Samstag, 20. Juni 2020

Fast identische Simulacra

Philip K. Dicks Simulacra, 1. (links) und 2. Auflage mit identischem
Umschlagbild
Dieser Blog ist über das Sammeln und so gab es und gibt es hier hin- und wieder auch Beiträge, die dem Aussenstehenden, dem nicht-Sammelnden, ein wenig zu speziell erscheinen mögen. Dieses mal geht es um die zwei Auflagen der deutschen Erstausgabe von Simulacra. Die amerikanische Erstausgabe von Philip K. Dicks The Simulacra erschien, wie so viele der frühen Werke von Dick, im August 1964 bei Ace Books mit einem wunderbaren Titelbild von Ed Emshwiller. Im Dezember 1978 folgte dann beim Knaur Verlag die deutsche Erstausgabe in der Science Fiction Reihe mit der Verlagsnummer 708, übersetzt von Uwe Anton. Eine zweite Auflage folgt im April 1980. Die beiden Auflagen von Simulacra blieben der einzige Beitrag von Knaur von und zu Philip K. Dick in Deutschland.
Der Buchrücken von Dicks Simulacra bei Knaur: Erste Auflage (unten) und zweite Auflage (oben)
Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Auflagen überhaupt nicht und sie wären damit auch nicht weiter interessant. Verdächtig wird der Nachdruck aber, weil die Verlagsnummer hier 5708 ist. Und ein Blick auf die Rücken der Bücher entlarvt die zweite Auflage als relevante und ggf. sammelwürdige Variante der ersten Auflage: Die zweite Auflage trägt unten als Verlagslogo ein stilisiertes K und die längs gestellte neue Verlagsnummer 5708, auch das blaue Logo der Science Fiction Reihe ist anders gestaltet. Man kann vermuten, dass Knaur zwischenzeitlich das Design (und die Nummerierung) der Reihe geändert hat und dies auch bei dieser Neuauflage angepasst hat. Der Preis von 5,80 DM, angezeigt über die dezente "580" ganz oben auf dem Rücken, hat sich zwischen den Ausgaben nicht geändert.
Impressum der
ersten Auflage (1978)
Impressum der
zweiten Auflage (1980)
Ein Blick ins Impressum zeigt, dass die zweite Auflage jetzt in Gütersloh gedruckt wurde, vorher kam sie aus Augburg. Interessanter ist aber die Angabe der Auflagenhöhe, die in der ersten Auflage vollständig fehlt (und die man auch in aktuellen Ausgaben leider gar nicht mehr findet). Nach fünfzehntausend Exemplaren sind es in der zweiten Auflage nur noch fünftausend –und das spiegelt sich auch bei den Angeboten wieder, zweite Auflagen sind deutlich schwerer zu finden.
In meiner Sammlung finden sich beide Auflagen, die zweite Auflage war zuerst da, die erste folgte später und die zweite darf nun bleiben.
Nach dieser deutschen Erstausgabe ist Simulacra noch einmal bei Heyne (2005) in der Werkedition mit einer überarbeiteten Übersetzung herausgekommen. Bei Fischer in der Klassik-Reihe fehlt sie – noch.
Simulacra bei Heyne in der
Werkedition von 2005
Die in beiden Auflagen
identische Rückseite der
Ausgabe von Knaur
Es gibt neun englische Ausgaben des Romans, der wie einige andere Bücher von Dick, die Erweiterung einer kurz vorher erschienenen Kurzgeschichte ist. Novelty Act erschien zuerst in der Februar 1964 Ausgabe von Fantastic und dann erst wieder in den Collected Stories. Auf deutsch heisst die Erzählung Komische Nummer und ist nur in den Sämtlichen Erzählungen erschienen.
Finden kann man die beiden Ausgaben von Knaur von Simulacra, aber die zweite Auflage ist tatsächlich schwerer zu finden, insbesondere natürlich, weil Anbieter die bibliographischen Details, d. h. hier die Auflage, meist nicht (richtig) angeben.
Der Web-Tipp ist die Seite des 2014 verstorbenen Patrick Woodroffe, von dem die Umschlagillustration für die Ausgabe von Knaur ist. Das Motiv ist ursprünglich für die Ausgabe von Pan Books (1974) von Robert A. Heinleins The Door into Summer gestaltet, die barbusige Schönheit in der Mitte des Bildes gehört auch zur diesem Roman, weniger zu Simulacra. Woodroffe hat auch für die deutsche Erstausgabe von Der dunkle Schirm bei Bastei (1980) das Domino Umschlagbild beigesteuert – und (ein anderes) für eine griechische Ausgabe des selben Romans von 1993.

Preise

"Simulacra", Knaur (1978/1980), ISBN 3-426-00708-8. Zwischen 4 und 10 Euro

Samstag, 6. Juni 2020

Koreanisch

Nach längerer Zeit habe ich mich wieder den Übersetzungen zugewandt und konnte einer relativ günstige Gelegenheit nicht widerstehen: einer koreanische Ausgabe von Philip K. Dick bzw. 필립 K. 딕.
Ein Paket aus Korea
Die erste koreanische Ausgabe von Philip K. Dick war – natürlich – Do Androids Dream of Electric Sheep? – natürlich – unter dem Titel Blade Runner bzw. 블레이드 러너. Und das erst im Jahre 1993. Allerdings gilt für alle Angaben in diesem Text, dass sie ausschliesslich im Internet recherchiert sind, mit der freundlichen Hilfe von Google Übersetzer, der sich allerdings mit Koreanisch schwer tut. Ich kann – natürlich – kein Koreanisch lesen und ich habe keine gute umfängliche Informationsquelle finden; häufig finden sich Fan-Seiten oder wenigstens allgemeine Science Fiction Seiten, die umfassende Listen der Bücher von Dick zur Verfügung stellen, in Südkorea ist das nicht der Fall. Meine Angaben sind hier also überdurchschnittlich unzuverlässig. Und es geht in diesem Artikel immer nur um Südkorea, man sollte wohl auch keine Ausgaben von Dick in Nordkorea erwarten.
Der Katalog umfasst 28 koreanische Ausgaben. Davon sind 17 Ausgaben von 12 verschiedenen Science Fiction Romanen, zwölf der Romane sind 2011/2012 in der Meisterwerke Reihe bei Polar erschienen. Diese Werkausgabe enthält die stärksten Werke von Dick wie Ubik, Eine andere Welt, Marsianischer Zeitsturz, Das Orakel vom Berge und die drei Bände der VALIS-Trilogie.
Ausserdem gibt es acht Anthologien. Der starke Fokus auf Büchern, die im Zusammenhang mit Filmen stehen, ist auffällig: Es finden sich dort NextImposterPaycheckThe Minority Report.
Ich konnte noch einige wenige Bücher finden, die Kurzgeschichten von Dick enthalten, gerade diese Kategorie ist aber sicher unvollständig.
Die letzte Ausgabe von Dick in Südkorea war 2017. Die Sammlung Orpheus mit Pferdefuss hat bereits ein ISBN, die mit 979 beginnt, das ist etwas ungewohnt. Die 978er Nummern sind in Korea offenbar „aufgebraucht“, wir finden das für Ausgaben von Dick auch schon in Frankreich und der Türkei.
Akut ausgelöst hat mein Interesse ein Sonderangebot beim britischen Anbieter Book Depository. Dort war mir schon länger eine koreanische Anthologie von Dick ins Auge gefallen. Dieser Versender ist (sonst) verlässlich und schnell, bei geringem Porto und oft auch günstiger als der Marktführer. Der Band war jetzt heruntergesetzt, ich musste jetzt also bestellen! Nach dem Kauf war das Buch dann leider doch nicht mehr lieferbar.
Koreanischen Ausgaben von Ubik und, mit obligatorischen Schaf auf
dem Umschlagbild, Do Androids Dream of Electric Sheep?
Das hat mich dazu gebracht, noch einmal intensiv zu suchen. Ich habe mein Exemplar dann letztlich beim koreanischen Anbieter Gmarkets gekauft. Die Bestellung und Zahlung war letztlich relativ einfach, die Versandkosten eher hoch, aber da ich nun nun unbedingt eine koreanische Ausgaben haben wollte, sollte es so sein. Ich habe mich hier für Do Androids Dream of Electric Sheep? und zusätzlich – die Bücher sind nicht teuer, die Versandkosten für zwei Bände nur wenig höher – für Ubik aus der Meisterwerke Serie. Leider hat Gmarkets wohl die Versandkosten nicht (korrekt) deklariert, daher ist die Sendung beim Zoll hängengeblieben. Der Besuch beim Zollamt ist immer etwas umständlich und vor allem zeitraubend, Geld gekostet hat es tatsächlich aber nicht, vermutlich, weil die Gebühren unter fünf Euro gewesen wären (man hat sich da im Amt nicht so genau geäussert und mich hat es dann auch nicht so interessiert).
Koreanische Ausgaben werden auch gelegentlich in den USA angeboten, man kriegt sie also durchaus, allerdings teuer und mit hohem Porto. Daher habe ich auch lange auf eine günstige Gelegenheit gewartet.
Es gibt offenbar auch einige koreanische Dienstleister, die im Auftrag in Korea einkaufen und dann nach Europa versenden. Fans von Mangas, koreanischer Musik oder (Ver-)Kleidung mögen das nutzen, es lohnt sich aber nur bei grösseren Mengen.
Eine Liste aller Sprachen und der jeweiligen Erstausgaben von Philip K. Dick gibt es hier im Blog.

