Samstag, 29. Dezember 2018

Ein Jahr elektrisch geträumt

Das Sammeljahr 2018 ist vorbei. Von Philip K. Dick, der in diesem Jahr 90 geworden wäre, ist auf Deutsch nur Anfang des Jahres Electric Dreams bei Fischer erschienen. Auf Englisch sind auf den letzten Drücker noch zwei Ausgaben bei Ulverscroft erschienen oder zumindest angekündigt, mir ist unklar, ob diese Ausgaben überhaupt in den freien Handel gehen oder nicht ausschliesslich für Bibliotheken und Schulen gedacht sind ... was sie noch spannender machen würde: Do Androids Dream of Electric Sheep? und Electric Dreams. Eine zweite Ausgabe von Electric Dreams war von Gollancz für 2018 angekündigt, aber da es  keine zweite Staffel der Serie gegeben hat, gibt es natürlich auch kein Buch dazu. Erwähnen muss ich auch noch das neue Buch von Gregg Rickman: Philip K. Dick on Film.
Laut meines unvollständigen Katalogs sind etwa 30 neue internationale Ausgaben erschienen. Spitzenreiter war die Türkei mit sechs neuen Ausgaben. Bei den 30 Ausgaben ist Electric Dreams neunmal vertreten - es stelle also fast ein Drittel aller Ausgaben überhaupt.
Der letzte Zugang des Jahres:: The Three Stigmata of
Palmer Eldritch
, Gollancz das Erscheinungsjahr
ist etwas unklar, nach 2003
Meine persönliche Ausbeute ist im Blog - teilweise - dokumentiert. Hauptsächlich war es Primärliteratur, viel Englisches und natürlich wenig Deutsches, ausser den Electric Dreams nur ein paar Auswechselungen - und natürlich die bemerkenswerten neu entdeckten Insel-Ausgaben! International sind die Bücher aus Kroatien dazugekommen. Insgesamt war es dieses Jahr aber weniger als im Vorjahr.
Das absolute Highlight des Jahres aber war für mich das Philip K. Dick Film Festival. Als Sammler kommt man sonst eben auch wenig raus und kann sich wenig austauschen - und die Eindrücke sind noch frisch. Die zwei Abende werden sicher in Erinnerung bleiben.
Die Anzahl der Einträge in diesem Blog ist stabil geblieben, noch gibt es genug zu berichten und genug Motivation weiterzumachen. Das letzte Quartal des Jahres begann aber mit dem Google+ Schock: Google+ wird für private Nutzer im April 2019 eingestellt! Nun ist Google+, obwohl dieser Blog es nutzt, nicht wirklich kritisch, Traffic kriege ich damit nicht. Aber nach einer gewissen Zeit kommt einem zu Bewusstsein, dass Blogger, die Plattform, auf der dieser Blog läuft, mindestens gefährdet ist, zumal sich auch eine Schliessung von Google Hangouts anbahnt. Zwar ist Blogger populärer als Google+, aber man kann sehen, dass Google schon seit Jahren nur sehr wenig in dieses Werkzeug investiert. Man muss sich also fragen, wie lange es Blogger noch gibt. Das sind keine guten Gedanken ...
Dafür hat dieser Blog nun eine eigene E-Mail-Adresse! Nicht jeder Leser möchte einen Kommentar schreiben und nicht jede Kommunikation muss öffentlich sein, daher kann man nun auch eine Mail schreiben, an (natürlich) dickkoepfigsammeln (Umlaute beachten) bei (natürlich) gmail.com. Auf Gmail wird man sich wohl verlassen können, auch langfristig.
Und schliesslich hat sich der Autor dieses Blogs eine Visitenkarte speziell für diesen Blog geleistet - auch wenn die 100 Kärtchen wohl länger reichen werden als dieser Blog.
Und so ist ein weiteres Jahr vergangen, in dem Blog und Sammlung gewachsen sind. Bis zum nächsten Jahr!

Samstag, 22. Dezember 2018

Katzengold

Science Fiction Special 7 von 1973,
vom Licht start verfärbt in hellem lila
statt in dunklem blau-violett
Da musste ich zugreifen: Science Fiction Special 7, Sidgwick & Jackson von 1973 für 5 Euro!
Eigentlich lege ich bei neuen Exemplaren in der Sammlung zunehmend Wert auf Qualität, insbesondere vermeide ich Exemplare, die arg angegriffen sind. Das gilt für alle Opfer all zu grosser Misshandlungen durch die Vorbesitzer. Dem oben genannten Special 7 konnte ich dann aber doch nicht widerstehen, obwohl es die letzten 45 Jahre nicht gut überstanden hat - vermutlich, weil es sich um eine etwas grenzwertige Ausgabe handelt, die man selten sieht. Eine gute Ausgabe kann man bei isfdb sehen.
Man muss dem Anbieter zugute halten, dass er alle Mängel in seinem Angebot sauber dokumentiert hat - das ist nicht immer so und auch die Erklärung dafür, warum ich mehr Ex-Lib Exemplare besitze als ich eigentlich wollte. Die hohen Versandkosten erklären sich aber nur zum Teil durch das Format des Buches: Es ist dick, aber nicht grösser als ein normales Taschenbuch und kommt damit auf 810g.
Denn dieses Science Fiction Special 7 ist im Grunde die gemeinsame Ausgabe von zwei Sammelbänden, dem A Murray Leinster Omnibus (1968) und dem A Philip K. Dick Omnibus (1970). Der Band enthält insgesamt sechs Romane, drei von Murray Leinster:
  • Operation Terror, deutsche Ausgabe: Terrorstrahlen. Moewig (1964), Terra Band 366
  • Checkpoint Lambda, wohl ohne deutsche Ausgabe
  • Invaders of SpaceFreibeuter des Alls. Pabel (1965), Utopia-Zukunftsromane Nr. 465
und drei von Dick
  • The Crack in Space [Das Jahr der Krisen]
  • The Unteleported Man [Der unteleportierte Mann]
  • Dr. Futurity [Schachfigur im Zeitspiel]
Nicht der A Philip K. Dick Omnibus,
sondern der zweite Teil des
Science Fiction Special 7
Der Verlag hat einfach die beiden Bücher in einem gemeinsamen Band noch einmal herausgebracht und so steht es ja auch auf dem Schutzumschlag - auch wenn man Dick dort um seine Initiale gebracht hat. Jeder Roman hat seine eigene Seitenzählung, Jeder der beiden Omnibusse eine eigene Titelei mit Schmutztitel und Titelblatt. Bei Sidgwick & Jackson sind noch zwei weitere Hardcover von Dick erschienen. The World Jones Made im Jahre 1968 und 1970 noch einmal im Science Fiction Special 1. Gemeinsam haben diese Ausgaben (und viele andere Ausgaben des Verlages aus der Zeit), dass sie teuer sind, im mittleren dreistelligen Bereich, am seltensten scheint das Special 1 zu sein.
Es gibt übrigens keine deutschen Sammelband, der Romane von Dick und die eines anderes Autoren beinhaltet; Sammelbände dieser Art sind aber z. B. in Russland recht populär.
Leinster war ein sehr produktiver Autor mit sicher mehr als 700 Kurzgeschichten und über 100 Romanen, andernorts werden gar 1500 Veröffentlichungen genannt, von dem auch auf Deutsch einiges (aber wohl nicht alles) erschienen ist - und wie man oben sieht oft an den gleichen Stellen, an der wir auch Dick finden.
Nicht mal die schlechtesten Seiten aus dem Exemplar
Dick und Leinster kannten sich, sie sind sich zumindest begegnet, Dick erwähnt "MURRAY LEINSTER" in seiner Kurzgeschichte Wasserspinne [Waterspider], die auf der Science Fiction Worldcon in San Francisco 1954 spielt. Ausser Leinster erscheint auch Dick dort selbst, diese Kurzgeschichte ist also recursive oder Meta-SF. Die Encyclopedia Dickiana weiss noch mehr über diese Kurzgschichte (und dazu: nein, The Fisher of Men von Poul Anderson gibt es nicht und auch keine Kurzgeschichte von ihm in If vom Mai 1971). Briefe von Dick an Leinster konnte ich keine finden, der Kontakt war wohl begrenzt.
Und zum Schluss: Wann sollte man (so) schlechte Qualität kaufen - und wann nicht, auch wenn sie sehr günstig ist? Die Antwort ist einfach: Kommt drauf an. Hauptsächlich auf die eigene Einstellung. Ich finde dieses Buch spannend, weil es eher ungewöhnlich ist. Aber viel Geld würde ich dann lieber für etwas Repräsentativeres ausgeben, z. B. eine hübsche gebundene Ausgabe von einem Roman. Daher war das meine Chance den Band überhaupt irgendwie in die Sammlung zu kriegen und ich habe meinen Spass damit, auch wenn der Zustand wirklich schlecht ist.
Ich bin bei der Recherche für diesen Blogeintrag auch über einen Eintrag im Poul Anderson Appreciation Blog gestolpert. Hier beklagt sich der Autor und Sammler, dass es so viel Kurzgeschichten und Artikel von Anderson gibt, die uncollected sind, d. h. nur in den Pulp Magazinen der 50er Jahre erschienen sind und dann nie wieder - und wie schwierig es jetzt ist, diese  einzeln zu sammeln. Bei Philip K. Dick haben wir das Glück, dass zu Paul Williams Zeiten die Collected Stories entstanden sind. Die Magazine kann man sammeln - man muss es aber nicht, um Dick komplett zu lesen.
Und zum Schluss: Es gibt eine umfassende Murray Leinster Home Page, leider nichts entsprechendes für oder auf Deutsch - hier bietet sich dem engagierten Sammler noch ein Betätigungsfeld. Viel zu Sammeln gibt es ja.

