladen besuchen und wird von einem Regal mit einem wirklich grossen Angebot von Büchern von und über Philip K. Dick ... erfreut. Ja, anders kann man es wohl nicht sagen. In Deutschland haben selbst sehr grosse Buchläden kaum einige der wenigen, derzeit beim Verlag erhältlichen Bücher in ihren Regalen. Das grosse Angebot in Italien korreliert vermutlich mit der Nachfrage und daher auch mit dem im Laden erhältlichen Büchern. Dick ist hier gefragt!
Träumen Roboter von elektrischen Schafen? auf Italienisch
Ma gli androidi sognano pecore elettriche? von Fanuci,
auf Deutsch Träumen Roboter von elektrischen Schafen?
Mein Italienisch ist zu schlecht, als dass ich Philip K. Dick auf Italienisch lesen würde (oder könnte), ganz widerstehen konnte ich diesem umfänglichen Angebot aber trotzdem nicht, obwohl ich ja schon Italienisches in der Sammlung habe - aber man hat eben nie genug Träumende Roboter in der Sammlung.
Der Blick in andere Bücher zeigt, dass in der aktuellen Anthologie Electric Dreams die Einführungen der Regisseure, die im englischen Original jeder Geschichte vorangehen, auch in der italienische Ausgabe vorhanden sind. Bei Fischer in Deutschland sind sie leider, wie berichtet, verloren gegangen. Solche Details sagen wohl viel über die Wertschätzung des Autoren und seines Werks aus.
Wenn das Thema nun schon Rom ist, so muss ich Umberto Rossi erwähnen, der hier lebt und arbeitet. Dieser Dick-Kenner und Übersetzer ist ein ausgesprochener Fachmann, der auch eine interessante Monographie veröffentlicht hat, die die Sammlung bereichert: The Twisted Worlds of Philip K. Dick: A Reading of Twenty Ontologically Uncertain Novels (McFarland, 2011).
Das gezeigte Bild des Regals oben ist übrigens weniger eindrucksvoll als das entsprechende Regal bei Feltrinelli in der Galeria Collona (bzw. Galeria Alberto Sordi), es gibt dort ein noch umfangreicheres Angebot, das Bild von dort ist allerdings völlig misslungen und nicht präsentabel.
Mehr über die italienischen Ausgaben findet man auch hier im Blog.

Samstag, 28. April 2018

Limited Edition

Ein Ted Naifeh Cover für The Man in the High Castle
The Man in the High Castle von Philip K. Dick
in der limited edition Comic-Con Ausgabe
Beim Sammeln geht es meist um alte Dinge, Dinge, die es, weil sie alt sind, nur selten gibt. Aktuelle Ausgaben von Büchern spielen da oft eine untergeordnete Rolle (dieser Blog beobachtet und bespricht aber auch die deutschen Neuerscheinungen von Philip K. Dicks Büchern genau, zumal sie auch selten genug sind).
Aktuelle Ausgaben, die das Interesse des Sammlers wecken, sind in der Regel die teuren Sammlerausgaben, in der letzten Zeit sind das die beiden Folio-Ausgaben und vorher vielleicht die Collected Stories von Subterranean. Eine relativ aktuelle Ausgabe, die bisher aber relativ unbeachtet geblieben ist, ist die limited edition 2015 von The Man in the High Castle. Diese Ausgabe war nicht frei verkäuflich, sondern wurde auf der San Diego Comic-Con 2015 (9. bis 12. Juli) bei der Premiere der gleichnamigen Amazon-Serie an die Besucher verteilt, vermutlich auch auf der folgenden New Yorker Comic-Con im Oktober. Solche Promotionartikel erreichen natürlich dann doch den Markt - und dort auch wegen ihrer Exklusivität meist hohe Preise. Das kann man auch von dieser Ausgabe erwarten, oft gezeigt hat sie sich tatsächlich noch nicht, daher lässt sich das Preisniveau auch nicht einschätzen. Die Ausgabe ist recht aufwändig gestaltet - Amazon hat ein eigenes Cover spendiert. Der renommierte Comiczeichner Edward Ted Naifeh hat das Cover gestaltet. Auf dem Cover hält die Hand Hawthorne Abendsens Buch im Buch The Grashopper Lies Heavy, auf anderen Darstellungen Naifehs ist das eine Filmrolle - entsprechend der Amazon-Serie. Diese anderen Motive wurden auf der Comic-Con als Poster und Drucke verteilt.
Das Orakel vom Berge, Rückseite einer englischen Ausgabe von 2015
Rückseite von The Man in the High Castle
Darüber hinaus gibt es eine Lawine von Merchandising aus dem TMitHC-Umfeld der Serie, das diesen Blog nicht weiter beschäftigen wird.
Suchen muss man auch die Informationen über dieses Buch, an den üblichen Orten ist es nicht verzeichnet - weder in der Internet Speculative Fiction DataBase, die 59 englische Ausgaben verzeichnet (dabei sind aber verschiedene Auflagen sonst unveränderter Ausgaben - insbesondere die vielen Berkley-Ausgaben machen das ziemlich unübersichtlich), noch auf dem etwas übersichtlicheren Philip K. Dick Bookshelf mit 34 Ausgaben.
Daher kurz zu den bibliographischen Angaben des Buches: The Man in the High Castle, Boston, New York: Mariner Books (2015), 274 Seiten, Paperback. Weiterhin steht da First Mariner Books 2011, auch wenn die entsprechende Ausgabe von Mariner erst 2012 herausgekommen ist. ISBNs sind zwei angegeben: 978-0-547-57248-2, das ist auch die von Mariner 2012 und die Special Markets ISBN 978-0-544-75048-7. Man kann also annehmen, dass es sich bei dem Buch um die Mariner-Ausgabe von 2012 mit einem neuen Cover und einer minimalen Ergänzung im Impressum um die Special Markets ISBN handelt. Es gibt keinen Bezug auf Amazon oder die Serie. Die Widmung ist auch die in den USA übliche, die spätere nämlich an seine Frau Tessa, die auch in Deutschland entsprechend übernommen ist: To my wife, Tessa, and my son, Christopher, with great and awful love. Die britischen Ausgaben folgen der ursprünglichen Widmung an Anne.
Diese Ausgabe zu erwerben ist sicher nicht leicht - und damit um so attraktiver für einen Sammler. Die beste Chance hat man wohl in der amerikanischen Bucht. Wie viel man bezahlen will oder muss, hängt davon ab, wie sehr man dieses Buch in seiner Sammlung braucht, für den Komplettisten ist das Buch aber unbedingt ein Muss.
Die zehn deutschen Ausgaben von Das Orakel vom Berge finden sich hier im Blog.