Preise

"안드로이드는 전기양의 꿈을 꾸는가?" [Do Androids Dream of Electric Sheep?] und 유빅 [Ubik] von Polar, jeweils etwa 10 Euro

Samstag, 23. Mai 2020

Otto Basil - wenn das der Führer wüsste

Es ist schon wieder etwas her seit ich über die ersten beiden Ausgaben des Magazins !Time Machine berichten konnte. In der zweiten Ausgabe fand sich ein Artikel von Hans Frey über Religion und Science Fiction. Es wurde dort das Thema „esoterischer Nordlandmythen“ gestreift und dabei auch Otto Basils Alternativweltroman Wenn das der Führer wüsste herausgehoben und (natürlich) mit Philip K. Dicks Roman Das Orakel vom Berge verglichen; seinerzeit wurde ja gerade die vierte Staffel der Serie The Man in the High Castle bei Amazon veröffentlicht, die auf Dicks Buch basiert.
Otto Basil: "Wenn das der Führer wüsste", Moewig (1981)
Helmut Wenskes Umschlagbild für Otto Basils Wenn das der Führer wüsste
Nun hat auch Basils Werk den Weg in meine Sammlung gefunden, leider innen etwas schmutziger als der sehr saubere Umschlag erwarten liess. Das Thema des Romans ist aber nur der halbe Grund, der andere ist das sehr ansehnliche Umschlagbild.

Wenn das der Führer wüsste

Im Buch folgen wir dem Strahlungsspürer Albin Totila Höllriegel. Und hier zeigt sich der grösste Unterschied zu Dicks Roman, den ich in diesem Blog eben für einen Vergleich hinzuziehen muss: Dicks Protagonisten sind sympathische Menschen, zu denen der Leser Mitgefühl entwickeln muss, Mr. Tagomi ist vielleicht sogar die tiefgründigste Figur in Dicks Werk. Höllriegel dagegen ist sicher auch in gewissen Umfang ein Opfer (der allgemeinen Umstände), insgesamt zeigt er aber wenig Reflektion oder gar Mitleid … und dabei ist er ein begeisterter Täter, der die Umstände gerne nutzt. Auf jeden Fall will man keine Sympathien für diesem Menschen entwickeln – oder irgend einen anderen, dem Höllriegel begegnet. Basil zeigt die Brutalität und Perversion des Nationalsozialismus, Dick zeigt uns Menschen in schwierigen Situationen, der Alternativweltroman ist das gemeinsame Mittel. Natürlich deutet auch Dick die Brutalität der Nazi-Herrschaft an, es ist aber nicht sein Thema. Als er sich für die Fortsetzung seines Romanes tiefer damit beschäftigt und nach eigener Aussage auch Protokolle von Verhören mit Tätern liest, gibt er auf: Das Thema wird für ihn zu brutal.
Eine ausführliche Kritik zu Basils Roman zur Neuauflage von 2010 kann man andernorts nachlesen.

Darf man das?

Die Ausgabe von Moewig hat ein Vorwort von Helmut Krohne, das nur hier publiziert ist und das Werk politisch korrekt einordnet. Krohne ist ein Bekannter von Alpers, sie haben gemeinsam publiziert, Alpers war zeitweise Redakteuer der sehr linken Science Fiction Times.
Basil stellt die Brutalität der nationalsozialistischen Herrschaft mit dem Mittel der Satire da. Ist die Beschreibung eines solchen fiktiven Erfolges der Nazis aber geeignet – oder doch eher problematisch? Dirk Rupnow schreibt in Vernichten und Erinnern, dass das Beschreiben eines (End-)Sieges ein problematisches Unternehmen in Ländern der Niederlage ist, weil ein fragwürdiger nostalgischer Impuls sichtbar wird. D. h. beim Autor und ggf. auch beim (deutschen) Leser kommt vielleicht doch eine klammheimliche Freude beim Gedanken eines für Deutschland siegreichen Ausgangs des zweiten Weltkrieges auf (man möchte sagen, in der zeitlichen Nähe von 1966 vielleicht noch mehr als heute, muss aber wohl einsehen, dass das heute für einige doch eher mehr der Fall ist). 
Basil zeigt uns nun die Konsequenzen dieses fiktiven Sieges, ich denke nicht, dass dabei Freude aufkommt: Passierscheine, Bezugsscheine, Formulare ... und alles ist grau und bedrückend und angsterregend, selbst für die Protagonisten. Und auch Dicks Roman taugt nicht, um sich über einen deutschen Sieg zu begeistern, wir sehen auch wenig deutsche Sieger. 
Problematischer ist es da allerdings mit der Verfilmung bei Amazon: The Man in the High Castle zeigt viele prächtige Uniformen, glänzende Lederstiefel und alles, was das amerikanische Kino seit Jahren auffährt, um oppulente Bilder zu gestalten. Natürlich sind die Nazis immer böse und werden besiegt, aber schön anzusehen sind sie dabei.

Kannte Basil Dicks Roman?

Die Erstveröffentlichung von Wenn das der Führer wüsste war 1966, The Man in the High Castle ist 1962 erschienen, die deutsche Übersetzung bei König aber erst 1973. Ein Hugo-Gewinner war aber sicher kein Geheimnis in Österreich, Basil der SF-Szene aber wohl eher fern: Basils einziger Roman ist auch sein einziger Beitrag zur Science Fiction, daher wird es wohl in der SF Gemeinschaft wenig erwähnt. Hans Joachim Alpers nennt den Roman dann im Nachwort aber einen der wichtigsten literarischen Beiträge zur deutschen Science Fiction, trotzdem ist es von Basil wohl ein unabsichtlicher Beitrag zum Genre. Auch Robert Harris Alternativweltroman Vaterland (Fatherland, 1992) ist wohl eher dem im angelsächsichen eher spielerischen Umgang mit Geschichte zuzuschreiben als eine Neigung zu Science Fiction. Auf deutscher Seite fällt einem noch Carl Amery ein, er hat sich auch mit einige Beiträge der Science Fiction zugewandt, sein Roman Der Untergang der Stadt Passau, Erstausgabe bei Heyne (1979), sei genannt, weil mein Favorit. Es gibt aber gerade in den letzten Jahren zunehmend deutsche Beiträge zum Thema Alternativweltroman. 
Die Vergleiche der Romane von Basil und Dick sind erst viel später gemacht worden. Ausserdem hat Dick den Alternativweltroman nicht erfunden, Basil brauchte Dick nicht … eine sichere Aussage kann und braucht man also nicht machen.