Samstag, 15. Dezember 2018

Fantastisches Forum 6

Dieser Blogeintrag setzt den Eintrag über Paul Williams in NRW inhaltlich fort. Da ging es um die Ausgabe 5 des Fantastischen Forums und das beigelegte Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, an denen auch Paul Williams teilgenommen hatte. Ausserdem hat er dem Programmheft einige Beiträge von und über Philip K. Dick beigesteuert.
Fantastisches Forum 6, Februar 1992
Die Ausgabe 6 vom Fantastischen Forum vom Februar 1992 enthält noch ein weiteres Essay von Dick selbst, Die Seele des Wub, sowie ein Interview mit Paul Williams.
Die Seele des Wub ist, wie alle anderen Artikel, auf Deutsch exklusiv nur hier zu finden. Geschrieben ist er 1980 als Einführung seiner ersten Geschichte Beyond Lies the Wub, zu Deutsch Und jenseits - das Wobb, in der Anthologie First Voyages, Avon Books (1981); es ist mir aber unklar, ob er dort dann auch erschienen ist. Auf jeden Fall ist er auf Englisch in der PKDS Newsletter herausgekommen, in der Ausgabe 24 von 1990. Später ist er (deutlich leichter zu finden) noch einmal in Sutins The Shifting Realities of Philip K. Dick, Vintage (1996) unter dem Titel "Headnote" for "Beyond lies the Wub" veröffentlicht. Diese kurze Headnote fehlt übrigens in den Notes in den Collected Stories, auch wenn man sie dort erwarten würde.
Das Wub, das auf Deutsch aus mir unerfindlichen Gründen ein Wobb ist, spielt natürlich für Dick als seine erste professionell veröffentlichte Kurzgeschichte eine besondere Rolle. Der Text hat auch eine sehr persönliche Note, die für mich einen leicht melancholischen Anklang hat, da er kurz vor seinem Tod vom Anfang seiner Karriere schreibt. Dick hat sich seine Erstveröffentlichung offensichtlich im Detail angesehen, er zitiert wörtlich die Reklametexte, die seine Geschichte umrahmen und geht auf die Illustrationen ein.
Bei dem Beitrag mit dem Titel Philip K. Dick - Ein Leben für die Frage. Eine Gesprächsrunde mit Paul Williams handelt es sich offenbar um die Transkription des im Programm der 4. SF-Tage angekündigten Podiumsdiskussion. Auf immerhin sechs Seiten spricht Williams über Dick und die Filme, Drogen, die Mainstream-Bücher und Religion. Auch dieser Beitrag dürfte einmalig sein, man wird ihn wohl sonst nirgendwo finden, auch nicht auf Englisch.
Ansehen kann man sich Dicks erste Veröffentlichung in Planet Stories, Juli 1954, mit den Reklametexten und Illustrationen sowie viele weitere im Original beim Internet Archive.

Samstag, 8. Dezember 2018

Nackt und ausgezogen

Der Titel dieses Blogeintrags ist natürlich der verzweifelte Versuch, Leser anzulocken oder wenigstens einen Click zu kriegen, denn sex sells bekanntlich. Obwohl ich schon länger mit dem Gedanken für einen Blogeintrag über pikante Umschlagbilder liebäugele, geht es dieses mal um weniger Frivoles. Es geht darum, was die beiden Insel-Ausgaben von Philip K. Dick unter ihren Schutzumschlag tragen.
Zwei unterschiedliche Einbände von Dicks Mozart für Marsianer bei Insel
Mozart für Marsianer in der Reihe Phantastische Wirklichkeit von Insel von
1973 mit schwarzem und mit lila Pappband, der Schutzumschlag, gestaltet
von Helmut Wenske, und der Buchblock sind gleich
Ausgelöst hat diesen Beitrag ein Kommentar zum Blogeintrag Insel und Suhrkamp. Dort wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es bei den Insel-Ausgaben der Reihe Phantastische Wirklichkeit offenbar unterschiedliche Einbände gibt. Häufiger sind wohl die lila Pappbände, die der eigentümlich lilanen Typographie der Reihe folgen. Die beiden Ausgaben von Dick zumindest gibt es auch mit schwarzem Pappband, wie sie für die von Insel gleichzeitig herausgegebene Reihe Bibliothek des Hauses Usher verwendet werden, hier mehr zu dieser Reihe bei Wikipedia. Die Schrift auf dem Buchrücken nennt Titel und Autor, sie ist bei der schwarzen Ausgabe in weiss, bei der lila Ausgabe in Silber. Die beiden Ausgaben unterscheiden sich sonst in nichts. Zumindest bei einigen weiteren Bänden der Reihe werden Ausgaben sowohl im lila als auch im schwarzen Pappband angeboten, in Pallas oder die Heimsuchung von Edward de Capoulet-Junac etwa oder Herren im All vom Cordwainer Smith.
Die Umschlagbilder beider Bücher sind von Helmut Wenske gestaltet, der auch das Umschlagbild für Uwe Antons Willkommen in der Wirklichkeit gemacht hat sowie die drei Ausgaben der Valis-Trilogie bei Moewig.
Ich selbst bin wenig aufmerksam bei dem, was unter dem Schutzumschlag ist. Ursprünglich wirklich als reiner Schutz gedacht, ist der Schutzumschlag dieser Tage doch meist interessanter als das, was darunter ist und eigentlich geschützt werden soll. Tatsächlich funktioniert das meist auch recht gut, Schutzumschläge sind häufiger in schlechtem Zustand und bedürfen genauerer Betrachtung, aber der eigentlich Einband ist dann doch gut erhalten.
Silber und schwarze Schrift auf dem Buchrücken von Mozart für Marsianer
Die Buchrücken von Mozart für Marsianer, Insel (1973),
die Schrift oben silber unten weiss
Mir war also nie aufgefallen, dass es diese doch recht offensichtliche Varianten gab - man lernt eben nie aus.
Herausgegeben wurden die 15 Bände der Reihe von Franz Rottensteiner. Wikipedia sagt  über die Reihe Phantastische Wirklichkeit:
Hier erschienen erstmals in deutscher Übersetzung Werke von [...] Philip K. Dick in gebundenen Ausgaben.
Das ist etwas missverständlich, erstmals bezieht sich nur auf die Werke, aber nicht auf die gebundenen Ausgaben, denn die Zeit ohne Grenzen war schon rund zehn Jahre vorher als zwar gekürztes, aber doch gebundenes Leihbuch erschienen - allerdings bis dato als einzige gebundene Ausgabe.
Willkommen in der Wirklichkeit von
Uwe Anton bei Heyne (1990) mit
einem Cover von Helmut Wenske
Erstaunlich ist auch, dass man den Band 1 der Reihe, Die Ratte im Labyrinth, erschienen am 9. November 1969, offenbar bei Suhrkamp noch neu bestellen kann.
Bei der Beschaffung der oben beschriebenen Varianten treten weniger Probleme auf, als erwartet. Die Farbe des Einbandes wird oft genannt oder ist auf den begleitenden Bilder erkennbar - man kann vermuten, dass den Anbietern die Relevanz bekannt ist und die Farbe des Einbandes daher explizit genannt wird - ich habe das immer überlesen. Man kann also oft feststellen, welcher Einband angeboten wird - wenn nicht, muss man eben fragen. Man findet auch Angebote zu vertretbaren Preisen, man sollte allerdings darauf achten, dass die Folierung des Schutzumschlages einigermassen in Ordnung ist, auch auf der Rückseite. Die Folie löst sich immer ein wenig, aber offenbar bei den LSD-Astronauten mehr als beim Marsianischen Zeitsturz, vermutlich hat man in der Produktion etwas geändert - oder meine Wahrnehmung ist falsch, ich habe nur ein paar Exemplare gesehen.
Zum Abschluss sei noch mal auf das noch immer ungelöste Rätsel um die broschierte Ausgabe von Insel hingewiesen. Und hier gibt es im Blog alles zu Insel und Suhrkamp.