Und so … 

Das oben angesprochene Umschlagbild ist von Helmut Wenske, der auch für einige Romane von Dick die Illustration der Umschläge gemacht hat, dazu vielleicht später mehr in diesem Blog.
Die allwissende Wikipedia schreibt den Titel des Buches übrigens konsequent mit einem Ausrufungszeichen, Wenn das der Führer wüsste!, steht damit aber allein – und liegt natürlich falsch, das zeigt auch der Eintrag bei der Deutschen Nationalbibliothek. Verbindlich ist dafür natürlich die Titelseite.
Zu kaufen gibt es alle drei Ausgaben des Buchs, einfach und günstig – Sammler, bitte auf die Erhaltung achten, gerade Moewig von 1981 ist gerne eine Remittende. Die neueste Ausgabe gibt es auch noch frisch beim Verlag. Leider ein aktuelles Werk.
Im vergangenen April ist gerade die dritte Ausgabe der !Time Machine beim Wurdack Verlag herausgekommen.
Der Web-Tipp ist die enlischsprachige Seite Uchronia, die Liste der Alterantivweltgeschichten, die auf den ersten Blick ausgesprochen vollständig wirkt, auch wenn u. a. Thomas Zieglers Die Stimmen der Nacht fehlt. Eine sehr unvollständige Bibliographie gibt es hier im Blog.

Preise

"Wenn das der Führer wüsste" von Moewig ab 10 Euro für ein sauberes Exemplar
Die neue Ausgabe von Milena, ISBN 978-3-85286-197-5 vom Verlag für 18,90 Euro

Samstag, 2. Mai 2020

The Pipers

Natürlich wieder gänzlich zufällig bin ich beim Fang auf The Pipers getroffen, einen Graphic Novel nach der Kurzgeschichte Piper in the Woods von Philip K. Dick.
Das zurückhaltende Umschlagbild von The Pipers
Überraschend war diese Sichtung – mit anschliessendem Fang – weil das Buch als Kickstarter erschienen ist. Von einem Kickstarter erwartet man eine gewisse Werbung, die mich nicht erreicht hat - und ich bin sicher viel zum Thema Philip K. Dick unterwegs. Nun ja.
Diese Graphic Novel ist ein wunderschöner Hardcover-Band mit 92 Seiten in full color. Erstellt und illustriert haben ihn Paul Du Coudray und Elizabeth Haidle, ihre Zeichnungen wirken für mein (ausserordentlich ungeschultes Auge) eher getuscht als aquarelliert, aber in der digitalen Gegenwart ist es wohl weder das eine noch das andere.
Der Text des Kurzgeschichte ist nur sehr behutsam angepasst worden, trotzdem ist er erstaunlich aktuell. Erwähnt sei dazu nur kurz, weil eigentlich irrelevant, dass der männliche Garrison Chief Lawrence Watts im Comic eine Frau ist, Laura Watts. Das sagt vielleicht einiges über den Zeitgeist aus, man kann aber auch darüber nachdenken, warum diese offenbar schwarze Frau über den Einsatz der Peitsche zur Mitarbeitermotivation redet. Im Buch ist Watts ein freundlicher Vater-Typ, kein Sklaventreiber.
Inhaltlich geht es um das Thema Leistungsdruck und Selbstoptimierung, also durchaus aktuelle Themen. Bei Dick reagieren die Protagonisten mit einer Flucht nach innen. Das einzige phantastische Element, das für die Geschichte wirklich notwendig ist, ist der gemeinsame Auslöser dieser Flucht, die Pfeifer – und die existieren gar nicht. Ein Autor, der nicht auf eine Veröffentlichung in einem Pulp-Magazin angewiesen gewesen wäre, hätte diese Kurzgeschichte also auch vollkommen unphantastisch, ausserhalb des SF-Ghettos schreiben können. Dick hätte das vielleicht auch gewollt, hat er zu dieser Zeit doch noch einem Durchbruch im Mainstream geträumt. Der graphischen Umsetzung ist übrigens das gal ... with the bossom zum Opfer gefallen, eine Miniatur in Dicks Werken, die wir öfter treffen.
Eine kurze Analyse der Kurzgeschichte kann man auch andernorts nachlesen.
Kein Rauchverbot in The Pipers, wie auch im Orignal aus den 50er Jahren
Eine besondere Rolle spielt diese Kurzgeschichte für mich, weil ich 2018 eine Verfilmung 2018 auf dem Philip K. Dick Filmfestival gesehen habe. Es zeigt sich, dass gewisse Geschichten eine besondere Anziehung als Vorlagen für anderer Medien.
Die Erstveröffentlichung der Kurzgeschichte war 1953 in der Februar-Ausgabe des SF Magazins Imagination, einem typisches pulp magazine seiner Zeit, in dessen späteren Ausgaben zahlreiche weitere Arbeiten von Dick zu finden sind. Beigefügt war der Kurzgeschichte eine kurze, von Dick selbst geschriebene Biographie, die sich im PKDWeb findet. Wie viele andere Geschichten von Dick aus diesem Zeitraum gehören auch die Pipers in the Wood in zu den in der letzten Wochen gezeigten gemeinfreien Ausgaben. Daher gibt es fast 30 – weitestgehend überflüssige - Ausgaben dubioser Kleinverlage oder gleich im Selbstverlag. Diese wunderbare Graphic Novel wäre aber vermutlich anders nicht möglich gewesen.
Aber auch diese Buch musste finanziert werden. Es hatten sich dazu bei Kickstarter 726 Interessenten gefunden, die mit ihren fast 17,000 US-Dollar das Buch quasi subskribiert haben – gefordert waren übrigens nur 4,800 Dollar. Für jeweils 24,00 Dollar hat man ein Buch mit einigen digitalen Zugaben bekommen, für mehr Geld gab es mehr Bücher und überwiegend digital Zugaben, aber auch hübsche Jumbo Postcards. Und für noch mehr Geld konnte man sein Future You Portrait auf dem Vorsatzpapier des Buches verewigen lassen. Gedruckte Bücher wurden über Kickstarter dann letztlich 467 verkauft. Ausgeführt wurde die Produktion von Mascott Press, wo man den Comic noch immer kaufen kann (die Versandkosten muss man erfragen). Ich schätze daher eine Auflage von 500–700 Exemplaren.
Zum Thema Pleiten, Pech und Pannen sei erwähnt, dass im Impressum die Web-Adresse www.mascott.press steht, die es nicht gibt (der Verlag ist unter mascott.studio zu finden) und die nur im Impressum des Buches angegebene ISBN 987-1-7339010-3-1 ist ungültig, offenbar hat es an der 2. und 3. Stelle einen Zahldreher gegeben, wir erwarten "978-". Und auch die Kickstarter Updates erzählen von correcting cover errors. Das muss nicht dran liegen, dass in China gedruckt wurde, wir kennen aus vielen Ländern gravierende Fehler sogar auf dem Umschlag.
Hinweisen sollte man beim Thema Kickstarter (und ähnlichen Plattformen) noch auf das nicht ganz unerhebliche Risiko am Ende nichts zu bekommen. Eher aus Inkompetenz denn aus bösem Willen übernimmt sich so mancher Enthusiast und unterschätzt die Komplexität seines Projektes. Jeder Backer muss also mit einem Totalausfall rechnen. Dafür hat er aber auch die Chance nicht nur ein besonderes Stück zu erhalten, sondern vielleicht auch sein Thema unterstützt und damit vorangebracht zu haben.
Nachlesen kann man die Originalveröffentlichung von Piper in the Woods bei den PhilipKDickFans. Einen Überblick über alle Comics von, nach und über Philip K. Dick gibt es hier im Blog.