Samstag, 1. Dezember 2018

Griechisch: ΦΙΛΙΠ Κ. ΝΤΙΚ

Der goldene Mann von Philip K. Dick in
einer griechischen Ausgabe:
O xrysafenios andras, Para Pente (1997)
Griechenland. Das Land in dem die europäische Kultur geboren wurde. Und das Land, das sich erst spät für Philip K. Dick zu interessieren begann.
1976 erschien als erster Roman von Dick in Griechenland ausgerechnet Schachfigur im Zeitspiel [Dr. Futurity]. Zu diesem Zeitpunkt hätte es wohl bessere Romane von Dick gegeben, aber es ist in einigen Ländern zu beobachten, dass die erste Wahl einer Übersetzung überraschend schlecht ist. Dafür gibt es offenbare drei oder vier Ausgaben des Romans von verschiedenen Verlagen - alles aus dem gleichen Jahr. Leider werden hier durchgängig keine ISBNs angegeben, so dass es schwer ist, hier genau zu erkennen, wie viele Ausgaben von wie vielen Verlagen es wirklich gibt. Ich konnte auch keine gute Seite finden, die hier genauer Aufschluss bringt.
1978 sind die folgenden Übersetzungen Ubik und Das Orakel vom Berge, also zwei von Dicks besten Werken. Auch in den letzten Jahren hat es neue Ausgaben gegeben, die letzte, Simulacra, ist im Jahr 2016 erschienen. Insgesamt sind aber nur 26 SF-Romane in rund 50 Ausgaben, drei Mainstream Romane und fünf Anthologien auf Griechisch herausgekommen, mit fünf Ausgaben liegt - wie immer - der Blade Runner vorne.
Eine eher unvollständige griechische Bibliographie findet sich natürlich auch im Netz.
Sehr gelegentlich tauchen griechische Ausgaben auch bei den einschlägigen deutschen Anbietern auf, mit dem direkten Kauf in Griechenland habe ich keine Erfahrung; eigentlich sollte das kein Problem sein, das Griechenland natürlich Mitglied des Euro-Raumes ist und Überweisungen kostenfrei und problemlos sein sollten ... wie die Kosten für das Porto sind, ist mir allerdings gänzlich unklar.
Der Web-Tipp ist das PKDicktionary eine Sammlung von Begriffen aus Dicks Romanen.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 17. November 2018

Noch mehr Festival ...

Nach dem etwas allgemeineren Eintrag in der vergangenen Woche, möchte ich nun eine Auswahl der in diesem Jahr auf dem Annual Philp K. Dick Film Festival in Köln gezeigten Filme etwas genauer vorstellen und einige persönliche Eindrücke schildern.
Imagionation, Februar 1953
Die einzige Verfilmung einer Kurzgeschichte von Dick selbst ist The Pipers des Regisseur Ammar Quteineh aus dem Jahr 2013. Qutheineh hat das Drehbuch nach einer der frühen Kurzgeschichten aus den Jahr 1953 geschrieben,  Piper in the Woods, die (zumindest in den USA) zu den rund 30 Kurzgeschichten zählt, die wohl Gemeingut sind und die man daher hier legal nachlesen darf. Man darf annehmen, dass diese Kurzgeschichte auch deshalb gewählt wurde, weil sie nicht vom Trust lizensiert werden musste (und man darf weiter spekulieren, dass das für eine Produktion, die man wohl nicht uneingeschränkt als grosses Hollywoodkino bezeichnen würde, schwierig geworden wäre). Die Erstveröffentlichung der Geschichte war in der Februar-Ausgabe von Imagination, auf Deutsch Pfeifer im Wald, das in Deutschland nur im Rahmen der Sämtlichen Erzählungen bei Haffmans bzw. Zweitausendeins in Und jenseits - das Wobb veröffentlicht ist.
Bemerkenswert ist, dass der Film sich recht nah an die Kurzgeschichte von Dick hält. Naturgemäss ist diese Verfilmung von anderer Art als die Spielfilme Blade Runner und Minority Report, der nicht vorhandene Hochglanz passt aber, wie ich finde, unmittelbar zu Dick. Sehr sehenswert.
Am anderen Ende des Spektrums findet sich Brainbloodvolume des Regisseurs John M. Carter. Die für empfindliche Menschen vielleicht schwer anzusehende Selbsttrepanation zur Bewusstseinserweiterung stellt den entscheidenden Moment im Leben eines Menschen dar, der sich dazu entschliesst, seinen Schädel mit einem Handbohrer zu öffnen. Nachdem Carter in der Diskussion erklärt hat, dass dieser Film auf dem holländische Bibliothekar Bart Huges beruht, der das 1965 sogar mit Bildern dokumentieren lassen hat (an denen sich Carter bei seiner Verfilmung orientieren konnte), hat sich die Wirkung des Films auf mich deutlich geändert. War es vorher ein bizarrer Film, ist es jetzt ein - dabei sehr eindrucksvoller und ausdrucksvoller - Film über ein bizarres Ereignis. Der Kontext spielt eben auch in der Kunst eine Rolle. Einen guten Eindruck zum Stil dieses in Schwarz-weiss produzierten Films gibt der Teaser Trailer auf YouTube.
Das Programm des Festivals: Zwei Tage mit jeweils zwei Themenblöcken
Instant Realities vom ebenfalls anwesenden Andreas Simon findet sich jetzt auch bei Amazon - versprochen hat der Regisseur weitere Folgen dort, ich habe das auf meiner Watchlist. Für mich war Instant Realities sicher ein Film, dessen Bildwelten auf Dick verweisen - man denkt an die Verwirrtheit des Protagonisten in Ubik oder Eine andere Welt.
Die Galerie der vergessenen Berufe ist eine Drittmittel-Auftragsproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg, d. h. eine studentische Arbeit, die uneingeschränkt das Niveau der anderen Produktionen erreicht. Regisseur Willi Kubica und die für die Produktion verantwortliche Julia Deumling haben über Finanzierung und Intention des Films berichtet, der die Verdrängung menschlicher Arbeitsplätze durch Computer und künstliche Intelligenz thematisiert. Das Drehbuch, ebenfalls von Kubica, könnte nach einer Geschichte von Dick sein, die dieser nie geschrieben hat, gerade der Handlungswechsel am Ende. Erwähnen sollte man in diesem Blog auch noch die Tongestaltung, die sicher von letztjährigen Blade Runner 2049 inspiriert war. Der Trailer findet sich auf YouTube. Anschauen!
Thomas Köhlings Film Erster Tag Kosmos beschreibt die Begegnung von alten zwei Freunden, einer Pfleger, der andere Patient. Köhling hat hier seine Erfahrungen im Umgang mit psychisch Kranken mit eindrucksvollen Bildern verarbeitet: Die anfängliche Fahrt vor dem Sternenhimmel bleibt in Erinnerung. Eindrucksvoll hat er im persönlichen Gespräch auch geschildert, welche Probleme ein junger Filmemacher überwinden muss und welchen Aufwand zu treiben ist.
Als letzten Film möchte ich noch The Very Near Future von Sebastian Egert herausgreifen, den man auch bei Vimeo findet. Das Motiv der Überwachung zu unserem Besten ist natürlich nicht neu. Wirklich phildickian wird der Film aber, weil die KI eben nicht unpersönlich überwacht und eingreift, sondern Gefühle zeigt und schliesslich mit den Worten I will probably be gone in a few minutes auch Persönlichkeit ausdrückt. Das erinnert an das Verhalten der Tür gegenüber Joe Chip in Ubik (man lese dazu auch Tom Armitages sehr passenden Artikel Joe Chip’s problem was never his door). 
Natürlich gab es noch viele andere Filme, der eröffnende Film Shelter bleibt mir sicher im Gedächnis, das fröhliche Attack of the Cyber Octopuses, Metta Via mit seiner Ästhetik, die sicher von Moebius inspiriert ist (sei es direkt oder indirekt durch Blade Runner) und die vielen anderen Filme.
Das originale Filmplakat des 5. European Philip K. Dick
Film Festivals in seinem neuen Heim
Dass einige der Filme sich auch im Internet finden lassen, mindert keinesfalls den Wert dieser Veranstaltung. Natürlich ist das Filmerlebnis in einem Kinosaal ein anderes, grösseres, das gilt um so mehr bei Kurzfilmen, denen es durchaus gut tut, sie ohne Ablenkung in einem dunklen Raum zu sehen. Und das Erlebnis mit anderen Interessierten in diesem Rahmen teilen zu können, ist natürlich Teil eines Festival. Und schliesslich ist die Auswahl der Filme bei diesem Filmfestival natürlich sorgfältig kuratiert und die Zusammenstellung und Abfolge macht ja den grössten Wert aus.
Was habe ich nun mitgenommen? Als Büchersammler habe ich dem Medium vielleicht zu wenig Wert beigemessen - aber die Erfahrung einen Film (oder viele) in einem Kinosaal zu sehen, lässt sich eben nicht einfach in einem Regal sammeln. Ich werde sicher die Verfilmungen noch einmal ansehen, einiges habe ich, anderes fehlt (noch): Man hat mir Total Recall (die erste Verfilmung) ans Herz gelegt, ein Film den ich sehr, sehr lange nicht gesehen habe. Einen Überblick über die Verfilmungen gibt die Seite Mediathek.
Mitgenommen habe ich auch eines der wenigen Filmplakate, das mir einer der Mitwirkenden überlassen hat, mein grosser Dank an Thomas. Das Plakat hat schon einen prominenten Platz gefunden!
Und natürlich noch mal mein Dank an alle, die ich treffen und mit denen ich mich austauschen konnte. Und demnächst mehr zum Thema Film.

Samstag, 10. November 2018

The Fifth Annual Philip K. Dick Film Festival

Nach einigen vergeblichen Anläufen habe ich es dieses Jahr endlich geschafft, beim European Philip K. Dick Film Festival in Köln dabei zu sein, ein Erlebnis, das ich nicht bereue.
Das wunderschöne Filmplakat zum European Philip K. Dick Science
Fiction Film Festival - Colone am Kino 813 in der BRÜCKE
Schon in der vorigen Woche, am 1. und 2. November, fand die deutsche Ausprägung des European Philip K. Dick Festivals im Rahmen von zweimal zwei Abendveranstaltungen in Köln statt. In der Woche davor, am 25. und 26. Oktober, hat die französische Variante, das Festival de Science-fiction Philip K. Dick à Lille, stattgefunden. Diese europäische Variante der US-amerikanischen Veranstaltung hat 2013 ihren Anfang in Lille gefunden - natürlich in Frankreich, denn dort liebt man Philip K. Dick. Der Kölner Filmclub 813 hat sich jetzt zum dritten mal hier in Deutschland diesem Film Festival angenommen. Auch in Rotterdam und in Łódź haben in den vergangenen Jahren Veranstaltungen stattgefunden.
In den USA findet das Festival seit 2012 (fast) jährlich statt, deshalb sind wir dort jetzt beim sechsten Festival. Die Webseite des Festivals wendet sich schon dem nächsten Jahr zu, wenn das siebte Festival in Santa Ana stattfinden wird, dem Ort, an dem Dick die letzten sieben Jahre seines Lebens verbrachte.
Im Kino 813 in der Brücke  wurden dann an zwei Abenden fast dreissig Kurzfilme gezeigt, die sich mehr oder auch viel weniger mit Dicks Motiven beschäftigt haben.
Dan Abella, der amerikanische Gründer und Director des Festivals hat gemeinsam mit dem lokalen Veranstalter Tobias Schmücking vom Kölner Filmclub 813 die Zuschauer zu jedem Block begrüsst und eine kurze Einführung in Leben und Werk von Philip K. Dick gegeben und über die Bedeutung und Ziele des Film Festival gesprochen.
Tatsächlich waren dann, wie angekündigt, relativ viele Filme auf Deutsch. Einige der Filmemacher waren auch anwesend, naturgemäss überwiegend die Deutschen. Diese konnten nach jedem Block über ihre Filme reden und eine kurze und trotzdem faszinierende Diskussion mit Fragen aus dem Publikum war möglich.
Einige der Filme konnte ich nicht mit Dick in Verbindung bringen, alle Filme zusammen aber haben ein schönes Gesamtbild ergeben, das sich durchaus nach Philip K. Dick nennen darf. Eine kleine Auswahl der Filme werde ich in diesem Blog in einem zweiten Eintrag in der nächsten Woche betrachten.
Mein Gesamturteil: Sehr grosse Vorfreude auf das nächste Jahr! Und der kaum erfüllbare Wunsch, es vielleicht im Frühjahr nach Santa Ana zu schaffen. Für den Sammler hat diese Veranstaltung zwar zunächst wenig zu bieten, selbst das Ticket war zum Selbstausdrucken. Aber so kann man einfach nur geniessen und die harte Wirklichkeit des Sammelns für einen flüchtigen Augenblick hinter sich lassen. Und schliesslich hat sich doch noch etwas ergeben ... aber auch dazu in der nächsten Woche mehr.
Und natürlich ein grosser Dank an Dan, Tobias, Thomas, John, Willi und alle anderen für die zwei wunderbaren Abende mit euch!

Samstag, 27. Oktober 2018

Paul William in NRW

Zwei Objekt, die ich nur der Sorgfalt meines Antiquariats verdanke, sind die Ausgaben des Fantastischen Forums. Diese Hauszeitschrift des Aktionskreises Fantastik erscheint von 1990 bis mindestens zur Nummer 17 im Jahre 1998. Im Format A5 wirkt sie wie ein besseres Fanzine, die Beiträge heben sich in der Qualität aber unbedingt von denen der Egozines der Zeit ab. So enthält Ausgabe 5 von 1991 Beiträge von Erik Simon, u. a. bekannt als Strugatzki-Kenner und Übersetzer, und dem britischen Science Fiction Schriftsteller Ian Watson.
Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW, eine Beilage des
Fantastischen Forums 5 von 1991
Wirklich spannend für den Sammler von Philip K. Dick ist aber das der Nummer 5 beigelegte aufwändige Programm der 4. Science Fiction-Tage NRW in Düsseldorf im Jahr 1991. Es enthält das Essay Das Leben eines SF-Schriftstellers von Philip K. Dick, im Original Tips for a Beginning Writer von 1964 und den Text Philip K. Dick ist seit zehn Jahren tot. Was höchst bedauerlich ist! von Paul Williams. Dieser letzte Text ist wohl nicht auf Englisch erschienen. Die Tips sind unter verschiedenen Titeln erschienen, ungekürzt wohl nur in der PKDS Newsletter 26 (1991) unter dem Titel The Life of an S-F Writer - und hier auf Deutsch. Gekürzt ist der Text 1964 im Fanzine Galactic Outpost in der Nummer #3 (Sommer) erschienen, auch wenn Williams in der Einführung meint, es wäre die #2 (Frühjahr); diese deutlich gekürzte Fassung ist auch in PKD Otaku #33 nachgedruckt.
Diese Beiträge erklären sich dadurch, dass Paul Williams Teilnehmer der 4. Science Fiction Tage in NRW war und dort über Dick vorgetragen  und die Artikel wohl mitgebracht hat. Enthalten ist deshalb auch der Artikel Über Paul Williams (und Philip K. Dick), ein Autor ist nicht genannt. Dort steht über Williams Mitwirken an den SF-Tagen:
Paul Williams wird auf den 4. Science Fiction-Tagen über Dicks Faszination von Deutschland und der deutschen Sprache reden, die er während Dicks High School-Zeit begann und sein Leben und Bücher in manch überraschender Weise beeinflusste. Er wird ebenfalls an einem Panel teilnehmen und sein Bestes geben, um Fragen über Dick zu beantworten. Es ist schade, daß Philip K. Dick nicht mehr unter uns ist, um auf dieser Convention zu sein, aber Paul Williams wird tun, was er kann, um Dicks Geheimnis ein wenig zu lüften.
Der Text lässt vermuten, dass Williams ihn selbst geschrieben hat. Der Verweis Dicks Beziehung zu Deutschland ist spannend und es ist mehr als schade, dass der Vortrag wohl komplett verloren gegangen ist. Man kann vermuten, dass er auf Williams unveröffentlichtem Manuskript Philip K. Dick's Romance with Germany basiert.
Erstaunlicherweise lassen sich einige Nummern des Fantastischen Forums noch erwerben - für sehr wenig Geld beim erwähnten Antiquariat, Twilight Books. Hier wurden diese beiden Ausgaben nämlich mit dem Schlagwort Philip K. Dick angeboten, ich hätte sie sonst nie gefunden. Es finden sich nämlich sonst im Internet oder der mir verfügbaren Literatur keine Spuren von diesen Veröffentlichungen und daher auch keine Verweise auf die drei Beiträge von und zu Dick und Williams. Ich frage mich, wie viel Spannendes von Dick mir wohl entgeht und beklage hier wieder einmal die Bedrohung und mutmasslich auch den Massenverlust von Szene-Veröffentlichungen dieser Art, das spurlose Verschwinden unendlich vieler Ausgaben von Fanzines, Egozines, und Clubzeitschriften mit grossenteils einmaligen Veröffentlichungen. Ich sehe hier fast keine Rettungsaktivitäten.
Der Web-Tipp ist dieses mal der Treffpunkt Phantastik, ein kluger und aktueller Blog, der sich als Tummelplatz deutschsprachiger Sekundärliteratur zur phantastischen Literatur sieht und der auch gelegentlich Fanzines et al. behandelt. Philip K. Dick kommt (fast) nicht vor, das ist wohl ein Hinweis darauf, dass es wenig deutschsprachige Sekundärliteratur über ihm gibt.
Die bibliographischen Details zu den Artikel oben finden sich auf den Seiten Essays und anderes (nach Quelle) und Sekundärliteratur nach Autoren hier im Blog. Und mehr zur Ausgabe 6 des Fantastischen Forums in einem späteren Blogeintrag.