Preise

"The Pipers", Mascott Press (2019). ISBN 978-1-7339010-3-1 (?). Gelegentliche Angebote bei Ebay in den USA um die 24,00 USD, zuzüglich Versandkosten von 2070 USD oder bei Mascott Press für 24,00 USD zuzüglich unbekannten Versandkosten

Samstag, 18. April 2020

Gemein und frei

Jeder, der durch die Liste der Bücher von Philip K. Dick bei Amazon (oder sonstwo) blättert, kennt es: Die vielen zunächst erst mal „merkwürdigen“ Einzelveröffentlichungen von Kurzgeschichten, die meist bei bzw. über CreateSpace publiziert sind.
Die eigentliche Ursache für die Masse dieser Publikationen liegt in den 80er Jahren. Dick, sein Agent, Verleger oder Nachlassverwalter haben es versäumt, die frühen Kurzgeschichten ordnungsgemäss für ein Copyright neu registrieren zu lassen. Die Regelung seinerzeit verlangte es, das Copyright nach 28 Jahren zu verlängern. Das ist für knapp 30 Kurzgeschichten zwar passiert, aber nicht korrekt, es gab sehr viele offenbar fehlerhafte Angaben. Man kann dies bei Michael Fisher bei den PhilipKDickFans nachlesen oder bei SFFaudio, wo Jesse Willis etwas expliziter bei seinen Vermutungen bezüglich der fehlerhaften Registrierungen ist.
Beyond Lies the Wub von Aegypan (2011), einem Verlag, der immerhin ein
relativ originelles Umschlagbild bietet  und zusätzlich zur oben gezeigten
Paperback-Ausgabe auch ein sonst identisches Hardcover im Programm hat
Das ganze Thema wurde 2011 öffentlich, als es eine grössere Kontroverse um das Copyright von Dicks Kurzgeschichte Adjustment Team, auf Deutsch Umstellungsteam, gab. Der amerikanische Produzent George Nolfi hatte die Geschichte aufwändig unter dem Titel The Adjustment Bureau, auf Deutsch heisst der (hierzulande leider recht erfolglose) Film Der Plan, u. a. mit Matt Damon verfilmt und dafür an den im Philip K. Dick Trust organisierten Erben, seinen drei Kindern, erhebliche Zahlungen geleistet. Die Produktionsgesellschaft hat gegen Ende der Produktion weitere Zahlungen verweigert, weil der offenbar gar kein gültiges Copyright besass. Der Trust musste schliesslich seine Klagen fallenlassen und die prekäre Copyright-Situation war öffentlich.
In der Folge haben dann Kleinverlage oder auch Einzelpersonen die gemeinfreien Texte einzeln und in Sammlungen herausgegeben. Dieses Phänomen betrifft ganz allgemein auch andere Autoren und nicht nur in der Science Fiction. Und natürlich machen es Publikationsplattformen wie Amazon mit CreateSpace sehr einfach ein solches Buch herauszubringen – man braucht nur ein bisschen Zeit, aber eben kein Kapital.
Leider braucht man auch gar kein Geschick. Es gibt eben keinen (teuren) Lektor beim Verlag, der wenigstens das Schlimmste verhindert. Der Satz im Buch ist oft schlecht und man findet auch Fehler, die bei der Übertragung passiert sind. In den Anthologien sind die Geschichten oft in alphabetischer Reihenfolge, das ist kein Zeichen liebevoller Aufmerksamkeit. Und auch die Einbände der Bücher oder Hefte – denn die meisten Ausgaben sind Broschüren oder Hefte, aber keine richtigen Bücher – sind meist einfach, langweilig oder selbst wieder gemeinfreie Motive, die man von anderer Stelle genommen hat. Als Ergebnis gibt es einigen Ausgaben, bei denen sogar die Titel auf den Umschlägen falsch geschrieben sind: Beyond Lie the Wub kann man lesen, aber auch der distinguierte Gollancz Verlag hatte zeitweilig ein Wubb im Angebot. Und auch OF withered Apples & Exhibit Peace muss man auf einem Buch lesen – und so sehr man sich den Frieden wünscht, um den es in der Kurzgeschichte geht, so heisst sie bei Dick doch Exhibit Piece. Es gibt aber auch einige kreativ illustrierte Ausgaben, deren Inhalt ich aber nicht gesehen habe und Ausgaben mit neuen Einführungen, also zumindest etwas Mehrwert.
Überwiegend sind die Ausgaben aber Schrott – und dabei nicht einmal billig. Eine Kurzgeschichte kommt auf sieben Euro und mehr … für 10 Euro bekommt man schon den ersten (regulären) Band der Collected Stories verlagsneu mit fast allen der gemeinfreien Geschichten, 26 in diesem Band, mit Anmerkungen, Vorwort und einem schönen Umschlagbild. Und antiquarisch zahlt man noch weniger …
Diese gemeinfreien Ausgaben existieren also wohl hauptsächlich, weil es so einfach ist, sie zu erstellen, nicht, weil sie jemand braucht oder will. Oder gibt es jemanden, der so etwas kauft? Die Antwort auf diese Frage ist natürlich immer: Sammler. Eines der Bücher trägt auch den Blub: A 'Must Have' Book For Your CollectionAber gibt es wirklich genug Sammler, die sich mehr als 300 unattraktive Ausgaben von 26 Kurzgeschichten von Philip K. Dick kaufen?
Dieser Sammler belässt es bei der einen gezeigten Ausgabe, die antiquarisch (also nachhaltig) erworben wurde. Erwähnen sollte man aber, dass die Ausgabe Dicks ersten Satz, quasi das Motto der Kurzgeschichte, enthält, der in allen regulären englischen Sammlungen fehlt und jetzt erstmals von Aegypan zurückgebracht wurde:
The slovenly wub might well have said: Many men talk like philosophers and live like fools.
Zusätzlich zu den Einzelausgaben gibt es auch rund 30 Sammlungen dieser Geschichten (mit einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis) sowie fast 30 Anthologien, die zumindest eine Kurzgeschichte von Dick enthalten.
Seite 69 von Planet Stories, Juli 1952 mit der
ersten Veröffentlichung von Philip K. Dick - man
erkennt, wo sich Aegypan für das Umschlagbild
hat inspirieren lassen, zu sehen auch das Motto
Man kann aber davon ausgehen, dass diese Ausgaben wirklich einmal selten sein werden, denn als Print-on-demand sind sie nur scheinbar ewig verfügbar. Sobald der Herausgeber dahinter verschwindet, verschwindet auch das Angebot, einige ältere Angebote sind bereits nicht mehr lieferbar. Und antiquarisch werden sich diese Ausgaben nur schwer finden lassen, da sie in kleinster Auflage verkauft sind und ob ihrer offensichtlich geringen Qualität schlechtere Überlebenschancen haben als hübsch gebundene richtige Bücher.

Und in Deutschland?

Die beschriebene Copyright-Situation gilt so natürlich nur für die USA, in Deutschland sind die Originaltexte mutmasslich doch noch unter Copyright, die deutschen Übersetzungen aber in jedem Fall. Ohne eine gute Rechtsberatung (die wohl mehr kostet, als so ein Buch verdienen kann) sollte man so etwas also nicht probieren. Es gibt aber doch zwei deutsche Ausgaben, allerdings nicht gedruckt sondern für das elektronische Kindle Lesegerät von Amazon (natürlich gibt es zahllose englische Ausgaben für den Kindle).
Diese offenbar neu übersetzen deutschen Ausgaben von Beyond Lies the Wub, hier als Und Jenseits das Wub und The Gun, auf Deutsch Die Kanone, von 2015 sind beim obskur wirkenden fuxbau Verlag erschienen. Zumindest das Wub beinhaltet zusätzlich den englische Originaltext und übernimmt die gezeigte Illustration im Textteil und auch das Motto. Die Übersetzung ist neu von Daniel Reich gemacht. Aber die kann, soweit die Vorschau bei Amazon das erkennen lässt, nicht begeistern: Da versinkt ein Gesicht in Finsternis (wird es denn schon dunkel?), ich folge da eher Walter Grossbein und lese lieber von einer düsteren Miene und es wird Kleidung eingesammelt (warum liegt die denn da?) und nicht das Gewand gerafft, was hier ganz plausibel wäre, um anzuzeigen, dass der Träger der Kleidung gerade gehen möchte. Gut zu übersetzen, ist eben nicht einfach. Aber ich will hier keinen Übersetzerkrieg beginnen.
Interessant ist aber, dass das scheinbar geht, fuxbau veröffentlicht immerhin zwei Texte. Allerdings kann man das Impressum und Copyright Nennung des Wub in der kostenfreien Vorschau nur unvollständig sehen. Und Die Kanone ist beim deutschen Amazon gar nicht verfügbar, nur beim amerikanischen Amazon.com, das ist für einen deutschen Text eher eigenartig. Und schliesslich bleibt es auch seit 2015 bei diesen beiden Ausgaben.
Für die eigene Recherche nach den beschriebenen gemeinfreien Ausgaben würde ich, ausser Amazon, die Webseite des Queen Anne Buchladens in Seattle empfehlen. Tatsächlich finden sich dort viele Ausgaben, die ich andernorts nicht (mehr) finden konnte. Zu einer tieferen Beschäftigung mit dem Thema kann ich aber niemanden raten. 
Einen Überblick über die gemeinfrei veröffentlichten Kurzgeschichten gibt eine Seite hier im Blog, deren Erstellung recht aufwändig – wirklich sehr aufwändig – war und die trotzdem vermutlich fehlerhaft ist: einerseits unvollständig, andererseits mag die eine oder andere Veröffentlichung darauf geraten sein, die es nicht verdient hat. Insbesondere bei den sehr frühen Büchern von 2009 bin ich mir nicht sicher, ob hier nicht das Copyright beachtet wird, denn so früh wurde die Copyright-Situation gar nicht diskutiert.
Einen vollständigen Scan von Planet Stories vom Juli 1952 findet man im Internet Archive. Ein paar der gemeinfreien Geschichten lassen sich bei PKD-Books nachlesen.