Samstag, 20. Oktober 2018

Bibliographien

In den Zeiten vor dem Internet war der Aufbau einer Sammlung in vielen Belangen weitaus schwieriger. Schon der Aufbau eines Katalogs war aufwändig und kompliziert. Für die eigene Sammlung musste er mühsam und langwierig aufgebaut werden, mit Hilfe von Informationen aus veröffentlichten Büchern, öffentlichen Bibliotheken und Buchhandlungen, wobei letztere allerdings ihre Kataloge lieferbarer Bücher als Betriebsgeheimnis lieber geheim gehalten haben und der Wunsch auf Einblick meist empört abgelehnt wurde - als quasi-Monopolist durch Preisbindung konnte man sich das leisten (... so ändern sich die Zeiten).
Philip Kindred Dick - Metaphysical Conjurer (1995)
Seltener noch war Sekundärliteratur zum Thema, weil sie in der Regel noch schwieriger zu finden war.
Im englischen Sprachraum gab es schon 1981 eine erste selbstständige Bibliographie zu Philip K. Dick von Daniel J. H. Levack: PKD: A Philip K. Dick Bibliography, aufwändig bebildert erschienen bei Underwood-Miller, wo später erst die legendären Collected Stories und dann die so wichtigen Selected Letters erschienen sind. Einzigartig ist diese Bibliographie, weil Dick selbst daran mitgearbeitet hat. Und weil dieses Buch natürlich ein Liebhaberstück ist, gibt es die Auflage von 1100 Exemplaren auch in diversen Varianten, mit rotem und grünen Cover, Soft- und Hardcover, und auch einige (200 oder 233) signiert. Und natürlich ist diese Bibliographie damit selbst ein attraktives und teilweise teures Sammlerstück geworden.
Ein ähnliches Werk ist das zuerst 1986 herausgegeben von Gordon Benson Jr. und in späteren Auflagen gemeinsam mit Phil Stephensen-Payne in zwei Bänden herausgegebene Philip Kindred Dick: A Working Bibliographywobei der zweite Band die sonst weniger beachtete Sekundärliteratur katalogisiert. Ebenfalls rein bibliographisch ist Christopher P. Stephens' A Checklist of Philip K. Dick von 1993, das im Rahmen einer umfangreichen Reihe über verschiedene Autoren herausgekommen ist.
Die beiden Bände von Precious Artifacts, zwei reine Bibliographien
der Werke von Philip K. Dick, erschienen bei Wide Books (2012/2014)
Der neueste Vertreter dieser Reihe ist Precious Artifacts von Wide Books (2012, 2014), das in zwei Bänden und auch aufwändig bebildert, alle Ausgaben der Romane bzw. Kurzgeschichten listet. David Hyde und Henri Wintz publizieren hier in ihrem eigens für Publikationen über Philip K. Dick gegründeten Verlag die bibliophile Erweiterung von The Philip K. Dick Bookshelf. Beide Bände sind in begrenzter Auflage als Hardcover und (unbegrenzt) als Print-on-Demand erschienen, die Hardcovers sind nur noch (selten) antiquarisch erhältlich und selbst Sammlerstücke. Ähnliche Werke für andere Sprachen sind bei Wide Books im Gespräch, eine deutsche Ausgabe wäre sicher mehr als spannend - man muss sich aber die traurige Frage stellen, ob es dafür einen (ausreichenden) Markt gibt. Der Autor dieses Blogs wäre natürlich dabei!
David Hyde hat als Lord RC bereits 2006 das für jeden Sammler unverzichtbare Pink Beam: A Philip K. Dick Companion veröffentlicht, das über eine rein bibliographische Aufzählung hinausgeht und die Publikationsgeschichten auch der sehr frühen Werken genau untersucht.
Erwähnt werden können hier noch zwei verwandte Werke, Andrew M. Butlers Philip K. Dick und Kim Stanley Robinsons The Novels of Philip K. Dick. Beide beschäftigen sich mit umfassend mit den Romanen, aber nur sehr am Rande mit bibliographischen Details. Bemerkenswert ist, dass Robinsons Werk auch als deutsche Übersetzung Die Romane des Philip K. Dick als Taschenbuch bei Shayol (2005) herausgekommen ist.
Ebenfalls (auch) auf Deutsch ist ein Werk, das sich einer Klassifikation entzieht und sicher nicht bibliographisch ist, trotzdem (irgendwie) in diesen Blogeintrag gehört: Appendix Dick von Tommi Bremm - und wer dieses sensationelle Buch nicht kennt, lese hier.
Lässt man Robinsons und Bremms Bücher, die einen durchaus anderen Charakter haben, zur Seite, so gibt es keine selbstständige deutschen Bibliographie, auch in anderen Sprachen konnte ich nichts entdecken.
Es gibt einige unselbstständige Bibliographien, die auch deutsche Veröffentlichungen umfassen. Jenseits allgemeiner Lexika, die meist gewisse bibliographische Informationen enthalten, sind wohl Uwe Antons Beiträge die umfassendsten. Mit der Dick-Bibliographie in den Materialen (1976) und in der Science Fiction Times (06/1984) bereitet er dann den umfassenden Eintrag im seltenen Entropie und Hoffnung, Tilsner (1993), vor. Kapitel 11 ist eine Auflistung deutscher und englischer Ausgaben und von Sekundärliteratur und erreicht mit 50 Seiten leicht den Umfang der selbstständigen angelsächsischen Veröffentlichungen.
Heute ist der grosse Nutzen reiner Bibliographien kaum noch zu verstehen, früher waren sie sehr wertvolle Hilfen, auch für Fans und Sammler. Aber auch heute enthalten diese Werke, auch die älteren, Informationen, die sich im Internet gar nicht oder nur sehr schwer und weit verstreut finden lassen. Die meisten dieser Werke sind schwer zu finden oder teuer - oder auch beides. Selbst die deutsche Ausgabe von Shayol scheint selten geworden zu sein. Einfach sind nur noch die verschiedenen Print-on-Demand-Ausgaben zu finden, die zwar weniger sammelbar sind, aber trotzdem Platz in jeder Sammlung finden sollten.
Ein netter Blog "nebenan" ist Popturf, dessen Idee es ist pop cultur location from movie, literature, tv & more zu beschreiben. Und natürlich konnte auch unser Phil einem (sehr umfangreichen) Eintrag nicht entkommen. Unbedingt guckenswert.
Eine Bibliographie der Bibliographien, die des öfteren selbst in verschiedenen Auflagen und Ausgaben erschienen sind, findet sich - natürlich - auch in diesem Blog.

Samstag, 13. Oktober 2018

Noch mehr Pinguine

Tux, hier nur zu Besuch
Penguin hat sich seit dem letzten Blogeintrag darüber zu einem Schwerpunkt in der Sammlung entwickelt, vielleicht, weil die Portomauer nach UK nicht so hoch ist und bestimmt auch, weil es bei Penguin so viele Ausgaben zu einem Schwerpunkt meiner Sammlung, The Man in the High Castle, gibt.
Die letzte Ausgabe von Penguin (2015) von
The Man in the High Castle
Der aktuelle Zugang zum Thema war auch wieder eine britische Ausgabe von Das Orakel vom Berge. Diese neueste Ausgabe, auch schon von 2015, bezieht sich mit dem Cover direkt auf die Serie von Amazon. Man sieht Juliana mit der Filmrolle und im Hintergrund den Obergruppenführer John Smith als drohende Gestalt. Sowohl Filmrolle als auch John Smith sind Elemente, die es im Roman nicht gibt. Und eine Angabe, wer das Cover gestaltet hat, gibt uns Penguin auch nicht.
The Man in the High Castle mit Cover von Cleon Peterson
Penguin (2014) mit dem
Cover von Cleon Peterson
und dem Zusatz NOW AN
AMAZON ORIGINAL
SERIES
In jedem Fall hat Penguin mit dieser neunten Ausgabe des Romans seinen Rekord ausgebaut - kein anderer Verlag hat so viele Ausgaben des selben Romans von Philip K. Dick herausgebracht, wie Penguin The Man in the High Castle.
Ein Grund für diese letzte Ausgabe ist natürlich die Serie von Amazon. Im Jahr vorher, 2014, gab es bereits eine neue Ausgabe, zumindest eine Ausgabe mit einem neuen Cover von Cleon Peterson. Ursprünglich hatte diese Ausgabe wohl keinen Bezug zur Serie, der wurde dann aber wohl durch die Überschrift NOW AN AMAZON ORIGINAL SERIES kurzfristig dezent hinzugefügt, wie das Bild hier zeigt. Das Original, ohne diesen Blurb, kann man in einem Blogeintrag bei It's Nice That sehen und ein wenig darüber lesen, wie solche Cover eigentlich entstehen.
Angabe der Auflage bei Penguin, hier die vierte Auflage (004)
Mir ist nicht klar, ob es so eine Ausgabe ohne Hinweis auf die Amazon-Serie wirklich gibt, das wäre dann natürlich eine relevante Variante.
Das hier gezeigte Exemplar ist scheinbar eine vierte Auflage bzw. print, zumindest interpretiere ich die kleine 004 so. Leider ist es schwierig eine frühere Auflage zu finden, da bei Angeboten von Taschenbüchern dieser Art die Angabe der Auflage in der Regel fehlt und die Plattformen meistens ein Beispielbild einspielen. Fast kein Anbieter wird bei einem sehr billigen Taschenbuch sein eigenes Bild hinzufügen. Und die Beispielbilder sind unzuverlässig, es kann sich dabei durchaus um frühe Versionen des Covers handeln, die der Verlag in Voranzeigen benutzt hat, die dann aber tatsächlich in dieser Form nie in den Handel gekommen sind. Dafür gibt es zahlreiche andere Beispiele. Man muss also regelmässig in der Bucht fischen und dort auf ein Angebot von einem Privatanbieter mit Originalbild hoffen.
Hinzuzufügen bleibt, dass es bei Penguin auch vier Anthologien gibt, die Kurzgeschichten von Dick enthalten:
  1. Final Stage (1975)
  2. Constellations: Stories of the Future (1983) beim Imprint Puffin Plus
  3. Machines That Think: The Best Science Fiction Stories About Robots and Computers (1985)
  4. Spells of Enchantment: The Wondrous Fairy Tales of Western Culture (1992) bei Penguin US
Ich erinnere hier noch mal an den Web-Tipp The Art of Penguin Science Fiction aus dem vorigen Blogeintrag zu Penguin einfach weil die Seite so gut ist. Fehlen tut dort nur die eine Anthologie, die bei Penguin US herausgekommen ist.
Ebenfalls sei hier noch mal darauf hingewiesen, dass man beim Kauf von Penguin Taschenbüchern mit unterdurchschnittlicher Erhaltung rechnen muss. Ein sonst gutes Exemplar ist bei Penguin schon aussergewöhnlich.
Der neue Web-Tipp ist die Seite von Christopher Harris, einem britischen Autoren, der ein wenig darüber erzählt, wie Philip K. Dick ihn beeinflusst hat.

Samstag, 6. Oktober 2018

The Man in the High Castle 2018 (Season 3)

Gestern, am 5. Oktober, ist die dritte Staffel vom The Man in the High Castle mit zehn neuen Folgen auf Amazon angelaufen. Erwähnenswert ist es, dass es eine dritte Staffel gibt und das sich schon die Ankündigung des Datums der Veröffentlichung sehr lange hingezogen hat. Die Fans mussten lange warten. Eine besondere Bemerkung verdient auch die Tatsache, dass bereits vor der Veröffentlichung auch schon die vierte Staffel angekündigt wurde. Tatsächlich ist jetzt auch gleich die deutsche synchronisierte Version verfügbar, deutsche und internationale Fassung starten also erstmalig bei dieser Serie gleichzeitig. Das verdanken wir vermutlich der langen Anlaufzeit.
Das Orakel vom Berge in einer französischen Ausgabe von 2013
Le Maître du Haut Château, die französische Übersetzung von The Man in the High Castle,
in der Ausgabe von J'ai Lu aus dem Jahr 2013
Mit Philip K. Dick und seinem Roman Das Orakel vom Berge hat die Serie nicht mehr sehr viel zu tun. Sie hilft aber sicher die Popularität von Dick zu erhöhen - und natürlich dabei, dass viele neue Ausgaben von The Man in the High Castle in vielen Sprachen herauskommen.
The Man in the High Castle - Das Orakel
vom Berge
, Fischer (2017)
Der Roman ist immer noch nur der am zweit meisten übersetzte Roman von Dick mit den zweit meisten Ausgaben - mit 28 Sprachen (zusätzlich zu Deutsch und Englisch) und knapp 140 Ausgaben (natürlich ist Do Androids Dream of Electric Sheep? bzw. Blade Runner die Nummer eins mit 30 Sprachen und 170 Ausgaben).
Wenig überraschend hat der Roman im Ausland, wo man bezüglich nationalsozialistischer Ikonographie weniger sensibel ist, oft entsprechende Motive für die Umschlagbilder der Romane gewählt, seien es Hakenkreuze oder Hitlers. Die deutschen Ausgaben haben das weitestgehend vermieden, die aktuelle Fischer Ausgabe zeigt den Reichsadler, vermeidet aber das Hakenkreuz, das der zeitgenössische Reichsadler sonst üblicherweise im Eichenkranz trägt. So wird das in Deutschland auch anderweitig, z. B. im Modellbau gehandhabt, das ist eine gute Übung und vermeidet auch gesetzliche Schwierigkeiten.
Deutsche Ausgabe von Philip K. Dicks The Man in the High Castle
Das Orakel vom Berge, Heyne (2000)
Die Heyne Ausgabe von 2000 mag beim Umschlagbild nicht ganz auf einen direkten Bezug zum Dritten Reich bzw. dessen Personal verzichten. Das kann man unterschiedlich bewerten. Ansonsten handelt es sich aber sicher um die schönsten deutsche Ausgabe des Romans. Der Band aus der Reihe Meisterwerke der Science Fiction hat ausser einem klugen Vorwort von Kim Stanley Robinson auch einen Anhang mit einer knappen Vorbemerkung von Uwe Anton, Biographisches Material zu Hawthorne Abendsen und Die beiden vollständigen Kapitel einer geplanten Fortsetzung zu Das Orakel vom Berge von Dick. Das gibt es so nur in dieser Ausgabe. Dick selbst hat sich später offenbar so geäussert, dass er die Fortsetzung des Romans nicht habe schreiben können, weil ihn die Schilderung der schrecklichen Verbrechen der Nationalsozialisten, mit denen er sich sehr eindringlich beschäftigt hatte, zu sehr mitgenommen haben, um einen weiteren Roman darüber zu schreiben. Das ist sicher nicht der schlechteste Grund. Und die Serie kommt auch ohne weitere literarische Vorlage aus - und kann trotzdem unterhaltsam bleiben. So lange Dicks literarisches Erbe gut bewahrt ist, wird ihm eine Serie bei Amazon nicht schaden und vielleicht sogar seine Popularität weiter fördern.
Mehr zum Orakel vom Berge gibt es hier im Blog, z. B. hier. Einen Überblick über alle deutschen Beiträge in Film, Funk und Fernsehen, gibt es hier auch.

Samstag, 8. September 2018

Kroatisch

Ferien, Sommer, Sonne, Kroatien! Kroatien ist ein beliebtes Ziel deutscher Urlauber - und es gibt in Kroatien einige Ausgaben von Philip K. Dick in der Landessprache.
Auf Kroatisch: Ubik und Čovjek u visokom dvorcu, der deutsche
Titel ist Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick
Bei näherer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass es nicht so leicht ist, festzustellen, was von Dick überhaupt auf Kroatisch erschienen ist. Es ist nämlich kein kleines Problem kroatische von serbischen Texten zu unterscheiden - über das Serbische wurde in diesem Blog auch bereits berichtet. Die Probleme bei der Abgrenzung des Kroatischen vom Serbischen entspringen natürlich der Entwicklung dieser Sprachen bzw. - laut Wikipedia linguistisch korrekt - diesen zwei Standardvarietäten des südslawischen Zweigs der slawischen Sprachen, die massgeblich von den politischen Verhältnissen auf dem Balkan beeinflusst ist.
Bis zur Unabhängigkeitserklärung Kroatiens von 1991 war Serbokroatisch die Amtssprache. Zur Unterstützung der eigenen nationalen Identität ist man seitdem bemüht, das Kroatische klar vom als zuvor aufgezwungen wahrgenommene Serbischen bzw. Serbokroatischen abzusetzen. Man kann vermuten, dass auch die baskische und katalanische Ausgabe letztlich aus ähnlichen, eben politischen Motiven heraus entstanden sind.
Ich habe nun für die Systematik in meinem Katalog den Entschluss gefasst, dem Kroatischen - zumindest vorerst - nur die Ausgaben nach 1991 zuzurechnen. Der erste ins Kroatische übersetzte Roman ist somit wohl Oko Na Nebu [Eye in The Sky] im Sammelband Monolith 001. Die Bibliotheken führen dieses Werk online (meist) als Kroatisch. Die neueste Ausgabe, Das Orakel vom Berge, ist auf Kroatisch Čovjek u visokom dvorcu, aus diesem Jahr und unzweifelhaft in kroatischer Sprache: Der serbische Titel von 1977 ist Čovek u visokom dvorcu. Dazwischen liegen vier weitere kroatische Romane - die erstklassigen Romane Blade Runner, Der dunkle Schirm und Ubik und das dagegen wohl deutlich abfallende Deus Irae - und dazu immerhin drei Sammlungen von Kurzgeschichten, sowie zahlreiche in verschiedenen Magazinen und Anthologien einzeln veröffentlichte Geschichten. Auf der Balkanhalbinsel sind Kurzgeschichten offenbar noch beliebt.
Für den Aufbau einer Sammlung in diesem Bereich helfen auf jeden Fall Sprachkenntnisse, die Unterscheidung von serbischen und kroatischen Ausgaben ist eben schwierig. Immerhin wird Kroatisch ausschliesslich mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Kroatische Ausgaben, auch antiquarische, sind über das Internet eigentlich leicht zu finden - und auch erhältlich, allerdings wir es dann recht mühsam mit den Bedingungen für Zahlung und Versand. Aber Kroatien ist immer eine Reise wert und die aktuelleren Titel sind dort im Buchhandel noch erhältlich. Und wenn man nicht selber fahren kann, hat man vielleicht eine nette Kollegin, die dort in ihrem Urlaub ein Buch besorgen kann.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich wie immer hier im Blog.