Preise

"Beyond Lies the Wub", Band 1 der Collected Stories. Orion/Gollancz. ISBN 9781857988796, neu ab 10 Euro
Die meisten der "gemeinfreien" Ausgaben liegen zwischen 8 und 15 Euro

Samstag, 11. April 2020

Japanisch

Vor längerer Zeit hatte ich schon einmal sehr kurz über japanische Ausgaben von Philip K. Dick geschrieben, aber Japan verdient einen eigenen, ausführlichen Eintrag in diesem Blog.
Die erste Publikation von Dick in Japan überhaupt war 1957 die Kurzgeschichte Impostor als Teil der (gekürzten) Übersetzung der Anthologie Science Fiction Terror Tales, im Original herausgegeben von Groff Conklin bei Gnome Press (1955).
Als erste Ausgabe eines Romans folgt 1959 in Japan eine Übersetzung von Und die Erde steht still [Eye in the Sky], also zeitlich noch vor der ersten ordentlichen Buchausgabe in Deutschland. Im Katalog stehen derzeit über 90 Ausgaben von Romanen - zuletzt übersetzt ist 2013 Die Invasoren von Ganymed [The Ganymede Takeover], ein Werk das Dick gemeinsam mit Ray Nelson geschrieben hat.
Die erste Übersetzung von Time Out of Joint ist in Japan in acht Teilen im Magazin NW-SF erschienen: von Mai 1973 bis August 1978 - der geduldige japanische Leser musste also nach der ersten Ausgabe mehr als fünf Jahre ausharren, um zu erfahren, warum der armen Raggle Gumm so lange und aufwändig getäuscht wurde. Dicks Romane sind öfter mehrteilig erschienen, aber der Zeitraum von fünf Jahren ist ein Rekord.
Auch einige der Mainstream-Romane sind übersetzt und es gibt fast 40 Anthologien, insgesamt sind mehr als 140 Einträge in meinem Katalog. Meine Probleme beim Recherchieren in einer fremden, unlesbaren Sprache lassen aber vermuten, dass es durchaus noch unentdeckte Ausgaben geben kann.
Japanische Ausgabe von Philip K. Dicks
Do Androids Dream of Electric Sheep?
In meiner Sammlung befindet sich nur eine japanische Ausgabe, die ich mir vor längerer Zeit recht unwillig beim hässlichen Hund gekauft habe – der Preis war zu gut, um das vorübergehen zu lassen und die Qualität dann doch überraschend gut. Es ist eine frühe der zehn Ausgaben von Do Androids Dream of Electric Sheep? auf Japanisch: アンドロイドは電気羊の夢を見るか? (Andoroido wa denkihitsuji no yume o miruka?), Hayakawa, (1977). Die Ausgabe, obwohl eine kleinformatige Taschenbuchausgabe, hat einen Schutzumschlag mit buntem Motiv, passenderweise einem Schaf, und wird, aus deutscher Sicht, „von hinten nach vorne gelesen“.
Japanische Bücher kann man wohl in den USA und teilweise in Grossbritannien einfach bekommen, man muss sie aber meist – auch durch das Porto – teuer bezahlen. Gelegentlich verirrt sich auch mal etwas auf eine deutsche Plattform, in letzter Zeit auch zu Amazon.
Es gibt einige schöne japanische Fanseiten, z. B. die site KIPPLE mit ihrer überaus umfangreichen Bibliographie.
Eine gute Informationsquelle für internationale Ausgaben ist der hier schon früher erwähnte WorldCat, in dem viele Bibliotheken ihre Kataloge zur Verfügung stellen. Für internationale Ausgaben ist diese Quelle unschlagbar.
In diesem Blog gibt es eine Liste aller Sprachen, in die es Übersetzungen gibt.

[Anmerkung: Ein Teil dieses Textes war urspünglich als Abschnitt des Blogeintrages Mitbringsel veröffentlicht und ist jetzt nach hier verschoben, ergänzt und überarbeitet.]

Samstag, 4. April 2020

Frischer Fang aus dunkler Tiefe

Was macht man so als Sammler? Nun, heutzutage findet sehr viel im Netz statt, zumindest für mich. Die andere Informationsquelle ist natürlich der Bestand, in den Büchern und Zeitschriften, die man in der Sammlung (oder anderweitig im Zugriff) hat, gibt es oft Hinweise auf andere Stücke für die Sammlung. Und mein Bestand ist noch nicht vollständig bearbeitet, ich bin mir sicher, dass dort noch viele Geheimnisse verborgen sind.
Dark Shine von Aleksandar Opacic
Heute habe ich aber mal wieder das Netz bemüht. Eine Seite, auf die man immer wieder stösst, ist Goodreads. Goodreads und teilt sich – zumindest teilweise  die Rezensionen und die Umschlagbilder mit Amazon, zu dem es seit 2013 gehört. Die Qualität der bibliographischen Daten ist aber etwas besser als die von Amazon, vermutlich weil hier nicht jedes antiquarische Angebot von mehr- oder weniger kompetenten Händlern mitaufgenommen wird, aber die schlechte Qualität der bibliographischen Daten bei Amazon ist ein anderes (bekanntes) Thema.
Zu Philip K. Dick hat Goodreads fast 1.100 Einträge, von denen die meisten schon in meinem Katalog sind. Mit jedem neuen Thema, ich bearbeite gerade die Ausgaben der gemeinfreien Kurzgeschichten (dazu demnächst hier im Blog mehr), lande ich aber wieder bei denselben Quellen. Und es findet sich auch immer etwas Neues. Dieses mal habe ich dort Dark Shine entdeckt, einen sehr düsteren Comic des kroatischen Illustrators Alekasandar Opacic. Enthalten sind drei Geschichten. Die erste ist offenbar die Titelgeschichte, die auch das Thema des Buches vorgibt; die dritte (und längste) mit dem Titel Eyes spielt mit Batman-Motiven. Der Text der zweiten Geschichten dieses Comics, man würde heute wohl eher Graphic Novel (fragment?) sagen, ist von Philip K. Dick. Es handelt sich um einen Auszug aus A Scanner Darkly [Der dunkle Schirm]. In Dark Shine ist der Text auf zehn Seiten illustriert, auch das Bild auf dem Umschag stammt aus dieser Geschichte.
Erschienen ist dieser Band als zweiter in der Reihe Kolekcija Vera Suchankovaman findet sie hier im Netz. In dieser Sammlung der Vera Suchankova hat der erste Band in diesem digitalen Zeitalter nämlich die Nummer 0. Betrachtet man die drei Bände so sieht man das der Fokus dieser Reihe auf dem illustratorisch-künstlerischen Aspekt der Werke ist, vielleicht weniger auf dem Geschichtenerzählen.
Blok H, das  Fragment aus A Scanner Darkly
Interessant ist, dass dieses Buch von 2011 und trotz seiner kleinen Auflage von nur 300 Exemplaren offenbar immer noch verlagsfrisch erhältlich ist. Ich habe das Buch allerdings antiquarisch gefunden, das dürfte aber eher schwer sein. Das ist natürlich ein bisschen traurig, der Markt für solche Arbeiten ist aber wohl kleiner, als Gedacht. Im Netz wird es auch meist nicht mit Philip K. Dick in Zusammenhang gebracht, sondern eher als düsterer independent Comic angeboten. Erschienen ist das Buch bei dem portugiesischen Verlag Firma und hat daher auch eine portugiesische ISBN mit der Gruppennummer 989. Der Text ist aber in Englisch.
Die Rückseite, leider (noch)
mit Preisschild
Mehr zu Comics gab es schon im Blog, dort findet sich auch das Buch zum Film A Scanner Darkly  Der dunkle Schirm. Der Film von 2006 ist in Comic-Optik produziert, das Buch ist daher praktisch auch ein Comic, die in Blok H verwendete Szene ist allerdings nicht im Film.
Eine bibliographische Übersicht über alle Comics gibt es auch. Und da dieses Buch in Portugal veröffentlicht ist, erinnere ich hier an den Blogeintrag über die portugiesischen Ausgaben hier im Blog.