Samstag, 1. September 2018

Französisch

Frankreich! Das Land, das Philip K. Dick am meisten geliebt hat. Und dieser Satz gilt wohl in beiden seiner Bedeutungen. Kurzgeschichte und Roman sind in Italien vor entsprechenden Ausgaben in Frankreich erschienen und es gibt dort auch insgesamt mehr Ausgaben, aber die Liebe der Franzosen zu Dick erscheint doch grösser zu sein als die der Italiener - oder auch die der Deutschen. In jedem Fall wird diese Zuneigung von Dick mehr erwidert. Frankreich und Metz spielen in seinen Äusserungen immer wieder eine grosse Rolle. Er erzählt immer wieder vom 2eme Festival International de la SF de Metz im September 1977 und schreibt auch regen Briefverkehr mit Frankreich. Dick plante wohl bis zu seinem Tod eine weitere Reise nach Frankreich (mit - wohl, möglicherweise - einem Abstecher nach Deutschland).
Die Gründe für diese Verehrung durch die Franzosen sind sicher vielfältig. Es mag nicht nur daran liegen, was Dick geschrieben hat, sondern auch an der politischen Situation, vorhanden war sie auf jeden Fall. Mehr dazu nachlesen lässt sich im Artikel Dick in France: A Love Story von Roger Bozetto in Science-Fiction Studies #45 (1988). Dick wurde zu einer Kultfigur für französische Intellektuelle, an Fachbereichen für englische Literatur blieb er dagegen eher unbekannt.
Die erste französische Veröffentlichung war, wie üblich, eine Kurzgeschichte, hier Le sacrifié, auf Deutsch Entbehrlich [Expendable] im März 1954. Als erster Roman erscheint Les Mondes Divergents auf Deutsch Und die Erde steht still [Eye in the Sky] im Jahr 1959.
Insgesamt sind mehr als 215 Ausgaben der Science Fiction-Romane, 55 Ausgaben von Kurzgeschichtensammlungen und 23 Ausgaben aller neun Romane erschienen, weiterhin 15 Sammelbände und natürlich viele Kurzgeschichten in allgemeinen Anthologien.
Ubik in französischer Übersetzung, UGE (1999)
Heute erscheint Dicks Werk (überwiegend) beim renommierten Verlag Gallimard, auch das zeigt den hohen Stellenwert, den Dick in Frankreich hat. Und nur in Frankreich wird Dick auf französisch publiziert, ich konnte keine französischen Ausgaben aus Belgien oder anderen Ländern finden.
Französische Bücher sind in Deutschland problemlos zu erhalten. Da auch Antiquariate und private Verkäufer (sehr) günstig nach Deutschland versenden - und das Bezahlen dank SEPA gar kein Problem mehr ist - sind dem Sammeln französischer Ausgaben auch in Deutschland keine Grenzen gesetzt. Und es gibt sehr viel zum Sammeln!
Eine umfangreiche französische Bibliographie findet sich bei nooSFere und im auch sonst recht aktiven Blog dickien.fr; und es gibt auch noch viel mehr - und vielleicht sogar bessere - französische Webseiten zu Philip K. Dick, diese beiden sind mir jedoch immer wieder begegnet und vor allem derzeit auch noch am Leben.
Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich natürlich auch hier im Blog.

Samstag, 18. August 2018

Easton

Manchmal führt auch der längere Weg schneller zum Ziel. Bei der Suche nach skandinavischen Ausgaben, Norwegen ist noch eine markante Lücke in der Sammlung, bin ich über eine sehr - wirklich sehr! - günstige Easton-Ausgabe gestolpert, der ich dann - wie sollte es anders sein - nicht widerstehen konnte.
Das Kaufen im Ausland ist unterschiedlich schwierig. Für Skandinavien ist antikvariat.net eine seriöse Adresse mit einem grossen Angebot, der man seine Kreditkarten anvertrauen mag. Dort habe ich, bei einem norwegischen Antiquariat, die erste Auflage Easton-Ausgabe von The Man in the High Castle zu einem wirklich guten Preis gefunden, eher zufällig - ich war eigentlich auf der Suche nach einer norwegischen Ausgabe des Buchs. Man muss wissen, dass die Easton-Ausgaben nicht billig sind. Easton Press bietet Luxusausgaben von populären Büchern an, typisch ist der Ledereinband und der mit 22 karätig vergoldete Schnitt.
The Man in the High Castle mit Collector's Notes
Philip K. Dick: The Man in the High Castle, Easton Press (1988) in braun mit Collector's Notes
Von Philip K. Dick gibt nur drei Ausgaben bei Easton Press. Die erste Auflage von The Man in the High Castle ist von 1988, seltener und deutlich teurer ist jedoch die zweite dunkelgrüne Auflage bzw. Ausgabe von 1995. Die teuerste der drei Ausgaben ist allerdings Do Androids Dream of Electric Sheep? von 2008.
Zu erwähnen sind noch die jedem Buch beigelegten Collector's Notes, eine einfach Seite, ohne die das Buch jedoch viel Wert verlieren würde - man sollte also angesichts der notwendigen Investition sicherstellen, dass diese Notes nicht fehlen.
Mir hat diese Anschaffung trotz günstigem Preis ernsthaft das Budget angegriffen, der geplante Angriff auf Penguin wird sich also noch noch einmal etwas verzögern. Und eine norwegische Ausgabe von Dick fehlt noch immer.
Es gibt noch weitere Verlage, die solche Luxusausgaben herausbringen, so etwa Gregg Press und Folio Society. Die deutschen Ausgaben von Edition Phantasia kann man damit nicht vergleichen, da diese zwar auch teuer und selten sind, Edition Phantasia aber durchgängig deutsche Erstausgaben herausgebracht hat, Easton und die anderen aber immer nur bestehende Ausgaben neu aufgelegt hat.
Eine andere Plattform für skandinavische Bücher, auf der auch sehr viele englische Ausgaben auftauchen, ist Bokbörsen. Man findet dort aber auch dänische und wohl auch norwegische Ausgaben.

Samstag, 4. August 2018

Heyne, unvergessen, unvermeidlich

Erst kürzlich, bei der Durchsicht älterer Blogeinträge, ist mir aufgefallen, dass ich den für Philip K. Dick, wohl für die Science Fiction insgesamt wichtigsten deutschen Verlag überhaupt, bisher ausgelassen habe: den Heyne Verlag.
Der Heyne Verlag wurde knapp 70 Jahre nach seiner Gründung und Selbstständigkeit 2001 zuerst von Axel Springer übernommen und ist nach einer weiteren Übernahme heute Teil der Random House Verlagsgruppe, die 2001 auch Luchterhand übernommen hat, ein Verlag der auch einen (kleinen) Beitrag (2 Bücher) zur Sammlung beigetragen hat.
Die erste Ausgabe eines Romans von Dick bei Heyne ist Träumen Roboter von elektrischen Schafen? von 1971, noch in Lizenz vom Marion von Schröder Verlag, die leider letzte Ausgabe von Dick ist der Sammelband Blade Runner, Ubik, Marsianischer Zeitsturz von 2009, letzteres ist eines von zwei Büchern, das derzeit auch noch beim Verlag erhältlich ist.
Dazwischen sind über 80 Einträge im Katalog, so viele wie von keinem anderen deutschen Verlag. Allerdings ist da nicht nur die Primärliteratur, Romane, Sammlungen und Reader und Anthologien, die einzelne Kurzgeschichten enthalten, sondern auch Sekundärliteratur und anderes bis hin zu Kuriosa. Darunter sind einige Erstveröffentlichungen und ein paar Singles, die nur einmal herausgekommen sind.
Herauszuheben ist das 1990 von Uwe Anton herausgegebene Willkommen in der Wirklichkeit: Die Alpträume des Philip K. Dick.  Es ist das einzige Buch in meinem Katalog, dessen deutsche Ausgabe es ins Englische geschafft hat, unter dem Titel Welcome to Reality: The Nightmares of Philip K. Dick. Das beinhaltet Kurzgeschichten mit eher sperrigen Titeln wie Philip K. Dick Is Dead and Living Happily in Wuppertal von Ronald M. Hahn, im Original natürlich Philip K. Dick ist tot und lebt glücklich und zufrieden in Wuppertal-Vohwinkel. Dieses Buch ist m. E. für eine Sammlung relevant, obwohl es nur eine Kurzgeschichte von Dick enthält, weil es eine einmalige Sammlung von Meta-SF zu Philip K. Dick ist. Und deshalb ist es wohl auch zur Übersetzung gekommen. Man darf vermuten, dass der Herausgeber beim Entstehen dieser Sammlung eine herausragende Rolle gespielt hat.
Philip K. Dick herausgegeben von Uwe Anton
Die zwei bemerkenswertesten Ausgaben von Dick beim Heyne Verlags,
beide herausgegeben von Uwe Anton: Willkommen in der Wirklichkeit
und der Reader Kosmische Puppen und andere Lebensformen
Erwähnen kann man auch noch die Anthologie Kosmische Puppen und andere Lebensformen von 1986, die bisher einzige deutsche Ausgabe von Cosmic Puppets. Dicks Novelle ist ergänzt um eine Auswahl von Kurzgeschichten und - wichtiger - einigen Essays von und über Dick, die wir sonst wohl nicht auf Deutsch gesehen haben. Dabei ist auch Dicks If You Find This World Bad, You Should See Some of the Others, auf Deutsch Wenn Sie glauben, diese Welt sei schlecht, sollten Sie einmal ein paar andere sehen. Auf Englisch ist dies erst 1991 in der PKDS Newsletter und 1995 in den Selected Writings erschienen.
Insgesamt spiegelt die Relevanz von Heyne für Philip K. Dick die Bedeutung von Heyne für die Science Fiction in Deutschland insgesamt dar, insbesondere um die goldenen 80er Jahre herum. Jenseits von den Aktivitäten von Uwe Anton ist nicht wirklich ein Plan zu sehen, den gibt es erst mit der Philip K. Dick Werk Edition.
Was es für den Sammler bei Heyne leicht macht (auch wenn man das als Sammler vielleicht gar nicht immer will) ist es, dass die Ausgaben bei Heyne alle sehr sorgfältig ausgezeichnet sind. Saubere ISBNs, die Auflage ist im Impressum angegeben, es gibt aber zwischen den Auflagen sonst keine Abweichungen, es gibt (zumindest im Umfeld von Dick) gar keine versteckten Abweichungen usw., Heyne ist einfach zu sammeln.
Praktisch alles von Heyne zu Philip K. Dick ist verfügbar und auch bezahlbar - und das gilt wohl auch über die Werke von Dick hinaus, zumindest im Bereich der Science Fiction. Selbst die frühesten Science Fiction Ausgaben sind sehr bezahlbar erhältlich. Heyne stellt hier keine hohen Ansprüche an Sammler, nur auf die Erhaltung und Remittenden-Stempel sollte man achten.
Alles von und zu Philip K. Dick bei Heyne, inklusive dem Inhalt des von Uwe Anton herausgegebenen Readers findet sich auf dieser Seite im Blog.

Samstag, 7. Juli 2018

Русский язык - oder auch: Russisch

Eine russische Ausgabe von Deus Irae
Господь Гнева, im Original Deus Irae, in der zweiten
von sechs russischen Ausgaben von 2003 bei Eksmo
Russisch ist eine weit verbreitete slawische Sprache, die überwiegend, aber eben nicht nur in Russland gesprochen wird. Die zweifelsfrei erste Veröffentlichung von Philip K. Dick im russischen Sprachraum war bereits im April 1958 die Kurzgeschichte Der Bunker in der sowjetischen Zeitschrift Ogonek, man kann mehr darüber in diesem Blogeintrag nachlesen.
Erst 1970, noch in sowjetischer Zeit, folgten die Erinnerungen en gros [We Can Remember It For You Wholesale] und dann in den 80er Jahren etwa ein halbes Dutzend weitere Veröffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien. Auch der erste Roman, Der Dunkle Schirm [A Scanner Darkly], wird in einer Zeitschrift, Junost' (Юность) das ist zu deutsch Jugend, als Fortsetzung in drei Teilen im Jahr 1989 (in den Ausgaben 4 bis 6) publiziert - zumindest in Auszügen: Die Inhaltsangaben zeigen insgesamt nur 38 Seiten für den Roman an, das erscheint recht wenig für einen vollständigen Abdruck zu sein, zumal die Ausgabe auch illustriert ist.
In der Endphase der Sowjetunion, in den Jahren 1990 und 1991, werden zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht, 1992 in Russland dann zahlreiche Sammelbände mit Dicks wichtigsten Werken wie Ubik, DADoES, Die drei Stigmata des Palmer Eldritch und Das Orakel vom Berge.
Es sind dann in der Folge alle Romane von Dick auf Russisch herausgekommen, inbegriffen die Mainstream-Romane. Nicht erschienen sind nur die Sämtlichen Erzählungen, nur einige Sammlungen von Kurzgeschichten - offenbar sind Kurzgeschichten (zumindest die von Dick) in Russland weniger beliebt.
Auffällig ist, dass sehr viele Sammelbände gibt, die bis zu fünf Romane enthalten. Und es gibt auf Russisch sehr viele Hardcover-Ausgaben und nur wenige Taschenbücher des Paperback Writers Dick.
Aber wie einleitend schon angedeutet, russische Veröffentlichungen sind nicht auf Russland begrenzt. Es gibt einzelne russische Ausgaben auch aus Weissrussland und Lettland, aber auch aus der Ukraine und Estland, obwohl in den beiden letztgenannten Ländern auch Veröffentlichungen in der jeweiligen Amtssprache herausgekommen sind, schon länger in Estland, erst kürzlich in der Ukraine.
Eine sehr, sehr schöne und offenbar (fast) vollständige Bibliographie aller russischer - und einiger anderer - Ausgaben findet sich hier, allerdings auf russisch; dank dem Google-Übersetzer ist das aber (fast) kein Problem mehr.
Mein Dank gilt hier dem genannten Google-Übersetzer und auch 5goldig.de, dem kostenlosen Online-Transliterations-Zeichen-Translator: Danke!
Und zum Abschluss, wie immer: Eine Liste aller Sprachen, in die Philip K. Dick übersetzt ist, findet sich hier im Blog.

Samstag, 23. Juni 2018

Lange nicht gesehen

Im Zeitalter des Internets sind für den Sammler von Science Fiction Literatur, auch der von Philip K. Dick, fast alle gewünschten Ausgaben fast jederzeit verfügbar. Das gilt so meist auch für die teuren Ausgaben, denn der hohe Preis belebt den Markt. Begrenzender Faktor ist hier, wie so oft, nur die Verfügbarkeit von Geld. Bei den wirklich seltenen Exemplaren gibt es zwei Kategorien: Die sehr teuren, bekannten und legendären Sammlerausgaben, die aus verschiedenen Gründen selten, knapp und teuer sind, frühe gebundene Erstausgaben zumeist. Bei Dick sind das im Deutschen einige Ausgaben von Edition Phantasia und im Englischen etwa der umbenannte The Philip K. Dick Omnibus von Gollancz (nicht der etwas weniger seltene von Sidgwick & Jackson).
Deus Irae von Sphere (1979)
Deus Irae von Philip K. Dick und Roger Zelazny in einer
zumindest weniger häufigen Ausgabe von Sphere
Es gibt aber auch die heimlichen Raritäten, Ausgaben, denen man nicht ansieht, das sie schwer zu finden sind, bei denen nichts darauf hinweist, wie schwer sie zu finden sind.
Ein solche Ausgabe ist mir jetzt wohl ins Netz gegangen. Als ich diese, in der Sammlung noch fehlende Ausgabe von Deus Irae gesehen habe, war sie wegen ihres günstigen Preises (Versand aus Deutschland!) sowieso schon interessant. Diese spezielle Ausgabe von Sphere ist allerdings nach meinen persönlichen Erfahrungen ziemlich selten, vielleicht sogar ausserordentlich selten. Sie ist laut Precious Artifacts aus dem Jahr 1979, das Impressum sagt zwar Published ... 1978, das ist aber wohl von der vorigen Auflage übernommen. Selbst Bilder von diesem Buch sind im Internet nur schwer zu finden, The Philip K. Dick Bookshelf hat eines, bei der Internet Speculative Fiction Database fehlt die Ausgabe aber ganz.
Tatsächlich ist es nicht leicht, einen Preis für solche Ausgaben zu ermitteln. Es gibt wenig Fundstellen über Preise im unteren Preissegment - über hohe Preise finden sich gelegentliche Nennungen im Internet, wie z. B. Auktionsergebnisse. Die Bibliographien machen in der Regel wenig Aussagen. Nur in Precious Artifacts finden regelmässig Aussagen über sehr hohe Preise, aber auch seltene Exemplare. Hier steht über Deus Irae, dass both the 1978 and 1979 Sphere editions are quite rare. Für die Ausgabe von 1978 kann ich das allerdings nicht nachvollziehen, sie ist in grosser Zahl günstig erhältlich, für die von 1979 fühle ich mich bestätigt.
Ein besonderes Problem dieser Ausgabe für Sammler und Anbieter ist, dass Sphere die ISBN (0-7221-2983-1) nicht nur für die Ausgabe von 1979 verwendet hat, sondern auch für die von 1982 mit einem Titelbild von Les Edwards ("metallene Frau") und die von 1988 mit einem Titel von Peter Gudynas ("pyramide mit Auge").
Es gibt weitere vereinzelte Taschenbuchausgaben, die relativ unauffällig quite rare sind.  Ich habe, auch mit Hilfe von Precious Artifacts, für mich begonnen für einzelne Bücher Marktpreise zu ermitteln und dabei auch die Breite des Angebots betrachtet und dabei ein paar weitere Kandidaten ermittelt, nach denen ich jetzt verstärkt Ausschau halte. Insgesamt ist das aber ein recht mühsamer Prozess. Ich denke, dass für mich weitere schwierigen Ausgaben sichtbar werden, wenn die Löcher in der Sammlung weniger werden.
Die einzige deutsche Übersetzung von Deus Irae ist Der Gott des Zorns von Bastei Lübbe (1979), zwar ein Single, es gibt keine weitere Ausgabe, aber trotzdem leicht und sehr günstig zu finden - wie immer bei Büchern dieses Verlags aus dieser Zeit, hüte man sich vor Remittenden.
Ein Gefühl für die Preise, die derzeit gezahlt werden, kriegt man, wenn man auf der Bucht nach den beendeten Geboten sucht und nicht auf die Angebote, die noch keinen Käufer gefunden haben. Und das sollte man natürlich in Dicks Heimatland tun, in Deutschland ist das Angebot naturgemäss klein - und ich denke auch die Nachfrage, aber vielleicht irre ich mich ... ?
Der Vollständigkeit halber folgt hier noch ein Verweis auf Dick bei Bastei Lübbe.