Preise

"Dark Shine" von Alekasandar Opacic (Illustrationen). ISBN 978-989-96545-1-8, neu um die 13 Euro

Samstag, 28. März 2020

Holz – oder: 200!

In diesem Blog rede ich nicht viel über den Blog oder das Bloggen, sondern viel mehr, weil viel lieber, über Philip K. Dick und das Sammeln und das Sammeln von allem von und über Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird eine Ausnahme sein, weil ich mit dem exklusiven Kreis meiner Leser ein Jubiläum feiern kann  vor genau fünf Jahren, auf den Tag, sogar auf die Minute genau erschien der erste Eintrag in diesem Blog.
Geplant war der Blog damals schon lange, aber nie standen die Sterne richtig und so habe ich hier die ersten beiden Staffeln von Fischer verpasst. Hohe Ambitionen können eben auch lähmen. Mit der dritten Staffel von Fischer habe ich dann begonnen, obwohl auch da noch nicht alles fertig gedacht war  und so ist nun das hier herausgekommen.
Das Wichtigste ist natürlich: fünf Jahre durchgehalten! In den schnelllebigen Zeiten des Internets (ist es das noch?) ist das eine Menge wert, nicht alle Blogs schaffen das. Ausserdem sind es bisher auch  nicht ganz zufällig  genau 200 Blogeinträge geworden. Das ist schon eine ansehnliche Zahl, zumal hinter dem einen und anderen Eintrag doch auch einiges an Arbeit steckt, man siehe auch die nicht mitgezählten Seiten zu den Verlagen und einzelnen Themen.
Nachdem ich zum Start des Blogs auf eine programmatische Erklärung der Ziele verzichtet habe, will ich das jetzt etwas nachholen. Hauptsächlich möchte ich hier die Erkenntnisse, die ich bei der Beschäftigung mit dem Autoren Philip K. Dick gewinne, festhalten und anderen zugänglich machen ich schreibe also über Dinge, die mir neu sind und die ich andernorts so nicht (einfach) finden kann, zumindest nicht im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Der Fokus ist dabei auf den deutschen Veröffentlichungen, hier bin ich sehr um absolute Vollständigkeit bemüht. Ein frühes Highlight war natürlich der Appendix Dick von Tommi Brem. Ein schönes, aber unscheinbareres Beispiel dafür ist der Eintrag über das Nachwort von Drei Stigmata für Palmer Eldritch. Etwas spektakulärer  nach den Massstäben dieses Blogs  sind dann die Beiträge zu Zeit ohne Grenzen auf der Bühne und die Replikantenoper.
Zu den englischen Veröffentlichungen gibt es zahlreiche andere Seiten, auf die ich hier im Blog ja auch regelmässig verweise und denen ich keine Konkurrenz machen kann und will, daher bedenke ich diese zwar auch, aber doch nur in Auswahl.
Und ein weiteres Thema sind natürlich die Übersetzungen in weitere Sprachen, dieses geht allerdings einem natürlich Ende entgegen  die meisten Sprachen sind mit einem Eintrag bedacht. Ein Highlight war ein Blogeintrag zur ersten russische Veröffentlichung und unlängst ein Exemplar in Farsi.
Natürlich hat sich der Blog im Laufe der Zeit entwickelt, und einiges habe ich schon geändert, auch rückwirkend, die alten Einträge werden gelegentlich (erheblich) angepasst und Fehler korrigiert. Und mit dem Hinscheiden von Google+ hat auch dieser Blog eine unaufdringliche Präsenz bei Facebook bekommen.
Ein sehr schöner Nebeneffekt des Blogs war es tatsächlich auch, mit anderen interessierten Menschen in Kontakt zu kommen. Es gab einige positive Rückmeldungen zu diesem Blog, Fragen, hauptsächlich aber Anmerkungen, durch die ich viel lernen konnte. Und ich habe auch  und darüber wird noch im Detail zu berichten sein  den einen oder anderen Beitrag zur Sammlung erhalten. Tatsächlich wäre das auch mein Wunsch, hauptsächlich an die Leser, mehr Kontakt zu suchen, aber auch an mich, mehr Möglichkeiten für solchen Kontakt zu schaffen. Leser sind natürlich immer eingeladen sich zu äussern  über Kommentare hier im Blog, Mails und eben bei Facebook. Die meisten Leser erreiche ich aber wohl über Suchen bei Google, zu spezifischen Schlagwörtern im Zusammenhang mit Philip K. Dick. Dieser Eintrag wird dort also eher nicht auf auftauchen (und darum wohl auch eher weniger gelesen werden).
Und auch wenn sich dieser Blog an Fans und Leser von und Interessierte an Philip K. Dick richtet, einiges mag für Sammler anderer Themen auch interessant oder sogar inspirierend sein, sei es der Kampf mit Anbietern und falschen ISBNs, das Überwinden von Portomauern, unvollständige bibliographische Daten oder ähnlichem.
Bleibt die Frage, wie es weitergeht. Langsamer vermutlich. Sehr am Herzen liegen mit die PKDS Newsletters, deren Bearbeitung ich begonnen habe, deren Auswertung aber aufwändig ist. Dazu kommen  und da gibt es eine gewisse Überschneidung  die vielen letters von Dick, die allerorten veröffentlicht sind. Und schliesslich fehlt eine umfassendere Betrachtung der deutschen Sekundärliteratur, in meiner Sammlung befinden sich noch einige spannende Stücke, die einen Blogeintrag verdienen. Auf der List der Ideen stehen aber noch viele weitere Themen. Und auch die Bilder sollen besser werden  und vielleicht auch bei Instagram erscheinen! (Die Bilder in diesem Eintrag dienen dazu den Text ein wenig aufzulockern, eine inhaltliche Ergänzung liefern sie nicht.)
Sehen wir mal, was die nächsten fünf Jahre bringen.

Samstag, 22. Februar 2020

Wiedervereinigt

Es passiert selten genug, mir sind nach längerer Zeit wieder ein paar amerikanische Pulp-Magazine aus einer deutschen Quelle ins Netz gegangen. Solche Pulps sind nicht unbedingt besonders teuer, aber das Porto macht den Bezug aus den USA kostspielig und Angebote aus Deutschland, also mit angemessenem Porto, sind selten.
Worlds of Tomorrow, November 1965 und Januar 1966 mit Philip K. Dicks Project Plowshare
Ich mag die alten Pulps, mit den bunten Umschlagbildern und den Anzeigen für Geschäftsideen und Haarwuchsmittel. Ausserdem gibt es natürlich die Illustrationen, die die Kurzgeschichten begleiten und die ihren eigenen Charme haben.
Dick hat in seiner Kindheit selbst die Pulp-Magazine gelesen (und gesammelt) und sein Interesse an Science Fiction hat sich (auch) daraus entwickelt.
Eines der ersteigerten Hefte enthält auch den zweiten Teil von Project Plowshare. Der erste Teil wartet in meiner Sammlung schon länger auf seine fehlende Ergänzung. Project Plowshare ist ein Roman, der, wie einige andere, zunächst mehrteilig in einem der üblichen Magazine erschienen ist.
Nach der Erstveröffentlichung in zwei Teilen in Worlds of Tomorrow (11/1965 und 1/1966) ist der Roman 1967 in den USA als Taschenbuch unter dem Titel The Zap Gun bei Pyramid Books erschienen. Bis zur letzten Ausgabe 2012 bei Mariner kamen dann insgesamt zehn englische Buchausgaben heraus.
Das Labyrinth der Ratten, die einzige
deutsche Ausgabe von The Zap Gun,
bei Goldmann (1979)
Der – für mich etwas schwierige – deutsche Titel der Zap Gun ist Das Labyrinth der Ratten, ein Single, von dem es nur eine deutsche Ausgabe, die vom Goldmann Verlag gibt und die dieses Jahr auch schon ihren 40. Geburtstag feiern kann. Vielleicht möchte Fischer ja seine Klassik Reihe mit diesem Roman fortsetzen, vielleicht nicht das beste Werk von Dick, aber auch nicht so viel schlechter als der Topfheiler  und eine neue Ausgabe wäre wirklich fällig. Übersetzt ist die Zap Gun in mindestens weitere neun Sprachen.
Das Labyrinth der Ratten ist einfach zu beschaffen, es wird häufig angeboten und obwohl es im Schnitt etwas über den anderen Ausgaben von Goldmann liegt, kann man mit der üblichen Geduld ein günstiges Angebot unter dem üblichen Marktpreisen abpassen. Für die Pulp-Magazine gilt natürlich mehr noch als für Taschenbücher, dass man auf die Erhaltung achten muss, wirklich gute Erhaltung ist aber bei Pulps selten und daher teuer. Wenn man es sich nicht leisten kann, muss man für die Magazine der 50er und 60er Jahre Abstriche bei der Qualität hinnehmen. Die Preise hier schwanken extrem, auf ein gutes Angebot warten kann sich lohnen: Da die Hefte stark gesammelt werden, werden sie auch viel gehandelt. Hefte mit Veröffentlichungen von Dick sind daher auch leicht zu finden – allerdings praktisch nur in den USA, Angebote in Deutschland sind selten. Bei Angeboten in Grossbritannien sollte man sorgfältig prüfen, ob es sich um eine Originalausgabe handelt oder um einen britischen Nachdruck bzw. eine britische Ausgabe.
Alle englischen – und einige übersetzte – Ausgaben von The Zap Gun finden sich bei isfdb. Gescannte Ausgaben von Worlds of Tomorrow finden sich im Internet Archive, auch für die beiden oben gezeigten: November 1965 und Januar 1966. Bibliographische Angaben zum Labyrinth der Ratten sind in diesem Blog auf der Seite zum Goldmann Verlag zu finden.

Preise

"Das Labyrinth der Ratten" von Goldmann (1979) in sammelwürdiger Erhaltung bei 12 bis 20 Euro
Pulp-Magazine mit Kurzgeschichten von Dick liegen bei 5 bis 50 Euro. Disclaimer

Samstag, 1. Februar 2020

Vintage

The Penultimate Truth, Vintage (2004) von Philip K.
Dick mit einem Cover von Heidi North, die sehr viele der
Umschlagbilder der Vintage Gesamtausge gestaltet hat
Die Ausgaben von Vintage Books sind mir persönlich sehr wichtig, weil sie die ersten Ausgaben von einigen Romanen von Philip K. Dick waren, die ich überhaupt hatte. Noch vor der deutschen Ausgabe konnte ich The Confessions of a Crap Artist von Vintage lesen, da die deutsche Ausgabe praktisch nicht zu kriegen war. Daher stehen die Bände von Vintage schon lange ganz oben auf meiner Suchliste, allerdings hat sich in der letzten Zeit wenig getan (im Gegensatz zu den Penguins, die jetzt fast vollständig sind). Als jetzt also ein günstiges Exemplar von The Penultimate Truth, auf Deutsch Zehn Jahre nach dem Blitz, aufgetaucht ist, musste ich handeln, also kaufen.
Vintage hat zwischen 1991 und 2006 die erste Gesamtausgabe der Science Romane von Philip K. Dick herausgebracht – immerhin 33 Romane, das sind fast alle. Dazu kommen noch ein Mainstream Roman, die oben genannten Confessions, sowie The Shifting Realities of Philip K. Dick, die einen ersten Eindruck der Exegesis vermittelten, aber auch andere Essays enthalten sowie zum Abschluss der Reader Vintage PKD.
Von den Science Fiction Romanen fehlen bei Vintage:
  1. Do Androids Dream of Electric Sheep?
  2. Nick and the Glimmung
  3. The Ganymede Takeover
und
  1. Ubik: The Screenplay
DADoES fehlt vermutlich, weil dieses populäre Buch anderweitig gebunden war (allerdings hatte der Verlag Del Rey offenbar die Rechte, der letztlich auch zu Random House gehört); und ein Kinderbuch wie Nick passte nicht in die Reihe. Warum aber Ganymede fehlt, ist mysteriös – aber das hatten wir ja schon in der zweiten Gesamtausgabe, der von Mariner: Auch da fehlt The Ganymede Takeover. Ray Nelson wird andernorts damit zitiert, die Ausgabe sei just less popular than books Phil wrote solo because he is more famous than I am. Plausibel ist das nicht, Ganymede ist sicher besser als mancher Roman, den Phil solo geschrieben hat. Und in Grossbritannien geht es ja auch … Das Screenplay ist auch eher eine randständige Ausgabe, ein Werk, das es erst in letzter Zeit in den Kanon der Romane geschafft hat, z. B. eben bei Mariner. Und trotz dieser Lücken ist Vintage doch eine Gesamtausgabe der Science Fiction Romane. Vintage Books ist ein Imprint der Knopf Doubleday Publishing Group die wiederum zu Random House gehört. Vintage Ausgaben werden daher oft auch mit diesen Verlagsangaben angeboten.
Russ Galen, Dicks Agent, hat zum Deal mit Vintage einige Interessante Anmerkungen gemacht. An anderer Stelle wird die Vintage Gesamtausgabe kritisiert, weil es letztlich 15 Jahre dauerte, bis alle Romane der Reihe erschienen sind: Von 1991 bis 2005. Interessierte Leser hätten sich das sicher schneller gewünscht, dem Verlag wird vorgeworfen die Reihe aus kommerziellen Erwägungen so herausgezogen zu haben. Ich denke, man kann froh sein, dass Vintage Books durchgehalten hat - hierzulande hat Heyne zwischendrin aufgegeben. Immerhin sind die Ausgaben ein bisschen schöner, keinen schnöden Paperbacks, sondern immerhin Trade Paperbacks, mit einem etwas grösseres Format (aber billigen Papier, wie ich finde). Wie man zu den Umschlagbildern steht, ist sicher Geschmackssache, objektiv hat sich Vintage durchaus Mühe gegeben. Am fleissigsten war dabei Heidi North, die rund zwei Dutzend der Umschläge (mit-)gestaltet hat, auch den oben gezeigten Neuzugang.
Es gibt auch eine zweite Ausgabe von A Scanner Darkly, die 2006 als Buch zum Film herausgekommen ist. Sie passt vom Design des Titelbilde nicht zu den Bänden der Gesamtausgabe, daher rechne ich sie hier nicht dazu.
Vintage hat ausserdem noch eine gebundene Ausgabe für einen Buchclub herausgegeben und eine von Jonatham Lethem herausgegebene Anthologie, The Vintage Book of Amnesia (2000), die (natürlich!) eine Kurzgeschichte von Dick enthält.
Zusätzliche Informationen hier im Blog:
Alles von Philip K. Dick bei Vintage
Exemplare der Gesamtausgabe von Vintage sind einfach zu bekommen, man sollte den Zustand beachten, viele Exemplare sind Ex-Lib, einige Anbieter geben das nicht an. Die meisten Angebote kommen aus den USA, mit dem damit verbundenen teilweise sehr hohem Porto.

Preise

Die Vintage Ausgaben der Gesamtausgabe kriegt man (in vernünftigem Zustand) ab 6 bis 10 Euro, mit Porto und Warten sollte jede für 10 bis 20 Euro zu bekommen sein

Samstag, 18. Januar 2020

Ich gestehe

Ein schöner Rücken ...
Die bisher teuerste und kostbarste Anschaffung in meiner Sammlung ist eine von Philip K. Dick eigenhändig signierte Erstausgabe von Confessions of a Crap Artist. Es war Zeit. Wenigstens ein signiertes Exemplar habe ich mir verdient und die signierte und nummerierte Ausgabe der Confessions stand auf meiner Liste ganz oben. Ich habe das Buch bei Ebay beobachtet und der Verkäufer hat dann ein zu gutes Angebot gemacht, um es abzulehnen - und der Verkäufer ist mir (ein bisschen) bekannt und ich halte ihn für absolut seriös. Und nachdem ich im August nicht beim Philip K. Dick Festival in Fort Morgan war, konnte ich die Anschaffung mit meinem Budget vereinbaren. Wirklich erreicht hat mich das Exemplar aber erst zu Weihnachten.
Diese Ausgabe von Confessions ist als signiertes Exemplar attraktiv, weil sie einigermassen sicher echt ist. Denn es gibt ziemlich sicher einige gefälschte Signaturen: Ein kurzer Schriftzug Philip K. Dick erhöht den Wert eines Exemplars um mindestens 500 Dollar, eher mehr. Da kann der Kugelschreiber schon mal ausrutschen ...
Die Erstausgabe von Confessions of a Crap Artist
vom Verlag Entwhistle Books (1975)
Es gibt aber zahlreiche Ausgaben, die von Dick schon bei deren Erscheinen, quasi verlagsseitig, signiert sind, die Echtheit ist also belegt. Dabei handelt es sich um Luxusversionen von Erstausgaben; bei den meisten von ihnen, wie den 100 Exemplaren der Collected Stories, ist die Unterschrift von Dick jedoch nur eingeklebt. Dick hat offenbar eine grosse Menge von unterschriebenen Schecks hinterlassen; in den USA haben die Banken, zumindest zu Dicks Lebenzeiten noch, üblicherweise die eingelösten Schecks an den Aussteller entwertet zurückgesendet, als Beleg für die Auszahlung. Dick hat diese offenbar behalten. Von diesen Schecks wurden nun die Unterschriften ausgeschnitten und in spezielle Ausgaben eingeklebt. Es gibt auch noch eine solche Luxuserstausgabe von Mary and the Giant von Ultramarine (1987) mit einer eingeklebten Scheck-Signatur und In Milton Lumky Territory in einer 50er Auflage von Dragon Press(1985).Weiter gibt es eine solche als lettered edition, also 26 Exemplare versehen mit den Buchstaben A bis Z, der Selected Letters. Und schliesslich gibt es in dieser Art noch eine Ausgabe von Ubik: The Screenplay von Corrobee (1985) in einer nummerierten Auflage von 50 Stück.
Ausser den Confessions gibt es eigenhändig signiert sonst nur noch eine Erstausgabe der Bibliographie PKD. A Philip K. Dick Bibliography von Daniel Levack und Steven Owen Godersky, an der Dick aktiv mitgewirkt hat. Die rot gebundene Variante der Erstausgabe ist 1981 bei Underwood-Miller in einer Auflage von 200 Exemplaren erschienen und von Levack, Godersky und Dick im Buch signiert. Das ist sicher auch ein schönes Stück, aber es ist, trotz seiner Mitwirkung, nicht wirklich von Dick.
Schliesslich gibt es noch The Divine Invasion von Timescape Books (1981), von denen 50 Stück mit einem von Dick signierten Exlibris ausgegeben wurden.
Eine teure Signatur
Auf Deutsch sind die Confessions of a Crap Artist in zwei Ausgaben unter dem Titel Eine Bande von Verrückten erschienen, zuerst als Hardcover bei Reidar (1987), später broschiert bei Betzel (1993), hier mehr dazu. Von Dick signierte deutsche Ausgaben sind mir übrigens nicht bekannt.
Beim Kauf in den USA sollte man bedenken, dass der Zoll in dieser Preisklasse noch mal rund 10 Prozent auf den Kaufpreis aufschlägt, da fällt das Porto kaum ins Gewicht. Natürlich muss so etwas versichert versendet werden - und man sollte nur bei einem seriösen Verkäufer kaufen. Trotz der kleinen Anzahl von Ausgaben sind die meisten Luxusausgaben leicht zu finden - der hohe Preis hält sie wohl in Fluktuation.
Bei den deutschen Übersetzungen des Romans ist die später erschienene broschierte Ausgabe von Betzel deutlich seltener und nicht immer erhältlich; offenbar bestimmt aber die häufigere gebundene Erstausgabe den Preis und so ist sie, wenn es sie denn gibt, günstiger zu finden. In jedem Fall lohnt sich hier das Warten auf ein günstiges Angebot.

Preise

"Confessions of a Crap Artist", Entwhistle (1975), signiert um 800 Euro
"Eine Bande von Verrückten", Reidar (1987) bzw. Betzel (1993) jeweils bei 40 bis 80 Euro

Samstag, 4. Januar 2020

Voller Durchblick – Ausblick 2020

Auch 2020 wird wieder ein Jahr für den Philip K. Dick Sammler – auch wenn es derzeit eher wie ein ruhiges Jahr aussieht.
Die Clans des Alpha-Mondes, die
Neuausgabe von Fischer in diesem Jahr,
mit eher langweiligen Umschlagbild
Die Höhepunkte für die Sammlung werden, soweit derzeit absehbar, die drei neuen Ausgaben von Fischer. Die bemerkenswerteste der drei ist wohl Die Clans des Alpha-Mondes am 29. Juli, tatsächlich eine Ausgabe von Fischer, die nicht aus der Heyne Werkedition übernommen ist (sondern dort nur als Auf dem Alphamond geplant war). Immerhin. Dann folgen am 23. September zwei Ausgaben in der gebundenen, kleinformatigen TaschenBibliothek, in der von Dick bisher (2017, hier im Blog) nur Das Orakel vom Berge erschienen ist. Jetzt ist der Blade Runner in der Übersetzung von Manfred Allié angekündigt,  aber mit dem abstrakten (um nicht zu sagen: langweiligen) Cover der ersten Klassik Ausgabe von 2014; damals ist es mit der Wölfl/Dougoud-Übersetzung erschienen. Und es kommt eine weitere Ausgabe von Das Orakel vom Berge, aber unter dem Titel The Man in the High Castle/Das Orakel vom Berge mit dem an die Amazon-Serie angelehnten Umschlagbild der neueren Ausgabe von 2017.
International ist bisher nur eine Neuauflage der Biographie von Darryl Mason angekündigt, ich bin aber noch nicht davon überzeugt, dass das Buch wirklich pünktlich erscheint. Für mich ist dieses Buch ein Gespenst, dass ich noch nicht richtig zu fassen bekommen habe. Darüber hinaus ist absolut keine neue englische Ausgabe angekündigt.
In anderen Ländern, bei sehr beschränkter Sicht, kann ich nur eine spanische Ausgabe der Collected Stories sehen, die die Reihe Bibliotecas de Autor bei Minotauro fortsetzt und der weitere Bände folgen mögen.
Für den Blog hat sich einiges zu verschiedenen asiatischen Sprachen angesammelt, das in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Und natürlich feiern wir im März den fünften Geburtstag des Blogs und ich hoffe einige Modernisierungen zumindest am Design des Blogs durchzuführen. Ob ich mich noch mal ernsthaft mit einem Umzug auf eine andere Plattform beschäftige, bleibt abzuwarten. Inhaltlich stehen auf meiner Wunschliste die Themen PKDS Newsletter, Personen und Briefe.
Im Oktober oder November gibt es (hoffentlich) wieder ein Film Festival in Köln, das ich besuchen kann, auch wenn es wenig zur Sammlung beiträgt. Vielleicht schaffe ich es aber das Thema Film ein bisschen mehr im Blog einzubringen.
Darüber hinaus können wir uns überraschen lassen, was das Jahr für, mit und über Philip K. Dick bringt!